VX — Hinrich Matthiesen


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Nicht fr den Verkauf bestimmt
hausgabe Dezember 1990
Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nacht, Mnchen
1988 Hestia Verlag, Bayreuth
Originalverlag Hestia, Bayreuth
Umschlaggestalt
ung Manfred Waller
Umschlagfoto Zefa/Pressfoto
Druck und Bindung brodard & taupin
Printed in France 5 4 3 2 1
1. Teil
Frank Golombek lag buchlings auf einem Strohschober
auen gebogen war. Und dieser Umstand, da die Neigung
auen bestand und nicht innen, htte ihm, wre es seine
erste Inspektion gewesen, sicher verraten, worum es bei
der Barriere ging: Es kam nicht darauf an, Menschen am
Hinauskommen zu hindern, sondern am Eindringen. Doch
das wute er lngst, wie er berhaupt eine ganze Menge
wute ber das vor ihm liegende, mit Wald, Buschwerk
und zahlreichen Gebuden bestandene Areal, von dem
So war ihm bekannt, da es auer dem Turm, der nur ei-
ner von vielen war, und dem
ersten Morgenstunden nutzte.
Er war Frhaufsteher, lebte
berhaupt einen sportlichen Stil. Das hing mit seinem Be-
s Gestts sa er jeden Tag
die Landstrae erreicht hatte,
stieg er in seinen Jeep und
ging ihm der ganze Zynismus auf, mit dem die Menschen
dieser Gegend es zu tun hatten: Immer wieder predigten
die Naturschtzer, die Politiker und tausend Leute mehr,
man solle die Verwendung von Insektiziden nach Mg-
lichkeit einschrnken, und nur
Feldern entfernt, ganz nah dem idyllischen Wasloh mit
seinen elftausend Einwohnern, lagerten, versteckt in unter-
irdischen Bunkern, riesige
Mengen von Kampfstoffen, die
nicht fr die Vertilgung von Insekten, sondern fr die von
Menschen vorgesehen waren.
Rund ein dutzendmal schon
sie das amerikanische Depot nannten, demonstriert, mit
Srgen, so als ginge es bereits um die Bestattung der Op-
fer, mit Spruchbndern und Schildern, die das allen be-
kannte Symbol zeigten: den Totenkopf ber zwei gekreuz-
ten Knochen. Einige der De
monstranten hatten sogar
Deutschland eine neue Exis
tenz aufzubauen, und so hatten
einige der wohlhabenden Wasloher Familien ihre Besit-
zungen nicht verkauft, sondern
nur verlassen in der Hoff-
nung, in nicht allzu ferner Ze
it werde das Giftlager ge-
rumt und man knne zurckkehren. Immerhin wurde seit
langem ber die Abschaffung von Chemie-Waffen debat-
tiert.
Er erreichte die Einfahrt, fuhr
auf dem planierten Weg an
lungen, stieg aus. Er winkte
den beiden jungen Mnnern
besorgten, und ging dann ins
Er war berrascht, zu so frher Stunde Marianne anzu-
treffen. Sie sa am Kchentis
ch, trank Kaffee. Er beugte
Stirn. Schon aufgestanden?
Ja, Vater. Ich konnte nicht
schlafen. Und du? Warst du
mal wieder auf einem deiner Strohdiemen?
Ja, das bliche: Hinfahren, Sehen, Nichtsmachenkn-
nen, Bsewerden, Wiedernachhausefahren. Ist auch ein
Kaffee fr mich da?
dunkelhaarige und auf jeden Fall immer ganz normal aus-
sehende Babys. An jenem 4. Dezember des Jahres 1961,
als er seine Tochter zum erstenmal sah, hatte er fr die
groen dunklen Augen und da
s dunkelblonde, seidig
schimmernde Haar zunchst ke
inen Blick. Er kehrte sich
gleich wieder ab, schrie das frchterliche Wort vom Hor-
rorbild aus sich heraus und
hatte Mhe, auf den Beinen
Dem kleinen Mdchen fehlten
beide Arme. Dort, wo sie
htten sein sollen und auch zu finden gewesen wren,
wenn nicht irgendwelche Chemiker mit Thalidomid expe-
rimentiert und daraus das
Contergan entwickelt htten,
saen wie Seehundsflossen die beiden Fragmente. Die
Hnde waren da, jede mit fnf
Fingern, aber sie waren aus
den Schultern herausgewachsen. Als er sich dann zum
zweitenmal der Wiege nherte und auf sein Kind sah, be-
griff er nicht, da es ganz
friedlich dalag, mit offenen Au-
gen. Es wollte ihm nicht in den Schdel, da ein Men-
halten und den Kaffee in eine
Tasse gieen und noch vie-
les, vieles mehr konnte, war in der Familie lngst kein
Gesprchsthema mehr. Sie konnte es. Punktum.
Warum hast du so schlecht geschlafen? fragte er.
Ich wei nicht. Vielleicht, weil ich auf eine Nachricht
von Alejandro warte. Ich mch
te endlich wissen, ob er
sein Examen bestanden hat.
Der junge Chilene Alejandro
im Freien. Der junge Mann
unter den Palmen vor der
Universidad Catlica
paraiso. Sie dagegen hatte ih
m ein Pabild geschickt. Es
war zwar auf Postkartenformat gebracht worden, zeigte
h, strich seiner Tochter
durchs Haar. Mit Sicherheit
hat er sein Examen bestan-
anrufen. Aber denk an den Zeitunterschied. Drben ist es
uppe den neuen Auftrag ent-
gegennahm.
Sie war vierundzwanzig Jahre alt und hatte schwarzes
Haar, dunkelbraune Augen und einen fr eine Nordafrika-
nerin ungewhnlich hellen Teint. Trotz ihrer kleinen und
zierlichen Gestalt wirkte sie nicht zerbrechlich, im Gegen-
teil, die Geschmeidigkeit ihre
r Bewegungen lie sie stark
und sicher erscheinen, grad so, wie ein Raubtier grazil und
dennoch seinen Gegnern berleg
en sein kann. Hilario, der
Sdamerikaner in der Gruppe, hatte ihr den Namen
Sie war eine Kabylin mit franzsischem Einschlag und
stammte aus der Cyrenaika.
In der Organisation raunte
man, sie sei vom Vater her eine direkte Nachfahrin des
sagenhaften Berberfrsten Abd-
ten eine Geschich-
te erzhlt, die dazu
An dem Morgen, an dem Frank Golombek von seinem
Strohschober aus das US-Depot
wre zu umstndlich ge-
worden. Sie hatte, damit das fr ihren Schutz so wichtige
Requisit nicht ins Rutschen geriet, ein Haftmittel benutzt
und dort, wo der Perckenrand ve
rlief, zustzlich ein be-
Die Prfung ergab, da das Haar gut lag, die Brune in
ihrem Gesicht jedoch ein bi
chen scheckig aussah. Sie
griff in ihren Campingbeutel, der auf dem Beifahrersitz
stand, holte die flach
e, dunkelblaue Plastikflasche mit der
heraus, schraubte den Deckel ab
und drckte sich ein wenig von
der braunen Paste in die
Hand, blickte wieder in de
n Spiegel und verrieb die
Schminke auf ihrem Gesicht, kontrollierte das Ergebnis,
war zufrieden, legte die Flasche wieder in den Camping-
beutel. Dann steckte sie si
ch ein Kaugummi in den Mund.
Sie verabscheute Kaugummi, aber Robert, der Chef der
VITANOVA, hatte gesagt: Nimm so ein Ding und schieb
tchtig hin und her! Das ist
amerikanisch. Auerdem ist es
geil. Es zeigt diesem Bra-
den, was dein Mund alles kann. Und wir wissen ja, der
Kerl steht auf so was. Also
hatte sie ihren Widerwillen
berwunden und sich ein Pckchen Kaugummi besorgt.
Es war heute das vierte Mal, da sie so frh am Morgen
den Club besuchte. Zwei Tennisstunden pro Woche hatte
sie mit dem
vereinbart, eine dienstags, eine frei-
tags, jeweils von halb acht bis halb neun. Und wirklich,
schon bei der dritten Begegnung hatte der fnfzigjhrige,
das ist gut. Sie nahm ihren
Campingbeutel auf, stieg aus
dem Wagen und ging zum Clubhaus.
Braden war schon da. Er sa
auf einem Hocker, erhob
sich, als er sie sah, kam auf
sie zu und gab ihr die Hand.
Dabei sagte er: Ruth Silbermann, du trittst ein, und der
mieseste Morgen wird schn.
Sie hatte sich als Tochter eines jdischen Fabrikanten
ausgegeben, der mit seiner Familie eine Kur in Wasloh
machte. Um Nachfragen in den Hotels vorzubeugen, hatte
sie dem
Colonel
erzhlt, ihre Eltern htten ein Privathaus
beim Militr. Der ltere war
Marine-Arzt, und der jngere
diente in Texas bei der
US-Air-Force.
Mrs. Braden und
die siebzehnjhrige Tochter Dorothe lebten in Boston.
gewonnen. Sie gingen ins Clubhaus, und im Vorraum zu
den Duschen entspann sich dann wieder der kleine, tn-
delnde Dialog, den sie ganz be
wut lenkte, indem sie be-
hutsam Abweisendes einflocht. Auch das hatten sie in der
Gruppe oft errtert: da die al
an, sonst ist es mir zu ,
Und wenn du dann nicht kommst und ich mir am gan-
zen Krper eine Waschhaut hole?
Ist das die Klippe? berlegte
luftgeblse, sondern eine A
holte eine WALTHER PPK hervor
, griff ein drittes Mal in
den Beutel und fischte diesmal eine Regenschirmhlle
heraus, entnahm ihr einen Sc
Sie brauchte sich nicht
davon zu berzeugen, da der
Mann tot war, denn auch das Schieen hatte sie gelernt,
und diesmal hatte die Distan
vierzig Stundenkilometern.
Neun Minuten nach Verlassen
des Tennisclubs hatte sie
den Wasloher Forst erreicht
. Sie bog in einen Waldweg
ein, hielt, zog sich um, nahm
auch die Percke ab, stieg,
den Beutel in der Hand, aus.
Dann lief sie hinein in den
Wald, lief eine Viertelstunde ohne Unterbrechung, bis sie
auf eine schmale Strae stie. An der ging sie entlang,
hielt sich dabei aber im Schutz der Bume. Nach drei Mi-
nuten hatte sie einen Weg erre
icht, der von der Strae ab-
zweigte. Auf diesem stand, hi
nter einer Biegung, ihr VW-
sprachen, wie immer innerhalb der Gruppe, deutsch.
Sehr gut! Robert klopfte ihr auf die Schulter.
Ging alles glatt? wollte Hilario wissen.
Nicht so ganz. Grad als ich den Vorraum verlassen
wollte, kam der Hausmeister, um ein Waschbecken zu
Verdammt! Robert schlug mit der Faust gegen die
Wand. Das gibt es doch gar
nicht! Hast du dich denn
nicht gengend abgesichert?
Ach was, Zufall! Der hat euch vorher rumknutschen
Clubs, der siebenundzwanzigjhrige Spanier Sergio Val-
ds, ums Leben kam. Zu dem Doppelmord bekannte sich
kurz nach der Tat die als extrem militant geltende Organi-
sation VITANOVA. Der Mann, der um neun Uhr fnf-
undvierzig in der Redaktion
erklrte, der Colonel habe al
wurde aber meistens fr wesentlich jnger gehalten.
Menschen, die eine so imme
nicht mehr aushalten und dann irgendwelchen Bldsinn
anstellen. Oder es gibt ein Erdbeben. Denk nur an die Ge-
schichte mit dem Nios-See! In Kamerun! Tausendsieben-
hundert Tote, weil da, vermutlich durch eine tektonische
Vernderung, ein Gift freige
fer! Menschen, die von der Giftwolke berrascht wurden;
bei der Arbeit, beim Essen, bei was wei ich! Kippten
einfach um und blieben liegen.
Weit du das so genau? In Villach, gerade mal eben
fnfhundert Kilometer von uns
fnftausend Todesopfer gefordert. Und in Basel, also nur
zweihundert Kilometer weit weg, kamen durch ein Beben
dreihundert Menschen um. Zuge
geben, beide Flle liegen
ein paar Jahrhunderte zurck; ab
er was heit das? Nichts!
Wenn es irgendwo an unserer
Erdoberflche lange still
war, ist das keine Garantie dafr, da es dort auf alle Zeit
still ist. Der Vesuv ist ein Beispiel fr diese These und der
Nevado del Ruiz in Kolumbien auch.
Mein Gott, Frank, du kommst daher mit deiner pau-
uchst, Gefahren von heute
Die Stdte, die du da aufzhlst, sind keine Giftlager!
Das geht nicht wegen des
rer Bndnisverpflichtung. Dann sagt der Jemand: Trotz-
dem, NATO hin, NATO her, das Zeug mu weg, weil es
zu gefhrlich ist! Dann heit es: Aber der
WARSCHAUER PAKT hat es
auch, und nur durch das
Gleichgewicht ist der Frieden zu erhalten! Und so weiter.
Jedes Argument
einer der Mnner im Cockp
it einen geradezu phantasti-
schen Gedanken. Er schlgt vor,
keine weiteren Granaten
an Bord zu nehmen! Und eine
Stunde spter da hlt man
doch glatt den Atem an kommt ein anderer auf einen
noch grandioseren Plan und
schlgt vor, zu landen und
sage und schreibe zwanzig der schon nicht mehr zu zh-
lenden Granaten wieder auszuladen. Jawohl, zwanzig!
Jede Seite mu zehn hergeben. Und so wird es gemacht.
Man knnte diese Geschichte in
diversen delikaten Abstu-
eine andere halbwegs plausi-
ten der Mnner im Cockpit
als die, da sie alle entweder aus einem Irrenhaus ausge-
brochen oder aber infolge
keine andere Erklrung! Und damit du es nur weit: Ich
steh mit meiner Meinung nicht allein. Kein Geringerer als
der Physikprofessor Victor Weisskopf, der am Manhattan-
rationen, falls es die berhaupt
geben wird, bei der Beur-
teilung unserer Epoche von ei
nem Fall virul
Mir scheint, du redest lngst nicht mehr ber Wasloh.
Ich rede von der ganzen
widerlichen Palette der A-,
Was kann denn in diesem Falle
Schrecken bedeuten, wenn
nicht die Mglichkeit, da einer mit dem Zeug einen Krieg
anfngt oder, sofern ein he
rkmmlicher Krieg schon im
Gange ist, eine Seite es eins
Soman, das Blaukreuz, das Ge
lbkreuz, das Senfgas und
was wei ich noch alles. Es ist mit Sicherheit nicht zu
, da das c-Waffenpotential
der ganzen Welt ausreicht, um
wieder rein rechnerisch
die Vernichtung der Menschheit
es ja auch noch das B,
das fr die Biologie steht. Weit du, da bios Leben
Weit du, wie das VX wirkt? fragte er dann.
Du sagtest es bereits. Es wirkt auf unser Nervensy-
stem.
Ja, aber wie! Ich habe mi
ch mit dem Gift befat, das
hier vor meiner Haustr liegt. Ach, brigens, erinnerst du
dich noch daran, welchen r
ger Fehrenkamps hatten, als
sie sich weigerten, mit ihren Abwssern an die Kanalisati-
on zu gehen?
Katharina nickte.
Es hie, ihre Klrgrube sei eine Gefahr fr die Allge-
meinheit. Bei einer Panne knne lstiger Geruch entste-
hen. Sie muten ein Ordnungsgeld zahlen und dann doch
anschlieen. Natrlich, ihre Weigerung war zu einem gro-
en Teil Dickkpfigkeit, denn es hat schon seinen Sinn,
da eine neu gebaute Kanali
sation auch von allen genutzt
wird, wegen der gerechten Kostenverteilung und auch
wegen der Hygiene. Ich htte nicht bel Lust, die Bundes-
Wasloher Giftdepots zu
verklagen. Aus hygienischen Grnden. Aus Angst vor
einer Panne. Nicht wegen des mglichen Stinkens, son-
dern wegen des mglichen Sterbens. Aber nun das VX!
Du mut dir unsere Nervenba
Ja, meine Liebe, so hbsche S
achen liegen bei uns in Was-
Aschenbecher. Du hast schon
um.
Was will er da? fuhr sie fort. Womglich denkt er, er
knnte durchs Fernglas die Mnn
er auf dem Turm so fi-
Oh, da ist die Post! Marianne sprang auf und lief dem
gelben Auto entgegen.
er in den Umschlag und woll-
te nach einer der Zeitungen greifen, da kam Marianne zu-
Kind, was ist? Du bi
so geschlagen wie sie. Nur, dann ist das Ganze keine Lie-
be, sondern ein Arrangement
unter Leidensgenossen. Du
brauchst dich doch blo umzusehen: Wann findest du
schon mal ein Paar, das aus einem gesunden Mann besteht
und aus einer Frau, die von Geburt an keine Arme hat? Es
ist was anderes, wenn es dur
ch einen Unfall passiert ist
oder im Krieg, aber bei mir , sie wedelte mit ihren
kleinen Hnden, und es sah tats
aus, kriegt jeder Mann das Grausen. Auch Alejandro.
der in der Frau, auf die er
sieht, aus dem seine Kinder
kommen sollen, und falls wider Erwarten doch, sucht er
sich bestimmt keins ohne Henkel.
Mchtest du lieber, da er nicht kommt?
Marianne antwortete nicht gl
eich. Sie griff nach den Zi-
nur, da ich ihn mit meinem
Anblick nicht erschrecken
Man knnte es vielleicht
so machen: Er kommt, und
dann bist du nicht da, weil du ganz pltzlich wegfahren
Sie lt sich nach Wasloh fahren.
Ist sie schon aus dem Haus
? Ich meine: Knnen wir
ungestrt reden?
Katharina Golombek stand auf, trat ans Fenster. Der
Was sagt sie selbst denn dazu?
Ich hab sie selten so traurig und so hilflos erlebt. Ich
machte den Vorschlag, dem Jungen nach seiner Ankunft
Fr sie wre es sicher
besser, wenn die Lge von der
anderen Seite kme.
Wie meinst du das? Katharina setzte sich wieder.
Na, zum Beispiel, da eine
r von uns Alejandro verstn-
digt und er ihr dann schreibt
, seine Reise habe sich zer-
schlagen, er fahre nach New
York statt nach Europa oder
knne berhaupt nicht reisen, weil ihm sonst ein verlok-
kender Posten verlorenginge. Ir
gend so was. Ich telefonie-
re mit ihm und sage ihm, wie es um Marianne steht. Wenn
wir eine Beerdigung erfinden, wi
rd er womglich warten
wollen, bis sie zurck ist. Oder wie schtzt du die Bezie-
Nach allem, was sie uns erz
hlt hat, sind sie sich sehr
nahe gekommen, soweit das in Briefen mglich ist.
Frank Golombek verlie seinen Platz am Schreibtisch
dicht vor seine Frau hin.
Du, ich habe Angst um Marianne, denn natrlich geht es
nicht nur um dieses Treffen m
it Alejandro. Vielleicht soll-
te ich nicht mit dem Jungen
Was? Ganz nach Chile?
Ja. Marianne hat viele innere Werte, aber das Problem
bei einer Begegnung ist die Chronologie. Bevor es zum
Entdecken dieser Werte berhaupt kommen kann, sorgt
Zweitens: Es bleibt bei seiner
Reise, und er schreibt ihr, er
habe einen Freund in Frankfur
t oder Wiesbaden, jedenfalls
irgendwo in unserer Umgebung.
Durch ihn habe er erfah-
ren, was mit ihr sei. Schon vor einem Jahr. Man kann es
noch ausbauen. Er habe in de
r ganzen Zeit kein Wort dar-
ber verloren, weil er , was wei ich, den schnen
n wollte oder einfach Angst
hatte vor ihrer Angs
t. Nun aber stehe seine Reise bevor,
und sie solle wissen, da sich f
r ihn nichts gendert habe.
Und dann? Ich meine: Falls er
sich wirklich fr diesen
Das hngt ganz davon ab, was fr ein Mensch dieser
Und wohin geht deine Reise?
Ich meine: fr Marian-
ne?
Nach Spanien. Um ein paar Pferde zu kaufen.
Nein. Dann will sie mit.
Dann eben nach Kopenhagen, um meinen Schulfreund
zu besuchen.
Ja, das ginge. Aber noch
mal zu dem Aufwand: Knnte
man das alles nicht auch in einem Brief vortragen?
Persnlich wrs besser. Einem besorgten Vater stellt
man sich anders als einem Brief.
Katharina nickte. Da
Alles stimmte. Die Zeit: Es
war ein Frhsommertag am
Wochenende. Das Wetter: Die Sonne schien von einem
blauen Bilderbuchhimmel herunt
er. Die Akteure: der jun-
ge Mann und das Mdchen. Die Gegend: ein Wiesenhang,
ein paar Tannengruppen ringsum
, voraus ein groes Korn-
Wald. Auch das Arrangement
war gut gewhlt: eine ber da
Ist er auch fast. Es gibt
nur noch wenige brtende Paa-
re, und eins davon hat sein Nest auf einer Eiche zwischen
Wasloh und Kellbach, ziemlich nah am Depot. Also haben
die Amis, die ja nichts ande
res zu tun haben, als in die
Gegend zu glotzen, so einen
fter gesehen. Auerdem m
ute es ein ziemlich groes
Tier sein; mit einem Spatz oder einer Nachtigall wre es
nicht zu schaffen gewesen.
Er warf einen Blick zum
Himmel. Es ist fast windstil
l; wir haben genau das Wet-
Sonst htten wir die Aktion verschieben mssen.
Ja, aber heute ist besser als morgen, und jeder weitere
Tag htte unsere Chancen verschlechtert. Braden ist ge-
so herrscht im Depot noch
lenempfnger und die beiden zwischen den Beinen ange-
brachten MINOLTA-Kameras.
Hilario packte inzwischen sein Sendegert aus. Es war
Vielleicht, meinte Zaym
a, wre ein bichen Wind
doch besser gewesen. Zum bertnen der Motorengeru-
Der Motor ist extrem leise,
und dann hat Pierre ja auch
noch die Polyesterschicht mit eingepackt. Er klopfte
Wie lange habt ihr an dem Ding herumgebastelt?
Die ganze Woche, in der du
in Paris warst. Und dann
drauf mit Probeflgen.
Wieder strich Zayma ber das dunkle Gefieder. Und
hat der Bursche keine Gewichtsprobleme mit all den Ap-
paraten?
Du weit doch, wir leben im Mikro-Zeitalter. Die Ger-
te werden immer kleiner und
leichter. Diese MINOLTAs
wiegen zusammen nicht mehr als fnf- bis sechshundert
Kann er, wenn er ber dem Depot ist, auch ein paar tie-
rische Laute von sich geben?
Zunchst hatten wir das geplan
t. Pierre hat sogar einen
Ornithologen befragt, und de
r sagte, Schwarzstrche
knnten ziemlich viel Krach machen und seien dabei auch
recht variabel. Die stimmliche Bandbreite reicht vom
Keuchen eines Asthmatikers bis zum Kreischen einer Me-
tallsge. So hnlich hat der
Mann sich ausgedrckt. Aber
dann haben wir uns gesagt: Li
eber nicht das Risiko einge-
hen, was falsch zu machen. Und wer wei, vielleicht ha-
und dann wrde sein Krchzen
die Mnner berhaupt erst
auf ihn aufmerksam machen.
Hilario stand auf, blickte
rundum.
Keiner in der Nhe, sagte
er dann und nahm den Vo-
gel auf, gab ihn Zayma. Heb ihn ganz hoch! Bis ber
Hilario korrigierte. Gut so?
Tuschst du dich auch nich
t? Je tiefer wir gehen, desto
bessere Bilder kriegen wir.
So! So kann es bleiben! Aber
gleich sehe ich ihn nicht
Hilario bediente eine andere Taste auf seinem Gert.
vriert habe, mte er rech
ts, ungefhr ber dem Depotein-
gang, rauskommen. Nein, brauchst
nicht zu suchen. Da ist
er! Ich kann ihn mit bloem Auge erkennen.
Hilario lenkte den Vogel in Richtung auf das Kornfeld
und verringerte die Hhe. In
ganz flachem Winkel flog der
Storch abwrts, streifte
schlielich das Grn und ver-
schwand. Sie liefen nicht, sondern gingen langsam, Hand
in Hand, denn natrlich hatten sie keine Gewhr dafr,
ab. Dann schob er die Spulen ti
ef hinein in die metallene
Rhre, schraubte sie wieder an und legte den Stuhl zurck
an seinen Platz, schlo die Haube.
Sie stiegen ein, fuhren los. Auf der Fahrt bis zu ihrer
Auerdem drei Panzer. Hilarios sdamerikanisches Tem-
perament kam zum Durchbruch,
als er voller Begeisterung
die Fuste gegeneinanderschlug und ausrief:
Der weie Storch bringt die Babys, und der schwarze,
Auf dem Flug Frankfurt Madrid hatte die Boeing 737
haben, das verllich wirkte und dem menschlichen Orga-
nismus keinerlei Schaden zufgte. Und vertrieb es dann
Contergan hie das neue Mitt
el. Es wurde in Stolberg
bei Aachen hergestellt. ber
dreihundert Millionen Ta-
gesdosen wurden in den Jahren 1957 bis 1961 in den Han-
del gebracht, und der in diesem Zeitraum erzielte Umsatz
und gefat auf ihre Stunde
zuleben zu knnen. Und was
Wunder auch, da, sofern sie von diesem Mittel noch
nicht wuten, die rzte es i
hnen nannten. Doch es muten
gar nicht die rzte sein; Freunde, Bekannte, die Frau auf
dem Nebenplatz im Bus oder im Kino oder im Frisiersa-
lon, das gengte, denn die
stesgestrtheit, und nicht selten sprach man von einer
Gnade, wenn ein solches Geschpf tot zur Welt kam oder
kurz nach der Geburt starb. Ei
n paar tausend solcher Kin-
der gab es, und so war Frank Golombek nur einer von vie-
len verzweifelten Vtern, als
er sich vor sechsundzwanzig
Jahren von der alten Baue
Doch schon lange vor dem
Alarmsignal aus Hamburg
hatte ein anderer zumindest
Einnahme von Contergan fr mglich gehalten, nmlich
der Dsseldorfer Neurologe Dr. Ralf Voss, und danach
Am 25. November 1961 zog di
e Herstellerfirma das
Contergan aus dem Handel, und knapp einen Monat spter
Golombek erinnerte sich: Zwar waren neun Mnner an-
geklagt, fhrende Chemiker
firma, aber es gelang nicht, den jeweiligen Schuldanteil so
einzugrenzen, da er auf die Einzelperson angewandt wer-
den konnte. Eine unentwirrbar
e Verflechtung von Kompe-
tenz und Verantwortung unter
den Angeklagten sorgte
Die Golombeks blieben, da sie vermgend waren und
sie durch den Raum und
zog alle Blicke auf sich. Die Flgel, die keine noch so
barmherzige Namensgebung davor verschonte, das zu
sein, was sie waren, nmlich verkmmerte Gliedmaen,
sah man nicht. Sie waren ve
rborgen unter einem weien
Seidenvolant, und die Mnner hielten die Tanzende bei
immer wieder von wechseln-
den Partnern behutsam und
dennoch mit viel Schwung
durch die Diele gefhrten Toch
ter des Hauses lie verges-
sen, da sie beim Festmahl gefehlt hatte, und ihr Lachen
sorgte dafr, da, wenn sie zwischen den Tnzen mal ver-
schwand, niemand sich fragte
, wohin. Die Eltern indes
wuten, sie ging zu Laura in die Kche, um dort aus ihrem
Champagnerglas zu trinken.
