Drachenschwester — Marion Zimmer-Bradley


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Drachenschwester
Magische Geschichten VII - Drachenschwester
Herausgegeben von Marion Zimmer Bradley
Aus dem Amerikanischen von Wolfgang F. Müller
Fischer Taschenbuch Verlag
Drachenschwester
Marion Zimmer Bradleys Sammlung umfasst
15 magische Geschichten mit dem
vorherrschenden, für die Schwert und Magie-Lite
ratur eher atypischen Hauptmotiv der Frau
als Kämpferin und Heldin. Die Frauen schwingen ihre Schwerter mit Charme, List und
Marion Zimmer Bradley
Berühmtheit erlangte sie vor allem mit ihren Sc
ience-fiction- und Fantasy-Romanen. Zu ihren
berühmtesten Werken zählen die Romane
Avalon, Die Wälder von Albion und Die Herrin v
on Avalon. Sie lebt mit ihrer Familie in
rion Zimmer Bradley wurde 1930
ngte sie vor allem mit ihre
Romanen. Zu ihren berühmtesten Werken zäh
Avalon, Tochter der Nacht, Die Feuer von Troia und Die Wälder von Albion.
Leitfiguren der von Marion Zimmer Bradley
mmer öfter auf. Neben bewährten und bekannten
eiterinnen von Marion Zimmer Bradley wie Diana Paxson,
Mercedes Lackey und Vera Nazarian gibt es wi
Geschichte zum Thema Der
Inhaltsverzeichnis:
Marion Zimmer Bradley - Einleitung
Stephanie Shaver
- Wenn es Mitternacht schlägt
Laura Thurston - Weggefährten
Mark Tompkins - Die Wolke des Bösen
- Eine Herzensangelegenheit
Deborah Wheeler - Die mit dem Wolf kämpft
Vera Nazarian - Ein Liebesdienst
Diana L. Paxson - Die Schwertsklavin
Diann Partridge - Heimholung
Mercedes Lackey - Der Talisman
Kathleen A. Varnado - Die Witwe
Gary Jonas - Wunden heilen
Nancy Jane Moore - Sankt Ge
Sue Isle - Ihres Vaters Tochter
Laurell K. Hamilton - Wintertod
- Die Kriegerin als Kindsmagd
Gary Herring - Der Falkinnenberg
Mary Frey - Wasserweisheit
I. F. Cole - Die zweite Melodie
Lawrence Schimel - Der dornige Weg zur Zauberkunst
- Schwere Berufung
Diane Burrell - Wintertochter
Stephen L. Burns -
Lynne Armstrong-Jones - Der Eid einer Kriegerin
Alison Brooks - Die armen Seelen
Ich frage mich immer mal wieder, wie ich bloß
auf die Idee kommen konnte, Schriftstellerin
wirklich nicht mehr weiß. Sicher, jeder Beruf
um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen,
sie sich. Man knapst sie vom Schlafe ab, we
nn man muss, oder hä
cht zum Kaffeeklatsch,
Rendezvous oder Tanzabend. Mir waren derlei
Dinge damals ohnehin nicht wichtig. Mein
erster Mann nannte meine Schriftstellerei immer
eine asoziale Krankheit; als ich in Texas
lebte, gebrauchte ich sie immer als guten Vo
rwand und bequeme Ausrede, wenn ich nicht zu
te Aussichten, meinen Sie? Wenn Sie einen
ihr Talent zu entwickeln?) – MZB
Trotz des Lärms, der in der Kneipe Zum Blutigen
Wenn es Mitternacht schlägt … ist eine Art Klagelied, das man singt, wenn ein Seemann dem
Wenn es Mitternacht schlägt, glühen hell die Sterne
die nächtliche Ferne,
Und ihnen folgt mein Herz ins Heimatland.
Wenn es Mitternacht schlägt, schleicht wie ein Traum
Die Stille tief ins Kastell und in den Laderaum,
Liegen die Schiffe still auf der wogenden See,
Und ihnen folgt mein Herz so voller Heimweh.
Wenn es Mitternacht schlägt, geht der Tod um,
Die meisten ohne Grab oder Ruhestatt
bestimmt auch keiner der anderen Anwesenden!
Es war nun drei Tage her, dass ich Scaz an de
r Theke hatte singen hören, und ich hatte immer
noch einen kleinen Kater. Um ehrlich zu sein:
Von den vergangenen Tagen war mir nichts in
Meine Hände erschlafften, ich ließ ihn los. „W
ann?“ fragte ich schließl
ich. „Was meinst du
mit Wann??“ Ich ballte die Hand zur
e schnell: „Oh! Du meinst
den genauen Zeitpunkt!“ Als ich nickte und ihm in
Die meisten ohne Grab oder Ruhestatt …
Wenn es Mitternacht schlägt, geht der Tod um …
Dann die nächste Zeile – an die ich mi
ch mühelos einfach so erinnerte …
Vergeblich auf der Suche, auf der Suche nach einem Zuhause.
Da drang Jorivs Stimme wieder
zu mir durch: „Es war Mittern
Wenn es Mitternacht schlägt …
Vorurteile können einem manchmal ganz sc
meinen Stärken!).
„Vergib mir, o Großes Oktogon, mein schreck
liches Vergehen einer Wunderheilung …“,
normalerweise in Ruhe lassen würden.“
„Das ist nicht meine Schuld. Du hast mir doch gesagt, dass man das Wasser jener Quelle
Bruder Orian war klein und ziemlich dürr. Er wa
r zwar im Gebrauch der Waffen geübt, aber
Großteil des Kampfes seinen angeheuerten
n nach seinem Bruder,
ging es um eine erhebliche Be
Nitza hatte nicht mitbekommen, dass sich die beid
en hinter ihrem Rücken gestritten hatten, da
sie ihre ganze Aufmerksamkeit dara
Aber die Nacht verlief ohne jeden Zwischenfa
ll. Nach dem Frühstück zog Gladriel ihre
Landkarte aus dem Rucksack. „Wir haben gest
würde lieber durch die Berge. Wir wissen ja
ganz einfachen: so zum Beispiel, dass sie nich
t auf dem neuesten Stand ist, oder dass noch
keiner lebend von dort zurückgekommen ist.“ „I
ch gehe kein Risiko ein“, bemerkte Bruder
Orian. „Ich sage, wir kehren um und erzählen
dem Rat, wir hätten seine Leiche gefunden, und
damit fiele das Erbe an mich. Und was ich sage, wird gemacht.“
„Aber wenn die nun hellsehen können? Unterneh
men wir noch einen ernsthaften Versuch.
