Das Verwunschene Tal — Hans Kneifel


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das vorliegende Buch steht unter einem Thema, das sich in
anderer Form immer wieder
in den verschiedenen Auspr-
ere, die zu Helfern des Hel-
den werden knnen, und der ge
heimnisvollen Orte, die der
Fr Mythor, den jungen Helden
dieser Buchreihe, der in vie-
lerlei Hinsicht noch nicht einmal ahnt, welche Dimensionen
der Kampf zwischen der Lich
wirklich erreichen wird, sind seltsame Orte bisher immer wie-
der wichtig geworden: der Wasserfall, die Lichtburg, der Wol-
kenhorst an all diesen Stellen
erlangte er neue Erkenntnisse
oder gar wichtige Gegenstnde, die ihm im Kampf gegen die
Zu diesen Mythen gehren natrlich auch die Tiere: Das
Einhorn ist sicher das bekannteste Fabelwesen, das in diesem
Buch auftaucht; in zahlreichen
Mrchen und Sagen seit dem
legendren Gilgamesch-Epos wird es erwhnt, manchmal als
Sinnbild fr Tapferkeit, manchmal auch als Symbol fr Jung-
frulichkeit. In der MYTHOR-Serie tritt das Einhorn zusam-
anderen Fabeltieren auf, dem Bitterwolf und
Wie es dazu kommt, da Myth
steuerten die Romane dazu bei: Hans Kneifel schrieb Das
verwunschene Tal und Der Mann auf dem Einhorn, wh-
rend Hubert Haensel Der Schwefelflu߫ verfate. Lassen Sie
sich von den fantastischen Tieren
in die fantastische Welt von
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Der Schatten des gleienden Ringes aus kosmischen Trm-
mern, der die Welt in zwei Hlften teilt, beherbergt die Mchte
der Finsternis. Aus dieser Dunkelzone greifen die gierigen
Finger des Bsen nach der Welt der Menschen. Unter dem Be-
fehl von Dmonenpriestern machen sie sich daran, den Nor-
Zu lange schon ist es her, da der Bote des Lichts mit seinem
Die uralte Nomadenstadt Chur
kuuhl, die auf dem Rcken
an der Kste des Meeres der Spinnen in einer furchtbaren Ka-
darunter ein junger Mann, den man Mythor nennt und dessen
Herkunft unbekannt ist. Nyala, die Tochter des Herzogs von
Elvinon, bewahrt Mythors Leben, denn sie glaubt daran, da
wurde. In einem unterirdischen Tempel erfhrt er, da der
Nachdem Mythor vor einer Invasion durch das von
nenpriestern gefhrte Kriegervolk der Caer fliehen konnte,
will er die erste der Aufgaben er
fllen, die ihm gestellt wurde:
das Glserne Schwert Alton fr sich zu gewinnen, das in Xa-
nadas Lichtburg aufbewahrt wird. Doch die ehemalige Licht-
Nur mit Hilfe einiger neuer Freunde gelingt es Mythor, bis
zur Lichtburg vorzudringen und das Schwert an sich zu brin-
gen. Durch lange unterirdische Gnge entkommt er mit seinen
Gefhrten, ohne zu wissen, wohin ihr Weg fhrt.
Die Freunde erreichen in Nyrngor das Tageslicht. Die Stadt
wird von den Caer belagert. Obwohl Mythor der jungen Kni-
gin Elivara zur Seite steht, lt sich der Sieg der Caer nicht
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verhindern. Mythor macht sich
auf den Weg zu Althars Wol-
ber einen Weg, der vor langer Zeit von den mittlerweile
ausgestorbenen Titanen angelegt wurde, gelangt Mythor zum
n Pflanzen beschtzt wird.
Auf den verschiedenen Ebenen des himmelhohen Turms mu
sich Mythor mit den Geistern frherer Eindringlinge ausei-
von ihm den Helm der Gerechten
erhlt. Dieser soll ihn knf-
tig schtzen und ihm den Weg zu
anderen Sttzpunkten des
Auf dem weiteren Weg zu der
Piratenstadt Thormain wird
Mythor mit seinen Freunden von dem mchtigen Ritter Coerl
OMarn gefangengenommen, dem Oberbefehlshaber der Caer-
Truppen. Der Sohn
dmonischen Feind vor sich hat, sondern einen klugen und
tapferen Menschen, der sich unter Mythors Einflu von den
Ritter zeigt auf der Ebene der Krieger Mythor die geballte
Macht der Caer, um ihn davon abzubringen, gegen dieses
Dabei gert Coerl OMarn selbst unter den zauberischen
Einflu der Dmonenpriester und wird zu Mythors Feind. So
finden hofft: ein Einhorn, einen Schneefalken und den Bitter-
Geburt geheult haben soll
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Das Riff wlbte sich vom dunklen, geheimnisvollen Grund des
Meeres der Spinnen auf. Es
bestand aus zerrissenem, scharf-
kantigem Stein von tiefschwarzer, fast blulich schimmernder
Farbe. Der oberste Kamm des Riffs erstreckte sich von Sden
nach Norden und zerfiel in eine Reihe von Erhebungen, von
des Groen Fisches, der auf
tobenden Wasser eine Falle fr Schiffe und alles, was einen
bestimmten Tiefgang hatte. In den Hhlen des Riffs lebten
seltsame Geschpfe, die gierig in
der Tiefe jagten, und andere,
die an die Oberflche kamen, wenn sie die Schatten von Boo-
ten dahingleiten sahen.
Das Wasser, das von dem wtenden Wind vor sich her ge-
schoben wurde, stemmte sich
re. Die Wassermassen brachen sich, wurden hochgedrckt
und rasten die schwarzen, zerkl
die Oberflche erreichten und dort immer wieder riesige Wel-
Nord-Sd-Richtung einen gewaltigen Buckel. Sie trmte sich
auf, griff ber das Riff hinweg
und ergo sich donnernd auf
Kristallklar waren in dieser
schauerlichen Nacht die Sterne.
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hoch im Norden! Lange Vorhnge aus rotem, blauem und
goldgelbem Licht bewegten sich, zuckten auf, erloschen wie-
der, erschienen abermals und ware
n wie Schleier, die eine un-
sichtbare Gttin zwischen
Selbst Mythor erschauerte, wenn backbords dieses rtselhaf-
Es ist die Lichtmelodie!
schrie Steinmann Sadagar mit
blaugefrorenen Lippen. Fahrn
a hat es im EMPIR NILLUMEN
Das Fischerboot hatte drei erkennbare Vorzge, wenn es
auch nicht so schlank und schnell wie die
gngiges Alltagsfahrzeug, das
te, leicht zu manvrieren und
solide aus schwerem Holz ge-
zimmert. Mythor hatte es in
einem Anflug von Galgenhumor
Wieder packte ein neuer Windsto den
trieb ihn auf
die Spitze einer Woge hinauf, schttelte ihn hin und her und
glitt unter die Decken, Mntel
und Pelze der vier Insassen.
Mythor stand am Steuer und sah undeutlich, da der Bug
seitlich des Fischerboots brach und in weien Gischt verwan-
delte. Es war kein Segeln mehr, es war eine rasende Schlinger-
fahrt ber das aufgewhlte Meer der Spinnen. In keiner Him-
melsrichtung war
trotz der klaren Sicht Land oder gar ein Feu-
Wo sind wir, Mythor? rief Nottr, der neben Kalathee im
Irgendwo zwischen der Dreilnderinsel und dem Festland
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Aus seinem Beutel voller Mnzen hatte Steinmann Sadagar
an der Ostkste der Dreilnderinsel einige Goldstcke geop-
armen Fischern Nahrungsmittel,
Decken und Felle und das Boot bekommen. Es war zwischen
der Elvenbrcke und Akinborg gewesen und schien eine E-
wigkeit zurckzuliegen, denn so
lange erschien ihnen schon
diese Wahnsinnsfahrt.
Bittere Klte, noch schneidender durch den wtenden
Sturmwind, verwandelte jeden Tropfen Wasser an Deck in Eis.
hingen lange Eiszapfen. Auch
Eiskristalle. Ab und zu platzt
en groe Fladen der Eisschicht
vom Segel und klirrten aufs Deck herunter.
Sie haben uns immer wieder gewarnt! lie sich Sadagar
Auf alle Flle, versuchte er ihre Angst zu zerstreuen, ist
es eine schnelle Fahrt. Ich bin
sicher, sie fhrt nicht ins Ver-
Dann sah er weit vor sich die Woge.
schmolz mit der riesigen See, die sich immer hher
Mythor sah fassungslos diese gigantische Wassermasse, auf
ner schwarzen Dne. Das Ruder in Mythors halb gefhllosen
Hnden bot pltzlich keinen Widerstand mehr. Aber die Ge-
schwindigkeit des offenen Fischerboots fiel nicht ab, im Ge-
genteil, sie nahm noch zu, whrend der
Mythor bewegte den Kopf hin und her. Er sah weit ber das
gischtende Meer hinweg. Das Fi
scherboot schob sich noch
immer die Vorderseite der Welle hinauf. Und Mythor sah
wieder jene Schleier aus geheimnisvollem Licht zwischen den
Sternen. Das Boot befand sich binnen weniger Augenblicke
auf dem hchsten Punkt dieser Woge, deren Wasser verdch-
tig ruhig war.
stillzustehen. Dann brach einen
wei leuchtende Schaumwand. Sie senkte sich und ri das
Boot mit sich. Eine rasend schnelle Fahrt abwrts begann. Das
Boot schlingerte und bumte sich
auf wie ein strrisches Pferd.
Ruder klammerte und versuchte, das Boot zu steuern. Groe
Wellen bauten sich rechts un
d links auf, brachen zusammen
Das Wasser lief aus den Haaren der Pelze und gefror sofort zu
langen, dnnen Zapfen.
Das Boot jagte den Hang der Welle hinunter.
Noch war es nicht in den schumenden Strudel gekommen,
der vor dem Bug stndig grer und wilder wurde. Aber das
kam immer nher. Die Luft
war erfllt von einem hohlen, geisterhaften
das nicht vom Wind stammte. Von Steuerbord schlug peit-
schend eine Welle ins Boot und
wirbelte die Ersatzriemen und
die Anker durcheinander. Angstvoll klammerten sich Mythors
Freunde fest. Abermals platzte unter dem Winddruck eine
riesige, gewlbte Eisplatte vom Segel und wurde ber den Bug
hinweggerissen.
Das Boot tauchte in den Wirbel aus Wasser, Schaum und ne-
Nuschale eine undurchdringliche Zone. Tief unter dem Kiel
donnerte es dumpf auf. Durch das Wasser schienen Schreie zu
dringen, seltsame, langgezogene Tne, die nicht aus dieser
Niemand hrte ihn. Das Boot, eingehllt in den brodelnden
Wassernebel, zitterte und bebte in allen Fugen. Die Taue und
der Mast knatterten und vibrierten.
Aus dem Nebel, der trgerisch heller war als die schwarze
Nacht, prasselten Eisstcke und ein Schwall Wasser ins Boot.
krngte schwer ber. Ein Brecher schlug
ber das Heck und durchnte Mythors Rcken und die De-
cken, die sich Nottr, Kalathee
und Sadagar um ihre Krper
zerrten. Das Boot scho aus dem Nebel hinaus, lie den
Gischtwall hinter sich und raste weiter. Mythor warf einen
Blick ber die Schulter. Hinter dem Boot kochte das Meer, die
gewaltige Woge berschlug sich, und ihre Auslufer griffen
wie mit Krallen nach dem schwankenden Gefhrt. Wieder er-
tnte ein donnerndes Gerusch tief unter den Planken, zwi-
s um! wimmerte Kalathee.
Mythor dachte nicht daran, dem
Boot eine neue Richtung zu
geben. Es war so gut wie sinnlos. Der Sturm, der
das Boot
einmal in nrdliche, dann in no
rdstliche, wieder zurck in
stliche Richtung vor sich her trieb, war zu stark. Das Segel
konnte nicht nachgestellt werden.
Er griff mit gewaltigen Krften nach dem Ruder und scht-
telte es hin und her. Mythor klammerte sich an den eisverkrus-
jeder Bewegung gegen sein Knie
schlug. Sein Krper wurde
wie eine Puppe hin und her geschleudert. Wenigstens konnten
war ihnen klar, da sie sich in rgster Not befanden. Wieder
krachte eine Welle ins Boot, tauchte es tief mit dem Heck ein,
aber das meiste Wasser spritzte nach allen Seiten hinaus.
Kontinent zu erreichen, irge
ndwo im Land Dandamar ans U-
fer zu kommen. Seine Hoffnung war noch nicht gebrochen,
Zwang ber ihn gekommen, nach den Erlebnissen in der Ebe-
ne der Krieger seinen Weg weiterzugehen. Er war ihm, das
Aus diesem Grund war er hier und abermals in tdlicher Ge-
Er schttelte den Kopf, als knne er dadurch seine qulen-
Obwohl sein Krper von dem wild schlagenden Ruder durch-
geschttelt wurde, fhlte er, wi
e die eisige Luft seinen Kopf
Wir schaffen es! Wir werden das
Meer besiegen! schrie er
trotzig. Der Wind ri die Worte von seinen gefhllosen Lip-
Uns frit der Groe Fisch! keuchte Nottr aufgeregt.
Donnernd fielen die Riesenwellen hinter dem Boot zusam-
men. Der Wind, der von der mchtigen Woge abgelenkt wor-
den war, packte wieder den
Das Boot wurde schnel-
ler, trotz der schweren Eisplatte
, die sich vom Bug bis zum
Mythor suchte und fand die drei bereinanderstehenden
hellen Sterne, die ihm als Wegmarke dienten. Er streckte den
schmerzenden Arm aus und winkte Nottr. Du steuerst, Nottr!
Schwerfllig stand Nottr auf und taumelte schwankend auf
den Griff des Ruders zu. Und du?
Mythor lste das Seil um seine
Hften und band Nottr fest.
Im Augenblick verhielt sich das Boot einigermaen ruhig. A-
Nottr schttelte sich und stie
eine dampfende Wolke Atem
aus. Du hast recht. Vielleicht schaffen wirs! sagte er dumpf.
Aber die Angst hielt ihn in ihren Krallen. Die Angst, unter sich
einen Abgrund von tdlichem Wasser zu haben.
Je mehr wir uns frchten, de
sto eher ertrinken wir, ver-
Nottr, aber er sah die Sterne und hielt das Boot auf Kurs. My-
thor griff in die Luft und fing
ein Tau auf. Er hielt sich daran
fest, zog unter den eisbedeckten Fellen sein Schwert aus dem
Grtel und machte einen Satz bis zum Mast. Dort klammerte
er sich an und schlug mit dem
Schwert senkrecht ins Eis, ver-
suchte es dann mit der nadelscharfen Spitze und brach einen
vereisten Schoten gehakt. Dann schaffte er es, den Eisriegel
hochzuheben und ber Bord zu kippen. Sein Vorhaben ging
Wie ein Rasender schlug und stach er auf die Eisplatte ein.
Die Bewegungen lieen ihn schwitzen und vertrieben ein we-
nig die Eisesklte aus seinem Krper. Eisbrocken nach Eisbro-
cken flog ber Bord. Das wen
ige Wasser, das ber die Bord-
wnde spritzte, strte Mythor nicht sonderlich. Sein Schwert
schlug gegen den Mast. Das Holz drhnte auf, und ein Hagel
Ich habe es allerdings bezweifelt, murmelte Mythor.
Das Schwert wirkte als Hebel. Immer wieder blieb die Spitze
Altons im Holz stecken, aber
die Planken waren dick genug.
Kantige Brocken purzelten bereinander. Zweimal wurde My-
thor beinahe ber Bord geschleuder
t, aber es gelang ihm, sich
Zwei Drittel der Eisplatte waren beseitigt, als Nottr pltzlich
aufschrie. Mythor! Dort! Eine Spinne!
sich auf, eine Hand an den Wanten, in der anderen das
Schwert, dessen Griff durch den Handschuh hindurch seine
Nur in seiner Gesamtheit wirkte diese Kreatur wie eine ge-
waltige Spinne. Ihr annhernd runder Krper tauchte aus dem
Wasser auf und berzog sich in Blitzesschnelle mit weiem
Eis. Die langen Beine, die sich
tentakelartig bewegten, peitsch-
ten das Wasser in dem Versuch, dem Schiff nher zu kommen.
Kiefer blitzten im Mondlicht
sich. Als nhere sich ein Krebs,
ein aufrecht gehender Krake
durch seichtes Wasser, so kam das Spinnenungeheuer heran.
Wir sind schneller als das Biest! schrie Nottr.
Das Riesengeschpf paddelte schnell heran. Aber der
Lahme
neigte sich nach Backbord und wich in gefhrlicher
Fahrt aus. Das Wasser gurgelte und rauschte nur eine Hand-
breit unterhalb der offenen Bordwand. Mit zwei langen Ar-
men, in deren Haaren oder Fell riesige Eiszapfen klapperten,
griff das Spinnenungeheuer nach dem Heck des Bootes. Nur
die hakenfrmigen Klauen enttuscht ins Wasser zurck.
Mythor erkannte, da die Gefahr noch lange nicht vorbei
war. Er schwankte und rutschte unter dem Segel hindurch
zum Bug des Schiffchens. Dort klammerte er sich an dem
doppelten Tau fest, das von der Mastspitze bis zu einem
Eine zweite Riesenspinne taucht
e aus dem Meer auf. Als sich
die Kreatur aus dem Wasser schob, den unfrmigen Fratzen-
schdel suchend drehte, packte Nottr das Ruder und versuch-
te, das Boot nach rechts zu steuern. Mythor hob langsam das
Das Boot scho scheinbar schrg
an dem Spinnenungeheuer
vorbei. Aber die Bestie griff an. Sie stemmte sich durch das
Wasser. Ihre Arme schlugen die Wellen in einem rasenden
Wirbel. Das Glhen, das von den unzhligen Augen ausstrahl-
te, schuf auf dem Wasser verschwimmendes Funkeln. Dort,
wo der Krper durch die Wellen gerissen wurde, und an den
Stellen, an denen die
tentakelartigen Glieder eintauchten und
wieder hochgepeitscht wurden,
schien die See zu kochen und
zu brodeln. In unheimlicher Sc
hnelligkeit furchte das zweite
Untier durch das Wasser, whren
Bestie versuchte, das Boot einzuholen. Aber sie wrde es nicht
ten Leib des Spinnenwesens, bo
gen sich weit zurck und ver-
schwanden, Eisstcke losschleudernd, in der Dunkelheit. Der
Mythor hob das Glserne Sch
wert. Wenn es aus seinen Fin-
gern glitt, dann war die Waffe fr
alle Zeit in der Tiefe des
Meeres versunken. Seine Finger krampften sich um den Griff.
Dann ri er sich schnell den rechten Handschuh ab, packte das
Schwert erneut und fhlte, wie
es mit seiner geballten Hand
zu verschmelzen schien. Aus der Finsternis sausten die Kral-
len und Klauen und Saugnpfe heran. Ein Hagel winziger Eis-
stcke traf Mythor, aber er
kniff die Augen zusammen und
Als sich der erste Tentakel k
rachend in die Bordwand bohr-
te, das Boot umschlingen und an sich ziehen wollte, sauste das
Schwert herab. Das ferne, melancholische Sthnen wurde vom
Splittern des Holzes und dem Wind bertnt. Aber Altons
Schlag schnitt den unterschenkelstarken Arm ab. In einer
krampfhaften Zuckung bohrten sich Dornen und Krallen ins
Holz. Der zweite Tentakel schwirrte heran, schlug gegen das
Tauwerk und griff nach Mythor
. Wieder sauste das Schwert
herab und durchschnitt mit einem einzigen, mchtigen Hieb
dampfende Flssigkeit ins Meer. Mythor duckte sich unter
dem dritten Arm, das Schwert fuhr hoch und traf das schlan-
Das Spinnenungeheuer stie ein knurrendes Fauchen aus. Es
versank halb im Wasser, whrend das Boot sich stampfend
und schaukelnd an dem unfrmig
en Leib vorbeikmpfte. Der
Kopf tauchte auf, zwei Kiefer schlossen sich mit berstendem
Mythor blickte am Segel vorbei in Nottrs Gesicht.
Der Bepelzte stemmte sich mit aller Kraft gegen das Ruder
und versuchte, von der brodelnd
en Stelle um die Backbord-
planken wegzukommen. Wieder packte der Wind das Segel
vorwrts. Mythor sah, da das erste Un-
geheuer seine Versuche, das Boot zu verfolgen, aufgegeben
hatte. Er stie Altons Spitze in
nes, der quer im Bug lag und zuckte. Mit einer wtenden Be-
wegung schleuderte er den Stumpf ber Bord.
Die Krallen des ersten Tentakel
s bohrten sich ins Holz, lie-
en die Eisschicht knirschen und
aufspringen, lsten sich wie-
der und schienen im Todeskampf
ein eigenes Leben zu entwi-
Ich werde mein Leben lang von dieser Nacht trumen,
murmelte Mythor. Noch war kein drittes Ungeheuer aufge-
Einige Zeit verging, vielleicht hundert Herzschlge.
Dann zeigte sich an vier Stellen Bewegung. Nacheinander
spie die See vier Ungeheuer aus. Sie waren grer als die bei-
den ersten Kreaturen mit ihren
Krakenarmen. Die vier Kolosse
keine Gefahr; das Boot wrde schnell an ihnen vorbeiziehen,
ehe sie es von zwei Seiten ergreifen
konnten. Mythor holte tief
n der Mitte hindurch, Nottr!
Der Kampf lie ihn seine Angst vergessen, der Kampf mit
Wind und Wellen und mit dem bockenden, schlagenden Ru-
der. Das Boot raste dahin, und Nottr glaubte weit voraus eine
schwarze und langgestreckte Masse zu erkennen, die sich vor
War es Land? Oder war es ein Spuk, der seine Augen narrte,
weil er sich so sehr wnschte,
vor dem Bug endlich einen Teil
der Nyrngor-Kste auftauchen zu
sehen? Er verga seine Ge-
danken und versuchte, so gut er es konnte, das Boot auf dem
Trotz der Eiskristalle in se
inen Augenbrauen und dem ge-
frierenden Schwei auf seiner Stirn sah er, da es zwischen
den zwei mittleren Spinnenung
Platz gab, um unangefochten hindurchzusegeln. Aber von A-
temzug zu Atemzug verringerte
sich der Abstand, weil beide
Kreaturen schrg auf den
zuschwammen. Es waren
Giganten der Tiefe, riesige Wesen mit wild wirbelnden Glied-
Mythor schlo die Augen. Trotz
seines einzigartigen Schwer-
tes und seines Muts fhlte er, wie ein eisiger Panzer sich um
Dann aber schlugen seine Gedanken einen Haken. Er fhlte
frmlich das Pergament an seiner Haut, dachte an das Bildnis
darauf und daran, welch langer
Weg noch bis zu dem Augen-
gegenberstand. Und er wute, da
er sie suchen und finden
wrde. Irgendwo, irgendwann, denn er wrde sein Leben
nicht in dieser Nacht auf dem eisigen,
sturmdurchtosten Oze-
an lassen. Eine Ruhe, die er selt
en gefhlt hatte, kam ber ihn.
Das Boot flog frmlich ber die Kronen der Wellen dahin. Es
war dadurch, da er das Eis zerhackt und ber Bord gestemmt
hatte, viel leichter geworden. Oder der Sturm hatte an Heftig-
keit zugenommen. Jedenfalls erschien ihm der
pltzlich doppelt schnell.
Von zwei Seiten nherten sich
die Spinnenungeheuer. Auch
sie waren teilweise in dicke Eispanzer gehllt wie in schwere
grnlichweie Rstungen. Wie rasende Schlangen streckten
sich die Tentakel dem Boot entgegen. Krallen und Scheren
blitzten im Mondlicht ein Klirren wie von Schwertern erfll-
te die eisige Luft. Zwei Krak
enarme schlugen zu und trafen
nur das Wasser, jeweils zwei Ar
mlngen von Steuerbord und
Backbord entfernt. Dann krachten wie Wurfanker die Klauen
zweier weiterer Arme in den
hochragenden Bug und in die
Mythor bewegte sich so schnell, wie er konnte; er hob das
Schwert hoch ber den Kopf und zerschnitt mit einem Schlag
den links auftreffenden Arm. Dann fuhr er herum und nahm
all seine Kraft zusammen. Der nchste Hieb zerschnitt den
zweiten Arm, der dritte bohrte
sich in den Schdel der Bestie,
der rechts vom Bug aus dem Wasser ragte. Das Schwert drang
so tief in den Schdel ein, da Mythor bei dem Versuch, Alton
wieder an sich zu reien, fast ber Bord gegangen wre. Er
schlug mit der Brust und dem Oberarm schwer gegen die
Steuerbordkante, aber das Schwert blieb in seiner Hand.
Das Boot rammte das Tiefseeungeheuer. Die zahllosen
Arme
des Untiers peitschten ziellos gegen das Boot und durch die
Luft, als die Kreatur in einem gewaltigen Wasserwirbel und
einer riesigen Menge rotgefrbter Luftblasen versank. Das
Boot bumte sich auf, kippte
nach Backbord, wurde mitten in
seiner rasenden Bewegung angehalten, fiel krachend und in
einer Gischtwolke wieder zurck, und die blind umherschla-
schttelte sich. Jede einzelne Verbindung
knirschte grauenhaft auf, als sei es ein Lebewesen. Der Anker
polterte durch das Boot und bohrte sich mit einer Spitze neben
dem Kiel durch einen Ri, der sich bei der nchsten Bewegung
wieder schlo. Mythor sah einen Arm heranhuschen, sprang
zur Seite und fhrte einen waagrechten Hieb.
Das Schwert durchtrennte nur halb den Arm, aber dessen
Kraft war gebrochen. Ein anderer Tentakel knallte heran. My-
thor ri das Schwert schtzend
vor sein Gesicht und spannte
die Muskeln. Die Wucht des Hiebes lie die Schneide tief in
die schwarze Haut dringen, zerri
einige Saugnpfe, gro wie
Kinderkpfe, und auch dieses Angriffswerkzeug versank wie-
fuhr in das Segel und lie eine massive Eisplatte auf Mythors
Schultern kippen. Er fhlte einen Schlag wie von einem auf-
schwingenden Torflgel und schttelte die Splitter aus dem
Fell, das die Wucht abgefangen hatte. Ein riesiges Auge tauch-
te an Backbord auf, und schon zuckte in einer unbewuten
Bewegung das Schwert herunter. Die Spitze bohrte sich ein-
Das Spinnenuntier tauchte, aber die aufgerissenen Kiefer
schlitzten an Backbord die Planken fast von ganz vorn bis hin-
Wir sind durch! schrie No
ttr wie ein Wahnsinniger. Ka-
lathee hatte seit langem zu schreien aufgehrt, und Sadagar
Schnell nahm das Boot wieder Fahrt auf.
Mythor wute, da der Tod haarscharf an ihnen vorbeige-
gangen war. Aber er blieb wachsam. Seine Augen suchten die
Wasserflche vor dem Boot nach anderen Bestien ab, nach den
verrterischen Wirbeln und Luftbl
asen. Aber er konnte nichts
erkennen. Weit davon entfernt, Genugtuung oder Freude zu
verspren, wandte er sich um und hob das Schwert. Es glhte
schwach in der Dunkelheit, strker aber als jemals zuvor.
ten, Mythor!
Mythor stand im Bug und versuchte, jede einzelne grere
Welle im Auge zu behalten. Inzwischen hatte der Mond einen
Teil seiner nchtlichen Wanderung zurckgelegt. Das Licht fiel
in einem anderen Winkel auf die tobenden Wellen. Sie waren
nicht hher, aber auch nicht wen
iger drohend als vor Stunden.
Dort vorn?
Mythor wischte ber seine Au
Handschuh wieder anzulegen.
Bei meinen unbekannten Ah-
Whrend das Boot nach Nordoste
n, eher Ostnordost trieb,
fegte der Sturm den Himmel leer. Selbst eine Handbreit ber
dem Horizont war jeder Stern deutlich zu erkennen. Voraus
sah Mythor einen langgezogenen dunklen Streifen, der die
Sterne verdunkelte. Und rechts davon bewegte sich das Was-
ser um eine groe, zerrissen aussehende Masse. Aber nir-
gendwo um das Schiff gab es Zeichen dafr, da eine weitere
Spinnenbestie auftauchte ke
in Wellengekrusel, keinen
Schaum, keine Luftblasen. Der riesige Gegenstand mochte ein
Meeresdrift in nrdliche Richtung und wrde vielleicht den
Lahmen Seevogels
Mythor nickte und stapfte zum
Heck zurck. Er beugte sich
ber Kalathee. Sie hatte die Augen geschlossen und wimmerte
Als Mythor die Decken und Felle zurckschlug, krachten
und knirschten sie. Der Atem de
r jungen Frau ging stoweise
und fauchend, und als ihr Mythor die Hand auf die Stirn legte,
erschrak er. Ihre Haut war glh
end hei. Kein Zweifel, die
Frau fieberte stark. Zwischen den einzelnen Atemsten hus-
Das sieht sehr ernst aus, sagte Mythor, und in einem pltz-
lichen Entschlu legte er das
Schwert auf den Krper Ka-
lathees. Nottr warf Blicke in seine Richtung, die Mythor aber
nicht bemerkte. Dann schlug er die Felle wieder zurck und
Wir knnen ihr nicht anders helfen. Halte sie fest, Stein-
seine Finger wieder in den Handschuh.
Er stellte sich neben Nottr auf das leicht erhhte Heck des
Bootes. Von hier gab es einen geringfgig besseren Blick. Das
Schwert wrde Kalathee nicht schaden und ihr sicher irgend-
sich in dieser Nacht auf dem Wasser bewegte. Das Boot und
dieses schweigende Ding dort trieben auf einen Punkt zu, den
sie schtzungsweise zur gleichen
Zeit passieren wrden. Mehr
und mehr begann das Eis in vielfltigen Formen den
zu beherrschen. Seltsame Form
en wuchsen berall, wo der
Mythor hielt das Steuer fest
der herantreibenden Masse. Schlielich erkannte er die For-
men von zerstrten Husern, in deren leeren Fensterhhlen
Es sind die Reste einer Nomadenstadt! sagte er schlielich.
Natrlich dachte er zuerst an Churkuuhl. Er glaubte, in den
eisverkrusteten Trmmern, die
auftauchten und sich wieder
senkten, die Stadt zu erkennen, die ein solch grliches Ende
Die Reste von Churkuuhl? Bist
du sicher? fragte Nottr und
menhngende Flche aus den ineinander verschachtelten
Hausresten. Ein toter Yarl trieb zwischen Balken und Palisa-
denresten. Die Wellen hoben un
dessen einzelne Teile sich ge
geneinander rieben und beweg-
ten. Ein stndiges Knirschen und Krachen kam ber die Wel-
Teile der Trmmermasse von ei
ner besonders starken Welle
hochgeschoben und brachen auseinander. Ein breiter Schwanz
im Kielwasser der driftenden Stadtruine. Die Gerusche waren
griff ins Steuer und nderte den Kurs des Bootes ein wenig, so
da es hinter der zerbrochenen und menschenleeren Noma-
denstadt durchfahren wrde. Es wurde fhlbar klter, und
Das Husten Kalathees hrte au
f, aber sie war noch immer
kraftlos und im Fieber. Die beiden Mnner blieben im Heck
und versuchten, das Boot so schnell und auf so geradem Kurs
wie nur irgend mglich durch den eisigen Sturm zu bringen.
Schweigend blickten die Insassen des Bootes auf die krachen-
de und berstende Masse aus Eis und Gebuderesten, und My-
thor erkannte, da es sich tatschlich um Churkuuhl handelte.
Es war kein Leben mehr in diesem schwimmenden Haufen
schwammen im Sog der drif-
tenden Masse dahin.
Hier hat alles wirklich angefangen, murmelte Mythor zu
sich selbst. Ein Kreis hatte sich
geschlossen, aber fr ihn be-
noch vor sich hatte, wrden nich
t weniger hart sein als sein
Mge die Erbschaft des Lichtboten mir helfen, flsterte er,
und dann durchfurchte das Bo
ot, das schwer nach Backbord
und den Abfall der gestorbenen
Stadt. Der schwarze Streifen
gab keinen Zweifel, da es sich
um Land handelte. Und wenn es Land war, lag irgendwo dort
der Hafen von Nyrngor, den sie nicht anlaufen durften.
Lahmen Seevogel
dauerte eine Ewigkeit. We-
nigstens kam es den drei Mnnern so vor.
sich Eisschichten, Eisgirlanden
und Eispanzer. In gefhrlichem
Winkel hing das Boot im Wasse
r, aber es hielt den Kurs. Die
schnitten und kleinen, finsteren Strnden. Einige laublose
Bume waren zu erkennen, die sich im Sturm schttelten. Das
ne Reihe scharfer Felsen zu,
die der Kstenlinie vorgelagert
waren. Mythor ri das Ruder
herum und zwang das Boot, sich
aufzurichten und schrg an
den Steinblcken vorbeizufahren. Tauwerk straffte sich, der
Mast knirschte schrecklich, Eisst
cke lsten sich und flogen
den Mnnern in die Gesichter.
Ich habe es euch geschworen, als wir ablegten, drben,
sagte Mythor und sah, wie die Planken eine Handbreit an ei-
nem aus den Wellen tauchenden
Felsen entlangscheuerten.
Wieder wurden Eisschichten un
Gleich schafft uns der Felsen, sagte Nottr grimmig.
war fast am Ende. Ein Tau ri, im Segel
dungswelle und schwankte hin und her.
Wieder rissen zwei Planken auf und lieen Wasser ein. My-
thor steuerte an drei nadelsch
arfen Felsen vorbei und auf ei-
nen flachen Strand zu, der sich hi
nter einem Felsen erstreckte.
Der Stein hatte die Form eines Adlerkopfes. Mondlicht und
Schatten verliehen ihm diese Form.
Wir landen? rief Sadagar erwartungsvoll. Kalathee schien
Ich nenne es nicht Landung, sondern Strandung! brllte
Er drehte das Boot in den Wind. Ein Sturmsto packte den
ri das Segel von oben nach unten entzwei; die Bran-
dungswelle hob das Boot. Der
schumende Streifen des Was-
sers auf dem Strand war keinen
Bogenschu weit entfernt. Das
Sand oder das feine Gerll zu, das voller Eis und Schneekris-
talle war. Mythor und Nottr verstndigten sich mit einem
Blick und klammerten sich an
das Ruder. Dann kippte der Bug
Schwung trug das halbe Wrack drei Mannslngen weit auf
den Strand. Der Mast brach, das Segel legte sich ber das Vor-
schiff, und das Ruder brach mit einem trockenen Knall ent-
zwei. Mythor und Nottr wurden nach vorn geschleudert, Ka-
lathee und Sadagar und die Ausrstung rutschten ber die
Sand einsinken. Mit zwei Stzen waren Nottr und Mythor -
ber Bord gesprungen und halfen
Sadagar, die junge Frau hi-
Ertrinken werden wir nicht mehr, meinte Sadagar mit sei-
Vermutlich nicht! widersprach Mythor.
ber den Strand zog sich ein fast hfthoher Wall aus
holz hin. In groer Schnelligkeit hoben sie allen Besitz aus den
Trmmern des
und schleppten ihn in den Schutz der
Felsen. Der Hang war nicht sehr hoch, und vom freien Land
ab. Mythor rannte voraus und fand eine geschtzte Stelle zwi-
schen drei groen Felsen. Sie war trocken, und Feuerschein
wrde nicht nach auen dringen, war nur vom Wasser aus zu
den drren Bschen unterhalb der chzenden Bume.
Steinmann Sadagar kam ihm entgegen, lie sein Bndel fal-
len und ri seinen Pelz auseinander. Seine Arme bewegten
sich so schnell, da Mythor
nur schemenhafte Bewegungen
sah. Dreimal ertnte ein wischendes Gerusch, dann schrie
schlagend und kreischend, aus dem Gestrpp. Sadagar rannte
hinber und ri sein viertes Wurfmesser aus dem Grtel.
Das Schreien brach abrupt ab. Sadagar sthnte, als er das
blutende Tier ber den Sand heranschleppte.
Bedchtig zog er die Dolche aus dem Krper des Tieres,
wischte sie am Fell ab und schob sie zurck in die Scheiden.
Mythor sagte: Das ist mehr, als wir erhoffen konnten. Nottr
hat Werkzeug, um Feuer zu machen. Wir bernachten hier!
Sie polsterten den Boden mit Decken und Fellen. Holz wur-
Zeit brannte ein riesiges Fe
uer, von den dnnen Zweigen und
den schweren Kloben genhrt. In seinem
ner trockene Felswnde, eine
annhernd saubere Sandflche
und die Spuren eines anderen Feuers, das vor Monden hier
gebrannt haben mochte. Mythor nahm sein Schwert an sich
Kein Zweifel, sie befanden sich in Dandamar. Weit und breit
gab es kein Licht. Nyrngor mochte irgendwo hinter den H-
geln liegen. Mythor sah auch keine Spuren. Er schleppte wei-
teres Holz herbei, hackte mit dem Schwert die Lufe und den
Kopf des Tieres ab und sah zu, wie Nottr das Tier aus der De-
spiete er auf einen langen, zugespitzten Holzpfahl. In den
Lederbeuteln begann der gefrorene Wein aufzutauen. Zwi-
binnen kurzer Zeit fast zu hei. Kalathee schlug die Augen
auf, sah sich erstaunt um und schien aus einem tiefen Traum
Ich bin matt, sagte Kalathee und schnupperte den Geruch
Dampf stieg aus den trocknenden Decken, Pelzen und Wm-
sern auf. Das Fleisch des Oink
enporkers roch geradezu kst-
Felle, drehten sich selbst vo
r den Flammen hin und her und
sprten, wie die Erstarrung langsam aus ihren Krpern wich.
Ich habe es nicht glauben knnen, sagte Sadagar und
Zwei Astgabeln von Treibholzstcken befanden sich an
beiden Seiten des Feuers, abseits von den Flammen. Nottr
kauerte davor und drehte den Pfahl langsam hin und her,
dann stand er wieder auf und kn
Wein war noch eiskalt. Sadagar wickelte einen Becher aus und
von den Besitzern des Bootes erhalten hatten, auf ein Tuch.
Es wird ein frstliches Mahl werden, versprach Nottr und
zog seine nassen Stiefel aus.
Sie sahen sich in die Augen und
fingen zu lachen an. Es war
ein drhnendes Gelchter, das die aufgestauten ngste besei-
tigte und die neu gewonnene Le
schlielich auch Kalathee einstimmte, wuten sie endgltig,
Wein trinkbar wurde, schleppte Mythor die Reste des Segels
vor den Felsen. Die Flammen leckten an den Wnden, die
Kleidung wurde trockener, und
es stank nach versengtem
Nacht wrden sie Schlaf finden und Wrme.
Nottr bernahm die erste Wache, nachdem sie gegessen und
Bis weit nach der Morgendmmerung lie er das Feuer nicht
ausgehen. Als das erste Sonnenlicht des Tages auf die noch
ein groer Haufen weier und roter Glut Licht und Hitze zwi-
schen den Felsen. Mythors Helm hing auf einem Pfahl, den
der junge Krieger mit dem Schwertgriff in den Boden gehm-
mert hatte. Wie ein urzeitlicher Schdel oder die Knochen ei-
nes seltsamen Tieres schien der Helm die Schlafenden zu be-
In dieser Stunde der Nacht war Nyrngor mehr denn je eine
tote Stadt. Die Peitschen der Caer knallten nicht mehr. Ihre
Lanzenschfte schlugen nicht mehr auf die hungernden Be-
wohner ein. Die Gassen und Pltze waren leer; die Stadtbe-
wohner, die nicht geflohen waren, hatte die Spuren der Bela-
gerung und der Kmpfe wegru
men mssen. Aber dennoch
war die Stadt alles andere als sauber. Ihr ursprngliches Aus-
sehen war inzwischen Legende.
geschwrzten Mauern der verbrannten Huser und Huser-
zeilen ragten wie verdorrtes Holz in die Luft. Ratten huschten
pfeifend durch die Trmmer un
d suchten in der peinigenden
wie ein Symbol fr den Niedergang der Stadt.
Ab und zu hrte man Waffenklirren und den harten Schritt
Posten auch schwaches, flacke
rndes Licht in den schmalen
Fenster waren mit Lumpen und Decken verhngt. Nur aus
wenigen Schloten stiegen dnne Rauchfahnen in die Nacht-
luft. Geborstene Tren wurden durch Stricke und darberge-
Schnee, nicht einmal in den Winkeln, in die niemals ein Son-
nenstrahl fiel. Die Krper von Gehenkten baumelten von
schaukelnden sten. Von irgend
woher wehte der Geruch ei-
chen Zutaten bestehen mute.
Ein gellender Pfiff ertnte aus der Richtung der Stadtmitte.
Eine Frau schrie hell auf, ab
er niemand wute, woher der
ren nicht mehr viele Schiffe da; nur noch ein paar
tausend
Caer-Soldaten befanden sich in Nyrngor. Auch groe Teile des
Lagers waren abgebaut und auf die abziehenden Schiffe ge-
bracht worden. Als habe sich die Nachricht vom Fall und der
war auch kein einziges Schiff mehr hierhergekommen.
Ein Hund knurrte pltzlich auf,
kniff den Schwanz zwischen
die Beine und rannte unter den zertrmmerten Torflgeln
hervor. Als habe er ein Ziel, rannte er hechelnd auf dem Pflas-
ter dahin, sprang in weiten Stzen ber eine Brcke, berquer-
te im Schutz der Dunkelheit einen Platz und lief dorthin, wo
Jeder Schritt enthllte im Mondlicht neue Zerstrungen. Die
Bahnen des ls bedeckten die Quader. Groe Flecken ge-
re war weggerumt worden. Die Caer schrten ihre Feuer mit
Die Soldaten hatten die Herrsch
aft ber die Stadt bernom-
men. Wer nicht gehorchte, wurde geschlagen oder nach
Caer angriff, starb eines schne
llen Todes. Auch am Tag wurde
gab lngst keine vierzigtausen
wirklich noch waren, konnte nicht festgestellt werden.
Dutzend, waren vor der Mauer im hartfrierenden Boden be-
Ratte zwischen den Vorderpfot
en. Das Tier fauchte auf und
machte den Buckel krumm. Dann sprang es mit einem weiten
Satz von dem Balken und huschte lautlos am Brunnentrog
vorbei. In der Dunkelheit ertnte ein halb ngstliches, halb
zorniges Fauchen, dann war das Tier verschwunden. Die Kat-
einen Bogen und bewegte sich in Richtung des Stadtzentrums.
ter dem Gewand versteckt wurde. Die Gestalt, eine gebeugte
alte Frau, erstarrte, als sie das Klirren und das grlende La-
und bewegte sich vllig lautlos. Einen unsichtbaren Beobach-
lassen. Zweihundert Schritt huschte die alte Frau entlang den
Husern, dann zog sie sich wieder in den Schatten zurck.
Licht. Aus dem Schornstein des Hauses quoll weier Rauch.
Es roch nach Wein und Erbrochenem. Es roch aber auch nach
Schenke in Besitz genommen.
Die Frau brauchte nicht lange zu warten. Dann knarrte die
Tr auf. Ein hochgewachsener Caer-Offizier stolperte ber
seine kurze Lanze, als er in die Gasse hinaustrat. Er schwankte
Mantel hatte er lose ber der
Schulter, den Helm schlenkerte
leeres Weinfa. Er schien die
Klte nicht zu spren, summte
eine Melodie und rammte
mit der Schulter die Mauer. Unbe-
merkt schlich die Frau hinter ihm her.
Sie war drei Schritte hinter se
inem Rcken, als er unter dem
was durch die Luft, der Mann stie ein chzen aus und sank
ehe er krachend auf das spiegelglatt gefrorene Pflaster schla-
gen konnte, schob die Alte ihren gekrmmten Krper vor ihn
und fing den Sturz ab. Dann plnderte sie den Offizier mit
aus. Lanze, Helm, der Brustpanzer, Schwertgehnge und Dol-
che, der Mantel und schlielich
die geraubten Stiefel. Als sie
ihn zurcklie, war er nicht nackt, aber waffenlos. Und auch
seine Geldbrse klimperte schwach am Grtel der Alten. Sie
schien ber groe Krfte und eb
ensolche Behendigkeit zu ver-
fgen, die Frau mit dem schmalen, runzligen Gesicht.
Sie eilte zurck zur Schenke. Das Nachbarhaus war leer und
dunkel. Mit all den Waffen kroch sie mehrere Treppen ab-
wrts, tappte durch ein modriges Gewlbe und durchquerte
mehrere Keller. Dann sphte sie schwer atmend durch die
breiten Ritzen in einer Tr, di
e aus schenkelstarken Balken
gezimmert und mit schweren eisernen Beschlgen verankert
Die Alte klopfte in einem be
stimmten Rhythmus gegen die
Tr. Sie tat es mit dem Knauf eines Dolches. Schritte nherten
Eine alte Frau, die Waffen ei
nes bewutlosen Offiziers und
Weg. Zwei Fallen, die ei-
nen ungeheuren Lrm verursacht htten, hatte sie umgangen.
Frau schlpfte hinein. Waffen schlugen gegen Mauerwerk und
r und lange Regale mit um-
senriegel vor und wandte sich an
die alte Frau. Er flsterte:
Ich habe schon gehrt, da Caer berfallen werden. Ich dach-
Sie legte die einzelnen Waffen auf Tische und lehnte sie ge-
gen Fsser. Hier befand sich bereits ein kleines Waffenarsenal.
Sie lie sich nicht stren, und erst als sie fertig war, schlug sie
im Licht der dicken, tropfend
Der weihaarige Mann starrte unsicher in ein schmales Ge-
sicht. Graues Haar war mit hlzernen Kmmen hochgesteckt
blitzten ihn an. Er kannte dies
e mandelfrmigen Augen! Aber
die Haut des Gesichts, das du
rch die starken Wangenknochen
und das energische Kinn harte Konturen erhielt, war braun
und grau wie das einer alten Frau. Im rechten Ohrlppchen
war ein nicht zu bersehendes
Loch, in dem einmal ein golde-
Er hob den Kopf und flstert
e erschrocken: Knigin Eliva-
Sie nickte und lchelte kurz. Ich bin es. In dieser Maske
wird mich kein Caer aufhalten.
Wie du siehst, hat die Verklei-
dung ihr Gutes. Wo sind die anderen?
Woher weit du? stotterte der Bruder des Wirtes, einer
der treuesten Mnner, einer, de
Nein. Wir sind zehn Mnner. Hier ist der Treffpunkt. Sie
sind in allen Teilen der Stadt unterwegs. Interessante Dinge
Auch ich habe davon gehrt. Noch diese Nacht sehe ich es
Die Frbung der Haut und die Runzeln, die sie alt erschei-
nen lieen, stammten von Krute
rsften. Das Wissen ber die
Bltter, Wurzeln und Frchte hatte Elivara von ihrer Amme.
Sie trug keinen Schmuck. Er war unter der Nordmauer ver-
graben. Der Schenkenwirt zapfte einen silbernen Becher seines
besten Roten ab und reichte ihn der Knigin.
Was weit du von Hester, aue
r da er die Knigsmario-
Nichts, Knigin. Er hat, soviel wir wissen, Schlo Fordmore
nicht verlassen. Das Schlo wird stark bewacht.
Ich wei. Ich bin seit Tagen
in der Stadt. Aber ich konnte
mich dem Schlo nicht nhern. Ich habe sieben Mnner, die
Dann sind wir siebzehn. Achtzehn mit dir! sagte der breit-
schultrige Mann. Auch ihm waren die Runen der Sorge ins
Gesicht gegraben. Fr eine
Armee im Untergrund ist das
Mit der Zeit werden mehr Krieger zu uns stoen. Aber wir
werden die Caer nicht aus Nyrngor jagen, sondern wir wollen
ihnen den Aufenthalt zur bleibenden Erinnerung werden las-
sen. Zur sehr bsen Erinnerung
! Elivara trank den Wein in
groen Schlucken. Hat der Keller noch einen Zugang?
Ja. Einen Fluchtweg. Dort, hinter dem groen schwarzen
Ja. Noch. Ich bin den Rest der Nacht hier. Komm, wann du
willst, und klopfe wieder in der gleichen Weise!
Elivara leerte den Becher, nickte dem Wirt dankend zu und
verlie den Keller. Sie sicherte nach allen Seiten, ehe sie das
halb ausgebrannte Haus verlie. Dann schlug sie den Weg
nach Fordmore ein. ber ihr flatterte ein Schwarm Wasserv-
gel zielbewut ber die Dcher. Es schien, als htten Elivara
Seit der Ritter Coerl OMarn mi
t seinen besten Kriegern die
Stadt verlassen hatte, waren zwei nderungen deutlicher ge-
worden: Solange er auf seinem
schweren Ro durch die Gas-
Sie verhielten sich wie der ne
ue Herrscher ber Nyrngor. Die-
Das alles wute Elivara lngst. Auch da der Dmonenpries-
ter ein grausames Verhltnis zu
den Beherrschten hatte, konn-
te niemandem entgehen. Jeder seiner Befehle, die im Namen
sicht, die Stadt vllig unter se
ine Gewalt zu bringen. Whrend
Elivara durch die Stadt schlich, sah sie immer wieder Zeichen
dafr. Aber auch ferner Lrm wurde lauter. Sie unterschied
Kommandos, knallende Peitschen und das Klirren von Stein-
meieln. Zwei Hunde, ein kleiner und ein groer, wolfshnli-
cher, rannten klffend und knurrend hinter ihr her, berholten
Bisher war Elivara nicht angeha
lten worden. Sie sah Caer-
Patrouillen nur von fern. Aber vor ihr brannten Feuer und
zahlreiche Fackeln. In der Nhe von Schlo Fordmore arbeite-
wachten sie. Elivara, die bereit
war, jedem anderen Menschen
aus. Schlielich, nachdem sie
ber leere Pltze und eisbedeckte Brcken geschlichen war,
stand sie auf der leeren Terrasse eines Hauses, das einem
ihr erhoben sich die rtlichen
Mauern des Schlosses, und auf
Eine Grube wurde ausgehoben. Steinquader, die wohl von
der Stadtmauer stammten, wurden behauen und zusammen-
brocken zu liegen, denn von dort kam das wtende Hmmern
d gingen Doppelwachen. Es
die Arbeitenden zu mischen.
Elivara sah schweigend und in steigendem Ha zu, wie die
Caer-Offiziere rcksichtslos di
e Peitsche gebrauchten, wenn
Feuer wrmen wollte. Der Priester, Ziel ihres Hasses, war nir-
gendwo zu sehen. Hinter vielen Fenstern des Schlosses brann-
Dann wird Feithearn die Stele beschwren. Eine Seite ist
schon fertig. Die Zeichen sind magisch
Ein drhnendes Gelchter folgte. Eine Peitsche knallte.
Ein Offizier schrie: Und dann mu jeder Stdter jeden Tag
hierherkommen und sich vor Duldamuurs Obelisken verbeu-
Elivara begriff, was sie eben andeutungsweise gehrt
hatte.
Der Dmonenpriester lie direkt neben dem Palast eine Stele
aufrichten, die voller eingravierter magischer Zeichen war.
tagtglich den Bsen Mchten
schen hier vollkommen in der Gewalt des Bsen sein. Also
wrden Elivara und ihre Rebellen, das schwor sie sich, diese
Stele strzen mssen.
Aber zuerst, flsterte sie im Selbstgesprch, mu sie auf-
gestellt sein. Ich werde es diesem Priester zeigen! Vor dem
Aber sie sah noch einige befr
emdliche Dinge: Auf der Brs-
tung der obersten Plattform saen viele Vgel. Auch groe
Greifvgel waren darunter. Zwischen den schuftenden Nyrn-
gorern huschten Ratten und Katzen umher, ohne sich gegen-
seitig anzugreifen. Hunde liefen um die Beine der Posten und
lieen sich weder mit Steinwrfe
n noch mit Futritten vertrei-
ben. Und ber dem Schlo kreiste ein Schwarm Seeschwalben.
Auf der Platte des groen hlz
ernen Tisches war eine Klappe
befestigt. Sie wurde an der Rckseite von zwei massiven St-
entstand eine schrge Flche, die
Quadrat ma. Mit kleinen Messingngeln war ein unregelm-
ig geschnittenes Stck Pergament darauf festgespannt. Das
Bild, das auf dem elfenbeinfarb
enen dnnen Leder entstehen
wrdig exotisch wirkende Landscha
tummeln schienen. Aus dem Berg im Hintergrund schien ein
starrendes Gesicht herausgemeielt worden zu sein. Nur
einige Teile des Bildes waren mit einer Art lig flieender
Hester, der halbblinde Bruder der Knigin, sa auf der Vor-
derkante eines Sessels, der viel zu gro fr ihn war. Seine
Zunge wischte wie ein nervses kleines Tier ber seine Lip-
pen. Das eine Auge stierte einmal kurzsichtig auf das Bild,
dann bog der Junge den Kopf in den Nacken und musterte das
lich sicher aber waren seine Fi
nger, die einen dnnen Pinsel
packten und ihn in ein Schlchen mit schwarzem Lack tauch-
Die Frau, die hinter ihm sa und Flicken in eine Decke nhte,
hie Swite oder so hnlich; Hester behielt keine Namen lnge-
Sorgfltig zog er einige der Kohlestiftlinien nach. Er wute
Drang nicht erloschen war, so
Ab und zu kam ein leises La
llen aus dem Mund des Knaben.
Das Lcheln, das sein Gesicht berzog, war eine Grimasse.
Hester hrte auch nicht die harten Schritte vor der Tr, die
von mehreren Mnnern stammten. Aber die Frau hob den
Kopf und hrte angstvoll zu nhen auf.
Die Tr flog auf. Der Dmonenpriester Feithearn kam her-
ein, als sei er Knig Carnen. Hinter ihm schoben sich
selbstbewut fnf Caer in den Raum. Sie waren in voller Rs-
Pult und fuhr fort, schwarze Schatten zu malen. Er stie ein
kurzes Kichern aus. Feithearn,
der nur seinen Mantel, nicht
aber Handschuhe und Helm trug, schnippte mit den Fingern
Schweigend gehorchte die Frau. Sie huschte verschreckt hin-
aus, sich an den Kriegern vorb
eidrckend. Krachend warf ein
warf einen langen Blick auf das unfertige Bild. Das Licht vieler
llampen spiegelte sich in de
r Schicht ber dem unmenschli-
s Glas wirkte, wie ein Mineral
den unergrndlichen Augen
sprach dmonische Macht, als sich der junge Priester an Hes-
Seine Stimme war nur scheinbar sanft; hinter jedem Wort
enhiebs. Du malst? Gut. Bes-
Der schwarze Mantel bauschte
sich und warf schwere Falten.
Die Silberstickerei funkelte strahlend. Hester zwinkerte und
Hester erschrak; er sah weinerlich drein. Feithearn lehnte
sich an eine Tischkante und fuhr fort: Morgen wirst du mit
mir gehen. Ich spreche drauen vor dem Palast. Bei jedem
mut du nicken. Und versuche
zu lachen, auch wenn es dir
Der junge Mann hob eine Schulter, blickte von unten herauf
in das maskenhafte Gesicht des Priesters. Es war deutlich, da
Hester nickte und lallte einige kaum verstndliche Worte. Es
Wir fahren im Wagen durch die Stadt. Du grt nach allen
Hester nickte mindestens ein dutzendmal. Er kicherte auf.
Nicht einmal Feithearn erkannte
, welcher Art dieses hilflose
Lachen war. Der Priester hieb mit der flachen
Hand auf den
Tisch. Die Farbnpfchen und die
Dosen tanzten, blutiges Rot
ergo sich aus einem Becher ber
das Holz und versickerte in
Morgen mittag! Deine Wrterin
wird dich anziehen und
Herrisch winkte Feithearn sein
en Soldaten. Sie verlieen
klirrend und stampfend den Raum. Mit einem sehr seltsamen
blickte Hester ihnen nach, bis
Hester einen anderen Pinsel in die rote Farbe. Sie wirkte wie
frisches Blut auf dem braunen
Holz. Bedchtig fuhr er fort,
Farbe auf das Pergament aufzutragen.
Der Reiter war ebenso erschpft und hungrig wie das Pferd.