Das war doch, dachte Frank Golombek, wirkliche Le-
bensfreude damals! Ich hab
Fehrenkamp sie kte und da
es ein langer und zrtlicher
Ku war, nicht nur von ihr aus.
Vielleicht, dachte er dann,
wird auch Alejandro sie kssen
wollen. Sie ist ja wirklich
Marianne liebte es, ihre Stut
e Cara ohne Sattel zu reiten.
Auch an diesem Nachmittag hatte sie auf den Sitz verzich-
So hatte diesmal nur der Stallmeister Joseph neben der
Rampe gestanden, und er hatte geseufzt: Ich werde dich
nicht verraten, aber da ich bei diesem Anblick ruhig blei-
Die Menschen in ihrer Um
gebung waren alle mit Pfer-
den aufgewachsen und kannten das Abenteuer also schon
aus der Kinderzeit: sich sommertags, mglichst leichtbe-
s Tier alles wute. So unbe-
herrscht und aggressiv es sich anderen gegenber verhielt,
Sie nahm den Waldweg, den sie oft benutzte, und er-
reichte nach einer halben
Stunde das Blockhaus, das zum
Jagdrevier ihres Vaters gehrte
. Hier gab es keine Rampe,
wohl aber eine groe hlzerne Kiste mit Streugut, und auf
Marianne stieg ab, pflockte das Tier mit langer Leine an
sich natrlich im
Laufe der Zeit entwickelt, verndert, so
wie ich mich entwickelt und verndert habe.
Ein ganz frhes Erlebnis fiel
ihr ein. Sie war vier Jahre
alt und wurde zum erstenmal
geschlagen. Im Kindergar-
ten. Von einem Jungen. Er schlug ihr mit der flachen Hand
ins Gesicht, weil sie, wie er
meinte, die Schuld daran hat-
te, da sein Apfel auf den Fuboden gefallen war. Im er-
sten Augenblick war sie verwir
rt, denn sie begriff, da sie
nicht zurckschlagen konnte.
Dann aber kam die Gegen-
e erfolgen mute, nmlich
mit den Fen. Die Kindergrtne
rin schritt ein und machte
eine Lektion fr alle daraus
. Spter, beim Mittagessen,
hatten dann die Eltern das ni
Mit sechzehn Jahren erlebte sie ihre erste schwere Krise,
ausgelst durch das Gerede
gen und ber die Mnner. Sogar ein paar Erfahrungsbe-
richte waren schon dabei. Ei
nmal sagte die zwei Jahre
von, auch damals schon ohne Sattel und ohne Steigbgel.
Und Cara trug sie durch die dunkl
e Nacht so sicher wie in
einer Snfte. Es war ihr schnster Ausritt bis dahin, denn
nie zuvor war sie nachts au
sgeritten und also auch noch
nie so vollkommen dem Gespr des Tieres berlassen ge-
wesen. Und hinzu kam die Erregung: Folgt er mir oder
nicht?
Nur zehn Minuten hatte sie au
hrte sie von drauen das
Schnauben und Wiehern der
nehmen, und Joseph rckte auf zum Stallmeister. So blieb
Zugriff nicht mehr fr ganz so
unsensibel hielt. Ich bin
Rechtshnder, sagte er zunchst nur. Das war es noch
nicht, was sie vershnte. Als
man mir in der Klinik klar-
machte, fuhr er fort, der Arm sei bis zum Ellbogen weg
und ich msse da eine Prothese tragen aus Holz oder Le-
der oder Eisen, da gab es fr
mich nur eins: Ignorieren!
Ich wollte es einfach nicht
wahrhaben, mit einer Ersatz-
hand, mit einer zweitklassigen
Rechten dieses Leben an-
packen zu mssen. Darum war ich besessen von dem Vor-
satz, soviel wie irgend m
glich mit dem kaputten Arm
anzustellen, selbst die
Und , er lchelte sie an, die schnsten natrlich
Aber du fhlst doch ni
chts mit diesem diesem
Doch, das hab ich mittlerweile geschafft. Manchmal
tut er mir weh. Manchmal zuckt es in dem Eisen. Und
manchmal spre ich sogar, wie das Blut darin pulst. Natr-
und wenn es darum geht, eine Wange zu streicheln
oder womglich was , was Unaussprechliches, du ver-
stehst, dann nehm ich schon
mal die Linke zu Hilfe.
Wie beruhigend fr die Frauen!
Du antwortest mir so zyni
sch, und das solltest du nicht
tun. Sonst nimmst du mir den Mut, daran zu glauben, da
ich mit diesem Arm , er hob den Haken in die Luft,
mich wichtig, wichtiger als Essen und Trinken und Rau-
chen zusammengenommen.
Spter waren sie dann in die Kajte hinuntergegangen,
und in der Koje hatte sie sogar das Eisen gestreichelt.
Schlielich fiel ihr auch da
s jngste Erlebnis ein. Einer
ihrer Sprachlehrer. Ein intelligenter, aber weltfremder
Mann, der es schwerhatte mit den Frauen, weil er sich
ihnen unterlegen fhlte. Und das war, wiederum aus der
Rckschau, dann doch sehr deprimierend fr sie: zu ver-
muten, da er diese Unterleg
enheit bei seiner Begegnung
mit ihr nicht empfunden hatte.
Sie trank ihren Kaffee aus, ging ans Fenster, sah auf Ca-
ra, die an ihrer langen Leine graste, und fragte sich, was
wohl besser wre, ein geglcktes Pferd zu sein oder ein
miglckter Mensch, fand gleich
en sitzt und allein ist? Von den Frauen. Und wenn ers
nur spielt, das Reiten und das Dasitzen und das Anznden,
whrend die Scheinwerfer gl
eien und die Kamera surrt
und das Team um ihn herum wieselt, dann wei er eben-
Sie stand auf, legte sich
chen! Die schnall ich mir um, und dann komm ich grad
aus St. Moritz, bin da mit sechzig Sachen auf die Piste
geknallt und , also, es wird
zwar ein bichen akroba-
ihn nicht, denn es ist ja erst
vor ein paar Tagen passiert,
war also nicht immer so und
wird nicht so bleiben. Ir-
gendwann kommt der Gips ja wieder runter. Natrlich
behalte ich meinen Pullover
an, und dann drehen wir uns
Sie leerte die Tasse, und al
s sie sie wieder abstellen
wollte, fiel sie ihr aus der
Hand, zersprang auf dem hl-
zernen Boden. Es war seit Jahren das erste Mal, da ihr
ein Stck Geschirr kaputtging.
Sie starrte auf die Scher-
ben, und nun half auch der Galgenhumor nicht mehr. Ihr
war, als wre sie nach einem leichtfertigen Sprung auf zu
dnnem Eis eingebrochen. Sie weinte, und auch das war
seit langem das erste Mal.
den Sex. Innenrume zhlen nur in Verbindung mit dem
Bewutsein, da man sie jederzeit verlassen kann. Briefe
so brachte es seine diesmal doppelt beeintrchtigte Reite-
ber die Jeans, ber die Bluse,
verharrten am Kopf. In
dem dunklen Mdchenhaar entstand Bewegung, aber das
kam von dem Schnauben des Tieres.
In der Kommandozentrale de
s Wasloher Depots saen
fnf Mnner in einem kleinen Raum hinter verschlossener
Tr, drei Amerikaner und zwei Deutsche. Ein GI hatte
, ein bulliger Typ mit rotem Gesicht und
grauen Stoppelhaaren, zeigte auf die vor ihm liegenden
Papiere, die die bisherigen Ermittlungsergebnisse sowie
zahlreiche Hinweise aus der
sagte: Das alles riecht nich
t nach RAF. Ich hab das Ge-
fhl, die VITANOVA ist eine
eigenstndige Organisation.
Wenn aber doch eine Verbindung
besteht, dann hchstens
so, da ehemalige Mitglieder,
vielleicht auch nur Sympa-
thisanten der RAF, irgendwann zu dieser Gruppe gestoen
Und aus welchem Grund nehmen Sie an, die RAF sei
am Morgen. Auerdem wissen wir, da Frank Golombek
dem Wasloher Gemeinderat
angehrt, und wie mir der
Brgermeister sagte, halten die meisten Golombeks Mit-
arbeit fr ein sehr einseitiges Engagement. Er mischt da
nur mit, um mglichst effektiv Front machen zu knnen
auch nichts anderes als eu
re Ninas und Nataschas zu
Haus! Da antwortet ihm einer der Matrosen: Das ist
n, aber die Neapolitanerin-
nen haben es hier! Ja, so kam mir der gute Matthew, und
was soll man darauf antworten? Vor allem: Was soll ich
Wieder brachte er die Tassen zum Scheppern, und dann
fragte er McGilles: Wie ist es eigentlich zu dem Reitun-
fall gekommen?
setzte seinen
klrte er mit Nachdruck: Aber unsere Mnner haben kei-
ne Schuld! Fast alle unsere
Fahrzeuge sind seit gestern,
also seit dem Anschlag, unterwegs, und
war grad dabei, mit seinem Panzer in diesen Waldweg
einzubiegen, da kam das Mdc
hen angeritten. Sie war b-
schtze, in einer Stunde wi
ssen wir ber die auch Be-
scheid. brigens, er wandte sich an
bin ich der Meinung, da di
e RAF durchaus in Frage
kommt. Die klassischen RAF-Praktiken wie zum Beispiel
die Benutzung teurer Autos
und abgelegener Huser und
ja mittlerweile von diesen
die befrchten, es knnte irgendwann zu einer Panne
Forst gefunden und inzwischen id
entifiziert als ein in Paris
gestohlener Wagen. Whrend de
Schade! Was hat sein Fahrer ausgesagt?
Er hatte nur die Anweisung, den
in den Club
zu bringen und zu einer bestimmten Zeit wieder zur Stelle
zu sein. Er hat Braden um
7.20 Uhr hingefahren und ist
dann ins Camp zurckgekehrt. Um kurz vor neun war er
wieder auf dem Parkplatz des
Clubs, und da strzte sofort
jemand auf ihn zu und sagte, man habe seinen
die sie, fr die ich gelebt habe, nun verlassen hat?
Die beiden Mnner auf der anderen Seite waren in ihr
Gesprch vertieft, und so schmt
e er sich nicht seiner Tr-
nen. Auch nicht vor der Stewarde
. Er hatte ihr erklrt, er
richt erhalten und bitte darum,
da man ihn nicht behellige.
Sie respektierte seinen
Wunsch. Nur beim Start hatte si
e ihm, da er weder auf das
rchsage reagierte, wortlos
Wie konnte es geschehen? Zwar hab ich ihr immer wie-
ohne Sattel und Steigbgel los-
reiten, aber tief im Innern war ich berzeugt davon, da
sie recht hatte mit ihrer Ve
rmutung, das Tier wte von
ihrer Behinderung und verhielte sich entsprechend. Und
nun? Ich kann es nicht begreifen! Was es zwischen ihrem
ersten vorsichtigen Ausritt auf dem Pony Mustafa und
heute, also zwanzig Jahre la
ng, noch nie gegeben hat, ist
hantieren, und dieser Anblick
trieb ihm erneut die Trnen
ins Gesicht: Solche Arme htten Cara natrlich zurck-
mischen Lauf stoppen oder,
wenn nicht das, zumindest ihren Hals umschlingen und
damit den Halt der Reiterin
von selbst zur Ruhe gekommen wre!
Er nahm seinen Koffer vom Transportband und dachte
daran, da sie sich gleich
in den Armen liegen wrden,
minutenlang, jeder zugleich Haltsuchender und Haltge-
bender. Er ging an den Zollb
eamten vorbei, setzte Koffer
und Tasche ab und hielt Ausschau. Aber er fand Katharina
Schlielich nahm er sein
Gepck auf, ging ein paar
Schritte weiter, blieb erneut
stehen und sah sich um. Wie-
Also suchte er nun nach Jo
seph, den sie dann ja eigent-
lich geschickt haben mute. Aber da wre mir ein Taxi
lieber, dachte er. Dann knnte
ich wenigstens schweigen,
weil vorn jemand se, der nichts weis.
Doch es sollten an diesem Abend weder Katharina noch
Joseph noch ein Taxifahrer werden. Er wollte gerade wei-
tergehen, da stellte sich
ihm ein Mann in den Weg.
Entschuldigung, sind Sie Herr Golombek?
Der Soldat nahm ihm das Gepck ab und verstaute es im
Kofferraum. Die beiden vorderen Pltze des Autos waren
Der Wasloher Polizist Schrader, der Golombek kannte,
begrte die Ankmmlinge und f
hrte sie in einen Neben-
raum, in dem
McGilles
Hopkins und
Trotz seiner Trauer mute Golombek lcheln, wute er
doch nur zu genau, da Katharina sich nicht gern exami-
Und was ist FORTRAL?
Ein starkes Medikament. Wahrscheinlich hat meine
Frau unertrgliche Kopfschmer
zen gehabt. Sie neigt dazu,
Schrader kam herein und fragte, ob jemand einen Kaffee
wnsche. Sie wollten alle einen, auch Golombek. Als
Schrader die gefllten Tassen gebracht hatte und wieder
gegangen war, fragte McGilles:
Erlauben Sie, Herr Golombek, auch mir ein paar Fra-
gen?
Golombek nickte.
Warum beobachten Sie frhmorgens die militrischen
Anlagen von Wasloh?
Kennen Sie eine dieser beiden Frauen?
Golombek besah sich die kolorierten Skizzen, die wie
Zeichnungen von Kinderhand aussahen und nur wenige
Es handelt sich um ein und dieselbe Frau.
Ist es die, mit der Braden Tennis gespielt hat?
Ja. Zugegeben, die Bilder
sind drftig. Die Leute im
Club erinnerten sich nur vage
. Lemmert trat wieder zur
Waren Sie schon mal im Kellbacher Club? fragte
Nur einmal. Wir hatten vor ein paar Jahren in dem
Clubraum eine Pferdezchterversammlung, weil der Gast-
hof, in dem das Treffen stattf
inden sollte, einen Rohrbruch
Lemmert trug aus einer Ecke des Raumes einen groen
Was sagen Sie dazu?
Warum packen Sie nicht gleich ein Nilpferd dahin?
Haben wir nicht, sagte Mc
Gilles, wir
haben nur die-
Das ist ein ausgestopfter Schwarzstorch, sagte Go-
lombek.
Woher wissen Sie das so genau? fragte Lemmert.
Weil es hier in der Nhe ein Schwarzstorchennest gibt
diesem Vogel hat man Luftaufnahmen vom Camp ge-
macht.
Clever, falls es funktioniert hat, sagte Golombek.
r Mann wurde, weil er Zeu-
ge geworden ist, kurzerhand miterledigt. Weiter: Die Ter-
roristen haben allem Anschein nach unser Depot aus der
Luft fotografiert; vielleicht, um demnchst Bomben auf
die Munitionsbunker zu werfe
n. Wir mssen den Fall also
aufklren, so schnell es geht
. Bitte, helfen Sie uns! Go-
Akzeptiert. Einer unserer M
und ich dachte, wir htten es geschafft! Damals, auf
dem Fest. Ein fr allemal
Er lie ab von ihrem Haar, griff unter den Volant, nahm
die kleine verkmmerte Hand, umschlo sie.
Bitte, verzeih mir, da ich mich damals gleich wieder
abwandte! Ich wei nicht, wie das geschehen konnte.
Wahrscheinlich hatte ich, als
ich dich in deiner Wiege
Schwimmer es manchmal schwer haben, und dann sind es
eben ihre starken Arme, die sie wieder ans Ufer bringen.
Aber du? Markus war anderer Meinung. Sie mu es ler-
migt, die Arbeiter kamen und wollten anfangen, doch im
2. Teil
Sie waren wie zwei waidwunde Tiere, Frank und Kathari-
na Golombek, verstrt, verzagt und dann auch wieder vol-
ler Aggressivitt, litten zutie
fst unter dem Tod ihrer Toch-
ter, und ihr Schmerz ging bis ins Krperliche.
Jeden Tag erkannten sie aufs
neue, da Worte nur wenig
Ja, und dann hatte Fehrenkamp, obwohl ihm auch diese
dann auf den Wogen zahlreicher weiterer Drinks durch
Bei Frank Golombek erfolgte die Abkehr von den
Schmerzmitteln auf eine ganz andere Weise, obwohl es
auch fr ihn, wenngleich nur
im bertragenen Sinn, der
Wechsel von einem Gift zu ei
nem anderen war. Er wandte
sich nmlich wieder dem VX zu, und das kam so:
Er stand am Fenster seines Arbeitszimmers und beo-
So als htte sie nur auf das
Golombek machte die Drinks fertig. Der Amerikaner
wollte den Whisky nur mit Eis, Katharina ihren gewohn-
ten Longdrink aus Scotch und Soda, und sich selbst
Was fhrt Sie zu uns? fragte er dann.
Ich bin wegen Ihrer Pferde gekommen.
Wegen unserer Pferde? Katharina nahm ihr Glas in
die Hand. Sie wollen sie hoffentlich nicht fr ein Man-
lachte. O nein! Dazu wren sie zu schade.
Um ein Ausleihen geht es a
llerdings doch, aber um ein
chen Preis.
Er zog die Brauen zusammen, und fr einen Moment
wirkte er sehr ernst, fast
dster. Mein Vorgnger war
Tennisspieler. Armer Braden! Dabei verstehe ich gut, da
er diese Tennisstunden hatte. Wir Soldaten brauchen alle
irgendwas Persnliches, Priv
ates neben unserem Dienst,
eine unmilitrische Beschftigung. Ja, und ich reite nun
mal gern, bin auf einer Ranc
h in Texas aufgewachsen.
gern. Er leerte sein Glas,
stand auf. Nun mu ich aber
Auch Frank Golombek stand auf. Eine Frage noch,
, wenn Sie erlauben! Sie meinen, es bestehe vorerst
keine Gefahr, da es zu einem Anschlag auf Ihr Depot
kommt? Denn genau das war ja nach dem Mord an Braden
Gern, wenn es Ihnen nicht zuviel Zeit nimmt.
Traum mir die Emprung doch gl
eich mitgeliefert. Hat er
nicht. Im Gegenteil. Mir ist wohlig bis in die Haarwurzeln,
uer den das VALORON nie
zustande bringt, ziehe also die Hand aus der Schlaufe,
lasse sie erstmal runterhnge
n. Und dann geht sie wieder
rauf, ein Stck den Rock entl
ang, fast bis zur Hfte, ver-
weilt dort, ist unschlssig, so als wre sie es, die zu ent-
scheiden hat. Dann ruckelt es in der Kurve, und ich werde
fast wahnsinnig. Meine Hand se
tzt sich wieder in Bewe-
gung, pltzlich gar nicht mehr zaghaft, so da ich wieder
erschrecke, diesmal vor mir selbst. Ganz herum um die
Hfte und dann nach unten. Ich denk noch: Tweed?
Kammgarn? Flanell? Jeans vielleicht! Und greif an das
ganz zchtig, jeder in seiner Ecke. Er liest die
ner von uns mit dem Ellbogen gegen den Alarmknopf, und
dann reit mich der blde Weck
er aus dem Fahrstuhl, weil
es Dienstagmorgen ist und der
100
darauf abgesehen hatten, mir zu begegnen?
Das will ich nicht andeuten; das will ich bekennen!
Ihr Vorgnger suchte sich
eine Zwanzigjhrige; ich bin
mehr als doppelt so alt.
Immerhin starb mein Vorgnger an dieser Zwanzigjh-
rigen, aber davon mal abgese
Sie dachte: Warum wagt er si
ch so weit vor? Seh ich so
hungrig aus? Doch dann wollte sie nichts als ihre Chance
wahrnehmen und sagte: Bes
uchen Sie uns doch mal!
Knnen Sie reiten?
Na, wunderbar! Kommen Sie in den nchsten Tagen
Als Frank Golombek in die Bibliothek zurckkam, lag sie
noch immer auf ihrer Chaiselongue.
Na, was sagst du nun? Den Braden wollte ich einladen,
aber daraus wurde nichts, und nun kommt sein Nachfolger
von selbst. Ein smarter Bursche, nicht wahr?
101
102
103
schen Kirche. Im Jahre 1986 ka
m er als Austauschstudent
eiigjhrige Russe Wla-
dimir Ostomski aus Leningrad.
Er hatte in seiner Heimat-
stadt ein Germanistik-Studium absolviert und war an-
schlieend nach Heidelberg gegangen, wo er sich mit ei-
ner jungen Frau aus der RAF
104
Die Nummer acht schlielich
war Sieglinde Bhler, die
Freundin Igor Lepskis, fnfundz
wanzig Jahre alt, geboren
in Hamburg. Sie gehrte sc
hon als Siebzehnjhrige zum
Sympathisantenkreis der RAF.
Nach dem Abitur studierte
sie Romanistik, brach aber das Studium nach dem sech-
sten Semester ab und ging zu einer Zeitung, fr die sie
zwei Jahre lang als Korresponde
105
seiner Politik mit dem West
en. Darum die Abrstungsvor-
e Welt nicht mehr in Ordnung,
wenn dieses Feindbild pltzlic
h nicht mehr da ist oder gar
freundliche Zge annimmt. Aber der Westen interessiert
uns nicht. Uns interessiert nu
r der Osten, denn der bezahlt
uns. Wir sind kein ideologisc
Parolen, die die Welt verndern sollen, auf seine Fahnen
geschrieben hat. Wir haben gar keine Fahne. Wir sind ein
Haufen Versprengter, haben
zwar frher eine bestimmte
106
die chemischen Granaten nicht an Ort und Stelle hochge-
hen lassen, sondern versuchen,
eine dieser Granaten aus
dem Camp zu holen, sie zu znden und dadurch fr welt-
weite Aufregung zu sorgen. Darber hinaus sollen wir,
wenn mglich, oberirdische Einrichtungen des Lagers
zerstren, vor allem Gescht
ze und Fahrzeuge. Da dabei
zu Schaden kommen knnen, ist
e russischen Auftraggeber
legen Wert darauf, da das
Unternehmen Wasloh auch
tatschlich dem Osten zugeschoben und Gorbatschow dar-
aufhin mit seinen Abrstungsplnen zurckgeworfen wird.
schon sagte, bei mir allerdings
wobei das Persnliche sich ni
cht speziell auf Braden be-
zieht, sondern generell auf
amerikanische Fhrungskrfte
im militrischen Bereich. Ihr habt von dem tckischen
gehrt, den die US
-Air-force
107
des Wachpersonals drogenabhngig ist, und
Wladimir Ostomski hob die Hand, und alle guckten zu
ihm hin. Er sah gar nicht aus wie ein Russe, eher wie ein
Orientale, war schmchtig, dunkelhaarig, war mehr seiner
griechischen Mutter nachgeraten als seinem Vater, dem
Leningrader Herzspezialisten Dr. Aleksej Ostomski. Wie
sicher, fragte er, ist dies
e Information? Nach meinen
Erkenntnissen sind die US-Soldaten, die Sondermunitions-
Im Prinzip stimmt das, antw
108
berhaupt nicht vermit, warf Helga Jonas ein, und
wenn er nach einer Woche noc
h immer nicht zurck ist,
sagen sie: Der kommt schon wi
eder! Oder wie soll ich mir
das vorstellen?
Robert machte eine beschwichtigende Handbewegung.
Das Problem lsen wir! sagte er. Da fllt uns be-
stimmt was ein. Igor hat absolut recht, es geht nur mit
Gewalt. Und es geht nur, wenn wir den Mann einige Tage
unter Kontrolle haben. Wir brauchen nun mal jemanden,
ist, auszupacken. Sonst passier
t es womglich, da wir ins
Camp eindringen, was schon sc
hwierig genug sein wird,
109
Siebzig Minuten spter hatten
sie ihren Plan fertig. Jeder
hatte mitgeschrieben. Anschlieend wurden die Notizen
auswendig gelernt und die
des Depots zu melden. Da Braden ausgefallen ist, mute
110
Was fr eine Panne? fragte Helga.
Ach, die Geschichte liegt schon fast zwanzig Jahre zu-
rck. Eine Malerkolonne so
llte den VX-Granaten einen
neuen Anstrich geben. Beim
Abkratzen der alten Farbe
haben die Mnner eine Granat
e beschdigt, so da Gas
ausstrmte. Ich glaube, es waren ber zwanzig Soldaten,
die mit Vergiftungserscheinungen in die Klinik muten.
Vergiftungen. Da heit es ungefhr so: Laufnase, Atem-
111
beklemmung, verschwommener Blick, Augenverdrehen,
gang, Taumeln, Mdigkeit und dann das Koma. Na, und
zum Schlu Atemstillstand, Exitus.
Und wie kann man sich schtzen? fragte Sieglinde.
Auch darber konnte Igor Auskunft geben. Gefahr,
sagte er, bringt nicht nur
das Einatmen, sondern schon
das Auftreffen einer winzigen
Menge auf die bloe Haut.
Man hat also Schutzanzge und Spezialgasmasken ent-
am VX, sondern am Atropin.
112
Das ist doch Scheie! sa
st also ein
Himmelfahrtskommando, und dann, meine ich, reichen
fnf Millionen Mark fr acht Figuren nicht aus.
So ist es nun mal vereinbart, sagte Robert, und die
Hlfte der Summe ist schon auf unserem Konto. Willst du
aussteigen?
Also sorgen wir dafr, da es kein Himmelfahrtskom-
nem gewissen Frank
Golombek. Er hat vor andert
halb Monaten durch einen
Reitunfall seine Tochter verloren. Wir haben uns mit dem
Mann beschftigt, und Sophie hat inzwischen ein Dossier
ber ihn zusammengestellt. Er
ist, was den Kampf gegen
113
Pufferzone, aber trotzdem mte da was zu machen sein.
Was, wissen wir noch nicht. Viel
leicht hat er selbst eine
Idee. Unsere Aufgabe ist zunchst, an ihn heranzukom-
men.
114
Und wer ist dran? fragte Igor, Sieglinde jedenfalls
Das mache ich, sagte Zayma, und es liegt an mir, wie
weit es geht.
Sieglinde. Ich finde, auch ber die Menschen, an die wir
uns heranmachen, mssen wir gut Bescheid wissen. Ist er
zuverlssig? Oder gehrt er
vielleicht nur zu denen, die
auf Wertminderung ihrer Grunds
Entschdigung haben wollen? Er kriegt womglich ne
Menge Geld, und schwupp, ist er wieder auf der anderen
Seite! Und noch was! Zayma, du warst im Tennisclub eine
Blondine, aber vielleicht hat
dich jemand vom Gestt im
Das sind drei Fragen auf
115
der bestimmt nicht! Sein Gest
t ist dreieinhalb Millionen
Mark wert, und auerdem bes
itzt er mindestens eine Mil-
lion in Aktien, hat viel Geld verdient durch den Verkauf
von Rennpferden in alle Welt.