Wir sind nun schon seit einem Jahr hinter ih
„Wir wissen zumindest, dass er in Stomal ist“,
„Ich fliege nirgendwohin. Was passiert, wenn mi
ch jemand sieht? In diesem Königreich ist
Zaubern streng verboten, selbst für Leute,
die mit einem Fluch belegt sind.“
„Dann bleibt uns nur der Weg durchs Gebirge. Die schnellere Route ist vermutlich sowieso
e Durchquerung der Berge, wobei si
„Gladriel“, flüsterte er sogleich, „versteck
wir verloren.“ „Ich verberge mich besser auch“,
murmelte Nitza ihm zu. „Sollten sie feindlich
gesinnt sein und meinen, mit dir allein leichtes
Nun verbarg sie sich mit Gladriel hinter eine
m riesigen Felsblock und spannte ihre Armbrust,
während ihre Gefährtin sich sammelte, um ihre Zauberkräfte zu mobilisieren.
Orian ging nun, zum Zeichen seiner freundsch
aftlichen Gesinnung, mit offenen Händen auf
die Händler zu. Der Anführer der Karawane trat ihm entgeg
en und fragte: „Fremder, was
führt dich so allein in diese Berge?“
bin auf dem Rückweg nach Stomal.“
Uns sind Gerüchte zu Ohren gekommen, dass
beschützten, mit dem Ruf „Da ist
Aber er und zwölf andere, Söldner und Händl
er, stürzten, wie von Zauberhand gefällt, zu
igen fünf Wächter z
schrecklich blutenden Beinwunde humpelte si
e auf die beiden zu, die Orian an der
Verfolgung des Kaufmanns zu hindern suchte
„Ich weiß es nicht.“
sen, ich weiß es nicht.“
„Bist du sicher? Ein Händler ko
„In dieser Richtung?“ fragte
„Überleg dir's genau.“
„Nach Osten. Aber zuerst müßt ihr nach Norden gehen.“
„Das gefällt mir schon besser. Wo biegt man nach Osten ab?“
„Ihr gelangt zu einem Bach. Durchquert ihn. Und nach einer
„Sehr gut, mein Freund. Zur Belohnung bekommst du den Dolch eures Führers.“
Damit drückte er dem eingeschüchterten Mann da
s Messer in die Rechte
en lehren?“
„Orian“, schimpfte Nitza, „laß nicht andere
die Schmutzarbeit für dich machen! Warum
sollen wir sie abschlachten? Sie sind harmlos. Au
ßerdem ist es feige, Wehrlose zu töten.“
ch: „Orian, Nitza hat recht. Ich kümmere mich
schon um unseren Gefangenen.“ Sie führte den
darauf mit ihm zu den anderen zurück. Er war n
un sogar willens, sie nach Stomal zu führen.
„Gladriel, was hast du ihm da
Nun, da der Kampf vorüber war, überfiel Ni
tza der Wundschmerz; er traf sie wie ein
an? Kannst du dir mal mein Bein ansehen?“
lt, wenn ich alle Welt durch Handauflegen
„Wenn wir auf Freunde dieser Leute da st
oßen und ich dann nicht kämpfen kann … wir
wissen doch alle, dass du nicht mit Waffen um
zugehen weißt. Du heilst mich, um deine
nicht freigebig mit Heilgaben oder anderen
Wohltaten. Andererseits: Wenn
eine seiner Gefährtinnen stürbe, müßte er das ganze
Unternehmen abblasen und würde vielleicht
nicht mehr lebend nach Hause kommen, denn
dieser Heimweg war sehr lang und gefährlich. Er flüsterte: „Vergib mir“ und legte beide
erkundigte sich Gladriel bei Sardok, wer im
hier kein Zauber wirkt.“ „Wenn das zuträf
e, wäre ich meinen Fluch schon los.“
„Laut einem anderen Gerücht soll sein Bruder durch Zauberwerk auf schreckliche Weise zu
Tode gekommen und er gezwungen worden sein
erschüttert, dass er jedermann,
„Natürlich sind sich diese Leute über die
„Natürlich. Ich würde dir nicht empfehlen, nach Stomal zu gehen. Du könntest deine Flügel
unmöglich verbergen. Du wurdest bereits von ei
„Das habe ich mir schon gedacht.“
sich bei seiner Zeitschätzung
die kleine Gruppe endlich vor den Toren von Stomal an. Sardok führte sie an, hinter ihm kam
bei der Erwähnung seiner kaum bekannten Sekte
nicht. Er fuhr also unbeirrt fort: „Das ist me
Nitza. Wir sind auf der
Suche nach meinem Bruder. Er ist zu großem Reichtum gekommen und hat einen Adelstitel
erlangt. Sag, ist hier ein Fremder ansässig,
Korellis nennt?“
e Hoffnung. Jemand nieste. Varsh
Nitza sagte mit übertrieben starkem südlic
hem Akzent: „Entschuldigt! Aber ich bin ein
wärmeres Klima gewöhnt.“ „Du hast doch gar nicht geniest“, bemerkte der Wächter scharf.
„Erspare uns die Einzelheiten. Wozu soll das nützen?“
Irgendwie erinnert er mich an die Art von Absc
haum, mit der sich mein Bruder so herumtrieb.
Jedenfalls hat er sich immer mit Magie a
„Was macht er dann in Stomal, wo doch hier di
e Zauberei untersagt ist?“ fragte Varsh Nitza.
„Du warst diesmal erfolgreicher als ich. Ich
diese Würfel gezinkt waren, kann
es aber nicht beweisen.“
iel eingebüßt wie ich und kannst nicht einmal
„Und da ich so ein miserabler Heiler bin, de
r nichts recht machen kann, wirst du wohl von
nun an nach dem Kampf leiden müssen. Wenn ich de
darum: Er würde seine Worte
bald vergessen, wie immer in
ja für einige Zeit verdingen und jemanden ke
Sie blickte hinab, nahm jedoch nichts wahr
entlangschritt. Am Ende des langen Flurs s
„Du wagst es, mit zauberischem Blendwerk vor de
Gladriel wußte, dass man sie streng bestrafen
würde, gleichgültig, was sie auch täte … Dass
man sie töten, vielleicht foltern würde. Od
er sie, wenn ihre Vermutung richtig war,
womöglich gar belohnen würde.