Er hing, von seinem dunklen Mantel bedeckt, schwer in den
Steigbgeln. Er nherte sich von Norden der Stadt, und nur
seine flinken Augen bewiesen, da er nicht eingeschlafen war.
Gerusche zu hren, das reifbedeckte Gras dmpfte die Huf-
schlge, und der Umhang verhinderte das Klirren der Waffen.
Ein runder Schild bedeckte den Rcken des schlanken Man-
nes, der einen einfachen Helm trug. Vor den Nstern des
Pferdes und dem Mund des Reiters stiegen weie Atemwol-
Eine Hand im schmutzigen schwarzen Handschuh klopfte
Vor dem Reiter lag wie ein riesiges totes Tier die Stadt. Die
Mauern ragten dunkel und scheinbar unbezwingbar auf. Der
Er lenkte das Pferd nach rechts, und schon ghnte vor ihm
der offene Bogen eines zerstrten Tores. Der Reiter zog sein
stie er einen Zischlaut aus, gab dem mden Tier die Sporen
und sprengte in einem holprigen Galopp durch das Tor. Die
Hufschlge klapperten unertrgli
ch laut auf dem Pflaster, die
Echos hallten von den unbelebten Husern wider. Riesige
Schatten bewegten sich. Das Mondlicht funkelte auf der
Schneide des Schwertes. Aber auf seinem Weg durch einen
kleinen Teil der Nordstadt sah der Reiter keinen Caer, der ihn
Ein einzelnes Licht tauchte vor ihm auf.
keuchend wie lchrige Blaseblge. Das Licht lie das Schild
einer Taverne erkennen. Ein baumelndes Fa, das sich in ros-
Kurz vor der Eingangstr zgelte der Reiter das Pferd,
sprang mit einem Satz aus dem Sattel und zerrte das Tier in
eine Hofeinfahrt. Mit drei, vier Stzen war er an der Tr und
sphte ins Innere. Dort waren der Wirt, zwei alte Mgde, drei
Caer, die vor vollen Bechern saen. Ein mchtiges Feuer loder-
Sie sitzen im Warmen, brummte der Reiter, schlug seinen
Mantel weit ber die Schultern
zurck und hantierte an sei-
nem Grtel. Er schlo die Augen, murmelte einen Fluch oder
eine Anrufung, spannte seine Muskeln und stie die Tr auf.
Die Caer sprangen auf und griffen nach den Schwertern.
Der Eindringling bewegte sich pltzlich mit unbegreiflicher
Schnelligkeit. Als ein Krug auf ihn zuflog, senkte er den hoch
erhobenen Arm. Ein Dolch pfiff durch den Rauch der Wirts-
stube und bohrte sich in den Ha
ls eines Caer. Zwei Schritte
brachten den Krieger in die Mitte des Raumes. Sein Schwert
schlug nach rechts und traf mit der Breitseite einen Caer an
der Stirn. Der Soldat brach b
er einem Tisch zusammen, aber
noch ehe er den Boden berhrte, parierte der Eindringling den
ersten Schwerthieb mit seiner
Klinge. Der Wirt sprang zurck,
die Mgde stieen helle Schreie aus. Viermal kreuzten die bei-
den Mnner die klirrenden Klingen in der Enge der niedrigen
Gaststube. Eine Magd rannte
zur Tr und schlo sie, lehnte
sich mit der Schulter dagegen. Dann unterlief der Eindringling
einen Hieb, lenkte das Schwert ab und ri mit der freien Hand
den Dolch aus dem Grtel des Soldaten. Der Caer starb mit
einem langgezogenen chzen.
Der Kmpfer lie die blutige Klinge sinken und fragte: Be-
Der Wirt hob einen Leuchter hoch und kam mit der Hand
hinter seinem Rcken hervor. Sie hielt ein langes Kchenmes-
Sie plnderten die Caer aus. Stiefel und smtliche Waffen,
Geisterhand. Der Fremde brachte das Pferd heran, und die
Mnner luden die toten und bewutlosen Krper auf den R-
Dann fuhr der Krieger herum und sagte mit einer Stimme,
brauche ein Nachtlager und ei
nen Platz fr das Pferd. Die
Der Schein der Kerze fiel in das unrasierte, schmutzige
ausgezehrte Gesicht des jungen
Mannes. Pltzlich grinste der
Wirt breit und sagte voll abgrundtiefer Erleichterung:
Die Knigin wartet schon auf dich!
Nicht vergeblich, wie ich be
weisen konnte. Schnell! Einen
Schon reichte ihm eine Magd einen Becher mit Wein. Dhor-
kan strzte ihn in drei Zgen hinunter, rlpste laut und hob
die Hand. Wir werden spter Erzhlungen austauschen.
Denkt an mein Pferd!
Augenblicke spter verhallten die Hufschlge des schwerbe-
ladenen Tieres in der Dunkelhe
it. Nur der Schatten wanderte
noch ber die Hauswnde. Der Mond spiegelte sich in den
Die Menschen, die sich innerh
Caer wie Nyrngorer, fieberten
entgegen. Sie wuten kaum, was
geschehen wrde. Aber sie
res Leben bestimmend sein wrde.
Am Tag war der Caer-Priester zusammen mit Hester im
Knigin durch die Stadt ge-
fahren. Elivaras Rappen hatten den Wagen gezogen. Caer stie-
en in Fanfaren, und andere Ca
Um Mitternacht mu jeder Bewohner Nyrngors an der Stele
vor den magischen Zeichen
Immer wieder hatte Hester sein
Elivara durch die Stadt. Der Anfhrer ihrer Leibgarde trug
Rstung und Waffen eines Caer. Sie bewegte sich
in der Maske
der schwachsinnigen Greisin. Na
ch vielen Umwegen, stndig
von der Gefahr der Entdeckung bedroht, erreichten sie das
leere Haus des Kauffahrers. Schon von weitem hatten sie Lich-
ter gesehen und das Lrmen gehrt. Die Stele vor dem Schlo
Schweigend stand Dhorkan auf der kleinen Terrasse, die
Hand am Schwertgriff. Er starrte das verwirrende Bild an.
Nicht die Caer, sondern Drudins Dmonenpriester sind die
wird ein merkwrdiges Fest werden.
Inzwischen waren sie mehr al
s zwanzig Verschworene. Fnf
Rstungen und Waffen. Noch immer ruhte die Rstung Knig
Wenn nur Mythor hier wre!
dachte die Knigin niederge-
Die Arbeiter waren bis auf we
nige Ausnahmen vertrieben
worden, obwohl die Stele noch nicht richtig verankert war.
Auf einem Sockel von fnf aufeinanderfolgenden Steinen, ei-
ner kleiner als der nchsttiefere, erhob sich eine fnf Manns-
lngen groe Sule aus schwarzem Stein. Dunkelrot waren die
Reliefs ausgelegt. Es handelte
sich um Fratzen und verzerrte
Kpfe, um Schattenwesen, magische Zahlen und Schriftzei-
chen, die jeden Teil der Sule bedeckten. Von diesem schwar-
zen Obelisken ging eine stumme Drohung aus, als sei er mit
Einige Nyrngorer schlugen Pflcke in den Boden und befes-
Doppelwachen marschierten auf dem Platz hin und her. Sie
kontrollierten auch die Rnder des Platzes,
dort, wo die ersten
Huser standen. Viele Fackeln
und lodernde Feuer in groen
Schalen zogen sich in einer Doppelreihe vom Tor bis zum
Dhorkan lachte heiser. Es werden jeden Tag ein paar weni-
ger. Sie verschwinden einfach,
schnell gefhrt werden. Eben-
so der Rckzug.
ne ungewhnlich groe Menge von Tieren rund um das
Schlo sehen lie. Streunende Hunde, Gruppen von riesigen
Ratten, Vgel auf den Giebeln der Huser und Katzen, deren
Augen im Mondlicht funkelten wie Edelsteine, und einige
groe Vgel, die man undeutlich erkannte, wenn sie das Licht
der Sterne verdeckten oder vo
r dem Mond vorbeischwebten.
Verstehst du das? fragte Elivara nach einer Weile. In ihrem
Versteck im Keller der Taverne
hatten sie bereits ber diesen
Nein. Noch immer nicht, gestand Dhorkan. Er huschte zu-
schirmte sie mit einer Tischplatte ab. Dann legte er den Bogen
so nahe an der Sule wie mglich, harrten die anderen Rebel-
m undeutliche Bewegung in die
Szenerie. Ohne da es die Caer merkten, verschwanden die
ge Reihen, die sich im rechten
und linken Winkel des Schlo-
tors versteckt in den
Hof hineinbewegten. Ein paar Katzen
folgten lautlos. Die Hunde blieben stehen und spitzten die Oh-
der Krieger hob die Schultern.
Die Vgel verlieen wie auf ein einziges Kommando ihre
Pltze, flogen auf und sammelten sich zu mehreren Schwr-
men. Dann rauschte es pltz
lich ber dem Platz, und die
Schwrme verformten sich zu trichterartigen Schluchen. Die
Elivara stie einen Laut der berraschung aus. Hester!
sagte sie aufgeregt. Ich dachte
nicht daran! Er versteht es, Tie-
re zu beeinflussen!
Ein paar Caer waren stehengeblieben und starrten nach o-
ben. Sie sahen nicht genug, um
Alarm zu schlagen. Und schon
waren die meisten Vgel versch
wunden. Nur noch einige rie-
sige, weikpfige Geier strzten sich von oben in den Hof des
Dein Bruder lockt diese Tiere alle an? fragte Dhorkan un-
Ich glaube, ja. Aber es kann natrlich auch sein, da der
Einige Augenblicke hatten gengt, und inzwischen waren
unbemerkt die unzhligen Katzen verschwunden. Einige ge-
drungene Schatten rasten durch das Tor. Dies waren keine
Katzen mehr. Oder es waren riesige Wildkatzen oder Lynxe,
die aus den Wldern der Wildlnder hierhergekommen sein
muten. Zu welchem Zweck? Wer hatte sie gerufen?
Fordmore schien Panik um sich zu greifen. Schritte ertnten,
schrille Schreie und kurze Flche erschallten
und dem Hof. Waffen klirrten, Tren schlugen zu, Pferde wie-
herten, als stnden die Stallungen in Flammen. Mbelstcke
fielen um, ein sich berschlagender Krper brach durch ein
miauten und fauchten, Hunde klfften, knurrten und jaulten.
Sie waren es, von denen die Caer-Wachen angegriffen wur-
den. Einzelne Soldaten wlzten sich, von Rudeln schnappen-
der Hunde frmlich bedeckt, auf dem Boden. Vgel zwitscher-
ten, kreischten und schrien. Fackeln bewegten sich hinter den
Fenstern hin und her. Es begann, nach versengten Federn und
bis ans Ohr und scho den Pfeil schrg hinauf zum Mond.
Surrend, mit hellen Flammen und weiem Rauch, beschrieb
der Pfeil seine Bahn. Der Arbeiter, der vor Stunden in die Fu-
gen unter dem Sulenfundament l statt Wasser gegossen hat-
te, war lngst wieder verschwunden. Dhorkans zweiter Pfeil
jaulte in flacher Flugbahn ber den Platz, an zwei Caer und
meinen Lrm und Chaos am Fu der Stele. Der Ball aus Stoff
und Harz tauchte flammend ins l
nach beiden Seiten aus. Einen Atemzug spter brannte es hell
und lodernd am Sockel des Obelisken. Der Signalpfeil erlosch.
Der Lrm im Inneren des Geb
udes nahm zu. Kreischende
ner hervor. Sie rannten im Zickzack zwischen den Caer hin-
durch, die mit den Hunden kmpften. Einige
Soldaten verblu-
Einer von ihnen schwang ein
Mnner an den Seiten des Stokeils schwangen blitzende
Schwerter. Der berfall erfolgte in uerster Lautlosigkeit und
Der Wurfanker flog durch die Luft
. Er wickelte sich in halber
Hhe um die Stele, rutschte ab und wurde zurckgezogen.
Eine zweite Schlinge entrollte sich, das erste Seil traf den Obe-
lisken zwei Mannslngen weiter oben. Die Widerhaken des
Ankers griffen in das Seil. Zwei
Caer rannten auf die Rebellen
zu, die sich bereits langsam zurckzogen. Da die Hlfte von
ihnen Caer-Ausrstungen trug, wurden die Wachtposten un-
sicher, und dieses Zaudern brachte ihnen den Tod.
Zehn Mnner schoben die Schwerter in die Scheiden, warfen
die Schilde auf den Rcken und h
ngten sich ans Seil. Als sich
das Seil straffte, als auch das zweite Tau Halt gefunden hatte,
erreichte der chaotische Lrm au
s dem Schlo einen vorlufi-
gen Hhepunkt.
Inzwischen hatten sich, den Befehlen folgend, viele Nyrngo-
rer eingefunden. Sie fllten die Gassen und die Rume zwi-
schen den Husern aus und starrten wie gelhmt auf das
Ein Ruck ging durch das Seil, die Stele bebte; Staub und
Steinsplitter lsten sich vom Fundament. Die Menge stie ein
langgezogenes Sthnen aus, das
in das allgemeine Kreischen
Aus dem Tor strzte eine Gruppe von Caer. In ihrer Mitte
befand sich Feithearn, erkenntlich an seinem Mantel und dem
grlichen Knochenhelm. Die Masse der
kannte ihn sofort. Auch er sah,
da sich zwei gestraffte Seile
von der Stele zu den zerrenden und ziehenden Mnnern
spannten. Aber keiner der Caer
griff ein. Sie hatten genug mit
Vgel flatterten um ihre Kpfe, hackten in die Haut und in
die Augen und rissen an den H
aaren. Katzen sprangen an den
Gewndern hoch, krallten sich in den Stoff, und ihre Krallen
rissen tiefe Furchen in die Hnde und die Gesichter der Caer.
Hunde verbissen sich zugleich mit den Ratten in die Beine und
Schwingen heran und hackte nach Feithearns Knochenhelm.
berall waren Ratten. Sie drngten sich zwischen die Hunde
und Katzen und bissen, wo immer sich ihnen ein Fleckchen
Eine riesige Menge von Caer und Nyrngorern drngte sich
aus dem Tor. Sie flohen vor dem
Angriff der Tiere. Die Caer
schlugen wild um sich, rissen die Tiere von ihren Mnteln und
Rstungen, wehrten sich mit
Dolchen und wtenden Schl-
gen. Diener und Dienerinnen rannten aus Schlo Fordmore
hinaus und verschwanden in alle Richtungen. Die Dunkelheit
Die Tiere strzten sich auf a
lle Mnner, die Caer-Rstungen
egen lieen sie ungeschoren.
Dann ri der Strom der Flchtenden ab. Ein einzelner Mann
rannte mit schlenkernden Schritten aus dem Tor. Er trug einen
Dhorkan zielte auf den Dmonenpriester. Aber immer
der schoben sich groe Vogel und andere Caer zwischen den
zen mit lohfarbenem Fell und ei
n kleines Rudel Lynxe schirm-
ten ihn ab. Niemand konnte zu ihm gelangen, ohne zwei
Die Stele wankte! Sie neigte sich von der Schlomauer weg,
pendelte zurck, wurde wieder nach vorn gezerrt und schien
einen langen Moment unbeweglic
h in der Schwebe zu verhar-
ren. Dann fiel sie. Die Rebellen lieen die Stricke fahren und
rannten davon. Vor ihnen ffneten sich in den Reihen der
Die Dmonenstele Feithearns schlug mit einem Gerusch,
das die Grundmauern des Schlosses erbeben lie, auf das
in kreidebleicher Helligkeit auf. Sie fuhren zwischen der
Als die Stele den Boden berhrte, flammte sie in unirdischer
Glut auf. Ein ungeheurer Blitz scho senkrecht hinauf, vers-
telte sich tausendfach und erzeugte einen Donnerschlag, der
berall flammten Blitze, schmo
rten die Steine, kochte die
Erde. Hitzewellen schlugen von den Trmmern des Obelisken
nach allen Seiten. Die Krper der toten Caer wurden in die
benden wurden von der Helligkeit, dem Lrm, der lauter als
der Donner des Sommergewitters war, den Flammen und dem
verglhenden Pflaster und dem Erdreich darunter in Angst
Erscheinung nher waren, wie Puppen zu Boden geschleudert.
Elivara klammerte sich an Dhor
kan. Der scho seinen Pfeil
ab, aber er traf nicht Feithearn
, sondern blieb im Schild eines
Hester! Sieh an, was er tut! schrie Elivara auf.
Ihr Bruder, der in diesem Mo
Blitzen und Feuern und beschtzt von dem Ring aus wten-
nicht mehr unbeholfen und schwachsinnig. Er war zu weit
entfernt, als da Elivara seinen Gesichtsausdruck erkennen
konnte. Aber sie sah, da er zielbewut handelte. Seine Bewe-
gungen waren nicht mehr die eines hilflosen Jungen. Wie er so
dahinlief, mitten unter seinen Tieren, strahlte er eine Form von
Er rannte, umgeben von Tausen
den Vgeln, Ratten, Katzen,
Hunden und irgendwelchen ande
ren Tieren, in nordstliche
Richtung. Auch dort gab es kein
e geschlossenen Stadttore. Die
Tiere folgte ihm in langen Stzen am Boden und in der Luft.
Dann hallte Feithearns Stimme, die sich vor Wut und Ent-
tuschung berschlug, von den Mauern wider. Er stand neben
den erloschenen Trmmern de
Drudin und meinen Dmon gestellt! Jeder einzelne von euch,
ja, auch ihr, Soldaten, wird me
inen Zorn zu spren bekom-
Schweigend griff Dhorkan in den Kcher und whlte einen
Pfeil mit besonders scharf geschliffener Spitze.
Die Stele wird wieder aufger
fangen und bestrafen. Un
d keiner von euch wird
es wagen,
Dhorkan zielte, lie die Sehne los und verfolgte den blitz-
schnellen Flug des Geschosses. Der Pfeil fauchte eine Elle von
in die Schulter des Caer, der direkt neben dem Priester stand.
Wir mssen weg. Sie werden
sagte Dhorkan und legte seine Hand auf Elivaras Schulter.
Sie lschten die Kerze, verlieen das Haus und liefen, so
schnell sie konnten, vor der Menge der zurckflutenden
Nyrngorer durch die Gassen. Sie e
rreichten die Schenke, in der
bereitgestellt, denn auch der Wi
rt war beim Schlo gewesen.
Sceythe, sagte Elivara, dies war der Name des Mitver-
schwrers, hat es richtig gema
cht. Der wichtigste Treffpunkt
und das sicherste Versteck sind hier, wo tagtglich die Caer-
Noch sind wir sicher. Aber nach dieser Nacht, meinte
Dhorkan und war ebenso wie Elivara nur mit Schwierigkeiten
in der Lage, das zu verarbeiten,
was sie eben erlebt hatten,
hat es niemand in der Stadt le
icht. Abgesehen davon, da der
Hier ist heier Wein mit Gewrzen, sagte die zahnlose Al-
te und stellte einen Krug mi
t zwei Bechern vor Elivara und
ein Caer zechte mit einer alten Frau. Dhorkan fhlte, wie der
heie, se Wein, vom Magen ausgehend, seinen Krper bin-
nen weniger Atemzge wohlig erwrmte.
Eines Tages werden wir alles begreifen. Was wir sehen,
sind nur einzelne Zeichen, Knigin, meinte der junge Mann.
Zweifel hatten ihn in den verg
angenen Tagen geplagt. Er
hatte versucht, das berleben der Flchtlinge zu organisieren,
und dann, von einem Augenblick zum anderen, entschlo er
sich, in die Stadt zurckzukehren. Zumindest sich der Stadt zu
gesehen, wie er Mauerbrocken auf die Caer geschleudert hatte.
Trunkene Seemann & Mastbruch
war vor dem Fall der
sich die Rebellen zurckziehen
konnten. Sceythe wrde eher
sterben, als Verrat zu begehen. Das war so sicher wie die Tat-
Dhorkan lie sich nachschenken und fuhr fort: Feithearn
hat vor den Augen der ganzen Stadt bewiesen, da sein Zau-
ber nicht allmchtig ist. Tiere haben seine Wachen fast umge-
bracht. Und ich sage dir, Kni
farbenen Augen, da wir noch
ganz andere Dinge erleben
zwischen glaube ich auch an meine Trume. Vieles von dem,
was wir erleben, hat mit Mythor zu tun, dem Sohn des Kome-
Sie blickte ihm lange ins Gesich
t. Dann seufzte sie und sagte
langsam: Ich glaube, du hast
recht. Nyrngor aber wird nie-
Was zerstrt ist, kann aufgebaut werden. Eines Tages wer-
den die Caer nicht mehr die Herrscher sein. Beide sind wir
Die Rnder der Becher gaben ein dumpfes Gerusch, als
Dhorkan und Elivara auf diese Hoffnung anstieen. Dann flog
Dhorkan hob beide Hnde und sagte, noch ehe der Freund
seine Neuigkeit heraussprudeln konnte: Wir haben alles ge-
sehen! Und auch wir haben keine Erklrungen. Wir sind nur
geplnderten Stadt verndert. Di
e nchste Zeit wrde zeigen,
Der Morgen versprach einen herrlichen, wenn auch kalten
Die Sonne strahlte herunter. Ihre Wrme lste den Rauhreif
auf, der wie weier Zierat auf Grsern, sten und Stmmen
lag. Am strahlend blauen Himmel
zeigte sich nicht ein Wlk-
chen. Nur weit in der Ferne, im Norden, zogen sich dnne
Rauchfden in die unbewegte Luft und zerfaserten erst in gro-
Ich wnschte, wir htten Pferde! sagte Mythor und hielt
auf der Kuppe des Hgels an.
Jeder Weg ist mhsam, wenn
man ihn zu Fu zurcklegen mu.
Der Helm der Gerechten bestimmte den Weg, seit sie am
Die vier Freunde waren ausgeschlafen, ihre Pelze und Fell-
mntel waren trocken. Nottr trug zustzlich zu den
Vorrten noch ein paar Bratenst
cke des Oinkenporkers auf
dem Rcken. Mythor hatte den Helm der Gerechten aufge-
Eigentlich sollte es mich nach
Nyrngor ziehen, sagte er lei-
g in groe Gefahr bringen.
Steinmann Sadagar fgte hinzu:
Coerl OMarn und seine E-
litesoldaten sind nicht mehr hier. Ich denke, Feithearn wird
Stadt aufgeschwungen haben.
lathee. Elivara wird viel Glck
groen Vogelschwarm, der sdst
lich von Nyrngor in dieselbe
Richtung flog. Die Tiere kreisten
ber einem Punkt und flogen
wieder weiter. Hoch in der Luft
zogen riesige Greifvgel ihre
Mythor dachte wieder an
das Einhorn, den Schneefalken
und den Bitterwolf, der, jener Legende entsprechend, geheult
haben sollte, als man ihn als Fnfjhrigen fand. Der Helm
wrde ihn zu den Tieren fhren, aber voller Mitrauen ahnte
Mythor, da es kein direkter
Wohin zieht dich dein Helm? fragte Nottr.
Dorthin, wohin es auch die Vgel treibt, sagte Mythor.
wurde eine Art Zug, der aus vielen kleinen Tieren bestand. Sie
kamen zwischen den niedrigen
Hgeln und den Feldern her-
Bahn, die sich in die Richtung
bewegte, die auch Mythor ein-
zuschlagen gedachte. Die Wanderer erkannten Hunde aller
Gren und Rassen, eintrchtig zwischen Ratten und Katzen.
Das ist eine berraschung! murmelte Sadagar. Eine Ka-
Keine Ahnung, brummte Nottr. Hunde, Katzen und V-
gel ein verrcktes Land!
Mythor winkte und machte sich hgelab auf den Weg. Sada-
gar folgte ihm, Nottr packte den Arm Kalathees und zog sie
mit sich. Je nher sie dem Zug kamen, desto grer wurde die
Menge der Tiere. Ein lebender Teppich wimmelte und krab-
belte ber das weglose Gelnde, den fernen Waldstcken ent-
Und dann blieb Mythor berrascht stehen. Diese Gestalt
kenne ich, sagte er verblfft.
Es mu der Bruder Elivaras
ne der Tiere war ein kreisfrmiger Platz frei gelassen. Mitten
darin ging Hester, in einen weite
n Mantel gehllt. Er hatte gar
nichts mehr an sich von dem hilflos lallenden Jungen, der sei-
nen eigenen ungeschlachten Krper nicht beherrschte. Diese
unzhligen Tiere schienen nicht nu
r seine Begleiter zu sein, sie
waren Wchter und Eskorte zugleich.
einige von ihnen weitab des Hauptstroms. Die Vgel schwirr-
ten nach allen Seiten davon und kehrten dann wieder zu dem
kugelfrmigen Schwarm zurck, der sich ber Hester ausbrei-
hin alles, was sich in weitestem Umkreis bewegte.
tigte Nottr voller Verwunderung
. Wohin ziehen ihn die Tie-
Du solltest dich besser frag
en, wohin er sie fhrt, schrnk-
te der Steinmann ein. Vielleicht
Mythor dachte mit leisem Schrecken daran, was Elivara ihm
einmal erzhlt hatte. Hesters Fhigkeit, mit Tieren umzugehen
und sie nach seinem Willen zu
beeinflussen, kannte jedermann
in Schlo Fordmore. Hier war der Beweis dafr.
Hester war zweifellos aus Nyrngor geflohen, denn Feithearn
htte ihn nicht freiwillig ziehen lassen. Das wiederum lie
vermuten, da ihn der Priester
mit seinen Caer-Soldaten ver-
folgen wrde. Schon wieder hatte sich die Lage gefhrlich zu-
gespitzt. Mythor mute die Vernderung bercksichtigen.
Ich suche drei Tiere, stie er hervor. Hester beherrscht
Tiere. Ich glaube, wir beide suchen dasselbe.
Dann bleibt uns nichts anderes brig, brummte Nottr
mimutig, den die Aussicht auf eine beschwerliche Wande-
rung keineswegs freute, als ihn zu verfolgen. Und die vielen
Rund fnf Bogenschsse weit
Strom der Tiere entfernt. Der Zug war zu Ende, als sich My-
Zwei groe Katzen beschlossen die Versammlung der
schweigenden Tiere. Sichernd drehten sie ihre Kpfe nach al-
len Seiten. Falls sie Mythor und
seine Gruppe sahen, schienen
sie ihn nicht als Gefahr fr Hester anzusehen. Die Wanderer
hatten noch keine Mhe, den Tieren zu folgen.
Es war ein einmaliger Anblick.
Der Zug der Tiere war scht-
zungsweise hundert Mannsgren lang und vier Mannsgr-
en breit. Die Rcken der meisten Tiere waren dunkel, und so
Der freie Kreis inmitten der Ti
ere wanderte sozusagen mit.
Er vernderte seinen Durchmesser niemals. Mit knappen, her-
rischen Gesten jagte Hester eine
n Hund in jene Richtung, lie
von den groen Katzen ein Gebsch durchsuchen, schien mit
den kleineren Vgeln zu sprechen
, die ab und zu sein Gesicht
umschwirrten.
Vielleicht,
dachte Mythor, der nicht wute, was er davon
halten hatte,
Dann nmlich war er Mythors Feind. Oder zumindest sein
Konkurrent. Mit Hilfe der Tiere konnte er Mythor mhelos
Am spten Nachmittag lsten sich pltzlich einige Dutzend
aber keine sinnlose Eile. Sie stiegen hoch und flatterten dann
auf Mythor und seine Freunde
modernden Baumstamm und aen von ihren Vorrten.
Da! Vgel, sagte Nottr unwillig. Die Narbe ber seinen
Ich sehe sie, gab Mythor zurck. La den Bogen, Nottr!
Die Vgel schwirrten hin und he
r, nherten sich der Gruppe
und umflogen sie von allen Seiten. Sie stiegen
hoch und fielen
sie lautlos und scharf die vier Personen in ihren schweren Pel-
Einer der greren Vgel flog davon und kam nicht mehr
zurck, zwei andere folgten.
Dann nherte sich langsam einer
der Geier und flog in vier, fn
f Mannshhen Entfernung dicht
ber dem Boden um die Wande
rer herum und strich dann
Sie beobachten uns! flsterte Kalathee und drngte sich in
Mythors Nhe.
bemerkt, da wir ihm folgen.
Wenn seine Spher ihm berichten, da wir hier gemtlich
Bratenstcke verzehren, wird er erkennen, da wir den glei-
chen Weg zu haben scheinen. Mehr
nicht, stellte Mythor rich-
tig. Aber trotzdem lie er kein
Vogel, ein groes Exemplar mi
t schwarzem, glnzendem Ge-
Vielleicht sagen ihm die Vgel, wer wir sind. Er hat uns
hufig gesehen, als wir im Schlo wohnten, sagte die junge
Was immer die Vgel dem seltsamen Herrscher der
Vorhaben abbringen. Der breite
Strom seines tierischen Heeres
wanderte mit ihm weiter und verschwand in der graugrnen
Bis zum Sonnenuntergang folgten Mythor und seine Freunde
gend Mondlicht gab, gingen sie langsam weiter. Die Spur war
deutlich, der Weg war nicht zu verfehlen.
Was wir in der Nacht nicht
schaffen, holen wir morgen
auf, meinte Mythor.
Wie lange werden wir ihm wohl folgen mssen? fragte
Kalathee. Hier zwischen den Stmmen der Laub- und Nadel-
gewchse war es windstill und
weitaus weniger kalt als auf
Es werden wohl einige Tage
werden, meinte Nottr. Hof-
Das Land ist leer. Niemand
wohnt hier, fate Sadagar sei-
Du hast recht, untersttzte
fest damit, da Nottrs Pfeile oder deine Wurfmesser uns wie-
der einen Braten beschaffen. Brennholz gibt es wohl genug.
weite Flchen unberhrter Landschaft. Dahinter folgte ein
niedriger Wald; ein paar Bachlufe wanden sich durch verwil-
derte Einde, und abermals tauchten die traurigen Bume auf,
die auf einzelnen Sumpfinseln wuchsen. Es gab keinen Pfad,
aber die Tierkarawane hatte ihre Spur auch hier hinterlassen.
Die Vgel und die Spher haben den richtigen Weg gefun-
den, meinte Mythor. So ist Hester durch den Sumpf ge-
kommen, ohne einzusinken.
Und so kommen wir ebenso le
icht durch den Sumpf aber
Ich glaube, das wissen nicht
einmal Hesters Sphervgel,
knurrte Nottr.
Sie folgten den Tieren insgesamt zweieinhalb Tage lang, Tag
und Nacht, durch fast jede Ar
t von Landschaft. Der Weg fhr-
te nicht geradeaus, sondern folgte den leichtesten Abschnitten
des Gelndes. Zahllose Hindernisse hatten sich den Tieren
und Hester in den Weg gestellt, sie waren umgangen oder -
berwunden worden. Das also waren die Wildlnder von Dan-
damar unbewohnt, reich an
Wald und, den Abdrcken in
den wenigen durchgehenden Schn
Und dann, zwischen Mittag und Abend, als Nebel die blut-
rote Sonnenscheibe zu verhllen begann, verbreiterten sich die
Spuren der Tierarmee nach rechts und links. Vor den Augen
Mythor nahm alle Einzelheiten des Tales, das unter ihm lag,
voller Spannung in sich auf.
Vor ihm und seinen Freunden,
die ebenso staunend dastan-
den, erstreckte sich ein Wall von dornigen Ranken, ineinander
verhakten Zweigen, von Gestrpp und kleinen Bumen, die
ihre harten ste abwehrend nach allen Seiten spreizten, von
seltsamen, laublosen Pflanzen, die aussahen, als seien sie
zeln mit Knoten darin, faulendes Laub, lange Eiszapfen und
jede andere Art von natrlich gewachsenen Hindernissen bil-
gesamte Tal.
schen den trockenen Zweigen die Reste von Gemuer. Es war
uralt und mehr als nur zerbrckelt. Moos wuchs auf den Qua-
Siehst du, was ich sehe? wandte sich Mythor nachdenklich
an Steinmann Sadagar.
Ich sehe genau dasselbe. Dieses Tal war vor langer Zeit von
einem stattlichen Wall umgeben.
Das spitze Gesicht Sadagars schaute unrasiert, schmutzig
und bernchtigt aus den verfil
zten Haaren der Fellkapuze
Richtig. Und inzwischen ist
nicht nur Gras darber ge-
marsch. Der Wall hinter den Pflanzen war stellenweise stark
gab es an vielen Abschnitten
der annhernd kreisfrmigen Anlage.
Irgendwie pat die alte Mauer zur Elvenbrcke, knurrte
Nottr. Als er seinen Arm um Ka
lathee legen wollte, rckte sie
riesiger Gewchse, die wie
exotische Pilze aussahen, wenigst
ens von hier oben aus. Drei-
ig oder fnfzig Mannslngen ging es, meist senkrecht, zum
In der Mitte des Tales, halb
verborgen und berwuchert, er-
hoben sich andere Ruinen. Einst schien das Gemuer eine gro-
eingebrochen; die Rundung wirkte wie die Schale eines zer-
Pltzlich sagte Nottr voller Aufregung: Das mu es sein!
Mythor fuhr herum und starrte ihn an. Was willst du sagen,
Es gibt Legenden und Sagen. Eine Rckenschwester wute
davon. Das mu das verwunschene Tal sein.
Das verwunschene Tal also w
ar das Ziel von Hester, mein-
Wahr gesprochen, Sattelbruder, grinste Sadagar. Hier ha-
ben wir die Spuren. Einige de
r Hunde liegen sicher mit zer-
Als erzhle er eine uralte Sage, brummte der Lorvaner: Im
verwunschenen Tal, das stlich von Xanadas Lichtburg zu
finden ist, soll vor ewigen Zeiten
trolle gehaust haben. Abgeschieden von dem Rest der Welt
Legenden. Aber dann holten di
e eigenen Mrchen die Knigs-
Nicht einmal die verblichene Fahrna! besttigte Sadagar
Einige Bume, inzwischen im Schutz des Hanges zu wahren
Baumriesen herangewachsen, hatte
n ihre Wurzeln in die Stei-
von hier halsbrecherisch, und trotzdem hatten es die Tiere und
Was sagt der Helm der Gerech
ten? fragte Kalathee nach-
Er flstert, antwortete Mythor ohne Zgern, da sich die
sagenhaften Tiere, die ich suche, dort unten verstecken. Es
Wollt ihr mir helfen?
sen auf. Der Abstieg ist weniger schlimm als der lange Weg
Noch zgerten sie, aber es blieb ihnen wohl keine andere
Wahl. Hochnebel zog auf; auf der anderen Seite des Tales sa-
hen sie schon nicht mehr deutlich das Gestrpp und den Mau-
errest. Die Sonne, eine dunkelrote Scheibe im Nebel, wrde
bald untergegangen sein. Sie durften nicht mehr lnger z-
schwert. Er schlug dort, wo die Spuren der Tiere zu erkennen
waren, einige Ranken und ste ab. Auch Mythor hieb mit dem
Glsernen Schwert eine schmale Gasse an einer Stelle, an der
der Abstieg leichter zu bewltigen schien.
Die Wildlnder, die auf ihren Zgen weit bis in den Westen
vordringen, meiden das Land nahe dem verwunschenen Tal.
Sie werden uns nicht angreifen, weil sie nicht hierherkom-
Sie zerrten die ste und zerschnittenen Ranken zur Seite.
Dann sprang Mythor vorwrts und kmpfte sich durch den
schmalen Durchla hindurch. Unter seinen Tritten zerfielen
die Ziegel und das Fllmaterial.
Er rutschte aus, sttzte sich
auf das Schwert und kam an di
e Kante des Absturzes. Aus
einem Baumwipfel, der sich ann
hernd in gleicher Hhe wie
Mythor befand, flogen einige faustgroe dunkle Gegenstnde.
Sie schlugen wie Steine in das
Rankenwerk ein, und zwischen
Die Knigstrolle! schrie No
ttr. Sie werfen mit Nadel-
baumzapfen und trockenen Frchten.
Unsinn! gab Sadagar zurck
und hielt Kalathees Hand. Im
Bereich der Pflanzen und ste
leicht. Aber schon trat der nack
te Fels zutage, in dessen Spal-
Achtung! Die Knigstrolle haben sicher berall Fallen hin-
Dann mten auch die Tiere und Hester in die Falle ge-
Abstiegs. Katzenkrallen und Rattenzhne hatten die Rinde von
den sten und das Moos vom Gestein abgekratzt. Er folgte
Schritt um Schritt diesem Weg, griff in Felsritzen und stellte
die Fe auf die Wurzeln.
Eines der seltsamen Geschosse traf seinen Helm und erzeug-
te ein platschendes Gerusch. Es konnte durchaus so sein, da
die unsichtbar hinter den benadelten Zweigen verborgenen
Geschpfe die spten Nachkomme
n der Knigstrolle waren,
ch ein Stein aus der Wand.
Staub rieselte ihm in die Augen und auf die Schultern. Der
hin und her, an einer Hand hngend. Krachend berschlug
brechenden Zweigen und polter-
Mythor klammerte sich an eine Wurzel und rief nach oben:
Schon gemerkt.
Hester, so berlegte Mythor, besa nur ein Auge und
hatte
sicherlich Schwierigkeiten, die richtigen Handgriffe whrend
er mitsamt seiner seltsamen Begl
eitung heil unten im Talkessel
angekommen zu sein. Die Wurzeln knirschten, feine Wurzel-
hrchen lsten sich aus den Fu
gen im Mauerrest und im Fels-
gestein. Kurz nachdem Mythor ein Stck Fels berwunden
hatte, krachte es direkt ber seinem
Kopf tief im Gestein. Eine
Flche, gro wie eine Tischplat
te, brach auseinander und fiel
aufstubend in einen Hohlraum des Felsens hinein. Htte er
sich dort befunden, wre er in
das Loch gestrzt. Er schttelte
sich und blieb auf einem schmalen Sims, bis Kalathee neben
Es gibt also doch Fallen,
Es wird nicht die einzige
gewesen sein, sagte sie keu-
chend. ber ihr hangelten sich Nottr und Sadagar ab und um-
gingen geschickt die groe ffnung mit den zackigen Rn-
Wieder prasselten trockene Frchte aus den Bumen. Schat-
tenhaft sahen die Eindringlinge kleine tierische Gestalten hin-
schnattern. Mythor blickte ber seine Schulter hinunter in den
Abgrund. Das nchste Stck Fels war nicht so steil. Vorsichtig
machte er sich an den Abstie
g und prfte jeden Griff vorher,
rttelte an den Vorsprngen und
trat auf die Simse. Wie Hes-
Unterhalb der Felsnase lste si
ch ein flaches Stck aus der
Wand; es war falscher Fels gewesen, irgendwie an den natrli-
chen Hang gemauert. Aufplatzen
d sackte die Flche nach un-
Trmmern und tzendem Staub. Es wurde bereits dunkler,
sicht zu vergessen. Einmal brach ein groes Wurzelstck aus
dem Fels, und Mythor hing nur an den Hnden. Er lie sich in
Am Fu des Baumes, der in unnatrlichem Winkel aus dem
Hang wuchs, gab unter Mythors
Stiefeln das Erdreich nach.
Wieder war eine Mauer unter dem Gewicht zusammengebro-
chen. Mythor fiel schwer auf di
e Schultern und rutschte vier
Mannslngen abwrts, zwischen
Dornen, Steinbrocken und
faulendem Laub. Der dicke Pelz
Nicht nur die fehlende Sonne rief diesen Eindruck hervor,
sondern auch die Gewchse un
d die Stimmung nahe dem Bo-
den des Tales. Dunkel, schweigend und bengstigend war al-
les, kein Tier rhrte sich zwi
schen den riesigen Farnblttern,
deren Unterseiten braun und schwarz waren. Noch ein Stck
Mauerwerk, das sich unter den
Schritten auflste, eine freie
Flche, in der sich steinerne Fa
dem Schwert darauf stie, und dann stand er auf dem Boden
des verwunschenen Tales. Irgendwo hinter der dsteren
und glitten neben Mythor in die dmmrige Dunkelheit unter
Ein teuflischer Abstieg, kn
urrte Nottr. Aber kein gebro-
Er wickelte das Tauende wieder um seinen Pelz, aber ehe er
den Knoten schlug, zog er sein
Krummschwert und behielt es
gefrstelt hatten, begannen sie
hier zu schwitzen. Es war
warm und stickig, ein Geruch nach Moder, Fulnis und exoti-
Fallen waren nicht unter den Ratten, Hunden und Katzen ein-
Steinmann Sadagar stolperte zwischen den knotigen Wur-
zeln heran und hob beide Arme.
deiner Begleitung zu zhlen, Mythor, sagte er keuchend und
wischte sich den Schwei von der Stirn. Sein schtteres blon-
Du sagst es. Und es verspricht
noch vergnglicher zu wer-
Sadagar schttelte den Kopf und sah sich um. Grlich!
sagte er. Er drckte genau die Gefhle seiner Freunde aus.
Mythor hob das Schwert und legte die linke Hand um die
Schneide, die in der zunehmenden Dmmerung matt zu leuch-
So oder so, sagte er bedchtig und ging langsam in die
Richtung, in der nach rund tausend Schritten der Rand des
Gemuers auftauchen wrde, e
s wird dunkel. Mglicherwei-
se mssen wir noch auerhalb de
vor, wir nutzen den letzten Rest Licht.
Ist das beste! besttigte
Nottr und fhrte einige blitz-
schnelle Hiebe gegen einen un
wunschenen Tales zu. Pilze zerplatzten unter ihren Tritten
und wirbelten purpurnen Staub in die Hhe. Hin und wieder
raschelten die drren Wedel der Farne ber ihren
ter den Fen federte. Kein Laut war zu hren auer den
Schritten und den Atemzgen. Ab und zu klirrten Waffen o-
der Rstungsteile gegeneinander.
Mythor nahm seinen Helm
ab und hngte ihn an den Grtel. Die vier Eindringlinge er-
Wo war Hester? Und was war in der Ruine wirklich ver-
Feithearn warf die Peitsche zu
Boden und schrie seinen Ge-
Sein Gefangener war nur eine
r von einem Dutzend Nyrngo-
rer, die Feithearn ins Schlo hatte bringen lassen. Hier waren
sie verhrt worden. Feithearn
hatte mit der Peitsche und mit
sthnte, aber er versuchte, ni
chts zu sagen. Sein Heldenmut
war sinnlos. Lngst wute Feithearn alles.
Ich wei nicht, wo Hester is
t. Seine Stimme war von Angst
Mitleidlos fragte der Priester: Aber du hast ihn gesehen. Ihn
Im Hof des Schlosses und berall dort, wo die Soldaten in
gerumten Husern wohnten, auch im Lager am Hafen, sam-
melten sich die Reiter. Schwer
Schar, die sich whrend der Belagerung durch besondere Tap-
ausgeruht waren. Einhundert Mnner waren ausgewhlt wor-
Nordosttor, haben sie gesagt.
Auch Feithearn, noch immer auer sich vor Zorn und Ent-
tuschung, hatte Rstung und Waffen bereitmachen lassen.
Noch schmerzte sein Krper von den Bissen der Tiere. Und
die Sule auf dem Boden aufschlug und das Loch hineinbrann-
Und sie sind zur Stadt hinaus und weg, ber das Land, in
Man hat es mir erzhlt, wimmerte der Gefangene, dreh-
te den Kopf zur Seite und verlor das Bewutsein.
Feithearn stampfte mit dem Fu auf und sagte, mhsam be-
herrscht: Bringt ihn weg! Nein. Werft ihn aus dem Schlo
hinaus! Das wird ihn zu sich
bringen. Wir reiten. Wir haben
schnelle Pferde. Wir werden den Schwachsinnigen bald einge-
holt haben.
Obwohl er Coerl OMarn fast hate, wre es ihm lieber ge-
wesen, den schweigsamen Ritter an
seiner Seite zu haben. Er
er sich in den Sattel und ritt an der Spitze der ersten Gruppe
Vor dem Schlo stie eine zweite Gruppe zu ihnen, an eini-
gen anderen Stellen Nyrngors t
rafen sie auf weitere. Als sie
an. Einhundert Caer-Soldaten und Feithearn galoppierten auf
der breiten Spur dahin, die Hesters Tiere hinterlassen hatten.
Es ging auch viel schneller, al
s Hester die Strecke zurckge-
legt hatte. Es dauerte nicht lange, und dann erreichten die
Caer den Rand des Talkessels. Es war kurz nach Sonnenauf-
Sadagar schttelte Laub und die groen Schuppen der Pilz-
stmme aus seinem Pelz. Sein Ma
gen knurrte, aber er hrte
wach und sagte aufgeregt: Auf die Beine! Die Tiere kom-
Sofort lagen die Schwerter in den Fusten der Mnner. Sada-
gar warf Kalathee einen seiner
zwlf Wurfdolche zu. Dann
standen sie schweigend da und lauschten. Sie hrten tatsch-
Krchzen, das aufgeregte Pfei
fauchende Laute kamen aus der Richtung, in die sie in der
Finsternis nicht mehr hatten vordringen wollen.
Mythor knurrte: Du hast recht.
der Gewchse aus. Jeder Schrit
t wirbelte eine Wolke Sporen
Die Gerusche kamen nher und schwollen an. Aber noch
her auf. Die Aufregung mute
Bewuchs. Auch die Strahlen de
r aufgehenden Sonne, obwohl
sie nicht in den Talgrund fielen,
schufen zustzliche Helligkeit.
Nach einem kurzen Lauf schoben
sich aus dem Unterholz die
Umrisse von mchtigen Quadern, die von Moos bedeckt wa-
ren. Die Polster schillerten in ungesunden, fahlen Farben, und
Die Steine schienen einst von heller Farbe oder gar wei ge-
wesen zu sein. Wo sie offen lagen, zeigten sie noch die sorgfl-
tige Bearbeitung. Aber schon nach einigen Schritten nach
rechts erkannte Mythor einen breiten Ri, der sich nach oben
Rand des Tales trotz der Zers
trungen schon khn und rie-
sengro gewirkt hatte, sah von hier noch grandioser aus. In
seinem Inneren schrien und tobt
en die Tiere. Mythor winkte.
Er hatte die Spur Hesters gesehen und war sicher, da sie zu
einem Eingang fhrte.
Das ist nach dem Wasserfall, der Lichtburg und dem Wolkenhorst
also die vierte Station des Lichtboten!
Aus der zerbrochenen Kuppel,
hoch ber den Kpfen der
vier Fremden, flatterte der riesige Vogelschwarm auf. Tausen-
de von Krpern formierten sich zu einer Wolke. Keines der
ber den Kpfen der Pilze und
der Farne ab und flogen mit
allen Zeichen der Aufregung dorthin, wo sowohl Hester als
scharfe Krmmung beschrieb, blieben die Gefhrten stehen. In
diesem Moment sprangen die Wildkatzen und die Lynxe an
ihnen vorbei und verschwanden
in gewaltigen Stzen zwi-
Wenn nicht auf uns, auf wen
dann? meinte Mythor ver-
Die gesamte Armee des Halbblinden schien an ihnen vorbei-
zuspringen, zu schleichen und zu
trippeln: Ratten, Katzen und
Katzen und die lohfarbenen der Lynxe.
Das kann nur eine Bedeutung haben, sagte Sadagar
Das ist denkbar, murmelte Mythor. Ich glaube, du hast
Mythor und seine Begleiter muten stehenbleiben und war-
ten. Die Tiere strmten an ih
nen vorbei und schienen immer
wtender zu werden. Endlich ri der Strom ab. Eine einzelne
Katze scho an Nottr und Sada
gar vorbei wie ein Blitz. Sie
kreischte auf und raste in Zickzacksprngen zwischen den
Pilzen hindurch. Als sie nicht mehr zu sehen war, tobte dort,
wo der Hang in den Talboden berging, gewaltiger Lrm auf.
Deutlich unterschieden sie laute Kommandos, Waffenklirren
Nottr lachte triumphierend auf und hob das Schwert. Die
Er ri sich den Pelz von den Sc
hultern, warf ihn zu Boden
und rannte davon. Mythor und Sadagar wechselten einen
schweigenden Blick. Mythor berlegte zwei Atemzge lang
und sagte dann: Er hat sicher
recht. Aber wir befinden uns
Trotzdem sollten wir dorthin.
Achte darauf, was Hester tut, falls es dir gelingt, ihn zu sehen.
Das Tal ist wirklich voller Geheimnisse.
Kommt schnell wieder zurck! rief Kalathee und um-
klammerte den Dolch Sadagars.
Die Mnner entledigten sich ebenfalls der hinderlichen Pelze
und rannten davon. Sie liefen einfach der Quelle des Lrms
nach. Ein erbitterter Kampf schien dort ausgebrochen zu sein.
ten Strickleitern den Abhang hinunter, ununterbrochen bels-
tigt von den versteckten, gnomenhaften Wesen, als die ersten
Vgel erschienen. Feithearn er
kannte augenblicklich, da sie
gegnung. Er sprang auf den Bo
den, ri den Bogen von der
Schulter und einen Pfeil aus dem Kcher. Er rannte zwanzig
Schritt weiter nach Osten, um fr
eies Schufeld zu haben. Nur
wenige Soldaten befanden sich
vor der Mauerruine bei den
Pferden. Die anderen verteilten sich lngs des Talbodens und
wehrten sich gegen die Vogel. Ihre Schwerter schnitten durch
Feithearn, ein Bogenschtze von beachtlichen Fhigkeiten,
spannte die Sehne und jagte ei
nen Pfeil in den heranstrmen-
den Krper eines Lynxes. Das Tier fauchte auf, berschlug sich
sie sich. Aber die Menge der
Tiere erschreckte sie. Zwar
verbissen sich in die Kleidung
und in Arme und Beine der
Kmpfenden. Um jeden Krieger
Wolke oder ein dicker Kreis. Sterbende Katzen krallten sich
mit den Krallen lange Spuren in Schilde und Panzer.
Feithearn wurde noch nicht von den Tieren bedrngt. Er ver-
scho Pfeil um Pfeil. Seine Sc
hsse auf kurze Entfernungen
waren hervorragend gezielt und trafen fast immer tdlich.
Dort brach ein Hund im Angriffssprung zusammen, da wurde
eine groe Katze an. einem Farnstamm frmlich aufgespiet,
dann schlug der Krper eines herunterschieenden Geiers
schwer durch die splitternden Wedel.
gleichzeitig zu kmpfen und sich
fen durchdringend und erzeugten mit ihren Zhnen und Pfo-
ten klickende und knisternde Laute. Hunde jaulten durch-
dringend auf, Katzen fauchten und schrien klglich, wenn die
Schwertschneiden ihre Krper aufrissen. Einige Caer waren zu
Boden gerissen worden und starben unter den Fngen groer
Andere Soldaten zogen sich bi
s zu den Felsen zurck und
kmpften erbittert weiter, die R
cken am Stein. Aber Hunder-
Um die Soldaten herum huften
sich die Kadaver der Tiere.
Die Mnner wurden gezwungen, zurckzuweichen oder ihre
Stellungen zu verndern. Immer
noch wehrten sie sich kraft-
te aus zahllosen Wunden. Einer warf
Schild und Schwert zu
Boden, griff sich ans Auge und rannte aufheulend durch die
Reihen der anderen Krieger. Ein Vogelschnabel oder eine Kat-
aus dem Kcher, legte an und sch
o ihn auf einen Lynx ab, der
Whrend des bisherigen Teiles des Kampfes hatten die klei-
nen Wesen in den Baumkronen nur weiche Geschosse ge-
Frchte und Zapfen in den Hnden. Sie schleuderten Steine,
und dies ebenso zielbewut wie vorher die wirkungslos zer-
platzten Frchte. Zwar trafen viele der scharfkantigen Steine
die verteidigenden Tiere, aber
mehr der gefhrlichen Wurfge-
schosse lieen Schilde drhnen, trafen die Kmpfer an den
Kpfen, im Nacken oder zwischen den Schulterblttern. Zwei
Caer gingen unter einem Steinhagel zu Boden und wurden
von einem schweren Quader halb
zermalmt, der aus groer
Der Dmonenpriester versuchte sich Gehr zu verschaffen,
aber der chaotische Lrm des w
tenden Kampfes war zu laut.
Einige Mnner verstanden ihn
und rannten, sich verteidi-
gend, zu ihm heran. Andere sch
lossen sich an. Die kmpfen-
den Gruppen waren nicht nur am Abhang, sondern hatten
sich weit auseinandergezogen. b
erall blitzten die Schwerter,
schlugen Tiere gegen die Schilde, sprangen die Soldaten wie
Wahnsinnige hin und her. Das Schreien hrte nicht auf.
Aus dem Augenwinkel sah Feithearn, der mit seinem
ngenden Katzen und einige
Hunde fhrte, zwischen den Stmmen im nebligen Halbdun-
er erkennen mute, da sie von den Tieren nicht im geringsten
belstigt wurden. Aber im selben Moment traf ihn ein schwe-
rer Stein im Nacken und zwan
g ihn in die Knie. Ein Hund
sprang an seine Kehle, sein Sc
hwert zuckte hoch und durch-
bohrte die Kehle des geifernden Tieres. Wieder sanken rechts
und links von ihm zwei Caer
zu Boden und wurden augen-
blicklich von einer krabbelnden und schnappenden Meute von
Ein paar seiner Krieger hrten ihn und liefen mit ihm zu-
sammen instinktiv dorthin, wo der Abhang weitaus flacher
verlief. Auch weiter vorn zogen
sich die Soldaten zurck, de-
schen den Stmmen hervor und st
rzten sich von den Pilzen
und aus den Farnen herunter.
Und ununterbrochen surrten
Steine aus den Baumkronen herab. Ab und zu polterten
schwere Gesteinsbrocken aus der Hhe, rissen Gestrpp und
lange Kalkfahnen mit sich.
Mehr und mehr Soldaten, de
fen und rannten auf Feithearn zu. Sie muten sich jeden Schritt
ihres Rckzugs teuer erkmpfen, obwohl die Anzahl der Tiere
stark abgenommen hatte. Und gerade in dem Augenblick, als
sich die Krieger rund um Feithearn sammelten, stie einer der
an die Stelle, an der vor ei
nigen Augenblicken die Fremden
Feithearn starrte in die Richtung. Er erkannte trotz des gold-
farbenen, hornverzierten Helmes den Mann, der in
los geschlagen hatte. Mythor? War es dieser Mann, dessen
Neben Mythor scho zwischen
den Pilzschften ein schnee-
weier Falke hervor, stie einen durchdringenden Ruf aus und
schlug mit den Flgeln. Ein riesiger Wolf lief in kraftvollen
Sprngen am Boden dahin. Der
Falke hob und senkte sich an-
griffslustig ber dem Rcken des hechelnden Tieres.
Die Szene verwandelte sich in ein Bild des Schreckens fr
den Dmonenpriester, als aus der Dunkelheit des Pilz- und
Farnwaldes ein ebenfalls wunderbares Tier auftauchte. Es
sprengte in einem rasenden Galopp leichtfig heran und
wich mit geschickten Bewegungen des Pferdekrpers den
Es war ein schwarzes Einhorn.
sa Hester. Als ob er sein Leben lang auf dem Rcken dieses
Tieres verbracht habe, sa er ohne Sattel und hielt sich an der
Mhne fest, deren schwarzes Haar ihm fast bis zur Brust flat-
terte. Wie ein Schlag traf es Feithearn. Der Dmon in ihm ver-
fiel in Panik, als er den Anst
urm der Weien Magie sprte wie
Zurck! Das Einhorn will mich
tten! schrie Feithearn und
wandte sich zur Flucht. Wie ein Rasender rannte er den Hang
hinauf, verfolgt von einigen Katzen und den Steinwrfen der
Baumgeister. Die Krieger folgten ihm, berwltigt von dem
wilden, drohenden Bild, in rasender Eile. Jeder, der noch lau-
fen konnte, versuchte das Tal zu verlassen.
Der Bitterwolf stie ein schauriges Heulen aus. Der
gellende
Schrei des Falken bohrte sich durch Feithearn, der bei jedem
weiteren Schritt mehr Beklemmung fhlte und eine Schwche
in allen Gliedern. Er kannte nur einen Gedanken: Flucht.