Drittens: Meine Tarnung im
, Teint, Kleidung. Und ich
hab kein einziges Wort deutsch gesprochen. Und immer
Sie schenkten sich noch einm
al ein und legten dann mi-
nuzis die einzelnen Schritte
fest, die sie unternehmen
wrden, um Frank Golombek
als Partner zu gewinnen.
Kurz nach Mitternacht lsten sie die Versammlung auf,
hatten, wie sie meinten, br
auchbare Ergebnisse auf dem
hnlich wie ein Kind sich auf Weihnachten freut, freute
Jeff Haggerty sich auf dies
en vierten Juli, dessen
Beginn er zwar in der Unte
mute, dessen weiteren Verlau
f er jedoch ganz woanders
erleben wrde, dazu den f
nften Juli und
auch noch den
sechsten. So hatte er es mit Sophie geplant.
Schon seit lngerem hatte sie ihn gedrngt, doch mal ein
116
da die nach Bradens Tod verhngte Ausgangssperre in-
zwischen aufgehoben worden war und er seit langem kei-
nen Urlaub mehr gehabt hatte, war er mit dem Antrag auf
das Wohlwollen seines Vorges
117
es an den Dienstplan ging, sprachen sie erstmal ber die
andere Mnnersache.
118
gentlich, die mich verrckt gemacht haben.
Wann und wie hast du sie kennengelernt?
Vor ein paar Wochen. In ner Kneipe. Ich hatte mich da
schon eine geschlagene Stunde
gelangweilt, und pltzlich
kommt sie rein. Mit einem Ma
119
120
das Sommerhaus?
121
men gehen, und morgen starten wir zu unserem Segel-
Sie saen sich gegenber, er
im Schneidersitz und sie
mit seitlich ausgestreckten Beinen. Nach der zweiten
122
ungestm, aber doch zielstrebig, und zog Sophie den Rock
aus. Das T-Shirt zu entfer
nen war eine Sekundenangele-
genheit, zumal sie ihm dabei ha
Mensch, Igor, hab gar ni
123
Dir passiert nichts, sagte
Und was sagt ihr mir?
komme, gibts Alarm.
Ja, in drei Tagen, sagte Pi
erre. Das ist eine lange
Was wollt ihr berhaup
t von mir? Ich bin nur
Wirst schon sehen. Pierre
suchte Haggertys Taschen
ab, fand keine Waffe.
Dann gingen sie, mit dem Ami in der Mitte, zurck zum
Weg. Sophies Wagen war schon
Richtung auf die Strae sta
124
Frank Golombek war nach Frankfurt gefahren, um ein
paar Bankgeschfte zu erle
125
Frankfurt und schlage ein dortiges Treffen vor. Der Anru-
fer hatte sich einverstanden
erklrt, und unter gegenseiti-
tion hatten
Zusammenkunft in seinem Hotel vereinbart. Eine junge
dunkelhaarige Frau werde kommen, hatte der andere noch
gesagt, eine Franzsin mit Na
men Nadine Berguerer; sie
werde ab achtzehn Uhr in der Hotelbar auf ihn warten,
werde im Haar eine silberne Spange tragen und den
FIGARO lesen.
Um kurz vor sechs bestieg er den Lift, und whrend die
Kabine abwrts glitt, dachte er noch einmal: Wenn auch
nur die geringste Aussicht auf Erfolg bestehen soll, mu es
126
nes Hnde ein, die nicht mal die eines Kindes gewesen
127
Man wird Sie nicht hinein
lassen. Er sagte das so
leichthin, als wollte er einer noch kindlichen Kinobesuche-
rin bedeuten, sie sei zu jung
fr den Film und man werde
sie an der Kasse zurckweisen.
Sie hatte das Dossier ber Golombek sorgfltig gelesen,
128
Das klingt berspitzt, denn
Kinder und Alte und Kranke
Wie haben Sie sich me
ine Hilfe vorgestellt?
Wieder griff sie in ihre Aktentasche, entnahm ihr ein
129
wir muten Hals ber Kopf aus der Gegend verschwinden,
um nicht in Verbindung gebracht zu werden mit dem An-
schlag. Wir haben sogar unser
e kostbare Vogelattrappe
Fr Frank Golombek war diese Version absolut glaub-
wrdig. Mich hatten sie auch im Visier und sogar meine
Tochter, sagte er und erzh
lte von seiner Ankunft auf
dem Frankfurter Flughafen, von der berraschenden Es-
korte, seinem Gesprch mit
den deutschen und amerikani-
schen Sicherheitsbeamten und schlielich von Marianne.
tig Tapferkeitsmedaillen verleiht an Leute, die mit der
Ausbreitung derselben Seuche
eine Schlacht gewinnen.
Ich finde, angesichts der we
ltweit gelagerten A-, B- und
C-Waffen ist die Frage nach der Vormachtstellung einfach
absurd. In einem knftigen Krieg kann es, bers Ganze
gesehen, nur Verlierer geben. Ist es nicht pervers, wenn
die beiden Seiten sich einigen, nur eine bestimmte Menge
itzuhalten, sagen wir, eine
Menge, mit der man die Erde nur fnfzigmal zerstren
kann statt hundertmal? Und ist
es nicht ebenso pervers,
130
Hnden, wenn nicht morgen, dann bermorgen. Und ich
131
Er zog einen Kugelschreiber aus der Tasche, fragte mit
einem Lcheln: Darf ich?
Es ist Ihr Land.
Bitte, aktualisieren Sie ihn fr uns!
berhaupt zwischen dem Depot und einem Privatgebude
132
schlagen sie Alarm. Und dann
ist es nur eine Frage der
Zeit, bis man unsere Baustelle gefunden hat.
Und wenn wir ganz leise arbeiten?
Wieder lchelte er sie an.
Es wrde nicht ohne Maschi-
nen gehen, und die machen Krach.
Warum nicht per Hand?
Dazu ist die Strecke zu
lang. Auch wenn man die An-
zahl der Arbeiter verdoppelt oder verdreifacht, wrde es
zuviel Zeit kosten. Ganz vor
n kann ja immer nur einer
arbeiten; vielleicht sinds zwei, aber mehr nicht. Mit je-
nach vorn bringen, knnen
wir hchstens den Stollen br
eiter anlegen, aber damit
kommen wir nicht schneller voran.
133
kein Mensch kommt dahinter
, da wir uns darauf vorbe-
reiten, den Amerikanern heimlich einen Besuch abzustat-
Erneut schlug Golombek sich
an die Brust. Diesmal sag-
te er nicht Uff, sondern: Mein Gott! Und dann: Das
ist die Lsung! Und die Baugenehmigung liegt sogar
Wieso denn das?
Wahrscheinlich mu ich den Antrag erneuern, aber nur
der Form halber. Er ist schon
einmal durch die Instanzen
gegangen und wurde genehmigt. Die Bauzeichnungen sind
in meinem Schreibtisch. Kein Haus, sondern ein
Schwimmbad. Der Standort ist
zwar nicht genau der, an
134
Ihre Gruppe denn hier sein?
Von heute auf morgen. Wir erscheinen bei Ihnen als
auswrtiger Bautrupp, haben bi
s dahin auch die ntigen
135
lie es bei dieser Feststell
136
In einem Hafenlokal von Ostende
137
sagt, geht uniformiert in den Urlaub und zum Segeln
schon gar nicht. Die sind doch froh, wenn sie mal raus-
kommen aus ihren Dienstklamotten. Damit war die Sache
erledigt gewesen, und Pierre und Igor waren gleich nach
dem Mittagessen gestartet.
Nun saen die beiden also
in dem Hafenlokal, gebeugt
ber eine Seekarte, auf der die Kstenregion zwischen
nichts Ungewhnliches, und
wenn so eine Nuschale
egal, ob aus Holz oder Kunsts
knallt, dann kracht es ganz schn! Da brauchen wir uns
keine Sorgen zu machen. Also: Whrend ich segle, fhrst
du mit dem Auto ber Nieuport und Veurne dahin, wo wir
heute nachmittag waren, nimmst denselben Weg zum
138
trmmern wir das Boot. In der Kajte wird man Haggertys
Sachen finden. Dazu kommen die Personalien, die der
Verleiher aufgenommen hat, und damit steht die Version,
einfach irgendwo im Kanal
oder in der Nordsee wie manch anderer ertrunkener
Eine halbe Stunde spter machte
Pierre sich auf den Weg.
Er nahm ein Taxi. Die Fahr
t zum Bootsverleih dauerte
indem er mit dem Fahrer so
viel Englisch wie mglich sprach. Vor dem kleinen Ge-
zahlte er und stieg aus.
Er prfte die Beleuchtung ringsum. Ein paar Bogenlam-
pen erhellten die kleine Ansammlung von Sportschiffen
nur mig. Also wrde es vorwiegend auf den Aufenthalt
im Huschen ankommen.
Er klopfte an die Tr, wurd
139
einem Mann aus Lyon das Franzsische nhergelegen
Pierres Blick glitt ber die
vertuten Boote. Sogar ein
Fahrzeug vom Typ HALLBER
140
Gegen Mitternacht sah Igor die Lichter herankommen. Er
gab mit seiner Taschenlampe
kurz darauf die Antwort wahr.
Er zog sich aus, schlpfte
in die Badehose und schwamm dann den Lichtern der
ondern hngt nachher irgendwo
an einem briggebliebenen St
ck der Kajtdecke, das aus
dem Wasser ragt.
Aber, sagte Igor, wenn das Boot verbrennt, verbren-
Wir stecken seine Papiere und alles, was sonst noch ge-
funden werden soll, in die Re
Wir knnen ein paar seiner
Klamotten rausnehmen und
einzeln ins Wasser schmeien. Irgendwas wird schon an-
141
treiben. Aber einige Sachen la
ssen wir in der Kajte. Grad
bei einem Bootsbrand ist es ja oft so, da der Kahn zwar
erstmal brennt, aber dann ab
suft und das Feuer also au-
tomatisch gelscht wird. Angekohlte Klamotten sind frs
Identifizieren immer noch brauchbar.
Sie verteilten Haggertys Sache
n, legten einige in der Ka-
jte aus, warfen andere ins Wasser, darunter auch die Rei-
142
grten NATO-Flugplatzes Europas und erst in zweiter
Linie der einer sddeutschen Or
Beim Absturz eines US-Kampfflugzeuges vom Typ F-
16-Falcon ist am Dienstag in der Nhe der pflzischen
Gemeinde Weselberg, Kreis Pirmasens, der Pilot der Ma-
schine ums Leben gekomme
n. Der Jagdbomber schlug in
erklrte eine Sprecherin
Die Unfallstelle wurde von der
Polizei in einem Umkreis
143
Zwanzig Minuten spter war er auf der Autobahn. Mein
Personal, dachte er, ist in de
r Tat ein Problem. Vielleicht
sollten wirklich erstmal nur ein paar Mnner aus Nadines
Gruppe mit dem Schwimmbad anfangen. Sobald es darum
geht, den Einstieg zum Stol
meine Leute auf einen entfernten Acker, damit sie da eine
Zufahrt errichten. Wenn sie zurckkommen, ist der Ein-
stieg fertig, und von da an kommen die Fremden in aller
die Wochen und Monate dauern und keinesfalls zu Hause
angewandt werden knnen. Aber
ich frchte,
sie springt
mir ins Gesicht, wenn ich das Wort Trinkerheilanstalt
Und wenn ich sie nun doch einweihe?
144
Er sah ein Schild, das eine
Raststtte ankndigte, und
verringerte die Geschwindi
gkeit, wollte Kaffee trinken,
um hellwach zu bleiben. Als die Ausfahrt da war, dachte
er: Hoffentlich schmeckt er!
Er schmeckte, war so aromatisch und stark wie zu Hau-
se. Er holte sich eine zweite
Tasse. Ja, weihe ich sie nun
ein oder nicht? Ich frchte, das Risiko ist zu gro. Selbst
wenn sie die Aktion guthiee, mte ich immer noch da-
mit rechnen, da der Alkohol
ihr die Zunge lst und sie
pltzlich irgendwem erzhlt, der Grund und Boden ihres
Mannes komme in das Guinness-Buch der Rekorde mit
dem lngsten und dicksten Maul
wurfsgang, den es je unter
einer Grasdecke gegeben ha
be. Was sie wohl zu dem
Schwimmbad sagen wird? Damals war sie dafr, aber nun
ist Marianne ja nicht mehr da. Gottseidank wei sie, da
sie mir bei solchen Projekte
Er verlie das Lokal, stieg in
seinen Wagen, fuhr weiter,
fhlte sich gut. Das lag viel
leicht zum Teil am Kaffee,
aber es lag auch an dem Pl
an, den er zusammen mit der
schnen Nadine entworfen hatte. Eine phantastische Ge-
schichte, dachte er; ein Dutzend Menschen schafft es
oder sagen wir vorsichtiger: sc
hafft es vielleicht , von
unten her ins Depot einzudringe
n und den Amis eine ihrer
streng bewachten Granaten abzunehmen! Wir werden,
wenn es gelingt, der ganzen Welt beweisen, da der
145
umgezogen hatte, in die Bibliothek, holte die Zeichnungen
146
Pltze gelangten, denn die dr
ei Fremdenzimmer lagen di-
147
Wieder ein paar Schritte,
und whrend dieser wenigen
Sekunden entwickelte er einen Plan, einen abgefeimten,
verwerflichen Plan. Der Tunnel sa ihm so beherrschend
im Kopf, da er dieses In fl
agranti ummnzen wrde in
einen grandiosen Vorteil. Keine Kur! Keine Trinkerheil-
anstalt! Und ein Einweihen schon gar nicht! Ganz was
anderes, und sie wird folgsam sein wie ein Lamm!
Noch ein paar Schritte, und er erreichte den Zugang zur
Wieder der Schock, weil nun auch das Bild da war.
148
euch wenigstens nicht zu beleuchten brauchen und es auch
leiser machen knnen. Immerhin wohnen hier ein paar von
Er drehte sich um und ging.
Er sa in der Bibliothek an
seinem Schreib
Sie hatte sich inzwischen gefat, ging mit forschen
was sie sagte, hinterlie in
ihm nicht den Eindruck, sie se
i gedemtigt oder qule sich
mit Schuldgefhlen:
Was du eben gesehen hast, war nichts anderes als die
Quittung fr drei unmenschlich einsame Monate.
Nenn es, wie du willst! Die Frage ist, wie wir damit le-
ben sollen. Ich mache dir einen Vorschlag. Ich verlange
nicht unbedingt die sofortige
Scheidung, aber ich halte es
fr notwendig, da wir uns eine Weile nicht sehen. Du
verlt morgen das Haus, packst dein Auto voll und fhrst
weg. Ein Hotel in Wasloh wre sicher eine der schlechte-
sten Lsungen. Andererseits ka
nn ich mir nich
da dein texanischer Hengst
erst lange Wege machen
mchte, um dich zu bespringe
149
ts mit Marianne oder mit
deinem VX zu tun hatte. Okay, ich werde gehen. Mike
Morrison , das war nur eine
Affre. Sie hindert mich
nicht, weit wegzufahren. Du br
auchst also keinen Klatsch
zu befrchten. Ich werde mir fr acht Wochen ein Haus
150
mit, wie er sagte, die Schrf
e ihn erschrecke und am Ein-
schlafen hindere.
Sie waren zu sechst: Robert,
Pierre, Igor, Hilario, Zayma
und Sophie. Zayma hatte von
ihrer Unterredung mit Go-
151
152
beim Picknick rausgefallen.
Erzhl mir noch ein bichen mehr ber deinen Diabe-
Von mir aus! Also, die Kra
nkheit kann zwei Ursachen
haben. Man kann sie sich anfressen oder vererbt kriegen.
Meine ist angefressen. Ich war, bevor ich zur Chemie kam,
Furier einer Schtzeneinheit in
South Dakota. Da hatten
sie den Bock zum Grtner gemacht. Ich hab gefuttert wie
Ich will keine privaten Geschichten. Die kann jeder er-
153
was gefunden?
meinte: Sowas bersieht
man leicht auf dem Waldboden.
st dich dafr verbrgt,
da er an der Nadel hngt. War also doch nicht so gut,
Aber er hngt doch an der Na
del, verteidigte sich So-
phie. Kann ich wissen, an was fr einer?
Robert stand wieder auf,
ging hinaus. Zum zweitenmal
154
Also?
rty, ganz kleine Splitter,
osion. Im Herbst werden
sie rausoperiert. Sie sind nur millimetergro und sitzen
ziemlich dicht unter der Haut.
155
kommst du wieder fr zwanzi
g Stunden nach unten. Da-
nach starten wir den zweiten Versuch. Geht der auch
wir ziehen dir als zustzlich
e Strafe einen Fingernagel
schwollen, und die oberen Vo
rderzhne wackelten. Trotz-
dem, dachte er, ich kann doch nicht , kann doch nicht
einfach die ganzen Bestnde
Bist du schon fertig, oder was ist?
156
Worber?
Wollt ihr da rein, oder geht es euch nur darum, zu wis-
sen, was da liegt?
Das hat dich nicht zu inte
ressieren. Los, arbeite wei-
157
Okay, du kriegst eine allerl
158
ganz unmglich!
Also, mein Lieber, es war Sophie, die offenbar das
159
Dem kannst du trauen, sagte Robert, denn wir haben
ihn in der Hand. Ein kleiner Hi
nweis, und er kommt hinter
Gitter; hat nmlich einen Mord auf seinem Konto. Zwar
einen politischen, aber das re
ttet ihn auch nicht. Also,
wenn wir uns an ihn wenden, wei er genau, da dieses
Doch Hilarios Skepsis wa
ihr meint ernsthaft, er knnte,
an seinem Alten Herrn vor-
bei, mal eben ein paar Brummis voller Material und Bau-
maschinen losmachen? Das glaub ich noch lange nicht.
Es kommt auf einen Versuch an, sagte Zayma, und
160
nhundertzweiundsechzig Artikel,
die die Konkursmasse bilden. Dazu gehren ein paar Pa-
Durcheinander, denn immerhin sind wir alle auf dem Bau,
und da passiert es mit Sicher
heit, da einer
sich mal ver-
plappert. Dann knnte der Mann mitrauisch werden.
Hast recht, erwiderte R
obert. Da wir ohnehin nur
161
Vornamen benutzen, bin ich auch gegen eine nderung.
Ich werde ihm sagen, da ic
h Robert heie und nicht
Thomas Scherer und da die Ta
rnung beim Telefonieren
die Vorsicht der allerersten Stunde war. Das wird er ver-
stehen. Nur Zayma sollte ab heute fr alle Nadine heien
lagen die alten Bauplne.
Golombek hatte bequeme Sessel und einen runden Tisch
162
Gehts nicht ohne Sttzung? fragte Robert.
Die Vorschrift verlangt, da
163
bis siebzig Teilstcke. Mit di
die Amis auf der Baustelle! Nein, ins Schwimmbad
kommt die Presse nicht. Ich hab vorhin bei unserem
Rundgang ein ideales Versteck gesehen: die Reithalle. Da
liee sich, und zwar
im sdlichen Teil direkt an der Wand,
eine Grube von drei bis vier
Rohrsegmente in Richtung Depot.
Aber sag mal, Roberts Mien
rs macht. Klick, und die
Teile sitzen fest!
Er hielt Rdiger das Papier hin, doch der lachte nur und
164
tioniert das, auch bei einige
n Kanalarbeiten, aber in die-
dem Druck, den wir unserem Rohr geben, wrde es un-
weigerlich auswandern. Da
kommen wir um das Schwei-
en nicht herum. Trotzdem lsen wir das Problem. Wir
nehmen dann eben nicht Segmente von anderthalb, son-
bauliche Vernderung. Aber wie la
165
aber auch die Schnecke mahlt sich ja nicht geruschlos
durch den Boden. Wir kommen nicht darum herum, den
Lrm auf irgendeine Weise
zu bertnen. Rdiger ber-
legte eine Weile, und dann wandte
er sich wieder an Frank
Golombek:
Ist es denkbar und knnte
man es Neugierigen gegen-
ber glaubhaft machen, da unter Ihrem Haus oder genau-
er: unter der Stelle, an de
r das Schwimmbad entstehen
166
erzeugen wollen, mu ja so lange vorhanden sein, wie die
167
das kriegen wir hin! Der
Rammbr gehrt nun mal zu den Gerten, die auf dem
Bau den grten Krach machen, und so werden die Senso-
ren am Depot pausenlos reagieren. Sogar wenn die
Der Gewindekopf sitzt an einer Endlosschnecke, die
von der Rampe aus verlngert wird, ganz hnlich wie der
Gut, das wre geklrt. Sie sagten vorhin, das Aggregat,
das als Antrieb fr die Schnecke dient, macht auch viel
168
Rdiger fuhr fort: Wenn man
das Aggregat, das ja nicht
unbedingt neben der Presse in
stalliert werden mu, prak-
tisch kann es berall stehen,
ist dann nur eine Frage der
Kabellnge , also wenn man
es mit Wnden aus Stroh-
oder Heuballen umstellt, schlucken die den Schall fast
vllig. Ein Rest des Lrms geht oben raus, aber den hrt
man bestimmt nicht, zumal nicht, wenn die Ramme arbei-
auf den Verla ist, kann ich euch durch entsprechendes
Justieren der Presse genau dahin bringen, wo ihr ankom-
men wollt. Und der gerade Verlauf des Tunnels lt sich
169
Wenn wir diesen Punkt, Rdiger tippte mit dem Zei-
gefinger auf die Stelle, unter
irdisch erreicht haben, hat
die Presse natrlich ausgedient
. Von da an gehts nur per
Hand weiter, und da mssen wir fast so vorsichtig graben
ar Scherben freilegen. So-
bald wir dicht unter der Ober
flche sind, schicken wir eine
Sonde vor, eine Art Sehrohr,
und wenn feststeht, da wir
tatschlich zwischen diesen Bschen , er zeigte auf die
park und die Materialien und meinen Mitarbeiter ein Be-
trag, der normalerweise be
i rund hunderttausend Mark
lge. Der grte Teil geht fr
die siebzig Rohrstcke und
170
Prozent fr angemessen.
Hundert Prozent, sagte Golombek, das mu gen-
gen! Er streckte sogar die Hand ber den Tisch, und es
Aber ich sehe noch eine gr
oe Schwierigkeit, sagte
Robert, und zwar in der Anlieferung des Materials. Was
wir frs Schwimmbad brauchen, ist kein Problem, inklusi-
ve Ramme. Aber die vielen
Rohrstcke und die Presse mit
Rdiger wute auch da Rat. Wenn man es nur will,
sagte er, schafft man es. Di
e Presse bringe ich auf unse-
rem Siebentonner. Und die Rohrstcke und Schneckentei-
le kommen ebenfalls auf Grolastern zu euch. Alle Wagen
werden natrlich mit Plane gefahren, und wenn sie hier
eintreffen, sollten Ihre Leute , er sah Golombek an,
mglichst nicht in der Nhe sein.
es keine Probleme. Aber
171
Er lchelte sie an, war auf
einen Club, den sie allen ande
ren vorzieht. Dahin ist sie
Fr wie lange? fragte Nadine.
Und wenn sie berraschend zurckkommt?
Das tut sie nicht; ich verbrge mich dafr.
172
3. Teil
173
Katharina hatte im Golfclub ROCA LLISA auf Ibiza ein
ersten Drink
174
175
die hlichen Trme aufstellte
. Und danach wurde es noch
schlimmer, als nmlich durch
sickerte, wozu sie das Land
brauchten! Ich glaube, wenn ic
h wieder zurck bin, werde
ich ihm endlich mal zuhren und dann auch auf ihn einge-
Nun wird er also das Schw
immbad bauen, und vielleicht
lenkt ihn das ein bichen a
b. Es war schon oft so: Wenn
176
deschtteln dann auch mit mir, weil er es so wollte. Und
anschlieend wurde bestellt fr die beiden: Vorspeise,
Suppe, Hauptgericht, Dessert. Dazu kam noch ein Kaffee,
das heit, fr die Kleine m
ute es, obwohl sie gerade ei-
nen Becher Eis verzehrt hatte, heie Schokolade sein. Zum
Schlu steckte er dem Mann ei
nen Geldschein in die Jak-
kentasche, und ich wei noch,
der Beschenkte es war ein
Spanier oder Italiener, und die Unterhaltung lief entspre-
chend holperig htte meinem guten Frank fast die Hnde
gekt. Und dann kam der Absc
mit dem Mdchen an den Tischen vorbei, und der Kellner
schleuste die beiden in di
e Drehtr, ohne Handanlegen,
nur mit ein paar verklemmt-
bizarre Gast gndig nickend
quittierte. Und auf unserer
Heimfahrt dann Mariannes Fragen! Wie das denn wohl
sei, wenn das blinde Mdc
hen den ersten Lffel zum
Munde fhre und gar nicht wisse, was drauf sei. Ob sie
sich wohl sehr erschrecke, wenn sie Makkaroni gedacht
habe und dann seien es Pommes frites. Und ob sie mit dem
Lffel oder der Gabel auch immer den Mund treffe. Und
was sie, wenn sie allein sei, vor einer roten Ampel mache.
Und was sie wohl den ganzen Tag ber tue, wo sie doch
nicht lesen knne und es auch kein Fernsehen fr sie gebe.
Frank ging auf jede Frage ei
n und versuchte, Marianne
klarzumachen, welch unermelichen Vorteil sie gegenber
dem blinden Mdchen habe. Sie knne, obwohl ohne Ar-
me auf die Welt gekommen, nahezu alles erlernen, mh-
samer als andere freilich, ab
er mit viel Flei und Geduld
177
innig liebte, aber erst auf di
eser Autofahrt ist mir das gan-
ze Ausma seiner Liebe klargeworden. Er rang geradezu
darum, ihre Behinderung zu
relativieren, damit sie, wenn
178
pikanten Vorgeschichte auf
eine gewisse Grozgigkeit
179
tan, um derentwillen der ganze Schwimmbadaufwand
berhaupt inszeniert worden war. An der Sdwand der
Halle hatten Roberts Leute ei
180
wrde ihm verraten, da es mit dem Boden, auf dem er
stand, nicht geheuer war, und da
nn kam es ganz sicher zu
einer berprfung. Also mut
e Golombek unter allen
Umstnden erreichen, die Besucher von diesem Abschnitt
der Halle fernzuhalten. Zum
tiger Abdeckung die Rohrstcke
und die noch nicht instal-
lierten Teile der Endlosschnecke entdeckt werden. Fr
mbek sich eine Erklrung
ausgedacht, mit der er es vielleicht schaffen wrde, die
Besucher zu tuschen. Er wollte einfach sagen, ein
Freund, der in Konkurs gegangen
181
ten Aktivitten drei Mnner auf ihren Arbeitspltzen
Umstnden sogar das Risiko
nur Joseph im Haus, daneben allerdings noch Laura, aber
auch auf sie konnte er sich verlassen. Sollten diesen Men-
schen die geheimnisvollen Vorgnge auf dem Gestt in
irgendeiner Weise auffllig erscheinen, so wre er der
erste, mit dem sie darber sprchen. Und wenn er sie dann
um ihr Schweigen bte, wrden sie schweigen; das wute
Die Vorbereitungen also ware
182
Wenig spter gingen sie zur
183
Sie verlieen die Halle, und Golombek entschuldigte
sich fr eine Weile, ging hinauf in die Bibliothek. Dort
stellte er sich ans Fenster
und sah der Ramme zu. Da er
sich im oberen Stockwerk be
fand, hatte er das Geschehen
Verrckt! dachte er; ich bin
der geruschempfindlichste
Mensch, den ich kenne. Wenn mich am Strand von Mar-
bella die jungen Leute aus
184
wenn noch mehr Indizien fr eine Fremdeinwirkung spr-
chen, mit herangezogen werden knnten. Aber fr sich
allein sind sie doch recht mager.