„Du bist König Korellis, Bruder von Orian, der Pr
Der König lachte. „Ich hab's doch gewußt, er
Und wie kommt es, dass du ihn kennst?“
„Ich bin Gladriel. Er hat mi
ch gedungen, damit ich ihm helfe, dich zu finden. Er hat
„Deshalb musste ich mich auch unsichtbar mach
„Wie das? Bist du denn kein menschliches Wesen?“
Bruder Orian vor dem Kö
„Das wäre auch besser für dich gewesen. Ohne di
geschafft. Aber du hast mir diese Große dort noch nicht vorgestellt.“
„Man nennt mich Varsh Nitza. Ich freue mic
h, deine Bekanntschaft zu machen. Dein Bruder
hat Gladriel und mir von dir erzählt. Wir wollte
n sehen, wieviel davon Wahrheit und wieviel
Zauberkünsten sehr bewandert seist. Wenn
dem so ist … warum ist dann die
Zauberei hierzulande verboten?“
storben. Laut ihrem Testament so
Geldvermögen, ihr Land, alles. Der Rat hat mich
ausgesandt, dich zu finden. Du kannst mit
mir kommen und deinen Erbanspruch gelt
end machen oder als König von Stomal
„Mit anderen Worten: Ich könnte auf mein Erbe ve
rzichten und hier in Stomal weiterregieren
oder Stomal aufgeben und jenes armselige Gut ei
nfordern, das die Eltern mir hinterlassen
haben. Richtig? Falsch. Ich werde mein Erbe
einfordern, Orian. Damit
Hände fällt. Denn du könntest das Haus und das
Land nicht halten. Du kannst beim besten
Willen kein Gut führen. Ich werde das Erbe
annehmen und meinen vertrauenswürdigsten
mir Tribut zahlen. Kaiser Korellis … Bruder,
du hast mir wahrlich gut
Tut mir leid, dass ich dich so enttäuschen muss.“
Als die drei mit einer versiegelten Botschaft Korellis' die Stadt verließen, beklagten sie
einhellig diese neueste Entwicklung der Dinge.
„Ein Hexer!“ murmelte Gladriel. „Deshalb
also hat er die Zauberei verboten. Weil er es
er. Er ist einfach zu eitel.“ Orian schimpfte: „Was fällt ihm ein! Er hat mir mein ganzes Leben
lang die Butter vom Brot genommen und sich da
rsh Nitza. „Wenn ich di
geschimpft oder mich über deine Heilkünste lust
ig gemacht habe, dann nur im Zorn. Es war
nie ernst gemeint.“
? Wenn ja, nehme ich sie an.“
„Ich frage mich, was wohl das Große Oktogon
davon hält“, bemerkte Gladriel. „Es ist über
nüber einem seiner Priester sicher sehr
Die Wolke des Bösen
ation. Zu den Autoren, deren We
besonders geprägt hat, zählen Clark Ashton Smit
E. Howard, Robert Bloch und Harlan Ellison. Am wichtigsten war für mich aber die
adley. Ohne ihre Ermutigung hätte ich mir
, Die Wolke des Bösen
zu schreiben
in New Jersey. Laut meinen Eltern ist Manhattan mein Geburtsort; aber mir haben
eindringliche und wiederkehrende Träume offe
Massachusetts, geboren wurde, auf dem Gipfel de
s Sentinell Hill. Gilt das nicht für uns alle?
„Wir leben auf einer friedlichen Insel der
Unwissenheit inmitten schwarzer Meere der
Unendlichkeit, und weit fortzureisen ist uns nicht bestimmt.“ aus: H. P. Lovecraft, Cthulhu
der Wolke des Bösen berichten und diese
meine Botschaft in abertausend Kopien übera
irgend jemand, der in den magischen Künsten be
Gesicht bekommt und liest, so da
Information versuchen kann, das schreckliche
Verhängnis aufzuhalten, das uns nun allesamt
llem wohl für mich, nun fürchterlich knapp wird,
ndes und der Geschichte (sollte irgend jemand
noch in der Lage sein, sich mit Geschichte zu
befassen, wenn dieser Alptraum zu Ende ist) –
die Ereignisse so umfassend wie möglich schildern, die dem Aufkommen jener fürchterlichen
„Diese Welt hier ist nichts für einen so jämm
erlichen Waschlappen wie dich“, sagte er, ohne
sich darum zu scheren, dass mir das Blut aus
meinen klaffenden Wunden in die Augen troff.
„Du bist leider nicht aus jenem Holz geschni
tzt, aus dem man Krieger macht, und kannst
verlockend für mich. Zum einen, weil mir die Chan
man mich drangsalierte und wie einen Ausg
Götter vorkam. Zum anderen, weil die Magie mich faszinierte; aus alten Legenden und der
in zur Zauberakademie auf. Meine einzigen
ungsangaben, die mir meine Mutter bereitwillig
gemacht hatte. Nun, im grausigen Licht der
hen Gefahr, die dem
ganzen Land droht, mögen meine Erinnerungen
Verständnis für meine Not; denn ich werde bald
e eine Kerze und muss
einer beim Magiestudium erwirbt, ist ja die, Te
wie modernen, mit einer unglaublichen Schnell
kurze Zauberformel, und schon fand ich mich am
Fuß jenes Kliffs wieder, auf dem sich die
Akademie erhob; sie schien nun böse und trau
rig zugleich auf mich herabzublicken.
Überraschenderweise empfand ich kaum Be
dauern über meine so jähe Verbannung …
sondern eher eine Art Erleichterung über mein
e neu gewonnene Freiheit, zu tun, was mir
beliebte. Aber was sollte ich denn tun? Wohin
sollte ich gehen? Sollte ich in meine Heimat
Khrali zurückkehren, um meinen
ihrem Sohn geworden war, um
mich vielleicht an jenen zu rächen, die mich
mißhandelt hatten? Nein, dachte ich, das würde
doch nicht viel nützen … Während ich noc
h weitersann, zogen am azurblauen Himmel
drohende schwarze Wolken auf, aus denen so
fort ein schwerer Regen brach, der meine
seidenen Gewänder durchnäßte (das war bestimmt
Klotes Werk!). Da fiel mir eine Zeile ein,
die ich in einem jener verbotenen Bücher ge
lesen hatte: „Wer von den Jüngern der Weißen
Magie verstoßen wird, kann immer im Schl
r Texte in meinem Gedächtnis hoc
die berühmte Niandra, die Großmeisterin der
ihrer Burg zu reisen, ist mir
bestimmt; unter ihren Fittichen die Künste der Schwarzen Magie
zu erlernen, ist mir vom Schicksal zugedacht.