Er drehte sich nicht einmal um, sonst htte er gesehen, wie
Mythor und die beiden Fremde
n an dessen Seiten neben dem
Reiter auf dem schwarzen Einhorn
auf die fliehenden Caer
Hester war alles andere als halb blind und schwachsinnig. Er
hatte sich in einer fast magischen Weise verndert. Wie ein
strahlender Held sa er auf dem Einhorn, das jedem seiner
Befehle augenblicklich folgte.
Er jagte hinter den Caer-Sol
daten her. Seine Tiere blieben
ber ihm und an seiner Seite.
Mythor fiel zurck, denn das
Einhorn war schneller. Aber das sahen die Fliehenden nicht,
denn sie rannten ber die schmalen Felsbnder hinauf, brach-
ten sich gegenseitig zu Fall, ergriffen die Stricke, die ihnen von
oben zugeworfen wurden. Stei
ne prasselten auf Helme und
Schilde und schlugen in die Krp
er. Die Tiere wichen vor Hes-
rnden Einhorn zur Seite und
nachlassenden Krfte schneller als
alle anderen. Auch er ber-
sah die breite, harte Flche, die nahe einer Felsnadel auf noch
leichtere Weise aufwrts fhrte, gut abgeschirmt durch Bume
mit immergrnen Nadeln.
Der Falke flatterte den Hang aufwrts. Neben den Lufen
des Einhorns machte der Wolf groe Stze. Die Gruppe ver-
schwand mit einigen Sprngen
hinter den Bumen und strm-
te den Hang hinauf. Weder die
Tiere noch die kleinen Wichte
in den Baumkronen griffen an
. Die Vgel, die den Kampf -
berstanden hatten, flatterten von allen
Seiten auf und dem Rei-
ter hinterher. Die Ratten verschwanden auf rtselhafte Weise,
rannten lautlos hinter Hester her.
Mythor blieb stehen und fluchte leise. Dann sagte er niederge-
schlagen: Hester war schneller. Er suchte und fand die Tiere
Niemand wute, wohin Hester re
iten wrde. Eines jedoch
Nach allem, was du gesagt hast ber die Tiere, Mythor,
bemerkte Nottr voller Mitgefhl, das er nur schlecht auszu-
drcken in der Lage war, sind sie dir sehr viel wert. Rich-
Ja. Ich bin enttuscht. Ein Auenseiter hat dem Sohn des
Einhorn entrissen.
Mythor widersprach: Nein, das hat er nicht. Er war einfach
Alle Tiere, die den furchtbaren Kampf berlebt hatten, wa-
ren verschwunden. Es flogen ke
ine Steine mehr aus den Bu-
Angreifern lagen verkrmmt am Hang des Tales, umgeben
von Tierkadavern. Von der Umgebungsmauer her erschollen
Kommandos, dann drangen Wiehern und Hufschlge an die
Die Caer fliehen, stellte Sadagar erleichtert fest.
Htte ich mein Ohr noch, erei
ferte sich Nottr, wrde ich
Mythor nickte schweigend und
schob das Glserne Schwert
in den Gurt zurck. Sehen wir nach, was Hester in der Kup-
Kalathee! Sie wird sich frch
ten, rief Nottr und rannte da-
Binnen kurzer Zeit lag wieder die Ruhe des vergangenen
Abends ber dem verwunschenen
Tal, jene mysterise Ruhe,
in der noch andere Gefahren und berraschungen verborgen
sein mochten. Mythor und Stei
nmann Sadagar, tief in Gedan-
ken versunken, folgten Nottr zum Eingang der zerstrten
Schon wenige Schritte jenseits des halb zerstrten Eingangs
frostiger Tag herrschen, hier unten war es viel wrmer und
berdies windstill. Dazu kamen
die schwle Ausstrahlung der
Pilze und der Umstand, da durch die geborstene Kuppel des
Gebudes inzwischen die Sonne des Vormittags einfiel. Sie
enthllte Hunderte von versch
ieden hohen, sehr schlanken
Sulen, von denen die Reste der Kuppel gesttzt wurden.
Noch hhere Sulen ragten dort
auf, wo es lngst kein Gewl-
be mehr gab. In der Mitte de
s Bauwerks lagen riesige Trm-
mer, zwischen denen sich m
chtige Bume und niedriges
hatten. Es war ein Ort der Trostlosigkeit. Aber unschwer war
zu erkennen, da es einst ein Bauwerk von beispielloser
Khnheit gewesen war, das Klarheit und Helligkeit ausge-
Mythor fand als erster Worte, um seine Eindrcke zu schil-
dern. Wenn wir eingedrungen wren, sagte er nachdenklich
und wandte sich nach links in eine Art Bogen
gang hinein,
htten sich uns zweifellos die Tiere entgegengestellt.
Da kannst du sicher sein! stimmte Sadagar zu. Suchst du
Alles und nichts, bemerkte Mythor. Die Tiere allerdings
Er versuchte schweigend mit seiner Enttuschung fertig zu
werden. Auch im Inneren der Ku
ppelruine war es totenstill.
Trotz der dicken Staubschicht
und der angewehten Pflanzen
klangen ihre Schritte wie hallende Echos. Sie kamen an eine
Tr, die sich links von ihnen
Reihe der Sulen. Das Holz zerfiel zu einem Haufen modern-
der Spne und Splitter, als Myth
or den schweren Riegel be-
Eine groe Kammer mit schrger
Decke enthllte sich ihnen.
Kalathee stie einen unterdrckten Schrei aus und klammerte
sich an Nottrs Arm fest, als zum erstenmal seit unnennbar
langer Zeit Licht in das Gela fiel und seltsame Dinge enthll-
An der Rckwand des Raumes
befand sich eine wuchtige
Konstruktion aus verschiedenfarb
igem Stein. Es war ein riesi-
gegenstarrte. Ein Gesicht in Ruhe, keine dmonische Fratze,
aber ein Antlitz, das gleichzeitig Arroganz, Bsartigkeit und
Drohung ausstrahlte. ber der Darstellung der Haut lag wie
ber den Gesichtern der Dmo
nenpriester eine glasklare
Schicht, und die riesigen Augen lieen die Blicke der Fremden
ins schwarze, unergrndliche Nichts fallen.
Steinmann Sadagar sthnte auf un
d flsterte: Der Lord des
Mythor schaute ihn von der Seite an und fragte unsicher:
Das Riesengesicht war drei Mannslngen gro und eigen-
tmlich gedrungen. Der Hals b
uf. Statt der Augpfel waren
in den steinernen Wlbungen
Lcher. Die Mundwinkel zeig-
ten nach unten; es war, als schenke der Kopf dem Beschauer
nichts mehr als ein verchtliches Grinsen. Es war selbst in die-
ser unerschtterlichen Ruhe ein grausames, gnadenloses Ge-
sicht. Alle Fugen des Mauerwer
ks liefen vom Eingang her auf
dieses Gesicht zu. Die Wand, aus dem der Kopf mit dem
schulterlangen pechschwarzen Basalthaar hervorwuchs und
Fahrna hat mir aus dem EMPIR NILLUMEN vorgelesen.
Oder aus einem anderen Text. Sie fing zu zittern an, wenn sie
vom Lord des Hasses sprach. Er mu genauso ausgesehen
haben, sagte Steinmann Sadagar, und deutliche Beklemmung
lag in seiner Stimme.
Langsam ging Mythor nher an das kantige Kinn heran, das
in Brusthhe hervorstach. Die verschiedenfarbigen Steine wa-
Haut, die Falten und die Kerben in den zusammengepreten
Lippen. Er vermochte nicht, irgendeine Bedeutung in diesem
Bildnis zu erkennen.
Schweigend und rtselhaft stand das Gesicht da, mit scharf
zurckging und in die Hhlungen der Augen starrte, glaubte
er, dasselbe Gefhl zu empfinden wie damals, als er in
Feithearns und Aerinnens Augen
gesehen hatte: einen Vorsto
Er schttelte sich und winkte seinen Freunden. Suchen wir
weiter. Der Kolo wird uns nichts sagen.
Schweigend schlossen sich No
Zwischen den Sulen suchten sie weiter. Nach einigen Schrit-
satz erkannten sie im Staub
und Schutt die Spuren von Hest
er und vielen Tieren. Sie fhr-
ten zwischen einzelnen Trmmern hindurch und auf einen
kantig vorspringenden Eingang zu.
Vielleicht findest du noch ein viertes Tier! versuchte Nottr
zu scherzen. Kalathee sagte nichts, sie schien noch immer un-
nicht genau gewut, wo er such
en mute. Die Spuren fhrten
auch wieder aus dem Raum hina
us, der hinter dem wuchtigen
Eingang lag. Mythor zog langsam sein Schwert und trat aus
dem Sonnenlicht in die halbe
Es war eine groe Halle. Durch Risse und eckige Lcher der
Decke fielen Strahlenbndel ein, in denen der Staub flimmerte.
An jeder Wand, an Dutzenden von Sulen, von der Decke und
vom Boden sprangen Masken und Fratzen dem Eintretenden
Masken und solche, die aus zwei dieser Materialien oder aus
allen dreien bestanden.
Hat das EMPIR NILLUMEN au
ch fr diese Fratzen und
Gesichter eine Erklrung? fragte Mythor laut. Seine Worte
hallten in dem Raum wider.
Die halben oder ganzen, teilweise wie zerrissen wirkenden
Masken schienen zu leben. Lichtreflexe tanzten durch den
Raum und huschten ber die Augen, die Wangen und die
Stirnen dieser Kunstwerke. Es gab alle Gren; einige
nur handgro, andere maen drei Ellen, wieder andere waren
eine Elle gro. Sie lachten, wei
nten und waren ernst, einige
Gesichter zeigten tragische Zge
, andere wieder schienen in
sich versunken, wieder andere trugen einen undeutbaren
Ausdruck zur Schau. Es war verwirrend; als ob Hunderte von
Wesen aus alten Legenden jeden schweigend anstarrten, der in
Nein. Davon wei ich nichts, sagte Sadagar.
Mythor ging zwischen den Sulen und den Wnden hin und
her. Jeder Schritt wirbelte Unme
ngen feinen Staubes hoch, in
dem sich die grellen Sonnenstrahlen brachen. Glserne und
eiserne Augen sahen ihn unergrndlich an, steinerne Augen
zwinkerten aus hlzernen Gesichtern, in denen die Maserung
al ein einziges erklrendes
Schriftzeichen war unter oder neben den Masken angebracht.
Doch! Es gab eine Gemeinsamkeit.
Alle Augen, auch die einzel
und zerrissenen Masken, blickte
allen Winkeln, aus jeder Ecke
herunter. Mythor prfte eine hlzerne Maske, die von der
Stirn bis zum Kinn zackig gespalten war. Es hatte niemals eine
andere Hlfte gegeben. Das Holz, das nicht die geringsten Zer-
fallserscheinungen zeigte, war entsprechend bearbeitet wor-
Nur der Lichtbote wei, was
das zu bedeuten hat, mur-
melte Mythor. Seine Worte hallten mehrfach wider, als ob die
Auch Hester hats nicht gewut, krchzte Nottr und huste-
Du hast recht. Fr irgend jemanden wird diese Ruine
viel Bedeutung haben. Fr uns nicht. Vielleicht einmal viel
spter, beschwichtigte sich Mythor selbst und verlie lang-
samen Schrittes den Raum. Ihm war, als bohrten sich die Bli-
cke der stummen Phantasiegesch
pfe dort drinnen zwischen
Sie wanden sich durch einen Teil der Ruine. Der kreisfrmi-
ge Rand, wo die Kuppel begann und am niedrigsten war,
schien am besten erhalten zu
sein. Nur wenige Risse zeigten
sich hier. Aber vor kurzer Zeit waren schwere Quader aus der
Kuppel heruntergefallen; man sah deutlich die frischen Brche
und Splitter. Sulen lagen geborsten am Boden. Zwischen
Trmmern wuchsen Pflanzen, aus den Ecken drngte das
Moos hervor. Die Tiere hatten einen breiten Pfad hinterlassen,
Wieder lag vor Mythor ein Haufen Schutt, der einmal ein Por-
Ein riesiger Saal tat sich auf. Undeutlich waren Rder und
Taue zu erkennen. Ein gewaltiger Mechanismus, der wie das
Rderwerk eines Schpfbrunnens aussah, befand sich in der
Mitte der Halle. Eine Hlfte des Rades verschwand in einer
Aussparung des Steinbodens. Lange Stangen mit merkwrdi-
gen Knoten, Gitterwerke und Hebel, abermals Seile verschie-
dener Strke, Platten und Kugeln fllten die Halle aus, ragten
ineinander und schienen zusammenzugehren. Wieder fielen
Die Materialien waren Holz und Leder, Tauwerk und ver-
brocken durch eiserne Bnder an langen Hebeln befestigt. Als
Mythor sich trotz seiner Verb
lffung einige Schritte weit in
das Zentrum der Anlage
hineinwagte, stie er mit der Schulter
Der Stab bewegte sich mit
einem mitnenden Kreischen.
Von der Decke senkte sich ein Steinbrocken, so gro wie
zwei Pferde. Alle Rder begannen sich zu drehen. Hebel ho-
ben und senkten sich. Gerusche aus einer anderen Welt er-
tnten. Seile spannten sich un
d drehten Rder in verschiede-
nen Geschwindigkeiten. Es summte, klingelte, chzte und
krachte. Alles, was so aussah, als knne es sich bewegen, be-
wegte sich auch. Ein Hammer schlug drhnend auf eine Ei-
senplatte, die grer als ein
Schild war. Ein anderer Hammer
Beim ersten Gerusch waren
Nottr, Kalathee und Sadagar
aus dem Raum hinausgestrzt. Mythor zog sich Schritt um
Schritt zurck, das Schwert Alton wie zum Schutz erhoben.
Einzelne Teile dieses erstaunliche
n Dinges lsten sich auf, bra-
chen auseinander, sprangen aus den Lagern und rollten da-
und nieder tanzten. Es schrillte, kreischte und krachte. berall
lsten sich dichte Staubschicht
en auf und machten Teile dieses
Mechanismus unsichtbar.
Mit einem gewaltigen Geruschorkan, der in den Ohren
drhnte und chaotisch widerhallte, brach dieses uralte Ding
zusammen. Teile polterten auf den Boden, andere verkeilten
sich ineinander und brachen. Seile klatschten gegen die Wn-
de und verwickelten sich in anderen Teilen. Aber noch immer
sank der riesige Stein unverndert langsam abwrts und lie
Stangen in hohlen Sulen auf un
d nieder stampfen, drehte R-
der, bewegte Zhne und schlug schlielich mit einem bersten-
den Schlag auf. Trmmer wirbel
ten durch den Saal und trie-
ben Mythor aus dem Eingang hinaus.
Er klammerte sich im hellen Licht an eine Sule und starrte
in den Saal hinein. Der Lichtb
ote hat sich mit merkwrdigen
er nicht das geringste. Er wute nur, da die Kuppel einst ein
Mit einem donnernden Krach und einem Schlag, der den
Boden beben lie, kam das Chaos zu einem Ende. Aus dem
Eingang quoll eine dicke Staubwolke.
Mythor schttelte den Kopf. Das war wohl auch nicht, was
Hester suchte, meinte er. Au
s der Staubwolke kamen noch
ein paar drhnende Schlge, dann war es still. Mythor wischte
den Staub aus seinem Gesicht
und hob den Kopf. Die Kuppel
des Lichtboten! staunte er. Voller unverstndlicher Dinge.
Phantastische Bauwerke, die sich bewegen und selbst zerst-
Die Eindringlinge suchten weiter. Ununterbrochen entdeck-
breite und schmale Treppen,
Abstze und Sulenhallen, im-
mer wieder leere Kammern und Sle. Rampen fingen auf dem
Staub und zusammengewehte Pf
lanzenteile. Zahllose Erker
und Kanzeln wuchsen aus den Mauern. Es gab eiserne Kon-
struktionen, in denen vor Urzeit
en einmal Lichter gebrannt
haben mochten, denn die Mauern waren geschwrzt. Und
raschten Gefhrten vor einer Kammer, in die ebenfalls die
Spuren Hesters fhrten.
Fast die ganze Nacht, bekrftigte Kalathee.
Sadagar meinte: Die Sphervgel haben ihm, scheint es,
Sehen wir nach, schlug Nottr vor, der seit dem ersten Er-
lebnis sein Schwert nicht aus de
r Hand gelegt hatte, was hier
Sie traten in einen Saal, de
ssen innere Wnde einer Kugel
deckt. Ein einziges Relief fllte
jede Stelle der Wandungen aus.
Er erkannte, da die Zeichen demselben Schema folgten wie
die Fratzen und Gesichter im Ma
skensaal. Auch sie waren un-
terschiedlich gro und eine Meisterleistung unbekannter Bild-
hauer. Ihre Oberflchen glhten
und glnzten, da auch sie aus
unterschiedlich gefrbtem Stein geschaffen worden waren.
Mythor unterschied ohne Mhe
einzelne Buchstaben und ver-
suchte, Wrter oder gar Stze zu bilden, aber schon bald gab
er es auf. Nicht eine einzig
ren und kleinen Buchstaben ergab einen Sinn, auch nicht,
sinnvollen Gebilden zu verbinden.
Auch hier durchliefen brei-
te Risse die inneren Rundungen.
Sicherlich war irgend jemand
fhig, diese Buchstaben als das zu erkennen, was sie tatsch-
lich waren. Bestimmt gab es jemanden, der hier wichtige Bot-
schaften lesen konnte, aber er war es nicht. Er lie den Kopf
sinken und ging schweigend hinaus. Sinnlos! murmelte er.
Eine Rampe fhrte von hier unter den Trmmerhaufen des
Kuppelmittelpunkts. Die Eindring
linge folgten dem Pfad, den
das ebenfalls rund war und von wuchtigen
wurde. Auf flachen steinernen Podesten lagen drei verschie-
den groe Gegenstnde, die genauso merkwrdig waren wie
alles andere. Zgernd gingen sie nher. In der Mitte lag der
grte Fund, und er entpuppte sich als Gebilde aus Fden, ein
exotisches Gespinst von grausilberner Farbe. Wenige Atemz-
ge spter muten die Freunde er
kennen, da dieser Fund aus
zwei annhernd gleichen Hlften bestand. Sie waren ausei-
Diese Umrisse, begann Sadagar und ging nher heran.
Seine Finger lagen wachsam an den Griffen der Wurfmesser.
Sie sind die Umrisse eines Tieres. Ich irre sicher nicht, wenn
Hierher hatte also die Fhigkeit Hesters, mit Tieren umzu-
gehen und sich bewut oder unbewut auf sie einzustellen,
Zwei Hlften eines muschelart
igen Kokons waren unvoll-
stndig auseinandergeklappt. Die hellen, weichen Fasern des
Inneren zeigten jeweils die Umrisse des Pferdekrpers mit
dem schlanken Kopf und dem
unterarmlangen Horn, das aus
der Stirn herauswuchs. Hier ha
aufgeweckt.
waren also eingemauert gewesen, und irgendein Zauber hatte
ster verfgten nicht ber die
Hier also schlief das Einhorn ber eine unglaublich
Zeit hinweg, murmelte Mythor und ging zum nchsten Po-
Hier waren zweimal die Krperumrisse eines Wolfes einge-
drckt, der in der fr diese Tiere typischen Haltung zusam-
mengekauert geschlafen hatte oder erstarrt war. Von den En-
den der aufgeklappten Schalen hingen dicke Gespinstfden
Es schien, als wren die Kokons
in ihrer steinernen Gruft
aufgehngt gewesen oder wenigst
ens aufrecht festgehalten
worden. Mythor fate ins Inne
re und fand einen weichen,
flaumartigen Flor, der die Haut und das Fell des Wolfes ge-
schtzt hatte. Hier hatte der Wolf
auf seinen richtigen Besitzer
Weise Hester den Bitterwolf und das schwarze Einhorn ge-
Und ebenso unklar blieb Mythor, wie er es htte anstellen
sollen, die Tiere aus ihrem stei
Der dritte Kokon hatte den Schn
eefalken enthalten. Ein fast
kugelfrmiger Schutzbehlter, kleiner als ein Schild und auf-
gen. Der Kopf war vorgestreckt gewesen, der Hakenschnabel
sagte schlielich nachdenklich und bitter: Hester ist uns zu-
vorgekommen. Ich kann ihm den Besitz dieser wunderbaren
Sie glaubten es zu wissen. Wer Hester gesehen hatte, noch
vor kurzer Zeit innerlich und uerlich ein Krppel, wer ihn
miterlebt hatte, wie er auf dem Rcken des Einhorns strahlend
daran denken, ihm den Besitz
des Schneefalken, des Bitterwolfs und des Einhorns streitig zu
an der Kante des riesigen Loches in der Kuppel auf eine um-
gestrzte Sule. Er legte das Gesicht in die Hnde und ver-
suchte sich darber klarzuwerden, wie es nun weitergehen
Die Sonne stach warm in seinen Nacken. Er lie die Ereignis-
ziehen. Das Ziel, das er hartnck
ig verfolgt hatte, gab es nicht
mehr. Er sprte kaum, wie sich Kalathee neben ihn setzte und
Du bist traurig, Mythor? fragte sie leise. Kann ich dir hel-
Er schenkte ihr ein flchtiges Lcheln. Ich glaube nicht. Ich
wei nicht, wie es weitergeht.
wichtigend. Morgen sieht alles anders aus. Du wirst eine
Und wenn nicht, stellst du di
r selbst eine abenteuerliche
Mythor schttelte den Kopf. Seine Hand bewegte sich wie
selbstndig. Sie glitt unter das Wams und berhrte das Per-
gament, an das er lange nicht mehr gedacht hatte.
fragte er sich.
dagar. Enttuschung und Hunger ergeben eine gefhrliche
Mythor winkte ab. Sie mochten recht haben. Vielleicht war
es so. Die unheimliche Ruhe im Inneren des Bauwerks kam
hinzu und bedrckte ihn zustzlich, ohne da er es merkte.
Dann sprte er tief in seinem Bewutsein, wie sich eine Stim-
schien sie ihm sagen zu wollen.
erfolg wird von kurzer Dauer sein!
Der Helm der Gerechten sprach zu ihm! Die drngende
Stimme fuhr fort. Was sie ausdrckte, war folgendes
Verlasse
das Tal in stlicher Richtung! La dein
e Freunde hier! Du brchtest sie in
Gefahr, und sie wren hinderlich. Ein
neuer Schritt auf dem Weg zu deiner
Er stand auf. Seinem Gesichts
ausdruck konnten die Freunde
entnehmen, da in ihm eine
innerliche Wandlung vorgegan-
gen war. Er begann zu lcheln,
nahm den Helm ab und hielt
lichkeit. Tatendrang erfllte ihn augenblicklich.
Ich habe es doch gewut. Ab
er du wolltest mir nicht glau-
Mythor lachte auf. Ja. Der Helm sagte mir, ich solle in stli-
cher Richtung gehen. Dort warte eine neue Aufgabe auf mich.
Aber er sprach auch davon, da ihr hier warten sollt. Ich mu
allein gehen!
Nottr sagte nach einigem Zgern: Ich werde hier warten.
Nicht hier, ohrloser Lorvaner! rief Sadagar. Ich rechne
fest damit, da die Caer wiederkommen. Oder kannst du
glauben, da ein Zauberpriester eine solch schmhliche Nie-
Du hast recht, Steinmann, sagte Nottr. Wir verstecken
uns auerhalb des Tales. Dort gi
bt es auch Wild, und wir se-
hen einen Gegner schon von weitem.
Das ist sicher der bessere Vorschlag! rief Mythor und deu-
Kuppel. Wir essen, besprechen alles, und dann brechen wir
nach oben auf. Hester hat uns einen bequemen Weg gezeigt.
Eindringlinge gingen zielstrebi
g entlang den Sulen bis zum
Eingang, wo ihr Gepck und ihre Pelze lagen. Dort packten sie
die Vorrte aus, aen und tranken in Ruhe und sahen sich
Der Treffpunkt soll die Felsnadel sein, die wir whrend des
Marsches hierher gesehen haben, schlug Mythor vor und
Kannst du uns sagen, ob wir nur ein paar Tage oder bis
zum Sommer auf dich warten sollen? erkundigte sich Sada-
Mythor dachte daran, da er se
inen Gefolgsleuten sehr viel
zu ndern. Mehrere Monde lang
nein, dachte er laut. Ein
kann, von dem man glaubt, da es nur wenig Zeit braucht. Ich
denke, ich werde in weniger als einem Mond wieder bei der
Dann soll es mir recht sein, meinte Sadagar. Du mut
Sie zogen die Pelze an und nahmen die Lasten auf. Dann
verlieen sie langsam den Boden
des Talkessels und stiegen in
den Spuren des schwarzen Einhorns im Zickzack ber breite
Felsbnder den flachen Hang und die Mauerreste aufwrts. Je
hher sie kamen, desto mehr nahm die Klte zu.
Die unsichtbaren Nachkommen der Knigstrolle machen
Mythor fest und musterte un-
behaglich die Baumkronen. Der untere Absatz der Umfas-
sungsmauer kam nher. Hier bog der
schmale Pfad mit den
tief eingedrckten Hufspuren
des Einhorns ab und nherte
sich in flachem Winkel der Kante.
Oder Hester hat sie mit den Tieren verwirrt und verngs-
und befanden sich jenseits de
s Grtels aus Pflanzen und Dor-
nenranken. Das Tal lag in der Sonne des frhen Nachmittags
unter ihnen. Ein leichter Wind aus dem Osten lie sie frsteln.
sigen Findlingen und dichtem Un
terholz. Daraus ragte wie ein
leicht gekrmmter Finger die Felsnadel auf.
Das ist der Treffpunkt! bestimmte er.
Er ist kaum zu bersehen.
Fr niemanden, sagte Sadagar
sarkastisch. Solltest du unterwegs auf einen Goldschatz sto-
en, so la ihn nicht liegen.
Mythor lachte. Er hatte Sadagars Anspielung nur zu genau
verstanden. Er, der seinen Beutel voller Mnzen wie sein Le-
Mythor versprach deshalb: Ich denke daran, Steinmann! Du
kannst sicher sein, da ich meine Schuld an dich begleiche.
Nottr unterbrach sie. Er hielt die Hand an sein nicht mehr
vorhandenes Ohr und wies da
nn in das Gestrpp. Deutlich
hrten sie ein angstvolles Wiehern und das Brechen von
Mythor und Nottr handelten instinktiv. Sie rissen die
Schwerter heraus und rannten aus zwei Richtungen auf die
Quelle der Gerusche zu. Aber
als sie herankamen, sahen sie
nur ein einzelnes Pferd, einen Rappen, dessen Fell vor
Schwei troff. Steigbgel und Zaumzeug des ge
sattelten Pfer-
des hatten sich im Gestrpp verfangen. Das Tier war halb ra-
send vor Angst. Es beruhigte sich aber schnell, als zwei Men-
schen auf die Bsche zukamen, mit beruhigenden Stimmen
Ein Geschenk von Feithearn! lachte Nottr.
Ich werde mich bedanken, wenn ich ihm das nchstemal
und klopfte den Hals des
Rappen. Und dazu noch mit vollen Satteltaschen.
Es gehrte einem der Unglcklic
hen, die von den Tieren zu
Boden gezwungen worden waren und zerfleischt auf der Tal-
sohle lagen. Mythor fhrte den Hengst zu Kalathee und Sada-
Ich nehme schweren Herzens Abschied von euch, sagte er.
Nach Osten geht es. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder.
Er schttelte Sadagars Hand und versprach, falls mglich, so
viele Goldstcke mitzubringen,
da sie Steinmanns Beutel zer-
Du wirst uns berichten, was du
erlebt hast. Viel Glck, was
immer du unternimmst, sagte Kalathee und umarmte ihn.
Nottr schlug ihm krftig auf die
Schulter und flsterte: Denk
an das Bild! Sie ist so schn
Eher verliere ich das Glserne Schwert, versprach Mythor
und schwang sich in den Sattel. Das Pferd bumte sich auf,
aber Mythors Schenkeldruck beruhigte es schnell wieder.
Sie blickten ihm schweigend nach. Immer wieder drehte sich
Mythor im Sattel herum und winkte. Er schlug die Kapuze des
Tier in einen leichten Galopp.
Einige Stunden spter kamen sie an einen schmalen Bach.
Mythor schlug mit der Spitze Altons ein Loch in das
dnne Eis
und lie das Pferd saufen. Er fllte die Sattelflasche mit dem
Er ri einige Zweige ab, suchte leidlich trockenes Gras zu-
sammen und rieb den Rappen ab
. In der zunehmenden Klte
der Nacht konnte es sein, da da
s Tier krank wurde. Dann ritt
Der Helm schwieg und vermittelte ihm keine neuen Einsich-
Die Sonne bewegte sich dem Ho
rizont entgegen. Nebel und
das Gestirn in eine gewal-
tige blutrote Scheibe. Mythor
schauderte, wenn er sich um-
Es war lngst nicht mehr ein Hauch der Bestimmung, der
ihn wieder vorwrts trieb. Es war das feste Bewutsein, einen
weiteren Schritt von entscheidender Wichtigkeit zu tun.
Nyrngor lag unter dem Licht einer klaren Mondnacht.
nen der Mauern und Trme weit ins Land hinaus. berall lag
das Mondlicht auf den Feldern, starker Reif hatte die Umge-
bung berzogen. Die ste der Bume und Bsche wirkten wie
Gebilde aus weien Kristallen. Die Natur schien ausgestorben
zu sein. Es riefen keine Nachtvgel, keine Wlfe heulten, kei-
nes der nachtjagenden Tiere lie sich hren oder sehen.
Nur wenn die Posten den Atem
anhielten und in die Stadt
hinunterhrten, wenn sie ganz scharf horchten, vernahmen sie
Die Bewohner der Stadt kmpften um das nackte berleben.
Sie versuchten ihre Huser wi
nterfest zu machen, indem sie
in Nyrngor kaum noch jene halbverbrannten Holzteile, die
erzhlten. Man hatte sie ab-
gesgt und zerkleinert. Nachdem ein Teil im Palast fr die
Kamine abgeliefert worden war, heizten die Stdter ihre fen
Das Lager der Caer-Soldaten verkleinerte sich von Tag zu
Vorrte und Heu fr die Pferde
wurden in die Stadt ge-
bracht. Neunundneunzig von hundert Bewohnern verhielten
sich so, wie Feithearn es wollte. Aber die Nacht gehrte den
kleinen Gruppen von Rebellen. Nachts wagten sich die Caer
nur noch in greren Trupps in die Gassen und die wenigen
Der Wille zur Verteidigung der Stadt oder besser dazu, die
Caer zu vertreiben, war bis auf
winzige Spuren erloschen. Die
notleidenden Menschen hatten nur ein Bestreben: Sie wollten
Der einzelne Posten fror erb
rmlich. Immer wieder schlug er
die Arme gegen den Krper. Rauhreif lag auf den Haaren des
Pelzes. Jeder Atemzug entlie ei
ne weie Dampfwolke in die
Luft. Der schwere Glutkorb ve
rmochte nichts gegen den dn-
nen Wind, der zwischen den Zi
nnen hindurchpfiff. Wenn der
Posten sich zu wrmen versuchte, blickte er in die feuerrote
Glut. Bis sich seine Augen dann wieder an das vernderte
Licht der Landschaft gewhnt hatten, die er beobachten mu-
hochgestellten schweren Kragen
zurck. Caers Blut! flster-
te er. Hufschlag. Irgendwo reitet ein Rasender!
Alles in dieser Nacht war dazu
lehren. Das kleine Heer unter Feithearns Fhrung
schlagen und demoralisiert aus dem verwunschenen Tal zu-
rck, und nun lagen die Kameraden fiebernd und sthnend in
Der Posten hob beide Hnde an den Mund und rief dem
nchsten Schatten auf der Mauer eine Frage zu. Hrst du es
Jeder Schritt, jedes laut gesprochene Wort weckte in der
Andere Posten vernahmen den Wortwechsel und wurden
aufmerksam. Von beiden Seiten erschollen Fragen. Zum
Schlu rief der Caer, der die Gerusche zuerst gehrt hatte
dumm und taub gemacht! Hrt ih
r nichts, ihr Narren? Ein Rei-
ter kommt, und er ist nicht zu se
hen. Feithearn wird euch be-
strafen, wenn ihr nicht handelt.
zogenen Laut unverstndlich gemacht. Auf der Ebene heulte
schaurig ein Wolf auf. Jeder von ihnen hatte mehr als genug
Er lie jedem, der es hrte, einen eisigen Schauer das Rck-
grat hinunterlaufen. Wieder schrie der Wolf auf mit einer
kraftvollen und fordernden Stimme. Der Schrei war voller
alle: Ein einzelner Reiter stob in einem schnellen Galopp auf
die Stadtmauer zu. Er tauchte ganz pltzlich auf,
hinter einer Bodenwelle oder hinter reifbedecktem Gestruch.
Ein drittes, nicht weniger schau
erliches Gerusch mischte sich
Sie sahen den Vogel unmittelbar darauf. Ein schneeweies
Tier, das ber dem Kopf des einsamen Reiter schwebte. Das
Licht der Sterne und des Mondes lag auf dem Krper und den
Der Wolf war grau und zottig wie alle Wlfe dieser Welt.
Verglichen mit allen anderen aber
dem Reiter bis zu den Kncheln
. Das Reittier war schwarz. An
Ein Posten schrie durch das Wolfsgeheul und die gellenden
Husern wurden Tren aufgerissen, die Stadtbewohner ver-
Die Posten, denen noch ein Rest klarer Verstand geblieben
seinen Platz an der rechten Seite des Reiters nicht. Der Falke
des Einugigen flatterte er dahin. Das Einhorn trug keinen Sat-
tel, aber der Junge sa hinter dem Hals des Tieres, sich an der
dewegs auf die Mauern des nordstlichen Stadtteils zugalop-
ks und bewegte sich lngs der
Einige Caer griffen in die Kcher und legten mit klammen
Fingern Pfeile auf die Sehnen ihrer Bogen. Sie zielten gut, aber
keiner der Pfeile traf auch nu
r annhernd sein Ziel. Fluchend
sahen die Posten, wie die Spukgestalten dahinfegten, von je-
Mitten auf der freien Flche zwischen den beiden offenen
Toren hielt Hester durch einen
unhrbaren Befehl das Einhorn
Das Zaubertier erhob sich und stand breitbeinig auf den
Hinterbeinen. Die Hufe der Vorderbeine schlugen einen ra-
senden Wirbel durch die Luft. Wieder begannen sich die Pos-
ten zu frchten. Fast jeder von ihnen war ein guter Reiter. A-
ber noch nie hatte es eines ihrer Pferde geschafft, sich so lange
Hester hob in einer drohenden Geste einen Arm. Sein langer
Mantel flatterte von seinem Rcken wie ein dunkles Leichen-
Er ballte die Hand und schttelte sie, nicht weniger drohend,
gegen die Stadt Nyrngor. Damit meinte er die Caer und
Feithearn, nicht die Brger hi
nter den Mauern. Noch immer
stand das Einhorn da und wirbelte die Hufe durch die eisige
Es warf sich auf den Hinterbeinen herum und galoppierte
davon, kaum da die Hufe den hartgefrorenen Boden berhrt
Der Wolf und der weie Falke folgten dem Reiter, der das
Einhorn in einer weiten Kurve von den Mauern wegfhrte
und mit rasendem Hufschlag wieder irgendwo dort
in der
reifbedeckten Einde der Felder und Weiden verschwand.
Ein Posten rannte die Treppen des Turmes hinunter. Der
Schrecken sa ihm im Nacken. Er rannte durch die halbe Stadt.
erschrak: Dem Mann stand die
nackte Furcht im Antlitz. Er lie
f, um Feithearn zu berichten,
was er eben mit eigenen Augen gesehen hatte.
In dieser Nacht wurde in Nyrngor das Gercht geboren, da
Knigsgeschlecht seines Vaters Carnen wieder zu seinem
Der Zauberpriester hrte schweigend und nur scheinbar ru-
Er nickte und entlie den verwirrten und erschpften Mann.
Eine dritte, schwor er sich zi
tternd vor Ha un
d Wut, wrde
er nicht mehr hinnehmen. Duld
amuur, sein Dmon, beruhigte
ihn und erfllte ihn mit Zuversicht und neuer Strke. Was war
schon ein Halbblinder mit drei
Tieren, die ihm gehorchten?
und sie hatten auch der dmonischen Kraft aus der Schatten-
Schlaftrunken fuhr Elivara auf. Ihre Hand zuckte nach dem
Ich bin es, Dhorkan, sagte das geschwrzte Gesicht hinter
befanden sich im Kellerverstec
k von Sceythes Taverne. Was
Dhorkan wirkte fast wie ein Caer. Beinahe jedes Stck seiner
Ausrstung war berfallenen Soldaten abgenommen worden.
Sein Fellmantel und er selbst verstrmten die Klte der Nacht.
Hier, im Gewlbe, war es le
Unglaubliche Dinge! sagte er, und ein breites Grinsen,
nicht frei von Furcht allerdin
gs, erschien auf seinem harten
Ich war im Schutz der Dunk
elheit auf dem Ostturm. Der
Caer sah und hrte mich nicht, ich war nicht auf der obersten
Plattform. Heute nacht hat dein Bruder den Caer einen hlli-
regung der Soldaten miterlebt und schlielich Hester auf ei-
nem schwarzen Einhorn, geleit
schtzt von einem schneeweien Falken, gesehen hatte. Dann
lachte er heiser auf und go sich Wein in den Becher. Und als
sich das Einhorn aufbumte,
Hester, den wir als halb blin
d und geistesschwach kennen,
wtend die Faust gegen die Caer auf den Mauern. Feithearn
wird abermals fluchen und zittern. Erst diese Niederlage und
dann das. Auf dem Weg durch die Stadt bin ich in vielen Hu-
ist es kein Gercht, sondern
die Wahrheit. Bei Tagesanbruch
wei es jedes Kind in der Stadt.
Hester wird zum neuen Fanal
Schwester aber du
Dabei wollen wir es auch belassen, sagte sie und seufzte.
Nur die Rebellen drfen es
wissen. Mein armer Bruder
drauen in der Klte, ohne Hilf
e, mit diesen Tieren. Ich wei
nicht, was ich denken soll.
fall: Ein halb blinder, scheinbar geistesschwacher Junge, der
eine Tierarmee befehligt und
nachts auf einem Einhorn die
Caer erschreckt, Knigin! Ich glaube nicht, da er schutzlos ist
und erfriert oder verhungert.
Vergi den Hester von frher!
Jedenfalls wei ich eines: Wir werden mit ihm zusammen den
Caer nicht nur ein paar unbehagliche Stunden verschaffen.
Sie wute, da sich nun vieles gendert hatte. Aber sie teilte
die Entschlukraft ihres Hauptmanns nicht. Es war unmg-
lich, die Caer zu vertreiben.
Bei dem Gedanken, wie Nyrngor
den Winter berleben sollte, wurde ihr bel vor Sorge und
100
DER MANN AUF DEM EINHORN
Der pfeifende Westwind fegte di
chte Schneeschauer ber das
Land. Der Winter war endgltig ber Dandamar hereingebro-
chen. Die beiende Klte hatte
nachgelassen, aber der einsame
Reiter und sein Pferd froren
nen Rappen dampfte, der Mann im Sattel hatte den Kragen
Es war ein einzelner Reiter, de
r seine Spur durch die dnne
sich scharf gegen die weien Fl
chen ab. Die Hufspur war ge-
stochen scharf, und jedem Wildlnder wre es ein leichtes ge-
wesen, dem Reiter zu folgen. Die Spur fhrte aber nicht gerade
durch die kltestarre Einde,
sondern lie erkennen, da der
Reiter nicht genau zu wissen schien, wohin er die Schritte des
Mythor befand sich stlich des verwunschenen Tales. Seit
Tagen ritt er in migem Tempo dahin. Bisher hatte er nicht
ein einziges menschliches Wesen gesehen. Trotzdem hatte er
Im Wald, abseits von seinem Weg,
rhrte sich nichts. Nur hin
Mythor zog am Zgel. Willig blieb der Rappe stehen. My-
mglichen Deckung, aber sie be
wies ihm endgltig, da ihn
Noch fhlte er bisweilen dieses eigenartige Summen und das
Wispern und Flstern der vagen gedanklichen Beeinflussung,
101
aber seit Tagen lie sich
Einmal trieb er ihn in diese Richtung, dann wieder in eine
andere. Im Augenblick ritt er nach
Sden, aber das konnte sich
rasch ndern. Auf seinem Weg hierher hatte er nicht einmal in
wesen wre.
Nichts!
Mythor zuckte mit den Schultern und trieb den Rappen wie-
der an. Das Tier schnaubte und stapfte weiter durch den
Schnee. Er ritt zwischen dem Wald und der langgezogenen
Buschreihe hervor und sah weit voraus, zwischen den stu-
benden Schneefahnen, ein Haus. Es schien ein verlassener
Bauernhof zu sein. Verlassen
Der Helm flsterte ihm nichts
zu. Er sprte keinen Drang
und keinen Zwang, dorthin zu reiten. Trotzdem ritt er auf das
einzelnstehende Gehft zu. Es wurde langsam Abend, und er
begrte die Gelegenheit, nicht
unter Bumen oder in feuch-
tem Laub schlafen zu mssen. Vielleicht fand sich auch noch
schneller, ohne da Mythor die Sporen einsetzte.
Stunden, so schien es, dauerte der Ritt. Als Mythor das Loch
in der Hecke passierte, keuchten die Lungen des Tieres wie
Blaseblge. Der heie Atem des
Rappen gefror in der Luft. Ein
gleiten lie. Er sprte trotz
der dicken Stiefel seine Fe nicht mehr. Langsam zog er das
Tier hinter sich her, bis er einen windgeschtzten Winkel und
dort eine geduckte Scheune erre
ichte. Holzstapel und groe,
schneebedeckte Haufen schirmten den Hof ab. Ein glckli-
Die Scheune, in der Halbdunkel herrschte, war halb voll
102
Heu. Mythor sattelte das Pferd ab, rieb es trocken und sah zu,
wie der Rappe hungrig zu fressen begann.
Ein groer Holzbottich stand neben dem aufgerissenen Tor-
das Glserne Schwert, hielt es in beiden Hnden und lief zum
Haus hinber. Er hmmerte mit der Faust gegen die Tr.
niedrigen Raum hinein, in dessen Mitte ein riesiger offener
Er durchquerte den Raum, hielt die Hand in die Asche. Sie
Vielleicht, so berlegte er, w
ar der Bauer bei der Nachricht,
Mythor fand Werkzeug zum
Funkenschlagen. Kurze Zeit
darauf brannte ein kleines Feuer im Kamin, und er konnte
vorsichtig trockenes Holz darauf schichten, das er unter dem
Zuerst wrmte sich Mythor am Feuer. Dann schwenkte er
den Kessel ber die Flammen. Als sich der massive Eisbrocken
darin aufgelst hatte, go er das noch immer kalte Wasser in
einen Trog, und nach kurzer b
erlegung holte er den Rappen
und einen Armvoll Heu in denselben Raum. In der hintersten
ser, und schlielich holte Mythor auch noch den Sattel.
Dann erst legte er wuchtige
Kloben nach, keilte einen
stamm gegen die Tr und zog den Mantel aus. Drauen heulte
Als er durch einen Fensterspalt
lugte, sah er, da es bereits
finstere Nacht war. Er packte die Reste des Proviants aus, fand
l in einem Krug, und irgendwie gelang es ihm, aus den krg-
lichen Zutaten eine wrzige, hei
e Suppe zu kochen. Er lie
den Rest im Kessel, fr den nchsten Morgen. Dann nahm er
103
sich neben dem Feuer ein Lager aus alten Decken, einigen Fel-
len und dem Laub, das in geflochtenen Krben lag. Das
Mit geschlossenen Augen, die Hnde hinter dem Kopf ver-
schrnkt, vor sich das wrmende
Feuer, lag er da. Noch schlief
er nicht; die Ereignisse seit dem Absturz der Nomadenstadt
zogen in qualvoller Langsamkeit an seinem inneren Auge vor-
schenen Tals. Im Bewutsein, an einem toten Punkt ange-
kommen zu sein, schlief er ein. Ruhig stand der Rappe in sei-
Am Morgen war aus dem Feuer ein groer Haufen schwarz-
roter Glut geworden. Rasch wrm
te er die Suppe auf und a
Drauen herrschte eine tdliche Ruhe.
Mythor wusch sich Gesicht und Hnde im eiskalten Wasser.
Dann blickte er durch den Fensterspalt: Hof und Scheune wa-
ren unberhrt, es gab keine Spuren. Als er durch einen zwei
Finger breiten Ri der Eingangs
tr starrte, zuckte er zurck
und sah dann genauer hin.
Einen halben Bogenschu weit, im Loch der Hecke,
fnf Gestalten in dicker Pelzkle
idung. Ihre Gesichter waren
unter den Kapuzen nicht zu er
kennen. Jeder der Krieger, an
deren Grtel Schwerter und xte hingen, hielt zwei oder drei
Es herrschte Sternenlose Nacht, und doch war es nicht vllig
finster. Die Mnner konnten den Fu der Mauer erkennen und
gerade noch den schmalen, stellenweise verwehten Pfad, den
104
Die Zinnen trugen dnne Sc
hneehauben, zwischen den
Quadern hingen Eiszapfen. Nicht nur den beiden frierenden
Posten auf dem Turm des Hafentors erschien die Stadt wie
eine Festung, von Schnee und Dunst eingeschlossen. Jeder-
mann in Nyrngor hatte in diesen
Stunden und Tagen dieselbe
Empfindung. Groe, gefhrliche Dinge schienen sich hinter
Caers Blut! murmelte der Posten mit blaugefrorenen Lip-
pen. Ich sage dir, dieses verfluchte Einhorn ist kein Geister-
Es ist ein Geist. So stark und schnell ist kein Pferd. Ich habe
Abwarten. Ob er auch heute nacht wieder kommt?
Zwischen ihnen, im windgesch
tzten Winkel, stand ein ei-
serner Korb aus geflochtenen Bndern. Er war voller roter
Glut, darber lagen brennende Scheite. Aber die stechende
Hitze, die er ausstrahlte, konnte die Posten
nicht wirklich vor
der Klte schtzen, die der Stein gespeichert hatte. Sie froren
Diejenigen, die schliefen, wu
rden durch das Heulen des
Wolfes aufgeweckt und durch di
e gellenden Schreie des Fal-
ken. Wer nicht schlief, sa da
hornreiter erschien oder nicht.
Die Posten versuchten, sich vor
berraschungen zu schtzen, und hielten ihre Waffen bereit.
Niemand wute, an welchem Teil der Stadtmauer Hester mit
dem schwarzen Einhorn zuer
Niemand hatte Hester aus so geringer Entfernung gesehen
auer Feithearn und einigen Caer, da er es mit Gewiheit
105
sagen konnte. Aber jeder Nyrngorer war davon berzeugt.
Der Schneefall hrte langsam auf. An vielen Stellen der
spiegeln und zu vervielfache
n schien. Ein fernes Gerusch
drang an die Ohren der Wartenden. Die Caer hoben die Kpfe.
Und dann erschienen auf dem Schnee zwei dunkle Punkte,
ein grerer und ein kleinerer. Sie kamen rasch nher, und
zwar auf das Hafentor zu, von Sden herangaloppierend und
laufend. Das Einhorn hatte unfab
are Krfte, denn es sprengte
durch den stellenweise tiefen Sc
hnee, als gebe es ihn nicht.
Auch der Wolf, der neben dem Reiter trabte, wurde vom
Schnee nicht in seinen Bewegungen behindert.
Halt die Speere bereit! zischte der Posten seinem Kamera-
Geister und Dmonen sind mit unseren Waffen nicht zu t-
Aber wenn es kein Geist ist?
Der schaurige Schrei des gro
en Wolfes schnitt seine Worte
ab. Echos zitterten ber Nyrngor dahin. Fr die Stadtbewoh-
ner war es ein Zeichen, da die Freiheit nicht mehr fern war,
Mchten, ber die sonst nur ein Zauberpriester des Herzog-
tums verfgte. Die Posten pac
kten ihre Speere fester, als der
Ruf des Falken ertnte.
In gestrecktem Galopp kam der Reiter nher. In der rechten
Hand trug er drei kurze Wurfspeere, deren Bltter im Fackel-
licht golden aufblitzten. Das schwarze Einhorn, dessen Fell
glnzte, hatte eine breite und tiefe Spur durch den aufstieben-
den Schnee gezogen, eine schmalere stammte vom Wolf, der
unaufhrlich sein schauerliches Heulen in die kalte Luft
Flgelschlagend und in kurzen Abstnden seinen durch-
dringenden Jagdruf aufstoend, schwebte der weie Falke -
106
So kamen sie heran, nherten sich dem offenen Hafentor,
und die Caer-Wachen strzten zu dem provisorischen Wall
schmale Passage verschlo.
sich das Einhorn auf. Ein
Hagel Pfeile scho unter dem Torbogen hervor, aber keiner
von ihnen traf. Entweder lenkte
sie eine Zauberkraft ab, oder
sie waren in der Klte schlecht gezielt gewesen. Hester bog
seinen Arm zurck und schle
uderte, whrend das Einhorn
wieder auf die Vorderbeine zurckfiel, einen Speer durch die
Auch den halb blinden Jungen
schien eine ungeahnte Kraft
zu erfllen. Die Flugbahn des Speeres war absolut gerade.
Ein chzender Schrei hallte durch das Gemuer. Ein
dem der Speer durch die Pelze und die Rstung gedrungen
war, taumelte rckwrts und brach zusammen. Blut frbte den
Auf dem Turm ber dem Torbog
en spannte der Caer-Posten
seinen Bogen. Er fixierte das Ziel. Whrend der Wolf mit gl-
henden Augen die Umgebung musterte und durchdringend
heulte, galoppierte Hester weite
r und hielt sich an der flat-
ternden Mhne des Einhorns fest. Zum erstenmal sah der Pos-
auf der Stirn des Tieres, das bis auf diesen Unterschied die
Er lste die Sehne: Heulend flog der Pfeil abwrts. Der Caer
htte geschworen, da er gut genug gezielt hatte, um wenigs-
schien den Pfeil schon nach dem Verlassen der Sehne in die
falsche Richtung zu lenken. Er ging neben dem Falken wir-
kungslos durch die Luft.
Der Reiter, halb in seinen flatternden Mantel gehllt, hob
107
Dann wieherte das Einhorn grell auf. Die Caer zuckten zu-
sammen und starrten nach unten, wo Hester und das Einhorn
wieder die Richtung nderten
und entlang der Mauer nach
Norden galoppierten. Sie verschwanden fr die Soldaten auf
dem Hafentorturm nach wenigen Augenblicken in dem dn-
nen Schneetreiben.
Hrst du den Lrm aus der Stadt? fragte einer der Posten
rung in der Hand, sagte der an
dere. Immerhin wohnten dort
dreiig mal tausend Menschen oder sogar mehr. Zwar waren
sie wehrlos gemacht worden, und auch
Hunger und Klte
Sie werden neue Hoffnung schpfen. Du weit, wie viele
Kameraden nicht mehr in die Quartiere zurckkehren?
Ich wei. Und da viele ber
fallen und ausgeplndert wer-
Und vielleicht berfllt er auch die Reiter, die nach dem Tal
Es waren kritische Stimmen laut geworden. Die Soldaten
fragten sich, warum Nyrngor so
spt im Jahr angegriffen wor-
den war. Ein Kriegszug, der in den Winter fiel, begnstigte
brachte ber jede Armee eine Flle von Problemen, unter de-
Doch die Befehle waren Sache von Herzog Murdon oder
gingen von dem geheimnisumwitterten Drudin aus, dem
Herrscher der unterirdischen
Stdte, von denen im Herzog-
tum geflstert wurde und die niemand kannte.
108
Das Summen und das Stimmengebrodel in den Gassen der
Stadt aber blieben, solange der Einhornreiter entlang der Mau-
er ritt. Heute, zum erstenmal, hatte er sich mit Waffen gegen
Immer wieder mute die Gruppe der ersten Reiter ausgewech-
selt werden. Die Mnner waren nicht weniger erschpft als die
Zwar gelang es ihnen, sich einen Weg durch den Schnee zu
Feithearn hatte dreihundert Re
iter ausgeschickt, um das
verwunschene Tal von den Tieren zurckzuerobern und die
noch knapp einen Tagesritt vom Talrand entfernt.
Der Wind ri und zerrte an ih
ren Schilden und an den di-
cken Mnteln. In den Mhnen und Schweifen der Pferde knis-
terten Eiskristalle. Der Zug der
Krieger wand sich in der Spur
dahin, die von den Hufen der Pferde immer hrter und leich-
ter gemacht wurde. Der Rckweg wrde leicht sein, der Weg
Als die zwlf Mann, die bisher di
mden Pferde anhielten, um die nchste Gruppe an die Spitze
zu lassen, murmelte einer der
Anfhrer: Ich bin nicht sicher,
ob Feithearn den richtigen Befehl gegeben hat.
Sein Nachbar knurrte zwischen den Pelzen hervor: Aber
Dreihundert Mnner sind wenig
er in der Stadt. Denkt an
109
Es war ihnen klar, da dreihund
ert Mnner fehlten, um die
Der Zug stockte, die Vorreiter schlossen zu Paaren auf und
reihten sich in der Mitte ein. In langsamem Schrittempo
kmpften sich die Krieger hinter dem flatternden Kriegswim-
pel her, auf den Rand des Tales
zu. Es waren gebte Krieger,
und sie wuten sich zu helfen.
Stangen wurden in den Schnee
hatten. An den Stangen und Lanzen wurden Stoffbahnen be-
festigt, die als Windschutz und Wall gegen den Schnee wirk-
ten. Mit Schilden und Schwertern grub man bis zum Boden
und legte das Gras frei. Mitgeb
tiere mitfhrten. Aus Schneeballen und Decken bauten die
Mnner hhlenartige Unterschlupfe. Schnee schmolz in Tp-
fen ber dem Feuer. Tiere und Mnner drngten sich eng zu-
sammen und halfen sich gegenseitig.
So schafften sie es, die Nacht zu berstehen. Beim ersten
Licht ritten sie weiter.
Von dem Heer aus Vgeln, Ka
tzen, Hunden, Ratten und
Wildtieren gab es keine Spuren und keinerlei Anzeichen da-
In der dunklen Taverne roch es nach kaltem Essen, sauer ge-
wordenem Wein und nach Rauc
h und Ru. Drei Personen sa-
en im Hintergrund des niedrigen, verrucherten Raumes, nur
ein winziges lflmmchen lie die Umrisse der Bnke und
Es war die Zeit zwischen Mi
tternacht und Morgen. Das Heu-
110
len des Wolfes und der Schrei des Falken waren lngst in der
Ferne verklungen. Nyrngor lag wieder ruhig da, aber die Ner-
vositt und die Angst waren geblieben.
Ich begreife das alles nicht. Es ist und bleibt mir ein Rtsel,
Maske der schwachsinnigen Alten. Bisher war sie nicht einmal
von den Stadtbewohnern erkannt worden, denen sie sich nicht
freiwillig offenbart hatte. Woher kamen die Tiere? Wo sind
sie am Tag? Wovon lebt Hester?
Niemand wei es. Wir drfen die Stadt nicht verlassen, und
die Caer trauen sich nicht, den Spuren zu folgen.
Dhorkan sa im fellausgeschlagenen Sessel des Wirtes, der
am Rand des riesigen Herdes kauerte und seine Hnde ber
Es gibt Bauernhuser und Eindhfe, brummte Sceythe.
Vier Nchte schon galoppierte Hester auf dem Einhorn um
die Stadt. Gerchte schwirrten durch die schneebedeckten
Gassen Nyrngors. Die kleine Gruppe der Rebellen, meist mit
Feithearn reagierten mit einer
Flut neuer Drohungen und Ver-
Irgendwo, ja sicher, seufz
te Elivara. Und wenn ihn die
dreihundert Reiter Feithearns fangen?