Und die wren? fragte Morrison.
Nummer eins: Als er das Boot
185
de eine weibliche Leiche gef
unden. Also sind es eigentlich
nur zwei Anhaltspunkte, und beide lassen sich, wenn
nichts hinzukommt, sehr ei
nfach erklren. Das Mdchen
wollte er, wie der Verleiher aussagte, mit dem Boot abho-
len. Wo, wute der Mann nich
t. Und da man einen im
rmelkanal Ertrunkenen nicht sofo
wird. Da keine Frauenleiche
da ist, kann bedeuten, da
186
ber das Boot herausgefunden?
187
War er verllich? wollte Lemmert wissen.
Doch fr diese Frage hatte der
Colonel
nur eine resignie-
188
wann und wo Haggerty das M
Hat Haggerty Ihnen zufllig erzhlt, wer zuerst in dem
Lokal war, er oder die Frau? fragte Breeg.
Moment! Ja, er sagte, er
htte sich schon eine Stunde
gelangweilt, als die beiden reinkamen, die Frau und der
Vielleicht, sagte Lemmert, hat jemand, der im Lokal
war, der Frau und ihrem Begleiter telefonisch durchgege-
ben, da Haggerty dort sei,
und dann kann die Kontakt-
aufnahme von selten der Frau ganz gezielt erfolgt sein.
Hat er Ihnen gesagt, welches Lokal es war?
Nein. Aber mir fllt da grad was ein! Ich brachte ihn
zum Bus, und ich wunderte mich darber, da das Md-
chen ihn nicht abholte. Er ha
tte zwar ne Erklrung dafr,
nmlich die, da sie den Wa
gen erst spter zur Verfgung
189
Und Einzelheiten ber das Aussehen des Mdchens?
Auch nur, was ich schon gesagt hab. Das bliche, was
Mnner so aufzhlen. Und die sechshundert Gramm auf
jeder Seite waren bestimmt nicht wrtlich zu nehmen.
Towler wurde entlassen, und als
die vier wieder
unter sich
waren, meinte Morrison: Die meisten seiner Informatio-
nen lassen sich unterschiedlich
auslegen, wie zum Beispiel
die telefonische Bestellung des Segelbootes. Wir wissen,
es wurde auf den Namen Haggerty bestellt. Wir wissen, es
war eine Mnnerstimme. Und wir wissen, das Gesprch
lief auf englisch. Also kann durchaus Haggerty selbst mit
dem Verleiher telefoniert haben, obwohl Towler das an-
ders sieht. Aber selbst wenn Towler recht hat und Hagger-
ty nur der Gast war, der sich um Planung und Organisation
der Reise und auch des Se
geltrns nicht zu kmmern
brauchte, kann die Geschichte immer noch sauber sein.
Die Frau kann ihren Bruder ge
190
Leiche wurde heute morgen ge
funden. Sie ist in Ostfries-
Schwimmring lebend im Wasse
191
werden wir hier im Camp wi
eder einmal die Posten ver-
Der siebte Arbeitstag war zu Ende. Sieben Pfeiler steckten
in der Erde, und, was viel wichtig
er war, sie hatten bereits
nderte Zufahrt, aber das macht nichts; das fllt nicht auf.
Eingang zum Tunnel bauen. Wenn da
192
193
doch, da hier die VX-Granate
als binre chemische Mu-
nition dargestellt war, die zw
ar zwei nichttoxische chemi-
sche Komponenten enthalte,
aber nach Abfeuerung einen
tdlichen chemischen Kampfstoff bilde. Ferner: da diese
Art der Lagerung sicherer se
i als die konventionelle und
das Risiko bei terroristischen Anschlgen verringere. Und
schlielich noch: da man in Europa auf diesen strengen
Sicherheitsbedingungen bei der Lagerung bestehe, der
erfolgreiche Einsatz der Waff
en dadurch jedoch in Frage
gestellt sei.
Alles verstanden? fragte Robert.
Golombek nickte.
Aber wie Sie bestimmt wissen,
gibt es die binre Absi-
cherung in Wasloh nicht! Dies
es hier , Robert zeigte
auf das Papier, das Golombek noch immer in der Hand
hielt, sind schon die neue
194
Rdiger klopfte Robert auf di
e Schulter. Ihr habt wirk-
195
den Spalt, Golombek mit der Lampe in der Hand voran.
Unten schritten sie erstmal die lange Grube ab. An der
Barfu wre am besten,
leichten Slipper. Sie hob ihre
196
anderes viel reizvoller, hiel
der fast verschwand in seinen Hnden. Wie klein! sagte
Sie fhren ein seltsames Leben, sagte sie, und das
197
Katharina hatte das
Sa-Penya-
Viertel durchstreift, sich in
den bunten Boutiquen umgesehen, den Straenmusikanten
zugehrt, das frhliche, zum Teil burleske Ferienvolk be-
malerischen Bezirk, weil
sie mde war von der vielen
Sonne, den vielen Stimmen
und vom Gehen ber das Kopfsteinpflaster.
Sie kehrte zurck zur
Plaza Vara de Rey
, wo sie das Au-
to geparkt hatte, mochte dann aber doch noch nicht in ihr
einsames Haus, ging also am Wagen vorbei und hielt auf
das Boulevard-Caf MONTES
OL zu. Sie bekam einen
Platz im Freien, mute sich den kleinen Tisch allerdings
mit einem lteren spanischen
Paar und einem jungen Ne-
ger teilen.
Sie bestellte Whisky mit Soda,
sah erst dann auf die Uhr.
Es war dreizehn Minuten nach fnf, also schon fast
Abend. Eine ganze Woche lang hatte sie ihren Vorsatz
eingehalten, tagsber keinen
einzigen Drink zu nehmen,
Sie zahlte gleich, trank, znde
198
sein, da er Student ist und di
e Semesterferien auf Ibiza
Er trank einen Tee, und sie fand es amsant, zuzusehen,
wie die dunkle Hand die weie Tasse hob, sie aber nicht
gleich zum Munde fhrte, sonde
rn in halber Hhe belie,
199
Felsen drckt, dann , dann stecke ich in einem herrli-
chen Schraubstock. Im Rcken das harte, heie Gestein
und vor mir der harte, heie Mann! Dann lauf ich aus wie
ne geprete Orange. Was soll ich nur mit mir machen?
Da das so wichtig ist in mein
em Leben! Ob ich da anders
bin als andere Frauen? Sechs Kinder mindestens wollte ich
haben, und in diesem Wunsch mischten sich wahrschein-
lich mein Sinn fr Nachkommen
schaft und die Lust, sie zu
produzieren. Und dann wurde es nur ein einziges! Und
eins, das uns, als es da war,
bis ins Mark erschreckte. Wie
es sich entwickeln wrde, wuten wir damals ja noch
nicht. Eins also nur, und es h
tten so gut noch fnf andere
kommen knnen. Aber ich wollte nicht. Ich hatte Angst.
Der Schock sa zu tief. Da half
es nichts, da sie allen
voran Frank mir immer wied
er einzureden versuchten,
dieses eine Mal sei unwiderle
gbar aufs Contergan zurck-
zufhren, habe also mit meiner Beschaffenheit nicht das
Geringste zu tun. Ich mitra
ute diesen Versicherungen,
mitraute meinem Leib, kriegte einfach die Angst nicht
weg, das Zeug sei noch immer in meinem Krper und
200
Hnden. Sie glaubte sogar, das Rasseln zu hren. Sie gab
Da mte man tanzen! Htten Sie nicht Lust? Heute
abend?
Wo denn? fragte sie.
Irgendwo in der Stadt. Hier
gibts ein paar gute Disko-
hier? fragte sie.
Ja, so knnte man es nennen.
Student?
O Gott, dachte sie, lande ich also schon wieder bei der
Ich bin auf einem amerikanischen Zerstrer, der in Bar-
celona liegt, und da ich drei
Tage Urlaub gekriegt hab,
Also nicht die
, sondern die
Navy
, dachte sie. Aber
die Erinnerung an die Szene im
Pferdestall und an Franks
sarkastische Bemerkung Hey,
, ich hatte aber nur
meine Pferde gemeint! war nun mal da und irritierte sie.
, wie sieht es aus mit uns?
Sie wollte nein sagen, doch dann war es pltzlich wie
mit dem Whisky. Wie oft schon hatte sie sich geschworen:
Dieses eine Glas noch, und dann ist endgltig Schlu! So
201
mehr, bis zum Abend zu wart
en, wollte das Konzentrat
202
Er zog sich aus. Warte ei
nen Moment!
sagte er dann
Sie dachte: Das mu ja ein sehr tolerantes Hotel sein,
wenn man hier nackt ber den
203
nennen sollen, dann wre ich wahrscheinlich auf den Heu-
schober gekommen, auf das Kornfeld, aufs Eisenbahnab-
teil, aufs Auto und womglich
auf den Hochsitz, aber ich
nicht dabeigewesen!
Eine pltzliche Unruhe in der Grube schreckte ihn auf.
Pierre und Fred, die dort un
ten mit ihren Schweigerten
ch durch Handzeichen mit
Rdiger zu verstndigen. De
r aber schttelte mehrmals
den Kopf, tippte mit der Rech
sich vorwrts, und in seinem
204
gar am wahrscheinlichsten, und
dann stellt sich natrlich
die Frage: Wie gro ist der? Bi
ohl nichts ande
res brig als
Mssen wir dazu die Schnecke rausholen? fragte Go-
lombek.
Leider ja. Das einfachste w
re natrlich, mit dem Bag-
ger ber Ihre Wiese zu fahren,
genau bis zu der Stelle, an
der wir festsitzen, und da den Boden aufzumachen. Nur,
dann htten wir zwei Minuten
spter unliebsamen Besuch.
Also mu die Schnecke raus,
aber vorher probier ichs
noch einmal.
205
geht Fred in den Tunnel und er
ledigt eine Arbeit, die ei-
gentlich erst fr die Schlupha
se geplant war. Er wird
zwei Bohrungen vornehmen, und
zwar beim dreiigsten
206
lombek den Weg durch den
Tunnel machen sollten, whre
nd Pierre und Igor sich be-
reit halten wrden, um im Alarmfall die Grube abzudek-
Zunchst aber machte Fred sich daran, den Luftschacht
herzustellen. Einen groen
gezogene Manahme allerdings
207
hrt? berlegte er. Sie war
schon am frhen Morgen nach
Kln gefahren, zu einem Mitstreiter der Gruppe, der, wie
sie gesagt hatte, in der Inne
nstadt eine Werkstatt besa
cht. Oder sind auf Ihrer Wei-
de Deckel von Lftungs- und Kontrollschchten?
208
Na also! Nur nicht den Mut verlieren! Irgendwie kom-
men wir schon weiter.
Aber wenn da vorn nun doch ein unberwindliches
Schlielich erreichten sie das
209
Es gibt Findlinge von viel
greren Ausmaen, sagte
Rdiger, im Gebirge zum Beispiel. Die hat unser Bursche
nicht, zum Glck, denn sonst htten wir wirklich neu an-
fangen mssen.
Trotzdem! Wir kriegen ihn nie und nimmer da weg!
Okay, da sind ein paar Stelle
n mit Kies, aber er pat nun
mal nicht in unser Rohr, und auerdem kann er zehn oder
210
die fr ihr Weiterkommen so
entscheidende Randzone ab.
Schlielich nickte er ein paar
mal und sagte dann: Ja, es
Was? Das Sprengen?
Wieder nickte Rdiger.
Aber die Ramme kann das
nicht bertnen! Und falls
doch, dann sieht man die Sprengung! Die Erde wird auf-
reien, und die Brocken werden durch die Gegend flie-
Nein, nein, da gibts keinen
Lrm, und da fliegt auch
nichts durch die Luft. Wir we
rden den Stein ganz leise
211
fllen, ist unser Stein schon im Laufe des nchsten Tages
, na ja, nicht gerade atomis
iert, aber doch in kleine,
transportable Brocken zerlegt. Man hrt nichts, und da
212
Um kurz nach zehn Uhr hrten sie ein Auto.
Pierre sprang auf und lief zum Fenster. Leute, er ist da!
Auf dem Rcksitz stapeln sich
jede Menge Tten mit wie
heit das Zeug?
BRISTAR, sagte Golombek.
Mittlerweile standen sie al
le am Fenster und sahen zu,
213
214
sagte Rdiger. Ich werde euch schon wecken, wenn er
aufgibt.
Golombek befand sich wieder
ganz hinten. Er lag auf
dem Rcken und starrte an die sthlerne Decke, die sich
wak! dachte er. Manchmal ist mi
r, als habe dies alles, der
Stein, die Lcher, das gespenstische Licht, das Warten ,
als habe es mit dem VX gar
nichts mehr zu tun. Was Ka-
tharina wohl sagen wrde, wenn sie uns hier liegen she?
Ob sie , ob sie mich und die anderen verraten wrde?
Was sie wohl gerade macht?
Ihm fiel der Stacheldraht
hatte, er habe ihn um sein Be
nur ein erotischer Probier-
spa, zu dem auch die seltsame Umgebung ihren Teil bei-
trug und bei dem ich nicht mal zum Zuge kam. Ich bin
nicht sicher, da es sich wiederholen wird, ob nun im
Grubenschacht oder auerhalb. Eigentlich ist es doch nur
Katharina, die wirklich zhlt! Mit dem Gedanken, da
215
der Mchtigkeit des Steins
Kraft, die dem Brocken zu Le
ibe ging, war es dennoch ein
Der neue, sich diagonal erstr
eckende Ri wurde sichtbar,
Aber das Grundwasser mu doch viel tiefer liegen!
Tut es auch. Rdiger schob ihn mit der Linken noch
weiter zurck. Rechts hielt er die Lampe in die Hhe.
Das ist Schichtwasser, nicht ge
fhrlich. Es ha
t sich hinter
216
groes Stck heraus und kippte
nach vorn. Er fing es auf,
und das war gut. Der Schlag gegen die Stahlrhre zu die-
ser Stunde und so nah am Camp htte womglich Alarm
ausgelst. Behutsam legte er das schwere Stck vor sich
sagte er. Ich schlage vor, ihr
sagt Igor und Pierre Besche
id, und dann luft erstmal die
OPERATION MATRATZE. Sie wissen, Herr Golombek,
was ich meine?
Klar, den Transport durch den Tunnel, nur leider noch
nicht mit der Granate, sondern mit Steinen.
Genau! Haben Sie eine?
Auf dem Dachboden ist bestim
mt was Brauchbares. Ich
seh gleich mal nach.
ch eine Plane mit, in
die wir die Steine einschlagen!
217
kleine Tr in die Halle gesc
hlpft. Er lief auf Golombek
zu und sagte: Da ist ein Herr
Fehrenkamp, der Sie spre-
chen will. Er guckt sich
die Arbeiten am Schwimmbad
Golombek wandte sich an alle
: Keine Panik! Wir brau-
chen nichts abzudecken, knnen sogar weitermachen. Es
ist ein Freund. Er wird nich
t in die Halle kommen. Er
verschwand, begrte Markus Fehrenkamp am Schwimm-
218
doch in so geringer Tiefe
Grundwasser nicht, nur eine
n alten Flulauf, den mein
Grovater, als er hier baute,
219
Ich hoffe, da sie bald aus unserer Gegend verschwin-
den. Gewisse Aussichten bestehen ja dafr, denn es heit
doch, da man die chemischen Waffen in die Abrstungs-
Ja, so heit es. Aber es gibt auch die Version, da zum
Beispiel die in der Bundesr
epublik lagernden Bestnde
220
Aber andere glauben es,
und darum geben sie nicht
nach. Ich finde, man mu ihnen das Recht auf ihre Sorge
Und was ist mit
Sorge? Es gibt so viele Unru-
heherde in der Welt, den Nahen und den Fernen Osten,
Lateinamerika, Afrika. Stell dir mal vor, alle diese Leute
htten die Atom-, die Bio- und die Chemiewaffen in Hn-
den! Auerdem, je mehr davon produziert wird, desto gr-
er ist die Gefahr, da eine Gruppe von Kamikaze-
Kmpfern in ihren Besitz ge
langt. Glaub mir, Markus, es
gibt keinen vernnftigen
Grund, einen so teuflischen
Trumpf im rmel zu halten. Irgendwann passiert es, da
die Karten anders verteilt
Ende. Wir haben das VX-Gas hier vor der Tr, und darum
221
vom Verstand? Der wrde mir ja doch nur einzuhmmern
versuchen: Es hat alles keinen
Zweck! Nein, mein Lieber,
die Gefhle sind das beste,
was ich habe, und darum be-
kommen sie den Vortritt.
Wollen wir eine Partie Schach spielen, damit du dich
beruhigst?
Ich will mich ja gar nicht beruhigen.
Ramme machte eine Pause. Fehr
enkamp stand auf, trat ans
Fenster, sah hinaus. Welche
Firma hast du da eigentlich
engagiert? Ich kenne keinen
Die sind auch nicht von hier
. Ich habe mir verschiedene
Angebote kommen lassen, und diese Leute gaben das gn-
Und wann ist die Einweihung?
222
wrde der Tunnel in vier Tage
n fertig sein. Das wre ein
Dienstag. Und wenn sie es da
nn schafften, die Halle in-
nerhalb von zwei Tagen wieder in den alten Stand zu ver-
223
e von Resolutionen zu diesem
man sei mal wieder ganz nah
dran. Und dazwischen liegen ungefhr zwei Dutzend Be-
224
schlsse, die alle nicht einge
gegen die chemischen Waffen sind so alt wie die chemi-
225
Das gehrte zu meinem Studium, und eben weil ich
mich so gut auskenne, mach ich diese Arbeit hier. Aber
wenn die Chronik der gescheit
erten Versuche Sie nicht
berzeugt, dann gibts da auch
noch eine ganz
andere Per-
spektive. Vielleicht schaff ichs mit der. Wir Menschen
haben nun mal den Drang, von Fort
schritt zu Fortschritt zu
taumeln. Wir haben das Auto erfunden, das Flugzeug, die
Raumkapsel; das Telefon, das Radio, das Fernsehen; wir
heilen nicht nur Krankheiten, sondern verpflanzen Organe,
op, geschweige denn ein Zu-
rck. So haben auch die Chemiewaffen ihre Entwicklung
durchlaufen, vom einfachen Lahmleger wie Trnengas
ber die Psychodrogen LSD und Mescalin bis hin zu den
dreiiger Jahre. Ich
hab mal einen Film gesehen; da hatte man eine Katze auf
den Trip geschickt. Das Erge
bnis: Sie litt unter Halluzina-
tionen und nahm Reiaus, sobald sie irgendwo ne Maus
sah. bertragen Sie das mal au
f eine Kompanie Soldaten,
die einen Sttzpunkt halten so
ll! Na ja, und so ging es
immer weiter. Aus den Organophosphor-Verbindungen,
nglich nur als Pflanzen-
schutzmittel gedacht waren, entstanden dann schlielich
die heutigen Nervengifte wie Tabun, Sarin, Soman und
auch unser VX, und damit lassen sich Kriege im Handum-
drehen gewinnen. So ein Mittel wird die Menschheit doch
nicht freiwillig aufgeben, jedenfalls nicht auf dem Weg
Vertrge! Wie also dann? Nur durch die Katastrophe!
Aber die wrde mittlerweile so verheerende Folgen haben,
da sie als Lektion natrlich zu drastisch ausfiele. Darum
und die fhren wir herbei!
Wir schrecken die Menschen auf, indem wir sie eine Wei-
226
le in der Angst leben lassen,
Kommt Ihre Frau bald wieder?
Er sah sie erstaunt an. Warum willst du das wissen?
Ich mache mir Sorgen. Marianne ist nicht mehr da, Ihre
Frau ist weg; so lange war
sie allein noch
haben hier die Bauarbeiten am
Hals. Sie sehen nicht ge-
sund aus, rauchen auch zuviel
. Ihre Aschenbecher sind
227
gehend, und meine Frau wird ba
ld wieder hier sein. Nun
Er war wieder allein, sttzt
e sein Gesicht in beide Hn-
228
zum Beispiel an jenem Tag, al
s er whrend der Semester-
229
mals noch nicht als Bibliothek diente. Dort hatte der Va-
ter, uerlich noch sehr r
uhig, den Sohn mit Handzeichen
in einen der Sessel dirigiert. Frank hatte Platz genommen.
Der Vater war stehengeblieben, hatte wohl den Blick von
oben nach unten gewollt. Und dann war das kurze, aber
230
Tausende sterben, und ich mu mir sagen: Frank Golom-
bek, du hattest die Gelegenheit, eine Granate aus dem
Camp zu holen und die deutsche
ffentlichkeit zu warnen
und dadurch vielleicht den Abtransport der Kampfstoffe in
Gang zu bringen, und hast es
231
232
Licht, kehrte zum Fenster zurck. Die Gestalt war weiter-
gegangen, ein paar Schritte nur, stand nun neben der Ze-
mentmischmaschine, halb verdeckt vom Schattenarm der
Ramme.
Na gut, warum sollte nich
t einer von der Gruppe vor
dem Schlafengehen einen Rundgang ums Haus machen?
Aber wenn es nun ein Fremder war? Man mute es ber-
Golombek ging in die Reithalle. Aber sie war leer. So
stieg er vom Stall aus die Tr
eppe hinauf und
klopfte an
Roberts Tr. Auf das Herein
233
Einsperren, bis wir hier
mit allem fertig sind. Wir kn-
nen es nicht riskieren, ihn
laufenzulassen. Oder sind Sie
anderer Meinung?
Golombek mute sich eingest
ehen, da Robert recht hat-
Kommen Sie, ehe er uns
Sie liefen nach unten, trat
en durch die Verandatr hin-
aus, die sie nur so weit ge
234
Wir tragen ihn ins Haus, sagte Golombek, und dann
lassen Sie mich bitte mit ihm allein.
Warum? Roberts Tonfall klang gereizt. Ich kann es
235
Behandlung Zeit, obwohl er wut
e, da Robert, der hinter
dem Schreibtisch auf dem Teppich sa, ungeduldig auf
236
Gibst du mir darauf dein Ehrenwort?
Joseph streckte die Hand aus, aber Golombek sagte nur:
Schon gut. Dann fragte er: N
icht mal Laura hast du
es erzhlt?
Wieso denn Laura?
Das ist ganz was anderes. ber solche Sachen sprechen
Wie bist du berhaupt darauf gekommen, da da ir-
gendwas nicht in Ordnung sein knnte?
Neulich kam der eine ich glaub, er heit Rdiger ,
also der, der die Aufsicht hat, mit seinem Kombi abends
hier an. Und er hatte BRIST
AR geladen. Habs auf den
Tten gelesen. Ich kam nmlich grad vom Handball zu-
rck und war noch oben an der Strae, als er einbog. Und
BRISTAR, das wei ich zufllig, weil mein Bruder auch
vom Bau ist und mir davon erzhlt
hat, also BRISTAR ist
ein Sprengmittel. Da hab ich mir gedacht: Will doch mal
sehen, was die denn blo sprengen wollen!
Joseph, weit du eigentlich, was die Amerikaner hier
Wer wei das nicht in dieser Gegend! Chemiewaffen.
Genauer!
Hab mal zugehrt, wie Sie mit Rademacher und Hb-
Ja, VX. Und nun sag ich dir
was! Die Leute, die hier
auf dem Bau sind, gehren zu mir. Wir arbeiten zusam-
men. Wir wollen in das Lager
der Amerikaner eindringen
und versuchen, eine Granate rauszuholen. Damit wollen
wir dann an die ffentlichkeit gehen, um zu erreichen, da
237
kaputt, sondern wir alle ko
mmen hinter Schlo und Rie-
gel. Du hast es rausgekrie
gt, Joseph, und was sollen wir
nun machen?
Ich sag keinem was davon.
Wirklich nicht?
Ich verspreche es. Ich gla
auf mich verlassen knnen. Wenn Sie wollen, mach ich
sogar mit. Dann steck ich genauso mit drin und mu also
238
Ich geb dir morgen frh einen Schlssel fr die kleine
Tr. Aber wir knnten natrlich auch sagen, da du wegen
deines Unfalls erstmal liegen mut.
Nein, ich will mitmachen! Joseph stand auf, schwank-
te zunchst ein bichen, aber
dann fand er Halt. Golombek
gab ihm das VALORON-Flschchen.
Die Tropfen wirken unge
fhr vier Stunden. Wenn die
rum sind und die Schmerzen wiederkommen, nimmst du
nochmal dreiig Tropfen.
Als Joseph gegangen war, kam
tisch hervor. Alle Achtung,
Sie haben Ihre Leute im
Sie sind also beruhigt?
Ja, aber ich werde ihn trotzdem noch eine Weile unter
nicht doch zu der Frau
geht! Ab morgen, wenn er mit da
bei ist, sieht alles anders
aus. Falls eine Gefahr besteh
t, dann vor allem fr diese
eine Nacht.
Aber er darf es nicht merken. Es schafft keine gute At-
mosphre, wenn man Vertraue
n mit Mitrauen beantwor-
239
Dieser Raum ist nmlich fr solche Gesprche am be-
240
ils nur Ja ode
r Nein sein
durfte. Was, wenn er als Zu
schauer an der Sendung teil-
nhme? Irgendwann wrde er
seinen Platz verlassen, auf
die Bhne gehen, den Anwesenden und den Millionen
Fernsehzuschauern die zu ei
ner handlichen Taschenbombe
umgebaute VX-Granate zeigen und ihnen erzhlen, was es
Lemmert hatte seinen freien Tag, geno ihn jedoch, wie
gewohnt, nur halbherzig, weil
es schon so oft geschehen
war, da man ihn trotzdem
gerufen hatte. Dann ging es
241
natrlich immer um irgendwelche Notstnde, und die
brachten nun mal die rgernis
Es hatte den Anschein, da es diesmal gutgehen wrde.