Darum zauberte ich ei
aus dem Sand, schwang mich damit über die Sturmwolken und begann meine Reise zum
Schloß der legendären Hexe, wobei ich den Kurs
steuerte, den jene Bücher für meinen
endlich zu ihrem gewaltigen Obsidianschloß gelangte, das am Ufer einer endlosen,
schäumenden See auf einer steil aufragenden Klippe steht. Es war tiefe Nacht, als ich dort
ankam, und als ich das weitläufige Schloß m
it seinen unzähligen Türmchen und Giebeln,
Kuppeln, Glockenstuben und Tortürmen
in den smaragdgrünen, purpurroten und
drei Dreiviertelmonde aufsch
unglaublichen Kräfte, die von ihm ausgingen, f
ühlte ich mich von einer noch nie gespürten
Erregung überkommen. Da lenkte ich
meinen Teppich durch eines der offenen Fenster in ein
von Dunkelheit erfülltes Zimmer, in dem, wohl
kaum ganz zufällig, die Zauberin Niandra
harrte. Sie saß auf einem mit Edelsteinen be
Augen glommen hellgrün, ihre Haut hatte die Fa
rbe frischer Buttermilch, ihre Miene wirkte
nheit verzauberte mich so, dass
ich sie minutenlang nur anst
„Du bist also gekommen, Slonich
“, begann sie endlich, mit ei
ner Stimme so zart wie ein
Windhauch.
Verblüfft fragte ich: „Du w
ußtest von meinem Kommen?“
„Wir Schwarzen Magier wissen um viele Ding
e“, murmelte sie, erhob sich, schritt wie
schwerelos auf mich zu, nahm meine Hände
in die ihren, als ich von meinem schwebenden
gte sanft: „Komm mit mir.“
während die warmen Winde uns durch ung
eahnte, traumgleiche Himmel trugen.
Wir schwebten ewige Zeiten lang
über dieses zeitlose Wunde
rland, bis schließlich meine
Ich erwachte jäh in einer mit warmem Blut
gefüllten Badewanne aus schierem Gold und sah
Niandra splitternackt auf mir liegen. Den Tag zuvor
noch hätte mich die Vorstellung, in Blut
zu baden, mit unsäglichem Abscheu erfüllt, aber
nun, da ich so erschöpft dalag, empfand ich
nichts dergleichen, sondern fühlte mich von dem
Blut belebt, mit einer Kraft, einer Energie
erfüllt, die mir für mein ganzes weiteres Leben
zu genügen schien. Nun sind wir eins, flüsterte
Niandra, als sie mir zärtlich di
e bloße, blutnasse Brust massi
erte. Wir sind eine einzige
sanft geflüsterten Worten weihte ich meine
die Zukunft für mich wunderb
Die nächsten zwanzig Jahre meines Lebens habe
ich ausschließlich mit der Magierin Niandra
verbracht. Wir beschworen Teufel aus der Un
terwelt, verdammten unzählige Menschen zu
Erden gab; wir durchmaßen die Hölle und a
ndere dunkle Welten, stürzten Hunderte von
klärten mit Hilfe der Schwarzen
dunklen Geheimnisse des Universums. Während
unvorstellbar, unermeßlich großes Wissen, das ke
ines gewöhnlichen Sterblichen Hirn je
fassen könnte; mit Niandra als meinem Mentor
Kräfte beherrschen, die sich dem Verständni
s jedes normalen Menschen entziehen … Wir
hätten mit Leichtigkeit Welten erobern können, au
ch unser eigenes Land, aber derlei Taten
wären ein Nichts gewesen im Vergleich zu unser
Es war in meinem zwanzigsten Jahr mit Nia
ndra, an einem sonnigen, lieblichen Nachmittag.
Wir spazierten Hand in Hand den Sandstrand un
ter unserem Schloß entl
er Wissen verliehen, waren wir doch immer
noch Mann und Frau und empfanden mitunter
worden war, aus dem nassen Sand und rief erstaunt
aus, wie leicht sie doch sei. Wir stellten
Wir müssen herausfinden, aus welchem Land oder
Zeitalter das stammt“, sagte ich mit
einste Wissenselement verschlossen bleiben.“
„Dann komm“, erwiderte Niandra, „m
achen wir uns an die Arbeit!“
Wir brachten die Vase schleunigst in eines de
Niandra streckte ihm die Vase entgegen und spra
ch: „Utholon, wir riefen dich, um dir einen
Auftrag zu erteilen. Wir haben dieses merk
r, nahm die Vase behutsam entgegen und
verschwand im roten Licht.
nicht beantworten. Weder mir noch den Wesen, die ich eben befragt habe, ist diese
„Du nichtsnutziger, erbärmlicher Narr, du!
“ schimpfte Niandra und verwünschte ihn.
f und verblaßte – aber
zuvor riß Niandra ihm
noch schnell die Vase aus den Spektralhänden.
Tage verbrachten wir damit, Dutzende anderer
Wir eilten in die riesige unterirdische Biblio
thek, wo unzählige Schriften zur Schwarzen
Magie aufbewahrt wurden. Eine Woche lang sahen wir dort Hunderttausende von Büchern
durch und verglichen unsere Hieroglyphen mit dene
n in der Literatur. Aber wir fanden kein
Das konnte uns aber nicht entmutigen. „Wir werden nicht ruhen und rasten, bis die Herkunft
Vor allem von Kandra, der Göttin der Äonen, vers
prachen wir uns Hilfe. Um sie beschwören
zu können, brauchten wir das Blut einer Jungfrau. Ich machte mich auf die Suche und fand im
erforderlichen Beschwörungsformeln. Plötzlich
erglühten die Wolken
in gespenstischem
weißem Licht, und am nächtlichen Himmel
erschien das unheimliche, unsäglich seltsame
„Was wollt ihr?“ donnerte sie.
„Wir wollen wissen, woher diese Vase stammt“,
Zauberkunst“, flehte Niandra.
„Das werde ich nicht“,
antwortete die Göttin.
Vase geschrieben
ift birgt ja nur einen winzigen Teil des
Geheimwissens der Jangerronier, und da ihr zwei
erfahren, die niemand anderes wissen darf.