Ich mache mir Sorgen, beharrte
sie. Ich rechne damit, da
Aber wir sind da. Und wir werden immer mehr! beharrte
Dhorkan. Sein Gesicht war schmaler geworden und hatte sein
jugendliches Aussehen verloren. H
arte Linien gruben sich in
111
Ich wei nicht, wie es weitergehen soll, Dhorkan! klagte
Elivara. Sie hatten, auf einem verlassenen Teil der nrdlichen
den. Nyrngor wird niemals wieder das werden knnen, was
Dhorkan zog die Schultern hoch und sehnte sich nach
nem Lager. Sie waren zu nchtlichem Leben verdammt wor-
den, denn nur im Schutz der Du
nkelheit konnten sie sich tref-
konnte man ein Lager der Caer plndern. Er ghnte und stand
Ich gehe in mein Versteck, sagte er leise. Du solltest auch
schlafen, Knigin.
Noch immer trafen sich Caer in dieser Taverne. Hin und
gendwelche Neuigkeiten. Sceythes Mgde hatten scharfe Oh-
ren. Und bisher war keiner auf den Gedanken gekommen, die
meine Gedanken nicht einschlafen lassen werden.
fe, uralte Gewlbe hinunter, wo sich zwischen den Weinfs-
Noch vor einem Jahr war er Novize gewesen. Seine rasche
Auffassungsgabe und sein starker Wille, verbunden mit dem
Umstand, da er Drudins Lieblingsschler war, hatten ihn an
112
rent um das Amt des neuen He
rrschers ber Nyrngor, war mit
Sicherheit tot, denn sonst htte er ihm lngst den Titel streitig
Duldamuur! sagte er gepret. Ich brauche deinen Rat und
deine Hilfe!
Der Dmon gab keine Antwort, die menschliche Ohren
ren konnten. Aber die verkrampfte Haltung des jungen Man-
nes, der im Thronsessel Knig Carnens sa, lste sich ein we-
ternehmen. Nyrngor droht mir zu entgleiten!
Verbindung zum Schatten-
reich existent, war mchtig und listig. Er gehorchte und be-
des Priesters.
Feithearn stie ein leises Kicher
n aus und sagte: Das ist gut!
Nur wenn er allein war, sprach er laut mit Duldamuur. Das
und der Dmon erkannte ihre Notwendigkeit ebenso.
Feithearn wrde viel Kraft brauchen, und der Dmon gab sie
Ich wei, was ich zu tun habe
, murmelte er. Er stand auf
und wanderte durch den Saal. Er blieb am Kaminfeuer stehen
und blickte in die lodernden Fla
mmen. Dabei fiel ihm ein, da
Wir brauchen einen starken
Rappen. Sucht unter unseren
Pferden das beste aus! Es mu dem Einhorn gleichen. Ich
brauche einen sehr guten Reiter. Er mu das Pferd ohne Sattel
113
Die Caer grinsten; sie erkannten den Umfang des Planes. Ei-
ner von ihnen fragte beeindruc
kt: Du willst einen Gegenreiter
Und ihn mit dmonischen Krften ausstatten. Ich wei, da
wir den Willen der Nyrngorer brechen mssen. Wir haben zu
So ist es, besttigte ein Hauptmann. Wir werden dir bis
Ihr versteht! sagte Feithearn zufrieden, denn er sah, da
ihm die Krieger ohne Murren gehorchten. Wir mssen die
Ordnung aufrechterhalten. Wi
Der Hauptmann schlug mit der Faust gegen den Brustpan-
Feithearn nickte und entlie die Krieger. In dieser Nacht
wrden die Nyrngorer ein seltsames Schauspiel erleben. Wie
allerdings Hester auf den Plan
des Zauberpriesters reagieren
wrde, wuten weder Feithearn noch Duldamuur, sein D-
he die Wildlnder. Was er ber sie wute, hatte er aus zweiter
Chance, aber es sah in diesem Moment nicht so aus, als wr-
Mythor versuchte einem Kampf aus dem Weg zu gehen. Er
hatte nichts gegen diese Kriege
r, deren Welt die Einde war.
Aber er wrde sich wehren mssen, wenn sie ihn angriffen.
Die Tr und die Wnde des Hauses wrden ihrem ersten An-
114
Er huschte zurck in den Raum, lie das Pferd saufen und
schnallte sorgfltig den Sattel fest. Ein Rest Wrme hing noch
rechten auf und schlo das Kinnband. Das
Anwesenheit Fremder und hob den Kopf. Mythor klopfte be-
ruhigend den Hals des Tieres. Vi
elleicht glckte es ihm, die
Krieger dort drauen zu berras
chen. Ganz langsam fhrte er
Mythor sprang zurck, zog das Glserne Schwert aus der
Bodenritze und schlpfte in den Mantel. Was sollte er tun?
Wieder sphte er durch den Spalt. Die Wildlnder waren n-
her herangekommen; zwei Mnne
r gingen hinber zur Scheu-
Schatten der groen Kapuzen aus Fell lagen.
Mythor lauschte auf das su
mmende Drngen des Helmes
Er hob die Schultern und entfernte den Holzstamm von der
Tr. Einer der drei briggebliebenen Wildlnder schulterte
sein Speerbndel und stapfte nach
rechts: Sie wollten also ver-
suchen, alle Seiten des Hofes zu kontrollieren. Offensichtlich
waren sie zum erstenmal hier.
Ich versuchs! sagte sich Mythor und ri die Tr auf. Das
Pferd machte einen Satz und stand vor dem Haus. Mythor
schwang sich in den Sattel un
d gab dem Rappen die Sporen.
Er ri das Schwert hoch und beugte sich weit vor. Das Tier
machte fnf oder sechs kraftvolle Stze durch den halbhohen
Schnee, dann erst erholten sich die Wildlnder von der ber-
raschung. Whrend Mythor auf si
e zugaloppierte, stie er ei-
nen heiseren, anfeuernden Schrei aus und hob das Schwert.
Die Wildlnder sprangen auseinander. Einer strzte in die
Hecke. Mythor sprengte auf den Raum zwischen ihnen zu,
115
warf einen blitzschnellen Blick ber die Schulter und sah, wie
einer der Mnner an der Scheune mit dem Speer ausholte. Er
duckte sich noch tiefer und schlug
zuerst nach rechts. Sein
Schwerthieb wirbelte den Speer aus den Hnden des Mannes
und schleuderte ihn ein zweites Mal in den Busch zurck. Der
Krieger auf der linken Seite schleuderte einen Speer, der ber
Mythors Kopf hinwegpfiff und sich irgendwo in den Schnee
Spitze sich drohend auf My-
brochen. Das Pferd warf sich herum und galoppierte in kur-
zen, hohen Sprngen weiter.
zuflog. Er verfehlte Tier und
Reiter nur um eine Elle und
knirschte in eine Schneewehe. Di
e Hufe des Pferdes berhrten
unter dem dnnen Schnee hinter der Hecke gefrorenen Boden,
und schlagartig nahm
Mythor blickte sich um. Hinter ihm rannten die Mnner zu-
sammen, aber er war bereits auerhalb der Reichweite ihrer
Geschosse. Das ausgeruhte Tier
galoppierte geradeaus, bis der
Schnee wieder tiefer wurde, da
nn lie Mythor den Zgel los.
Der Rappe kmpfte sich durch Schneewehen und ber die fla-
Der erste Zusammensto mit den unbekannten Kriegern war
glimpflich abgelaufen, sagte sich Mythor. Er hatte Glck ge-
habt. Eine grere Horde und ein anderer Hinterhalt, und er
wrde nicht ohne Kampf davonkommen.
Der Helm?
Der Helm der Gerechten schwieg und half ihm nicht weiter.
Mythor war gnzlich ohne Orient
ierung. Es schneite nicht, der
Wind war mig, und trotz der Helligkeit gab es keinen Son-
nenschein. Mythor ritt nach Sde
n, aber seine Richtung konnte
sich bald wieder ndern. Er war ratlos und wute nicht, wo-
116
Er ritt bis Mittag weiter, ohne einen weiteren Wildlnder
auch nur aus der Ferne zu sehen. Die Wahl des Weges ber-
lie er dem Rappen. Das Tier suchte den leichtesten Weg, und
Das flache Land ging zunchst
in Gebsch ber, aus den B-
schen wuchsen niedrige Bume,
und dann fing wieder ein
Waldgrtel an. Das Pferd schob
sich zwischen schneebedeck-
ten Zweigen hindurch. Die Hufe
trafen auf weiches, federndes
Laub. Ab und zu schnellte ein
Zweig in die Hhe, und eine
schwere Last Schnee krachte und prasselte auf den Boden oder
auf Mythors Schultern. Eine wohltuende Ruhe herrschte unter
den dichten Baumkronen. Mitten im Wald, auf einem der zahl-
losen Tierpfade, lie der Helm sein Summen vernehmen. My-
Der Pfad wand sich in endl
osen Windungen zwischen den
Stmmen dahin, folgte einem zugefrorenen Bach, brach pltz-
lich ab und wurde jenseits ei
nes undurchdringlichen Gebschs
das Pferd an und lauschte angestrengt.
Die Tiere des Waldes schienen sich versteckt zu haben. Au-
er dem Brechen der ste und dem Poltern der fallenden
Schneepolster und jenen Lauten, die Pferd und Reiter selbst
verursachten, gab es keinerlei
Gerusche. Trotzdem blieb er
Mythor ritt auf die grte ffn
ung zu, die er in dem braunen
An der Grenzlinie zwischen Wald und Flachland hielt er an.
Seine Augen suchten die Ebene vor sich ab. Es war
eine groe
117
regelmigen Gruppen von
gen kleinen Hgeln umgeben.
Ein tiefer Einschnitt lag auf der gegenberliegenden Seite der
Lichtung und schien die logische Fortfhrung von Mythors
Weg zu sein. Es lag nur wenig Schnee auf dem Boden, und
Mythor trieb den Rappen an. Das ausgeruhte Tier galoppierte
willig und brachte den Reiter schnell bis in die Mitte der freien
Noch war die Lichtung leer.
Kein Leben zeigte sich. Wh-
rend Mythor in den Steigbgel
n federte, um dem Rappen die
sah er sich immer wieder um.
Die Rnder des Einschnitts kamen nher. Die Ebene fiel
leicht ab und lief in einen Hohlweg aus. Hier entdeckte My-
thor zum erstenmal Spuren, die unzweifelhaft von Menschen
stammten. Sie kamen von rechts und links, vereinigten sich
schnitts einen breiten Weg. De
r Schnee war bis zu einer dn-
Rappe sprte die Unruhe des Reiters und wurde schneller. In
einem gestreckten Galopp sprengte der junge Krieger durch
den Hohlweg. Bisher war sein Mi
trauen nicht gerechtfertigt
gewesen. Kein Wildlnder tauc
hte auf, keine Geschosse surr-
Aber der Hohlweg wurde schmaler und tiefer, die Hnge
wurden immer steiler; schlielich wand sich der Weg nach
rechts und links. Gestrzte Bum
e lagen ber dem Einschnitt,
ein Windsto warf breite Schneefahnen von den Kanten. My-
Vor ihm brach eine Schneeschic
ht von einem Stamm und fiel
wie ein weier Vorhang mitten auf den Weg. Hinter den hoch-
118
ragenden Wurzeln des gestrzten
Baumes erhoben sich zwei
Gestalten. Zuerst starrten sie bewegungslos auf Mythor herun-
ter, dann griffen sie hinter sich
und hielten Wurfspeere in den
Hnden. Mythor ri das Schwert hoch und winkelte den Arm
Die Wildlnder griffen ihn ohne Warnung an und schleuder-
ten schweigend die Speere. Mythor sah, da eines der Ge-
schosse schrg ber ihn hinwegflog, die Spitze des zweiten
aber genau auf ihn zuschwirrte. Das Schwert bewegte sich
blitzschnell nach rechts und traf den Speer dicht hinter der
Spitze. Der Speer wurde zur Seite gewirbelt und schlug zu
Boden. Ein dritter Angreifer tauchte auf, als Mythor genau
unter dem Stamm hindurchritt. Er handhabte, das sah Mythor
gerade noch aus den Augenwinkeln, eine Schleuder. Der Stein
jaulte durch die Luft, traf das Horn des Helmes und zerplatzte
dort. Mythor beugte sich aus
dem Sattel, schttelte sich und
Sie scheinen mich nicht leiden
zu knnen, knurrte Mythor
und sprengte mit losem Zgel weiter. Der Weg beschrieb eine
Biegung nach rechts. Die Hufe des Rappen gruben sich in den
Schnee des linken Hanges, als das Tier dem Weg weiter folgte.
Es schien die Gefahr zu wittern und wurde, ohne da Mythor
Verdammt! Mythor fluchte.
Ich htte den Wald nicht ver-
Er ritt einen schrgen Hang hinunter, galoppierte durch den
hohen Schnee wieder auf den Hohlweg zurck und schwang
Alton ber dem Kopf. Wieder heulte ein Stein ber ihn hin-
weg. Ein Pfeil klirrte splitternd von der Klinge
Altons ab. Der
ber eine Kluft. Sie war nicht sehr tief, aber die Wnde bilde-
ten einen glatten doppelten Ab
sturz, ohne jede Treppe und
119
Mythor ritt in hartem Galopp auf den Anfang der seltsamen
Brcke zu. Zwischen den Fels
en und hinter Schneeanhufun-
gen sprangen Wildlnder hervor, hoben ihre Waffen und zo-
Es war ein Fehler, den Wald zu verlassen, knurrte Mythor,
bgel. Er hob das Schwert, das in der beginnenden Dmme-
thor, halb Furcht im Herzen, ha
lb voll erbittertem Trotz, in der
Mitte der Brcke auf die Linie der Wildlnder losritt. Aus den
Nstern des Rappen kamen lange Dampfwolken. Seine trom-
melnden Hufe warfen Eisbrocken hoch.
Der erste Speer bohrte sich zwei Handbreit vor dem Pferd in
den Schnee. Der Rappe brach den
Schaft mit der Schulter ab.
Einige Pfeile schwirrten dem Reiter entgegen. Einer ri einen
Schnitt in Mythors Mantel, ein anderer zerschnitt das Fell des
Rappen an der Kruppe, und das Ti
er wieherte laut auf, bum-
te sich auf, fiel zurck und schlug mit den Vorderhufen zwei
Wildlnder nieder. Mythors Schwert fuhr aufwrts und ab-
wrts. Der harte Hieb schlug na
cheinander zwei xte aus den
nchsten Gegner, der sich ihm entgegenstellte, den Speer aus
den Hnden.
Dann war er am jenseitigen Ende der Brcke, ritt wieder
durch einen Hohlweg aufwrts und tauchte, ohne da
terer Wildlnder sich ihm entgegengeworfen htte, in den
nchsten Abschnitt des Waldes ein. Einige hundert Atemzge
lang behielt er den Galopp bei, dann lie er den Rappen in
Trab fallen und schlielich in langsamere Gangart. Es wurde
rasch dunkel, und die Nacht kam,
als Mythor sich am Rand
einer winzigen Lichtung befand. Einmal ritt er um die Lcke
120
zwischen den Bumen herum, aber er bemerkte nichts, was
Zwischen einigen Felsen und in einer Hhlung, die von rie-
wurde, band er die Zgel des Pf
erdes fest. Zuerst reinigte er
die Wunde des Tieres und strich
darber, die er im Gepck des Caer gefunden hatte. Er sam-
melte Zweige und warf sie dem Rappen vor. Das Tier leckte
am Schnee und an den Eiszapfen, und es wieherte dankbar
Er selbst a einige Streifen
Auch diese Nacht fand er Schlaf, obwohl ihn das Tier vier-
mal weckte. Aber der Rappe schien nur Raubtiere gehrt zu
haben, keine Wildlnder. Mythor behielt den Helm auf dem
Kopf und das Schwert in der Hand. So fand er sich am nchs-
ten Morgen wieder, leidlich ausgeschlafen und starr vor Klte.
Noch immer wute er nicht, wo wirklich sein Ziel lag.
Der Anfhrer glitt aus dem Sattel, versank bis zu den Knien
im Schnee und fate den Zgel se
ines Tieres ganz kurz. Ja,
das ist es, sagte er leise. Das ist das verwunschene Tal. Aber
ich sehe nicht einen einzigen Vogel, keinen Hund nichts!
Auf den Resten der Kuppel lag Schnee, er bedeckte auch vie-
le der Pilze und der Farnwedel. Aber ebenso deutlich war
auch, da er an den meisten Stellen des Tales entweder bereits
geschmolzen war oder erst gar
nicht gefallen. Hinter dem An-
fhrer staute sich der lange Zu
g der drei Hundertschaften mit
ihren dampfenden Pferden.
Der Frostriese Ymeer, sagte der Fhrtensucher, hat das
121
Frostriese oder nicht, gab
der andere mrrisch zurck.
gegebenenfalls zu erobern.
Er hob die Hand und schrie: Hundert Mann bleiben hier
und kmmern sich um die Pferde. Alle anderen kommen mit
n Winkel. Macht schnell!
Die frierenden Caer-Soldaten sprangen von den Stteln, kno-
nen Gruppen und stapften an den Rand des Tales, an die Reste
der wuchtigen Umfassungsmauer. Auch die Hnge und die
senkrechten Felsen waren voller Eis und Schnee. Die ersten
Caer machten sich an den Abstieg. Sie rutschten und stolper-
ten den Hang hinunter, den einige von ihnen vor Tagen hin-
sich, kein Geier zog im nebligen Himmel seine Kreise.
Bei Ymeer! Ein Platz voller Rtsel! drhnte die Stimme des
Anfhrers. Er erreichte den Talboden und sprte, wie die Kl-
Hinter ihm sprangen Gruppen von Soldaten, die Schilde am
Kinn und die Schwerter in den
Hnden, auf den weichen Bo-
den des Tales. Aber keiner vo
n ihnen bemerkte den einsamen
Spher, der sich im Schnee zw
ischen den Trmmern der Um-
und das Brechen von drren
Wedeln waren zu hren, als sich die geschulten Kmpfer zu
drei Keilen formierten. Je einer entfernte sich nach rechts und
links, der dritte stie langsam und wachsam in die Richtung
des Zentrums vor. Die unheimliche Ruhe des Tales wurde
durch Kommandos und Rufe jh gestrt. Die Mnner kamen
an den Leichen ihrer Kameraden
vorbei und sahen, da Amei-
sen die Krper teilweise bis auf die Knochen abgenagt und
122
sogar Stoff, Fell und Leder nicht verschont hatten. Immer brei-
Sie untersuchten jeden Fubreit des Tales. Die erste Gruppe
drang durch das trmmerberste Mauerloch in der rissigen
Kuppel ein. Zahlreiche Spuren wurden sichtbar, denen die
Auch sie standen vor dem riesig
en Kopf und staunten, auch
sie entdeckten die Halle der Ma
sken und einen gigantischen
Sie suchten zwischen den Trmmern, brachen Tore auf, die
teilweise bereits vermodert waren, und sie fanden nichts ande-
res als uralte Dinge ohne erkennbare Bedeutung. Jeder Raum,
den die Soldaten in den Resten der Kuppel und in den Gewl-
ben darunter fanden, wurde mit Fackeln untersucht. Sie fan-
den auch die kokonartigen Hllen und begriffen, da hier die
Tiere geschlafen hatten, mit denen Hester die Stadt terrorisier-
te. Aber sonst fanden sie nichts.
Zweihundert Caer-Krieger stocherten mit den Schwertern
zwischen den Wurzeln der Bume. Sie wlzten Trmmer und
zerbrochene Quader zur Seite und suchten nach verborgenen
Eingngen. Einige von ihnen begruben
ihre toten Kameraden,
Der Anfhrer brauchte nur in ihre brtigen, schmutzigen
Gesichter zu blicken, um zu wissen, da sie zwar ihren Auf-
Er sprang auf einen Sulenstumpf
, schob sein Schwert in die
he, ihr habt nichts gefunden?
Nicht einmal Spuren. Aber der Mann, den sie Mythor nen-
nen, war mit seinen Begleitern hier.
Er wird ebensowenig gefunden haben wie wir. Gut. Wir
Caers Blut! Es wird das beste sein.
123
Um ihn versammelten sich die Unterfhrer und winkten ihren
Macht schnell! Dann werden wi
r heute noch ein gutes Stck
zurck schaffen.
hang wieder hinauf. In guter
ihre Pferde und ritten in der brei
ten Spur zurck, die sie selbst
eine Gestalt auf der rechten Seite zu sehen. Als er genauer hin-
Ihr Auftrag war ausgefhrt. Feithearn konnte die dreihun-
dert Mnner brauchen. Die Ordn
ung in Nyrngor litt, solange
der Einhornreiter nachts um
die Mauern galoppierte. Aber
Zwischen den Bordwnden der Sc
hiffe spannte sich eine di-
cke Eisschicht. Einige Dreimaster waren auf den Strand, ande-
re auf den niedrigen Kai hinaufgezogen worden. Die Posten
standen mit ihren ruenden Fackeln sowohl an den Schiffen
als auch an den Eingngen de
s Lagerhauses. Im Abendwind
schwankten die froststarren Seile und die hlzernen Elemente
der Flaschenzge. Zitternd vor Klte, drngten sich die Pferde
in einen windgeschtzten Winkel zwischen den verlassenen
Gebuden des Hafens. Alles lag leer und im erbarmungslosen
Griff des Winters da. Nur im Inneren des grten und wenig
zerstrten Gebudes, der Lagerhalle, herrschten aufgeregte
Ttigkeit und eine Spur Wrme. Zahlreiche Fackeln, von
schweigenden und grimmig blickenden Kriegern gehalten,
Zwei Mnner hielten einen Ra
ppen am Zgel. Das pech-
schwarze Tier war unruhig und keilte aus, als ein Caer, der
handwerklich sehr geschickt war, ihm ein breites Band um die
124
Stirn befestigte. In der Mitte des Bandes wuchs das mehr als
eine Elle lange Horn hervor, freilich befand es sich tiefer am
Schdel als das Horn des echten Einhorns. Auch waren viele
Stellen des Tieres mit schwarze
breiter Gurt mit einigen Schlaufen, der dicht hinter den Vor-
Der Reiter stie ein heiseres Lachen aus. Gut, da Hester
keine wilden Drohungen ausstt. Sonst mte ich ihm noch
Die Fackeltrger und die Soldat
en stimmten in das Gelchter
ein. Nur Feithearn lachte nicht. Er konzentrierte sich auf seine
Aufgabe und sprte, wie der Dmon seine Lebenskraft sam-
Der Reiter war mittelgro, aber nicht schmchtig wie Hester,
sondern schmal und sehnig. Sein Haar war tatschlich blond
und dnn. Man hatte ihm hnliche Kleidung angezogen und
ihm auch einen Mantel gegeben, der dem hnlich war, den
Hester trug. Das Pferd war gut gefttert worden und war halb
bermtig vor Kraft. Schon aus
wenigen Schritten Entfernung
sah man den Zgel kaum und bemerkte den Gurt gar nicht
mehr. Das echte Einhorn trug keinen Sattel.
Der Gegenreiter ist bereit, Herr! meinte ein Hauptmann.
Erst spter. Vor Mitternacht, winkte Feithearn ab. Er hatte
den schwarzen Mantel mit den Silberstickereien ber die
Schultern geworfen und trug ber der glsernen Haut seines
Gesichts die Maske und den spitzen Helm. Die Handschuhe
die Finger nach dem Pferd
ausstreckte. Wieder wurde das Tier unruhig und mute mh-
sam gebndigt werden.
Duldamuur! Dmon, den ich beschworen habe und der in
mir lebt! Ich rufe dich. Ich brauche deine Strke und deine
125
Die Stimme des Priesters klan
g verzerrt vor Konzentration.
Das Gelchter der Caer und das Murmeln der Unterhaltung
der heien Luft, die von den Fa
ckeln aufstieg, bewegten sich
te dumpf, als stehe es unter
schen dem Pferd, dem Reiter und dem Priester. Geistige An-
strengung lie die Lippen Feithearns schmal werden und
Schweitropfen auf der glsern scheinenden Haut perlen. Der
Dmon schien zu antworten, aber nur Feithearn hrte und
Erhalte mit deiner unfabaren Kraft den Reiter und das
Tier! Es mu stark und ausdauernd sein, keine Scheu zeigen
und dem Reiter gehorchen, als sei es sein Geschpf! beschwor
Der schwere, breitbrstige Rapphengst schttelte den Kopf
und warf ihn stolz in den Nacken. Die Muskeln des Tieres
schienen anzuschwellen. Die Hufe bewegten sich tnzelnd,
aber auch ohne Zgel hielt da
trolle. Nur seine Augen rollten, und der Atem fuhr in langen
Die Caer, die diesen ersten Teil der magischen Beschwrung
miterlebten, wuten nur ungenau, da die groe Entfernung
von der Schattenzone, die keiner von ihnen wirklich kannte,
von Feithearn eine gewaltige Kraft erforderte. Aber sie sahen,
da die Energien des Zauberpriesters wirkten und auch auf
den schmalschultrigen Kameraden bergriffen. Der Dmon
gehorchte dem Priester.
Der Caer, Torasc nannte man ihn, sthnte auf. Sein Grinsen
erstarb. Er fhlte in den Armen und Fingern eine neue, pri-
126
ckelnde Kraft. Die Schwarze Magie fing an, ihn zu verndern.
Er wute: Er wrde keine Klt
e spren und keine Erschp-
fung. Die Speere, die er schleuderte, wrden ins Ziel treffen.
Eine groe Ruhe und Sicherheit kam ber ihn. Magie wrde
ihn nun leiten und ihm die Kraft mehrerer Mnner verleihen.
In seiner Vorstellung und se
iner berzeugung fand eine
Wandlung statt. Eine ruhende K
raft fllte ihn aus, sie wrde
ihn zu ungeahnten Leistungen be
fhigen, sobald er sich auf
den Rcken des herrlichen Tieres schwang und in den Schnee
hinausgaloppierte.
Den Rest der Beschwrung hrte er nur noch als monotone
Dann trat er dicht an das Tier heran, griff nach dem dnnen
Riemen des Zgels und hob di
e Wurfspeere in seiner Hand.
Ich bin bereit, sagte er mit vllig vernderter Stimme. Ich
wei, was ich zu tun habe. Wann soll ich reiten?
Auf seltsame Weise schienen Reiter und Pferd miteinander
des Caer den Boden berhrten, eine unlsbare Einheit.
Kurz vor Mitternacht, sagte Feithearn leise. Er taumelte.
Zwei Krieger sprangen auf ihn zu und ergriffen ihn an den
Oberarmen. Sein Atem ging laut und rasselnd. Und hierher
Ich wei es! versicherte Torasc. Ich bin der Gegenreiter.
Feithearn sackte zusammen. Es
war, als habe alle Kraft sei-
nen Krper verlassen. Er flsterte heiser: Bringt mich zurck
in den Palast.
Seine Leibgarde schleppte ihn aus dem Lagerhaus und hob
ihn in den Sattel des Pferdes. Fackeln wurden geschwenkt, als
lugen. Das war ein Signal
fr die Posten, sich zurck
zuziehen. Nur ein paar Mnner
blieben zusammen mit dem Gegenreiter in dem Bauwerk zu-
127
rck. Sie hatten Futter hierhergebracht, es gab fr Torasc und
die Wchter weiche Lager und gengend Nahrungsmittel. Die
Nyrngorer hatten nichts gesehe
n, und berdies waren weder
der Reiter noch sein falsches Einhorn als das zu erkennen ge-
Nur einer der Caer fragte seinen Kameraden flsternd: Was
aber passiert, wenn Hester und Torasc vor den Mauern auf-
einandertreffen? Wird Feithearns Magie siegen? Oder?
Der andere hob die Schultern und spuckte aus. Ich hoffe,
der Speer von Torasc trifft so gut wie die Wrfe des echten
Einhornreiters.
Einige Stunden spter zogen sie ein Tor des hlzernen, zugi-
gen Gebudes auf. Torasc schwang sich mit einem gewaltigen
Satz auf den breiten Rcken des Hengstes. Die Stiefel des Caer
schlpften in die unsichtbaren Schlaufen, die Hand, die den
Zgel hielt, fuhr durch einen anderen Griff am Gurtband. Drei
die mit Ru geschwrzten Sporen ein und galoppierte an. Wie
ein schwarzer Blitz scho der Hengst durch das Tor hindurch.
Der Hufschlag wurde als Echo zwischen den Mauern hin und
her geworfen, dann wechselte er ber in den knirschenden
Aus der Ferne hrten die zurckgebliebenen Wachen das
schauerliche Heulen des Wolfes.
Auch der echte Einhornreiter
Erst nachdem Mythor das Pergament mit dem Bildnis der
schnen Unbekannten wieder sorgfltig unter dem Wams ver-
128
aber gleichzeitig mit den un
hchst berraschende Gedanken deutlich geworden. Mythor
tung: nach Sdwest.
Und was werde ich dort finden? Wieder Wildlnder, die
mich hassen? fragte Mythor laut.
Ein Wind, dessen Tne aufwrts und abwrts glitten und ei-
ne heulende Melodie ber das freie Gelndestck bliesen, zerr-
te an ihm und ri den Schaum von dem Maul des Pferdes.
Es war noch nicht lange her, seit er den ersten deutlichen
Hauch der Bestimmung gesprt
hatte. Gefhrliche Abenteuer,
unzhlige Entdeckungen und eine
geradezu gewaltige Entfal-
tung seines Wissens und seiner Kenntnisse hatten ihn seither
bereichert. Selbst das Schwert ha
tte er besser und krftiger zu
fhren gelernt vom unglcklichen Coerl OMarn. Die geistige
Enge seiner Heimatstadt Churkuuhl war ein fr allemal vor-
So ist es! Bei Erain! besttigte er sich selbst. Er nherte sich
dem nchsten Waldabschnitt, der hinter den Schneednen
dunkel und geheimnisvoll aufragte. Auch heute herrschten
Hochnebel, leichter Schneefall und Wind, aber die Sonne
konnte den Dunst nicht durchdringen. Ruhig trabte der Rappe
in einer schmalen Spur, die vo
war, der schmalen Lcke entgegen, die sich im Gebsch zeig-
Mythor legte die Hand an den Schwertgriff.
Horden waren vermutlich nichts anderes als Familienverbn-
129
nur deswegen war Mythor so selten mit ihnen zusammenge-
troffen. Wieder schlug die Ruh
e des Waldes ber Mythor und
dem Pferd zusammen. Der Tierwechsel verbreiterte sich, wur-
de wieder schmaler, fhrte im Zickzack aufwrts und abwrts
e Abstnde zwischen den
dnnen Stmmen wuchsen, die freie Sicht zeigte, als Mythor
das Pferd zgelte, ein Bild, das ihn gleichermaen berraschte
Aus einer weitestgehend flache
n Landschaft, deren Einsam-
keit nur von wenigen kleine
n Baumgruppen unterbrochen
wurde, ragte ein Tafelberg heraus. Vor Mythors Augen lag
eine unregelmig gewellte Flche von makellosem Wei.
Darin waren die schwarzen und dunkelgrnen Flecken der
Gewchse, und genau im Zentrum ragte, mehr als fnfzig
Mannsgren hoch, der Tafelberg auf. Er war graubraun und,
so gut Mythor es feststellen konnte, unbewachsen. Seine Ab-
hnge waren von seltsamen Klften und Schrunden durchzo-
gen, die hellere Farben zeigten. Mythor blinzelte und schttel-
te verwirrt den Kopf. Gerade dort, wohin er blickte, mute
sich ein groer Hhleneingang befinden. Der Berg schien rund
zu sein, wie ein Kreis, und die oberste Flche war von den E-
wigkeiten der Zeit glattgeschliffen worden. Der Fu des grau-
en Berges wies einen greren Durchmesser auf als das Gip-
Der Helm gab ihm keine Besttigung. Mythor gab seinem
Rappen leicht die Sporen, und das
Tier fiel in einen langsamen
Galopp. Eine Fahne stiebenden Schnees hinter sich, sprengte
ar sicher, sich am vorlufigen
Ziel seiner Wnsche zu befind
en. Vorbergehend drngte er
die Gedanken an den Verlust der drei Tiere zurck und sphte
130
aufmerksam nach vorn. Vorsicht
und Mitrauen erfllten ihn,
und sein Instinkt trog ihn nicht.
Nach kurzer Zeit sah er an viel
en Stellen zwischen sich und
dem Berg dunkle Gestalten aus dem Schnee auftauchen, als
htten sie ihn schon lngst erw
erkannte er eine Gruppe, vor de
m Eingang formierte sich eine
mehrfach gestaffelte Kette.
Wildlnder! Bei God und Erain und es sind zu viele!
Tausend Mannslngen trennten ihn noch von dem schwar-
zen Eingang. Langsam zog er das Glserne Schwert und ritt
auf die ersten Posten zu. Sie a
lle trugen die Kapuzen, die fr
die Wildlnder typisch waren.
Mythor ahnte, da er die Grenze Dandamars bereits hinter
Eine Gruppe von drei Mnnern drang auf ihn ein. Er wollte
zwischen ihnen hindurch auf sein
Ziel zugaloppieren, aber er
fuhr sogleich im Sattel heru
m und schlug das kurze Schwert
aus der Hand des ersten Angreifers. Der zweite sprang zur
Seite, als sein Artgenosse taumelte und auf das Heft der Waffe
thor. Mit dem zurckschnellenden Hieb des langen Schwertes
Schaft in zwei Hlften.
Dann stieg der Rappe hoch, schlug mit den Hufen nach dem
dritten Angreifer, der ein langstieliges Beil mit eiserner
Schneide ber seinen Kopf sch
wang und dabei einen trillern-
den Schrei ausstie. Das Eisen klirrte hart gegen das schwach
leuchtende Schwert, und die Wucht des Hiebes schlug einen
zwei Finger tiefen Ri in das Metall. Die Axt entglitt den ge-
Mythor lie den Zgel los, beugte sich aus dem Sattel und
packte den Angreifer am Schultergurt. Die Nhte des Fellman-
131
tels rissen knirschend. Die Kapu
ze fiel nach hinten und ent-
hllten ein brtiges Gesicht.
Dunkle Augen blitzten Mythor
wtend an. Das Pferd machte einige Stze, und der Krper des
Mannes wurde ber den Schnee gezerrt.
Mythor erkannte, da er nicht gegen Rotten von Waldbe-
Sie waren nicht so geschult wi
e die erbarmungslosen Armeen
lenstellern und Jgern an. Er
warf den Mann in den Schnee,
der Krper berschlug sich und blieb liegen, whrend der
Rappe auf die nchsten Verteidiger des einsamen Berges zu-
Sie verteidigen den Berg! Das ist die Erklrung! murmelte
Mythor grimmig und hob das Schwert.
Aber immer mehr Wildlnder schoben sich zwischen ihn
wie Gerste zu sehen und, aus
der Bergflanke vorspringend,
die kantigen Formen menschlicher Riesengesichter. Aber
schon glitt sein Blick wieder na
Gesamtheit eine Art Halbkreis, dessen Enden sich ihm entge-
genwlbten. Die Falle war aufgestellt und wrde sich bald als
Mythor fiel eine einfache List ein. Er hatte weder die Absicht
Er lchelte khl und ritt un
verndert schnell auf den Mittel-
punkt der Verteidigungslinie zu
. Vor ihm blitzten zahlreiche
Schwerter und Lanzenspitzen auf. Die Wildlnder in ihren
Fellen gehorchten zweifellos jemandem, der die Hhle und
den Tafelberg beherrschte. Mythor schwang das Schwert, als
wolle er angreifen. Die vorderste Linie kam immer nher, er
zgelte das Pferd und sah sich
um, als wolle er zurckreiten
132
und flchten. Aber die Enden
der sichelfrmigen Umzinge-
lung begannen sich bereits zu
schlieen. Mythor zwang den
wiehernden Rappen zweimal, sich um seine eigene Achse zu
drehen, dann machte er abermals einen schnellen Ausfall zu
der Stelle, an der die Verteidiger am dichtesten standen.
Er wirbelte mit dem Schwert drei Mnnern die Waffen aus
den Hnden und schlug einen vierten mit der flachen Klinge
in den Schnee. Dann hielt er das Schwert waagrecht ber sei-
nen Kopf, parierte das Pferd und schob langsam Alton zurck
in den breiten Grtel.
Hrt auf! rief er in Gorgan, der Sprache der nrdlichen
Welt. Ich will nicht gegen euch
Mehrere Mnner traten vor, die Spitzen ihrer Lanzen auf die
Du kommen. Wir auch nicht tten. Zum Berg, in drei Hh-
Ich werde nicht fliehen! versprach Mythor und hob den
Mnnern die Handflchen entgegen.
Ein schweigender Kreis schlo sich um Mythor. Da er die
vermochte er nicht abzuscht-
zen, wie gro die Drohung war. Aber Hunderte von Speeren
besttigte sich Mythors erster Eindruck, da zumindest diese
Mythor lie den Rappen im Schritt gehen, bis ein Wildlnder
an den Zgel griff und das Pfer
d fhrte. Das Staunen Mythors
wurde grer, als er in dem diffusen Licht mehr Einzelheiten
133
Aus dem Felsen waren Gesichter herausgeschlagen und ge-
Riesengroe Gesichter, viel grer als jenes, das er in den
Ruinen des verwunschenen Tales bewundert hatte, starrten
ihn an und blickten, seiner Schtzung nach, in die Richtung
des verwunschenen Tales. Trot
or die Fremdheit der Kpfe.
Ein bser, dmonischer Ausdruck lag in jenen Mndern,
strahlte ihm aus den blinden Augen entgegen. Das Vorhan-
die Bildhauer noch an den
und Hammerschlge zu hren. Er sah niemanden auf den Lei-
Auch an den Stellen, die nur
spannten sich Brcken und schmale
Stege. Also sollte der Berg
rundum ausgemeielt werden. Irgendwann wrde eine unun-
Tafelbergs zieren.
Einige Male hatte er in Nyrn
gor und whrend seiner Wande-
rung diesen Namen gehrt und ihm keinerlei Bedeutung bei-
gemessen. Er ertappte sich bei einem suchenden Blick: Befand
den Riesenkpfen?
Nein.
Schweigend musterte er abermals die
fe. Sie wirkten menschlich und gleichermaen fremd, vertraut
und doch abweisend, arrogant und bse. Mythor glaubte, eine
hnlichkeit aller Kpfe festzustellen. An ihnen mu-
haben. Sicherlich lagen unter dem Schnee am Fu des Berges
134
Vor Mythor wuchs der Berg in die Hhe. Der Ring der Wild-
Im Gegensatz zu den Gesichtern
war der Felsdurchla ohne
Der Mann, der das Pferd fhrte, sagte unter der schtzenden
Ich werde tun, was du verlangst, sagte Mythor und
Der Wildlnder fhrte das Pferd weg. Das Tier folgte gehor-
sam; es schien zu wittern, da es in guten Hnden war. Einige
flache Stufen fhrten in den Hhleneingang hinein. Die Wa-
chen blieben hinter Mythor zurck, aber ihre Waffen waren
Gewlbes trat, verstrkte sich die Empfindung des Fremdarti-
Er ging geradeaus. Einige Feuer und Durchbrche in der
Felswand schufen in der ersten Hhle nach dem kurzen Gang
verschwimmende Helligkeit. Rechts und links sah Mythor Tei-
le von Gersten, Vorratsbehlter und groe Steinkrge, Werk-
zeuge und allerlei bedeutungslosen Kram; alles war verwahr-
lost und abgenutzt. Hammerschlge schallten ihm entgegen.
Sie kamen von einem Feuer, in dessen Licht einige Mnner
zog senkrecht nach oben und entwich durch Spalten im Fels
und Lcher, die auf das Plateau hinauffhrten.
Eine Stimme hinter Mythor sagte laut: Mann am Feuer. Ist
Mythor ging, die Arme locker an den Seiten, auf den Mann
135
zu, der neben demjenigen mit dem Eisenhammer stand. Ur-
verstndliches zu seinen Gehilfen. Dann kam er mit schnellen,
trippelnden Schritten auf Mythor zu, einen langen, kantigen
Meiel in den Hnden.
Wer bist du? fragte er mit einer Stimme, die nicht zu sei-
nem Krper pate. Sie war abgrundtief und hallend, aber nicht
Der Herr des Berges der Gesichter war zwei Kopf kleiner als
Mythor. Sein ungepflegtes H
Bart waren leuchtend silberfarben. Unter buschigen Brauen
zwinkerten graue Augen Mythor an. Urzuguhr hatte einen
runden Hcker zwischen den Schulterblttern, aber einen brei-
ten Brustkasten. Seine Schultern waren die eines Riesen, die
Muskeln an den Oberarmen wand
en sich wie Schlangen unter
der Haut. Seine Arme hingen bis weit ber die Knie herunter.
Als er den Meiel fallen lie und Mythor die rechte Hand ent-
gegenstreckte, sah dieser, da die Fingerspitzen rund und klo-
big geformt waren. Er ergriff die Hand, deren Innenflche hart
Ich schaffe ein gewaltiges Denkmal zu Ehren des
ten, erluterte Urzuguhr. D
u sollst mein Gehilfe werden.
Zeit mag das gelten.
Wir werden sehen. Such dir einen Platz in den drei Hhlen,
Du meinst, fragte Mythor und
sah sich berlegend in der
Hhle um, da du auch im eisigen Winter an den Gesichtern
136
Deshalb schmiede ich meine Meiel. Sie sind alle von mir,
die Kpfe. Aber ich bin mit der Arbeit noch lange nicht zufrie-
Mythor dachte, wenn er sich den Anblick der Gesichter wie-
der vergegenwrtigte, mehr an Drudin von Caer als an den
Lichtboten. Aber er uerte sein
e Zweifel nicht, sondern such-
te sich eine leere Nische in de
r zweiten Hhle. Dort warf er
sich auf ein Strohlager und
entspannte seine Muskeln. Nur
langsam wich die Klte aus seinen Knochen.
Wenn ich nicht ganz irre, flsterte Mythor nachdenklich,
ist der Silberhaarige zwar ein genialer Knstler, aber alles
andere als normal. Ich werde auch hier die Wahrheit heraus-
Er schlo die Augen, und als er in einen flachen, kurzen
Schlaf fiel, hrte er ununterbrochen das Klingen des Hammers
auf dem Ambo. Die Spitzen der Meiel wurden geschrft,
und bei den nchsten Bildhauera
rbeiten wrde er helfen ms-
Torasc sprte nicht die Klte, er hatte keine Angst und dachte
nicht an Gefahr. Eine grenzenlose Kraft erfllte ihn, ebenso
das Bewutsein dieser Strke. Das Tier unter
ihm galoppierte
sich ber die Zinnen und sphten zu ihm herunter.
Der Gegenreiter sah, wie der Nebel ber ihm an einigen Stel-
len aufri. Sterne funkelten auf, der Schnee schien zu leuchten.
Wieder heulte der Wolf am an
deren Ende der Stadt auf. Der
Hufschlag des Rappen brach sich an der Mauer. Einige Caer
seiner Hand waren leicht, und als er am zerstrten Tor vorbei-
137
ritt, suchte er bereits den Kampf.
Er konnte es gar nicht erwar-
ten. Und er wute auch, da vo
n versteckten Stellen die Nyrn-
Zum Schein schossen Caer mit stumpfen Pfeilen auf ihn, die
Pfeile bohrten sich vor und hinter ihm in den Schnee. Das
Horn des falschen Einhorns schwankte auf und ab, ganz an-
ders als das des Tieres, das Hester ritt. Der Wolf heulte haer-
fllt, und als der Falke seinen hellen Jagdschrei ausstie, kam
die berzeugung ber Torasc.
Irgendwo vor ihm, an der Maue
heiseres Lachen aus und beugte sich nach vorn. Am Turm des
Nordwesttores hielt er den Rappen an und lie ihn hochstei-
gen. Er schttelte die Waffen in seiner Hand und machte dro-
hende Gebrden. Dann sprengte
er weiter, dem anderen Reiter
Der graue Wolf wandte im La
uf seinen Kopf und schaute
hinauf zu Hester, dann ri er
den schmalen Schdel in den
Nacken, legte die Ohren an und stie ein heiseres, langgezo-
genes Heulen aus, das in wtend
es Knurren auslief. Der weie
Falke schlug schneller mit seinen langen
Schwingen, reckte
den Hakenschnabel vor und schrie. Das Einhorn bumte sich
hoch auf, schttelte seine lange Mhne und galoppierte auf
Torasc zu. Der Caer lie den Zgel los, den er bisher kaum
gebraucht hatte, und nahm einen Speer aus dem Bndel.
Fasziniert sahen die Menschen auf den Mauern und Trmen,
wie die beiden Reiter in schrfstem Tempo aufeinander los-
preschten. Hinter ihnen wirbelten Eisbrocken durch die Luft.
Licht der Fackel kamen, riesengro und bewegten sich ber
chen oder schrien. Torasc schleuderte den ersten Speer gegen
138
das Einhorn. Das Gescho war unheimlich schnell und erzeug-
te ein summendes Gerusch.
Das Einhorn warf sich nach
rechts, schlug frmlich einen
Haken, schien sich zu ducken
und senkte den Kopf tief zum
Boden. Die Spitze des Horns ri eine lange Spur in den
Schnee. Hester duckte sich nach links ber den Hals der Tie-
res. Der Speer heulte eine Ha
ndbreit ber seinen Rcken hin-
Der Wolf raste auf den zweiten Reiter los und schnappte
nach den Fesseln des Pferdes. Der schwere Rappe sprang zur
Seite, zeigte aber keinerlei Angst vor dem Raubtier. Torasc
schlug mit den beiden Speeren nach dem grauen, wtend
schnappenden und grollenden Tier, aber die langen Schneiden
der Speere wischten haarscharf am
Krper des Wolfes vorbei.
Die Reiter schienen einander ra
mmen zu wollen, aber wieder
handelte das Einhorn drei Schritte vor dem Zusammenprall.
Der Falke hatte seinen schtzenden Platz ber Hesters Kopf
nicht verlassen. Seine Flgel
schienen den Kopf des Jungen
Das Einhorn sprang in vollem Galopp zur Seite. Krachend
schlugen die Speere der Reiter gegeneinander. Dann waren die
geisterhaften Reiter aneinander
seinem Herrn zurck. Der rasend schnelle Wirbel der Hufe
Torasc nahm den zweiten Speer in die Wurfhand. Er wute,
da er Hester beim nchsten Aufeinandertreffen tten konnte,
denn es war undenkbar, da ein zweiter Reiter in der nrdli-
Das nchste Tor kam nach einer Weile in Sicht. Die hlzer-
nen, mit Eisen und Bronze beschlagenen Torflgel hingen of-
fen und schief in den Angeln.
Torasc ri mit einem Schenkel-
druck das Pferd herum, das si
ch genau vor dem Tor aufbum-
te. Dahinter standen, zitternd vo
r Klte und in dicke Felle ein-
139
gehllt, einige Nyrngorer. Hinter den Fenstern eines un-
sich um die Spitze ein fahles Glimmen, das nach wiederum
einigen Schritt Flug aufloderte und grer, heller und heier
wurde. Der Speer scho zwischen den Stdtern hindurch, ver-
brannte die Haare auf ihren Pelzen und schlug in die Wand
der Einschlagstelle nach allen Seiten ein rasendes Feuer aus.
Die Nyrngorer, die diesen Vorg
und vllig starr vor Schrecken mit angesehen hatten, wandten
sich um und rannten zurck, um
zu lschen und die Kinder
Der Gegenreiter donnerte weiter.
Weder er selbst noch sein
Einhornpferd zeigten Spuren von Mdigkeit.
Nur als die Speerspitze aufgef
lammt war, hatte er einen ste-
chenden Schmerz zwischen den Schulterblttern versprt.
Vorbei. Er verga ihn, stellte sich leicht in den Steigbgeln auf
und wute, da ihn zahllose Augenpaare auf den Mauern an-
starrten, da er derjenige war, der die Furcht wieder in die
Herzen der Nyrngorer zurckbringen wrde. Die Furcht vor
In dieser Nacht gab es kein zweites Zusammentreffen der
beiden Reiter. Hester und seine
Tiere schienen sich spurlos im
den des Thronsaals. Die Rume der kniglichen Familie waren
geplndert worden. Dutzende schwerer Leuchter aus Silber,
Gold und voller funkelnder Steine trugen brennende Kerzen.
140
Kamin. Die kostbarsten M-
belstcke aus Schlo Fordmore hatten die Caer hier aufge-
stellt. Wertvolle Mntel und Wandbehnge verdeckten, auf
knigliche Feldzeichen und Zier
lanzen aufgehngt, die Fenster
und einige Tren. Auf einem Tisch, mit kostbarem Linnen ge-
deckt, standen Krge und Pokale, in denen roter Wein schim-
merte. Feithearn, der eine vorbergehende Schwche seines
nen Augen im Thronsessel Carnens. Der Sessel war mit Pelzen
und Mnteln gepolstert, deren goldene Stickerei im Kerzen-
Trotz des Gefhls, jemand saug
e die Kraft aus seinen Glie-
Ein Hauch des Schreckens, flsterte er im Selbstge-
Tatschlich war ein Raunen und Sthnen durch die Stadt ge-
gangen, als der Gegenreiter unter den Mauern entlanggeritten
war. Das brennende Haus hatte die Nyrngorer davon ber-
zeugt, da er der Herrscher war. Nur er konnte Hester vertrei-
ben, der den Stdtern neuen Mut gab.
Da er hierhergekommen war, um zu bleiben und zu herr-
schen, hatte er durch die Ausstattung des Thronsaals bewie-
sen. Ein hartes Klopfen an der breiten Doppeltr unterbrach
Der Hauptmann trat ein. Ein wuchernder Bart bedeckte sein
erschpftes Gesicht. Seine na
sse Kleidung dampfte, Wasser
tropfte aus den Fellen, das Eis auf Schultern und Rcken
Erschpft sagte Kyras: Wir sind zurck. Keinerlei Ausflle,
141
Magie, und es war ihm nur unter Aufbietung aller Wider-
Nichts. Die Tierhorden sind spurlos verschwunden, in den
nichts anderes als Abfall. In
einem Gewlbe fanden wir die
Kokons, in denen der Falke, der Wolf und das Einhorn eine
lange Zeit geruht haben mssen. Wir haben unsere toten Ka-
meraden begraben; sie waren von Ameisen halb aufgefressen.
Sonst sahen wir kein greres lebendes Wesen, und auch die
zurckgekommen und
sofort in die Quartiere gegangen. Viel-
ihn nicht finden.
voll Wein und trank in langen Zgen.
Ihr sollt Patrouillen bilden. Trotz allem haben wir die Re-
bellen noch nicht gefunden. Immer wieder werden wir im
Schutz der Dunkelheit angegriffen. Seid wachsam. Und, noch
Sorge dafr, da Mnner von Nyrngor die Stadt verlassen.
Morgen nacht sollen sie Bume fllen und Holz fr den Palast
sgen. Sie mssen um Mitternacht in der Nhe des kleinen
Der Caer verbeugte sich knapp und verlie mit mden
Schritten den Raum.
142
Unter Torasc bewegte sich der schwarze Hengst. Die breiten
Muskeln spielten, das Fell schimmerte wie poliertes Leder.
Eine Aura animalischer Kraft
ging von dem Pferd aus. Der
und wirbelte Schneekristalle
auf. Jeder Galoppsprung brachte Ro und Reiter dem Norden
von Nyrngor nher.
Die Anzahl der Fackeln und Feuerschalen auf den Mauer-
zinnen war in dieser Nacht besonders gro. Jedes lebende We-
Ereignis stattfinden wrde, da
es sich zwischen den zwei
Einhornreitern abspielte, aber wie es ausgehen wrde, ver-
An diesem Abend hatte Torasc einen langen, mehrfach, ge-
schliffenen Dolch im Grtel, den ihm ein Bote von Feithearn
Torasc lie das Pferd in einem langsamen, krfteschonenden
Galopp dahinrennen. Sein Blick bohrte sich in das Dunkel, von
dem sich die schneebedeckte Flche abhob. Von Hester war
nichts zu sehen und zu hren.
Zwischen dem Tor und dem Wa
ld bewegten sich Menschen.
Axthiebe ertnten, Torasc hrte das Knirschen der Sgen. Caer
standen mit lodernden Fackeln Wache neben den Arbeitern,
die schon den gesamten Tag lang Holz fr Schlo Fordmores
neuen Besitzer geschlagen und
geschleppt hatten. Der Gegen-
reiter sprengte, kochend vor krperlicher Begierde, auf die
Verwirrt standen die Nyrngore
r mit ihren Werkzeugen und
Schlitten da. Holzstmme polterten dumpf zu Boden. Unge-
rhrt ritt Torasc weiter und lenkte den Hengst auf eine Grup-
pe von schwitzenden Mnnern zu
. Das Tier prallte in vollem
Galopp gegen einen Mann, warf einen anderen um, die Nyrn-
143
gorer schrien und fluchten. Mit einem weiten Satz sprang To-
rasc ber einen beladenen Schlitten, das Horn auf der Stirn des
Hengstes zielte auf zwei Arbeiter, die versuchten, nach beiden
Seiten auszuweichen. Einen vo
nieder, der andere fiel schwer ber die Stammabschnitte. Ein
Caer schwenkte seine Fackel, als der Unheimliche vorbeiga-
loppierte und wieder in der Dunkelheit verschwand. Flche
schallten hinter dem Gegenreiter her.
Er sah nicht, da in der Finsternis ber ihm der weie Falke
geruschlos kreiste. Das Tier schwebte zwischen der
und dem dahinrasenden Reiter, der immer wieder drohend
die Speere gegen die Stadtmauer schttelte. Aber er tat es nur
dort, wo er nicht die Fackeln brennen sah, denn dort verbar-
gen sich die Nyrngorer.
Das Nordtor passierte Torasc im Galopp, er nherte sich dem
nchsten Tor in den eisverkrusteten Mauern. Immer hielt er
adern ein; durch den Schnee
hatten beide Reiter hier, wo es kaum andere Spuren gab, eine
gendwo im Osten der Stadt. Kraftvoll und ausdauernd, ohne
die geringsten Mdigkeitsersch
einungen, sprang der Hengst
geradeaus. Der Falke verschwand
, ohne da es jemand sah,
von seinem Platz. Mit einigen schnellen Flgelschlgen
schraubte er sich in die Hhe un
d strich dann pfeilschnell ber
die Stadt hinweg, zu seinem Herrn. Schaurig hallte das Wolfs-
geheul ber die Dcher und Kamine. Ein winterkahler Baum
kam nher und warf die Schneelast seiner ste auf den Reiter
und das Pferd. Torasc schttelte sich nur und fhlte schwach
die Ste des harten Pferderck
ens. Vor dem nchsten Tor,
144
te er einen Brunnen, ber dem sich die dicken ste schwarzer
Bume reckten. Er holte aus und schleuderte den Speer, der
durch die Luft pfiff und sich mi
t einem dumpfen Schlag tief in
die borkige Rinde bohrte. Ein knisterndes Gerusch war zu
hren, dann folgte ein tiefes Summen, das die Mauern zu er-
Torasc stie ein hhnisches Gelchter aus und ri das Tier
herum. Er ritt weiter, hinter Hest
er her. Er wute, da sich in
den nchsten Stunden der Baum
schtteln und bewegen wr-
de. Mitten in der Nacht noch wrde der Baum zu trgeri-
schem Leben erwachen und am
Morgen, beim ersten Licht,
hatte er grne Bltter. Auch dies war ein magisches Zeichen
fr die Krfte des zweiten Reiters. Heilloser Schrecken wrde
Das fahle Summen und das Knistern wurden leiser, der Rei-
hinter dem Knigssohn her. Das Wolfsgeheul wies ihm den
Ich werde es ihnen allen zeigen! knurrte Torasc, whrend
der starke Hengst mit wippendem Stirnhorn unter den Mau-
ern dahinpreschte.
Fr Torasc bestand kein Zweifel mehr: Er war der eigentliche
Reiter, der den Stdtern zeigte, da die Caer und Feithearn die
Stadt in ihrem Griff hatten und niemals mehr loslassen wr-
den, gleichgltig, ob Einhornre
iter um die Mauern galoppier-
ten, Rebellen aus dem Untergrund heraus kmpften oder Zau-
bertiere in den Nchten heulten.
Hufschlag, dazu das Knurren un
d Jaulen des Wolfes. Einmal
schrie der Falke laut. Torasc packte die Speere fester, er wute
noch nicht, auf welche Weise er versuchen wrde, Hester an-
zugreifen oder, wenn mglich, zu tten.
Schlielich sah er Hester auf dem Einhorn.