Es war schon zehn Uhr am Ab
242
gepret worden, und zur selben Zeit hatte im westfli-
243
Dem Toten fehlte der Nagel des linken Mittelfingers. Er
244
Dakota angerufen. Vorher hatte er sich bei
Colonel
Morri-
son erkundigt, ob die Eltern vom Tod ihres Sohnes ver-
stndigt worden seien. Das waren sie, und so hatte er sich
die Telefonnummer besorgt und
von seiner Dienststelle
aus mit der Frau telefoniert, die einst zur gleichen Zeit wie
seine Mutter in den Wehen
des Gesprchs: Jeff Haggerty ha
tte das Segeln nie erlernt,
und deshalb stand so gut wie fest, da nicht er es gewesen
war, der die Unterredung mit
dem Bootsverleiher gehabt
245
gung, aber daneben formte sich im Brummschdel des
schniefenden und hustenden und wahrscheinlich auch
noch vom Fieber befallenen Cornelius Lemmert ein neuer
hatte. In einer dritten Rubrik
246
Ruth Silbermann, oder wie immer die Dame heit, wird
schen den drei Mnnern, und
es heit GY 350, das Muni-
tionslager von Wasloh. Ich fre
sse einen Besen, wenn es
zwischen den drei Aktionen, bei denen jedesmal ein De-
pot-Kundiger durch ein Weibsbild verlockt wurde, keinen
ersten Prchen sind per-
du. Braden ist tot, und Ruth S
ilbermann hat sich in Luft
kennen wir nicht. Aber Morrison und Frau Golombek sind
am Leben! Natrlich empfiehlt es sich, erstmal mit dem
zu sprechen. Ich hoffe, er ist bereit, mir was zu
erzhlen. Von seiner Rammelei wi
ll ich ja gar nichts wis-
sen, aber vom Drum und Dran!
Er holte aus seiner Jacke,
tion gar nicht leisten kann. Wrd
en Sie mir bitte erzhlen,
247
auf welche Weise Sie Frau Golombek kennengelernt ha-
ben?
Woher wissen Sie berhaupt von meiner Verbindung
zu ihr?
Wir haben davon erfahren. Natrlich nicht als Ergebnis
einer Observation. Die steht
uns nicht zu, obwohl eine
Bedrohung Ihres Depots ganz vitale deutsche Interessen
berhrt. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ein in
der Bundesrepublik gelegenes US-Territorium eine Funk-
station, ein Hospital, einen
Kindergarten beherbergt oder
ein Giftgasdepot, denn wenn das Ding bei einem Anschlag
in die Luft fliegt, sind m
it Sicherheit tausendmal mehr
Flle, in denen ein Kon-
takt zwischen A und B von A angestrebt wurde, B aber
doch der heimliche Initiator war, ohne da A es bemerk-
Herr Lemmert, fr wen halten Sie mich?
Okay, okay, ich will Ihnen ni
Das hatte ich ja bereits fest
gestellt, aber warum war sie
248
kurzlebig?
249
hen und dann auszuhorchen, htte er es zu der Auseinan-
Sind Sie sicher, da der Krach mit Ihnen und die Reise
der Frau nicht nur taktisch
e Schritte waren, Ablenkungs-
manver?
250
4. Teil
251
Mittwochabend.
In den vergangenen Tagen
und Nchten hatten mehrfach
schwere LKWs den Hof verla
ssen, beladen mit Maschi-
nen, mit briggebliebenem Baum
aterial, mit Bergen von
Sand, Kies und Gesteinsbrocken.
In der Reithalle standen
nur noch die Gertschaften fr ein Turnier, das niemals
stattfinden sollte. Auch die
Presse war abgezogen worden,
und das war fr Frank Golombek so gewesen, als verliee
ein groer Magier, nachdem
er seinen Partnern und ihm
252
schwierig gewesen, sich jense
its des uersten Rohrstcks
mit Schaufeln und Spaten weiter voran und dann nach
oben zu arbeiten. Je hher hina
uf sie gelangt waren, desto
mehr war die Gefahr gewachsen, da das Erdreich ber
ihren Kpfen einbrach. So
hatten sie immer zugleich
schaufeln und sttzen mssen.
abreichte. Bei Beginn der Aktion wrden sie ihn mit ver-
einten Krften anheben und so
253
Dann werden wir das Sehrohr testen. Unser Informant
f der wir herauskommen, im
Schatten liegt. Die Straen
und Bunker wie auch die Un-
terknfte der Gis sind beleuc
sen, auch so manche Aktion, bei der man Soldat spielt
oder Seemann oder Trapper. Fr das, was wir vorhaben,
mu man das lautlose Anschl
eichen beherrschen, ebenso
und das sofortige Wieder-in-
Deckung-Gehen. Sie gehren zu den weien Jahrgngen,
waren fr den Krieg zu jung und fr die Bundeswehr zu
254
wichtiger! Sie helfen bei der Entgegennahme der Granate,
sorgen dafr, da sie ordnungsgem verladen wird. Das
keiner hinterherzulaufen,
sondern es gengt, wenn die
Fuhre von der Halle aus per Seil durch den Tunnel gezo-
gen wird. Sie lie Golombek
los, sah ihn fragend an. Er
wich ihrem Blick aus, war enttuscht. So viele Jahre hatte
er vom Eindringen ins Depot
255
ein imitiertes Katzengejaule, und dann schlpft einer von
uns in den Bau, nimmt die Schlssel an sich und ver-
256
Er schob das Periskop weiter
in die Hhe. Wieder der
Sehen Sie schon die Grasflche? fragte Golombek.
Nein, und dazu wird es auch gar nicht kommen, denn
Wieder ein Stck hinauf
und wieder die Drehung, doch
diesmal nicht ganz herum. Da!
Ich sehe eine
beleuchtete
Er drehte sich weiter herum,
257
mehr, nicht dabeisein zu knne
n, wenn es galt, in das ein-
stige Terrain seines
Dann kam Nadine an die Reihe. Als sie ihren Rundblick
258
fen die wohl endlich, da sie
dieses Kuckucksei der Ame-
r in ihrem Nest dulden drfen! Ach
was, ich htte das gar nicht zu sagen brauchen, weil sie
von Anfang an dabeigewesen wre!
Er stand auf, ging zum Haus
259
Mal sehen. Ich wei es noch nicht. Ich hatte heute
abend einfach nur das Bedrfnis, mit dir zu sprechen.
Denkst du auch so viel an Marianne?
Ich begreife nicht, da ausgerechnet die beiden Men-
schen, deren Trauer um Marian
ne gleich gro ist, nmlich
Immerhin gab es den
Frank, vielleicht ist es so, da jemand, der sein Kind
260
Am Donnerstagabend um 19.45 Uhr kam Cornelius Lem-
mert auf dem Flughafen von Ibiza an. Er hatte kein groes
261
Am Clubeingang wurde die Sc
hranke gehoben. Die An-
meldung erledigte er in dem
bekam den Schlssel. Der W
rter beschrieb dem Taxifah-
262
Weil du das, was mir an unserer Ehe das Liebste ist,
263
undsiebzig Traktoren; wenn
er in Bremen auf dem Woch
enmarkt eintreffe, knne er
seine Fracht wahrscheinlich so
wieso gleich auf den Mll
kippen; aber versuchen soll
e man es doch wenigstens,
der erstmal in alle Kisten gucken wolle. Ja, so jammerte
der Mann herum. Er machte wirklich einen verzweifelten
runterzuziehen, aber dann juck
t mich pltzlich dieser idio-
tische Jagdinstinkt, und ich sag: Okay, eine Kiste, und
Ich zeig noch drauf und
sag: Diese! Und da, ganz
pltzlich, ohne bergang,
ohne ein weiteres Wort, zieht
er unter dem grnen Gem-
sehndlerkittel die Pistole her
vor. Ich krieg das grad noch
mit, als ich mich an die Kist
e ranmachen will, nur so aus
dem Augenwinkel, schmeiߒ mi
264
und auch ohne Gefahr frs eigene Leben?
Cornelius Lemmert gab sich auf diese Frage sogar eine
Antwort, eine, die er einem
glaub, es ist tatschlich mein
verflixter Widerwille gegen
alle krummen Touren dieser Welt, denn das Geld kann es
nicht sein, weils nie hinrei
cht bis Ultimo. Und Abenteuer-
lust ist es ebensowenig; dazu ist das, was mir tglich un-
terkommt, einfach zu abscheul
ich. Ja, es stimmt wohl, da
ich mich aufgerufen fhle,
wenn die Dealer und die Killer
unterwegs sind und unsere Stra
Wildbahn machen. Eigentlich
deutsche Typ, der da vor eini
ger Zeit in der New Yorker
U-Bahn rumgeballert hat, und wenn meine Chefs das w-
ten, wrden sie mich feuern. Al
so, Jeff, ich krieg die Leu-
265
stimmen natrlich auch nicht mehr, seit Olga weg ist.
Wieso beraten die Verkufer heute eigentlich nicht mehr?
Ich frag: Haben Sie ne Hose
fr mich? Und die Kleine
Und macht ne Daumenbewegung, die genausogut be-
deuten knnte: Raus! Ja, und nun
hab ich diesen kackgel-
ben Wohnsack, weil er so schn bequem wirkte. Na, we-
nigstens das Hemd reit mich
ein bichen raus, elfenbein-
Er trat vom Spiegel zurck, und beim Hinausgehen
dachte er noch: Vielleicht bi
n ich ja auch blo deshalb
Polizist geworden, weil ich mir Respekt verschaffen woll-
Er verlie das Haus, ging die schmale, asphaltierte Stra-
e entlang. Schon nach wenigen
Schritten hatte er die Nr.
266
platten glnzten wie poliert.
267
auf die vor ihr stehende Gestalt, schob sogar die Tr wie-
der ein Stck zu, schlo sie
jedoch nicht, sondern stellte
nach drauen, hnlich wie er se
lbst vor einer Viertelstunde
an dem Vorhang vorbei in ihr Zimmer gesehen hatte.
Guten Abend, Frau Golombek!
268
der einzige, der hierherkommt.
Bleiben Sie lnger?
Noch ein paar Wochen. Und bei Ihnen ruft also schon
Leider. Er fand sie jnger,
als er sie in Erinnerung hat-
te, fand sie hbsch und jugendlich in ihrem Strandkleid.
269
zu antworten, knnen mich ra
270
um das Wiedererkennen einer
bestimmten Handschrift.
gar bereit, einem Kaufhaus m
itzuteilen, wie oft er seine
271
Unterhosen wechselt. Entschuldigen Sie, ich wollte die
Lage nur anschaulich mache
n, werde nun auch nicht wei-
ter abschweifen. Ein wesentli
cher Teil unserer erken-
nungsdienstlichen Arbeit befat
sich also mit der berein-
stimmung von Merkmalen, und nun passen Sie auf! Bra-
272
Morrison nennen und als
Mittel das Reiten, bin ich ja
wohl danke brigens fr die
attraktive Frau die dritte
Kontaktperson, nicht wahr?
Frau Golombek, ich verdchtige Sie nicht. Sonst hatte
ich es wirklich anders gemacht. Ich mchte Sie nur fragen,
ob Sie vielleicht, ohne es ge
wut zu haben, mibraucht
worden sind. Wurde Ihr Kont
akt zu Morrison mglicher-
weise durch einen anderen angebahnt?
Mein Gott, durch wen denn blo?
Vielleicht durch Ihren Mann?
273
Haben Sie von dem Fall Haggerty gehrt?
. Das Paar Nummer zwei.
genber diesen Haggerty
nicht erwhnt? Am Telefon zum Beispiel?
Okay. Lemmert trank sein
Glas aus. Dann will ich
Katharina erhob sich ebenfa
lls. Die Flasche Mineral-
wasser, soll ich sie Ihnen mitgeben?
hatte. bermorgen will er auch mit dir sprechen.
Ja, Lemmert. Und es war, auch wenn er es abstritt, ein
Verhr. Er wollte alles wisse
n ber Morrison und mich
274
und hat da eine verblffende Theorie, die sich aus drei
gleichgelagerten Fllen aufb
aut. Braden und die Tennis-
spielerin. Dann ein
Haggerty vom Depot, der mit
einem Mdchen segeln wollte und ebenfalls umgebracht
Und nun Morrison und ich! Und er fragte mich doch
tatschlich, ob hinter meiner Bekanntschaft mit dem
Ja, du! Eine absurde Idee, nicht? Aber von der Logik
her finde ich seine Schlufol
gerung gar nicht mal so ab-
Ja, Haggerty.
Leute, von denen Lemmert sprach, sollen ihn mit dem
275
Lemmert zog sich bis hinter
die Hauswand zurck, ver-
harrte noch eine Weile. Aber es
gab kein zweites Telefo-
nat. Er ging zur Strae, wart
276
Entwicklung informieren sollte, beschlo dann, es nicht zu
tun, wollte um keinen Preis den Eindruck erwecken, er sei
der Schwachpunkt des Unternehmens, die anfllige Stelle.
Er sah auf die Uhr. Fnf nach halb zwlf. Um eins woll-
277
Er wollte Joseph mitnehmen. Den beiden anderen Ange-
stellten wie auch Laura hatte er erzhlt, er fahre mit sei-
nem Stallmeister nach Wien,
um ein paar Pferde einzukau-
fen. So wrde Laura fr einige
Tage die Chefin sein, was
ihr, wie sie sagte, sehr
gefiel, und Rademacher und Hb-
ner sollten sich um die Tier
e kmmern. Laura hatte sogar
fr Joseph und ihn Proviant eingepackt; der lag auch
schon im Auto.
Immer wieder mute er an Katharinas Anruf denken und
an die bestechende Logik des Falben, der mit den drei
Prchen umging wie mit Gliedern einer mathematischen
Gleichung. Katharina, dachte
er, scheint ihn davon ber-
zeugt zu haben, da er sich in
ihrem Falle geirrt hat. Sonst
wren sie wohl schon hier,
denn wenn dieser Verdacht
278
der Granaten hatte Robert in
Hnden! Es hie zwar, Nadi-
nes Schwester Vronique habe sie zur Verfgung gestellt,
aber wrde ein amerikanischer Offizier je so weit gehen,
da er seiner Frau solche Einzelheiten mitteilt und ihr
der VX-Granate berlt
mit der ganzen widerliche
n Nomenklatur wie PUSHER
PLATE, RAPTION DISC, FU
ZE und was da sonst noch
alles auf dem Bogen stand?
Und auch, da ein ganz be-
stimmtes Terrain des Camps
vom Licht der Straenlampen
eser Mensch erzhlt haben?
Ihm war hei geworden. Er stand auf, zog seine Joppe
aus, hngte sie wie in Tran
279
Tunnelbauer knnten verkappte
surd. Dazu waren sie viel zu
umgnglich. Und berdies:
Eine Terrororganisation wrde niemals zwei Wochen lang
mit Leuten zusammenarbeiten, die hinterher in der Lage
Die behbige Standuhr in der
Diele schlug halb eins. Er
hrte den tiefen, dumpfen Kla
ng bis in die Kche. Eine
halbe Stunde noch, dachte er, und wir versammeln uns!
Zwei bis drei Stunden spter
haben wir, wenn alles gut-
Er zog die Jacke wieder an,
ging nach drauen zu seinem
ug, warf die Jagdstiefel in
den Kofferraum. Dann sah er noch einmal aufs Armatu-
280
wute er, war mit seinem Helfer bereits abgereist.
Bald ist es soweit! empfing ihn Robert. Eine knappe
281
derlich hielt als fr hilfreich, jedenfalls bei einem Einsatz
wie dem bevorstehenden, sagte aber nichts, wollte sich
Um kurz vor eins gingen sie in die Halle. Robert teilte
die Leute ein. Inzwischen war auch Joseph erschienen. Er
erhielt die Aufgabe, zusammen
mit Hilario die diesseitige
Seilrolle zu bedienen und die Granate vom Schacht zum
Auto zu tragen.
Wo ist denn Pierre? fragte Golombek.
Der hockt schon im Unters
und macht da alles klar.
Die beiden Russen legten den Schacht frei. Golombek
sah hinein, sah das Gemuer und den sthlern blinkenden
Tunnelmund, und wieder einmal
staunte er darber, wie
perfekt die ganze Anlage geworden war. Flchtig erinnerte
er sich einiger Vorbilder, dachte: Unterirdische Fluchtwe-
ge gibt es wahrscheinlich
schon so lange, wie es die Ge-
fangenschaft gibt. Zwei Filme fielen ihm ein, der franzsi-
sche mit dem Titel DAS LOCH, in dem Gefngnisinsas-
sen versuchen, sich ins Frei
e zu graben, und der amerika-
nische THE BIG ESCAPE, in
dem whrend des Zweiten
Weltkrieges einige alliierte Offiziere durch einen mhsam
geschaufelten Tunnel aus einem deutschen Kriegsgefan-
genenlager fliehen. Aber ni
cht immer ging es darum, hi-
282
Um Punkt ein Uhr stiegen sie hinab, Golombek als vor-
de, von der an der Rollenachse
sitzenden Vierkantnut ab-
zuziehen und auf den Boden zu legen. Das schaffte Raum.
Dann ging es im Gnsemarsch durch die Rhre. Robert
war der erste. Er hatte eine
Lampe um den Hals hngen,
deren Licht in bizarren Must
Weil jedes Gerusch vermieden werden mute, kamen
sie nur langsam voran. Eine
283
machen. Nadine stellte sich
jektiv nach oben. Als es die er
forderliche Hhe hatte, hielt
sie die Augen ans Okular, begann mit der Drehung.
Wie gestern, sagte sie. Wir haben groartige Sicht!
Ich erkenne die Strae, die H
user, die Bunker. Das Auto
ist heute nicht da. Die Panzer
haben sich vermehrt. Es sind
Auch Golombek hatte das Ca
284
285
Igor und Golombek blieben im Unterstand zurck. Go-
lombek brauchte eine Weile, bi
s er sich an die Dunkelheit
gewhnt hatte. Von dem kompakten Russen neben sich
konnte er nur die Kontur erkennen. Ich will mir das da
drauen mal angucken, sagte er und brachte das Periskop
in Position. Da das lange Gestnge des Gerts keine Fh-
rung mehr hatte, mute Igor es festhalten.
Aber nur ganz kurz, sagte
der Russe. Wir mssen die
Matratze in Position bringen.
Stellen Sie sich vor, die
Granate wird gebracht, und das Fahrzeug ist nicht start-
Golombek trat vor das Okular
. Er htte hinterher nicht
erklren knnen, wie er es
schaffte, den nur Sekunden
whrenden, aber alles vernde
kurze Filmszene vor seinen A
ugen ablief, in sich aufzu-
nehmen und dabei nach auen
hin gelassen zu bleiben. Es
mute der Instinkt sein, de
r ihm eingab, da der Verlust
der ueren Ruhe den Verlust des Lebens zur Folge haben
wrde, denn nur solange er Igor glauben machte, er she
nichts auer den vier durchs
Camp schleichenden Part-
nern, konnte er den wohl gefhrlichsten Moment seines
bisherigen Lebens berbrcken und dann handeln!
Er sah Nadine. Es gab keinen
Zweifel, sie war es, denn
der Posten vor den Panzern, ein Mann von normalem
Wuchs, war fast anderthalb K
opf grer als di
e Gestalt in
seinem Rcken. Und er sah das Messer, sah im reichlich
einfallenden Licht der Stra
enlampen fr den Bruchteil
einer Sekunde den Stahl aufblitzen, und dann fuhr die
einmal kurz hochgeschnellte Kl
inge dem Posten in den
Rcken, so da er zusammenbr
ach. Sofort waren Robert,
Pierre und Wladimir zur Stelle.
Zu viert schleiften sie den
niedergestreckten Krper vom
Platz und legten ihn zwi-
sah noch mehr: Gleich dar-
286
auf hantierten alle vier an
287
Er stieg wieder hinunter. Ihm
288
Natrlich, dachte er, so wie es
289
der ein paar Worte mit ihnen gewechselt. Welche der bei-
290
gendeine Gefahr? Wird sie sich fr den einen entscheiden-
den Augenblick zu mir hinabbeugen, so da ich sie mit
dem Pistolenknauf niederst
recken kann wie den Russen
mit der Kurbel? Oder wird sie erstmal die beiden anderen
herbeirufen?
Noch einmal robbte er ein
Stck nach vorn, drei, vier
Handbreiten. Dann erkannte er,
da es Helga Jonas war,
die da sa, Roberts Freundin, und
da sie sich in einer fr
ihn gnstigen Position befand. Wenn er pltzlich in der
Rohrffnung erschiene, wrde
sie ihn nicht gleich sehen.
291
sunken lockerte er den Griff, lie sie langsam zu Boden
292
Rohrstcke und Schneckensegmente zu verdecken, stan-
293
cher wie bei jemandem, der nach langer Krankheit zum
294
295
ker, bei denen die Stromkreis
e ber die Summer geschlos-
sen wurden. Die Weckzeit war bei allen fnf Anlagen auf
3.03 Uhr eingestellt worden.
Und sie hatten sich den
Schlssel fr den VX-Bunker beschafft! In dem von Hag-
gerty als Wachstation bezei
296
Schatten der Bume bis zum Bunker Nr. 26 vorgedrungen.
Dort hatte Zayma in die li
nks neben dem Eingang ange-
brachte Schalttafel die Zahl
eingegeben und dann die Tr
Dienstgesprche, nachts weniger, aber dafr quatschen sie
dann manchmal miteinander,
bldeln aus Langeweile an
ihren Telefonen herum. Nur die Kontrollanrufe laufen
natrlich przise ab, immer
zur vollen Stunde. Es war
297
Schacht. Als Robert und Zaym
a sich hinabbeugten, um ihr
Gescho an Igor und Golombek
weiterzureichen, gab es
den ersten Schreck, ausgelst
durch die ins Dunkel gefl-
sterten Worte: Ich bin es, Hilario.
Was ist passiert? zischte Robert.
Eine Panne. Golombek ist
weg. Er hat Igor und Helga
Sind sie tot?
Das kurze Gesprch hatte sie nicht von der Arbeit ab-
gehalten. Die Granaten waren auf dem Fuboden des Un-
terstandes abgelegt worden. Trotz der Nachricht vom Tod
seiner Freundin lie Robert
nicht einen einzigen Moment
298
Wladimir nickte. Das Schieben bernehme ich.
Beim Luftschacht werde ich
dich ablsen, sagte Hila-
Sie klappten das Periskop zusammen, legten es ebenfalls
auf die Matratze, klemmten es unter die Schnre. Die
Lampe lieen sie hngen, lschten nur das Licht. Auch die
Robert zog an der Leine, zog
sehr krftig, bis er fast ei-
299
300
seitigen. Sie schleiften La
ura, Joseph, Hbner und Rade-
macher an den Schacht, kippten sie ber den Rand. Als
301
Nach Erreichen der Landstrae trennten sich die beiden
Wagen. Der Granatentransporte
r bog nach rechts ab, der
andere, in dem Robert, Zayma, Wladimir und Igor fuhren,
Die beiden Russen saen im
Fond. Wladimir, der seinem
Landsmann den Overall abgestreift und ihm eine Jacke
302
Vermutlich.
Ich halte das fr ausgesch
lossen. Er wre dann nicht
mitgegangen, htte Angst um sein Leben gehabt und auch
um das seiner Leute. Ich glaube
viel eher, da er erst im
Robert wandte sich nach hi
nten: Ist Igor immer noch
303
die Gegenseite nicht! Ich bin sicher, schon heute wird man
sein Gestt auseinandernehme
n. Und selbst wenn man den
Tunnel nicht gleich entdeckt,
wird man Golombek auf
jeden Fall mit dem Anschlag
in Verbindung bringen. Aus
drei Grnden: Er gilt als erbi
tterter Gegner des Depots. Er
hat das Schwimmbad gebaut. Und er ist mitsamt seinen
Leuten verschwunden. Besonders der Bau des Schwimm-
bads wird bei den Amis wie bei den Deutschen die Denk-
nicht, und folglich hatte der
Krach eine ganz spezielle Au
fgabe. Von dieser Erkenntnis
aus ist es dann nur noch ein wi
nziger Schritt bis hin zu
dem Schlu, da ganz in der N
he eine zweite Baustelle
existiert haben mu. Aber die
304
den Tatort verlassen haben, knnen sie nur rekonstruieren:
Polizei das Problem, da si
305
Um 3.10 Uhr war fr Frank Go
lombek erneut ein Moment
des Aufatmens gekommen. Er
hatte die Grenze passiert.
Der deutsche Beamte hatte ihn durchgewunken, ohne ei-
nen einzigen Blick in seinen Pa geworfen zu haben, und
der franzsische hatte nur kurz hineingesehen und dann
eine gute Weiterfahrt gewns
cht. Diese Hrde war also
genommen! Aber wie wrde es weitergehen? In sieben bis
306
sein Notizbuch auf, das er, zusammen mit Papieren und
Bargeld, am Vorabend eingepackt hatte, und whlte.
307
um fnf Uhr zu einem vierze
hntgigen Segeltrn startest.
Du fhrst aber zum Flugha
Bitte Katharina! Weil es ein Inlandflug ist, brauchst du
308
Er hngte ein, ging zu seinem Wagen, fuhr weiter.
Vielleicht, dachte er, mu
ich den VOLVO drangeben,
nn versuchen, ber die gr-
ne Grenze zu kommen. Natrlich kann ich ihn nicht ein-
fach auf der Strae stehenlassen, jedenfalls nicht in
Grenznhe; dann wrde die Polizei sofort auf Spanien
tippen. Nein, ich mte ihn in einem abgelegenen Wald-
stck verstecken oder sogar
in einem See versenken.
Schlielich fiel ihm auch noch eine bequemere Mglich-
keit ein: das Auto in ein Par
khaus von Perpignan zu brin-
gen, in eins, das mehrere Decks hatte und in dem man bei
309
ten sich ja die VX-Daten und die Zeichnung besorgt, und
s Schwester! Ob sie aus
dem Osten gesteuert werden oder zur RAF gehren? Sie
sind intelligent und sehen anstndig aus und tun trotzdem
solche Dinge! Wieso? Nadine
zum Beispiel! Ich bin die-
sem kaprizisen Geschpf regelrecht auf den Leim gegan-
gen. Na, und Robert und Pierre
und die beiden Russen und
dieser Hilario aus Sdamerika! Sie alle machen den Ein-
druck von Shnen aus gutem Haus, wirken durch und
durch wohlgeraten. Wie ist es nur mglich, da das Bse
sich in einer so geflligen Form prsentiert?
Kurz vor Dijon legte er eine
Pause ein, fuhr auf einen
310
lich wre eine Meldung fr mi
dort ab, nahm sich nur das Notwendigste aus seinem Kof-
311
fer und verstaute es in den Jackentaschen. Dann ging er zu
312
313
da er zwei Staatsgrenzen hi
nter sich gebracht hatte und
einer von vielen Passagieren wa
r, lste sich allmhlich die
Spannung in ihm. Die herbe Landschaft, die drauen vor-
beiglitt, und die vielen, meistens spanischen, teils aber
auch katalonischen und franzsischen Ortsnamen gaben
ihm fr Momente das Gefhl, ni
chts weiter zu sein als ein
Nach einem guten Dutzend St
ationen schlief er ein,
wachte erst in Barcelona wieder auf.
Er nahm ein Taxi und lie sich zur
Plaza de Cataluna
fahren, von der er wute, da sie in die
314
ngen? fragte er.
Ja. Ich bin schon lange hier; hab da drben in einem
Wann hast du den Club verlassen?
Heute frh um halb fnf.
315
genau mit den Gstelisten; unsere richtigen Namen drfen
Und wo liegt das Problem?