Aber mißversteht mich nicht: Was ich euch
Ihr dürft jenes Wissen nie anwenden, denn ihr
„Wir haben begriffen!“ rief ic
„Das ist ein unglaubliches Ritual“, bemerk
„Komm“, erwiderte Niandra und erhob sich eilends. „Wir werden es herausfinden!“
„Hast du Kandras Warnung schon vergessen?“
auch nicht das kleinste Wissenselement
Ritus gibt uns zu Wissen Zugang, dessen
Existenz wir nicht einmal ahnten.“
„Aber damit ziehen wir den Zorn der Göttin auf uns!“
„Das müssen wir riskieren!“ sagte Niandra,
kam zu mir und ergriff
meine Hand; der feste
Druck ihrer zarten Hand beschwichtigte mich
… weitaus stärker, um genau zu sein. „Denk
! Wenn wir die Geheimnisse der
tter werden. Hör, mein Geliebter … wir haben die Chance,
eine Macht zu erlangen, die selbst unsere Vo
rstellungen übersteigt. Du willst mir doch nicht
Sie sah mich mit ihren hypnotisch funkelnde
an, dass mein Widerstand allmählich
„Wir werden das Ritual vollzie
und ergriff die Vase. „Man muss es bei Sonnenaufgang tun, und
der läßt nicht mehr lang auf sich warten.“
hinab und begannen mit der Vorbereitung des Rituals, das
so verwickelt war, dass es unsere ganze Aufmerksamkeit und Sorgfalt erforderte. Wir
rekapitulierten gemeinsam Kandras Angaben, ma
lten mit unserem eigenen Blut komplizierte
Symbole auf den Boden und stellten dann in ge
nau bestimmtem Verhältnis dazu fünfzehn
Als nächstes mussten wir diesen groteske
n Dämonenkopf auf den Mund küssen, was wir denn
wir seltsame erstickte Schreie, die aus
dem Krater im Fußboden kamen, Schreie, die ni
cht aus den Kehlen gewöhnlicher Lebewesen
stammen konnten.
Plötzlich fiel ein unheimliches grünes Licht aus dem Loch, stieg aus dessen unfaßlicher Tiefe
Es war eine bernsteingelb
Die Wolke verharrte eine Ze
itlang über dem abgrundtiefen Krater, und wir, die wir wie
abwesend den mysteriösen Satz weitersangen,
Nun schwebte das schreckliche Wesen langsam au
steinlicht pulsierte,
Als ich nun beim Flug über die schäumende See zu der in Trümmern liegenden Burg
zurückblickte, begriff ich, dass wir beide mit
dem monströsen Ritual dem Bösen Tür und Tor
des Lebewesen zu verschlingen, das ihnen
Da nahm ich all meinen restlichen Verstand
zusammen, wünschte mir eine Rolle Pergament
und eine Gänsefeder und begann rasch, diesen Brie
f zu schreiben. Sobald ich damit fertig bin,
jede mit Zauberflügeln versehen und dann den
Winden anvertrauen, damit die sie in alle Winke
n. Ich verleihe jedem
dieser Briefe die Gabe, andere Jüngerinne
machen, und hoffe, dass wenigstens eines mein
er Schreiben einem fähigen Hexer in die
Hände fällt, einem, der das darin festgehalt
ene Wissen in mir unbekannter Weise nutzen kann,
um diese schrecklichen Wolken vielleicht doc
h noch daran zu hindern, sämtliches Leben auf
Erden auszulöschen. Nun, da mein Teppich mit Windeseile zu irgendeinem unerreichbaren
Ort des Trosts und der Zuflucht fliegt, wird
mir so richtig klar, welch scheußliches
Verbrechen Niandra und ich begangen haben. Wi
Dinge eingelassen, auf die sich niemand einla
werden jeden im Land treffen. Mir fehlen die Worte, um das Grauen und die Scham zu
beschreiben, die mich erfüllen … denn ich
über mein Land gebracht, und von dieser Sünde wi
rd mich keiner je freisprechen können.
O Schreck! Eine Wolke folgt mir mit rasende
r Geschwindigkeit. Sie kommt rasch näher …
Fratzen, die in ihren Schwaden zucken … Sie
ist zu schnell für mich, ich kann sie nicht
abhängen … Sie wird mich bald verschlingen … o welch furchtbares Los! Ich sehe Niandras
gequältes Gesicht in der Wolke … ach, sie schr
ihr sein …
mir meinen eigenen Verlag kaufen.
erweise.) Sie streife
gerne Hausfrau ist, wird wohl kaum Schriftstellerin. Ich habe damals aus der Not eine
Tugend gemacht und meine ersten Texte auch mal auf der Spüle geschrieben. – MZB
„Vascha. Hast du erfahren, warum Dako fort is
t? Warum mein einst ge
treuer Burgvogt mich,
seinen Lehensherrn, verraten hat?“
„Ja, mein Herr.“
„Wegen einer Frau?“
„Ja, mein Herr.“
„Sie muss eine Schönheit sein … sonst hätte er seinen Lehenseid wohl kaum gebrochen.“
Vascha schluckte, hob dann ihre warmen bra
unen Augen und trotzte seinem kalten Blick.
„Und sie liebt ihn?“ höhnte der Herzog – wie du
darauf stehenden Strafe wagte, ihm seinen ge
treuesten Diener abspenstig zu machen! Denn
die Burgvögte waren in allen Herzogtümern di
hn vermutlich“, sagte Vascha mit zitternder
Stimme.
„Dako muss für seinen schändlichen Verrat büßen
! Es wird ihm seine Freiheit vergällen,
wenn du mir das Herz dieser Hündin bringst!“
„Willst du mich auch verraten, Tochter? Willst du
deinen Eid als meine Leibeigene brechen?“
In seinen Worten lag eine r
„Das möchte ich ja nicht, mein Herr und Ge
„Du hast geschworen, mir zu gehorchen“, besc
seinem Buch zu.
das. Tochter? Ursula, ihre Mutter,
„Hast du deinem Vater sagen können, was er wissen wollte?“
„Ja, Mutter. Aber nun soll ich ihm das Herz de
r Frau bringen, der Dakos Liebe gehört.“
Ursula erbleichte. „Dann musst
„Du bist eine mächtige und kluge Hexe, Vascha.
mit nun ebenfalls bebender Stimme.