145
Er ritt keine zweihundert Schr
itt vor ihm. Neben dem Ein-
horn lief der riesige grauwei gesprenkelte Wolf. Auf den
und warfen zitternde Lichter auf den harschen Schnee. Torasc
nen weien Dampfes fauchten aus den Nstern des Pferdes.
Ein Windsto trieb einen weiten Schleier Schnee von dem
wuchtigen Turm, an dem der Care soeben vorbeidonnerte.
Schritt vor ihm war und mit dem rechten Arm in die Richtung
Hunderte von Augenpaaren jede seiner Bewegungen beobach-
Torasc verfolgte Hester. Der Knigssohn wandte sich im Sat-
tel um und blickte seinen Verf
olger an. Noch immer war der
Caer vollkommen empfindungslos; er sprte weder die Klte
noch den gefahrdrohenden Blick des Jungen, noch die Beson-
derheit, die in diesem Zusammentreffen lag.
Immer wieder sprang der Wolf zur Seite, wandte sich um
Der Abstand verringerte sich. Torasc nahm einen anderen
Speer in die rechte Hand und be
Er war entschlossen, den Speer zu schleudern. Er war strker
und mchtiger als dieser Junge dort. Er wute, da er damit
die Herrschaft der Caer auf unerschtterliche Weise festigen
und garantieren wrde. Er holte weit aus, kam dem Einhorn-
reiter immer nher und zielte auf dessen Rcken, der hinter
Er lie sich senkrecht aus dem leichten Nebel fallen, erschien
pltzlich dicht hinter dem Ko
pf Torascs und schlug dem Caer
seine Flgel ins Gesicht. Der Sc
hnabel hackte nach den Augen
146
des Reiters. Der Caer wehrte sich
sofort und ri den Arm mit
nkte und wirbelte den kurzen
Speer instinktiv ber sich durc
h die Luft und schrie, um den
Vogel zu verscheuchen. Ein Schnab
elhieb traf seinen Kopf und
Ein brennender Schmerz durc
hfuhr den Reiter, und augen-
blicklich lief das Blut in seine Augen. Der Vogel schrie und
sich in der Luft herum. Wieder
scho er von hinten auf Kopf
und Schultern des Reiters herunter. Die Krallen und der
Schnabel rissen lange Wunden in den Hals und den Nacken
des Caer. Mit einem wtenden Schlag ri er den Vogel aus
seinem Rcken. Das Tier schrie
gellend, berschlug sich in der
Luft und gewann mit einigen Flgelschlgen Hhe und Ab-
Inzwischen war er bis auf zwanzig Schritt dem Einhornreiter
nahe gekommen. Er versuchte,
den Angriffen des Falken zu
entgehen und gleichzeitig mit dem Speer sein Ziel zu finden.
Der weie Falke stieg ber seinem Kopf in die Hhe und stie
seinen gellenden Kriegsruf aus.
Er fauchte durch die eiskalte Luft. Die Spitze funkelte einen
Herzschlag lang im Fackellicht auf, dann sah es so aus, als
wrde sie direkt zwischen den
Schulterblttern steckenblei-
nach links. Der Speer fauchte an Hester vorbei und schnitt
durch die wehende Mhne des Ei
nhorns. Die Spitze fuhr zwi-
schen den Vorderlufen des Einhorns und dem dahintraben-
den Wolf in den Boden.
Er warf ihn in die Hhe und griff mit der Rechten danach.
Noch hatte er den Dolch, den Feithearn magisch
147
Ha, nur mit dem Bewutsein, da er treffen wrde, schleu-
derte er die Waffe nach dem Einhornreiter. Wieder schien das
Einhorn zu ahnen, was der Ge
gner beabsichtigte. Das Tier
warf sich herum, bumte sich auf und schttelte den Hals. Der
Speer fegte auf der anderen Seite an Hester vorbei. Der Wolf
sprang in die Hhe und rannte
mit groen Sprngen auf To-
seln des Rappen zu beien. Das Pferd schlug aus, Torasc beug-
te sich tief hinunter und stach mit dem Dolch nach dem Hals
Hester und sein Einhorn wichen
nach links aus. Rechts ragte
tenen Pfad und galoppierte in die hohen Anhufungen aus
Der Falke strzte sich auf de
n Caer und schlug ihm seine
Krallen in die Schultern. Der Wolf bohrte seine weien Zhne
in das Bein des Hengstes. In ei
ner riesigen Wolke von aufstu-
bendem Schnee verschwand Hester in der Dunkelheit.
terbein. Der Huf traf die Brust des grauen Raubtiers und
Mauerbrocken am Fu des Turmes. Mit einem Schlag des Dol-
ches vertrieb der Caer den Falken von seinem Nacken. Unbe-
irrt galoppierte der Rappe weiter. Der Wolf knurrte und heulte
ischen die Beine und rannte
Hester und dem Einhorn nach. De
r Falke wirbelte in der Luft
herum und schwirrte dicht ber de
m Rcken des Wolfes in die
Der Hufschlag des Einhorns wurde leiser und war bald von
der Dunkelheit verschluckt.
Der Gegenreiter hatte Hester und seine Tiere vertrieben. Un-
bndige Freude erfllte ihn, als er seine Runde um die Stadt
148
te daran, da ihn Feithearn reic
h belohnen wrde. Ohne jeden
Schon in der Nacht begannen die Gerchte und das Flstern.
viele Soldaten der Caer, die noch wenig Erfahrungen mit Dru-
dins und Feithearns magischen
Knsten hatten, dachten nur
mit Schauder an das, was sie mit angesehen hatten.
Selbst in den dunklen Lumpen,
dachte Dhorkan bei sich,
und im
Halbdunkel des Gewlbes lt sich
Elivaras Schnheit nicht berse-
Er lehnte schweigend an einem Fa und blickte in Elivaras
Hester wird nicht mehr wiederkommen! sagte die junge
Knigin traurig. Auch ihre Stimme pate nicht zu der Verklei-
dung als alte Frau, in der sie di
e Stadt durchstreifte. Ich habe
einen Augenblick lang sein Gesicht gesehen, als er in die Dun-
Du sollst dir keine Sorgen machen, murmelte Dhorkan
und schnallte den Schwertgrtel
ab. Auch der Reiter der Caer
Sie hatten die Vorflle zum Teil
selbst gesehen, zum anderen
Teil von den Bewohnern erfahren. Die Schar der Rebellen war
Aber frher oder spter finden sie uns. Die dreihundert
Mann sind wieder zurckgeko
mmen! wandte Elivara ein.
Die Gewlbe unter der Taverne sind nicht mehr sicher.
Dhorkan nickte beipflichtend, ab
die Kavernen unter der Stadt, aus denen Mythor mit seinen
Wir werden uns dorthin zurckziehen mssen, sagte Eli-
149
vara mde. Ich kann nicht mehr
daran glauben, da wir die
Er wird nichts ndern. Nur wrmer wird es werden, sagte
sie. Und die Schiffe aus Caer knnen schneller segeln.
Was sollten wir sonst tun? Wir gehren hierher! sagte
Dhorkan. Wenn wir die Stadt verlassen, zerfllt alles. Du bist
und bleibst die Knigin von Nyrngor.
Eine Knigin ohne Thron, die ber Ruinen und Hungernde
Immer noch besser als auf der Flucht durch die Wildlnder
Der einzige, Knigin, schlo Dhorkan. Er zog die Decke an
sein Kinn und streckte sich aus.
Sie schliefen bald ein, aber am
Morgen wrde nichts besser sein, und auch die Zukunft sah
groen Hhle. Wildlnder liefen durcheinander. Sie trugen
Teile von Gersten und Seile,
schwere Hmmer und Meiel in
allerlei Lngen, dazu Holzkeile und dampfende Wasser-
schluche. Es roch nach Ru un
d dem Rauch frischer Feuer.
Zwischen den kapuzenverklei
deten Helfern humpelte der
verwachsene Bildhauer hin und her und rief mit drhnend
rechten und fragte sich, an welchen Ort ihn die seltsamen Ge-
dankenste des Helmes wirklich gefhrt hatten. Der junge
150
Nahrungsmitteln, die ihm whr
end des Schlafes Urzuguhr
oder ein Wildlnder gebracht haben mochte.
Dann knurrte er, halb belustigt, halb im Zweifel: Der neue
Er wute noch nicht, was er vo
n alledem zu halten hatte. Die
Wildlnder rannten zum Hhleneingang hinaus und verteilten
sich auf den Leitern und Gersten. Bald darauf erklang von
allen Seiten das Klirren der Meiel und Hmmer und das Pol-
tern der losgeschlagenen Steinsplitter und Brocken.
Mythor ging langsam hinaus und so weit von der Bergflanke
weg, da er die Gesichter und die Arbeiter genau studieren
herausragten, schienen alle in die Richtung des verwunsche-
nen Tales zu blicken. An andere
n Stellen, abseits des Hhlen-
eingangs, starrten sie in die
entsprechende Himmelsrichtung.
Wenn ihn nicht alles tuschte, wa
s er ber den Obersten D-
monenpriester Drudin wute, sahen die Gesichter ihm hn-
lich oder sollten ihn wenigstens darstellen.
grundtiefe Enttuschung berfiel
ihn. Seinen Hoffnungen war
wurde, griff er korrigierend ein. Seine Bastimme hallte von
der Felswand wider. Ein stndiger Regen
von kleineren und
greren Steinabfllen rieselte
, zusammen mit Eisstcken und
Schneeresten, ber die Felswand herunter. An anderen Stellen,
dort, wo die Gesichter noch ro
h und unfertig hervorragten,
schlugen die Wildlnder Keile in schmale Felsspalten und -
bergossen das Holz mit heiem Wasser. Jahre oder Jahrzehnte
Nein! sagte sich Mythor. Das sind nicht die Gesichter, die
151
den Lichtboten darstellen sollen.
Sie stellen den Erzbsen dar,
Dies war sein Eindruck. Natrlich konnte er nicht sicher
sein. Jedenfalls befand sich ein Sttzpunkt des Bsen in der
Nhe einer Insel, die dem Lichtboten gehrt hatte. Whrend
die Kuppelruine schwerlich mit ihrem Einflu den Berg der
Gesichter erreichte, strahlten
die Felsgesichter ihre Aura des
Gerade als Urzuguhr auf Mythor aufmerksam wurde and
gen des Einflusses der Gesichter auf das Gewlbe mit den drei
Kokons konnte es einem Menschen im Mittelpunkt der Span-
nungen zwischen Gut und Bse
gelingen, die Tiere aus ihrem
langen Schlaf zu befreien:
Er begriff einen Teil der Strategie Drudins: Zuerst mute also
Nyrngor erobert werden. Damit hatten die Caer und ihre Zau-
Dandamar, in der Grenze zu
den Wildlndern. Von Nyrngor aus konnten sie vordringen
und das verwunschene Tal in Besitz nehmen, den Sttzpunkt
des Lichtboten. Durch einen unglaublichen Zufall war ihnen
Hester zuvorgekommen, aber er war auch Mythor zuvorge-
kommen. Die bergabe
des Einhorns an ihn war von He
ster verhindert worden. Hes-
ter aber hatte sicherlich keinen eigenen Plan gehabt, den er
weiter verfolgt hatte; nur seine
Gabe, mit Tieren umzugehen,
Drudin hatte es geplant, und Feithearn mute es genau ge-
Deshalb die Verfolgung Hesters und seiner Tierarmee, des-
halb der Kampf am Rand des Tales, den Feithearn verloren
hatte. Der Dmonenpriester mute vor Zorn kochend in
Schlo Fordmore sitzen und ber das Versagen seiner Mission
152
Htte Feithearn die drei Tiere befreit, wrden sie ihm gehor-
seiner gestellten Aufgabe
Aber auch so bestand nur eine
geringe Mglichkeit, die Tiere
wiederzugewinnen. Vielleicht wrde er mit Hester zusam-
mentreffen.
legte Mythor. Wenn er sich vorstellte, welche Zwischenflle
oder Lsungen bei den anderen Sttzpunkten auf ihn warten
mochten, wurde er schlagartig mutlos. Er schttelte den Kopf
und verdrngte seine Gedanken, denn Urzuguhr stand vor
Du suchst nach Arbeit? fragte er glattzngig. Seine Augen
Ich sehe euch erst einmal bei der Arbeit zu, besttigte My-
thor und war verwundert, als
Urzuguhr um ihn herumhum-
pelte und eine Art Tanz aufzuf
irre zu sein. Seine langen Arme bewegten sich, als gehrten sie
nicht zu dem unproportionierten Krper.
Alles von mir, grollte der Alte und fuhr sich durch den
Bart. Alles fr den Lichtboten.
Aber noch lange nicht fertig,
Auf mich wirken die Gesichter
mehr, als stellten sie Drudin
dar! sagte Mythor, entschlossen, dem Geheimnis auf die Spur
Du kannst die Schnheit noch nicht erkennen?
Es ist mir nicht mglich, die bernatrliche Schnheit zu
erkennen, die den Lichtboten
Mythor vorsichtig. Aber andererseits bin ich kein Handwer-
Zeige ich dir alles! kam die Antwort, whrend Urzuguhr
153
Tier. Das Schwert. Seltsam ist es. Anders als alle Schwerter,
Und trotzdem ist es ein gutes Schwert, das mich viele
Kmpfe gewinnen lie߫, sagte Mythor und sah mit Unbehagen
zu, wie Urzuguhrs knotige Finger ber das durchsichtige Ma-
terial der langen Schneide fuhren.
Aber whrend er das seltsame Benehmen des silberhaarigen
Mannes erlebte, sah er weiterhin ein, da Hesters zuflliger
Fund ihm dennoch indirekt geho
lfen hatte. Da ein Mensch
wie Hester die drei Tiere bernehmen konnte, zeigte Mythor,
da Drudins Plne schon weit fortgeschritten waren.
Der Alte kicherte und schlug si
ch selbst auf den unfrmigen
Kannst mitkommen.
Mythor ahnte, da die vielen
Jahre zwischen den Wildln-
dern und die eintnige Arbeit
an den Bergflanken den Bild-
hauer Urzuguhr hatten schwachsinnig werden lassen. Oder
aber er war schon vor dem Anfa
ng der Arbeiten nicht mehr
Herr seines Verstandes gewesen. Er stapfte vor Mythor auf
das Ende der langen Leiter zu
Zickzack von Galerie zu Galerie. Hier wrde sich Feithearn
vermutlich sehr wohl fhlen knnen. Im verwunschenen Tal
schien er Schwierigkeiten im unmittelbaren Wirkungsbereich
der Weien Magie gehabt zu haben.
Dann also war es auch Drudins Plan gewesen, nahe dem
Sttzpunkt der Weien Magie einen Gegenpol zu schaffen.
her. Das Klirren, Klicken und Hmmern wurde lauter. Stein-
154
splitter surrten durch die Luft. Kleinere Brocken polterten vom
nicht auf, als ihr Herr und Me
ister immer hher stieg, der
Was soll ich tun? fragte er, als sie fast am hchsten Punkt
der Gerste angelangt waren.
Mythor begann in dem Wind, der den Hang heraufpfiff, zu
frsteln. Zwei zusammengebundene Leitern fhrten hinauf in
Ich denke schon! rief er zur
ck. Er drehte sich herum und
den Nasen der Gesichter. Es waren Kpfe, die Mnner in je-
dem Alter zeigen sollten, darbe
r hinaus sollte der Ausdruck
eines jeden Gesichts wohl demj
enigen eines Caer-Priesters
Dann hilf denen mit den Keilen. Der Lichtbote wird dich
Der Rest seiner Worte ging in einem undeutlichen Gemur-
He! Ihr dort, am siebten Kopf
sie fest, ehe das Wasser wieder gefriert! schrie Urzuguhr hin-
Die Hmmer schlugen zu und tr
ieben die langen Dreiecke
aus Holz in die Spalten des Felsens. Ein groes Stck sollte fast
senkrecht abgeschnitten werden eine Arbeit, fr die Hammer
Ich werde ihnen gleich helfen, versprach Mythor. Aber
155
Noch herrschte das klare Licht
des frhen Tages, und weit in
der Ferne, ber den Baumkronen und jenseits des Schnees, sah
fast vllig ebenen Flche. Auch
sie war rund und kleiner als
der Durchmesser des Berges an
seinem Fu. Nur ein paar Eis-
platten und Schneereste waren auf der tischflachen Platte zu
sehen. Heulend trieb der Wind Schnee ber den Tafelberg.
Mythor hob die Hand an die Augen und sah tatschlich un-
deutlich und weit in der Ferne
die Felsnadelgruppe, in deren
Nhe Kalathee, Nottr und Steinmann Sadagar auf ihn warte-
glaube nicht, da ich lange hierbleibe.
mit allen Waffen wozu auch
gegen die Mchte der Dunkelzone kmpfen. Er allein war ge-
dem Stiefelabsatz.
Ich komme! rief er nach unten und machte sich an den Ab-
stieg. Einen ganzen Tag lang half er den schweigsamen Wild-
lndern. Sie schlugen nach Urzuguhrs Anweisungen vier gro-
e Stcke Fels aus der Wand. Undeutlich begannen sich die
Umrisse eines neuen Kopfes abzu
zeichnen. Einmal sah er, in
luftiger Hhe am Gerst hngend und den Hammer schwin-
gend, wie eine Gruppe Jger erlegtes Rotwild, an Stangen ge-
bunden, in die Hhle hineinschleppte.
Bei Einbruch der Dmmerung zo
gen sich die Arbeiter aus
der Felswand zurck. Sie schleppten ihre Werkzeuge mit sich
und verloren sich rasch in de
n vielen kleinen Nischen der
Hhlen. ber einigen Feuern drehten sich die Bratenstcke.
Mit pendelnden Armen hinkte Urzuguhr auf Mythor zu und
156
fragte einfltig: Gefllt dir die Arbeit, Fremder?
Nicht bel, gab Mythor zu, nahm aber die Hand nicht vom
Schwertgriff. Ich habe dadurch Wrme, Essen und ein Nacht-
lager. Wie viele Dutzend Jahre wirst du noch Gesichter in den
Bis ich fertig bin, hihi, la
chte Urzuguhr. Der Lichtbote
will nur beste Arbeit. Es kann lange dauern.
Er war wohl wirklich verrckt. Wie ein Kobold sprang er mit
sprach kurz mit seinen Untertanen oder Mitarbeitern. Es
herrschte jedoch nicht der geri
einhalbhundert Wildlnder wrden Urzuguhr mhelos ber-
thor hier nichts. Vielleicht war es die Idee, die alle zusammen-
Es wird lange dauern, verla dich darauf, sagte Mythor
Wei nicht mehr. Vielleicht ei
n Traum, wich der Bildhauer
dauern schon eine Weile.
Viele Jahre, Fremder! Ein heiseres Flstern kam zwischen
den schiefen gelben Zhnen Urzuguhrs hervor. Trotz seiner
offensichtlich verwirrten Gedanken und seines mehr als
merkwrdigen Verhaltens war se
sah Mythor vom ungepflegten Zustand und dem Schmutz ab,
in gewisser Weise fast edel zu nennen.
Die Wildlnder, wenigstens diese hier, verhielten sich fr
Mythor vllig unverstndlich.
Ihre Fellmntel mit den Kapu-
zen schienen sie tagsber und eb
enso in der Nacht zu tragen,
und berdies versteckten sie nich
hier in den Hhlen, sondern auch
sich selbst. Wenn sie sich im
157
Licht der Feuer bewegten, blieben sie schattenhafte Gestalten.
Mythor versuchte einen Blick der grauen Augen seines Ge-
genbers zu erhaschen, aber Urzu
guhr wich in jeder Hinsicht
Sie helfen mir. Zuerst waren es wenige. Dann kamen immer
Kein Zweifel. Es gab nicht nu
r einen Verrckten in den Hh-
len. Oder ging es wirklich um Magie? Jedenfalls konnte My-
thor bei allem Verstndnis keinen Grund fr
schen finden, die in der Wildnis
als Jger lebten und sich frei-
Gut. Sie arbeiten Ich schlafe
arbeiten wir alle weiter an der Gesichtergalerie des Lichtbo-
iel mit dem Hammer bearbei-
Ich werde es berleben, versicherte Mythor und zog sich
Er lag da, hielt die Augen geschlossen und entspannte sich.
Die Arme hatte er hinter de
m Nacken verschrnkt. Die Ge-
danken und berlegungen schossen wild durch seinen Kopf.
Als er in der Finsternis den Griff des Schwertes berhrte und
undeutlich seinerseits ein Plan ab. Er wute, da die Gesichter,
die drohend starrenden Kpfe nicht nur eine Bedeutung, son-
Er mute diese Wirkung aufheben. Und er wrde es schaf-
fen. Schon allein deswegen, weil er versuchen mute, den
Einflu des Bsen einzudmmen.
Dies galt auch fr den Berg
158
Der nchste Morgen brachte keine nderung. Wieder erhielt
Mythor zu essen; diesmal gab es
saftige Bratenstcke vom am
Vortag erlegten Wild. Er fing an
, sich nach einem warmen Bad
zu sehnen. Aber er legte sein
e Kleidung an und verlie die
Hhle. Er begann, sich die einzelnen Leitern und Gerste zu
merken, und versuchte, sich
ein Gesamtbild der verschiedenen
Hngegalerien und Rampen aus Holz, die mit Seilen zusam-
ten ausfhrten und mchtige Fe
lsquader aus dem Hang schlu-
gen. Gegen Mittag kam Urzuguhr und holte ihn zu einer an-
an fertigen und unfertigen K
pfen vorbei und blieben schlie-
lich neben dem Ohr eines riesigen Kopfes mit Hakennase ste-
hen. Mehrere Gerste in verschiedener Hhe zogen sich um
die Stirn, um Nase und Kinn
und um den Hals. Ein Dutzend
gen Bildwerk. Ihre Werkzeuge erzeugten ein fortlaufendes
Klingeln und Klirren auf dem Stein. Zwei Mnner schlugen
dort, wo sich in menschlichen Augen die Pupillen befanden,
Hier kannst du ben und lernen, versprach Urzuguhr und
kicherte wieder auf seine herausfordernde Weise. Sie zeigens
Auch heute trug er Alton auf dem Rcken, mit einem Stck
Zuerst sah er eine Weile zu, wie die Mnner die Hmmer
159
wurde aus dem hellgrauen, leicht gederten Stein mit den har-
ten Kanten und den zahlreichen Unregelmigkeiten eine
runde und glatte Oberflche. Die Stirn wlbte sich, der Haar-
ansatz wurde fein herausgearbei
tet; jedes Haar wuchs in leich-
ten Wellen nach hinten,
und an mehreren Stellen konnte My-
thor deutlich sehen, wie sich der Bildhauer die Fertigstellung
vorgestellt hatte. Oder wie Drudin es geplant hatte.
Fleies wrde es tatschlich noch eine Ewigkeit dauern, bis
selbst diese wenigen Kpfe fert
merkte Mythor: Je glatter und fertiger die Kpfe wurden, des-
to mehr verstrkte sich ein fremdartiger Eindruck. Irgendeine
Schlielich nahm Mythor einem Mann den Meiel aus den
Fingern und versuchte es selbst. Winzige Steinsplitter schlu-
gen in sein Gesicht. Er kniff die Augen zusammen und hm-
merte weiter. Voller Verblffung merkte er, da er keinen Feh-
ler machte. Er grinste vor sich hin und murmelte: Ich komme
ging ihm nicht, da die Meiel auf der glatten Steinoberflche
vertieft, dicht nebeneinanderlaufende Muster ab. Immer wenn
Mythor versuchte, sie genau zu
vor seinen Augen. Er blinzelte, blickte wieder hin, verlor sie
abermals aus den Augen.
Er lchelte grimmig, schwieg aber. Er ahnte, was diese Ver-
wurde sie gnzlich unsichtbar. Die Wildlnder hmmerten sie
in den Stein, ohne wirklich zu
wissen, was dieser Zierat zu
160
cherer. Sein Plan, am Morgen noch unklar und gefhrlich un-
sicher, hatte feste Umrisse angenommen.
sein Pferd. Er fand es in der hi
ntersten Ecke der dritten Hhle,
gut untergebracht in einem trockenen Verschlag. Der Sattel
und das Zaumzeug hingen ber
einem rohen Holzpfosten.
Das Tier wieherte auf, als er es ttschelte und ansprach. My-
thor blickte sich unauffllig um. Niemand schien ihn zu beo-
Er legte dem Rappen den Zaum um, schob aber die Trense
nicht ins Maul. Er kontrollierte die Satteltaschen, aber er wagte
nicht, den Sattel aufzulegen. Do
ch er sah auch die Gurtschnal-
, da er das Gatter leicht
wrde aufbrechen knnen. Er su
chte das Feuer auf, an dem
Urzuguhr seine Meiel spitzen
lie. Ein Krug Wein ging von
Mit einem riesigen Beil, dessen geschwungene Schneide rot
im Feuerschein aufblitzte, spal
Holzkloben.
Frierst du, Fremder? fragte er, spuckte in die Hnde und
Er war sicher ein schlechter Lufer, aber in seinen Schultern
wohnten die Krfte von drei Mnnern. Ein listiges Funkeln
kam aus seinen Augen.
pf fertig. Der Einflu des
Aus dem Halbdunkel tauchte kurze Zeit spter ein Wildln-
der auf und drckte ihm ein p
aar heie Brotfladen in die
Hand, in denen Fleischbrocken eingewickelt waren. Mythor a
schweigend und sah zu, wie die Meiel geschrft wurden, wie
das Feuer loderte, wie die kleinen und groen Hmmer ge-
161
braucht wurden, wie sich alle diese Leute auf nichts anderes
nen irgendwie besessen zu sein. Aber er vermochte nicht, eine
bsartige Besessenheit zu erkennen. Nur einmal hatte er heute
weiter. Als der Widerschein der meisten Feuer nicht mehr an
den Felswnden zuckte, verlie er so leise wie mglich die
Hhlen und kam tatschlich unangefochten ins Freie.
Niemand schien ihm zu folgen.
Aber er war ziemlich sicher,
langsam nach rechts. Als er die erste Leiter erreichte, die auf
die Gerste hinauffhrte, nderten
sich seine Bewegungen. Er
ne Schwert und zerschnitt die mehrfach geknpften Verbin-
dungsstricke. Mit schnellen Griffen zog er die Leiter hoch und
tige Bildnis. Tief holte er Luft und hielt das Schwert in der
Rechten fest.
Der Hochnebel war aufgerissen, Sterne funkelten, und der
Halbmond lie den Schnee aufleuchten.
Es war hell genug, um die Sprossen der Leitern und die Ge-
lnder der Gerste zu erkennen. Mythor hob das Schwert, das
Die Waffe sprengte mit dem ersten Schlag die halbe Nase
weg. Der zweite Hieb ri das Oh
r ab und hinterlie eine tiefe
Kerbe im Fels. Die Trmmer kippten nach vorn,
lterten, sich berschlagend,
in die Tiefe. Sie schlugen auf
dem schrgen Wall der Felsabfl-
162
le auf, fielen zur Seite und blie
ben liegen, in mehrere Teile zer-
war, kam aus dem Stein ein knirschendes chzen.
Mythor zuckte zusammen, aber das Gerusch wiederholte
Tieres klang, wie ein Sthnen au
s einer tiefen Spalte, ein gr-
Schwarze Magie! Drudins Geist im Felsen! knurrte My-
thor, rannte auf dem Gerst
weiter und rammte das Schwert
mit einem wuchtigen Schlag in die Augenhhle des Kopfes.
Ein dreieckiger Splitter, lnger
als eine Elle, brach krachend
aus dem Fels und zersprengte die Nasenwurzel. Das linke Ohr
der Fratze brach in vier Teile ab, als das Schwert mit dem Ge-
rusch eines riesigen Hammers a
uf den fein bearbeiteten Stein
Es sind die Linien und Wirbel der Beschwrung! murmel-
te Mythor und hieb mit Alton nach den spttisch verzogenen
Lippen. Wieder brachen Felsstcke heraus, und wieder sthn-
Die Abbilder des Bsen schienen zu leben. Die Gerusche,
die aus dem Inneren der Gesichter ertnten, waren schauerlich
und langgezogen. Mythor schttelte sich und sprang weiter.
Als er sich umdrehte, starrte
er direkt in die schwarzen ff-
nungen der Augen. Er fhrte den nchsten Schlag gegen das
Gesicht, das ihn frmlich anzuspringen schien. Erneut brach
eine Nase ab und ri einen Teil der Wange mit sich. Ein weite-
res Sthnen und chzen tief aus
dem Gestein war die Antwort
Die Hhlen der Augen schienen ihn verschlingen zu wollen.
Auch die Mnder der anderen Ge
sichter schienen sich zu be-
wegen. Mythor sagte sich, da es die Schatten und das Mond-
163
Er zielte auf jeden Vorsprung, den er sah. In einem rasenden
Wirbel von Schlgen zertrmmerte er den zweiten und dritten
Kopf, Nasen und Ohren, hmmerte die felsigen Brauen in
Trmmer und schnitt tiefe Rillen in Stirnen und Wangen.
haarfeinen Spalten der Fels-
wand auf. Das grliche chzen kam aus der Wand und fuhr
wie das Winseln des Windes in das Land hinaus. Das Sthnen
der Steine lie Mythor schaudern. Der Griff des Schwertes
schmiegte sich in seine Faust.
Immer wieder schlug er zu, und
Trmmer hingen halb zwischen den Kpfen, halb vermischten
sie sich mit den Brocken, die unablssig aus der Felsflanke pol-
terten, whrend die Gesichter klagten und sich zu bewegen
Leiter hinter sich um und fuhr fort, die Gesichter zu zerstren.
Der Lrm nahm eine eindringliche Lautstrke an. Das
Schwert klirrte und klang auf wie eine Glocke. Das Krachen
und Knirschen der Felsenstcke, das Splittern der Gerste und
fast senkrechten Hang nach unten fielen, auf andere Gesichter
prallten und auch dort Schden hervorriefen, unterstrich das
Wimmern und Sthnen, das
die Luft erfllte. Mythor klam-
merte sich an ein Felsband, in
Wirklichkeit eine Unterlippe,
zog sich hoch und schwang sich
auf eine hlzerne Kanzel.
Wieder zischte Alton wehklagend nach rechts und zerbrach
eine hakenfrmige Nase senkrecht in zwei Teile.
Nach einem weiteren Wirbel von Schlgen, der mehrere Ge-
sichter bis zur Unkenntlichkeit verstmmelte und einen Hagel
groer, scharfkantiger Bruchstcke nach unten schickte, hielt
Mythor schwer atmend und schweiberstrmt inne.
164
Er warf einen schweigenden Blick nach unten. Eine einzelne
gang. Sie trug eine auflodernde Fackel. Nach einigen Herz-
schlgen erkannte Mythor den Bildhauer. Urzuguhr sah gera-
de noch, wie ein paar groe Trmmer in dem Inferno aus Kra-
chen und Sthnen herunterpolterten.
Mythor schwang sich herum,
nem Schlag, dessen Wucht seinen Krper erschtterte, ein kan-
tiges Ohr ab.
Eine Horde Wildlnder brach aus dem Hhleneingang her-
vor und versammelte sich hinter Urzuguhr. Fast alle Kapu-
zenmnner trugen Waffen. Mythor lachte rauh auf und holte
wieder aus. Abermals brach ei
ne Nase ab und hinterlie ein
kantiges Loch in einem Gesich
t. Ein Teil des Gersts strzte
Die Gesichter sterben! Du bringst sie alle um, Fremder
Bist du wahnsinnig geworden? brllte der Bildhauer zu My-
Mythor schrie zurck: Ich ve
rnichte die Dmonenfratzen.
Sie sind das Werk des Bsen. Ich bin der wahre Helfer des
Lichtboten!
Du vernichtest das Werk mein
Das Werk deines Lebens, gab Mythor zurck, ist das
In der anderen Hand hielt Urzuguhr sein schweres Beil. Er
lief, die Kapuzenleute hinter sich, auf den Trmmerhaufen an
nen Schnee aus, einmal fiel er schwer in eine Schneewehe. Die
Wildlnder halfen ihm auf die Be
ine. Dort, wo die Leiter ge-
wesen war, blieben sie alle stehen. Wieder kam von oben das
165
Klirren, abermals sauste ein Stck eines Gesichts abwrts und
, vor Urzuguhrs Fen liegen.
e erwhnte. Einen Augenblick
lang tat ihm der verkrppelte, bucklige Bildhauer wirklich
leid, denn auch er war ein Opfer der Caer-Priester. Oder hatte
ein noch Mchtigerer als Drudin ihm vor einer Handvoll Jah-
ren den Auftrag gegeben, dmonische Gesichter aus den Fel-
Noch nicht ganz. Ich werde
mit gezielten Hieben in Stcke.
Er war selbst verwundert ber
die Fhigkeit des Schwertes, dessen Schneide nicht die win-
zigste Scharte zeigen wrde, sollte er bei Tageslicht noch Ge-
rachten, hob Urzuguhr seine
Axt. Er strzte vor und legte den rechten Arm auf ein Stck
der zerbrochenen Bildwerke. Di
e Axt fuhr herunter, ein knir-
schender Schlag ertnte und ein
Urzuguhr hatte sich die rechte
Hand am Handgelenk abge-
Er prete den blutenden Stumpf gegen seine Brust, sthnte
und chzte lauter als die stei
nernen Gesichter und warf die
Axt zur Seite. Dann rannte er nach rechts, packte die Sprosse
Er rannte auf das erste Gerst,
schwang sich auf die nchste
Leiter und kam immer hher, bis er schlielich auf dem gr-
Ergreift diesen Frevler! schrie er mit sich berschlagender
166
gepackt. Sein grausilberner Bart flatterte im Wind, als er die
und in den Bewegungen behindert, von Sprosse zu Sprosse
Auch alle Wildlnder starrten hinauf zur Kante zwischen
Urzuguhr erreichte sie, stan
Rcht die sterbenden Gesichter!
ihr den Fremden der gerechten Strafe zuge
Er lie sich nach vorn kippen, von Schwche und Todes-
sehnsucht bermannt. Sein Krper fiel ganz langsam, ber-
schlug sich und prallte schwer gegen Kopf und Stirn eines Ge-
sichts. Der zweite Aufprall erfo
lgte auf einem halb zerhackten
Schdel, dessen messerscharfe Kanten
die Haut zerschnitten
und die Knochen brachen. Mehrmals drehte sich der Krper
und schlug in das Gemisch aus Schnee und Gesteinstrm-
Dann schrien die Wildlnder vor Wut auf. Sie strmten den
Hang und kamen auf vier Leiter
Noch immer, aber in lngeren Abstnden, sthnte und
vom Scharren zahlreicher Fe und dem Klirren der Speere
Mythor hetzte auf eine Gerstplanke. Am Ende wirbelte er
herum, sprang auf den nchsthheren Absatz und zerschlug
mit krftigen Hieben die Holzkonstruktion. Die Pflanzenseile
rissen, die Gerste kippten und
wurden fr die Verfolger un-
167
Ein Wurfspeer flog an Mythor vorbei aufwrts, drehte sich
am Scheitelpunkt seiner Bahn und kam auf ihn zu. Als der
Krieger auswich und den Speer mit dem Schwert zur Seite
schlug, klirrten die goldfarbenen Bnder des Helmes gegen
den Fels. Mythor kletterte schrg aufwrts und verstmmelte,
auf einem federnden Gerst steh
end, ein weiteres Gtzenbild,
Eine Leiter krachte unter dem Gewicht der Wildlnder zu-
sammen. Schmerzensschreie ertnten vom Fu des Hanges.
Der Zwischenfall spornte die anderen Kapuzentrger zu
doppeltem Eifer an. Sie verlieen an den zerstrten Stellen die
Gerste und krallten sich in
die alten und neuen Sprnge des
Felsens. Zwischen den Gesichtern und ber deren zerstrte
Ein zweiter Speer schrfte eine Eisplatte aus dem Felsen und
Hinter sich zertrmmerte Mythor planvoll die Gerste und
die Leitern, zerhackte Seile un
d brach die hlzernen Keile ab,
mit denen die Gerste in der senkrechten Wand verankert wa-
Aber auf breiter Front kamen die Wildlnder unaufhaltsam
nher. Inzwischen waren andere Gruppen aus den drei Hh-
len hervorgekommen. Einige von ihnen hoben den Leichnam
Urzuguhrs auf und trugen ihn in die Hhle zurck.
und warf Wurfanker in die Felsen. Immer mehr Wildlnder
Aber sie warfen keine Speere,
Wieder brachen fnf Mannslngen Gerst in die Tiefe.
168
Mythor verlor den Halt, rutschte ber die runde Stirn eines
Kopfes und ri sich die Haut an den erhabenen und vertieften
magischen Linien auf. Er prallte mit den Schultern hart gegen
den Fels, streckte die Arme au
s und konnte den oberen Rand
eines Ohres fassen. Das Schwert schlug gegen den Stein.
Dann fanden seine Fe Halt in dem Loch des Gehrgangs.
das Ohr. Er lie sich ber eine Nase hinuntergleiten und blick-
Sie hatten den Befehl, ihn zu tten und von der Felskante zu
Zuerst nahm er, solange noch Zeit war, den Helm vom Gr-
nicht damit, da der Helm der
Gerechten ihm helfen konnte.
Aber er schtzte ihn sicherlich vor einigen Folgen des Kamp-
fes. Und der Kampf war sicher, er
fing an, wenn ihn die ersten
Wildlnder erreicht hatten.
Trotzdem scheute er vor dem Kampf zurck. Die Wildlnder
waren keine Gegner fr ihn. Noch sah er keinen Ausweg. Viel-
leicht fand er einen, wenn er sich auf der Flche des Tafelbergs
Er zerstrte hinter sich ein anderes Stck des Gerstes, lief
ten heran, klammerten sich an die Steine und kamen ihm im-
mer nher. Ein Beil wirbelte du
rch die Luft und schlug ber
seinem Kopf gegen den Stein. Mythor hob das Schwert und
lie die Kinnpartie des Dmonenkopfs zersplittern, der ber
ihm hing und das oberste Gesicht vor der Felskante darstellte.
des Kopfes vorbei nach oben. Ein schneidender Windsto fuhr
ihm ins Gesicht, als er hinaufsprang und sah, da er allein hier
169
Er warf das Schwert auf den ei
sigen Fels, packte die Leiter
und stie sie um. Sie kippte nach
vorn und ri bei ihrem Sturz
einige Gerstreste und drei
Wildlnder von der Wand. Die
Mythor lief, nachdem er das Schwert gepackt hatte, nach
Unaufhrlich traf Alton die Gerste, die gesicherten Seile der
Gerste und hlzernen Leiteranstze. Er zerschlug mit krfti-
gen Hieben die Halterungen.
Immer wieder bewiesen ein
Knirschen und das darauffolgende Prasseln, da weiter unten
zwischen den Trmmern der
Gesichter auch die Plattformen
zu Bruch gingen. Schreie der Wut erschollen und wurden vom
Einmal warf er einen langen Blick in die Richtung des ande-
ren Endes. Er konnte nichts erkennen auer Schnee und Eis
und winzigen Erhebungen auf der glatten Flche des Plateaus.
schen Eingang und den Trm-
mern der Gesichter hin und he
junge Fremde hoch ber ihren K
pfen als drohende Gestalt ab,
die sich schnell und zielsicher
bewegte. Der groe Fellmantel
schien hinter ihm wie ein Schatten zu flattern, das schwach
leuchtende Schwert beschrieb Kr
eise in der Luft, und drohend
reckten sich die elfenbeinernen Hrner des Helmes in die H-
he. Ein Lichtblitz funkelte von dem Edelstein ber der Stirn
auf, ein drohendes blaues Leuchten. Jeder Schritt Mythors lie
Schnee und Eis, vom Wind mitgerissen, ber den Hang pras-
seln. Wieder brach eine Konstruktion aus Holz, Ranken und
Mythor blieb keuchend stehen, ging so nahe an den Absturz
heran wie mglich und sphte hinunter. Bei Erain! murmel-
170
Einige Augenblicke lang spielte er mit dem Gedanken, quer
ber das Plateau zu rennen und sich an der gegenberliegen-
den Seite hinuntergleiten zu lassen, um von dort aus zu flie-
hen. Aber er lie den Gedanken
fallen; die Wildlnder wrden
ihn fassen, noch ehe er wieder den Hhleneingang und damit
deckten Kpfen. Finger krallten sich in den eiskalten Stein und
zogen die Krper hoch. Von zwei Seiten schleuderten die Mu-
tigsten Beile nach Mythor. Einem davon wich er aus, indem er
sich duckte, das andere schlug er mit einem Hieb Altons zur
Als Antwort schleuderte ihm der Mann einen kantigen Fels-
brocken entgegen. Er traf Myth
or an der Schulter. Mythors
Stiefel schnellte vor, das Schwert senkte sich, der Wildlnder
verlor den Halt und rutschte zw
ischen den Resten der Galerie
aufschreiend abwrts.
Vier Schritt weiter sprang ein Angreifer auf die Felsen. Er
holte aus und schleuderte einen Speer nach Mythor. Der
sprang zur Seite und duckte si
ch. Das Gescho ging eine
Handbreit an seinem Rcken vorbei und schlitterte ber die
Felsenflche. Mythor sprang auf den Wildlnder zu, schob den
Saum des Mantels zurck und schlug den Angreifer mit der
Aber ich kann doch nich
t jeden Wildlnder besin-
nungslos schlagen! sthnte er auf und wandte sich den nchs-
171
Sie kamen, ein halbes Dutzend,
in langen Stzen auf ihn zu.
xten funkelten im Mondlicht
auf. Der Wind zerrte an ihren Kapuzen. Ein erster Streifen
Mythor stellte sich zum Kampf. Er hatte keinen Schild, nur
sein Schwert. Die Waffe glhte
und gab jenes traurige Sthnen
und die Wildlnder erschreck-
te. Aber noch mehr erschreckte sie die
Whrend er gegen sie kmpfte, kamen an vielen Stellen an-
dere Wildlnder ber die Kante
und liefen auf die Stelle zu, an
ten Schlgen und Stichen die Mnner, schlug sie besinnungs-
los, wenn er es schaffte, hmmerte durch ihre Deckung hin-
durch und versuchte, ihre Waffen schon mit dem ersten Schlag
unbrauchbar zu machen. Das Sch
wert Alton sthnte nicht nur,
die Klinge erzeugte bei den
ben ein hohles Pfeifen.
Mythor zog sich Schritt fr Schritt vom Abhang zurck.
Mehrere Mnner lagen bewegungslos auf dem Felsen. Wie-
der schrie einer auf und brach zusammen. Klirrend fielen
Speere und xte auf den Stein. Ei
n Speer bohrte sich in einen
Spalt und brach ab. Mythor wich einem Steinhagel aus und
r. Ihn trafen die Steine, My-
thor hatte ihn als Schild benutzt.
Durch das Keuchen und Klirren und Prasseln ertnten zwei
Ein Wolf heulte fast schmerzend laut. Ein Raubvogel stie
einen gellenden Jagdschrei aus. Mythor hob den Kopf.
Ihm klangen die Laute sehr vertraut, aber er war sicher, da
er sich tuschte. Erstes Zwielicht lag auf dem Schnee. Der
172
Mond schob sich hinter eine
schwarze, schneeschwere Wolke.
Wieder traf die flache Klinge einen Wildlnder seitlich am
Wieder schrien sie vor Schreck auf. Einige lieen die Waffen
fallen. Andere wandten sich, seltsam taumelnd, zur Flucht.
hzog den Felsen. Zuerst er-
der Tafelberg zu beben.
Kein starkes Beben, sondern ei
n winziges Zittern. Es gengte,
die Mnner taumeln zu lassen und sie mit Furcht zu erfllen.
Die zertrmmerten Kpfe un
d Gesichter sthnten und
Magisches Leben erfllte den groen, runden Berg. Die Eis-
platten auf dem Plateau sprangen mit hellem Klirren in tau-
send Stcke. Aus dem geschwung
enen Hang lsten sich an
zahllosen Stellen groe und kleine Steinsplitter. Sie trafen die
Auch Mythor schwankte und taumelte. ber ihm flatterte
pltzlich ein kleiner weier Schatten. Der Schneefalke!
Er zog seine Kreise, tauchte bis auf den Boden hinunter ; und
umflog die flchtenden Wildlnder. Immer wieder stie er
seinen Jagdruf aus. Der Boden bebte, die Bildwerke chzten
und riefen bei jedem, der sie hrte, den Eindruck hervor, als
versuchten sie, sich aus dem
gewachsenen Fels loszureien
und ihre Umgebung anzugreifen.
Sie sthnten ihre Gefhle
heraus, obwohl es undenkbar war, da Stein ein menschliches
Gefhl haben konnte. Fr Mythor war es klar, da Schwarze
verzweifeltes Knirschen, dann war es ruhig. Aus der zerklfte-
heul und das gellende Kreischen des weien
Falken blieben
173
brig. Wildlnder warfen sich zu Boden und blieben erschro-
drei Tieren hierhergekommen war.
Mythor behielt, als er auf den Felsabsturz zuschritt, das
Schwert schlagbereit in der Ha
nd. Vor ihm, am Ende einer
mehrfachen Reihe regungsloser Wildlnder, ragte ein Stck
einer Leiter ber die Kante. Was nun? fragte er sich.
Er sah, wie der Schneefalke sich schrg abwrts strzte und
den Reiter mit seinem Wolf umkreiste. Hester hielt das Ein-
horn vor dem Hhleneingang an. Das Horn des Tieres schim-
merte hnlich wie das Glserne Schwert. Der Wolf stand vor
den Vorderbeinen des Einhorns und knurrte und heulte.
Eine Schar Wildlnder stand in kleinen Gruppen vor dem
Eingang. Sie waren vor Verwunderung oder vor Schreck er-
starrt. Mythor schob Alton in den Grtel und stieg langsam
der Gerste und sprang zwischen den Schnee und die Trm-
mer. Dann lief er auf Hester zu, doch als der Halbblinde den
Ohne da du es wutest, sagte er laut, hast du mir das
Hester blickte ihn schweigend
aus einem Auge an. Dann hob
er den Kopf und musterte volle
r Staunen die halb zerstrten
Gerste, daraufhin auch die
ne Krallen in den Mantel.
Mythor blieb einige Schritte vor Hester stehen. Die Wildln-
174
Mythor drehte sich um und sah verblfft, da von einigen
Kpfen die Kapuzen heruntergerutscht waren. Die Kpfe dar-
unter waren keineswegs ungewhnlich, in keinem Sinn. Dann,
wie auf ein geheimes Kommando, verschwanden die Wild-
lnder. Auch diejenigen, die
sich zwischen den Trmmern
hervorwanden, humpelten und hinkten in die Hhle zurck.
Schweigend blickten sich Mythor und Hester in die Augen.
Das Einhorn stand unbeweglich unter dem Halbblinden.
Hester zwinkerte. In seinem jungen Gesicht begann es zu ar-
beiten. Dann formten seine Lippen langsam und zgernd Wor-
Er sprach ganz langsam und ziemlich undeutlich, aber My-
thor verstand ihn. Ich bin hier. Ein innerer Zwang trieb mich.
Ein Einhornreiter hat in Nyr Nyrngor gegen mich gekmpft.
Das ist der Berg der dmonischen Gesichter, besttigte
Mythor. Urzuguhr, der Bildhauer, hat sie geschaffen. Sie sind
Ausdruck der Schwarzen Magie der Dmonenpriester gewe-
sen. Ich habe viel von ihnen zerstrt.
Sie wurden abgelenkt. Die W
ildlnder kamen aus dem Hh-
leneingang. Viele von ihnen trugen Fackeln, deren Flammen
lediglich rituellen Zweck hatten,
denn das Morgenlicht fiel hell
und voll auf die Szene. Viele Wildlnder schleppten auf einem
Balkengestell einen groen Steinbrocken mit sich, den sie vor
deren Kapuzen heruntergefallen w
bigem Staunen auf das Einhorn, den Wolf, Hester und den
175
Mythor hatte den Stein zwar schon mehrere Male in der N-
he von Urzuguhrs Feuerstelle ge
sehen. Aber niemals hatte er
hauerkunst war. Jeweils eine
die vier Kanten. Die Gesichter, ganz im Gegensatz zu denen
im Felsenhang, waren keineswegs dmonisch oder bse. Sie
von jungen, schnen Mnnern.
Einer der Wildlnder erwidert
e in Gorgan: Er kam, bevor
wir waren. Urzuguhr fand ihn. Dann fing er an mit dort. Lan-
Ich verstehe, murmelte Mythor. Bevor Urzuguhr daran-
ging, die Gesichter aus dem Felsen zu schlagen, hatte es diese
Stele gegeben. Sie schien ein Zeichen des Lichtboten zu sein.
Vielleicht war sie in den G
ewlben der Kuppel im verwun-
schenen Tal versteckt gewesen, schon damals, vor vielen Jah-
ren. Und whrend der Arbeit hatte sich die Bedeutung ebenso
Der Einflu der Magie hat alles anders werden lassen, sag-
te Mythor halblaut, mehr zu sich selbst. Hester lie sich vom
Rcken des schwarzen Einhorns
gleiten. Mythor hob die
Schultern. Er war ratlos. Sein Ziel war gewesen, diese drei Tie-
re zu bekommen. Nun stand er unmittelbar vor ihnen.
Hester klopfte auf den Hals des Einhorns und ging auf den
Donnerstein zu. Er kauerte sich
den, als sei er allein hier. Der Wolf kam heran, starrte Mythor
aus seinen groen Augen an und leckte, als Mythor instinktiv
die Hand ausstreckte, Mythors Finger mit seiner langen, rau-
hen Zunge. Dann trottete er zu
m Einhorn zurck und kauerte
sich daneben in den Schnee.
176
Nein! sagte er, scheinbar vllig ohne Grund. Er kmpfte
schweigend und unsicher einen inneren Kampf.
Er brauchte nur die Hand ausz
Tiere wrden ihm auch so gehorchen wie dem Knigssohn.
Dann schttelte der junge Krieger den Kopf und hob Alton an,
um es wieder in den Grtel zu schieben.
Soll Hester die Tiere behalten, murmelte er und wandte
sich ab. Ich habe meinen Rappe
n. Ich helfe mir schon selbst
Mit leichter Traurigkeit dachte
er daran, da er in seinen
Gedanken den Tieren bereits Rufnamen gegeben hatte. Neben
Hester blieb er stehen und musterte die Stele, den Donner-
Ruhig sagte er, obwohl seine Stimme rauh wurde: Deine
Tiere warten. Bring sie in die Hhlen, zudem dich die Wild-
Hester drehte den Kopf hoch und lchelte. Sein gesundes
Auge schlo sich dabei. Mythor sah verwundert, da das Gl-
serne Schwert Alton urpltzlich aufzustrahlen begann. Der
Mythor fhlte ein Brennen im Hals. Er blickte unglubig das
heller werdende Schwert an und schob es dann
endlich in den
Grtel zurck. Das Leuchten blieb. Das Schwert hatte seine
Gedanken belohnt. Sein freiwilliger Verzicht war anerkannt
Vielleicht war es doch rich
tig von mir, flsterte Mythor
Inzwischen hatten sich alle Wildlnder, die sich bewegen
konnten, im Kreis um die Tiere, Hester und die Stele aufge-
stellt. Der weie Falke, dessen Gefieder sich strahlend vom
Mantel des Einhornreiters abhob, sa ungerhrt auf Hesters
Schulter. Seine runden Augen hatten Mythor bisher nicht los-
177
Hesters Fingerspitzen fuhren ber die Linien und Kanten
arbeiten und sie richtig zu beurteilen. Sicherlich ergab das al-
tenreich auf das verwunschene Tal vorbei war. Hester war von
dem Donnerstein hingerissen. Woher hatte dieser wunder-
Mythor erklrte es ihm, so gut er es wute. Viel war es nicht.
Hester schien gleichermaen verwirrt und unsicher, und
trotzdem ging von ihm ein starkes Selbstbewutsein aus, das
Mythor schon bei den wenigen
und flchtigen Zusammentref-
was er zu tun hatte.
Er wiederholte unbeholfen ge
Ganz bestimmt. Sie sind seit vi
elen Jahren an nichts anderes
gewhnt. Verstehst du mich?
Mythor schttelte den Kopf. Er begriff nichts. Du willst tat-
schlich versuchen, die Bilder dort an der Felswand wieder
neu zu schaffen? Das wird ein Dutzend Jahre oder lnger dau-
ern. Hast du berhaupt eine Ahnung, wie du den Stein bear-
Hester lchelte in sich hinein. Das neue Selbstbewutsein
verwischte den Eindruck des Gesichts, der frher viele Men-
schen erschreckt oder zu ue
rungen des Miteids gebracht
hatte. Es ist zu lernen. Ich
kann Bilder machen. Ich ler-
Mythor wute, da er rtselhafte Bilder malte oder im
178
Schlo Fordmore gemalt hatte. Er sagte anerkennend: Bei E-
Der Donnerstein bestand aus einer leuchtend weien Ge-
steinsart. Als Hester endlich aufstand und auf den Hhlenein-
gang zuschritt, sah Mythor erst die Schnheit dieses sulenar-
tigen Meisterwerkes. Seine Herkunft lag im dunkeln, wie so
Hester hob die Arme und mach
te eine grende Bewegung
zu den Wildlndern, die ihn noch immer hingerissen anstarr-
ten. Sie waren entweder von seiner Erscheinung oder seinem
sie einen Anfhrer oder Herrscher, der ihrem Leben einen
unter ihnen waren, hatte Mythor bis heute nicht erkennen
knnen, waren nur ein kleiner Stamm an der Grenze zu Dan-
damar. Hester hatte sich eine wahrhaft gigantische Arbeit vor-
n? fragte Mythor und ging
neben ihm in die Hhlen hinein.
Ja. Ich will so schne Kpfe schaffen wie den Don
Der Falke kauerte auf Hesters Schulter; lautlos folgten der
Die Wildlnder zogen ihre Kapuzen vor die Gesichter und
fhren hatte, ging Hester auf Urzuguhrs erloschenes Feuer,
den Ambo und das Sortiment von Meieln und Hmmern
Hier bleibe ich, sagte Hester in endgltigem Tonfall.
schwesterlicher Zrtlichkeit gef
ttert hatte, mit iem entschlos-
179
senen, vllig gewandelten jungen Mann von leute. Er war
zweifellos reifer und hrter geworden, und jede Art von Ver-
krampftheit hatte sich gelockert.
Hester wandte sich an ihn. Sein Gesicht verzog sich in dem
Bemhen, klare Worte zu formen
. Du bist Mythor. Du hast
meine Schwester geliebt! stellte er stockend fest.
Du hast die Tiere gesucht?
Ja, das habe ich. Aus Grnde
n, die ich nicht kenne, warst
Die nchste Bemerkung erschtterte Mythor. Du kannst
Gleichzeitig streckte Hester den Arm aus. Der Falke sprang
flgelschlagend auf seinen Unterarm.
Dann streckte Hester dem jungen Krieger die Faust entge-
Horus
war der Name, der Mythor eingefal-
len war, schrie leise auf und flog auf Mythors
Handgelenk.
Aus seinen weien Augen funkelte er Mythor an. Mythor
schttelte fassungslos den Kopf, dann stammelte er: Ich
Es schien ein Zeichen gewesen
zu sein. Der grau-wei ge-
sprenkelte Wolf,
wrde Mythor ihn nennen, trottete her-
an und legte sich direkt neben Mythors rechten Stiefel. Der
Mythors Auffindung durch die
Marn geheult haben sollte, lehnte seinen warmen Krper ge-
gen Mythor.
Staunend, aber in ehrfrchti
gem Schweigen erlebten die
Wildlnder diesen Vorgang mit. Mythor war vllig verwirrt,
als er hinter sich leisen Hufschlag hrte und dann das schwar-
ze Einhorn neben sich auftauchen sah.
sagte er leise. Das ist mehr, als ich erhoffen konn-
180
Sie haben mir ge gedient. Ich brauche sie nicht mehr.
nen Meiel auf.
Schweigend fhrte Mythor das Einhorn Pandor in die dritte
Hhle neben sein Pferd. Der Falk
dann schwang er sich hoch und
flog mit leisen, krchzenden
Rufen eine Erkundungsrunde du
rch die Hhlen und Nischen,
zwischen den Pfeilern und Bge
n hindurch. Er scho schlie-
lich aus dem Eingang hinaus, blieb einige Augenblicke im
Sichtbereich Mythors auf der Stelle rttelnd, als wolle er aus-
drcken, da er wiederkommen werde. Dann strich er ab, viel-
leicht um ein Stck krankes Wild
zu schlagen und zu krpfen.