Mir macht es nichts aus, ei
ne Zeitlang in einer Absteige
zu hausen, aber dir kann ich das eigentlich nicht zumu-
Sie umarmte ihn. Lieber mit dir in einer Absteige als
Danke, Katharina! Am besten, wir versuchen es im
Barrio Chino
zeigte auf den Kfig und sagte:
Irgendwann bringt man auch mi
ch hinter Gitter, aber ich
bin froh, da ich noch frei bin und wir uns erstmal wieder-
Sie waren seit vierundzwanzig Stunden auf ihrem Bio-Hof
316
Der Arzt hatte dann allerdi
ngs noch eine Gehirnerscht-
317
rck. Er hie Patrick Henderson, war zweiunddreiig Jah-
re alt, Sohn eines aus Sdengland stammenden und seit
langem in Beirut ansssigen
Ingenieurs und einer Libane-
sin. So sah er auch aus, denn er hatte die langgeratene,
teifen Briten und dazu
schwarzes Haar und dunkelbraune Augen. Robert und
denn sonst wrt ihr nicht hier
. Trotzdem bleibt die Ge-
schichte ziemlich heikel, und ich
Moment, unterbrach Zayma ihn, was heit nicht
transportabel? Wir haben doch
318
selbst wenn man sich bei
lungen auf eine Beseitigung der C-Waffen verstndigt,
wird es problematisch, weil niemand dafr garantieren
kann, da beim Bewegen der Geschosse kein Gas austritt.
Mglicherweise mssen sie an
also ein Wagnis.
319
leitung. Ich knnte mir vorstelle
n, da der Geschomantel
aus Tombak besteht, also
ist zwar zh, lt sich aber
mit einem Stahlbohrer bearbei-
ten. Und dann kommt es darauf
an, ob der Inhalt der Gra-
nate nur aus VX besteht oder aus zwei Ausgangskompo-
Angeblich sind die Wasloher Bestnde nicht binr, aber
wer wei das schon mit Sich
erheit! Angenommen also,
wir haben es mit zwei Stoffen zu tun, so mssen sie ge-
trennt herausgeholt werden. Das heit, eigentlich wird nur
die organische Komponente ge
braucht, und die ist, nehme
ich an, in Benzol lslich. In diesem Fall wrde ich die
Granate im vorderen Drittel
aufbohren und das Zeug mit
Hilfe von Benzol herauslsen, das ich anschlieend durch
Destillation wieder abtrenne
n kann. Und ich mu im In-
nern der Mine fr Druck sorgen, damit das Zeug bei ge-
rf das Ganze sein?
Ein bis zwei Kilo.
Das lt sich machen.
Wieviel VX kann man darin unterbringen? fragte
Zayma.
Genug jedenfalls, um ein Ch
aos anzurichten. Es wird
mit Sicherheit der folgenschwerste Anschlag in der Ge-
320
schichte des Terrorismus.
Je spektakulrer die Sache is
zum Beispiel, die von Stahlpla
tten abspringen und dann
herumschwirren wrden, bleiben in Aluminium stecken
wie in einem Klumpen Butter.
Und was machen wir nun? fragte Zayma.
Ist es ein Konvoi? wollte Henderson wissen.
habt ihr Mglichkeiten ge-
nug, drft eben nur keine MTWs nehmen! Natrlich haben
die auch Eisenteile, Motor und
Achsen zum Beispiel, aber
ihr braucht eine glatte Flche. Er machte eine Pause,
fragte dann: Und ihr selbst? Se
id ihr in Sicherheit, wenn
321
Das hngt unter anderem vom Wind ab. Wollt ihr die
Mine eigentlich selbst unter
s Fahrzeug kleben oder sie
beim Drberfahren gegen die
Bodenwanne springt?
Robert winkte ab. Sie nur hinzulegen, wre viel zu un-
sicher. Vielleicht nimmt de
und da laden wir aus. Ich geh
dann gleich an die Arbeit,
322
men. Vielleicht ist ein Blindg
nger dabei, und eine zweite
Mine geht womglich verlor
rdem ist es bekannt als Sui-
323
Patrick, komm zur Sache! bat Zayma. Du wolltest
Hast recht. VX ist E 605 hoch fnfzig oder noch mehr.
Wie alle Akylphosphate, wirkt es durch die Blockierung
der Cholinesterase, und zwar schon bei geringsten Men-
gen, bei Mengen im Milligrammbereich. Die Betroffenen
man helfen kann! Klar kennt
man ein paar Sofortmanah-
men, aber die stehen fast al
le nur auf dem Papier. Zum
Beispiel haben die Soldaten
ihre hbschen ich glaub
sogar: abwaschbaren ABC-
steht alles, was die rmsten machen mssen, falls sie es
mal mit einer solchen Kampfstoffwolke zu tun haben. Da
tomatische Spritzampulle bereithalten und so weiter! Das
mssen sie dann erstmal nachlesen, whrend sie schon
taumeln und die Augen verdrehe
n und Schaum im Gesicht
Gibt es eigentlich, unterbrach Zayma den kruden Be-
324
scheinungen eindmmen. Und natrlich hat jede Klinik
325
war, instruierten sie die
anderen, zu denen sich mittlerweile Rdiger und Fred ge-
sellt hatten. Die beiden waren von Robert hingehalten
worden mit der Bemerkung, er habe ihnen einen lukrati-
ven Vorschlag zu machen, sobald der Klner Besuch wie-
der weg sei. Er sprach ausfhrlich ber die Miniaturbom-
ben, wechselte dann das Thema, sagte: Es ist klar, da
Fanatismus er sich in den Dienst unserer Sache gestellt
hat, ohne allerdings zu wisse
n, was diese Sache war. Ge-
nauso fanatisch wird er nun das
Ziel verfolgen, sich an uns
zu rchen. Er ist zwar ein Tr
ottel, aber auch Trottel kn-
nen gefhrlich werden. Wir m
ssen ihn also in die Finger
verlassen. Wir habens aber
326
gen. Ihr beide, Rdiger und
Fred, mt ohnehin untertau-
r euch dafr jede Menge
Geld hinblttern. Werfen wir doch unsere Wnsche in
einen Topf! Ihr nehmt die Jagd nach Frank Golombek auf,
und wir zahlen euch pro Pe
rson hundertfnfzigtausend
Mark, die Hlfte im voraus.
Fred war bla geworden. Aber wie wrde denn, ge-
Robert zgerte nicht eine Sekunde mit seiner Antwort:
Unserem Plan nach htte Golombek schon seit dreiig
Stunden tot sein mssen. Das haben wir verpatzt. Also
kann es nur darum gehen, das Versumte schleunigst
nachzuholen. Und wenn er tatschlich zu seiner Frau ge-
fahren ist, wird er ihr ne
Menge erzhlt haben, und darum
Du meinst, Rdiger rusperte sich, wir sollen die
Wie sonst knnten wir verhindern, da sie auspacken?
Auerdem steckt ihr beide so ti
ef mit drin in
der ganzen
Sache, da es darauf nun auch nicht mehr ankommt.
esen Dingen lngst abge-
Wo sollen wir denn suchen? fragte Fred.
Wie gesagt, erstmal auf Ibiza. Und wenn sie da nicht
sind , er machte eine Pause, dachte nach, fuhr schlie-
lich fort: Also, wenn ich mich verstecken mte, wrde
ich immer eine groe Stadt nehmen. Von Ibiza aus gese-
hen, ist die nchstgelegene Barcelona. Natrlich knnen
sie auch woanders unterkriech
en, aber mit Barcelona wr-
de ich es zuerst versuchen. Ic
h gehe davon aus, da sie in
Spanien bleiben, denn nach i
hnen wird mindestens so in-
327
gewaltige Klippe fr sie.
andere Wahl hatten, als Flucht und Jagd miteinander zu
verbinden und dafr eine hohe Summe zu kassieren. Doch
auch der Gruppe brachte dies
e Lsung einen Vorteil. Hel-
328
Komfort, zu dem auch Sauna, Solarium und eine Musikan-
lage gehrten, war hier ein
Ort des Unbehagens. Es gab
zwar die Dusche, das WC und das Waschbecken, aber
alles nur auf engstem Raum. Der Duschvorhang fhlte
sich glitschig an und war an mehreren Ringen eingerissen.
So beschlo Katharina, am nchsten Tag Putzmittel zu
besorgen, weil sie Zimmer und Bad subern wollte.
329
wollte so schnell wie mglich runter von der Strae.
Frank nahm das Blatt zur Hand, schlug es auf.
Wie mgen sie an dieses Foto gekommen sein? fragte
satzungssoldaten gettet. Obw
ohl das Attentat mit groem
t worden ist, hat sich bis
330
nen handelt. Vier von ihnen
stts. Sie wurden, wie acht der neun amerikanischen Sol-
Mord an dem ehemaligen Depotleiter
Braden so-
wie das Verschwinden und der Tod des in Wasloh statio-
her Einwohner mit dem Attentat
in Verbindung steht, ist
331
Zeugen beseitigt wurden. Katharina legte die Zeitung aus
Er stand auf, legte seinen Arm um ihre Schultern. Aber
sie sprte, das war nur eine
losigkeit, und
seine Worte besttigten diesen Eindruck: Was hab ich
332
Ja. Er wrde mich verstecken. Natrlich nicht in sei-
nem Haus, auch nicht in sein
er Fabrik, sondern auf dem
Hof im Spessart. Du httest auf Ibiza bleiben sollen, bis
Lemmert dich geholt htte. Und dann wre in die Zeitung
gekommen, da wir keinen Kont
akt hatten. Du wrest aus
der Schulinie gewesen, und ic
h htte auf Henrys Hof
Nur Rosemarie und Niklas, und
denen vertraue ich. Die
wrden mich niemals ans Me
sser liefern. Rosemarie htte
mir Forellen gebraten und
333
stnden eingibt. Du hast, sa
gte sie, auch einen Hof,
entdeckst aber immer nur di
Vergi nicht, ich hab einen unertrglichen Nachbarn,
und bin, um mir den vom Hals zu schaffen, zum Mittter
geworden. Armer Markus! Wird an die Tr gelockt und
dann kaltbltig niedergeschosse
n! Was fr ein furchtbares
Jahr! Erst Marianne und dann
Schlag auf Schlag! Alle
diese Toten! Und wer wei, viel
leicht werden es noch viel
mehr!
334
5. Teil
335
Cornelius Lemmert hatte den Eindruck, der lange Flur
seiner Dienststelle wre ein
Schulkorridor, so lebhaft wie-
selte es dort von Tr zu Tr.
Und kaum sa er an seinem
Platz, da ging das Telefon. Er wurde zu einem Gesprch
336
da es vorbeugende Manahmen
so gut wie berhaupt
nicht gibt? Oder wollen Sie
eine totale Auswanderung
empfehlen? Wohin denn? Nach
Italien? Frankreich? D-
nemark? Und was, wenn die beiden Granaten dann genau
da hochgehen, wo die Leute in ihrer Kopflosigkeit hinge-
rannt sind? Wrden Sie dafr die Verantwortung ber-
nehmen?
Buchner schlug auf den Tisch. Das ist doch eine mehr
als alberne Hypothese! Auerdem: Was geschieht mit un-
serer Zeitung? Bei uns ging
der Bekennerbrief ein, und
uns hat man aufgefordert, ihn zu verffentlichen. In vol-
lem Wortlaut. Und fr den Fall,
da wir es nicht tun, hat
man uns Folgen angedroht. Bse Folgen. Wir wissen, mit
welcher Brutalitt die VITANOVA vorgeht. Jeden, der ihr
im Weg war, hat sie beseitigt, ob Soldat oder Zivilist.
des Briefes unterschlagen,
werden wir das ausbaden mssen. Wie, drfte klar sein.
Oder vielmehr: Der Mglichke
iten sind viele! Vielleicht
packen sie uns eine ihrer Gr
anaten ins Foyer oder legen
unsere Redakteure um, auf der Strae, zu Haus, im Ten-
nisclub. Wenn wir den Brief nicht in vollem Umfang brin-
Es bleibt dabei: Sie bringen
den Brief, lassen aber die
Granaten-Stelle weg! Leider gi
bt es nicht die Mglichkeit,
ssage durch richterlichen
rig, als an den Staatsbrger in
Ihnen zu appellieren! Wenn
Sie das VX erwhnen, tragen
Sie die Verantwortung fr
das in der Bevlkerung entstehende Chaos.
Aber ohne den Hinweis auf
die Granaten ergibt der
Brief ja nicht mal einen Sinn!
Rede von einem gezielten
Vorgehen gegen amerikanische Einrichtungen in der Bun-
desrepublik, vom Anschlag
gegen das Wasloher Depot,
337
von der Liquidierung der Soldaten und der Beschdigung
von fnf Panzern. Also brauchen
338
VX-Aktion einen Aspekt, der
uns rtselhaft ist. Dr. Hler, Sie sind an der Reihe!
diese Summe, so schtzen
unsere Fachleute, ist in die S
ache investiert worden , der
hat Hintermnner, die sich das VX auch anderweitig und
viel einfacher htten bescha
ffen knnen. Ich glaube daher,
da wir es mit einem jener Flle zu tun haben, bei denen
der Besitz eine geringere Ro
lle spielt als die Inbesitznah-
me. Zum Beispiel kann es der VITANOVA darum gegan-
gen sein, Anflligkeit vorzuf
deutsche oder sogar die westeuropische Bevlkerung
allergisch machen gegen die
Lagerung chemischer Waffen
und mglicherweise nicht nur
chemischer. Wer in seinem
sgranaten aus einem als
sicher geltenden Depot erle
bt, wird auch die von Atom-
sprengkpfen befrchten. Jede Demokratie wird von Zeit
zu Zeit durch Skandale erschttert, auch unsere. Die Be-
339
tr ist dann schnell zur Stel
le und kann den Gefahrenbe-
reich abriegeln. Es werden auch chemische Kampftruppen
340
chtigsten Flugpltzen in
Bereitschaft gehalten, so da si
e in krzester Zeit an jeden
beliebigen Ort in Europa ge
langen knnen. Un
ser Land ist
mit einsatzbereiten Komma
ndos berzogen, und berall
sind rzte und Chemiker dabe
i. Und was die Schutzanz-
341
auftauchen. Denkbar ist eher
der Abwurf aus einem Flug-
zeug, und da gengt eine kleine Sportmaschine. Also ha-
ben wir auch die Luftkontroll
Privatflugzeuge drfen seit ge
stern nur mit einer Sonder-
genehmigung starten. Natrlic
fahr, denn die Granaten knne
n ja erstmal ins Ausland
geschafft worden sein und dann zurckgebracht werden.
Auerdem erstreckt sich unser Startverbot nur auf Flug-
pltze. Mit anderen Worten, wir knnen nicht jeden Kar-
toffelacker und jede Wiese unt
er Kontrolle halten. Soviel
zur Bedrohung aus der Luft. Es
gibt aber auch noch eine
ganz andere Mglichkeit, und die hngt zusammen mit
dem, was Dr. Hler vorhin ausgefhrt hat, also mit der
relativ einfachen Herstellung von VX. Es knnte sein, da
die Terroristen schon vor ihrem Anschlag auf das Depot
kleinere Sprengkrper mit VX,
zum Beispiel Handgrana-
ten, in ihrem Besitz hatten.
Die bringen sie nun zum Ein-
satz, geben aber vor, es hande
lte sich dabei um die aus
dem amerikanischen Lager ge
stohlenen Bestnde. Eine
mit allen Wassern gewaschene Terrorgruppe, die von der
Logistik bis hin zum Geld und zu den Experten ber alles
verfgt, was bei einem militrischen Einsatz erforderlich
ist, kann sich in der Tat
VX besorgen, ohne erst einen
von vorhin aufzugreifen, die fundamentale Erschtterung
342
lich gegen einen anderen austauschen, so da die nchste
Kundin, die von der Verkuferin besprht wird, aus den
Schuhen kippt und qualvoll zu
grunde geht. Und wenig
spter ist der ganze Laden ein einziges Leichenschauhaus.
Dann steht, in Verbindung mit den entsprechenden Publi-
Das Gift stammt aus Wasloh! Darum wollen wir ja auch
diese verdammte Granaten-Passage aus dem Bekenner-
s ohnehin geben, aber je
343
cherchen im Club und im Yach
ider keinen
344
htte: Im Ausland wre er
damit nichts geworden. Und bestimmt wars eine Telefon-
zelle, vielleicht eine in Tange
r, vielleicht eine auf Grn-
land, denn als Golombek anrief, war der Coup von Wasloh
schon acht Stunden alt. Und verg
345
Ich finde, unsere Pechstrhne
Doch, sagte Wladimir, aber eine, die nicht zu verfol-
gen ist. Die Frau ist abgedampft. Angeblich mit einem
346
Ecke sitzt die Technik. Daneben ist das Studio fr die
Moderatoren, und da haben wir die Lngsfront zur Strae
Das ist ja irre, flstert
347
Wann brechen wir hier
auf? fragte Wladimir.
die nachts Radio hren, antw
Auftritt nicht zu realisieren gewesen. Dann laufen zwei,
drei Dutzend Figuren im Sende
r rum. Hab es doch heute
morgen erlebt! Der Mann ha
t ne regelrechte Fhrung mit
nur tagsber was los ist. Wirklich, dies hier ist unsere
Chance, und wir knnen froh sein, da wir sie berhaupt
gekriegt haben. Robert sagte
vorhin, Moskau htte ihm via
Stockholm ganz schn eingeheiz
t, weil die Granaten in
Nachrichten und Zeitungen m
it keinem Wort erwhnt
worden sind. Wir konnten ja auch nicht damit rechnen,
da der Schei-WESTKURIER es
wagt, die VX-Stelle zu
kippen. Also mu schnellstens
was anderes her, und die-
sen Sender kannte Robert als einigermaen zugnglich. Da
gibt es ganz andere, zum Beis
piel solche mit Sicherheits-
onen. In die kommt man viel-
348
Was passiert denn nun mit
dem WESTKURIER? frag-
te Sieglinde. Wir hatten den Leuten doch Vergeltung
nen parat? Er selbst klopfte
nur leicht gegen seine Jak-
kentasche, in der die WALTHER steckte, aber Sieglinde
zog ganz kurz den Pullover hoch und lie die im Hosen-
bund steckende 7,63-er TOKAREV sehen, und auch Wla-
dimir zeigte im Schutz der Nischenwnde seine 9-mm-
Und die Plastiktte? fragte Hilario.
Ist auch da, sagte Wladimir.
Okay, dann marschieren wir
349
350
Bckler in Bewegung. Aber au
f dem Treppenabsatz hielt
er bereits wieder an. In we
nigen Minuten kommt die Ab-
lsung, sagte er. Fnf Mann. Wenn die nicht reingelas-
sen werden, schlagen sie Alarm.
Doch am Morgen hatte er seinem sdamerikanischen
Gast den nchtlichen Dienstplan
ganz anders beschrieben,
351
gen. Der Russe beugte sich ber
ihn, erkannte, da er tot
war, verlie das Zimmer, lief in den Raum, in dem Hilario
und Sieglinde mittlerweile vier
Menschen in Schach hiel-
ten: Bckler, die Blonde, de
edakteur und
einen noch sehr jungen Mann, de
r gerade ein Telex abge-
An ihn wandte Hilario sich je
tzt mit der Frage: Bist du
der Sprecher?
schnuzigkeit, sah aber ein, da
352
eurer Empfangsdame neu ausschreiben.
Der Sprecher sah seine Kolle
einzigen Sekunde gengte. Er
tat, was Hilario verlangt
das Papier und sprach ins
Meine Damen und Herren, wir unterbrechen unsere
Sendung und bringen eine wichti
ge Durchsage. Die Orga-
nisation VITANOVA, die am
Sondermunitions-Depot von Wasl
oh berfiel,
rem Anschlag zwei mit VX gefllte Granaten erbeutet.
VX ist ein hochgiftiges Nerve
ngas, das schon in aller-
rkt. Die Gruppe hat angekn-
Waffe irgendwo in der Bundes-
republik zum Einsatz bringen wird. In ihrem Bekenner-
353
ihr weitersenden mt, und warum.
In einer Minute sitzen
wir im Auto und machen das Radio an. Sollten wir dann
feststellen, da ihr unsere Numm
er gekippt habt, wird eure
Puppe schon an der nchsten Ecke tot sein. Das ist ein
Versprechen. Dasselbe gilt fr den Fall, da wir innerhalb
354
hatten sie nach wenigen Minut
en den Stadtrand erreicht.
Sie verlieen die feste Strae
r Nhe. Nimmst du das Ding
vorher ab, so wei er, da du
sterben willst. Sie stieg
wieder ein, und nun beugte sich
Wladimir durchs geffne-
te Fenster nach drauen und
sagte: Okay, ich bernehme
die Wache. Fahrt ihr schon vor! Wir treffen uns dann am
vereinbarten Ort. Er machte
die Tr auf, blieb aber sit-
schen Empfindlichkeiten herausgefordert waren, hatten
beide sich die karnevaleske Pr
acht ber den Kopf gestlpt,
sie ein blondes, er ein dunkl
es Exemplar. Dazu hatten sie
die neue Kleidung angezogen.
Katharina eine Satinbluse
mit aufgestickten leuchtend roten Mohnblumen und
355
schwarze Jeans, Frank einen braunen Anzug von der Stan-
ge. Im Schutz der Dunke
gegangen, hatten an dem groen Rondell ein Taxi
genommen und sich zu einem
von dem Fahrer empfohle-
nen Restaurant bringen lasse
n. Dort saen sie nun, hatten
endlich einmal gut gegessen,
tranken noch ein Glas Wein.
356
schon seine Richtigkeit haben, und dazu gehrt das Um-
fllen in kleinere Behlter.
liegt kein Trost, denn ersten
s wissen wir, wie wenig man
von dem Gift braucht, um eine Katastrophe auszulsen,
und zweitens knnen sie ja zehn, zwanzig, fnfzig Behl-
ter herstellen. Und nun mal dir
aus: Da marschiert einer
mit seinem Pckchen unterm Arm in ein Kino, legt es un-
ter seinen Sitz, und n
ach einer Weile geht er wieder. Eine
357
Ich glaube, du berschtzt
Polizei leisten knntest. Wir
selbst sind der Beweis. Von
uns hat man sogar richtige Fotos verffentlicht, und trotz-
dem wagen wir uns raus, vert
rauen auf dies bichen Mas-
Ja, das stimmt. Aber ich denke bei allem natrlich auch
an mich. Wie solls denn weite
rgehen, Katharina? In dem
Telefongesprch mit Schrader
konnte ich nur das Aller-
wichtigste durchgeben, hab da
her meine eigene Rolle bei
dem Anschlag eher am Rande erwhnt. Wir habens ja
auch in der Zeitung gelesen, wi
e man an mir herumrtselt.
Der Mittterschaft, vielleic
ht sogar der Planung und Or-
dringend verdchtig und
so weiter. Ich kann fr di
e Leute vom BKA sogar der
Kopf der VITANOVA sein und diese Funktion jahrelang
nicht grad zurck in unser Zimmer mit Hafenblick.
Er lchelte bitter. Und dies
e Feststellung leitest du ein
mit den Worten Wechseln wir das Thema! Wirklich, wir
landen immer wieder bei mein
em Fiasko, direkt oder indi-
rekt. Aber mir gehts genaus
o, ich will auch noch nicht
358
gemeint, Leute in unserem Alter gehrten nur tagsber in
die Grnanlagen und dann auch nur mit einer Tte Vogel-
futter in der Hand oder mit der Zeitung.
359
Entschuldigen Sie bitte, da
rf ich Sie fragen, was der
kam vor einer halben Stunde durch die Nachrichten. Er
zeigte auf den Fernseher, der inmitten einer bunten Batte-
rie von Flaschen auf einem Regal stand. Ganz Deutsch-
land ist in Aufregung, und die
sich inzwi-
Mein Gott! rief Frank aus. Er verga, sich zu bedan-
ken, wandte sich Katharina zu, zog sie vom Hocker. Sie
haben Er korrigierte sich: In Deutschland hat man
Sie brauchen doch deshalb
nicht zu fliehen, sagte der
junge Spanier. Deutschland ist weit weg, und hier werden
sie ihre Bomben bestimmt nicht abwerfen.
Da drehte Katharina sich um. Das befrchten wir auch
nicht, sagte sie, aber unsere
Kinder sind in Deutschland,
360
Nach wenigen Minuten erreic
hten sie ihre Pension, nah-
men die Percken ab, gingen hinauf. Sie zogen sich gleich
aus, duschten, legten sich dann auf das neue Damastlaken
und deckten sich, weil es warm war, nur mit einem, eben-
Ich mu immer an das Kino denken, sagte er.
An welches Kino?
An das mit dem Kinderfilm. Der Behlter liegt unter
dem Sitz, und pltzlich strmt
ganz leise das Gas aus,
kriecht durch die Reihen,
und ein paar hundert Kinder
werden zu Opfern der Chemie, haben nicht mal die Chan-
ce, die Marianne hatte, nmlich, wenn auch ohne Arme,
am Leben zu bleiben! Damals, meine ich. Hast du dir ei-
gentlich mal berlegt, da sie auch ein VX-Opfer ist?
Wie meinst du das?
Sie ist whrend der Aufr
egung, die nach Bradens Er-
mordung herrschte, umgekommen. Schon da ging es um
361
die Tr offen, warf die Medizin ins WC, splte sie hinun-
362
unterbrachen die Fernseh-
und Rundfunkstationen ihre
laufenden Programme, um die
bse Botschaft zu senden,
und am Morgen konnte man in
den Zeitungen lesen, was
der Bevlkerung oder vielme
hr: einem noch nicht nher
bestimmbaren Teil von ihr bevorstand.
Die Wirkung dieser Nachrich
voneinander abweichenden Reaktionen der Menschen
ergaben sich nicht nur aus
den unterschiedlichen Tempe-
ramenten, sondern auch aus sozialen Gegebenheiten und
Einige, die ber Mittel und
Mglichkeiten verfgten, ih-
re berufliche Ttigkeit zu
ber Kopf das Land, reisten mit Kind und Kegel nach
bersee. Andere, und das waren vor allem Einwohner
363
Zum Katalog der dringlichs
ten Manahmen gehrte die
Anordnung, Menschenansammlungen zu verhindern. Bei
Schulen, Kindergrten, Sportp
ltzen, Konzertslen und
sen wrden sich groe Schwierigkeiten ergeben.
Die Medien beschrnkten sich nicht darauf, die Schrek-
kensmeldung stndig zu wieder
holen; sie gaben auch In-
formationen, sei es ber erste Hilfsmanahmen im Falle
einer VX-Vergiftung, sei es be
r die Mglichkeit, einer
Kontamination zu entgehe
n. Gesundheitsmter und Apo-
theken verteilten gratis mit
Atropin gefllte Fertigspritzen;
doch der Vorrat war schnell zu
bei der Ausgabe von Gasmasken. Es muten schon solche
mit teuren Spezialfiltern sein, und von denen war ein gro-
er Teil fr die eventuell notwendig werdenden militri-
So also war die Lage. Die
Versorgung mit Informationen funktionierte, die mit
Schutzmitteln jedoch blieb drftig. Selbst die Kranken-
huser konnten nicht ausreich
end mit Medikamenten und
364
Im kleinen Konferenzraum de
s Bundeskriminalamtes wa-
ren wieder die Mnner und Frauen versammelt, die zwar
da ein Unterschied, nmlich der zwischen Vermutung und
Wissen, wobei dann noch dahingestellt sein mag, inwie-
m Kurs abgekommenen Li-
nien-Jumbo berhaupt Anla zu einer solchen Vermutung
hatten. Wir aber vermuten nicht! Uns ist die Katastrophe
unmiverstndlich angekndigt worden! Wenn also bei
365
366
mals zur Ordnung rufen mute. Nachdem die Ruhe halb-
wegs wiederhergestellt war, sagte einer der Vertreter des
Verteidigungsministeriums,
ein kleiner, kahlkpfiger
Mann, der mit stark rheinisc
hem Akzent sprach, zu der
rztin: Ich halte diesen Vorschlag fr indiskutabel! Von
iten der Kommunikation mal
abgesehen, mchte ich Sie
fragen: Wie kommen Sie nur
dazu, diesen Kanaillen eine so frstliche Offerte machen
zu wollen?