Für einen Augenblick sahen Mutter und Toch
ihrem Gemach war, trat sie
ans Fenster und sah niedergeschlagen auf die grünen Felder hinab. Ihr schauderte beim
dieses Raums einnahmen. Auf ihren Wink schweb
te ein riesiger, kaum benutzter Band vom
hatte, mit einem sanften Hauch geradewegs zu
m Fenster hinaus und schlug den Buchdeckel
hm sich kaum die Zeit, die Kerzen anzuzünden,
auten Pergamentseiten drehten sich ganz von
selbst um – bald schnell, bald langsam, je
sie einen kurzen Triumphschrei aus. Sie ließ
Der Herzog nahm die Schale, starrte auf den
blutigen Klumpen, den sie barg, warf sodann
„Dann lebt das Weib also noch?“
„Ja, Vater, aber sie kann nicht mehr
so einen Weg gefunden, meinen
du hast jede meiner Proben bestanden.“
seinen Schreibtisch und fuhr fo
Vascha atmete langsam aus, bevor sie – wie
umdrehte und ohne Hast den Raum verließ. Sie
blickte aus ihrem Fens
üchige Stimme und an alles, was er ihr zwei
wert sind. Zu diesen Autoren zählt Deborah Wheeler, die es sogar geschafft hat, eines meiner
Ich habe im Laufe der Zeit so viele Wolfsgeschichten in
h sie nicht drucken kann, der Mühe des
widerstehen, sie auch meinen Lesern vorzulege
Die mit dem Wolf kämpft
Was würde der Rat mit ihr machen? Sie flußabwär
ts verkaufen, wie der Meister gedroht hatte,
nachdem man sie dabei erwischt hatte, wie sie,
anstatt zu arbeiten, am Fenster der Wächterin
horchte? Oder sie so mit Arbe
it überhäufen, dass ihr gewiß keine Zeit mehr bliebe, sich über
Bijara atmete tief durch und stra
so groß wie ein Mann, hatte breite Backe
nknochen und rötliches Haar und stach damit
lern ab. Als sie, halb verhungert und vom
Verlust ihrer Familie verstört, nach Meata gekommen war, war es ihr wie jeder andere
Waldhandelsplatz vorgekommen: als ein scheinba
r sicherer Ort, der in Wahrheit nur mit
Duldung der Wölfe existieren kann. Nachdem
sie den größten Kummer überwunden hatte,
war ihr aber aufgegangen, dass die hiesigen Wölfe zwar ebenso wild heulen konnten wie die
im Süden, aber niemals, auch bei Vollmond nich
t, in das von seinen schwachen Mauern nur
schlecht geschützte Meata einbrachen. Den Frem
den, die durch den nahen Wald zu reisen
sie beim Unterricht der Prüfli
nge belauscht hatte, um irge
en Hinweis bekommen hatte. Sie erinnerte sich
merken müßt, ist: Wer sich verteidigt,
unterliegt. Kampf gegen Wölfe?“ Sie war wie
mit Kräutern und Zwiebeln für das Mahl des
Geräusche im nur noch
ihr. Da hatte Akheer mit ihrer
trockenen, ruhigen Stimme ihren
„Was sollen wir denn dann tun?“ fragte der S
ohn des Schmiedes und kreuzte die muskulösen
Arme über der Brust. „Einfach dastehen und uns
töten lassen? Zu sagen:
uns aber in Vollmondnächten se
„Bei allem Respekt …“, sagte
da ein stämmiges, krähengesi
der deutlich machte, dass sie die alte Frau fü
r blöde hielt, „wie kann man von uns erwarten,
mit den bloßen Händen gegen Wölfe zu kämpfe
nie mit Stahl zu Leibe zu rücken, wo unsere Messer doch so scharf wie …“
Ihr Blick war auf sie, die am
Fenster Horchende, gefallen.
Das nächste, was Bijara wahrgenommen hatte
verrunzelte Gesicht der alten Frau gewesen, die geschrien hatte: „Ho
lt den Meister! Darüber
muss ich mit den Ältesten reden …“
n der Wächterin die Straße entlang und schwor
sich, dass sie, wie hart auch immer man sie je
tzt bestrafte, niemals aufgeben und weitersuchen
würde, bis sie das Geheimnis des Wolfskampfs ge
die Augen. „Ich möchte dich zu meiner
willst. Du kannst jetzt entweder mit mir
kommen oder zum Rübenhacken zurückgehen.“
„Du wirst mich nicht … ich werde nicht … bestraft?“
„Nur, wenn du vorhast, die ganze Nacht hier
draußen rumzustehen und zu quasseln!“
au ins Haus. Am nächsten Morgen fragte sich
„Du sprachst über … die Wölfe“, erwiderte Bijara
in ihrer Brust. Wenn die Wächterin ihre wahre
„Aber du sprachst vom Kampf gegen Wölfe“, entf
sie nie angreifen.“ „Du kommst
aus dem Süden. Dort sind di
leichen. Aber in Meata ist das anders. Wir
halten den Vertrag ein. Auch hier greifen die Wö
lfe an, aber nur in ih
rem Revier und zu ihrer
Zeit. Im Wald, bei Vollmond. Ja, wir beschützen
„Kannst du denn mit bloßen Händen gegen einen Wo
lf kämpfen?“ fiel Bijara ihr ins Wort.
Akheers Augen wurden wieder stumpf.
„Und ihn töten, wenn es sein muss. Das ist ein blutiges Geschäft. Ich wünschte mir, ich
Hoffentlich nicht so oft. Aber du musst immer darauf vorbereitet sein.“
Blut … Bijara schwanden fast die Sinne vor Rachsucht. Wolfsblut an ihren Händen … und
überall in den Schneewehen tote Wölfe … so
steifgefroren, wie die Leichname ihres Vater
unden hatte, Auge um Auge, Zahn um Zahn …
Der Winterwald weckte zu vi
… die selbst das monatelange
Bijara hatte seit der Sommernacht, da Akheer si
e vom Ratssaal in ihr
das Einmaleins der Wolfskunde so emsig gelern
t, dass sie es im Schlaf hersagen konnte, und
täglich viele Stunden lang elementare
Kampftechniken, wie Tr
standzuhalten.“ „Es muss doch eine einfachere Möglichkeit geben herauszufinden, ob sie
angreifen werden“, murrte Bijara und ging
mit raumgreifenden Schritten durch den
die ist doch einfach! Die Wegste
re. Nur Mikkel, der Nußsammler. Er ist heute
. Wenn der Nußsammler irgendwo hier draußen
war, würde er die Wölfe anziehen. Sie sah si
ch schon mit einem riesigen Grauwolf kämpfen,
sah ihn zu ihren Füßen zusammenbrechen, sa
ausströmen … Sie wäre am liebsten gerannt,
um all das schneller Wi
rklichkeit werden zu
Waldes ihre Glöckchen vernommen hatte. Bijara
einem unförmigen Kaninchenfell-Parka, die an
einem umgestürzten Baumstamm lehnte. Als
sie zu ihm laufen wollte, hi
elt Akheer sie am Ärmel fe
e in dem Dunkel rings um die kleine Lichtung
Akheer zog sie auf die Lichtung und kni
Bijara sah verblüfft zu ihm hinab. Sie hatt
Nußsammler!), aber er war so jung wie ihr näch
stälterer Bruder an jenem Tage, als die Wölfe
kamen. Das vom Schnee reflektierte Mondlic
lte rauhen Backen erkennen konnte. Er
„Böse verstaucht“, murmelte die Wächterin. De
langsam näher, den Kopf tief und die Ohren
flach angelegt, und knurrten warnend. „Das
Leittier?“ fragte Akheer, ihr dumpfes Grollen übertönend.