Der Wolf blieb in der Wrme der
Glut liegen und leckte seine
Mythor ging vllig verwirrt
zu seinem Lager zurck und
sprte tief in seinem Inneren zum erstenmal ein Gefhl des
ren, ehe er sein Ziel erreichen mochte. Seine Selbstzweifel wa-
Noch nie hatte Mythor auf de
m Rcken eines besseren Reittie-
res gesessen. Pandors Bewegungen waren kraftstrotzend und
schnell. Das pechschwarze Einhorn war sicherlich kein Wun-
dertier, aber es schien jede Absicht des Reiters Augenblicke
frher zu ahnen. Winzige Schenk
elhilfen reichten aus, leichte
Zurufe dirigierten das Tier in jede Richtung. Pandor gehorchte
Mythor, als sei er ein Teil seines Krpers.
In einem halsbrecherischen Galopp preschte Mythor auf den
181
tern um einige der zerstrten Kpfe ausgebessert und neu be-
Die Mhne Pandors schlug in Mythors Gesicht, als er sich
vorbeugte. Pandor lie sich nur ohne Zgel und Sattel reiten.
Die Zgel vermite Mythor kein
en Augenblick lang, aber der
fehlende Sattel machte ihm Sorg
en. Wohin sollte er seine Aus-
rstung packen? Der breite Rcken des Tieres sandte
schmerzhafte Ste durch seinen
Rcken, die fehlenden Steig-
bgel machten seinen Sitz unsicher; in einem Kampf wrden
Auch auf diese Frage wird es irgendwann eine Antwort ge-
ben, sagte er sich und sah, da Hark, der Wolf, aus dem
hen Gebsch hervorbrach. Das Raubtier schttelte den Schnee
aus dem Fell und kam zu Mythor und Pandor zurck. Der
Schneefalke jagte irgendwo in der Nhe.
Mythor schnalzte mit der Zunge, das Einhorn fiel aus dem
Galopp in einen ruhigen Trab zu
weien Dampf vor den Nstern des Tieres. Es schien uner-
um den Berg der Gesichter, zeigte Pandor keine Spuren der
Vier Tage waren vergangen, seit Hester im Morgengrauen
recht fassen konnte, lernte in dieser Zeit seine Tiere kennen.
und Horus schnell, ausdauernd und stark. Ihre Instinkte wa-
ren ebenso scharf wie ihre Sinne. Sie gehorchten Mythor aufs
Wort, blieben aber selbstndig
und eigenwillig. berdies wu-
te er, da er ihre Lebensuerungen noch lange nicht vllig
Aber selbst wenn Horus und Hark
jagten, um ihre Beute zu
182
schlagen, kamen sie immer wieder zu ihm zurck.
Zaubertiere? fragte er sich und gab sich die Antwort:
Nein, das sind sie nicht. Nur der Umstand, da sie in ihren
Ein Schenkeldruck, und schon wurde das Einhorn langsa-
Die Wildlnder, die zwischen den Hhlen und der Felswand
hin und her liefen, nahmen Mythors Gegenwart auf merk-
wrdige Art hin. Sie wichen ih
m aus, wenn sie an ihm vorbei-
gingen. Keiner sprach ihn an. Aber sie teilten ihr Essen und
den Wein mit ihm, und als er von ihnen verlangte, einen gro-
Sie taten, was er mit seiner brchigen Sprache verlangte,
nicht nur schnell, sondern mit
offensichtlicher Begeisterung.
Schon wieder war von zahlreichen Stellen der Felswand das
Klirren und Krachen von Meieln, Hmmern und Keilen zu
hren. Staub und kleine Gesteinssplitter frbten den Schnee.
Mythor ritt in die Hhle hinein und versorgte das Einhorn.
Er wute, da die Tage der Ruhe bald vorbei sein wrden.
Es war schwer gewesen, Hester von seiner Arbeit wegzuho-
Ich blieb hier, sagte Mythor, der den Arm um Pandors
Hals gelegt hatte, um dich zu
schtzen. Ich dachte an einen
Angriff der Caer. Sie fanden das verwunschene Tal leer. Der
Berg der Gesichter ist nicht weit davon entfernt.
In rastloser, aber planmiger Arbeit hatte Hester das obers-
te Gesicht, das zugleich eines der grten war, bearbeitet. My-
183
thor hatte es am Ende seiner Flucht felsaufwrts nur geringf-
gig beschdigen knnen. Inzwisch
en hatte sich das Aussehen
Keiner hat Urzuguhr gestr
t. Kein Angriff. Ich werde
nicht gestrt. Siehst du?
Gerst um Stirn und Augen war
entfernt, der Fels entlang die-
sen Kanten war frei von Eis und Schnee und glattgeschlagen.
Haar, Stirn und Augen hatten ihr Aussehen und ihren Aus-
an deren Stelle ab. Das Gestein, von wenigen vielverzweigten
Adern durchzogen, aber glnzte im hellen Licht des Tages,
Ich sehe, bekannte Mythor eh
rlich, da der Kopf schn
und leicht wirkt.
Gleicht ihnen aber anders
, stotterte Hester. Sie wer-
Mythor mute zustimmen. Obwohl der Kopf noch nicht fer-
tig war, lie sich deutlich erke
nnen, da er genau das Gegen-
teil des zerstrten Kopfes ausdrcken wrde, nmlich Schn-
heit und Leichtigkeit. So stellte sich Mythor einen Sttzpunkt
des Lichtboten vor, und so w
rde im Lauf der Jahre Hester
auch die anderen Kpfe und Gesichter mit Hilfe der Wildln-
Wohin? Hester wirkte zerstreu
t. Er hatte nur noch seine
Arbeit im Sinn; den drei Tieren
schenkte er keinen Blick mehr.
Seine Hnde waren rauh und schwielig geworden, seine kost-
bare Seidenkleidung war schmutzig und zerrissen.
184
In der Nhe des verwunschenen Tales warten meine
Reite! Das Einhorn ist stark und schnell, meinte Hester,
Kurze Zeit spter hrte Mythor
der Gesichterfragmente das Klirren der Werkzeuge. Er hob die
Schultern und ging zurck in die Hhle, um sich fr den Ritt
Ein fast unhrbarer Befehl hielt Pandor an. Das Einhorn drehte
sich herum, und Mythor hob
grend und abschiednehmend
Er strahlte heitere Ruhe, lchelnde Sicherheit und frhliche
Schnheit aus. ber dem Berg
der Gesichter und in weitem
Umkreis lag nicht nur vorbergehender Sonnenschein des
Sie lie sich schwer begreifen. Es war, als umhlle und
schtze eine lichte Wolke dieses Stck des Landes. Mythor
wute es, ohne die Grnde zu
kennen und eine Erklrung zu
haben: Aus einem Sttzpunkt der Schwarzen Magie, der ds-
des Lichtboten geworden. Wenn dereinst Hesters gigantische
Arbeit vollbracht war, wrde dieser Eindruck vollkommen
sein. Dann wrde der Berg der Gesichter in weitem Umkreis
Mythor lie den Arm sinken und ritt weiter. Hoch ber ihm
schwebte ruhig, in weiten Kreisen, sein Spher. Horus, der
185
Schneefalke, wrde ihn warnen, wenn sich auf seinem Weg
Pandor fiel in einen leichten, schnellen Trab. Die Sattelta-
schen, die Mythor mit einem breiten Gurt aus dem Sattel des
anderen Rappen an seinem Rcken festgebunden hatte, waren
voller Nahrungsmittel und Ausrstung. Der Helm der Gerech-
Einen Pfeilschu entfernt schnrte Hark dahin, der riesige
Bitterwolf. Obwohl er immer wieder zu Mythor und dem Ein-
horn herberugte, sah es aus,
als gehre er nicht zu dem
dunkelhaarigen Krieger.
Mythor schlug, sich nach der Sonne richtend, den Weg zum
verwunschenen Tal ein. Er wute, hinter welchem Hgel die
Und er begann, Hester und den Berg der Gesichter aus den
Gedanken zu verlieren. Im Schutz der lichterfllten Aura
wrde der einugige Bruder Knigin Elivaras sein Werk voll-
In der ersten Stunde ritt Myth
or auf einem deutlichen Pfad
Dann wurde diese Spur schmaler. Immer weniger Fhrten
rn war auf dem ersten Teil des
Schnee. Lngst war der Berg
Horus kam zurck, zog einige Runden ber Mythors Schul-
tern und lie sich dann auf
dem rechten Unterarm nieder. Der
Fellmantel trug bereits die Rei
spuren der nadelscharfen Fn-
nicht im mindesten beunruhigt od
er aufgeregt. Also drohten
wohl keine Gefahren.
Als die Sonne ihren hchsten Stand erreicht hatte, machte
Mythor eine kurze Pause. Er
hielt unter den ausladenden
186
Zweigen und sten eines einzelnen Baumes an, der auf der
Wieder wandte sich Mythor um. Er konnte den Berg der Ge-
sichter von hier aus nicht mehr sehen. Lngst war die Sonne
wieder hinter langgezogenen Schleiern von Schneekristallen
verschwunden. Nur an drei St
ellen, weit entfernt, erkannte
Mythor dnne Rauchfden irge
ndwelcher Lagerfeuer. Auch
das Leuchten ber dem Tafelberg sah er nicht mehr.
Es gibt kein Zurck mehr, mu
rmelte er. Horus fauchte auf
Er a im Reiten und ritt bis zur Dmmerung weiter. In der
Nacht fanden sie einen trockenen Platz in einem dichten Ge-
bsch, von mannshohen Schneeverwehungen umgeben. Der
Wolf bewachte Mythors Schlaf am Boden, der Falke flatterte
auf und verbrachte die Nacht irgendwo in den sten der
Und schlielich sah Mythor, als er zwischen den Stmmen
eines Waldstreifens hervorritt, die Felsnadel vor sich. Noch
zwei Stunden Ritt trennten ihn
von diesem Treffpunkt. Seine
Wachsamkeit wuchs, denn er dach
te an die Caer, die entlang
Was hast du? knurrte Mythor, als Horus sein Gefieder
strubte, einen krchzenden
linken Arm in die Hhe und stie den Falken ab. Mit schnellen
Flgelschlgen gewann das Tier Hhe und flog nach rechts
gegen den Himmel ab. Mythor blinzelte, dann hob er scht-
Er meinte, zwischen den Baumwipfeln Rauch aufsteigen zu
sehen. Die Luft flimmerte. Er blickte genauer hin und entdeck-
te tatschlich eine schwache Rauchspur. Als
er Pandor in diese
Richtung gehen lie, vermocht
e er sogar den Rauch zu rie-
187
Als Mythor auf die bewute Stelle zuritt, kam der Bitterwolf
Sprngen hinter dem Einhorn her. Mythor war sich klar, da
der pechschwarze, glnzende Krper Pandors gegen den
Spuren von Vgeln und Rotwild. Das Einhorn versank bis zur
Brust im Schnee und kmpfte si
ch wieder aus dem Graben
heraus. Dann ging es ber ein Stck Weide, wo die drren
Halme aus dem Schnee hervorstachen. Wind hatte die
Mythor schlug den Mantel auf und griff nach Alton. Noch
Zuerst kreiste der Schneefalke ber den Wipfeln, dann such-
te er eine ffnung zwischen den sten und verschwand da-
hinter. Schnee rieselte von den Zweigen. Das Schlagen der
Flgel hallte leise im Wald wider. Noch immer keine Spuren,
auch keine, die aus dem Wald in die Richtung der Felsennadel
Auf der leicht abschssigen Weide galoppierte Pandor auf
den Waldrand zu. Als sich au
s dem hher werdenden Schnee
Ranken und Dornen hochwanden,
fiel er in Trab zurck. Mit
einigen Stzen berwand er diese natrliche Sperre. Dann pol-
terten die Hufe dumpf auf schneefreiem Waldboden.
Im Zickzack kam der Schneefalke zwischen den bemoosten
Stmmen zurck. Diesmal wirkte er aufgeregt.
Was hast du entdeckt? fragte
Mythor, obwohl er wute,
da er keine klare Antwort erwarten durfte. Er zog das
188
Der Geruch nach kaltem Feue
rrauch wurde durchdringen-
der. Zuerst wollte Mythor den Namen der Freunde laut rufen,
Einige Wurzeln umgestrzter Stmme versperrten ihm den
Weg. Ein kleiner Graben, auf dessen Grund Eis funkelte, wur-
de bersprungen. Hier lagen Holzspne und abgerissene Rin-
Einige Schritte weiter: Mythor entdeckte eine Art Lager.
Schrg in den Boden gerammte Stangen, darber rohes Ge-
flecht aus Zweigen, mit Schnee
runde Zone, von Steinen umgeben.
Aus dem Feuer war Glut geword
Asche bedeckt. Es ging kein
e Wrme mehr von dem groen,
Hark! Du mut mich beschtzen! sagte Mythor flsternd
Das Tier tat, als habe es verstanden, aber es gehorchte in
Wirklichkeit nur seinen Instinkten. Es warf sich herum und
Mythor glitt vom Rcken des Einhorns. Pandor blieb stehen,
als habe Mythor das Tier an einen Stamm gefesselt. Kein Mus-
kel rhrte sich unter dem glatte
n Fell. Der Krieger lief geduckt,
das Schwert in der Hand, auf das Lager zu und war bestrebt,
tte der winzigen Lichtung.
Er drehte sich langsam einmal
um sich selbst und sphte in
jeden dunklen Winkel. Der Schneefalke kam heran und lande-
te auf einem abgestorbenen Ast.
Hinter Mythor raschelte Hark
Es gab keinen Hinweis, da hier Nottr, Kalathee und Stein-
mann Sadagar gelagert hatten. Aber drei Leute hatten sich hier
189
lngere Zeit aufgehalten. Das
war sicher. Es gab untrgliche
Mythor streckte das Schwert aus und stocherte vorsichtig in
der Mitte des groen Aschehaufe
ns. Er frderte nur winzige
Stcke fast schwarzer Glut zutage. Also hatte dieses Feuer vor
rund einem Tag noch heftig gelodert.
Er fand Federn, Knochen, einige Fellreste. Zwei gegabelte
fast verkohlt, umgefallen. Also hatten die drei Wanderer hier
Fleisch gebraten. Mythor stand
auf und ging dreimal um das
Zwanzig Schritt entfernt, dem Waldrand zu, stand der Wolf.
Und genau in diese Richtung
fhrte eine deutliche Spur.
Hark hatte sie vor Mythor wahrgenommen, und das gab den
Mythor flsterte: Sie haben vor kurzem dieses Lager verlas-
sen und sind dorthin gegangen. In dieser Richtung liegt die
warten sie dort. Aber wo-
Er zog sich auf Pandors Rcken und folgte, so schnell es hier
mglich war, der Spur, die ihm Hark zeigte. Der Wolf heulte
leise auf, als der Reiter, tief ber den Hals des Einhorns ge-
beugt, aus dem Wald herauskam und ber das offene Feld
galoppierte, auf die Felsnadel zu.
Ein undeutlicher Verdacht machte sich in Mythor breit. Er
voraussichtlichen oder erwns
chten Geschehens. Mythor
klammerte sich mit den Schenkeln an
den Krper des Ein-
horns, hob den Kopf und musterte die Felsnadel, die immer
nher kam. Eine dreifache Fuspur fhrte aus dem Wald her-
aus. Auf dieser Spur lief der Wolf, neben ihr ritt Mythor und
lie seinen Blick zwischen den
Fuabdrcken und der Gruppe
190
aus Bumen, Bschen und wuchti
gen Felsen hin und her glei-
Der Schneefalke scho wie ein Pfeil auf die Nadel zu, um-
schwirrte sie aufgeregt und stie gellende Schreie aus. In My-
thor wuchs die Aufregung.
Andere Spuren tauchten auf. Sie waren kaum lter und si-
cher nicht jnger als die dreifache Spur der Freunde. Aber sie
verliefen kreisfrmig um die Fe
lsengruppe. Je nher Mythor
den braunen und grauen Felsen kam, desto mehr Spuren sah
er. Schlielich entdeckte er auf dem zertrampelten Gemenge
aus Schnee und Grsern die Hufabdrcke von Pferden.
Die einzige Antwort war das wtende, klagende Heulen des
Mythor galoppierte in die neue Richtung. Der Wolf hrte
nicht zu heulen auf; unablssig stie der Schneefalke seinen
Jagdruf in die klare Luft. Das
Schwert in Mythors Hand gab
Vor Mythor befand sich niemand. Nur die Spuren wurden
schrfer, tiefer und zahlreicher. Si
e sahen aus, als habe hier vor
gar nicht allzu langer Zeit ein Kampf stattgefunden. Mythor
sah er die Gefhrten nicht. Aber auer den Spuren gab es
Waffen noch zerrissene Kleidung
, keine zerbrochenen ste
Schweigend, in steigender Besorgnis und Aufregung, ge-
Schrg hinter ihm lief der Wolf
. Er heulte nicht mehr, son-
hin und her. Das Einhorn begann schwer zu keuchen, aber es
wurde nicht langsamer. Mythors Gewiheit, da seine Freun-
191
ren, wuchs. Aber es gab keinen Gegner.
niemanden hatte Mythor sehen knnen, aber nun berhrten
die Hufe des Einhorns ein Stck des Untergrunds, das vllig
aufgewhlt und aufgerissen war. Hier gab es nur noch winzi-
ge Spuren von Schnee.
Ein Felsblock schob sich in Mythors Blickfeld. Undeutlich
erkannte er eingeritzte Linien. Augenblicklich hielt er das Ein-
horn an. Pandor bumte sich a
uf, das lange Horn wies fast
senkrecht in den Himmel. Mythor sprang vom breiten Rcken
des Tieres und rannte ber den
gefrorenen Boden auf den kan-
tigen Felsblock zu. Hinter ihm stemmte der Bitterwolf seine
Was ist das? Es sieht wie Schrift aus, flsterte Mythor und
Es waren Schriftzeichen. Nach
einigen Augenblicken der Be-
sinnung erinnerte sich Mythor an Kalathees eigentmliche
Art, Buchstaben aneinanderz
ufgen. Mit einem scharfen Ge-
m von Sadagars Wurfmessern,
waren Worte in die fast ebene Flche des Felsens geritzt wor-
den. Sie hoben sich scharf und grell vom feuchten, moosgr-
nen Felsen ab.
Mythor las schweigend:
Ich habe erkannt, da ich einen anderen
Weggehen mu. Ich habe mich in meinen Gefhlen zu dir geirrt. Sie
Es war unzweifelhaft Kalathees
Schrift. Zahllose Fragen wir-
belten durch Mythors Kopf. Se
ine so mhsam errungene Ruhe
Er las die Worte dreimal, viermal. Er sprte tiefe Besorgnis.
Ohne es zu merken, zog er aus seinem Wams das Pergament
192
verloren starrte er das Bild an, die Knigin seines Herzens und
Schweigend und grbelnd ging er zu seinen Tieren zurck.
Schulter. Der Bitterwolf sprte Mythors Zustand und schmieg-
te sich an seine Knie. Still und
leer lag die weie Flche im
Licht der frhen Dmmerung. Mythor suchte nach einem
Weg, einem Hinweis, wohin die Freunde verschwunden sein
knnten aber er fand nichts.
Niedergeschlagenheit berfiel
ihn, als er sich auf Pandors
Rcken schwang. Wohin sollte er
die Schritte des schwarzen Einhorns lenken?
chten half ihm nicht.
193
Dort, wo sich seit ungezhlten Generationen die Stadt Ugalos erhob, war
vor Menschengedenken noch finsterer, unwegsamer Wald gewesen, den
wagt, kehrten nie zurck.
Die Kunde von einem schrecklichen Ungeheuer, das an den Ufern der
Lorana hauste, ging durch alle Lande: von einem feuerspeienden Drachen,
grer als das Haus einer ganzen Si
ppschaft und gefhrlicher als jeder
Dmon der Finsternis, die damals nur einen schmalen Streifen der Welt in
Angst und Verderben hllte.
Es hie, da zu jener Zeit viele Vlker noch Freund waren miteinander
und da reger Handel herrschte zwischen Tainnia, Dandamar und den
Sdlndern. Leider war es aber auch so,
da manches Fischerboot umsonst
gegen die Gefahren des sturmgepeitschten Ozeans und die Tcken der
Strae der Nebel ankmpfte. Und Dutzende von Wagenladungen gingen
ten oder Osten hin ausweichen muten. Selbst klingende Goldstcke ver-
mochten die Verluste nicht auf Dauer auszugleichen.
Ein Mann wagte es, den Kampf aufzunehmen, ein erfahrener und ge-
wandter Kmpfer, der strahlende Sieg
er in vielen Turnieren und Gnstling
und Liebhaber so mancher begehrten
Herzogstochter. Leichtfig wie der
Wind war sein Pferd und von einer make
llosen Reinheit wie frisch gefalle-
Niemand, der seinen Namen nicht ka
nnte und ihn ohne Ehrfurcht aus-
zusprechen gewagt htte: derHeroe Maynos
Aber weniger seine Taten erhielten sein Andenken am Leben als vielmehr
der Fluch, der seinem Ende anhing. Ke
iner in Ugalos, der den Tag herbei-
sehnte, an dem die Prophezeiung sich erfllen wrde.
194
Funkensprhend verformte sich das rotglhende Eisen unter
den schwungvollen Hammerschlgen. Kraft und Geschick-
s Auge gehrten dazu, die
kaum zwei Finger breite Klinge zu dehnen und mit einer beid-
Ohne Zweifel verfgte Jules Dubrahin ber diese Eigen-
schaften. Und auer ihm noch ein Dutzend anderer Gehilfen,
seines Fachs, unbestritten der berhmteste Waffenschmied
Ugaliens, obwohl diese Zunft viele groe Meister besa. Doch
war er der grte unter ihnen. Von Duprel Selamy stammten
Waffen, wie keines Recken Arm
je bessere gefhrt hatte. Und
eyn Mormand de Arrival Vi-
Zischend khlte das Eisen ab, als es zur Hrtung in einen
sah den sich zur Decke empo
Seine Gedanken befaten sich nicht mit der Arbeit. Seit Ta-
gen schon galten sie dem Schicksa
l des Meisters, den seit Ende
Jules Dubrahin warf neue Kohlen in die Esse und schrte
das Feuer. Dabei trat er so wild auf den Blasebalg, da der
Rauch ihm Trnen in die Augen tr
Hinter ihm wurde eine Stimme laut: Hr endlich auf, Jules!
Oder willst du uns alle ausruchern?
Dubrahin lie mit keiner Regung erkennen, da er die Worte
gehrt hatte. Erst als eine Hand seine Schulter packte, wandte
er sich um. Aus zusammengekniffenen Augen musterte er sein
Gegenber. Warum strst du
195
Frerick Armos, nach Dubrahin derjenige, der am lngsten in
Meister Duprels Diensten stan
den schweren Hammer, der daran lehnte. Du vergeudest
deine Krfte, Jules, sagte er vorwurfsvoll, und du weit ge-
Ach, la mich! Dubrahin ri si
ch los, griff nach der Zange
und stie das lange Stck Eisen so heftig ins Feuer, da Fun-
ken nach allen Seiten stoben.
Aber Armos, sein Freund un
d Zechkumpan, lie sich nicht
dir pat oder nicht.
Dubrahin stocherte in der Glut herum. Winzige Flammen
huschten ber das Metall, das sich langsam rot frbte. Ich
wte nicht, was wir miteinander zu besprechen htten.
Aber ich wei es, Jules. Es ge
ht nicht an, da in unserer
Schmiede Waffen gefertigt werden, die schlecht sind. Seit Ta-
gen bist du vllig verndert. Welcher Dmon ist dir begeg-
Bei Lavoux, ich will deine Visage nicht sehen.
Schon gut. Besnftigend streckte Armos beide Hnde vor.
Aber gestehe ein, da es die Sorge um Meister Duprel ist, die
Klappernd fiel die Zange zu Boden. Aus weit aufgerissenen
Augen starrte Dubrahin den anderen entgeistert an. Woher
Du bist so, seit Meister Duprel verschwand. Was weit du,
Aqvitre soll mir beistehen! rief Armos laut aus. Du ver-
196
Glut fiel auf den Boden, als Dubrahin das Schwert aus der
Esse ri und herumwirbelte. Einen bangen Herzschlag lang
Jules Dubrahin zuckte merk
Nur eine Vermutung, erwiderte Armos. Doch dein Ver-
Dubrahin sah sich vorsichtig nach allen Seiten um, aber kei-
von ihnen machte sich Gedanken darber, weshalb Duprel
Sie sind dumm, flsterte Jules
und zog seinen Freund mit
sich hinter die Esse, wo nieman
d sie beobachten oder gar be-
Aber was haben Meister Duprel und dieser Erzgauner Vas-
sander miteinander zu schaffen? Selamy ist ein aufrichtiger
Schweig! zischte Dubrahin erschrocken. Willst du
alle b-
sen Geister mit deinem unbedachten Gerede heraufbeschw-
Bei Aqvitre, nein, hauchte Armos. Doch ist bekannt, da
nicht nur der Lumeyn dem Erzm
agier ergeben ist. Man mun-
Dann lasse mich endlich wissen, was mit dem Meister ist.
Dubrahin nickte zgernd. Ich war auf einer der mittleren
Inseln, gestern, bei Einbruch der Dmmerung, und ich wurde
zufllig Zeuge eines Gesprchs, in dem es auch um unseren
Das wissen die Gtter. Duprel, hie es, arbeite an einem
Harnisch fr den Erzmagier.
197
Aber warum nicht hier, in der Schmiede? entfuhr es Ar-
mos. Seit wann hat Vassander die ffentlichkeit zu frch-
gen, doch in diesem Augenblic
k erklang von ferne ein hohles
Brausen, das sich schnell steigerte. Wie das Tosen eines mch-
Das Gerusch vernderte sich, wurde schriller, eindringli-
Abrupt brach das Brausen ab. Stille kehrte ein. Eine bedr-
Der Boden begann zu zittern, kaum merklich zuerst, dann
immer heftiger. Irgendwo im Geblk knisterte es.
Jemand schrie. Laut polternd strzte ein Regal um. Werkzeuge
aller Art kullerten ber den Boden, der sich einen bangen Au-
genblick lang aufzubumen schien.
Hhe, jeden Augenblick damit
rechnend, da die morschen
Dann war der Spuk so schnell vorbei, wie er begonnen hatte.
Aus den Straen und Gassen vor der Schmiede ertnte aufge-
regtes Schreien. Niemand wute eine Erklrung fr das, was
geschehen war. Die Menge brllte sich gegenseitig nieder,
denn die einen gaben den anrckenden Caer die Schuld, die
anderen wollten Dmonen gesehen haben, die aus dem Him-
198
Strahlen frbten den Himmel blutrot, gleich dem Widerschein
Ein bses Omen, sagte Jules Dubrahin, als er neben Frerick
Es war ungemtlich an jenem Abend. Ein schneidend kalter
Wind pfiff durch die engen Gasse
n, brach sich an den Fassa-
den der oftmals schiefen Gebude, die sich eng aneinander-
lehnten, wie um der Last des frisch gefallenen Schnees besser
widerstehen zu knnen.
die Hndler damit beschftigt, die feilgebotenen Waren abzu-
rumen. Von Osten her zog eine unheilschwere Finsternis auf.
In dieser Nacht konnte es gut geschehen, da erstmals in die-
Aber noch bedrohte das Eis nicht den besten Schutz der
Stadt, die beiden Hauptarme der Lorana, die Ugalos einschlos-
war die Hauptstadt Ugaliens
entstanden, die wiederum von
einer Reihe knstlich angelegte
r Kanle durchzogen wurde.
bislang sicher whnen. Hunder-
te von Brcken verbanden die Landflecken miteinander, die
Zu jeder der sieben groen Inseln fhrte nur eine gut gesi-
cherte und Tag und Nacht bewachte Brcke ber die Lorana.
Vier befestigte Bauwerke waren es von Norden her und drei
Dabei spielte sich das eigentliche Leben nur auf den beiden
grten Inseln am unteren Flu
kern, von Tagedieben und Dirnen gefhrt hatte und dazu, da
199
viele Huser frmlich in den Himmel gebaut worden waren,
um berhaupt noch einen Raum zu schaffen, in dem Men-
schen leben konnten. Ein wahres Labyrinth war entstanden, in
dem Ortsunkundige hufig tagelang umherirrten, ohne ihrem
Ziel auch nur nahe zu kommen. Und kaum jemand aus der
Bevlkerung wre willig gewesen, zu helfen, denn Fremde
Die beiden Gehilfen des Meisters Duprel wandten sich nach
Westen. Dort waren die Schenken
mit dem besten Wein, dort
kamen aber auch die krperlichen Freuden niemals zu kurz.
Schale, stickige Luft schlug ihnen entgegen, als sie die engen,
gewendelten Stufen in ein Kellergewlbe hinab
stiegen. Ru-
ches, flackerndes Licht. Dumpfe Mnnerstimmen und das
schrille Kreischen von Frauen drangen von unten herauf.
stie er die schwere Tr auf, die zum Schankraum fhrte.
bogen und Fusten stie Armos die Umstehenden beiseite. Die
Schenke war zum Bersten voll. Allem Anschein nach machte
der Wirt heute das Geschft sein
es Lebens. Aus verschiedenen
von Ugalos nur ein Thema gab: das merkwrdige Beben, das
zu frher Stunde so manchen no
ch aus dem Schlaf geschreckt
Verdammt viel los, sagte Dubrahin zwischen zwei tiefen
Schlucken aus einem Krug voll
schumenden Gerstensafts.
Und nicht nur gemeines Volk ist da. Dort drben in der Ni-
Armos nickte. Sie suchen ih
r Vergngen, und mir scheint,
Eine junge Frau tnzelte heran, das lange, gelockte Haar lose
200
voll zur Geltung. Dubrahin schrzte anerkennend die Lippen
und bot ihr seine Knie als Sitzplat
z an. Sie lie sich auch sofort
nieder und schlang ihm die Arme um den Hals.
Einige Tische weiter erscholl lautes Gelchter. Ein Krug
wurde umgestoen und ging polternd entzwei. Roter Wein
Herzog Vulleroy, sagte das Mdchen abfllig, whrend es
sich eng an Dubrahin schmiegte
. Ich kann ihn und seine Leu-
Wer? fragte Armos irritiert, als habe er nicht richtig ver-
auf, als Dubrahin sie recht unsanft von sich stie. Wie auf ein
Denkst du dasselbe wie ich, Jules? fragte Armos scharf.
Mir kam der Kerl vorhin glei
ch so bekannt vor, obwohl ich
sein Gesicht nicht sehen konnte. Er scheint mir besoffen ge-
nug, um sich aushorchen zu lassen.
Dubrahin winkte dem Wirt. Einen Krug Roten, bestellte er.
Mit dem Gewnschten in Hnden zwngten sie sich dann
Erlaubt, Herzog, da wir un
Ich wte nicht, was ich mit dem Pbel zu schaffen,
brauste Vulleroy lautstark auf, unterbrach sich aber, als Armos
den mit Wein gefllten Krug vor ihm auf den Tisch knallte.
sprochen hatte. Sein Blick schien ins Leere zu gehen, zeigte
201
brahin schnell. Von Meister
Nein, erwiderte Vulleroy, fhrte den Krug an die Lippen
Du kannst es uns gegenber ruhig eingestehen, sagte
Dubrahin voll Nachdruck. Wir wissen, da Meister Duprel
Um ein Haar htte der Herzog er
neut Scherben verursacht,
so heftig war seine Reaktion. Aus aufgequollenen Augen starr-
te er den Schmied an. Gar nichts weit du, zischte er. Hast
Lumpenpack! Vulleroy spuckte aus. Dubrahin packte ihn
hart an der Schulter und schttelte ihn. Wo hlt Vassander
Bei Lavoux! schrie der Herzog heiser auf und lie ein ver-
nehmliches Rlpsen folgen. Ihr
scheint nicht zu wissen, wen
Nicht ohne die geforderte Auskunft, beharrte Armos.
Ich werde dir das hier geben! kreischte Vulleroy und
sprang auf. Polternd fiel sein Stuhl um. Wenngleich er zitterte,
das Schwert in seiner Hand sprach eine beredte Sprache. Be-
Der Herzog ri sein Schwert hoch und stie es nach vorn.
Armos entging dem Stich durch
einen raschen Sprung zur Sei-
202
Da er sein Ziel verfehlt hatte, schien Vulleroy nur noch
mehr anzustacheln. Er schnaub
te wtend und stie mit dem
Macht den anderen fertig! rief er seinen Leuten zu.
Der hier gehrt mir. Aber genauso schwer wie sein Zun-
genschlag war auch sein Schwertarm. Zweimal konnte Armos
unter der ziellos durch die Luft schneidenden Waffe hinweg-
tauchen, beim drittenmal zersplitterte die Klinge einen Tisch
aus massiver Eiche. Unter der
Wucht des Schlages taumelte
Kreischend und schimpfend flohen die meisten Zecher zur
Tr. Armos sah, da sein Freund
, in arge Bedrngnis geraten,
das Messer zog. Nur weil Jules damit umzugehen verstand
eine Chance. Mit einem Stuhl parierte er die unkonzentriert
gefhrten Hiebe, sprang dann b
litzschnell zur Seite und stie
seine Rechte vor. Ein wtender
Aufschrei bewies, da er ge-
troffen hatte.
Mehr konnte Armos nicht erkennen, denn der Herzog
schien allmhlich die Folgen des
Alkohols zu berwinden und
drngte ihn Schritt fr Schritt zurck. Schon war die Wand
bedrohlich nahe, an der Frerick nicht mehr ausweichen konn-
Auch er ri sein Messer aus dem
Grtel. Es warf es, verfehlte
aber sein Ziel, weil Vulleroy si
ch just in diesem Augenblick
Ein furchtbarer Schmerz im
linken Oberarm lie Armos
taumeln. Warm lief es ihm ber die Hand. Der Herzog trium-
Aber Frerick sah den nchsten
Schlag kommen und duckte
sich. Mit der Rechten bekam er einen Stuhl zu fassen, ri ihn
hoch und drang seinerseits auf
Vulleroy ein, dem das Schwert
203
Frerick! Ein gellender Schrei, der gurgelnd abbrach. Ar-
zen. Und er sah sich pltzlic
h drei Gegnern gegenber, denen
er nicht gewachsen war. Sein einziges Heil lag in der Flucht.
Mit einem Fluch schleuderte er dem Herzog den Stuhl an
den Kopf. Dann sprang er vorwrts, stie im Laufen einen
Tisch um, der einen weiteren Ve
rfolger zu Fall brachte, und
war dann an der Tr, noch ehe der dritte ihn eingeholt hatte.
Armos keuchte die enge Treppe hinauf, hrte weit unter sich
Es schneite leicht, als er auf die Gasse hinauseilte. Ohne zu
zgern, wandte er sich nach rechts, dorthin, wo es unzhlige
Winkel gab, in denen er sich verbergen konnte.
Jules Dubrahin war tot. Und
die Art, wie Herzog Vulleroy
auf die ihm gestellten Fragen re
agiert hatte, konnte nicht nur
vielerorts gemunkelt wurde, schien wirklich seine Hnde im
Der Schmied blieb stehen und
lauschte in die Dunkelheit
hinein. Keine Schritte, die ihm folgten. Er war in Sicherheit.
Vorerst wenigstens, bis der Herzog ihn irgendwo aufsprte. In
Armos lehnte sich an die Wand eines bauflligen Gebudes
und schlo die Augen. Er fhlte, da sich alles in ihm ver-
krampfte. Doch das konnte unmglich eine Folge des Kampfes
Er fiel der Lnge nach in den Schnee. Die Klte tat gut und
linderte das Brennen auf seiner
Haut, das sich pltzlich be-
204
der ein erneutes Wrgen hervorrief.
Ziellos taumelte Armos durch die Nacht. Die Fleischwunde
an seinem Arm pochte wie wild, hatte aber aufgehrt zu blu-
ten. Nur mhsam hielt er sich
noch auf den Beinen. Am Rand
eines der vielen kleineren Kan
le brach er schlielich bewut-
sein Vorsatz, den schrecklichen Drachen im Kampf zu erlegen, nur auf den
verheiungsvollen Worten einer sch
nen Tochter adligen Geblts. Sie
wrde fr ein Jahr seine Mtresse werden, wenn es ihm gelang, die Lnde-
reien entlang dem Flu von Furcht und Schrecken zu befreien.
Mit Lanze, Bogen und Schwert zog
der Heroe aus. Monde gingen ins
Land, und niemand gedachte mehr jenes Helden, dessen Schicksal sich
wohl auf grausame Weise vollzogen hatte, als ein Barde die Kunde vom
Und wirklich, bald darauf kehrte au
ch Maynos zurck, in zerschlissenen
Gewndern und von schwrenden Wunden bedeckt.
Jeder, der das Schwert des Heroen sah, erschauderte. Feuriges Blut, das
sich nicht abwaschen lie, hatte die Klinge zerfressen und unbrauchbar
werden lassen.
zogen war? Viele schlugen die Auge
n nieder, wenn sie von nun an Maynos
den Mchten der Schattenzone einen Pakt
geschlossen, die ihm daraufhin
erst Macht ber den Drachen gaben. Preis dafr sei auch sein Pferd gewe-
sen, dessen donnernde Hufe und Wiehern manch Brger von Ugalos in
sternklaren Nchten zu hren glaubte.
Der Barde hatte davon gesungen:
Das Maul des Drachen frchterlich, zwei Kpf mit Hrnern nhern sich.
Der Arm zu schwach, das Schwert zu ha
lten, da sind die schattenhaft Ges-
talten und fordern Leib, Seele und da
s Pferd, fr Kraft und Sieg, der ewig
205
Die Klte lhmte ihn und machte
seine Glieder taub und ge-
fhllos. Frerick Armos vermochte nicht zu sagen, was ihn ge-
weckt hatte. Mhsam blinzelte er in die ersten Strahlen der
aufgehenden Sonne, die von einem unnatr lichen, giftigen
Ein dumpfes Pochen in seinem linken Arm erinnerte ihn an
die Geschehnisse der vergangenen Nacht. Er sthnte unter-
drckt auf und wollte sich erheben, rutschte aber aus und
Doch was war das fr Schnee?
Angewidert schttelte Armos
sich. Eine gelbe Brhe, die auf
der Haut brannte, tropfte ber
seine Hnde.
stank bewut, der ber der Stadt hing. Selbst die Luft war
gelblich verfrbt. Nebel schien
Taumelnd kam Armos auf die Bein
e. Er befand sich in einem
Armos eilte auf eine winzige Brcke zu, mehr ein Steg aus
roh behauenen Balken, der ber den an dieser Stelle nur zwei
Schritt breiten Kanal fhrte. Als sein Blick nach unten fiel, er-
Eine schweflige Brhe wlzte sich trge dahin. Von ihr auf-
Pestgeruch.
Armos taumelte zurck. Schmerzhaft schlug sein Herz, und
206
in seinen Schlfen pochte das Blut. Flucht, war der einzige Ge-
danke, der ihn erfllte. Fort von diesem Ort des Grauens, auf
tung durch die noch stillen Ga
ssen. Bedrckend die unzhli-
gen windschiefen Gebude mit ihren glaslosen Fensterhhlen
und schief in den Angeln hngenden Tren.
Hinter ihm wurden Schritte laut. Ohne es eigentlich zu wol-
starrte ihn an. Feurige Augen
schienen durch die Dmmerung zu glhen, und ein zahnloser
sich ihm hilfesuchend en
tgegen. Mitleid, Fremder.
brannte wie Feuer in seiner Lunge. Er wute nicht, wohin. Ir-
gendwo hoffte er Linderung zu finden. Aber immer wieder
kam er in die Nhe von Kanlen, aus denen Wolken tzender
Allmhlich erwachte Ugalos, zgernder als gewhnlich und
keineswegs so lrmend und geschftig wie sonst. Armos
Wunde war wieder aufgebrochen. Der Schmerz brachte ihn
ein wenig zur Besinnung und lenkte ihn ab.
Er kam wieder in Stadtteile, di
e er kannte. Aber auch hier
hatte sich das Wasser in eine schleimige Brhe verwandelt.
Tote Fische trieben mit aufgedunsenen Buchen dahin. Die
kunstvoll geschnitzten Brcken berzogen sich langsam mit
berall wurden Stimmen laut.
Angstvolle Schreie hallten
durch die Straen. Angesichts des drohenden Unheils gab es
kaum einen Bewohner, der nicht seine Gtter anlief. Fliegende
den Hnden gerissen.
207
Benommen sah Armos eine Weile dem hektischen Treiben
zu, dann wandte er sich ab. Ir
Je lnger er dem verderblic
hen Einflu der Dmpfe ausge-
Bewegungen wurden eckiger, unge
lenkig. Es fiel ihm schwer,
Entlang den Ufern verdorrte das Gras. Schwefliger Schleim
schlug sich nieder. Zunchst nur in unmittelbarer Nhe der
Wasserlufe, dann auch auf den Straen und Gassen im weite-
Frerick Armos hrte jemanden predigen. Eine aufgeregte
Menschenmenge wlzte sich vor
ihm dahin. Als er nher kam,
verstand er den Mann, der auf einem leeren Weinfa stand
und lautstark seine Meinung kundtat. Das Ende der Welt sei
nahe. Es beginne damit, da sich die alten Legenden erfllten.
Niemand sah die Luftblasen im
linken Hauptarm der Lorana
aufsteigen. Das sonst reiende Wasser schien still und trge
Schicht, mit der sich der Flu whrend der Nacht berzogen
In dem einsam unmittelbar am Ufer gelegenen Haus wurde
es lebendig. Poltergeister schie
nen in dem halb verfallenen
Gemuer zu wten. Aber niem
and war in der Nhe, den die
Gerusche erschrecken konnten.
Seit beinahe zwanzig Sonnenwenden mied jeder Brger von
grauenvoll entstellte Leichen, Bewohner dieses Hauses, die der
Flu nur wenige Schritt unterhalb an Land gesplt hatte. Das
Werk von Dmonen, vielleicht sogar der Mchte aus der
208
Schattenzone.
Nur dem Erzmagier Vassander und seinen Bannsprchen
war es zu verdanken gewesen,
da das Bse nicht auf ganz
Ugalos bergreifen konnte. Mit Hilfe der Weien Magie hatte
er in zhem Ringen alles Unheil in diesem Gebude binden
knnen. Seither verfiel das Haus und wurde mit seinen wild
Irgendwo polterte ein loser Mauerstein zu Boden. Staub wir-
belte auf; es knackte und krachte im morschen Geblk. Ein
heiserer Schrei, dann ein schwarzer Schatten, der sich von dem
Mauervorsprung lste und mit mchtigen Flgelschlgen dem
Unterdrcktes Fluchen folgte ihm. Schritte knirschten ber
sandigen Boden. Die einzige Tr wurde von innen her aufge-
in ihren Angeln herum.
Dann Stille. Nur unterbroch
en von dem leisen Gerusch
Ein purpurner Spitzhut erschien, mit schmaler, weicher
Krempe und vielfltigen magisch
en Symbolen, wie sie Traditi-
on waren in Ugalien. Der winzige Kopf mit dem runzligen
Trollgesicht wurde von dem Magierhut fast vllig verdeckt.
Kleine, kalte Augen mit stechendem Blick sahen sich nach al-
Dann erst trat der nicht ganz fnf Fu groe, schmchtige
Mann ins Freie hinaus. Das bodenlange Gewand, das er trug,
war in dsterem Grauton gehalten, der weite, versteifte Um-
hang darber in Purpur.
Es war wohl der weie, wallende Bart, der diesem Wesen die
Wrde verlieh, die es ausstrahlte. Desgleichen das ebenfalls
weie Haupthaar, das unter dem Umhang hervorquoll und bis
weit ber die Schultern fiel. A
lles andere an dem Mann wirkte
ernst, beinahe finster. Ihn nicht zum Freund zu haben hie, ihn
209
Er schien zu schweben, als er sich ber den grasberwucher-
ten Boden bewegte. In Wirklichkeit erweckte nur das graue
Gewand diesen Eindruck, weil es
auch seine Fe verhllte.
Ein alter Mann, siebzig Jahre vielleicht, aber noch immer von
aufrechter Haltung, die von Stolz und berlegenheit zeugte.
Sein Weg fhrte ihn in belebtere Gassen. Er hrte die Brger
von Ugalos schreien, sah sie zi
ihre Gtter anrufen. Aber alle verstummten, sobald sie ihn er-
Vassander bemerkte die scheuen Blicke wohl, die man ihm
zuwarf, doch ging er achtlos darber hinweg. Selbst die gelben
Dmpfe, die aus den Kanlen aufstiegen, rhrten ihn nicht.
er ber Dutzende von Br-
cken, bis er die Insel des gemeinen Volkes endlich hinter sich
schwenderisch angelegte Prachtgrt
en. Aber auch hier hingen
Wind nicht zerstreuen konnte.
Endlich hatte Vassander die stlichste Insel am oberen Flu-
lauf erreicht. Ein Gefhl sagte ihm, da der Lumeyn Mor-
mand de Arrival Visond bald seines Rates bedurfte. Deshalb
beschleunigte er seinen Schritt in Richtung des Sonnenpalas-
Aber das prachtvolle Gebude, das an Schnheit und Prunk
alles bertraf, was die Nachbarlnder Ugaliens aufzuweisen
hatten, wirkte heute trist. Nicht ein einziger Sonnenstrahl
brachte den weien Marmor zum Leuchten, der eigens aus
den Steinbrchen des Karsh-Landes herbeigeschafft worden
Unheilvoll lag der Nebel ber
den Mauern und Zinnen. Kein
Vogel sang sein Lied in den frhen Morgenhimmel, kein
210
ten sich nicht und lieen die
Kpfe hngen. Bsche und Bu-
me in unmittelbarer Nhe der Wa
sserlufe rollten die Bltter
ein, nachdem diese ihr saftiges Grn verloren hatten und von
den Rndern aus braun wurden und langsam zerfielen.
Noch bemerkte es niemand, aber der Tod griff bereits nach
Mit einer jhzornigen Bewegung fegte er den leeren Becher
vom Podest, der ber den kunstvollen Teppich rollte und
dann laut klappernd die vielen Stufen in die Vorhalle hinab-
fiel. Fast sofort erschien ein dienstbarer Geist, wohl anzusehen
Bring ihn mir gefllt zurck!
rief der Lumeyn und blickte
der Frau sinnend nach.
Ihr Name war ihm entfallen, aber er glaubte, da einer von
seinen Palast bevlkerten,
gehabt, mit ihr sein Gemach zu teilen. Das war lange her, fand
er. Viel zu lange. In einer
der kommenden Nchte wrde er
Der Lumeyn aus dem Geschlecht der Arrival, einer alteinge-
sessenen Adelsfamilie in der G
rafschaft Visond, konnte dar-
ber sogar die drohende Gefahr der Caer vergessen, die in
Tainnia und wer wei wo sonst noch eingefallen waren. Selbst
die Warnungen der Magier wurden bedeutungslos gegenber
der Leidenschaft einer schnen Frau. Weshalb sollte er nicht
gelassen abwarten, beabsichtigte er doch, Graf Corian mit dem
Die Frau kam wieder und brachte ihm einen randvoll gefll-
ten Becher, in dem es goldgelb
funkelte. Sie wollte sich sofort
211
entfernen, aber der Lumeyn hielt sie am Handgelenk fest.
Er nickte zufrieden. Du wirkst
auf mich wie die Eislese in
meinem Becher. Trink, Mdchen, es ist ein vorzglicher
Wir sollten eine Nacht miteinander verbringen, platzte
Was ist? Gefllt dir mein Angebot nicht? Lauernd sah er
Ich wei die Ehre zu schtzen, Lumeyn. Ein verhaltenes
Keine Widerrede, bestimmte er. Du wirst mich noch heu-
te bei Sonnenuntergang besuchen.
Eine Weile sah Julienne ihn schweigend an, whrend es um
ihre Mundwinkel zu zucken be
gann, dann verbeugte sie sich
Du wirst deinen Lichtknig nicht enttuschen, sagte der
Mit einem raschen Griff nahm er ihr den noch halb vollen
Becher aus der Hand und leerte ihn in einem Zug. Dann reich-
te er ihn ihr zurck. Bringe mir mehr von diesem kstlichen
Der Lumeyn hielt sich fr unwiderstehlich. Er war mittel-
gro, ma fnfeinhalb Fu und hatte es, war er in frheren
Zeiten auch schlank gewesen, im Lauf seiner nunmehr drei-
igjhrigen Regentschaft ber Ugalien zu einer nicht unbe-
trchtlichen Krperflle gebracht. Sein feistes Gesicht zierte
ein lcherlich kleiner Oberlippenbart, den er mit schier unver-
stndlicher Ausdauer pflegte.
Mormand de Arrival Visond hatt
e schon in frhen Jahren ei-
212
gelockten Mdchenhaaren. Seine Liebe galt dem Wein, aber
noch mehr war er den Frauen zugetan. Allerdings war ihm der
Gedanke, jemals zu heiraten, zutiefst zuwider.
Julienne kehrte zurck, aber hinter ihr wehte ein grauenvol-
ler Gestank in den Saal. Angewidert rmpfte der Lichtknig
die Nase und fate nach seinem Riechflschchen.
Seinen vorwurfsvollen Blick bemerkend, sagte sie: Es
kommt von drauen, Lumeyn. Die Mauern berziehen sich
mit einer gelben Schicht, die vom Flu heraufsteigt. Bse Geis-
Papperlapapp! machte Mormand. Welcher Magier
es wohl wagen, sich mit uns zu messen? Ganz wohl war ihm
dabei aber nicht zumute. Es b
lieb ein gewisses Unbehagen, die
Ahnung einer drohenden Gefahr. Vassander mu her!
herrschte er das Mdchen an. Suche den Erzmagier und sage
ihm, da ich seines Rates bedarf.
lier ein zutiefst aberglubisches
Volk waren, das fr alles und
jedes eine Deutung in der Weien Magie suchte, zum anderen,
weil ihr Lichtknig, der Lumeyn, nicht durch Erbfolge, son-
dern von den Gttern bestimmt wurde. Nach dem Ableben
eines Herrschers traten jeweils die zwlf Magier der Graf-
schaften zusammen, um einen Nachfolger zu bestimmen. So-
von Ugalos zum Orakel von Theran, um die Wahl durch einen
Arrival Visond war ganze vierzehn Jahre jung gewesen, als
das Orakel ihn in Gegenwart des Magiers Vassander als Herr-
213
scher anerkannt hatte.
Selbstverstndlich konnte es au
ch geschehen, da das Orakel
von Theran einen anderen Namen
nannte. Vor allem in Zeiten,
in denen es dem Herrscher schlechtging oder gar sein Tod
vorhersehbar war, wurden im Volk Stimmen laut, da der
Erzmagier einen nicht zu unterschtzenden Einflu auf den
Wahrspruch nehmen knne.
An all das und vieles andere
mehr mute der Lumeyn den-
ihm kam. Im Lauf vieler Jahre hatte sein persnlicher Berater
es verstanden, zum mchtigsten Magier im Lande aufzustei-
Mormand hatte die Fenster des Palastes schlieen lassen, als
der hereinwehende Gestank schier unertrglich geworden
war. Vom Ratssaal aus bot sich
ihm ein guter berblick ber
die sich teilende Lorana. Aber nur der linke Seitenarm hatte
sich in eine dampfende Kloake verwandelt, auf der zu Hun-
derten tote Fische trieben. Di
e Ufer waren braun geworden
von absterbenden Pflanzen, wo
hingegen der rechte Flulauf
kaum zur Hlfte von gelben
Weinberge, die von Norden her
ten noch keine Schdigungen.
Waren tatschlich bse Geiste
r am Werk? Der Lumeyn fhl-
te sich alles andere als wohl in seiner Haut. Immer wieder tas-
den Hals trug.
Die Magier muten helfen, denn nichts war ihnen mehr zu-
wider als die Schwarze Magie, wie die Priester der Caer sie
214
sollte vor den Einflssen aus der Schattenzone.
Endlich erschien Vassander und eilte ohne die bliche Eh-
renbezeigung direkt auf den Lichtknig zu. Du hast mich
Der Lichtknig nickte flchtig und lie sich chzend in die
Polster fallen. Es stinkt, sagte er bezeichnend. Die Lorana
ist verhext.
Ich wei߫, nickte Vassander.
Und? Mormand benutzte wi
eder sein Duftwasser aus
den Wurzeln edler Gehlze. W
as gedenkst du dagegen zu
was seltsam berauschend wirkte
und die Sinne verwirrte. Es
mute die Duftwolke sein, von
Denk an meine Prophezeiungen! erinnerte Vassander.
Vor vielen Monden habe ich vorausgesagt, da die Magie der
Caer-Priester auch nach Ugalos greifen wird. Nur sie sind
Es sind die Caer, wiederholte Vassander bestimmt. Aber
ich wei, Lumeyn, da du als weisester aller Herrscher meine
Ratschlge aufgegriffen hast. Es ist ntig, einen Feldzug gegen
die Horden zu fhren, bevor sie ganz Ugalien mit Mord und
Feuersbrnsten berziehen.
Ich habe deinen Rat befolgt
, sagte Mormand, und Unter-
hndler ins bergige Karsh-Land, nach Salamos und in das
tainnianische Herzogtum Nugamor gesandt. Du weit, da
Nugamor als einziger Teil Tainnias bisher noch verschont
wurde. Zum Teil erhielt ich verb
indliche Zusagen, aber auch
einige Versprechungen, da Bo
ten in wenigen Tagen die Ent-
scheidungen berbringen werden. Es wird zum gemeinsamen
Kampf gegen die Caer kommen, vielleicht sogar zur Entschei-
215
Die Entscheidung wird falle
n, stimmte Vassander zu, und
in seinen Augen blitzte es kurz auf. Ich wei es, denn es steht
in den Sternen geschrieben. Es gibt einen Termin, fr den die
Zeichen gnstig sind.
In ganz Ugalien werden bereits Sldner angeworben und
Gelder vereinnahmt, fuhr der Lumeyn fort. Die Grafschaf-
ten bereiten sich auf den Kampf vor. In unseren
schmieden gehen die Feuer Tag und Nacht nicht
mehr aus.
Endlich scheinen alle Vlker gewillt zu sein, sich zusammen-
zuschlieen und gemeinsam gegen die Caer und ihre dmoni-
Mormand wischte sich mit dem Handrcken ber die Lip-
pen. Ich lie meinen besten Feldherrn rufen: Graf
Corian de
Veloy Anbur-Messarond. Er wird den Oberbefehl ber unser
Er nickte nur. Graf Corian is
t ein fhiger Mann, sagte er
schlielich, der es versteht,
siegreich zu kmpfen und ein
Ich wute, da meine Wahl richtig ist, lachte Mormand.
Der Graf mu bald in Ugalos eintreffen. Er hob seinen Be-
Die Spur, die er irgendwann wiedergefunden hatte, fhrte in
zog sich unbersehbar durch den verharschten Schnee. Nur
hin und wieder verlor sie sich an ausgedehnten Waldschnei-
sen, wo der Wind ungehindert Zutritt hatte. An solchen Stel-
216
len wirkte das gefrorene, von einer dnnen Eisschicht berzo-
Mythor nahm wohl zu Recht an, da die Fhrte von den
Entfhrern seiner Freunde stammte. Steinmann Sadagar und
Nottr, vielleicht auch Kalathee, waren Unbekannten in die
Der einsame Reiter mute an die Botschaft Kalathees den-
ken, die er in den Fels geritzt entdeckt hatte. Nach wie
sprte er tiefe Besorgnis. Er
konnte nicht glauben, da das
Mdchen sich so abrupt einem anderen Mann zugewandt hat-
Mythor wute es nicht. In der Hoffnung, die Verfolgten ein-
holen zu knnen, war er die halbe Nacht hindurch geritten,
dann aber doch vor Mdigkeit
und erst von den Strahlen der frhen Morgensonne wieder
Es war klirrend kalt. Unter Pandors Hufen knirschte der
Am wolkenlosen Himmel zog der Schneefalke seine Kreise.