Die rztin, die sich durch da
s Geschrei nicht hatte aus
der Fassung bringen lassen, sprach so ruhig weiter, wie sie
begonnen hatte: Aus einem ganz einfachen Grund! Weil
wir nmlich auf einen VX-An
unter ihnen die Polizei, die
Feuerwehr und das Bauordnungsamt, um nur ein paar zu
367
nennen. Schon 1949 hatte das Altonaer Gesundheitsamt
ber ist unsere Fhigkeit, solchen Gefahren zu begegnen,
unverndert gering. Darum me
in Exkurs! Darum mein
dringender Rat, mit den Terro
risten Verhandlungen aufzu-
nehmen! Wir haben seither ni
cht viel dazugelernt. Ich
graue Theorie, sobald der
Ernstfall eintritt. Wirklich, wir sollten mit allen Mitteln
Diesmal reagierten die Mnner nicht erregt und lrmend,
eher beklommen. Nur der Beamte aus dem Verteidi-
gungsministerium verwahrte sich nach wie vor gegen ein
Geschft mit den Terroristen.
Es geht doch, sagte er, in
solchen Fllen vor allem daru
m, zu zeigen, da der Staat
nicht erprebar ist. Er darf es
nicht sein, weil er sonst der
368
ges Angebot unterbreiten? Ich halte das fr absurd!
sagte: Ich frchte, Frau
Fiering, Ihr Plan wrde schon
daran scheitern, da wir zu den Ttern keinen Kontakt
haben. Gut, man knnte unsere Offerte ber Funk und
Fernsehen ausstrahlen, damit die Burschen sich melden,
aber das wre in der Tat bede
nklich, wre vor der ffent-
lichkeit wie eine Bankrotterk
lrung. Wenn wir doch nur
ein einziges Mitglied der VITANOVA in unserer Gewalt
htten! Ich glaube, ich knnte
mich vergessen, um heraus-
zubekommen, wo sie die beiden Granaten versteckt haben,
oder einen meiner Mnner bitt
en, mit dem Kerl nach ne-
benan zu gehen und dann die
Nerven zu verlieren. Na
ja: knnte, htte, wre ! Der verfluchte Konjunktiv hilft
uns nicht weiter. Wenn wir doc
h wenigstens diesen Go-
lombek hatten!
Da ist er schon wieder, sagte Lemmert, der Konjunk-
Schattner nahm ihm den Hinw
eis nicht bel. Er lachte
sogar, wurde aber schnell wieder ernst und schlo die Sit-
zung mit den Worten: Grundstzlich htte ich es auch
lieber mit den Ttern zu tun als mit ihrem Giftgas. Wieder
mal htte. Verdammt, wir mssen sie in die Finger krie-
Plner Sees, nahe der B 432,
am Rande eines Wldchens. Do
rt hatte sie im Laufe des
Nachmittags Stellung bezogen, und damit war fr sie der
erste Teil des Manvers,
die Divisions-Gefechtsbung,
369
In einem der am Waldrand aufgereihten MTWs, der
gen der Oberleutnant der
der Hauptgefreite Matthias R
uhnke in ihren Schlafscken.
In den fnf anderen MTWs wa
ren ebenfalls je drei Mann
Zu dem Fahrzeugkonvoi gehrten sechs Haubitzen so-
wie zwei LKWs, einer mit Munition, der andere mit
Treibstoff beladen. Selbst auf
den Haubitzen schliefen je
zwei Mann. Sie lagen auf der Motorabdeckung, die einen
bevorzugten Platz darstellte,
weil sie noch Stunden nach
der Fahrt die Wrme gespeichert hielt; fr Schutz gegen
Wind und Regen sorgten Zeltbahnen, die ber dem waage-
recht stehenden Geschtzrohr hingen und auf beiden Sei-
ten schrg nach unten verliefen, so da sie eine Art Gie-
370
wegen seiner Krpergre fr
den Einsatz in Panzerfahr-
371
Einberufenen wrden sich dem Bataillon anschlieen, das
bereits am Vortage ausgerckt war und irgendwo sdlich
von Rendsburg in einem Verfgungsraum lag. Doch der
VW-Bus, mit dem die Mnner
transportiert werden soll-
einer der Soldaten ins Orakeln gekommen, hatte gesagt:
Was so schlecht anfngt
372
mit Monika wrden in die Bi
nsen gehen. Ist nicht zu n-
dern, dachte er und zog halb im Ernst und halb im Scherz
den Schlu: Wenn die Jurister
ei und Monika und das Va-
t das Vaterland nun mal den
Nur eine Armlnge hinter der ersten Baumreihe lagen
Zayma, Robert und Pierre, vor
sich die Hecks der beiden
Lastwagen. Sie hatten den hne
nhaften Offizier beobach-
373
sieben Stunden also wrde das fast lautlos arbeitende
374
Franzosen auf die Schulter. Und denkt dran: Wenn ich
kurz den Uhu mache, rhrt ihr euch nicht vom Fleck! Ihr
vorn. Schon nach wenigen
Sekunden lag jeder unter seinem Laster, und dann folgte
fr beide ein Stck Schwerarbeit, das dem krftigeren Pi-
erre leichter fiel als Zayma. Sie hatte Schwierigkeiten,
dem mchtigen Sog der Scheibe entgegenzuwirken. Pa-
trick Henderson hatte Pierre
und sie gewarnt. Pat blo
auf mit den Dingern! hatte er
gesagt. Wenn ihr sie zu
375
Den Kerl knpf ich mir vor!
Sie gingen auf den Platz,
wuschen sich, nahmen ihr
Frhstck in Empfang und saen wenig spter auf der
Heckrampe ihres Fahrzeugs.
Wieso heit unser heutiger Ausflug eigentlich
? fragte Ruhnke.
Jns, der Fahnenjunker, klrte
den Hauptgefreiten auf,
machte es in seiner Weise: Also, wenn man ihn
APPENDIX-OPERATION genannt htte, dann wrde dir
heute der Blinddarm rausgeholt werden.
376
Robert lenkte den CITRON. Pierre, auf dem Beifahrer-
den Knien. Zayma sa hinten
Zunchst fuhr der Konvoi, nachdem er die B 432 er-
reicht hatte, durch eine Reih
Drfer. Da gab es noch nichts zum Argwhnen, und Pierre
klang sehr sicher, als er sa
gte: In Ahrensbk werden sie
nach Norden einschwenken. Dann geht es ber Eutin und
Schnwalde nach Oldenburg, und von da aus sind es nur
noch wenige Kilometer bis Putlos.
Die Kolonne bog nicht nach Norden ab, sondern fuhr
weiter geradeaus. Wieder studi
erte Pierre die Karte. Die
Strae, auf der sie und i
hnen ein gutes Stck voraus
377
378
379
Hauptbahnhof oder auf dem Kln
er, eingestellt auf eine
Zeit, in der die meisten Zge ankommen.
Ja, und die ganze Arbeit gi
nge von vorn los, antworte-
te Robert. Ich will endlich diesen Auftrag erledigt haben,
will nach Madeira, will Fe
rien machen. Schlimm genug,
da ich ohne Helga fahren mu. Wenn es nicht so kalt-
schnuzig klnge, wrde ich sagen, das mit Helga ist die
Nein! Zaymas Einwurf kam sehr energisch, und in
demselben, fast zurechtweisende
n Ton ergnzte sie: Das
mit Helga und Igor gehrt zur Panne Nummer eins! Wenn
die beiden aufgepat htten, wre Golombek nicht ent-
kommen.
Diesem harten Vorwurf mochte Pierre den mglichen
Beginn eines Streites abgela
uscht haben, und da sie einen
solchen nun wirklich nicht brauchen konnten, tippte er
schnell auf die Landkarte und sagt
e: Wer wei, vielleicht
ist Lbeck die Endstation! Stel
lt euch vor, sie fahren bis
ins Zentrum, und das leise Hiroshima, von dem Patrick
sprach, geht vom Lbecker Mark
tplatz aus! Dann trifft es
eben nicht ein paar tausend
Soldaten, sondern ein paar
tausend Zivilisten! Das gibt ei
n riesiges Chaos. Zumindest
380
Ritzen. Ja, und er hat auch
beschrieben, was bei einem
Verkehrsunfall passieren kann. Wenn ein LKW, der Gift-
gas geladen hat, umkippt oder gegen ein Haus knallt und
nur ein einziger Behlter dabe
i aufplatzt, gibt es, sofern
mindestens dreihunderttau-
send Tote! Wir haben zwar ke
in ganzes Fa, sondern nur
zwei Tellerminen versteckt, aber Lbeck hat ja auch keine
dreihunderttausend Einwohner.
Ich sage euch, die Wir-
ihr Heinrich Blls ENDE EINER DIENSTFAHRT gele-
sen?
Also, da geht es, wie der
Titel schon sagt, um eine
Dienstfahrt, eine mit einem
Bundeswehrauto, und sie wird
durchgefhrt zu einem idiotis
chen Zweck. Es sollen Kilo-
meter abgefahren werden, damit ein bestimmter Benzin-
r mu erzielt werden, weil
rausgegangene. Diese Zuteilung wird nmlich nach dem
erwiesenen Verbrauch beme
ssen. Nur darum gurken die
mit ihrem Auto stundenlang durch die Gegend. Und genau
das, nehme ich an, wird uns hier vorgefhrt! Um halb zehn
381
382
ste reicht, und da ben sie
das Ausladen ohne Hafenanla-
Robert hatte die dsterste
Version parat: Und wenn das
Ding nach Osten fhrt und der Kollaps dann irgendwo auf
der Hhe von Wismar oder Rostock kommt? Und der
Wind dreht, und unser Totensch
383
ber an solche, die auch vergammelt sind.
Jeder fuhr in seinem ei
Bis der Kaffee durchgelaufen war, spielten sie Billard,
e so recht,
da Baader das Code-Wort preisgeben wrde, solange er
Philipp Ahrens nahm einen Schluck von seinem Mokka,
384
385
Ja, und er sagte auch, er knn
te vielleicht sogar einen
von uns bitten, mit dem Mann ins Nebenzimmer zu gehen
und dann die Nerven zu verlieren. Mensch, Conny, das
wre nun wirklich ne verdammt exotische Lsung! Ei-
gentlich ist diesmal der Fall , na, ich will nicht behaup-
ten, da er noch komplizierter
ist, nur eben ganz anders.
Erstens: Wir haben keinen von der Gruppe in unserer Ge-
walt. Damals hatten wir Baader, Meinhof, Ensslin und
Raspe. Zweitens: Die VITANOVA hat keinerlei Forde-
aupt das Kuriosum, und zu-
gleich ist es ein Problem! Die Burschen wollen weder
Vorsicht mit dem Wort Kri
kabel, die solche Typen hren wollen, damit sie als Kom-
battanten dastehen und nicht als gewhnliche Kriminelle.
Ich sag das ja nur zu dir. Aber eins steht fest: Von ge-
whnlichen Kriminellen unterscheiden sie sich allein
f persnliche Bereicherung
386
Lemmert rieb sich das unrasierte Kinn. Mir kommt da
grad eine Idee, sagte er. W
ir wissen, da Golombek sich
387
Bewahre!
Na, siehst du? Ich auch nich
t! Ist n heikles Unterneh-
men. Ich wte nicht mal so richtig, wie s gemacht wer-
Was sonst? Ehrlich gesagt,
ich versteh Schattner ganz
gut. Ist ne Gterabwgung. Spielen wir den Fall doch mal
durch! Da ist jemand, der zum Abschaum gehrt, denn er
388
kommt. Also, er htte doch die ganz groe Chance, jegli-
cher Folter von vornherein zu entgehen, knnte doch frei-
willig sagen, wo die verdammten Granaten liegen! Indem
er das nicht tut und damit Tausende zum Tode verurteilt,
er
389
Ich frchte, heute mittag geht es weiter. Machs gut.
Lemmert schlo die Tr ab. Er
spielte noch ein bichen
390
gefreiter Ruhnke waren beieinander geblieben. Sie saen
im Windschatten der Aufbauten auf den Decksplanken
und unterhielten sich. Gleich ihnen hatten sich viele ande-
re der hundertsechzig Soldaten
nach oben begeben. Einige
spielten Karten, was allerdings
nur an geschtzten Pltzen
mglich war; andere hatten ihr Steckschach aufgebaut
oder lasen, und nicht wenige lagen mit nacktem Oberkr-
Wir knnten doch auch einen
Okay! Ruhnke stand auf. Ich hol mal eben die Kar-
ten, hab sie unten im Gepck. Er verschwand.
Ist es noch immer nicht ra
us, wohin es geht? fragte
391
nen, jedenfalls fr uns Soldaten.
Was man knnte, blieb ungena
nnt, denn Stapelfeld wur-
de unterbrochen. Oberleutnant
Evers trat an ihn heran und
sagte: Der Chef wnscht al
le Offiziere um elf Uhr auf
dem Achterdeck zu sehen.
Hat er vor, mit uns Gymnastik zu machen oder Faust-
ball zu spielen, damit wir nicht einrosten?
392
berkranken, und das tiefrote Ge
Um seine Lippen hatte sich
ein weigelber Schaumkranz
393
sagen Sie da?
Ist nur eine Vermutung, aber
Der Mann hat einen wahren Hexentanz aufgefhrt, und
sein Mund ist voller Schaum. Sie mssen sich beeilen!
Verdammt! rief Unteroffizier Pahlke, einer der Sanit-
ter, wir haben nur zwei
Schutzanzge und zwei Masken
hier oben! Die anderen liegen
im Auto. Er zerrte die bei-
lls aus einem Schrankfach,
auch zwei Gasmasken.
Bendixen und er zogen sich
sofort um, prften grndlich
den Sitz der Schutzkleidung,
nahmen ihre Erste-Hilfe-
Taschen auf und liefen los. Wieder wollte Jns hinterher,
und wieder ri Stapelfeld i
Wohin?
Zum Bug! In die uerste
Spitze! Und dann die Nase in
den Wind halten!
Pltzlich blieb Stapelfeld
sagte er. Ich komme gleich nach.
Er lief ein Stck zurck, auf eine Treppe zu, nahm vier
Stufen auf einmal, befand si
ch auf dem Bootsdeck. Noch
eine Treppe! Auch die nahm er in wilden Stzen. Dann
stand er auf der Backbord-Br
ckennock. Er ri die Schie-
Ruhnke, und die Leute, die
ihm helfen wollten, sterben auch!
394
Der Lautsprecher ertnte, scha
llte ber das ganze Schiff.
zu der Stapelfeld geraten
hatte. Gleich darauf begann der Bug sich zu fllen. Immer
mehr Mnner erschienen dort,
drngten sich nach den be-
sten Pltzen.
Aber es gab auch Soldaten, di
e sich auf andere Weise zu
395
Auch auf dem Schiff gab es Opfer. Ruhnke war der erste
Tote gewesen. Der Stabsarzt
nach grndlicher Untersuchung ber Bord geworfen. Je-
dem war klar gewesen, da es
nicht anders ging. Die vier
Soldaten, die versucht hatten,
ihm zu helfen, wanden sich
an Deck. Sie hatten Atropin bekommen, aber es war noch
nicht abzusehen, ob sie durchkommen wrden.
Um die Ausstattung mit Schutzkleidung war es schlecht
bestellt. Es standen tatschlich nur die beiden Ausrstun-
gen zur Verfgung, die sich im
Messeraum befunden hat-
396
Bendixen und Pahlke wuten, auch diese Leichen mu-
ten so schnell wie mglich
ber Bord! Aber sie konnten
sie nicht an Oberdeck tragen, denn das hiee, das Gift mit
397
lisiert wird. Bald aber war ihm klargeworden, da der Not-
fall sich auch auf seine ALBATROS erstreckte, die in
Krze als Geisterschiff durch
Die Mnner auf den in der Nhe befindlichen Schiffen
sahen sich nach dem Auffangen des Notrufs in einer
schwierigen Lage. Dank ihres Standorts konnten sie zwar
schnell zur Stelle sein, aber durften sie es riskieren, dem
mmen? Sie stoppten die Ma-
ssig. Doch dann kndigten
398
nung. Die meisten Soldaten und auch einige Besatzungs-
mitglieder hatten sich auf das
Vorschiff geflc
399
wenigstens miteinander. Vie
lleicht kommt sogar was da-
Jns sah auf die Boote, die sich langsam von der ALBA-
TROS entfernten. Es lief, sagte er, nicht gerade so, wie
es eigentlich htte laufen sollen. Dabei haben wir den
ABC-Alarm bis zum Erbrechen gebt.
Die Reise, antwortete Stapelfeld, sollte ja auch mehr
ein Vergngen sein, eine Ar
t Freizeiteinschub zwischen
zwei Einstzen. Da lt man
schon mal fnf gerade sein.
Trotzdem. Das wird ein Nachspiel haben.
So sieht er eben manchmal aus, der berchtigte Unter-
und der Fahnenjunker bei
der Theorie waren, kmmerten
sich der Stabsarzt Bendixen
und der Sanittsunteroffizier Pahlke um die Praxis. Ein
erster prfender Rundblick hatte
ihnen gezeigt, da Boden,
Decke und die glatten Wnde
e Gasbehlter versteckt
anzubringen. In erster Lini
e kam also der Wagenpark in
400
unten ansehen sollten. Gleich
darauf lagen beide auf den
sich wie Kfz-Monteure
unter die Autos. Bei jedem
Wechsel von einem zum ande-
ren Wagen standen sie gar nich
t erst auf, sondern rollten
einfach weiter. So dauerte es keine fnf Minuten, bis Ben-
dixen mit einer der beiden Minen zum Vorschein kam.
Das graue, von Straenschmutz berzogene Ding in der
Hand, trat er an Pahlke hera
n, stie ihm mit dem Fu ge-
gen den Stiefelabsatz. Der Sanitter kroch hervor, und
sie eine freudige berrasc
mit Schutzkleidung und Gasmasken versehene Gestalten
auf der Plattform! Beiden war sofort klar, das konnte nur
401
Wie htte diese Stadt ihn anregen, mehr noch, ihn mitrei-
en knnen, wenn er frei gewesen wre von Schuld und
Furcht! Allein schon die mchtigen alten Mauern des Go-
tischen Viertels htten ihn,
der das von jeher Bewhrte so
milia htte ihn, der Kirchenbesichtigungen eigentlich nicht
mochte, gefesselt, und auf der Karavelle des Columbus
wre er ins Trumen geraten.
Und erst die Ramblas! Er
brauchte nur um die Ecke zu
gehen, dann hatte er sie, die
Strae, die ein einziges Volksf
est war! Aber sie lockte ihn
Der achte Abend. Er war alle
in ausgegangen, hatte Ka-
tharina erklrt, er msse
stndnis gewesen, hatte ihm s
ogar geraten, in einem guten
Restaurant zu Abend zu esse
n und dann bei einer Flasche
Aber er hatte weder gespeist noch beim Wein Zuflucht
genommen, sich nur an einem
402
bat, weil es schummerig war, um eine Kerze. Der gutaus-
sehende junge Kellner, der ein
schalkhaftes Lcheln hatte,
Ein Fest der Einsamkeit? Go
lombek schttelte den Kopf.
403
westdeutschen Grostadt znden wollen. Wir wissen,
verhindern kannst? Weit du
mehr, als du mir erzhlt
hast?
berschtzen mich.
Und dann hatte sie gesagt: V
ielleicht hat das BKA Fo-
tos von den Mitgliedern der VITANOVA in seiner Ver-
brecherkartei, wei es nur nicht. Man legt dir alle Fotos
vor, die da sind, und du kannst
sofort sagen: der und der
404
Er trank von seinem Espresso, der kalt geworden war.
Wenn ich sie tatschlich in der Kartei entdecke, dachte er,
Wieder nahm er einen Schluck Kaffee, und dann malte
er sich den zweiten Anschlag aus, hatte aus Filmen ein
paar Beispiele zur Hand, sah Nadine, wie sie zum Bahnhof
ging und ihren Koffer in ein Sc
hliefach stellte. Sah Pi-
dore. Und Fahrsthle. Und da
werden viele Menschen
herumlaufen, die sich nicht a
lle gegenseitig kennen. Viel-
leicht karrt ein Bote seinen Aktenwagen ber den Flur,
und in Wirklichkeit ist es eine
r von Roberts Leuten. Wir
gehen auf dem engen Flur aufeinander zu, und er riskiert
alles! Oder man bringt mir, um mich wach und bei Laune
405
Anwesenden, kam auf einundzwa
nzig Personen. Es wurde
Wein und Bier und Schnaps ge
trunken und viel geraucht.
Und die Gesprche, soweit er
sie verstehen konnte, ent-
ypische Mischung aus hausge-
machter Philosophie, Nonsens, Klatsch und Anzglichkei-
Noch einmal ging er sie al
keiner von ihnen auf einem Gestt Es war reiner Sar-
kasmus, da er in seinen Gedanken fortfuhr: mit Reit-
halle und Schwimmbad.
Und dann dachte er lange an seinen Hof. Zweimal in
diesen Tagen hatte Katharina mit Sepp Laubinger aus
Kellbach telefoniert, der whr
end des Urlaubs sein Haus
und seinen Garten hatte in Schu bringen wollen. Der
kmmerte sich nun um alles, hatte auch ein paar Helfer
eingestellt, so da keins der Tiere Not litt. Und die Bank
hatte sie angerufen, damit gengend Geld zum Wirtschaf-
ten zur Verfgung stand. Sie hatte erfahren, da von den
drei Konten ihrem, seinem und dem gemeinsamen nur
das erste nicht gesperrt war.
Ob er seine dreiundzwanzig
406
einem Kran auf den Behandlungstisch gehoben worden
Oder Mysteriosa. Ihr Fohlen
John Reimers mute korrigier
en, konnte es erst bei der
Aber am denkwrdigsten war,
was Mariannes Stute Cara
bernack, aber ein Blick auf die
Stute sagte ihm, da sie in
der Nacht geworfen hatte. Das groe Rtselraten setzte
ein, denn sie war nicht zum D
ecken gebracht worden. Ab-
gesehen davon, da es im Zuchtbuch htte stehen mssen,
wre ein Transport gerade dies
er sensiblen Stute jedem in
te sich nmlich wie keine
407
schwach entwickelt, nicht, wie eigentlich vorgesehen,
nach einem Jahr gekrt, s
ondern erstmal zusammen mit
den Stuten auf die Weide gesc
hickt worden. Dort mute,
von allen unbemerkt, die Deckung erfolgt sein.
Er leerte seine Tasse, rieb
sich die Stirn, und dann war,
von einem Moment zum andere
es stand nun fest, er wrde si
ch stellen! Natrlich gab es
keine Garantie dafr, da
seine Rckkehr den bevorste-
henden zweiten Anschlag de
aber es war einen Versuch wert. Und auch wegen Kathari-
na wollte er es tun. Sie sollte sich nicht mehr verkriechen
mssen. berhaupt, wie oft in al
l den Jahren hatte sie ihn
abbringen wollen von seinem
Plan, gegen das Depot vor-
zugehen! Wie oft waren sein blinder Eifer und ihre nch-
terne Einschtzung der Lage
408
409
Wie denn?
Wir schicken eine Kuriermaschine. Begeben Sie sich
roristen an meine Frau und mich herankommt, whrend
wir bei Ihnen sind? Und auch auf der Reise nicht?
Sie knnen sich darauf verl
assen. Moment, mir fllt da
grad was ein! Hat die VITAN
OVA gewut, da Ihre Frau
in der Zeit vor dem Wasloher Anschlag auf Ibiza war?
Er erinnerte sich sofort da
ran, da Nadine ihn nach Ka-
tharina gefragt hatte.
410
Robert. Es hat sich nmlich eine kleine Chance ergeben.
Sie ist nur winzig, und ich w
411
aber ihr seid nun mal da, und
es wre verrckt, eine ganz
Kanone anfassen zu mssen. Einen Tunnel zu bauen, ist ja
412
auch ganz was anderes, selbst
wenn es illegal luft. Wer
konnte denn ahnen, da die Gesc
hichte so ausgehen wr-
de? Also, packen wirs an!
Sie machten sich an die Ar
beit. Rdiger bernahm es,
aus dem Telefonbuch die Adresse des Generalkonsulats
herauszusuchen und die entsprechende Stelle in ihrem
Stadtplan zu markieren. Er rief auch die Rezeption an und
Fred hatte unterdessen Rdi
gers Koffer geleert und das
zu ihrem Auftrag gehrende
Handwerkszeug wieder her-
vorgeholt, die beiden CO
LT-GOVERNMENT-Pistolen
.45 ACP und die vier Handgran
aten. Robert hatte ihnen
diese Waffen mitgegeben. Die Wurfgeschosse waren Spe-
zialanfertigungen aus der Klner Werkstatt, abgeflachte
Exemplare, damit sie in den mit Stahlplatten verstrkten
Ecken des DEL-SEY-Koffers
untergebracht werden konn-
ten. Bei der Befrderung ihrer Waffen ber Staatsgrenzen
hinweg bediente die VITANOVA sich einer ganz einfa-
413
ten in den Jackentaschen. Im
Lift sagte Fred: Die Knall-
bonbons beulen unsere Klamotten ganz schn aus.
Gewicht haben, aber sie sollen ja auch was bewirken. Da-
mals, zu meiner Zeit, hatte Robert den Mann aus Kln
noch nicht an der Hand. Wir
muten die Dinger selbst
basteln, machten das meistens auf der Basis von Natri-
umchlorat und Zucker, also einem Sauerstofftrger und
der notwendigen brennbaren Substanz. Beides war leicht
zu beschaffen. Wir haben die abenteuerlichsten Gegen-
stnde hergestellt: Spielze
ug, Marzipanbrote, Feuerl-
scher, Spraydosen. Dies hier
, er klopfte leicht auf sei-
ne rechte Jackentasche, ist
viel einfacher zu handhaben.
Du ziehst ab wie bei ner normalen Handgranate, zhlst,
schmeit und gehst in Deckung.