„Der weiße.“
„Gut. Wann gehst du ihn an?“
„Ich verkürze die Distanz“, zitierte Bijara ihre Lehrerin, „wenn er die Angriffsposition
bezieht.“
Das Rudel blieb stehen, wie im Schnee festgefr
Bijara spürte ihren Herzschlag kaum mehr, so
Wolfs, schwarz umringt und schräg gestellt,
sah seine spitze Schnauze und jedes seiner
em durch seine Nüstern pfeifen und hörte sogar
machte einen tiefen Ausfallschritt auf ihn zu,
Der Wolf blieb stehen, hob die
dich zurück!“ zischte A
kheer. „Du hast schon gewonnen.
Zwinge ihn nicht …“
Bijara hörte die Warnung nur unde
utlich. Ihren in Kampfpose halb gebeugten Körper fühlte
sie nicht mehr. All ihre Sinne waren auf das Tier
Er will mir die Kniesehnen durchbeißen! fuhr es Bijara durch den Kopf. Sie wirbelte herum,
erwischte ihn mit einem kurzen Hieb an der Schl
äfe. Der Wolf jaulte auf, überschlug sich und
n stürmten vor. Die Wucht eines schweren
n. Gebogene Zähne senkten sich in den Ärmel
ihrer Jacke und suchten nach ihrem Fleisch. Üb
Akheer wie einen Tornado umherwirbeln –
so schnell und so geschmeidig, dass die Wölfe
Wild mit weit offenem Schlund röchelnd, warf si
ch der Wolf nach hinten. Seine Genossen
heulten im Chor, und Bijara war
plötzlich allein im Schnee.
Sie brauchte einen Augenblick, um zu begreifen,
langsam und unter Mühen auf. Sie wußte, dass
warf sich neben ihm auf den Bode
„Akheer, nein …“, flüsterte sie immer wieder
und legte ihre Arme um diesen wunden,
zerbrechlichen Körper. „Sie hat mit dreien
von ihnen gekämpft …“, murmelte Mikkel.
Dann ich also nur mit dem einen, dachte Bijara,
n, flatternden Atem der alten Frau. Da legte
r Herzschlag stockte und sodann gleichmäßig
an einem Knie die
sie mit ihrer Kräutermedizin verhindern,
dachte Bijara, aber wieder heil machen
kann sie die mit keiner Medizin der Welt.
Sie sprang auf, da ihr der Wolfsgestank so zu
Kopf stieg, dass sie kaum mehr atmen konnte
… Die Augen tränten ihr vom Mondlicht. Mi
deine Sache gut gemacht, für einen Anfänger,
und wirst eine großartige Wächterin abgeben.“
Licht weckte Bijara – das Licht des Vollmonds,
das Licht der Wegsteine, die sie auf Akheer
„Ich bin hier!“
Bijara und rannte los. Um eine von mächtigen Eschen gesäumte
Wegbiegung kam ihr ein einsamer Reiter auf sein
er Apfelstute entgegengeprescht. Auf dem
Zaum seines Pferdes und dem Heft des leicht
gekrümmten Langschwerts, das er schwang,
funkelte kostbares Mondmetall.
„Verdammte Unzucht, Mädchen!“ schrie er
und riß seine Stute hoch. „Was zum Teufel
machst du hier draußen?“
„Ich bin die Wächterin! Steck dein Schwert ein!“
s Dunkel beiderseits des Wegs. Sie machte vier Wölfe aus,
darunter ein schlankes Weibchen mit grauer Schnauze. Das Leittier, schwarz wie die
nderen. Sie hatten sich noch nicht zum Angriff entschlossen
„Hast du noch nie von der Wächterin von Meata gehör
t? Solange ich hier bin, hast du nichts
Das Rudel hatte derweil den Ring enger gezoge
n, der kohlschwarze Leitwolf Angriffsposition
bezogen. Bijara ging Schritt um Schritt auf ihn zu
. Ihr blieb keine Zeit. Sie suchte in ihrem
it der Schulter, als der Mann es mit den Sporen
Schwert gleich einem silbernen Schemen da
sprang zur Seite, wohl zweimal so schnell wie de
r weiße, gegen den sie gekämpft hatte. Er
Die Stute kippte mit zerfleischtem Hals röchel
Reiter mit, der Bijara ebenso inbrünstig verfluchte wie den Wolf, und verdrehte ihm dabei ein
dass er nicht wieder hochkam.
Bijara kochte vor Wut über den sinnlosen Tod
wo sie am Anfang gewesen waren, ehe dieser Tö
Mondlichter geschimmert hatten, glühten wie
und um seinen Körper wogte
eine gespenstische, rö
tliche Aura. Der Wolf schien sich einzukrümmen, zu schrumpfen, dann
wieder zu wachsen, anzuschwellen. Bijara glau
mer länger wurde. Die Proportionen stimmten nicht mehr – der
Kopf war zu schmal und das Vorderteil zu ma
Wiesel und Stier.