Und irgendwo streifte Hark,
der Bitterwolf, umher. Nur hin
und wieder lie er sein langgezogenes Heulen ertnen, wie
um Mythor zu zeigen, da er noch in der Nhe war.
das Gest und rissen eine verzaubert wirkende Schneeland-
schaft aus dem trben Dmmer de
r frhen Stunde. Wie magi-
sche Kristalle gleiten Eiszapfen,
die sich vereinzelt an dicken
Verheiung, ein Hinweis darauf, da er sich auf dem rechten
Weg befand, auch wenn der Helm der Gerechten noch immer
Der heisere Schrei des Schneef
alken lie ihn aufsehen. Horus
Ein zweiter Schrei folgte, drngender, wie Mythor zu erken-
217
nen glaubte. Zwar waren die Tiere erst seit kurzer Zeit bei
Doch auch so streifte ihn die
Baum steckenblieb.
Mythor lie sich seitlich von Pandor hinuntergleiten. Ein
Gestrpp verbarg die Angreife
Das Einhorn war noch ein Stc
aber nun um und scharrte ungeduldig mit dem rechten Vor-
derhuf. Den Kopf mit dem mchtigen Horn hielt es gesenkt.
Weie Fahnen quollen aus sein
Irgendwo raschelte es, knackten ste.
Mythor wirbelte herum, das Glserne Schwert Alton zum
Schlag hochreiend. Weich und
warm schmiegte sich der Griff
in seine Hand.
terte auf ihn herab. Er parierte den wuchtig gefhrten Hieb.
Holz splitterte, und eine unverstndliche Stimme schrie ent-
Gestalten, die aus dem Unterholz hervorsprangen. Sie trugen
dicke Pelze, die nur ihre Augen
unbedeckt lieen. Ihre Fe
steckten in weit ber die Knie
hinaufreichenden Stiefeln. Mehr
konnte er in der Krze des
Augenblicks nicht erkennen.
auf ihn ein, mit Waffen, die
Er schwang sein Schwert Alton, das sein seltsames Wehkla-
gen von sich gab und einen um
vieles helleren Schein verbrei-
218
durchschnitt eine zweite Lanz
e unmittelbar unterhalb der mit
hart war der Schlag gefhrt, da
es dem Angreifer die Waffe
die Vermummten auf Mythor
ein. Noch vermochte dieser sich ihrer zu erwehren, aber er
stand frei und ungeschtzt. Deshalb wich er langsam zurck,
bis er im Rcken die kalte Rinde eines Baumes sprte. Ein ge-
zielter Hieb durchschnitt mehrere unter der Last gefrorenen
Schnees herabhngende ste, und vorbergehend ver-
schwanden die Angreifer unter einer aufstiebenden Wolke.
Danach aber schien sich ihre Wut verdoppelt zu haben.
Wild und ungestm drangen sie auf ihn ein. Noch konzent-
rierte er sich nur darauf, sie abzuwehren, aber allmhlich beg-
riff er, da sie mehr wollten als nur seine Habe. Es ging um
ber zh und verbissen. Mythor wagte einen Ausfall, lie Alton
einen halbkreisfrmigen Bogen
beschreiben und benutzte das
Einer der Vermummten schrie gellend auf, als die nadel-
scharfe Spitze ihr Ziel fand. Gurgelnd brach der Schrei dann
Zwei Mann versuchten nun, Mythor von hinten anzugehen,
der ihre Absicht aber durchsch
aute und sie mit wohlgezielten
Streichen in die Enge trieb. Er machte beide kampfunfhig.
Wolfsgeheul ertnte in unmittelbarer Nhe. Ein groer grau-
er Schemen scho zwischen den Bumen hervor. Hark ri ei-
nen der noch handlungsfhigen Angreifer zu Boden. Seine
Zhne schlugen sich in den Waffenarm des Mannes, der un-
Der andere schien die Aussichtslosigkeit seiner Lage zu er-
219
kennen und verschwand im Unterholz. Mythor lie ihn laufen.
Reglos stand Hark ber seinem Opfer. Drohend zog er die
Lefzen hoch, und sein mchti
ges Gebi schwebte nur wenige
ringsten Bewegung zuzubeien.
Mythor ri ihm die Kapuze aus dem Gesicht. Er blickte auf
einen kahlen Schdel, in dem die bse funkelnden Augen be-
herrschend waren. Ha starrte ihm entgegen und eine nur
schwer verhaltene Gier.
ges ging von ihm aus. Hark lie ein drohendes Knurren hren.
Rede! forderte Mythor. Oder du wirst mit meinem
Schwert Bekanntschaft schlieen.
Der Mann stie ein heiseres Krchz
en aus. Er versuchte, sich
Der Wolf reagierte nicht darauf. Er ri eine tiefe, blutende
Was immer in das Tier gefahren war, es lie erst los, als My-
schob Alton in den Grtel zurck und wandte sich ab. Ein lei-
ses Schnalzen mit der Zunge, und schon kam Pandor ange-
Verschwinde! rief er dann dem Mann zu, den der Bitter-
wolf noch immer aufmerksam b
ewachte. Aber lat euch nicht
Einen Herzschlag spter war er wieder mit seinen Tieren al-
lein. Irgendwo ber ihm zog Horus noch immer seine Kreise.
220
Lanze, die noch immer in dem Baum steckte. Wenn er gehofft
hatte, aus der Waffe Rckschlsse ziehen zu knnen, so wurde
er enttuscht. Sie hatte einen glatten Schaft ohne jegliche Ver-
Ein weier Schatten huschte heran und lie sich auf seiner
Schulter nieder. Selbst durch den dicken Pelz hindurch sprte
Danke, Horus, murmelte er. Es sieht so aus, als knnten
wir uns schnell aneinander gewhnen.
Unwillkrlich mute Mythor sich fragen, wie lange die Tiere
wohl in den Kokons zugebracht hatten. Sicher kannten sie die
Aber was war Besonderes an ihnen, da sie zu ihm gehrten
Irgendwann wrde er es wohl
erfahren. Wenn bis dahin die
Welt nicht von Finsternis berzogen war, die sich unaufhalt-
sam auszubreiten schien.
Ein gellender Schrei zerri die Stille des Waldes und schreck-
te Mythor aus seinen Gedanken auf. Krchzend schwang Ho-
rus sich in die Luft, wo er mi
t sanftem Flgelschlag hinter den
Wipfeln der Bume verschwand. Hark lie ein bses Knurren
hren. Der Bitterwolf wandte den Kopf und blickte Mythor
Nur jemand, der sich in hchster Lebensgefahr befand,
schrie so. Mythor zgerte nicht einen Augenblick. Es mochte
sein, da ein anderer ahnungsloser Wanderer den
ten in die Hnde gefallen war un
221
Ohne auf dornige ste zu achten, drang der Krieger in das
Unterholz ein. Irgendwo vor ih
m huschte der Bitterwolf durch
das Dickicht. Er verlor ihn schnell aus den Augen.
Nach einer Weile kam Mythor leichter vorwrts. Er folgte
den Spuren, die Hark hinterlassen hatte, wohl wissend, da
Der Geruch nach Rauch lag in
der Luft. Tatschlich brannte
auf einer kleinen Lichtung mitten im Wald ein sprliches Feu-
er. Nur der Wind schien die Glut immer wieder von neuem
das darauf schlieen lie, da an
diesem Ort nicht nur gele-
gentlich Menschen lagerten, lag ein dunkles Bndel im Schnee.
Hark stand witternd davor und wandte den Kopf, als Mythor
auf die Lichtung hinaustrat.
Das Bndel erwies sich als ein Haufen bereinandergewor-
scheinlich lauerten die Wegelagerer irgendwo in der Nhe.
Aber Hark war wachsam, er wrde Angreifer rechtzeitig wit-
Mythor zog eines der Felle beiseite und schauderte. Blicklose
Ein zum Schrei weit aufgerissener Mund offenbarte noch
immer die Qualen, die dieser Mann vor seinem Tod empfun-
Mythor kannte ihn. Es war de
rselbe, den Hark berwltigt
Er war erdolcht worden. Nicht hinterrcks, sondern von
dann htte die Stichwunde ganz
Neben ihm lagen zwei weitere leblose Krper, die auf die-
selbe Art zu Tode gekommen w
aren. Sie wiesen zahlreiche
Wunden auf, die nicht von den Reizhnen des Wolfes
222
stammten, dafr aber eindeutig von einer scharfen, doppel-
schneidigen Klinge.
Von Alton, stellte Mythor schnell
fest. Er selbst hatte die bei-
Mythor zog auch die anderen Felle zur Seite. Dabei fiel sein
schon halb verweht waren. Er hob einige davon auf.
Zunchst wute er nicht recht,
was er damit anfangen sollte,
doch dann durchfuhr ihn die
Erkenntnis mit eisiger Hand:
Mythor sprte, wie die Erregung ihn in ihren Bann zu schla-
Nein! sthnte der Krieger, und zum erstenmal seit langem
versprte er wieder jenes geheimnisvolle Flstern, das von
dem Helm der Gerechten ausging. Aber diesmal wollte es ihn
nicht in eine bestimmte Richtu
ng lenken; es war vllig ohne
erkennbaren Sinn, fast lstig und unangenehm.
Wieviel schlimmer als Tiere mute
n Menschen sein, die ihre
Bei Erain, sagte Mythor zu sich selbst. Sie hatten mir die-
ses Schicksal zugedacht. Und er wute gleichzeitig, da die
Hark lie ein leises Winseln vernehmen. Er schien unruhig
und drehte sich im Kreis. Dann stie er jenes Heulen aus, das
Fast gleichzeitig vernahm M
ythor Gerusche ber sich.
Schnee rieselte von oben herab. Mit bsartigem Fauchen
schnitt ein Schwert durch die Luft und bohrte sich in den Bo-
den, wo eben noch der Bitterw
olf gewesen war. Hark jaulte
auf, als die Schneide seinen rechten Hinterlauf berhrte. Blut
223
Mythor blieb keine Zeit, darber nachzudenken, weshalb
ihnen ein Zauber an, oder sie standen mit Dmonen im Bunde.
Er sprang zur Seite. Hart un
d erbarmungslos prallten sie
dann aufeinander. Die Angreifer lieen auch Hark nicht einen
Augenblick lang aus den Augen.
Der Bitterwolf zog seinen
knne er Mythors Worte verstehe
n, der ihm zurief, fernzublei-
Immer lauter wurde das Wehklagen, das Alton von sich gab.
Mythor schenkte sich nichts. Es
waren Bestien in Menschenge-
Sie drngten ihn zurck, hinaus auf die Lichtung, wo sie ihn
einkreisen konnten. Trotz allem mute er die Geschicklichkeit
und die Kraft bewundern, mit der sie Alton immer wieder
Wie eine Statue stand der Bitterwolf zwischen den Bumen
sich auf die vermummten Gestalten zu strzen und ihnen die
Mythors Fu verfing sich in einem der herumliegenden Fel-
le. Er taumelte, versuchte mhs
am, das Gleichgewicht zu hal-
ten, und strzte. Im Fallen noch trat er nach den Beinen eines
seiner Gegner und brachte ihn ebenfalls zu Fall. Der Mann
Nicht einen Herzschlag zu frh
rollte Mythor sich zur Seite.
Dort, wo er eben noch gele
den. Zweifellos htten sie ihm
Nur mit Mhe gelang es dem jungen Abenteurer, seine Waf-
Ein Fu stampfte neben seiner
Rechten auf den Boden. Mythor lie die andere Hand vor-
schnellen. Seine Finger krallten
sich in den ledernen Stiefel,
224
dann folgte die Klinge des Glsernen Schwertes.
das fast erloschene Lagerfeuer.
Funken stoben auf, und pltz-
n Furcht zeigte. Von oben
durch abermaliges Abrollen zur
Seite entgehen konnte. Dabei
kam er selbst dem Feuer zu nahe. Der pltzliche Schmerz lie
ihn zusammenzucken, aber seine Linke umklammerte das
glimmende Holzscheit, das er
zwischen den Fingern fhlte,
Flammen zngelten auf, als Mythor nach dem Gesicht des
verga dabei jedoch vorbergehend seine Deckung und be-
kam Alton zu spren. Aber noch konnte er kmpfen. Ha
flammte in seinen Augen auf,
seinem Mund. Das war kein Mensch mehr, sondern eine Krea-
Abermals schnitt Alton durch die Luft.
Dann trat Stille ein, nur unterb
rochen vom Knistern des hell
Mythor stie das Glserne Schwert in die Flammen und zer-
streute die Asche. Er trat auch
sich schlielich ab. Hark folgte ihm humpelnd.
Fleischwunde. Aber einen Finger
Sehnen wren durchtrennt worden, und Hark htte seinen
Indem er verschiedene Kruter auflegte, brachte Mythor die
225
Blutung rasch zum Stehen.
Hark schien jede seiner Beweg
ungen aufmerksam zu verfol-
So, sagte Mythor endlich. In sptestens zwei Sonnenun-
Prfend sah er zum Firmament hinauf. Die Sonne stand fast
ber ihm, aber ihre Strahlen waren schwcher geworden. Ir-
gendwie bedrckend war ihr Schein, beinahe gespenstisch die
Schatten, die sie zauberte. Un
d auch der Himmel vernderte
sich. Sein strahlendes Blau wich einem eigentmlichen
schmutzigen Grau, das sich a
llmhlich mit dsteren Wolken-
Dandamar war kaum besiedelt. Eine de Wildnis, in der es
Wir haben genug Zeit verloren, sagte Mythor zu sich
selbst. Wenn wir noch lnger warten, holen wir den Vor-
sprung der Entfhrer kaum noch auf. Er wandte sich zu Hark
Aber der Bitterwolf lie sich nicht stren. Als Mythor dann
allerdings in die Mhne des Einhorns griff und sich auf dessen
Rcken schwang, stand Hark sofort auf den Beinen. Pandor
Sie kamen schnell vorwrts, denn der Wald wich einem wei-
ten, hgeligen Gelnde. Der Schnee war hart gefroren, und
nur an manchen Stellen, die auf der windabgewandten Seite
grerer Hgel lagen, brach das Einhorn bis zu den Fesseln
Der Horizont war nicht zu er
kennen. Sogar der Wald, den
sie erst vor kurzem verlassen
hatten, wurde zum dsteren
226
Schatten inmitten der schier unbersehbaren weien Flche.
Ein schneidender Wind kam auf. Er peitschte Eiskristalle vor
sich her, die wie winzige Messer in die Haut schnitten.
Mythor zog sich den Fellumhan
g weit ins Gesicht. Hark lief
Pandor, weil er dort dem heftiger werdenden Sturm am we-
Es wurde rasch klter. Drohen
d ballten sich schwarze Wol-
kenwnde zusammen, und Dunkelheit brach ber das Land
Das Einhorn schnaubte unruhig, als spre es eine nahende
Gefahr. Sein glnzendes Fell berzog sich mit einer dicken
Schicht aus Schwei und Schnee,
die schnell zu Eis gefror. My-
thors Hnde, die sich in di
e Mhne klammerten, wurden
schnell steif. Trotz wrmender Kleidung machte auch ihm die
Aber er mute weiter! Seine Ge
danken drehten sich nur um
seine Gefhrten, deren Spuren der Schneesturm wohl verwi-
Donnergrollen schreckte Mythor auf. Er sah, da Hark die
Der Sturm wurde heftiger, wirbelte den frisch gefallenen
Schnee auf und ri ihn mit sich fort. Schlagartig verringerte
Lang anhaltender Donner rollte
gendwo voraus flammte es auf. Greller Feuerschein ri fr
Mythor konnte sich kaum noch auf dem Rcken des Ein-
horns halten. Es war Wahnsinn,
reiten. Aber es sah auch nicht so aus, als wrde der
Erneut zuckte ein Blitz auf. Im flackernden Widerschein
227
Mit einem Schenkeldruck lenkte Mythor das Einhorn in die
neue Richtung, und tatschlich erreichten sie gleich darauf ein
Im nchsten Moment fuhren erneut Flammen auf die Erde
herab. Ein berstendes Krachen er
tnte. Mit unwiderstehlicher
Gewalt wurde der Krieger von seinem Reittier herabgezerrt.
Eine unheimliche Macht schien ih
m in die Glieder zu fahren.
In seinem Schdel drhnte und hmmerte es; feurige Ringe
tanzten vor seinen Augen, und er hrte wie
Wiehern des Einhorns und das
Arme und Beine waren taub und brannten gleichzeitig in
hllischem Feuer. Ein unsagbarer Schmerz raste durch seinen
Krper ein Dmon, der von ihm Besitz ergreifen wollte?
Mythor schrie auf. Und sein Schr
ei mischte sich in das lauter
werdende Prasseln, das ringsum war und ihn in die Wirklich-
Flackernder Feuerschein lag b
er dem Schnee. Der Geruch
Mhsam stemmte Mythor sich hoch. Er war benommen und
fhlte sich schwach, und er zitterte. Aber als er die brennen-
den Bume sah, von denen die Flammen in den Himmel stie-
gen, wute er, da die Gtter ihm gndig gewesen waren.
nen herbeigerufen wurde, ihn zu
vernichten? Mythor wute es
nicht. Immerhin war er dem B
litzschlag nur um Haaresbreite
entgangen. Und seither blieb es still, kein Donner rollte mehr
ber das Land, keine glhenden Finger leckten gierig vom
Firmament. Der Sturm zerstreute die schwarzen Wolken.
228
Mythor versuchte einige unbeholfene Schritte. Er war von
einer inneren Unruhe erfllt, die ihn aus der Nhe der lodern-
den Flammen wegfhrte. Er sah noch Pandor auf sich zu-
r Augen. Da er strzte,
nahm er schon gar nicht mehr wahr.
Es hielt den Heroen Maynos nicht lange
Leben war der Kampf, und er zog wieder aus, um sich zu bewhren. Viel-
leicht trieben ihn die Mchte der Schattenzone vorwrts, vielleicht auch
nur sein Weib Arza, das schon bald,
nachdem die Kunde vom Tod des Dra-
chen in aller Munde war, in Ugalos erschien.
Dieses Weib war schlimmer noch als ein Drache mit zwei Kpfen. Sie
hate Maynos ob seiner unzhligen Liebschaften und scheute nicht davor
zurck, einer seiner Mtressen die Augen auszukratzen.
Eines Tages aber fhrte die Lorana blutrotes Wasser
Maynos war beim Baden in einem Seitenarm des Flusses hinterrcks ge-
spter an dieser Stelle auch Hand an sich selbst legte, von dunklen Mch-
Beides geschah eine halbe Tagesreise von Ugalos entfernt fluaufwrts.
Der Heroe lebte noch lange genug, um diesen Ort verfluchen zu knnen.
Ob es das Blut des Drachen war, das de
von Dmonen, wagte niemand zu sagen.
Erst nach vielen Sonnenwenden versiegte der Blutstrom. Von da an
wurde die Lorana von der Blutquelle mit klarem, reinem Wasser gespeist,
dem man gar oft wohltuende Wirkung zuschrieb. Es hie, da es Krankhei-
ten heile und Gebrechen bis ins hohe Alter hinein lindere.
Ugalos blieb die Stadt auf den sieben
Inseln, und viele ihrer Bewohner,
die aus Furcht vor Siechtum und Besessenheit geflohen waren, kehrten
wieder zurck. Seither ist das Stadtw
appen der sechsbeinige, kriechende
Drache mit hochgestelltem Schweif, d
er gelbes Feuer in die Hhe speit. Als
Erinnerung an die Gesnge des Bard
229
e ist das Tier schwarz und blutrot
gefrbt der Hintergrund. ber dem D
rachen kreuzen sich Breitschwert
der feuerspeiende Drache.
Noch heute heit es, da groes Un
heil der Stadt Ugalos drohe, wenn
sich eines Tages das Wasser
der Blutquelle wieder trbt
Leise, schlurfende Schritte hu
schten ber den Boden aus wei-
em Marmor. Kein Laut drang von den oberirdischen Gem-
chern des Sonnenpalastes bis hierher.
Die Gestalt im schwarzen Umhang verhielt, schien kurz zu
lauschen und eilte dann weiter. Im Schein ruender Fackeln
flammten in die Kleidung ei
ngewebte magische Symbole auf.
Sie vermochten Einblick in das Leben und Wirken ihres Tr-
lchter aus rauhen Mnnerkehlen hallte durch die Gnge, da-
zwischen die schrille Stimme einer Frau. Ein lauter Knall, der
in vielfachem Echo verhallte, dann war Stille.
Aber jemand kam.
Eng drckte sich Vassander in
eine seitliche Nische. Er ver-
schmolz fast mit den langen, flackernden Schatten.
Eine junge Frau nherte sich
den Magier zu bemerken. Er kannte sie flchtig. Sie zhlte
kaum siebzehn Lenze und war schon erfahrener als manche
nkel zu einem spttischen
Grinsen. Diese Art von Vergngen wrde nicht mehr lange
whren. Bald galt es zu kmpfen. Gegen die anrckenden
Vassander lief weiter, auf seine Art, die auf Auenstehende
230
beschlagene Tren zweigten seit
lich ab. Sie fhrten zu den
Waffenkammern, zu Vorratskammern und den Verliesen.
Die Pforte am Ende des Ganges mute es sein. Vassander
Vorsichtig drckte er die Tr au
was gesprochen wurde. Es waren belanglose Dinge. Der Ma-
gier zhlte drei Mnner, die um einen Tisch herumsaen und
sich zutranken. Im Hintergrund des Raumes bemerkte er eine
seinen Becher fallen, und goldgelbe Flssigkeit ergo sich ber
an. Der Erzmagier stand in der offenen Pforte und wirkte wie
Ich sehe, sagte er, da ic
h willkommen bin. In seiner
Stimme drckten sich Verachtung und Unmut aus, aber nie-
Sicher, Vassander, erwiderte der mittlere der drei und er-
hob sich. Wir freuen uns ber
deinen Besuch, wenngleich wir
nicht wissen, was dich zu uns fhrt.
sein. Er war unverkennbar adeligen Geblts, worauf allein
schon sein blasiertes Aussehen
schlieen lie. Im brigen zeig-
te er trotz seiner stattlichen Gre von beinahe sechs Fu deut-
Es geschehen Dinge, Graf Laff
eur de Arrival Visond, sagte
Vassander leise, die dir nicht gefallen werden, wenn du sie
Der Mann war der jngere Bruder des Lumeyn Mormand,
schnell mit der Zunge und noch schneller mit der Waffe, wenn
231
Erzmagier seinen Stuhl an, was
dieser aber mit einer schroffen
Handbewegung ablehnte. Er schlo die Tr hinter sich und
schwebte nher. Sein Gesicht blieb dabei im Schatten des flie-
derfarbenen Magierhuts, nur seine Augen versprhten ein
Du weit, da ich dich schtze, Graf Laffeur, sagte Vas-
sander nach einem raschen Seiten
blick auf die beiden anderen,
die bereits wieder dem Wein zusprachen. Fr mich bist du
der Nachfolger des Lumeyn.
Nur du hast den Mut und die
Kraft, ein Reich wie Ugalien vor dem Zerfall zu bewahren.
Du sprichst wahr, Erzmagier. Ab
er du bist sicher nicht ge-
Deine Klugheit ist bewundernswert. Vassander nickte. Es
geschehen frwahr Dinge zwischen Himmel und Erde, auf die
ich keinen Einflu habe. Die
Caer steht bevor, und nicht nu
r das ugalische Heer braucht
einen starken Arm, der es zum Si
eg fhrt. Allein unsere Graf-
schaften knnen hundert Hundertschaften in den Kampf wer-
Graf Laffeur de Arrival Visond
legte die Stirn in Falten. Es
hinzu: Ich nehme doch an, da mein Bruder wei, wer der
fhigste Mann ist, das Heer zu leiten.
Er glaubt es zu wissen, sagte der Erzmagier. Leider
war
es mir nicht mglich, ihn von dieser Meinung abzubringen.
Wer? stie Laffeur hastig hervor. Wer ist es? Seine Au-
gen, blutunterlaufen und von schwarzen Ringen umgeben,
schienen ins Leere zu stieren, whrend er nach einem Becher
Graf Corian!
Bedrcktes Schweigen folgte den Worten Vassanders. Der
Magier hatte gewut, welche Wirkung allein die Nennung
232
dieses Namens haben wrde. Immerhin war bekannt, da Co-
rian und Laffeur von Jugend an
die rgsten Widersacher ge-
wesen waren.
Dieser dieser Bastard, zischte der Bruder des Knigs
Vassander machte eine umfassende Handbewegung. Die
magischen Symbole auf seinem
Umhang schienen dabei noch
intensiver aufzuleuchten.
Du weit es, Graf, sagte er be
tont langsam, deine Freun-
de wissen es, und auch mir ist di
es bewut. Aber der Wille des
Laffeur sah ihn fragend an. Du kannst Corian mit jeder
Waffe schlagen.
Hm, machte der Graf. Ich m
den Feldzug auf einer Bahre verbringt. Denn weshalb sollte
ich ihn tten? Es wird ihn viel mehr qulen, wenn er wei, da
unser Heer zum Sieg fhre.
Ich sehe, du bist es wert, Li
chtknig zu werden. Das Orakel
wird deine Wahl sicher besttigen.
Laffeurs Gesicht zeigte eine unverhohlene Gier. Wann?
sind dir wohlgesinnt. Mit diesen
Worten wandte er sich um
In einem Park hatte Frerick
die Ruhe gefunden, die er sich
wnschte. Tief sog er die wr-
zige Luft ein, die den Duft vieler edler Hlzer in sich barg. A-
233
ber auch hier machte sich bereits der Gestank bemerkbar, der
Der Schmied begann zu ahnen,
da es nicht mehr lange dau-
ern wrde, bis ganz Ugalos unter der schwefligen Brhe er-
stickte. Schon verbarg sich die Sonne hinter trge dahintrei-
Armos wurde von einem qulenden Hustenreiz geschttelt.
Hllische Schmerzen tobten in seiner Brust, die ihm die Sinne
verwirrten. Um ihn herum drehte
sich alles in einem rasenden
Wirbel. Er glaubte Stimmen zu
hren, unglaublich fremd, be-
drohlich. Sie lachten ber ihn,
Armos strzte, whrend Dmonen die Wipfel der Bume zu
ihm herabbogen. Im Rauschen der Bltter, das wie ein Sturm
Und allmhlich erkannte er, da
es seine eigene Stimme war,
die er hrte. Niemand befand sich in seiner Nhe.
Er lag auf dem Rcken und starrte in den verschleierten
Himmel hinauf. Und noch immer glaubte er zu fallen in ei-
nem Sturz, der nicht enden wollte.
Taumelnd kam er auf die Bein
e und mute um einen siche-
ren Stand kmpfen. Selbst nach
ten hatte er niemals ein solches Gefhl gehabt
abscheulicher Juckreiz berzog seinen ganzen Krper.
er seine Hnde sah. Sie waren
angeschwollen. Die Haut schlte sich ab, als er mit den Fin-
frbtes Fleisch kam darunter zum Vorschein.
Armos glaubte pltzlich, kein
e Luft mehr zu bekommen;
. Kurz und hastig ging sein
Atem, in den Schlfen pochte das Blut. Er wrgte. Zu allem
berflu machte sich auch se
ine Wunde am Oberarm wieder
234
schmerzhaft bemerkbar.
Er erinnerte sich an die gelbe Brhe, die ber seine Hnde
mute dorthin, wo Leute waren, mute sehen, da das Leben
Armos stolperte ber holpriges Pflaster. Die Angst trieb ihn
Von irgendwoher kamen aufgeregte Stimmen. Er folgte ih-
rem lauter werdenden Klang und
gelangte auf einen greren
Platz, auf dem sich Brger aller Schichten versammelt hatten.
Wieder begann sich alles vor ihm zu drehen, aber Armos
kmpfte mit aller Macht dagegen an und schaffte es, auf den
Er torkelte zwischen die Leute,
stie sie mit den Ellbogen zur
Seite, wenn sie ihm im Weg stan
den. Sie wehrten sich nicht,
wichen sogar vor ihm zurck. Viel gemeines Volk war da, in
in ihren farbenfrohen, glitzern
den Kleidern wie Pfauen wirk-
Wie durch einen dichten Schleier sah Armos eine Frau am
Brunnen stehen. Sie war jung un
d schn, aber sie beugte sich
Armos kam nher. Er stie mit dem Fu gegen einen hlzer-
nen Eimer, der ber blutiges Pflaster rollte. Dann erst konnte
er erkennen, da das Kind tot
war, allem Anschein nach unter
groen Schmerzen gestorben. Sein kleines Gesicht wirkte ver-
zerrt und war von Geschwren berst. Sanft berhrte die
Armos sprang vor, kam jedoch zu spt. Der Leichnam des
235
Suglings verschwand im dunklen Brunnenschacht. Gleich
darauf ertnte von unten ein leises Klatschen, dem ein dump-
Der Schmied wute nicht zu sage
n, was ihn dazu trieb, da
er sich trotz seiner Schwche nach dem Eimer bckte, ihn an
die Tiefe lie. Als er sprte, da die Last schwerer wurde,
drehte er die Winde zurck. Niemand half ihm, den Eimer
ber den Mauerrand zu ziehen. Er bemerkte nicht das dr-
Blut schwappte ber seine Fe und frbte das Pflaster rot,
Dmonenblut! schrie jemand
auf. Armos mute an sich
Der Lumeyn winkte kurz mit zwei Fingern der rechten
Hand und lie sich ansonsten nicht in seinem Mahl stren, das
mit kstlichen Soen angemacht waren, abzuwenden.
Noch weit mehr als den Frauen
war er der Weien Magie
Leibkchen die Zusammenstellung
seiner Mens oblag, son-
dern da dafr ausschlielich die am Hof weilenden Astrolo-
gen verantwortlich waren. Zu besonderen Anlssen wurden
die Mahlzeiten in magischen Ri
Geister vertreiben und die Gesundheit erhalten sollte. Tatsch-
236
lich hatte der Lumeyn whrend
der langen Zeit seiner Herr-
schaft noch keine Erkrankung du
rchstehen mssen. Auch sein
magischer Schmuck mochte daran Anteil haben, wie er sich
andererseits jeden Schritt, den er
tat, von der altberlieferten
Mormand knabberte soeben am
Schenkel einer knusprig ge-
bratenen Wildtaube und leckte
saal aufgestoen wurde und
Verbeugung an. Du hast mich rufen lassen, Lumeyn.
ne Schssel voll wohlschmeckender Flumuscheln zu. Bedie-
Fragend zog Corian die Augenbrauen in die Hhe, schwieg
jedoch. Er brach eine der Muscheln auf und musterte sie von
Was ist? fragte der Lumeyn
schmatzend. Sind sie nicht
Graf Corian schttelte den Kopf
. Ich frage mich nur, ob der
Ach so. Mormand machte ei
n verblfftes Gesicht. Du
kannst beruhigt sein. Meine Astrologen wrden es nicht zulas-
sen, da Verdorbenes auf den Tisch kommt.
Was ist berhaupt geschehen? Schon von weitem sieht man
Dieser Gestank und der schwef
Ich habe bisher nur mit Va
ssander gesprochen. Du weit,
Der Lumeyn griff nach einem zweiten Humpen Bier und
rlpste. Der Erzmagier meint, da die Magie der Caer nach
237
Ugalos greift. Sie schicken sich an, auch unser Land mit Fins-
die Vlker des Nordens gegen sie in den Kampf fhren.
Eine wahrhaft ehrenvolle Aufgabe, nickte Corian.
Lumeyn. Ich habe dich komme
n lassen, um dir den Oberbe-
fehl ber das ugalische Heer zu
bergeben. Es zhlt bereits
Corian sprang so hastig auf, da
sein Stuhl polternd umfiel.
Aber er empfand keineswegs die berschwengliche Begeiste-
O nein! wehrte der Lichtkni
g ab. Ich bin kein Feldherr.
Der Erzmagier wei, da ich
dir den Oberbefehl bergebe,
Es war fr den Grafen nicht
schwer festzustellen, da Mor-
mand de Arrival Visond nichts anderes wollte, als die Last der
Verantwortung, die auf seinen Schultern ruhte, auf andere ab-
e Caer anfhren zu drfen
Nun, es mangelt noch an de
n ntigen Mitteln. Die Ertrge
unserer Silberminen im Sden
wurden zwar gesteigert, doch
nicht in dem Umfang, der erforderlich wre, um
Ich wei߫, grinste Corian zyni
sch, um auf die Goldzwicker
verzichten zu knnen, die harmlose Reisende berfallen und
um ein Viertel ihrer Habe erleichtern. Welch groe Lcher
mu doch die Kriegskasse aufweisen.
Sogar ich wurde an der Grenze
zur Grafschaft Resond ber-
238
fallen. Auf dein Gehei hin wollte man mir ein Viertel von
meinen Gold- und Silbermnzen abzwicken.
Der Lichtknig wurde merklich
bla. Wenn er allein daran
dachte, da die Eintreiber berechtigt waren, die
berfallenen,
de Veloy Anbur-Messarond wrd
e tatenlos zusehen, wie an-
Ein Versehen, murmelte er. I
ch kann es mir nicht anders
Sicher, knurrte Corian. Das haben auch die Goldzwicker
schnell erkannt. Zwei von ihnen werden niemanden mehr -
berfallen. Mit der Faust schlug er gegen den Knauf seines
Grafen eine weitere Schssel ber den Tisch zu, doch lehnte
Verzeih, Lumeyn, wenn ich ab
lehne. Aber ich habe einen
anstrengenden Ritt hinter mir und mchte mich in meine Ge-
Ich kenne ihn.
Corian verbeugte sich knapp und wandte sich dann ab, wh-
rend der Lichtknig ihm sinnend nachblickte. Seine Schritte
hallten durch den langgestreckte
n Saal mit den vielen Sulen
und Nebenrumen. Vor der Tr blieb er noch einmal stehen,
der eben hereinstrmte. Laut klirrend ging dabei eine Karaffe
sich hatte. Er htte den Mann ni
cht mehr erkannt. Zuviel Pu-
der verdeckte die tiefen Falten
unter seinen Augen und lie
239
die ohnehin kantige Nase noch kl
obiger erscheinen. Bis tief in
die Stirn zogen sich die gelockten
blonden Haare einer Per-
cke. Nur die grauen Augen blickten kalt und angriffslstern
Sieh da, Graf Laffeur de Arrival Visond, sagte Corian.
Corian! zischte der andere,
und es klang wie ein Fluch.
Du solltest dich vorsehen.
Nicht, bevor du dich wie ein Ehrenmann bei mir entschul-
digt hast. Aber ich wute es sc
hon immer: Du bist und bleibst
ein ungehobelter Klotz.
Mit einer unwilligen Bewegung
schttelte Laffeur den Kopf.
Er stand unmittelbar unter der
Tr und funkelte sein Gegen-
ber wtend an. Nicht, bevor
du mir diesen Wein und das
Mich geht das nichts an, du h
ttest eben vorsichtiger sein
Laffeur schnippte mit den Fingern. Hinter ihm tauchten zwei
junge Burschen aus dem Halbdunkel des Ganges auf. Ver-
mond und Brithor knnen bezeugen, da
du mich
umgerannt
Corian begann zu verstehen. So ist das also, sagte er ge-
Absolut nichts. Ich fordere dich nur auf, dich in aller Form
Dafr besteht kein Anla.
Ah, machte Corian. Ich schla
ge mich aber nicht mit Trun-
kenbolden und nichtsnutzigen Gnstlingen. Geh mir endlich
240
Art, die Laffeur an sich hatte,
brachte ihn zur Weiglut. Auch
wenn dieser der Bruder des Knigs war, durfte
er sich nicht
einbilden, da jeder nur nach seiner Pfeife tanzte.
Ich bestehe auf meinem Recht! sagte Laffeur.
Wenn meine Klinge nur halb so
scharf ist wie dein Maul,
Inzwischen war der Lumeyn herangekommen. Seine ganze
Du wirst dich der berechtigten Forderung meines Bruders
nicht entziehen knnen, Graf Corian, meinte er leichthin. O-
der hltst du nichts mehr vo
Corian blickte von einem zum anderen und mute feststel-
len, da selbst Mormand eine
m Zweikampf entgegenzufiebern
Ihr sollt euer Schauspiel haben.
Aber Laffeur wird sich noch
wnschen, er wre mir aus dem Weg gegangen. Wann?
Sofort, du Gromaul! Der Bruder des Knigs machte An-
stalten, sich auf Corian zu str
zen, berlegte es sich dann aber
doch anders. Wir treffen uns auf dem Turnierplatz.
Erstaunlich viele Zuschauer hatten sich eingefunden. Der
Platz, von mehrfach mannshohen Mauern eingeschlossen und
inmitten eines ausgedehnten Parks gelegen, war von den
schwefligen Dmpfen der Lorana noch weitgehend verschont
geblieben. Der sandige Boden zeigte die Spuren vieler Kmp-
gung des Knigs und seines
Magische Einflsse hielten Schnee und Eis fern.
Graf Laffeur war mit seinen beiden Kumpanen erschienen,
241
die sein Schwert und den Helm mit dem bunten Federbusch
trugen. Im Gegensatz zu Corian hatte er eine Vollrstung an-
gelegt, die ihn zwar unbeweglicher machte, dafr aber besser
Der Erzmagier wei ber alles Bescheid, was in Ugalos
vorgeht, wies Laffeur ihn zure
cht. Am linken Unterarm trug
er bereits seinen Schild, der mit zwei Lederschlaufen befestigt
tan, trat er in die Schranken, wo Graf Corian ihn schon erwar-
durch die in groer Hhe
dahintreibenden Giftschwaden. Noch machte sich der Gestank
hier, im Mittelpunkt der Insel, kaum bemerkbar. Aber es sah
so aus, als senkten die schwef
ligen Schwaden sich langsam
Hart prallten die beiden Kmp
fer aufeinander. Ihre Schwer-
nur ein Kettenhemd und seinen
Federhelm trug, zog sich mit
wenigen raumgreifenden Schritte
Aufschrei strmte Laffeur hinter
ihm her, rannte aber ins Lee-
Laffeur wirbelte herum. Sein
Gesicht verzerrte sich zur Gri-
masse, als er erneut auf den Gegner eindrang.
Diesmal parierte Corian den Schlag mit seinem Schwert
242
Laffeur mute ihm weichen. Obwohl er sich verbissen zur
zurckgedrngt. Als er die Stange im Rcken sprte, lie er
Whrend Laffeur das Schwert hochri und damit einen Hieb
en Sand und schleuderte ihn
Das Ganze kam so berraschend,
zielter Tritt brachte ihn zu Fall, und schon stand der Bruder
des Knigs ber ihm und lie sein Schwert auf ihn niedersau-
Einige Zuschauer schrien auf.
Doch mute Corian den Schlag geahnt haben, denn blitz-
schnell rollte er sich zur Seit
e. Der Hieb, der ihm sonst den
Schdel gespalten htte, trennt
e nur den Federbusch von sei-
Aber schon ri Laffeur das Schwert wieder hoch. Diesmal
Mythor erwachte davon, da ihm eine kalte, feuchte Schnauze
ber das Gesicht fuhr. Als er die Augen aufschlug, lie der
Bitterwolf ein Winseln ertnen.
Es verging eine Weile, bis er si
ch wieder in der Wirklichkeit
Als er sich umblickte, sah er, da es inzwischen erloschen
war. Nur noch dstere Rauchfahnen stiegen steil in den Him-
mel, wo die Sonne schon weit im Westen stand. Der
Schneesturm hatte sich gelegt, und es war lngst nicht mehr so
243
Nur verkohlte Baumstmpfe, die sich wie Geisterfinger in
die Hhe reckten, zeugten noch von dem Blitzschlag. Pandor
graste in der Nhe des verbrannten Wldchens. Die Hitze hat-
te dort den Schnee geschmolzen und Gras und Moose zum
ig. Den Helm der Gerech-
ten mute er beim Sturz verloren haben. Wahrscheinlich lag er
Fu hoch angehuft hatte. Allein htte Mythor verzweifelt su-
chen mssen, doch die Nase de
s Bitterwolfs erwies sich als
untrglich. Kurze Zeit spter ko
nnte er den Helm wieder auf-
Aber das gewohnte Gefhl, das ihm wiederholt den Weg
Nach einer Weile fhlte er sich dann krftig genug, um wei-
terzureiten. Er rief nach Pandor und schwang sich auf dessen
Rcken. Den Helm befestigte er an seinem Grtel. Hinter ihm
Dennoch war Mythor nicht bereit
aufzugeben. Er ritt weiter
nach Sden, wobei er sich nach
Scheinbar endlos dehnte sich vor ihm die verschneite Ebene.
Er mute die Augen zusammenknei
werden, denn funkelnd brach sich die Sonne in dem makello-
sen Wei. Der Streifen am Horizont schien erneut ein zusam-
Pandor verfiel in einen gleichmigen, schnellen Trab. Das
Hin und wieder lie Horus ei
n schrilles Krchzen verneh-
244
men und schlug mit den Flgeln, behielt seinen Platz auf dem
Rcken des Einhorns aber bei. Hark trottete nebenher. Seine
Ballen schienen den Schnee kaum
zu berhren. Noch zog er
seinen Hinterlauf ein wenig na
ch, doch wurden seine Bewe-
Ein dunkler Strich in der Landschaft weckte Mythors Auf-
merksamkeit. Mit einem leichten Fersendruck lenkte er das
Einhorn in diese Richtung. Pandor reagierte einfhlsamer, als
jedes noch so gut eingerittene
Schneefalke schwang sich auf und drehte nach Westen ab.
Als Mythor dann die Stelle erreichte, ber der Horus laut
Schnee. Verwundert stellte er fe
zurckgeblieben war. Auch Pandor schien pltzlich zu zgern.
Mythor sprang ab. Von unguten
Ahnungen geplagt, zog er
Alton aus dem Grtel. Das Leucht
en des Schwertes wirkte sich
allem Anschein nach beruhi
gend auf seine Tiere aus.
Mehrere Schritt breit, fhrte die Spur schnurgerade durch
den Schnee. Es waren die Abdrcke mchtiger Pranken, die
jeweils eine Mannslnge weit auseinanderlagen. Fingerdicke
Krallen hatten sich tief in den Boden eingegraben und Gras
Schleifspur ab, die ohne weiteres von einem hornbewehrten
Mythor versuchte, sich ein Bild von dem Ungeheuer zu
ma-
chen, das hier gelaufen war. Er vermochte es nicht, hatte auch
nie von einem solchen Tier gehrt, das in den nrdlichen Ln-
dern lebte. Allerdings war es
in den dnn besiedelten Weiten
Dandamars nur zu gut mglich, da niemand je dieses Ge-
schpf zu Gesicht bekommen hatte. Und wenn doch, wrde
derjenige wohl keine Gelegenheit mehr gehabt haben, sein
che Zgern von Einhorn und Bitterwolf verstehen. Wieviel
245
mehr als ein Mensch mochten si
e mit ihren feinen, der Wildnis
angepaten Sinnen erfassen.
Zu Fu folgte er der Spur ein Stck nach Sden, bis sie hinter
tte berraschend scharf nach
Osten hin abbog. Mehrmals stie
le er ihn auf diese Weise zur Umkehr bewegen.
aufblitzen. Er bckte sich danach und hob es auf, whrend der
Was Mythor gefunden hatte, war eine Platte von der doppel-
ten Gre einer Handflche. Unschlssig drehte er sie zwi-
schen seinen Fingern. Sie war glatt und spiegelte und besa
eine merkwrdig gezackte Form. An zwei messerscharfen
fuhr es ihm durch den Sinn. Er hielt nichts anderes in
Hnden als eine Schuppe aus dem Panzerkleid des unbekann-
ten Tieres. Es mochte ein beraus gefhrlicher Gegner sein.
Noch dazu mute er damit rechnen, ihm jederzeit unverhofft
sein Klagen lie Mythor schaudern, als er zuschlug.
Funkensprhend fra sich Altons Schneide in die Hornplat-
te, schnitt sie aber nicht vllig du
rch. Dazu bedurfte es erst
eines zweiten Hiebes. Dann allerdings verblate das starke
Leuchten des Schwertes wieder
und wurde so, wie es seit den
Die Hornschuppe zerbrach in unzhlige winzige Stcke, als
wre sie bis eben noch von magischen Krften zusammen-
gehalten worden. Mythor wollte
sich schon abwenden, als ihn
ein leises Gerusch aufhorchen lie. Er sah sich um.
Die kaum fingergroen Stcke hatten intensiv zu glhen be-
gonnen. Zischend fraen sie sich in den Schnee. Dann, von
einem Augenblick zum anderen, lsten sie sich auf, als habe es
246
sie nie gegeben. Wren nicht die vielen glasig wirkenden L-
cher gewesen, die zurckblieben, Mythor htte glauben ms-
Magie, murmelte er, als er zurckstapfte. Das ist die
Die Begrung durch den Bitterwolf fiel so strmisch aus, als
an ihm hoch, leckte ihm die Hnde und lie ein klgliches
Ist ja schon gut, Grauer, sagte Mythor und kraulte ihm das
Nackenfell. Du httest ruhig mitkommen knnen.
Die Dmmerung war hereingebrochen. Irgendwo zwischen
den ersten funkelnden Sternen
flog Horus im Abendwind.
Pandor schnaubte ungeduldig, und Hark stie Mythor immer
wieder mit der Schnauze an. Es war unverkennbar, da der
Wolf sich freute. Aber nach wi
e vor schreckte er vor der Spur
Hark zeigte die Zhne und packte Mythors Arm. Das Knur-
ren, das er von sich gab, klang
nicht gefhrlich, eher verspielt.
Mythor versuchte, sich zu befreien, aber der Wolf lie nicht
locker und stie ihn mit den Vorderpfoten an.
Ich glaube, du willst mir zeigen, da deine Wunde verheilt
Hark bellte kurz. Er hielt still,
als Mythor die Bltter von sei-
den Halt verlor und in den Schnee fiel.
obwohl seine scharfen Raubtierzhne gefhrlich nahe an My-
247
packen, aber Hark war schneller und schttelte sich. Wieder
sauste er wie ein Schemen heran und ri den Mann um, der
belustigt ber die offensichtliche
Freude des Tieres. Gib Ru-
tatschlich von ihm ab und schau
te ihn schrg an, als knne er
nicht verstehen, weshalb das He
rumbalgen pltzlich zu Ende
Mythor schnalzte zweimal kurz mit der Zunge, woraufhin
Schnee scheute das Einhorn zwar, folgte aber willig einem Fer-
Irgendwann in der ersten Hlfte
der Nacht erreichten sie den
Wald, der whrend des Tages nicht viel mehr als ein dunkler
Streifen am Horizont gewesen
der Mhne brachte Mythor das
Einhorn zum Stehen. Er hatte
Trotzdem rieb er es mit seinem Fellumhang ab.
Horus lie sich neben ihm nieder. Der Schneefalke krpfte
eine Maus, die er gefangen hatte. Der Anblick erinnerte My-
thor an seinen eigenen knurrenden Magen. Da er den ganzen
Tag ber kein jagdbares Wild
zu Gesicht bekommen hatte,
schlielich ein drftiges Lager. Er
Doch Mythor fand nur wenig
Ruhe. Immer wieder schreckte
er hoch, von bsen Trumen geplagt.
Mehrmals sah er sie vor sich, ihren vollippigen Mund, die
dunklen Augen mit den langen Wimpern und das schwarze,
zum Zopf geflochtene Haar. Ihre Leidenschaft war berau-
schend: Nyala von Elvinon. Aber
248
hen wollte, verblate die Schnheit ihres Antlitzes, starrte ihn
aus ihren Augen Drundyrs glser
ne Fratze an. Schaurig klang
den Beinen und kam auf ihn zu. Aber der Krieger schickte ihn
Bildnis der unbekannten Schnen. Es schien frmlich zu leben,
als er sanft mit den Fingern darber hinwegstrich. Die Frau
hatte so viel hnlichkeit mit ihm!
Eine unstillbare Sehnsucht, ein krperliches Verlangen
brannte in Mythor. Er wute, da
er sie in seine Arme schlie-
en wrde, sobald er sie gefunden hatte. Nur sie konnte alle
Strapazen und Gefahren wert sein, keine andere Frau auf die-
Nachdem er das Bild wieder unter seinem Wams verborgen
hatte, schlief er tief und trauml
os. Erst das laute Krchzen des
Schneefalken vermochte ihn zu
wecken. Er erschrak, denn die
Sonne stieg bereits ber den Horizont herauf und tauchte das
Land in den kalten Schein des Morgens.
Horus zerrte ein blutiges Fellbndel hinter sich her. Einen
Hasen, wie Mythor schnell feststellte. Eine ruckartige, krp-
fende Bewegung, dann erhob sich der Schneefalke flgelschla-
gend und lie sich wenige Schrit
te entfernt nieder. Seine wei-
en Augen ruhten unverwandt
auf dem geschlagenen Tier,
aber er machte keinerlei Anstalten, die Beute aufzureien. Fast
Der Krieger bckte sich nach dem Hasen. Als habe er nur
das Gefieder.
Das ist fr mich? fragte Mythor. Du httest ihn selbst
Der Schneefalke sah ihn aufmerksam an und krchzte dazu.
249
Ich habe noch gengend zu essen in meinen Satteltaschen,
sagte Mythor. Vielleicht kommen einmal Zeiten, da ich euch
dankbar bin, wenn ihr fr mich ja
gt. Aber diesmal ist das noch
Mit dem Schwert zerlegte er den Hasen in zwei ungefhr
gleich groe Hlften und warf sie dem Bitterwolf und dem
Schneefalken vor. Whrend Hark sich sofort ber das warme
Fleisch hermachte, verhielt sich
Horus abwartend. Erst als der
Krieger eine seiner Taschen f
Wenig spter brachen sie a
uf. Allerdings mute Mythor
schon bald die bisherige Richtu
ng verlassen und nach Westen
hin abschwenken, denn der Wald erwies sich als zu dicht, um
ein schnelles Vorwrtskommen zu ermglichen. Wahrschein-
lich hatten auch die Verfolgten einen anderen Weg gewhlt,
falls sie berhaupt bis hierher geritten und nicht schon im frei-
en Gelnde abgeschwenkt waren. Mythor verfluchte den
Die Sonne stand fast schon im Ze
nit, als er auf eine breite
Schneise stie, die in sdlicher Richtung weiterfhrte. Kurz
Hier kam Pandor schneller vora
Mythor die neue Umgebung. Ab
er er fand keine Hinweise
darauf, da vor nicht allzu langer Zeit zehn Reiter hier ent-
langgekommen waren.
Immer tiefer drangen sie in de
n Wald ein, und Mythor spiel-
te bereits mit dem Gedanken,
umzukehren, als der heisere
Schrei eines Raubvogels ihn aufschreckte. Horus kreiste dicht
ber den Wipfeln der Bume. Plt
zlich stie er pfeilgerade in
die Tiefe, erhob sich aber schon im nchsten Augenblick wie-
250
Ein schmaler, zum Teil von Eis bedeckter Wasserlauf schln-
gelte sich zwischen den Bum
en dahin. Quellklares Wasser
pltscherte ber algenbewachsene Kiesel.
Mythor vermochte nichts Ungewhnliches zu entdecken. Da
glitt Horus erneut wie ein gespenstischer Schemen heran. Sei-
ne Schwingen berhrten fast die Wasseroberflche, als wolle
Nur wenige Schritte unterhalb der Stelle, an der Mythor
durch den Bach ritt, sah er es aufblitzen. Er sprang ab und
bckte sich danach. Es war ein Dolch.
Sadagar, murmelte er, und um seine Mundwinkel begann
ten: Er befand sich auf der richtigen Spur. Aber er selbst htte
Eines der zwlf Wurfmesser des Steinmanns Wie lange
mochte es hier gelegen haben
einen halben Tag, lnger? My-
thor wute es nicht, aber all seine Zweifel waren auf einmal
Es geht weiter, Pandor. Zeig, was in dir steckt!
Der Weg fhrte noch immer nach Sden. Mythor sah ihn
der Gewiheit, da es noch nicht zu spt war.
Pandors Hufe wirbelten den Schnee auf. Kein Pferd wre zu
Irgendwann wurde der Wald dichter, der Boden felsiger.
Mchtige Findlinge ragten aus dem Schnee, viele von men-
schenhnlicher Gestalt, wie Gnomen und Kobolde, die zwi-
Hin und wieder lie der Bitterwolf ein drohendes Knurren
hren. Die Rute steil aufgestellt und das mchtige Gebi ent-
blt, trabte er hinter Pandor her. Selbst ihm schien dieser Teil
251
des Waldes nicht geheuer. Wachsamkeit und Angriffslust
Mythor fhlte das Fremde wie ei
ne eisige Hand, die sich sei-
ner Gedanken bemchtigte; ihn trge werden lie und ein-
schlferte. War es denn wirklich wi
chtig, da er den Freunden
folgte? Harrten nicht groe Aufgaben seiner, bei deren Erfl-
lung sie ihm nur hinderlich waren?
Der Wald war erfllt von ihnen. Ein Wispern und Raunen
ging durch die ste, wie das leise Rauschen des Windes und
Mythor fhlte eine nie gekannte Schwermut in sich aufstei-
gen. O ja, er hatte eine Aufgabe
zu erfllen. Allein in seiner
Macht lag es, diese Steine zu
wirklichem Leben zu erwecken,
Pandor schttelte sich unwillig, als Mythor an seinem Hals
ben, stapfte der Krieger durch den fast kniehohen Schnee
Du bist wie wir, werde einer der Unseren.
Ein Stein wuchs vor ihm auf, mannshoch, von einer leuch-
tenden Hlle umgeben, deren Schein blendend war wie das
Licht der Sonne. Aber Mythor schien es nicht wahrzunehmen.
Er verharrte mitten im Schritt, streckte die Arme aus, um den
Fels zu umfassen. Alles um i
hn herum war in Bedeutungslo-
sigkeit versunken, auch Hark, dessen drohendes Bellen unge-
Da fuhr der Bitterwolf herum und sprang ihn an. Ineinander
Mythor schrie auf, und sein Sc
hrei lste den Bann, der auf
ihm lag, und gab ihm ein wenig
seiner Freiheit zurck, gerade
so viel, da er das Verderbliche seines Tuns erkennen konnte.
252
Wie von selbst lag Alton pltzlich in seiner Hand. Klagend
auf den Stein, der vor ihm zurckwich.
Der Boden schien zu zittern. Se
lbst die Bume chzten, als
Mythor zuschlug. Ein Gerusch, klirrend wie zerspringendes
Eis, hallte durch den Wald. In
vielfachem Echo wurde es zu-
vorbergehend die Form eines Ge
sichts an, verflchtigte sich
Der Tag neigte sich seinem Ende entgegen, die Wipfel der
hchsten Bume glhten in einem unwirklichen Rot, und noch
immer besa Mythor keinen Anhaltspunkt dafr, ob er den
ger fr die Nacht zu bereiten.
Solange noch ein Sonnenstrahl die Erde berhrte, wrde My-
thor weiterreiten. Mehr und mehr berlie er es seinem Ein-
horn, den Weg zu finden. Dennoc
da Pandor vllig grundlos die Richtung wechselte und pltz-
lich nach Westen strebte. Er lenkte das Tier wieder nach S-
den, und es gehorchte, wenn
auch widerwillig. Der Bitterwolf
Als dieser Pandor herumzwang, knurrte er verhalten. Auch
der Schneefalke hatte abgedreh
t und war der Sonne nachge-
Das Einhorn schttelte sich
253
knstlich angelegten Lichtung.
Eine kleine, windschiefe Kate, ngstlich hineingeduckt zwi-
schen hoch aufragenden Baumriesen, war das erste, was My-
thor auffiel. Rauch kruselte sich aus einem gemauerten Ka-
min in den wolkenlosen Himmel, und Licht
schien hinter den
geschlossenen Lden zu brennen. Aber als der Krieger genau-
Spuren im Schnee rings um die
Htte, die sich auf der ande-
ren Seite bis in den Wald hineinzogen, zeugten davon, da
Durch das ungewhnliche Verhalten seiner Tiere gewarnt,
Vielleicht fand er eine Bleibe bis zum Morgengrauen, wenn
auch Pandor lie eine deutliche Unruhe erkennen.