An der Rezeption gaben sie den Schlssel ab. Dann ver-
lieen sie das Hotel, stiegen in
s Auto, tauchten ein in den
geradezu chaotischen Abendverkehr auf Barcelonas Stra-
Sie hatten das Gotische Viertel hinter sich gelassen,
berquerten eine der breitest
en Verkehrsadern der Stadt,
Gran via de les Corts Catalanes
, und erreichten den
Paseo de Gracias
. Am Haus Nr. 111 entdeckten sie das
Emblem der Bundesrepublik. Sie parkten, ein Stck ver-
414
Wie hab ich mir die Akti
on berhaupt vorzustellen?
fragte Fred. Was tun wir
zum Beispiel, wenn Golombek
da drben mit einem Taxi vorfhrt und ins Gebude will?
Wir knnen ihm doch nicht ruckzuck von hier aus einen
Schu in den Rcken verpassen, mssen zumindest
erstmal berprfen, ob er es wirklich ist.
Ich wrde ihm nachschleich
en. Sobald ich die Gewi-
heit hab, da er es ist,
komm ich zurck. Dann warten
wir, bis er wieder auftaucht,
und heften uns an seine Fer-
sen. So erfahren wir, wo er wohnt, und irgendwann in der
Nacht ergibt sich dann schon eine Gelegenheit, ihn in sei-
nem Zimmer zu besuchen.
Das luft nicht! Die lassen ihn bestimmt nicht wieder
weg! Sie sollen ihn ja nach
Deutschland bringen, und das
heit natrlich, er kriegt Poliz
eischutz. Also mten wir in
die Menge ballern, und so was ist mir zu gefhrlich. Selbst
mbek erledigen, sind die
anderen sofort hinter uns her, und dann haben wir in dieser
fremden Stadt nicht die geringste Chance, wegzukom-
men.
Rdiger bckte sich, nahm eine
der Granaten auf, wiegte
sie in der Hand. In dem Fall
behelfen wir uns hiermit.
Das Gescho war wie die Eierhandgranaten des Militrs
dunkelgrn und geriffelt, hatte nur eine andere Form,
sah aus wie ein dickgepolsterter Knieschoner, und diese
ungewhnliche Machart hatte
natrlich ihren Sinn: Die
Granate lie sich vortrefflic
h in eine Kofferecke einpas-
Du meinst, dann schleudern
wir das Ding einfach in die
Menge?
Rdiger nickte. Nur so haben wir eine Chance, den
Auftrag zu erledigen und auch wegzukommen. Aber glaub
mir, die Aussicht, da wir i
hn heute oder in den nchsten
415
Tagen zu Gesicht kriegen, be
steht hchstens zu zehn Pro-
zent! Vielleicht ist er ja tatschlich in Spanien, nur in einer
anderen Ecke als dieser, und we
nn er sich dann melden
will, geht er nach Madrid zur Deutschen Botschaft. Oder
nach Malaga. Da gibt es, gl
aube ich, auch ein deutsches
Konsulat. Aber ich finde, wi
416
nen besseren Moment ab.
beiden Autos im Auge zu behalten und dabei nicht aufzu-
fallen. Nur einmal gab es eine brenzlige Situation, und
zwar beim Einbiegen in
das gewaltige Rondell der
Plaza
de Cataluna
. Da mute Fred, um den Sichtkontakt nicht
zu verlieren, einem Lastzug di
e Vorfahrt nehmen. Er tat es
beherzt, verursachte fast einen Zusammensto, und der
Vorfall bewies Rdiger, da se
in Partner trotz aller Skru-
pel zur Sache stand; denn hier htte er die Chance gehabt,
die Aktion zu vereiteln, ohne
da die Gruppe ihm spter
einen Vorwurf htte machen knnen. Nachdem sie aus
dem groen Ring ausgeschert waren, ging es die
Mir scheint, wir kommen
zurck in unsere Gegend,
417
re fr unser Vorhaben nicht
gerade der ideale Platz.
Aber es ging in den
Paseo de Colon
zu einer kleinen
Pension. Vor dem Eingang sta
nd ein schwarzer Mercedes,
dem gerade zwei Zivilisten entstiegen; sie begrten die
Ankmmlinge.
Los! Da rber! Rdiger ze
igte auf ein mehrstckiges
Gebude. Da trotz des fortgeschrittenen Abends noch im-
mer lebhafter Straenverkehr
herrschte, konnten sie vor-
418
tern und ihm geworfen worden war, fr einen Sprengkr-
per. Er wute nichts von
denen es manchmal gelang, ei
abzuwehren, da sie mit behe
rztem Zugriff das ihnen zu-
geflogene Gescho packten und zurckwarfen. Auch hatte
er weniger eine Gegenattacke
als vielmehr die Befreiung
von der tdlichen Gefahr im Sinn, als er sich spontan
bckte, die zu Katharina Golombeks Fen liegende Gra-
nate aufklaubte und sie ber die Strae schleuderte. Der in
diesem Augenblick unter mchtigem Motorengedrhn auf
die Fahrbahn springende
419
Durch den Zwischenfall verz
gerte sich die Abfahrt von
der Pension. Einer der Konsulatsbeamten rief auf dem
Flughafen an. Dort wurde der soeben mit einer Sonderma-
weitere Anhaltspunkte. Stellen Sie sich vor, in ihrem
420
421
es denn partout so blutrnstig formulieren?
Lemmert zog die Schultern
hoch. So ist nun mal das
Leben. Aber dann korrigierte er
sich: Oder vielmehr der
422
zelnen, angefangen mit dem Ch
ef der Gruppe, diesem Ro-
bert, und endend mit Helga Jona
s, die wir in Ihrer Reithal-
Golombek gab sich viel Mhe
423
war, die mit ihm Tennis gespielt hat und ihn dann er-
Es war das erste Mal, da Fr
ank und Katharina Golombek
in einer Maschine flogen, in der die Sitze wie die Mbel
eines Zimmers oder einer Schiffskabine ber den Raum
verteilt waren. Das schaffte Bequemlichkeit. Es gab sogar
einen groen Tisch und zwei Liegen. Nach Golombeks
ausfhrlichem Bericht wurde ei
n Essen serviert, aber we-
der er noch seine Frau hatten
konzentrierteren und offeneren Golombek vor sich zu ha-
ben, wenn seine Frau an dem
Gesprch nicht mehr teil-
nahm.
Die beiden Mnner rauchten. Golombek trank sein zwei-
tes Glas Wein, Lemmert seine fnfte Tasse Kaffee seit
dem Start. Es fehlte noch eine knappe Stunde bis zur Lan-
Wenn zehn Personen, sagte Lemmert, zwei Wochen
lang aufs engste mit Ihnen zusammenarbeiten, dann bleibt
es nicht aus, da trotz aller Vorsicht mal ein Wort fllt,
das nicht fr Ihre Ohren best
immt ist, ein Name, eine
Ortsangabe, ein Termin, ein
dieser Leute. Irgendwas. Vergessen Sie nicht: Je mehr es
aufs Ende zuging, desto nher
kam auch die Stunde Ihres
Todes! Sie sehen, ich teile Ihre Ansicht, da Sie nach Be-
424
ten. Vielleicht ist der eine oder andere aus diesem Grunde
leichtsinnig geworden und ha
425
Und wenn es nun doch nur ein Bauer war, der, sagen
wir mal, in einer Mhle wohnt oder in einer Frsterei?
Wir durchsuchen nicht nur jede Landstelle, sondern
auch alle Betriebe, die indire
kt mit der Landwirtschaft zu
Und wenn es ein Bauer war,
der im siebten Stock eines
426
wollte nicht, da Nadine Sie informierte.
427
428
So was kann man lernen. Man mu nur frh genug an-
fangen, denn das Wertvollste
an einem vierzigjhrigen
hrige Erfahrung. Natrlich
kommt im Idealfall ne ange
borene Sprnase hinzu, aber
es ist vor allem die lange Praxis, die uns vor Fehlern be-
wahrt. Ich wrde mir zum Beispiel nicht zutrauen, morgen
auf Pferdezchtung umzusteigen, so wie die Pferdezchter
Wieder nickte Golombek, aber diesmal lchelte er nicht.
Fr eine so umfangreiche b
erprfung hatte das BKA zu
wenig Leute. Darum wurden
429
den Minentyp, von dem man zwei Exemplare auf der
Nausch zog das hektographierte Informationsblatt aus
seiner Jackentasche. Darauf waren, mit genauen Maan-
gaben versehen, sowohl eine der gestohlenen VX-
430
Sonst krieg ich was aufs Dach, weil ich diesen Zirkus
Darum werde ich mich kmmern, sagte Beckmann.
Geben Sie mir den Namen, die Adresse und die Tele-
fonnummer!
Aber er rief dann nicht de
n Firmenchef, sondern die
431
432
Sie meinen, die Hauswand ist vielleicht gar nicht da,
wo sie zu sein scheint?
Ich halte es fr mglich.
Sie gingen wieder ber die Stra
einen fensterlosen Bereich; den mssen wir uns genauer
Er schickte zwei Mnner hina
Huser in Augenschein nehmen sollten. Zwei andere soll-
ten versuchen, wenigstens bis ins Treppenhaus zu gelan-
gen, um herauszufinden, wie das Gebude von innen be-
433
Beckmann sah, da zwei Kollegen an einem groen, bis
an die Decke reichenden und mit Dekorationsstcken ge-
fllten Regal zogen. Es lie sich wie eine Tr ffnen. Er
war dann der erste, der die
entstandene ffnung durch-
434
Das Ergebnis der Laborunter
suchung lag nach wenigen
Stunden vor: Die sichergestel
lte Granate enthielt VX,
wenn auch nicht mehr in einer Menge, wie die in Wasloh
gelagerten Geschosse gleichen
Typs sie aufzuweisen hat-
ten. Man konnte also davon ausgehen, da der entnomme-
435
rens war auch da. Sie wollten gerade ihren Proviant aus-
436
Tiere?
437
angeblich Igor. Ich hatte schon mit der Mglichkeit ge-
Igor schwieg. Lemmert sah Sieglinde an. Sie wich sei-
nem Blick aus, schwieg ebenfalls.
438
noch hier und behalten die beiden im Auge! Aber sicher-
heitshalber werden wir sie festmachen. Er zog seine
Handschellen aus der Tasche,
und auch Ahrens steuerte
sein Paar bei. Wenig spter wa
439
Golombek ging.
Lemmert lste Sieglindes
Handschellen von der Hei-
sagte er. Ich bringe Sie
Zunchst aber lie er sie noch miterleben, wie Ahrens
ihrem Freund eine zerknllte Mullbinde in den Mund
Jedenfalls in der ersten Ph
ase. Phase Zwei ist dann
Aus dem Schlafzimmer ertnt
e der erste Schrei. Er kam
440
ein groangelegter Einschc
hterungsversuch, aber nun
Wieder ein erbrmlicher Aufs
chrei, halberstickt zwar,
aber darum nicht minder erschr
eckend. Er ri Sieglinde zu
Doch darauf erwiderte Le
mmert nur: Gleich sind die
Er wei wirklich nichts! War gar nicht dabei! Sa in
einem anderen Auto! Auerdem war er bewutlos!
Wieder das Sthnen, laut, tierisch. Es ging durchs ganze
Haus, und fr ein paar Sekunden hielt Lemmert sich osten-
tativ die Ohren zu. Dann sagt
e er: Sie werden uns doch
wohl nicht einreden wollen, da er das Versteck fr die
zweite Granate nicht kennt!
441
men Sie da rein. Lemmerts Daumen wies auf die Tr.
Und dann geht alles von vorn los. Nur das mit der Steck-
ogisch. Aber da gibt es ja
Aber wir htten es auch
gern von ihm gehrt. Womg-
lich sagt er Mnchen, und Sie sagen Hamburg, und das ist
dann fr uns der Beweis, da es genausogut Frankfurt sein
kann. Nee, Pppchen, das mu schon ein bichen verlli-
Die Tr ging auf. Nicht Ahrens, sondern der wachha-
bende Polizist kam herein, sc
hlo die Tr hinter sich, lief
durchs Zimmer. Wir haben die Kabel im Auto gelassen.
Bin gleich wieder da.
Mach schnell! rief Lemmert ihm nach.
Einige Minuten spter kam
der Polizist zurck, in der
Hand ein paar Drhte mit Ba
nanensteckern. Als er im
Ich schwre Ihnen, er wei
nichts! Er wei nur, da die
zweite Granate acht Kilomete
r von Wasloh entfernt ver-
graben ist. Den genauen Platz
kennt er nicht, weil er nicht
dabei war. Aber ich! Ich wa
r dabei! Ich bringe Sie hin.
Was Sie mit ihm machen, hlt
kein Mensch aus! Er htte
es lngst gesagt, aber das ka
nn er nicht, weil er nichts
wei! Sie werden ihn tten!
Lemmert stand auf. Okay.
Wahrscheinlich tick ich
nicht mehr richtig, oder ich ha
b heute einen ganz beschis-
sen menschlichen Tag. Ich glaube Ihnen. Aber das da
drinnen hrt natrlich erst au
f, wenn wir die Granate ge-
442
hte Stelle. Da habe
Granaten vergraben. Die eine ist raus, aber die andere liegt
443
Fall, da weitere Mitglieder der VTTANOVA auftauch-
ten. Dann ging die Fahrt los. Wieder nahm er Frank Go-
lombek mit, weil niema
nd die Umgebung von Wasloh
Sie hatten die zweite Granat
e sichergestellt, waren aber
bereingekommen, diesen Erfolg geheimzuhalten. Der
Krisenstab hatte wiederum eine Gterabwgung vorge-
nommen: Sollte man der Bevlkerung mitteilen, da die
grte Gefahr vorber war, und
sich dadurch der Chance
begeben, noch mehr Mitglieder der VITANOVA festneh-
men zu knnen? Oder sollte man die Menschen weiterhin
in Angst halten, mit dem Ziel,
die Terroristen in eine Falle
laufen zu lassen? Die Meinung
gewesen, doch dann hatten zwei Argumente den Aus-
schlag gegeben fr die Aufr
ein eher praktisches und ein strategisches. Das praktische
war: Die Fachleute konnten
zwar errechnen, welche Men-
444
hinter Bschen, lagen in
der Schonung und im Graben
neben der Strae. Zwei hatten sich am Waldrand auf einen
Hochsitz begeben, der frher einmal zum Jagdrevier der
Lemmert hatte das eingesehen und war mit einem zwei-
ten Vorschlag gekommen: Auf der langen Autofahrt hab
445
manchmal auf dem Hof erscheint. Das ist der Arzt. Den
knnten wir hinbeordern. Kommt dann ein Anruf, nimmt
er ab und sagt, der Kranke habe in die Klinik gemut und
sein Mdchen sei mitgefahren. Er, also der Doktor, habe
ffentlichen, und die fingierte Folterung hatte er zusam-
446
Gefahr geradezu seismogra
phisch registrierten und dem-
entsprechend vorsichtig handelten. Die Chance, noch mehr
Mitglieder der VITANOVA einz
ufangen, hielt er fr ge-
Robert, Zayma und Pierre waren am Mittwochabend in
Kln angekommen, hatten sofort Patrick Henderson auf-
447
in einem Koffer hierher. Aber ich versuchs nochmal auf
dem Hof.
Er ging zum Telefon, whlte
448
So was machen die nicht,
sagte Pierre. Aber Robert
lachte ihn aus. Hast du eine Ahnung! Wenn es um einen
VX-Anschlag geht, sind sie zu allem fhig.
Und wie sollen die den Hof gefunden haben?
Robert sah Zayma an. Das kann
Zayma sagte nichts, doch da fi
el Pierre der Vorwurf ein,
den Robert ihr gemacht hatte, al
s sie das Gestt verlieen.
Wladimir hatte ihm davon erzhlt. Ach, du meinst Go-
lombek!
Ja, den meine ich. Nach dem bombastischen Aufruf in
der Zeitung wird er sich gestellt haben.
449
einem blauen Auge davongekommen, und also wird sich
berhaupt nichts verndern. Wi
r haben unseren Job nur zu
einem Bruchteil erledigt.
Trotzdem! sagte Robert. Wenn ein Arzt seinen Pati-
enten operiert und der stirbt ihm unterm Messer oder ein
paar Tage spter, dann heit das doch nicht, da er kein
Honorar kriegt. So hnlich ist es bei uns. Wir haben unter
grten Anstrengungen und Gefahr
en den Tunnel gebaut
und die Granaten aus dem Camp geholt. Wenn unsere
Auftraggeber das noch ausstehende Geld einbehalten,
werden sie auf andere Weise zahlen.
Auf welche?
Da fllt uns mit Sicherheit was ein.
Wieviel haben wir noch zu bekommen? fragte Zayma.
450
Sommerhaus eingeladen, und dort drauen in Saltjbaden
hatte sie, was nur ganz selten geschah, fr einen Tag und
eine Nacht ihre selbstgewh
lte Askese aufgegeben. Es
wurde fr beide ein Fest der Begierde, der Wollust, des
Sie wute nicht, ob er diesmal wieder dabeisein wrde.
Es hatte zwischen ihnen keine Briefe gegeben und keine
Lebenszeichen, nur die Er-
innerung, jedenfalls fr sie,
und die Hoffnung, nach erle-
digtem Auftrag wrde das Ereignis von Saltjbaden sich
wiederholen.
451
schenkte sich ein, trank, war ni
cht gelassen genug, um ihre
452
Er zog sie mit sich zum Lift.
Sie fuhren hinunter, fuhren
durch bis in den Keller, ginge
den am Ausgang bereitgeste
llten schwarzen PORSCHE.
453
ineinander verschrnkte, stellte die Heizung an. Es wurde
Sie roch das Meer und hatte so
fort das ganz aus Holz er-
baute Haus vor Augen, den Boot
ssteg, die Jolle. Und sagte
sich: Bestimmt ist das Treffen um einen Tag verschoben
worden, und die anderen hat man durch einen Anruf ver-
stndigt. Und mit seinem Es is
t schon fast zu spt! wird
es nichts Gefhrliches auf si
ch haben. Er hat das Warten
gemeint, die langen Monate, hat es kaum noch ausgehalten
und mir nur seinen Zustand ge
schildert, sein Verlangen,
Sie bogen ein in den sandige
n Waldweg, erreichten das
Haus. Der Wagen hielt. Sie s
tiegen aus. Ihr Tschchen in
der Rechten, lief sie sofort auf den Steg. Er folgte ihr. Im
schwachen Mondlicht sah sie das Boot, und obwohl es fast
Er stand hinter ihr, und wied
er verschwand sie in seinen
Armen.
Komm! sagte er. Es ist khl hier.
Er schlo auf, und sie traten
ein. Sie legte die Handta-
Kurze Zeit spter saen si
e nackt vor dem lodernden
Kaminfeuer, schmiegten sich aneinander, blickten in die
Flammen, schwiegen lange. Er
st als er die Asbesthand-
schuhe vom Kaminsims aufnahm, sie berstreifte und ein
zurechtrckte, sagte sie:
Der Plan hat sich also gendert, nicht wahr?
Er legte die groben Handsc
huhe auf den Sims zurck,
454
von einem dicken, armlangen, fa
st durchgeglhten Scheit
Was mochte er gemeint haben mit den Worten sehr so-
gar? Da sie nicht zahlen wollten?
Sie zog sich die groen Hands
chuhe an, griff ins Feuer,
nahm ein Stckchen Glut auf,
hielt es eine Weile, warf es
zurck, wiederholte das Spiel noch ein paarmal. Dann
streifte sie die ri
esigen Asbesthllen wieder ab und legte
sich auf den Fuboden, sprte den Wrmestrom an ihrem
Lars kam zurck, gab ihr ein geflltes Glas.
Bloody Mary?
455
Die Amerikaner.
Vor Verblffung fand sie zunchst keine Worte. Endlich,
nach einer langen Pause ungl
ubigen Staunens, fragte sie
noch einmal nach:
Die Amerikaner? Sie fragte es ganz behutsam, nickte
sogar, wie man es gegenber
einem Verwirrten tut, dem
man allen Unsinn durchgehen lt in der Hoffnung, ir-
456
traggeber angesehen, sondern
in Interesse daran haben,
457
Warum? fragte sie.
Zwei von euch sind gefat wo
rden, und es ist nur eine
Frage der Zeit, da sie reden. Uns, also meine Partner und
mich, knnen sie nicht beschrei
ben, weil sie damals nicht
dabei waren, wohl aber dich und deine Leute; dann
braucht man nur einen von euch zu finden, und schon hat
man die Spur zu uns!
Dann wirst du mich also
bist mir durch die Lappen
Sie wute, da er log. Er wrde erledigt sein, wenn ihm
blick wre auch der zerstobe
n: Die WALTHER war weg!
458
berlegte fieberhaft. Es war klar, er hatte noch einmal den
Sex mit ihr gewollt, den Ritt neben dem Feuer, wie ers
damals genannt hatte. Vielleic
ht wrde er ihn in dieser
Nacht ein zweites Mal wollen, ab
459
Nimm lieber wieder deinen alten Platz ein und reite mich
in den Himmel!
Sie tuschte ihn, indem sie den sanften Rhythmus wie-
deraufnahm, und das fr eine
ganze Weile, denn ihre Waf-
460
gefllten Bcherregale, lief erneut in die Kche und ent-
deckte im Schrank einen Kanist
er mit Brennspiritus, trug
461
den, damit der Boden seine alte Festigkeit bekme. Dem-
nchst sollte eine Ramme das lose aufgehufte Erdreich
einebnen. Aber die Linie wrde noch lange zu sehen sein
und Frank Golombek tagtglich
an seinen verhngnisvol-
len Pakt erinnern. Auch da
s Schwimmbad war ein qulen-
Du oder ich oder wir beide,
das spielt berhaupt keine
Rolle. Und ich hab es dir
schon so oft gesagt: Was du
gewollt hast, war nichts Bses! Du hast dir nur die fal-
462
schen Partner ausgesucht. Das wird man bei der Verhand-
Hoffentlich! Aber ein paar Jahre werden sie mir trotz-
dem geben.
Wer wei!
Darauf vertraue ich. Den Fahndungserfolg verdanken
Die Notwendigkeit, berhaupt fahnden zu mssen,
463
Fast immer war es ja auch
nur Marianne gewesen, die vol-
ler Ungeduld auf das gelbe Auto zugelaufen war. Es blieb
lich noch brig?
Er zog die Schultern hoch. Eigentlich nichts, denn
wenn wir vielleicht auch eine noch halbwegs saubere Ge-
gend finden, dann passiert es womglich, da sie uns ei-
nen Gterzug mit tckischer Molke vor die Tr schieben;
man kann nie wissen. Und brigens, Katharina, was im-
464
Und die vielen Zeichen, von denen wir umstellt sind?
Das Schwimmbad, der Erdwall da drben, die Reithalle?
Mein Vater hat mir mal gesagt: Wohin du auch gehst,
deine Niederlage nimmst du mit. Die kannst du nicht ein-
fach stehenlassen wie einen Koffer. Er hat recht, und dar-
um wrde ich die Zeichen berall sehen, sogar mit ge-
Die Gegend kannte sie schon seit langem. Vor einem Vier-
teljahr hatte sie hier, zusamm
en mit Hilario, nach einem
465
ihr eingefallen, da er von de
m kleinen Haus im Wald
erzhlt hatte, und auch davon, da
es fr seine Tochter ein
Ort der Zuflucht gewesen war.
Vielleicht nun ebenso fr
ihn? Also hatte sie sich dort
auf die Lauer gelegt, und er
war tatschlich gekommen! Ihr Vorhaben sogleich in die
466
knden: Meine Toten sind geshnt! Nicht ganz so, wie ich
es wollte, aber doch geshnt. Ja, Matthew Braden und Jeff
Haggerty und ihr Soldaten im Camp von Wasloh, auch
meine Eltern und mein Bruder waren ohne persnliche
467
sie sich Sicht. Noch war der Reiter nicht zu erkennen, aber
es dauerte hchstens eine halbe Minute, da wute sie: Der
Mann in der kurzen schwarzen Jacke, den dunkelgrnen
Breeches und den langen schwarzen Stiefeln war der, auf
468
nen in fast allen Grostdten
! Im Fernsehen wurden die
Transparente gezeigt: Wann kndigt Bonn den Wasloher
suchte man nach dieser Frau, und da sie sich dennoch
hierhergewagt hatte, zeigte de
utlich genug, wie ernst es ihr
469
Sei still! sagte sie noch
einmal und trat nun dicht vor
ihn hin, zog sich mit der Linke
n das schwarze Seidentuch
vom Kopf, warf es auf den Ti
sch. Binde dir das vor die
Augen! Aber ohne Tricks! Ic
Aber wenn Er hrte, da sie die Waffe entsicherte.
Ihm blieb also keine Wahl. Er nahm das Tuch auf, wollte
es sich um den Kopf binden, aber seine Hnde zitterten zu
sehr, und so fiel es ihm in
den Scho. Schnell griff er da-
nach, legte es erneut vor die Augen, fhrte die beiden En-
den nach hinten, machte den Knoten.
Sie wischte mit der freien Ha
nd durch die Luft, nur eine
Fingerbreite an seinem Gesicht vorbei. Er zuckte nicht
Sie zog den Schal vom Hals, wickelte ihn, wie sie es
ausprobiert hatte, um die Wa
ffe, warf einen Blick zum
Fenster, sah, da es geschlossen war. Dann schob sie die
Pistole ganz dicht an seine
ung, die fast allen Selbstmr-
dern, sofern sie sich frs Herz entschieden haben, unter-
luft, weil es ihnen nicht ge
lingt, sich die Hand mit der
Waffe in einem Winkel von genau neunzig Grad auf die
gte sie die rechte Hand des
470
Toten so hin, da sie auf die geffnete Tr zeigte, drckte
die Waffe hinein. Aber zwischen den erschlafften Fingern
hielt das Eisen sich nicht,
sttzte seine Rechte, zielte grob und scho, mit seinem
Zeigefinger am Abzug, in den Waldboden vor der Tr.
Gleich darauf fischte sie aus
ihrer Jackentasche eine ein-
zelne Patrone, lud nach und le
gte die Waffe abermals in
Golombeks Hand, sorgte dafr, da deutliche Abdrcke
entstanden. Wieder hielten se
Es polterte auf den Tisch. Na gut, dachte sie, Hand oder
Tisch, das macht bei der Rekonstruktion keinen Unter-
Sie nahm das Tuch vom Kopf
des Toten, band es sich
wieder um. Das Notizbuch kam in den Korb.
einer Stunde oder zwei wird
Frau Golombek ihren Mann
. Also: Frank Golombek ist
od gewhlt. Einen Mrder
471
wird man nicht suchen. Ich habe Zeit und Ruhe, mich aus
dieser Gegend zu entfernen, fa
hre morgen nach Frankreich
und von dort aus weiter. Ich we
rde ein paar Monate zu
Haus verbringen. Dann wchst Gras ber den Fall Was-
loh, und erst danach, vielleicht
in einem Vierteljahr, viel-
leicht in einem halben, fahre
ich nach Schweden, stelle als
Journalistin von PARIS MA
TCH oder vom OBSERVER
Recherchen an ber den Tod eines gewissen Lars Nyda-
ger, gerate an seine Freunde,
und vielleicht ge
lingt es mir,
die Spur aufzudecken, die in die USA fhrt. Dort wird es
dann ein paar Leute geben, die zahlen mssen. Nicht in
Dollars; diese Chance
Sie trat hinaus, schlo die
Tr, kratzte die Kugel aus

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