In diesem Augenblick war Mythor
wieder ganz der Krieger,
dem das Schwert in der Hand Zu
versicht verlieh. Durch die
Bume ging ein Rauschen, als der Wind auffrischte. Irgendwo
und schlug dumpf drhnend gegen das Holz der Htte.
war er noch von der Kate entfer
nt, als er eine flchtige Bewe-
Er verharrte. Und wirklich, nach einer Weile zeigte es sich
Was immer es sein mochte, es
besa menschliche Gestalt,
wenngleich es unwahrscheinlich drr war, dafr aber gut sie-
en es ein, die aussahen, als
Mehr konnte Mythor nicht er
kennen, denn das Wesen ver-
254
Nicht einmal einen Herzschlag spter klatschte neben ihm
um es aufzuheben.
Ein faustgroer Stein mit vielen
scharf geschliffenen Kanten!
wenn er mit groer Wucht traf.
Schnee warf. Instinktiv fuhr seine Hand hoch, aber er fhlte
kein Blut. Dieser zweite Stein
htte ihn tten knnen, so gut
nicht einmal zu sagen, woher der Wurf gekommen war. Er
hatte es nur dem Helm der Gere
chten zu verdanken, da er
nicht mehr als eine leichte Benommenheit versprte, die
n. Unmittelbar hinter ihm
stand eine zweite Gestalt, klei
ner im Wuchs, aber genauso ge-
Whrend Mythor sich fallen lie, fhlte er einen faustgroen
Brocken unmittelbar an seinem Kopf vorbeizischen. Nur den
Bruchteil eines Augenblicks spter, und der geschleuderte
Der Bitterwolf huschte heran und strzte sich auf den An-
greifer, der verzweifelt aufschrie.
Auf die Dauer wirkte das Gerusch der Pumpen zermrbend.
255
nenstrahl konnte in diese Tiefe vordringen, nur das monotone
Grausig klangen die Schreie Sterbender, bevor sie von einem
Augenblick zum anderen abbrachen. Die starke Strmung der
Lorana mit ihren tckischen Stru
deln und Tiefen lie nieman-
Unbeherrscht schlug Duprel Selamy auf den Ambo ein, um
sich abzulenken. Er wollte es
nicht hren und schon gar nicht
daran denken. Er war ein Narr gewesen, den Versprechungen
zu glauben. Und doch fertigte
er die Rstung an, wie Vassan-
der es wnschte. Das Ergebnis wrde selbst den Goldharnisch
des Lumeyn noch bertreffen, nicht nur von der Genauigkeit
der Schmiedearbeiten her. Es w
rde ein wirklich einmaliges
Werk bleiben, denn Duprel Selamy war berzeugt davon, da
Vielmehr wrde er auf dem Gr
und des Flusses verwesen, den
Fischen zum Fra. Deshalb hatte der Erzmagier auf absoluter
Geheimhaltung bestanden. So ko
nnte er den Schmied jederzeit
zum Schweigen bringen, ohne
lstige Fragen befrchten zu
mssen.
Ein Harnisch fr den Feldzug gegen die Caer Duprel
lachte. Immer hufiger ertappte er sich dabei, da er mit sich
selbst redete. Aber nur so lie sich die Einsamkeit auf die
Dauer ertragen, obwohl jeder
Tag angefllt war mit anstren-
merschlge. Der Meister wute nicht, ob es Tag war oder
Nacht, denn er hatte es aufgegeben, die Tage zu zhlen. Das
Ende wrde ohnehin schneller kommen, als er glaubte. Was
spielte es da noch fr eine Ro
lle, ob oben die Sonne schien o-
der der Vollmond am nchtlichen Himmel stand? Die Tage
des Duprel Selamy waren erfllt vom flackernden Schein der
256
Fackeln, von der blendenden
Glut in der Esse und dem immer
Man wute wohl in Ugalos von dem Flugefngnis auf dem
Grund der Lorana, aber niemand hatte je erfahren, wo es lag
und an welcher Stelle sich de
r Zugang befand. Kaum einer
war je von dort zurckgekehrt.
Auch Meister Duprel htte
keine Auskunft geben knnen,
denn seine Augen waren ver-
bunden gewesen, als er durch lange Gnge eines der Verliese
Die Rstung ging ihrer Vollendung entgegen. Der Schmied
konnte zu Recht stolz auf sein
Werk sein, das nicht plump
wirkte und klobig, sondern leicht und geschmeidiger noch als
Ein magischer Harnisch! Duprel Selamy sagte es im Wi-
derstreit der Gefhle. Der Erzmagier hatte jedes Teilstck be-
Ritual, mit dem er dem Eisen
ein unwirkliches Leben einhauchte. Die Rstung sollte Be-
te der Caer-Priester und ih-
nen die Krfte der Weien Magie entgegenwerfen.
Ein Gerusch an der Tr lie den Schmied einhalten. Die
schweren Riegel wurden zurc
kgeschoben, die ihn daran hin-
Der Mann, der ihm die Schss
el mit dampfendem Fleisch
brachte, war nicht sehr gesprc
hig. Schon mehrmals hatte der
Schmied versucht, eine Unterhaltung anzuknpfen, war aber
Sag deinem Herrn, da der Harnisch heute noch fertig
wird! sagte Selamy. Er war erstaunt, da die Wache nicht,
einige Schritte auf ihn zukam.
Der Schmied horchte auf. Lag
da wirklich ein Ausdruck des
257
Bedauerns in der Stimme?
Ich werde endlich die Sonne wiedersehen. Wie viele Tage
sind vergangen, seit man mich hierherbrachte?
Die Wache lachte. Da war kein
Mitleid, wie es eben noch
schien, sondern eine eisige Klte, bar jeglichen Gefhls. Du
wirst sterben, Duprel. Bereite dich schon darauf vor und ge-
Damit wandte der Mann sich ab, doch der Schmied rief ihm
hinterher, bevor er die Tr wieder schlieen konnte: Habe ich
Wenn du es nicht weit Aber
la dir sagen, da du nach
Hahn mehr nach dir krhen, und
dein Leichnam bleibt fr alle
Drhnend fiel die eisenbeschla
gene Tr zu, und Duprel Se-
lamy war wieder allein. Allein
mit seinen Befrchtungen und
der Besttigung, da dem wirklich so war. Doch er hatte vor-
Mit Eifer und Verbissenheit machte er sich daran, die Arbei-
ten an der Rstung zu beenden. Nur ein Verschluteil pate
nicht; er schien es nicht zu bemerken.
Mit aller Kraft trat Graf Corian
zu und rammte seine Fe in
den Unterleib des ber ihm st
ehenden Laffeur, dessen eben
noch triumphierendes Lachen
zur schmerzverzerrten Grimas-
se wurde. Der Bruder des Knigs taumelte zurck, bleich,
nach Atem ringend, zitternd. Das Schwert in seiner Hand be-
schrieb einen kraftlosen Bogen und wirbelte nur lockeren Sand
auf, der frei von Schnee oder gar Eis war.
Mit einem schnellen Satz kam Corian auf die Beine. Er stie
258
den Arm mit dem Schild nach vo
rne, aber Laffeur wich ihm
aus. Auch sein Schwertstreich ging
nach und bedrngte seinen Gegner, der noch genug mit sich
selbst zu tun hatte und seine Schlge zwar mit dem Instinkt
des gebten Kmpfers abwehrte, aber nicht die Kraft auf-
brachte, selbst wieder anzugrei
fen. Das Gerusch der aufein-
anderschlagenden Klingen wurde von den hoch aufragenden
Schritt fr Schritt verlor Laffe
ur an Boden, und dann kam
der Augenblick, in dem Graf Co
rian ihm mit einem von unten
herauf gefhrten Hieb das Schwert aus der Hand wirbelte. Die
Waffe blieb nur einen Schritt wei
t entfernt unter der Schranke
liegen, unerreichbar fr den Bruder des Knigs. Dennoch warf
er sich mit einem heiseren Aufs
chrei herum. In seinem Gesicht
Wieder war Graf Corian schneller. Sein Fu berhrte die
Klinge, noch ehe Laffeur sich bcken konnte.
Niemals! schnaufte Laffeur. Wie von Geisterhand hinge-
zaubert, hielt er pltzlich einen
Dolch in der Hand. Er strzte
sich auf Corian, der dem Angri
ff nur durch eine blitzschnelle
Auf dem Absatz wirbelte La
ffeur herum, aber Corian
sank chzend in die Knie. Noch einmal versuchte er zuzuste-
chen, doch wieder war der andere auf der Hut. Ein schmerz-
hafter Futritt lie ihn aufschreien, der Dolch entglitt seiner
Der Lnge nach schlug Laffeur in den Sand, wo er halb be-
Graf Corian hatte fr seinen Widersacher nur einen
lichen Blick brig. Dann wandte er sich um, schwang sich ber
die Schranke und ging ber schneefreie Wege zum Palast zu-
rck. Er hrte Schritte hinter sich, aber es interessierte ihn
259
nicht, wer ihm folgte.
auch hier in der Luft lag. Die gelblichen Nebelschwaden hat-
ten den Boden fast erreicht. Viele der Pflanzen, die whrend
des Winters ihre Bltter behielten, schienen langsam zu ver-
dorren. Da war kein saftiges Grn mehr, nur noch Auflsung
Wieder hrte er das Gerusch der Pumpen, die eingedrunge-
nes Wasser in den Flu zurckbefrderten. Diesmal schien es
besonders laut auch das monotone Klappern der Hufe. Un-
ablssig bewegten sich die Pferde im Kreis, um die Maschine-
rie in Gang zu halten. Sie muten blind sein, denn sonst htten
sie es nicht mit stoischer Ruhe ertragen.
Duprel Selamy dachte daran, wer wohl die Pumpen antrieb,
Hatte man diese bedauernswerten Menschen ebenfalls ge-
engen Kreis herumliefen, von schweren Deichseln gebeugt
und den Rcken wund gescheuert? Vielleicht waren es aber
auch von der Gerichtsbarkeit des Lumeyn und des Erzma-
giers wegen Diebstahl, Raub, Mord und Notzucht Verurteilte,
Eine scheinheilige Brut, zischte der Schmied. Frher hatte
freiwilligen Gefangenschaft war ihm so manches klarge-
auch, bisher nur mit einem
Achselzucken bergangen hatte.
Angeklagt und verurteilt wurd
e nur der einfache Brger,
angefangen vom nichtsnutzigen
Tagedieb ber den Kaufmann
260
bis hin zum Bauern und Handwerker. Nicht aber die Adels-
schicht, der meist von vornherein eine ehrenvolle Abwicklung
dieser Delikte in Aussicht gestellt wurde. Die Edelleute durf-
ten ihr Leben in vollen Zgen genieen. Wenn ihnen eine
fiel, nahmen sie sich diese,
ohne dafr vor Gericht gezerrt zu werden. Schlimmstenfalls
nicht bertrieben, ihn als einen Knstler seines Fachs zu be-
zeichnen, und wohl nur desweg
en hatte der Erzmagier ihn
beauftragt, den Harnisch zu schmieden.
Der Meister lachte heiser auf.
Er war berzeugt davon, da
Vassander nicht davor zurckschrecken wrde, ihn mit Waf-
fengewalt zur Arbeit zu zwinge
n. So oder so, er mute dem
Tod ins Auge blicken, und er war nicht der Mann, der vor
Angst das Atmen verga. Ihm blieb gar nichts anderes brig,
als zu warten, denn selbst wenn er die Wache niederschlug,
wrde es ihm nie gelingen, das
Flugefngnis lebend zu ver-
baumeln und dachte daran, wie schn es doch in Ugalos ge-
wesen war. Ob seine Gehilfen
die Werkstatt so weiterfhrten,
nur zwei von ihnen wirklich da
s Zeug hatten, Meister ihres
Fachs zu werden, deren Ruhm weit ber die Grenzen des
Landes hinausreichte und deren Waffen begehrt waren.
Duprel wute, da er sich auf Frerick Armos und Jules
Dubrahin verlassen konnte; si
e wrden seinen guten Ruf in
Ehren halten.
Wenn er nicht in Krze eines gewaltsamen Todes starb, hatte
261
er vielleicht noch viele Jahre zu leben. Obwohl das beste Man-
nesalter inzwischen hinter ihm
lag, fhlte er sich noch immer
frisch und wre jederzeit bereit
gewesen, es mit Jngeren auf-
zunehmen. Er war fnfzig, und in
seinem Leben hatten sehr
oft Freude und Leid unmittelbar
nebeneinander gelegen, doch
wohl er von Natur aus benachteiligt war, denn er ma nur
knapp fnf Fu. Aber er war
drahtig und zh und fr seine
geringe Gre und Statur ungewhnlich stark. Seine krftigen
und von Schwielen bersten Hnde waren gleichzeitig so
Vielleicht wre sein Leben ande
rs verlaufen, htten die Frau-
en an ihm Gefallen gefunden. Aber in frheren Jahren hatten
sie sich nur ber seine Ohren lustig gemacht, die wie die Hen-
kel einer Schssel seitlich abstanden, ber seine breite Nase
und den noch breiteren Mund, de
r sich, wie bse Zungen be-
und kein einziges graues Haar,
da er vermgend war und sein
Name in ganz Ugalien bekannt, htte manches Weib sich ger-
ne seiner angenommen. Aber nun wollte er nicht mehr, denn
er wute inzwischen, was es hi
e, frei und ungebunden zu
Ein Gerusch schreckte ihn aus seinen Erinnerungen
Jemand machte sich an der Tr zu seinem Verlies zu schaffen.
Gleich darauf wurde sie aufgestoen.
Der Erzmagier Vassander trat ein. Duprel blieb sitzen und
seinen stechenden Augen durc
hdringend musterte. Dann erst
bequemte er sich dazu, aufzustehen. Er war lediglich einen
Fingerbreit grer als der Magier, nur wirkte dieser durch sei-
nen Spitzhut imposanter. berhaupt war der Schmied der An-
sicht, da Vassander mit vielerlei Tricks versuchte, den Ein-
262
druck, den er auf die Bevlkerung machte, aufzubessern. So
glaubte er ihm auch nicht sein
angebliches Alter von einhun-
dertvierzig Jahren. Der Erzmagier prahlte wohl damit, um
dem Volk als unsterblich zu er
scheinen. In Wirklichkeit moch-
Der Schmied rmpfte die Nase
ob des allzu aufdringlichen
Duprel Selamy brachte die Rstung, die in knstlerischer
erkennen lie, das wie das Licht der Sterne am nachtschwar-
schien es ihm, als halte er glh
ende Kohlen in der Hand, und
doch zeigte seine Haut danach
weder Brandblasen noch R-
Vassanders Beschwrungen waren fr diese Erscheinung
verantwortlich. Ob die Rstung deshalb allerdings dem ver-
derbenbringenden Einflu der
Caer-Priester standhalten wr-
de, wagte Duprel zu bezweifeln. Jeder Schwertstreich wrde
daran abgleiten und jeder Pfeil zerbrechen, aber die Schwarze
Magie und die unbegreiflichen Krfte des Schattenreichs?
Du wirst deinen Lohn erhalten, Meister Duprel, sagte er.
Wisse aber, da diese Rstung einmalig bleiben soll, denn sie
wurde nur fr mich angefertigt
und in ihr steckt viel von mei-
nen magischen Krften. Niemand darf je ihr Geheimnis erfah-
Davon bin ich berzeugt, nickte Vassander, und der
263
Schmied verstand die Doppeldeutigkeit dieser Worte nur zu
Anlegen einer Rstung. In-
nerhalb weniger Augenblicke war er vollstndig in Eisen ge-
noch. Vassander nahm ihn aus den Hnden des Meisters ent-
Er lt sich nicht richtig mit dem Halsstck verbinden,
stellte der Magier fest. Das ist ein Ansatzpunkt fr die Caer,
Duprel Selamy sah sich das St
ck schweigend an. Verzeih,
sagte er dann und schlug die Augen nieder. Ich werde es so-
Spter, sagte Vassander. Erst lasse mich das Meine tun,
um diesen Harnisch zu vervo
llkommnen. Er ist wahrlich ein
Um den Erzmagier herum schien die Luft zu flimmern. Nur
der Helm wirkte noch matt vom Schlag des Hammers und
dem Ru des Schmiedefeuers. Duprel Selamy wute, da sich
dies schnell ndern wrde, sobald Vassander seine Magie wal-
Doch erst entledigte sich
der Erzmagier der Rstung und
stellte sie sorgsam neben die Esse. Nur den Helm legte er auf
den Ambo in der Mitte des Raumes.
Dann streckte er unter dem weiten Umhang die Arme aus,
die Hnde reckte er in einer beschwrenden Geste zur Decke
empor. Sein Blick schien in endlos weite Ferne zu schweifen,
whrend seine Gesichtszge hart
wurden und an den Schlfen
traten. Nur das Flackern in
Vassanders Augen zeigte, da berhaupt noch Leben in ihm
war. Seine Lippen blieben unbewegt, aber er murmelte leise
264
Der Schmied hatte diesen Vorg
ang schon mehrmals verfol-
gen knnen. Obwohl er sich
beinahe verzweifelt abwandte,
sprte er erneut die unbeschreibliche Erregung, die sich seiner
bemchtigte. Es war ein eigenartiges, unwirkliches Gefhl, das
sich nicht in Worten ausdrck
en lie, das man nur erleben,
aber niemals wirklich erfassen konnte.
Krampfhaft hielt Duprel Selamy die Augen geschlossen.
Trotzdem sah er wieder jenes
weie Leuchten, das scheinbar
aus der Luft heraus entstand
und den Erzmagier umgab.
Flammen zuckten aus den Fingerspitzen des Magiers. Der
Schmied konnte es deutlich erkennen, obwohl er Vassander
e wurden zum hohlen Brau-
sen, das schnell den ganzen Raum erfllte und sich zum lau-
ten Tosen eines Sturmes steigerte. Der Ambo begann zu gl-
hen, wechselte in schneller Folge die Farbe, war zuletzt von
einem blendenden Wei und lste sich dann auf, als habe er
zerflieen, als die Flammen aus
Auch er machte eine Verwandlung durch, wurde
erst klar wie
Kristall, dann schwrzer noch als die Nacht ber Ugalos bei
Neumond. Und in dieser Schwrze
manifestierte sich eine ge-
ballte Macht. Duprel Selamy spr
jagte ihm eisige Schauer den Rcken hinunter, schien nach
ihm greifen zu wollen, ihn mit si
ch zu ziehen. Doch ein befeh-
lendes Wort des Erzmagiers lie sie vergehen, bevor der
Schmied ihren Verlockungen erlag.
Langsam wandte Duprel sich um, whrend Vassander die
Nun vollende deine Arbeit! sagte der Erzmagier. Du
265
Es bedarf nur der Glut in
der Esse und weniger Hammer-
Ich habe Wichtigeres zu tu
n und komme wieder, wenn alles
Wie von Geisterhand aufgestoe
sander schritt hindurch. Lange starrte Duprel ihm noch hin-
terher, selbst als die Pforte wieder geschlossen war. Der einzi-
ge Weg, der aus dem Verlies hinausfhrte, war von schweren
Es gab einen zweiten, doch dahinter lauerte der Tod
In der Esse war noch Glut. Dupr
el Selamy hatte es mit einem-
mal eilig, sie anzufachen. Schnell zngelten Flammen empor
und fanden neue Nahrung in einer Handvoll Kohlen, die der
Schmied dann ins Feuer warf.
Um das Verbindungsstck zwi-
schen Helm und Brustpanzer be
arbeiten zu knnen, bedurfte
es keiner groen Hitze. Es lie
sich einfach formen. Drei ma-
volle Schlge, ein nachhaltiger Druck mit dem Rundeisen, und
der Helm mute unverrckbar fest
sitzen, wenn er erst einmal
Weder die Flammen noch sons
gischen Krften erfllt war.
Allein der Gedanke daran erschre
ckte ihn. Nie hatte er sein
Ende so nahe vor sich gesehen, war er hnlich hilflos gewesen
wie in diesen Augenblicken. Hatten sich die Gtter von ihm
Allmhlich begann Duprel zu beda
266
den Erzmagier gestrzt und
ihn mit dem Schmiedehammer
erschlagen hatte. Vielleicht wre es die Erlsung fr Ugalos
In jher Verzweiflung ballte er
die Hnde. Wie konnte er sol-
haupt in der Lage gewesen wre, die Hand gegen ihn zu erhe-
ben. Denn allein mit krperlicher Strke vermochte niemand
Duprel dachte an seine Schmiede, an die lrmerfllten Gas-
sen davor an seinen Weinkeller, voll mit erlesenen Kstlich-
mssen, dies zu leugnen. Denn was konnte schlimmer sein als
Er nahm den Hammer und schleuderte ihn von sich. Dumpf
drhnte es, als er auf dem Boden aufschlug.
versuchte gar nicht erst zu
begreifen, was mit ihm geschah. Er hatte doch
bisher schon
geahnt, da er sterben mute, und es hatte ihm nichts ausge-
macht. Aber nun, da der Tod greifbar nahe schien, fhlte er
seinem ersten groen Turnier.
War da nicht ein Gerusch? Das lauter werdende Pltschern
Der Schmied lauschte. Aber da war nichts mehr. Also mute
Du Narr,
schimpfte er in Gedanken,
bist nahe daran,
hysterisch
zu werden. Was haben die Tage im Verlies nur aus dir gemacht?
Duprel Selamy verstand sich selbst nicht mehr. Er frstelte.
Aber es war keine innere Klte, die ihm zu schaffen machte.
Vielmehr kroch sie seine Beine hinauf wie ein alles verschlin-
gender Moloch.
Und pltzlich war da die Nsse
, und es stank frchterlich.
Der Schmied stand bereits bis zu den Kncheln im Wasser, das
schnell hher stieg.
267
zur Seite schob. Je breiter der
Spalt wurde, desto mehr gelbli-
ches, trbes Wasser ergo sich in den Raum. Das Blubbern
und Gurgeln, eben noch fast unhrbar, schwoll zur Hllenmu-
Duprel Selamy schrie. Er schri
e so, wie er es immer wieder
von den zum Tode Verurteilten gehrt hatte.
Die Erkenntnis, da sich auch das kristallklare Wasser des
Brunnens verndert hatte, war
erschreckend und lie jede
Hoffnung schwinden. Frerick Armos schwitzte pltzlich. Es
war ein kalter Schwei, den ihm die Angst aus dem Krper
trieb, die Furcht vor dem Unbekannten, Unbegreiflichen.
Wie gebannt starrte er auf das Blut, das noch immer aus dem
Eimer flo, obwohl dessen Inhalt sich lngst erschpft haben
Die Menge wich zurck. Stum
m und zu keiner uerung
fhig. Armos fhlte die Blicke der Leute auf sich ruhen, als
machten sie ihn fr alles verantwortlich. Langsam sank er in
die Knie. Nur mit Mhe konnte er sich noch am Brunnenrand
Er bergab sich. Gelber Schleim quoll aus ihm heraus, vor
dem es ihn selbst ekelte. Von
Krmpfen geschttelt, glitt er
dann zu Boden. Fast verlor er die Besinnung, wute nicht
Erst ein gellender Aufschrei brachte ihn wieder zu sich. Ihm
war, als kehre er aus dem Jenseits zurck. Hatte er wirklich
die Finsternis gesehen, die sich wie ein breites Band ber
fremde Lndereien erstreckte? Er glaubte noch immer zu
schweben, dem Ende der Welt entge
gen, zu vergehen in uner-
268
Rauhe Fuste rissen ihn hoch, droschen auf ihn ein und trie-
ben ihm die Luft aus den Lungen
. Er ist besessen! erscholl es
Frerick Armos begriff, da nur er gemeint sein konnte. Er
sthnen. Vor seinen Augen tanzten schwarze Schatten. Den-
noch sah er, da jemand den Eimer aufhob und in den Brun-
Werft ihn hinterher! Er steh
Nicht ins Wasser! Er mu bre
nnen! Nur so knnen wir sei-
nen Dmon wirklich vernichten. Der Mob brllte sich gegen-
seitig nieder.
Ciarisse hat den Eimer heraufgeholt, da war das Wasser
noch klar. Wir alle haben gesehen,
da es sich erst verfrbte,
Wir sollten Maurace dankbar sein.
Armos schlug der Lnge nach hin, als die Mnner ihn loslie-
en. Kraftlos krallten sich sein
e Finger in das glitschige Pflas-
ter. Wie durch einen dichten Nebel hindurch nahm er wahr,
was um ihn herum vorging.
Brutal trat man ihn in die Seite. Er krmmte sich vor
Schmerzen. Ein zweiter Tritt rollte ihn auf den Rcken. ber
sich sah er verschwimmende Nebel, in stndiger Bewegung
Trumte er? Oder waren dies die ersten Anzeichen des na-
henden Todes, der ihn umfing?
Unter den Hufen des Schimmels erzitterte das Firmament.
269
Das edle Tier flog frmlich dahin. Es war frei wie der Wind
ber der Steppe; kein Reiter
wrde es je zhmen knnen.
Hilfesuchend streckte der Schmied die Arme nach ihm aus.
Aber ein furchterregendes Fauchen lie ihn zurckschrecken.
Feuer schlug ihm entgegen, Schwefel und beiender Rauch,
Ein geiferndes Maul wurde sichtbar. Auf einem langen Hals
peitschte ein abscheulicher Kopf
durch die Wolken. Ein zwei-
ter folgte, ellenlange Reizhne entblend.
Das Untier schnappte nach Armos, der sich nicht dagegen
wehren konnte. Er wurde hochgewirbelt und schrie. Ein
schmerzhafter Schlag ins Gesich
t lie ihn verstummen, brachte
In einer langen Prozession trug man ihn durch die Gassen
der Stadt. Immer mehr verngstigte und aufgeschreckte Br-
Als Armos endlich erkannte, wohin man ihn brachte, mute
er sich erneut bergeben. Viel
rck und machten die Zeichen gegen den bsen Blick.
Bei Aqvitre! wollte der Schmie
d rufen, aber er brachte nur
Dann stellte man ihn auf die Beine. Ein harter Sto in seinen
Rcken lie ihn vorwrts taumeln.
Vor ihm war der Scheiterhaufen, mannshoch und sorgsam
Meute, die sich in immer heftig
ere Erregung hineinsteigerte,
Seltsam, da er angesichts des sicheren Todes daran denken
sen war: eine Hexe, die nachweislich mit den Mchten der
Schattenzone paktiert hatte. Aber das lag viele Sonnenwenden
zurck. Der Erzmagier Vassander hatte ihr verderbliches Tun
270
entlarvt. Armos sah sie noch immer vor sich, wie sie sterbend
zusammenbrach und die Flammen hoch aufloderten.
Nein! kreischte er. Ich bin
nicht besessen! Aber niemand
stieg. Als Symbol fr seine Reue und den Willen zur Abkehr
von den Mchten der Finsternis.
Doch Frerick Armos hatte ni
chts zu bereuen. Er war
genug gewesen, einer Frau helfen zu wollen, die ihn nichts
Zitternd hielt er sich an der Leiter fest. Nicht einen Schritt
wrde er freiwillig tun. Aber
sie schoben ihn die Sprossen
hinauf, und dann stand er doch oben und blickte hinunter auf
Am ganzen Krper versprte er einen schier unertrglichen
Juckreiz. Die rtlichen Flecken auf seinen Hnden schienen
Jemand brachte eine brennende Fackel. Johlen und Toben
Zaghaft zunchst, doch dann ein zweites Mal und um vieles
lauter, versuchte sich eine Frau Gehr zu verschaffen. Der
Mann ist nicht besessen, er ist unschuldig.
Vergeblich versuchte Armos zu erkennen, woher der Ruf
kam. Nicht nur er hatte ihn
Augenblicke wurde es merklich leiser. Der Fackeltrger ver-
harrte vor dem Scheiterhaufen, unwillig, wie es schien, aber
gleichzeitig berrascht.
Ich! Eine junge Frau mit langem schwarzem Haar bahnte
sich einen Weg durch die Umstehenden. Frerick Armos kannte
sie. Und nicht nur er, wie es schien.
Ciarisse! ertnte es von vielen Seiten. Du willst ihn ver-
271
Ja, ich will es, rief sie, fr alle hrbar. Dieser Mann wird
ohnehin sterben, aber nicht, weil er von Dmonen besessen ist,
Aufschrei.
Die Blutquelle wird uns alle
Seht ihn euch an, seht hinauf auf den Scheiterhaufen! Solche
Flecken, wie er sie hat, wird schon bald mancher von euch an
seinem eigenen Krper finden. Auch mein Sohn hatte sie. Da-
nach kommen Beulen, die schnell wachsen, die die Haut auf-
Die Pest? schrie jemand auf, und seine Stimme berschlug
Gelbes Fieber! kam es von Ciarisse, und man konnte ihr
ansehen, wie verzweifelt sie war. Die Prophezeiung unserer
Jeder hier, sagte der Mann mit der Fackel so laut, da es
weithin zu hren war, will ihn
brennen sehen. Nur dadurch
knnen wir die Gtter wieder gndig stimmen und das Bse
Er ist unschuldig, sage ich euch, wiederholte Ciarisse mit
nicht dem Wahnsinn, zu glauben, da mit seinem Tod alles
vorber sei. Es wird noch schlimmer werden. Wer von euch
hat bereits einen Angehrigen verloren?
Niemand! rief Ciarisse, und sie steigerte sich in eine Erre-
gung hinein, die ihre Stimme zittern lie. Nur mein Kind
Zustimmung wurde laut. Sie wa
ndte sich an Armos, der
272
alles lngst nicht mehr. Komm herunter! Wer bist du ber-
Deiner Kleidung nach gehrs
t du zur Zunft der Schmiede.
Ich bin Gehilfe bei Meister Duprel, sagte Armos, whrend
er vorsichtig die Leiter hinunterstieg.
Dem Waffenschmied? kam es aus der Menge. Ich kenne
ihn. Er wrde gewi keinen
bei sich dulden, der mit den
Mchten der Schattenzone im Bund ist.
Die Stimmung schien langsam umzuschlagen. Kaum jemand
nahm noch Notiz davon, da die Fackel in einen nahen Kanal
Nhe. Sie war wirklich schn, wenngleich ihr Gesicht von
Weshalb? Immerhin wolltest du
mein Kind aus dem Brun-
nen holen. Du konntest nicht wi
ssen, da ich seinen Leichnam
Armos verstand nicht ganz. Aber Ciarisse erzhlte ihm dann
Ihr drei Monde alter Sohn hatte
sie schon in der Nacht mit
seinem Schreien geweckt. Aber erst nach Sonnenaufgang hatte
sie die Flecken auf Gesicht und Hnden des Suglings ent-
Er spie gelben Schleim, sagte sie, und als Armos besttigte,
da es ihm genauso gehe, schlug sie die Hnde vor ihr Ge-
Deshalb nenne ich es das gelb
e Fieber, fuhr sie nach einer
Weile fort. Ihre Stimme war so
leise, da nur wenige der Um-
stehenden sie hren konnten. Aber was sie sagte, wurde
schnell weitererzhlt. Auf der Haut
273
aufplatzten und zu bluten begannen. Ich ging an den Brunnen,
um meinen Sohn zu waschen. Aber als er mit dem Wasser in
Nicht du hast den Brunnen ve
Woher kommt diese Krankheit?
rief ein altes Mtterchen,
das eben noch drohend seinen
Stock gegen den Schmied ge-
du weit es! schrie Ciarisse
unbeherrscht. Die Blutquelle is
Irgendein Krieger hielt pltzlic
h sein Schwert in der Hand
und stie es in die Hhe, so da jeder es sehen konnte.
Sollen wir warten, bis alle sterben? hallte seine Stimme
durch die Gassen. Wir mssen kmpfen, bevor es zu spt
dachte Frerick Armos bitter.
Gegen was? Gegen D-
monen oder den Flu, der sich unauf
haltsam an Ugalos vorbeiwlzt

Doch so weit schien im Augenblick niemand zu denken. -
Mehr als dreiig Mann taten sich zusammen. Dabei war Ar-
mos berzeugt davon, da ihnen kein Erfolg beschieden sein
wrde, denn gegen den Fluch des Heroen konnten nur die
Grlich war das Jucken und unertrglich. Allein wenn er
zu nssen begannen.
Armos erhielt einen Sto in den Rcken. Als er sich um-
wandte, hielt ihm ein Mann ein Langschwert hin. Aber der
274
Schmied zeigte nur seine Hand
flchen, und der andere ver-
Pferde wurden gebracht. Diejenigen, die am lautesten nach
Kampf schrien, schwangen sich in die Sttel. Armos sah zu,
wie sich die Menge langsam zerstreute. Viele scheue Blicke
warf man ihm zu, und jeder mied es, ihm nahe zu kommen.
Dann brach die wilde Jagd auf. Hufe donnerten ber hlzerne
Brcken und lieen den Boden erzittern. Fr eine Weile rissen
die gelben Nebel auf, die in
immer dichteren Schwaden durch
die Stadt trieben. Als sie sich
als htten sie die Reiter vom Erdboden weg verschluckt.
dann sorgten die Brger von Ugalos selbst dafr, da ihre
Klte und Nsse lieen Duprel Selamy schnell zu sich selbst
zurckfinden. Das Wasser hatte bereits seine Waden erreicht,
und ihm blieb nur noch wenig Zeit. Er htte sich ohrfeigen
Mit fliegenden Fingern legte er die Rstung an, deren hellen
Schimmer auch die trbe Brhe des Flusses nicht beeintrchti-
gen konnte. Schon stand er bi
s zu den Knien im Wasser, das
Oft genug hatte er es in de
n vergangenen Tagen gebt und
sich dabei ausgemalt, wie es wo
hl sein wrde. Aber die Wirk-
Der Tod kam mit Riesenschritten. Sein Begleiter war ein
grauenvoller Gestank, der den
Schmied in seinen Bewegungen
lhmte, ihn zittern und krampfhaft nach Luft ringen lie.
Zischend starb die Glut in der Esse; das Wasser ri die Koh-
Duprel Selamy zwngte sich in
den Harnisch, der ihm pate,
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als sei er eigens fr ihn angefertigt worden. Und in gewisser
Weise stimmte das auch. Vielleicht war es Schicksal, da der
Erzmagier Vassander und der Sc
hmied nahezu gleich gro
waren, vielleicht Vorsehung oder gar der Wille der Gtter.
Meister Duprel jedenfalls, als
er zu ahnen begann, was ihm
bevorstand, hatte den Harnisch nach seinen eigenen Krper-
maen angefertigt. Und nun konnte er nur hoffen, da Vas-
sanders Magie auch ihn schtzte
und er nicht doch jmmerlich
In seinen Stulpenstiefeln, die ihm bis ber die Knie hinauf-
s er es bemerkte, erschrak
er. War seine einzige Hoffnung ve
rgebens gewesen? Selbst er
konnte keine Rstung herstellen, die die Nsse abhielt wie die
derhemd, dann nahm er den Helm
spter schlug das Wasser ber ihm zusammen.
Er glaubte seinen Herzschlag zu hren, whrend sich ein
ungewohnter Druck auf seine Ohren legte. Seltsam gedmpft
Vorsichtig machte der Schmied
einige Schritte. Es war, als
wrde er von einer unsichtbaren
Kraft festgehalten. Jede Be-
der gelben Fluten vor seinem Vi
sier nicht in Panik auszubre-
chen. Ein wenig half es ihm, da er sich sagte,
gie msse strker sein als di
e Elemente. Immerhin war der
Harnisch fr den Erzmagier bestimmt gewesen, und der wr-
de sich nicht mit Halbheiten abgeben.
machte sich eine beraus starke Strmung bemerkbar. Der
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Schmied sprte nichts davon, aber er sah verschiedene Werk-
der schwere Ambo wurde um-
geworfen. Duprel Selamy verdan
kte es nur der Rstung, da
das Wasser ihn nicht lngst schon mitgerissen hatte. Wenn der
Raum wieder geschlossen und leer gepumpt war, wrde Vas-
sander kommen und sich
Zum erstenmal seit langem mute der Meister lachen. Der
Erzmagier wrde fluchen, wenn er das Verlies leer vorfand,
und annehmen, da die Strmung der Lorana doch strker
Duprel hatte es auf einmal e
ilig, den Raum zu verlassen,
denn jeden Augenblick konnten di
e Wnde sich wieder schlie-
en. Eine zweite Mglichkeit, zu fliehen, wrde er bestimmt
nicht mehr erhalten.
Ohne es eigentlich zu wollen, wandte er sich fluaufwrts.
Schon nach kurzem fiel es ihm leichter, seine Krfte einzutei-
Dicke, von vielerlei Pflanzen berwucherte Mauern blieben
hinter ihm zurck. In dem herrschenden Dmmer konnte er
dern wirkte eher wie geschliffener Fels, auf dem sich unzhli-
von der Dicke eines Fingers bis hin zur Strke eines muskul-
sen Oberarms, trieben in der Strmung. Auf der Suche nach
Nahrung setzten sie sich an der Rstung fest. Duprel hatte
Mhe, sie abzustreifen.
Noch konnte er sich nicht allzuweit vom Flugefngnis ent-
Siedend hei berlief es ihn: Er
durfte nicht lnger im Flu
bleiben, wollte er nicht ersticken. Wieviel Luft mochte noch in
der Rstung sein, die ihn am Leben erhielt?
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Aber nach einigen bangen Herzschlgen siegte die berzeu-
gung, da der Trger des Harn
egal in welcher Gefahr er si
ch befand. Nur vor der Schwarzen
Duprel Selamy hielt sich nach links, bis endlich das Steilufer
vor ihm aufragte. Auf diese Weise vermied er, ohne da er
sich dessen bewut wurde, im Kreis zu laufen.
Mit jedem Schritt, den er tat,
wuchs seine Zuversicht. Ir-
gendwann wrde er zwar den Flu
verlassen und von da an
vor Vassander auf der Hut sein
mssen, aber darber machte
Ein gellender Schrei hallte durch den Wald, als Hark sein Op-
fer ansprang und mit ihm zusa
mmen zu Boden strzte. Aber
so schrie kein Mann. Das war die Stimme einer Frau, die sich
Mythor sprang hinzu, drngte den Bitterwolf zur Seite und
ri den Angreifer hoch. Es war wirklich ein Weib. Furcht
Ihr Alter war schwer zu schtzen, denn ihr Gesicht, von
voller Falten und Runzeln. My-
thor nahm ihr den Lederstreifen ab und ein kleines
das gefllt war mit scharfkantig geschliffenen Steinen. Ab-
schtzend wog er die primitive, aber doch wirkungsvolle
Schleuder in der Hand, dann warf er sie von sich. Er lie dabei
Hark! Ein kurzer Wink, und der Wolf verschwand im
Wald. Niemand wrde Mythor nun noch in den Rcken fallen
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Sie schwieg, prete die Lippen aufeinander, bis sie nur noch
nichts tun. Aber vielleicht bekommt dein Kumpan die Klinge
zu spren, wenn du nicht redest. Ich habe es nicht gerne,
Aus den Augenwinkeln heraus nahm er eine flchtige Be-
wegung wahr. Ehe er berhaupt reagieren konnte, krachte ein
Stein unmittelbar neben ihm ins M
oos. Fast gleichzeitig sprang
der Bitterwolf den zweiten Angreifer an. Die Frau neben My-
thor sthnte auf. Aller mhsam aufrechterhaltener Widerstand
Alton in den Grtel schob, um zu zeigen, da er es nicht auf
Angst und Erschrecken standen
Aber sie htte wohl dennoch nicht den Mund aufgemacht, ht-
te nicht der Bitterwolf ein gereiztes Bellen hren lassen.
derte sie mit zitternder Stimme.
Sie wand sich, als empfinde sie krperliche Qualen. Nie-
mand, der sein Leben liebt, wird einen Dmonenreiter dul-
Das also war es. Mythor verstand. Aberglaube beherrschte
die Gedanken der beiden, die einsam im Wald lebten. Wahr-
scheinlich hatten sie gehofft, da er vorbeiziehen werde, und
Die Frau wandte den Kopf, und der Blick ihrer schreckge-
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rand graste. Das Einhorn, sagte
sie. Wir wurden gewarnt
Ich verstehe deine Furcht. Myth
or erhob sich und rief nach
Hark, der sofort von seinem Opfer ablie. Aber ich bin nicht
der, fr den du und dein Mann
einen Bund mit Dmonen eingehen.
Auch die Frau stand nun auf und schttelte den Schnee aus
ihrem Umhang. Mitrauisch schaute
sie erst Mythor an, dann
den Bitterwolf und Pandor. Sie zuckte kurz zusammen, als ein
weier Schatten aus den Wipfeln der Bume herabglitt und
sich auf der Schulter des jungen Mannes niederlie.
Ein Schneefalke, stammelte si
e, und zugleich wich ein
Das Tier gehrt dir?
Mythor nickte. Es ist mein Gefhrte.
Dann mu ich deinen Worten wohl Glauben schenken,
murmelte die Frau. In meiner He
imat gilt der Schneefalke als
kluges Tier, das keinen Herrn anerkennt, der mit dem Bsen
Hand hin. Ich bin Berra. Das
dort drben ist mein Mann,
Mythor nannte seinen Namen, dann rief er den Bitterwolf
endgltig zurck. Berra bckte
sich unterdessen nach ihrer
Schleuder und lie sie in einer Falte ihres weiten Umhangs
verschwinden. Zusammen gingen sie auf die Htte zu. Vor-
mens feindselige Haltung wich schnell einer spontanen Gast-
freundschaft, als sie beim Schein des Kaminfeuers an einem
Tisch saen und Mythor berichte
te, da er unterwegs sei, um
seine Freunde aus der Gewalt unbekannter Entfhrer zu be-
freien. Die Biwunde, die Hark ihm zugefgt hatte, schien ihn
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Ich danke dir, sagte Mythor. Ich bin zufrieden, wenn ihr
mich und meine Tiere.
Es ist nicht viel, was wir haben, meinte Vormen, aber du
uer, zu essen und zu trin-
ken. Wir Fallensteller haben ein hartes Tagwerk, und wir wis-
Mythor horchte auf. Warst du
Weiter als fr gewhnlich, nickte Vormen. Der Winter
scheint besonders streng zu werden, denn das Wild wandert
nach Sden, wo es nicht selten weniger Schnee gibt und besse-
sen es gewesen sein.
Ich dachte mir schon, da du das fragen wrdest, antwor-
gestern, nicht lange vor Einbruch der Dunkelheit. Sie gaben
Dann wissen sie, da sie verfolgt werden, berlegte My-
thor. Aber sie haben mich nie gesehen, kennen auch Pandor
Vielleicht haben sie ihr Wissen von deinen Freunden.
Schlagartig verdunkelte sich Mythors Miene. Es war die Sor-
ge, die sich darin widerspiegelte.
Bestimmt nicht freiwillig, sagte er. Man mu sie schon
dazu gezwungen haben. Oder, er begann zu grinsen,
der Kleine Nadomir konnte wieder einmal sein Maul nicht
halten. Ja, dem Steinmann traue ich zu, da er seinen Schutz-
geist anruft und mit ihm zusammen versucht, den Entfhrern
ein Schnippchen zu schlagen.
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Neun Reiter waren es, und sie fhrten zwei Packpferde mit
sich. Aber nur vier kamen zu unserer Htte. Die anderen blie-
lcher vor ihren Gesichtern und lange Gewnder mit Kapu-
zen, die sie sich ber die K
pfe gezogen hatten. Die Beschrei-
bung erinnerte Mythor an Wstenbewohner. Als er noch in
der Nomadenstadt Churkuuhl gelebt hatte, war er solchen
wo das gewesen war. Irgendwo in der Wste von Salamos.
sagen, weil heftiger Schneefall
die Sicht trbte. Die uns das
Einer der fnf war klein wie ein Kind, sagte Berra.
Mythor zuckte mit den Achseln. Das hilft mir nicht, mein-
Mehrere Bndel, erinnerte sich Vormen, deren Gre mir
befremdlich erschien. Mag sein, da es sich dabei um deine
Freunde gehandelt hat.
Sie mssen es gewesen sein, berlegte Mythor. Nur
schade, da ihr nicht mehr erkennen konntet. Aber ohne Zwei-
fel wollten sie mich aufhalten,
als sie euch vor dem Dmonen-
reiter auf dem Einhorn warnten. Beinahe wre es ihnen auch
Er unterbrach sich, weil Vormen
pltzlich aufstand und ir-
gendwo hinter dem Kamin, wohin er von seinem Platz aus
nicht sehen konnte, zu kramen begann. Nach einer Weile kam
der Fallensteller zurck und wa
rf ihm ein glnzendes Gold-
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Das habe ich bekommen, sagte
er. Als Bezahlung fr das
Mythor hatte die Mnze aufgefangen und drehte sie nach-
denklich zwischen den Fingern hin und her. Sie war recht gut
erhalten und zeigte nur wenige Spuren eines Gebrauchs. Auf
der einen Seite war ein Frauenkopf eingeprgt, auf der ande-
ren eine Stufenpyramide mit hngenden Grten, die sich zwi-
Dieses Goldstck stammt zweifellos aus Sadagars Beutel,
erkenne die Mnze wieder, weil er sie mir vor nicht allzu lan-
ger Zeit einmal gezeigt hat. Angeblich stammt sie aus einem
Du wirst deinen Freunden folgen? fragte Berra.
Ich mu߫, sagte Mythor, um mir ber ihr Schicksal klar-
Aber du bist allein, gab Vorm
en zu bedenken. Die ande-
ren sind neun und, wie mir schien, gebte Kmpfer.
Soll ich mich davon abschrecken lassen? Mein Schwert Al-
ton und der Helm leisten mir gute Dienste. Und dann vergi
nicht meine Tiere sie sind nicht zu unterschtzende Gegner.
Diese Frau, von der du sprachst, sagte Berra nach einer
Liebe Mythor dehnte das Wort
, als gelte es fr ihn erst,
dessen Sinn zu erfassen. Nein, murmelte er dann, ich glau-
be nicht. Gewi, Kalathee ist jung und schn, und manch einer
wrde alles dafr geben, knnte er mit ihr Zusammensein.
Aber mein Herz gehrt einer ande
ren. Ich kenne sie nicht, tra-
ge nur ihr Bild bei mir, doch irgendwann werde ich sie finden,
Wenn ein Mann wie du so vo
grinste Vormen, mu es schon eine Gttin sein.
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Pergament unter seiner Kleidung hervor. Berras Augen weite-
ten sich in offensichtlichem Erstaunen.
Sie hat viel hnlichkeit mit
dir, Mythor, stellte sie zgernd
Ich kann dich leider nur zu
gut verstehen, sagte Vormen
Nicht einmal das wei ich, gestand Mythor ein. Aber ir-
gendwie fhle ich, da ich ihren Namen kenne.
Du tust mir leid. Dem Fallensteller war nicht anzumerken,
ob er es ernst meinte oder sich
ber seinen Gast lustig machte.
Auf die Dauer ist das kein Leben fr dich; ein Mann braucht
Erfllung, vor allem in der Liebe, um leistungsfhig zu blei-
Mythor nahm das Pergament wieder an sich und verbarg es
sorgfltig. Du magst recht haben, Vormen. Doch solltest du
dir nicht meinen Kopf darber zerbrechen.
Obwohl er es liebend gerne tte, platzte Berra heraus.
Denn hier gibt es weit und
breit keine Abwechslung, also
Mythor erhob sich. Es ist schon spt, und ich mchte mor-
gen mit den ersten Sonnenstrahlen aufbrechen.
der bewundernde Blick nicht, mit dem sie ihn bedachte. Wahr-
scheinlich stellte sie Vergleiche
an zwischen dem zu lang und
In dieser Nacht schlief Mythor
ruhig und ohne Trume. Er
wachte auf, als der erste Schimmer der Morgenrte ber den
Horizont heraufzog. Der Abschied vom Fallensteller und sei-
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schneite, endlos erscheinende Wildnis. Pandor war ausgeruht,
und entsprechend schnell kamen sie vorwrts. Aber immer
wieder wich das Einhorn vom Weg ab und folgte dem Lauf
der Sonne. Manchmal hatte Mythor Mhe, ihm seinen Willen
aufzuzwingen. Da auch Hark und der Schneefalke fter die
Richtung wechselten und fr
lngere Zeit verschwanden,
schlo Mythor auf eine drohende Gefahr. Dennoch war er
wute, wovor die Tiere wirklich zurckschreckten.
sachte ihm dieser schier unertrgliche Kopfschmerzen. Nur
vorbergehend hatte er das un
als rate ihm eine innere Stimme, nach Westen zu reiten. My-
thor tat dies als Einbildung ab, und es schien, als solle er damit
Die Sonne hatte ihren hchsten Stand lngst berschritten,
aber noch immer ritt der Kriege
Dandamars. Sein Weg fhrte durch Wlder, verschneite Step-
flohen vor der Nhe des Bitterwolfs. Meist bekam Mythor nur
Spur ab. Aus der Nhe erkannte
er dann, da es die Abdrcke
von Pferdehufen waren. Mehrere Tiere waren hier zum Teil
hintereinander geritten worden, weshalb er nur schwer auf
ihre wirkliche Zahl schlieen konnte. Aber es mute sich um
die Gesuchten handeln.
Aufpassen, Hark! rief Myth
or dem Bitterwolf zu, der un-
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mittelbar neben ihm lief. Wir sind ihnen um einiges nher
gekommen. Vielleicht lagern sie irgendwo vor uns, und wir
holen sie im Lauf der Nacht noch ein.
Das Tier blickte ihn aus klugen Augen an. Der Wolf konnte
zwar nicht verstehen, was er sagte, wohl aber glaubte Mythor,
Die Entfhrer waren wahrscheinlich Sklavenhndler aus
Kleidung, der Weg, den sie g
ewhlt hatten und der durch un-
tagelang unterwegs sein mute.
Bsche und niederes Gehlz sumten die Spur. Wiederholt
fand der Krieger abgebrochene
ste. Die Bruchstellen waren
frisch, keinesfalls lter als vom frhen Morgen. Das Harz, das
sie abgesondert hatten, klebte noch zwischen den Fingern.
Lautes Bellen lie Mythor aufsehen. Hark war ihm voraus-
einem Busch mit groen gelben Frchten, die zwar ebar aus-
sahen, jedoch von fingerlangen Dornen umgeben waren. Ob
Schon war Mythor im Begriff weiterzureiten, als sein Blick
auf ein winziges Stck Fell fiel, das an einem der Dornen hing.
Es war lehmgelb mit einem schwarzen Tupfen. Wahrschein-
lich hatte der Bitterwolf ihm das zeigen wollen.
Mythor erinnerte sich nur zu genau. Nottrs Beine waren von
den Hften bis hinunter zu den Kncheln mit dem Fell einer
Bergkatze verwachsen, das ihm Behendigkeit und sicheren
Lauf verleihen sollte. Dies hier sah genauso aus. Wir sind auf
Nur wenig spter fand er ein Stck schwarzen Samtes. Ho-
rus verschwand ber ihm im
wolkenverhangenen Himmel,
und der Bitterwolf huschte mit der ihm eigenen Geschmeidig-
286
Das Gelnde wurde hgeliger und stieg steil an. Die Spur
Sie verlor sich schlielich auf steinigem Boden, der fast schnee-
frei war. Dafr bogen sich die
Bume unter der schweren Last,
die auf ihren sten lag.
Aus der Ferne erklang das Heulen des Bitterwolfs. In vielfa-
chem Echo hallte es durch den
Wald. Mythor hatte Mhe, zu
bestimmen, woher es kam. Er entschied sich
dafr, nach links
Aber Pandor weigerte sich pltzlich, dem Schenkeldruck
Folge zu leisten. Er schttelte nur unwillig die Mhne und
scharrte mit den Hufen zwischen den Steinen.
Wieder erklang der Ruf des Bitterwolfs. Drngender, wie es
schien. Mythor empfand dabei das unbestimmte Gefhl, als
Doch Pandor zeigte sich noch immer strrisch und schnaub-
gen Hochebene, ber die ein ei
siger Wind wehte. Es schneite.
hang, der es schwermachte, sich
zurechtzufinden. Weit im
Hintergrund sah Mythor die Mauern alter Bauwerke aufragen.
Unweit vor ihm kauerte Hark
zwischen zwei mannshohen
Findlingen und lie sein
Mythor verhielt mitten im Schritt, zgerte, strmte dann a-
ber mit schnellen Schritten weiter.
Beim Schrei des Bitterwolfs
Erlebte er hier ein Stck sein
er eigenen Vergangenheit? hn-
lich mute es gewesen sein, als man ihn gefunden hatte. My-
287
thor fhlte sich sofort zu dem
Jungen hingezogen, der ihn an
Das Kind, das ngstlich und vllig verstrt auf den groen
grauen Wolf blickte, der vor ih
Seine dunkle Hautfarbe pate ebensowenig in diese Gegend
wie das Gewand, das es trug: Der Fallensteller Vormen hatte
Als Mythor nher kam, sprang der Junge auf und rannte da-
von. Der Krieger konnte ihn nicht zurckhalten, denn er ent-
wischte durch den schmalen Spalt, den die beiden Felsblcke
Hark verstummte. Aber dann ging Mythor auf das Gemuer
zu, in dem der Junge verschwu
nden war, und der Wolf be-
gann laut zu knurren. Drohend
zog er die Lefzen hoch und
scheuchte ihn mit einer unwilligen Handbewegung zur Seite.
Mythor wute, da der Wolf ihn warnen wollte. Indes war
s wichtiger als eine mgliche
peitschte Mythor entgegen. Was er fr die Ruinen einer all-
Ein Geheimnis schien diesen
Ort zu umgeben. Mythor
Ruhe und Frieden umfingen ihn. Alles war fremd und doch
gleichzeitig so vertraut, als habe er schon immer zwischen die-
sen Sulen gelebt, die Schutz und Wrme versprachen. Hier
schien es keine Gefahr durch die anrckenden Caer und die
Mchte der Schattenzone zu geben. Aller Hader zwischen den
Vlkern, Krieg und Ha verblaten zur Bedeutungslosigkeit.
Mythor fhlte sich von einer unwiderstehlichen Macht ange-
288
Er glaubte die Stimme einer Frau zu hren, weich wie
Fell einer Schneekatze, berauschend wie ser Wein und sinn-
Sofort dachte er an das Bildnis der unbekannten Schnen. Er
holte es unter seinem Wams herv
or und schaute es lange und
nachdenklich an. Ihre Augen strahlten in einem verheiungs-
vollen Feuer. Ihr langes, wallendes Haar wirkte wie der Schein
Wenn er nur ihren Namen gekannt htte!
Mythor war berzeugt davon, da er dieser gttlichen Frau
begegnen wrde. Ganz nahe war die Erfllung seiner Trume.
Irgendwo im Inneren des verfa
Wieso hier? Weshalb nicht an ei
nem anderen Ort, der ihr ange-
messen gewesen wre?
Mythor drngte die lstigen
Gedanken beiseite. Das Perga-
ment in seiner Hand zitterte. Aber es war nur die freudige Er-
Ganz deutlich war es in seinem Kopf:
Klangvoll und
schn. Mythor wute, da dies ihr Name war. Leise murmelte
er ihn vor sich hin, ganz dem
Zauber des Augenblicks erlegen.
Er folgte der Stimme, die ihn rief. Das Tosen des aufkommen-
den Sturmes hrte er nicht mehr, nur noch den Klang seiner
Schritte, der von den Sulen ringsum widerhallte.
289
Der nchste MYTHOR-Band
Nun ist es Mythor doch gelungen
: Er hat die drei ihm verspro-
chenen Zaubertiere gewonnen.
Mit Bitterwolf, Schneefalke
und Einhorn begibt er sich auf
die Suche nach seinen gefange-
nen Gefhrten. Ihre Spur hat er mittlerweile gefunden. Doch
scheint diese in die Fnge eines geheimnisvollen Ungeheuers
In der Zwischenzeit mehren sich die Anzeichen dafr, da
die freien Lnder des Nordens sich unter der Fhrung Uga-
liens zu einer gemeinsamen Front gegen die Caer zusammen-
schlieen. Auf Burg Anbor laufen die Verhandlungen der
knftigen Bndnispartner. Doch die Krfte des Bsen halten
keineswegs still. Anschlge werden verbt, Verrat ist im Spiel,
und sogar der Erzmagier des Lichtknigs von Ugalien steht im
Verdacht, aus der Schattenzone seine Befehle zu erhalten.
Als Mythor zu der Versammlung stt, sind sein Mut und
seine Tapferkeit erneut gefordert. Der Zusammenschlu der
Die weiteren packenden Abenteuer des jungen Helden der
Lichtwelt knnen Sie im folgenden dramatischen Band der
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