Was hatte Akheer gesagt? Wenn je jemand eine Stahlwaffe gegen sie richten würde …
Sie wollte mich warnen, dachte Bijara, mir de
utlich machen, warum wir die Wölfe von Meata
Ding, das zuvor ein Wolf gewesen war, senkte den Kopf
übrigen Wölfe zogen ihre Schw
änze ein, rollten mit den Auge
wußte Bijara, dass der Wolf noch lebte: im Inne
der Schwertkämpfer hinter ihr. Wenn sie den bö
Die Wölfe wären ihrem Zugri
„Weiche, Dämon! Der Wolf ist mein!“ schr
ie Bijara. Das glutäugige Wesen wandte ihr
langsam sein Gesicht zu. Aus seinem weit offe
Hinterteil spannte sich zum Sprung.
Noch ehe der Dämonwolf springen konnte, schoß B
unten am Kinn, schlitzte sie ihm das weiche Kehl
gewebe auf. Die Wucht ihres Tritts ließ den
sich in der Luft, verdreht wie eine Ka
Bijara wußte mit traumwandlerischer Sicherheit,
hoß vor, als der Dämonwolf geräuschlos zum
Als sie auf den Wolf unter sich
starrte, glomm die rote Au
ra noch einmal auf und erlosch
ren Blick. In ihnen war kein Flehen mehr,
sondern nur noch ein stilles Sichfügen. Der Wolf
hatte sich damit abgefunden, sein Leben
unter den Händen seiner geschworenen Feindin auszuhauchen.
„Ich werde dich töten … wann es mir beliebt.“
Damit ließ sie seinen Kopf los und brachte
sich mit einem Satz in Sicherheit. Der Wolf
blieb noch für ein paar Augenblicke keuchend im
mpelte hinter seinen
ins Dunkel, ohne sich noch umzusehen.
Bijara strich mit der Hand über das verführerisch
„Der Händler hat mir erzählt, wie du mit dem
Wolf gekämpft hast und dass du ihm das Leben
geschenkt hast. Ich habe mich also
„Du sagst das nur, damit du niemand andere
n ausbilden musst. Weil du nicht … beim
nächsten Vollmond hinausgehen kannst. Ich kann
das für dich machen, für eine Weile. Ich
kann die Ausbildung für dich übernehme
„Was nicht?“ fragte die alte Frau ruhig und se
Monate verheimlicht habe? Dass ich nur geblie
„Ich habe dich von Anfang richtig eingeschätz
allein aus ihrem Pflicht
gefühl die Kraft schöpfen, diesem Ru
del Jahr um Jahr die Stirn zu
für den Kampf gegen Dämonen sei?“ fragte
Bijara spürte seine pulsierende Wärme auf ihre
einem inneren Feuer. Ihrem inneren Feuer.
Steinmauer und starrte zum Wald hinüber. Sie sah sie mit halb
Lichts. Ruhelos den Wald dur
Ein Liebesdienst
ch ein menschliches Herz im
Leib. Eine Seele, sagte man, hätten ihr die Götte
r verweigert. Ihr Herz – dieses zerbrechliche
Organ, das der Sitz der Gefühle sein soll –, ih
r Herz, oder was immer sie in der Brust trug,
hatte Faelittal zerbrochen, zermalmt und zu Stau
eiskalten Beherrschtheit, Gelassenheit und w
achen Intelligenz zur ersten Großexekutorin.
n zu ihrer gar nicht so kleinen Schwester mit
Lyksandias hatte viele Liebhaber. Das war
einige Jahre zuvor gezwungen gesehen, einem
s Gatten Lyksandias' erlangt, sann aber auf
hloß, an dem Mann ein Exempel zu statuieren.
Sie ließ seine noch warme Leiche auf eine öffe
Nacht und des Todes um. Der ab
zierte ein noch nie gesehenes Symbol – der
m Emblem der Großexekutorin. Und an jenem
Tag köpfte Faelittal mit einem langen, schimmernden Schwert den Leichnam des Verräters.
Mit der Zeit gab es noch mehr solche Ge
berühmt für die seltsame Eleganz und Ruhe,
mit der sie den Verurteilten den Tod gab.
ihr Leben. Andere traten in Würde und Gelasse
durchs Schwert verurteilt – und zwar einen bei
Hof wie beim Volk sehr beliebten jungen
Adligen. Er war aus guter Familie, dachte aber
liberal und hielt mit seinen Ansichten nicht
hinterm Berg. Und das war ihm zum Verhängnis geworden.
Der Jüngling hieß Remialt und gehörte zum Haus
gewesen – die ihn aber begehrt haben musste,
wie Faelittal aus ihrer seltsamen Reaktion auf
seine öffentlichen Schmähungen schloß, mit der er ihre königliche Autorität in Frage gestellt
Gerüchte machten nun die Runde, der Hof war in heller Aufregung. Das war wirklich ein
Denn der Blick, den Remialt ihr aus seinen
rechtschaffen. Sie fragte ihn daher mit ihrer sa
nften Stimme, von der sie nur selten Gebrauch
machte und die zu hören nur ein paar privilegie
wahr, Mann, was du sagst? Bist du denn überzeu
gt davon und stehst du noch immer zu deinen
Worten?“
„Ja“, erwiderte er mit fester Stimme und sah
ihr ehrlich und funkelnden Blicks in die Augen.
„Ich stehe immer zu meinen Worten.“
Die Königin bewilligte dem ältesten Sohn des
eine Woche, sich auf seine Enthauptung vorzubereiten.
Am nächsten Tag trug der halbe Hof Trauer. Es gä
rte in der Stadt. Die Mitglieder der Familie
Kellen gingen umher wie lebende Tote: Was für
über ihr Haus gekommen! Gerüchte, böse
Gerüchte, trugen den Funken der Empörung
überallhin. Jene, die sich mit derlei auskannt
„Die Wahrheit …“, flüsterte man einander z
u. „Er hat doch bloß die Wahrheit gesagt!“
Mund nahm. „Mein Sohn wird sterben. Oh, waru
sich mit der Lüge abfinden?“ Da
ließ ihn der Ärger über das lange Warten sogar
Empörung und Wut, und er
wollte aufschreien und sie rütteln. Denn sie stand wie eine Bildsäule vor ihm, mit
Ihm wurde plötzlich klar, dass er bei ihr nichts
erreichen würde, was immer er vorbrächte und
wie inständig er sie auch anflehte.
„Ich bin gekommen“, hob er
verlegen und schon entmutigt an, um dich um meines Bruders
Leben zu bitten. Um zu hören, o hohe Frau,
„Sein Leben zu schonen?“ unterbrach sie i
hn. „Wisse, dass ich nur
den Befehl meiner
Schwester ausführe. Warum wendest du di
ch also an mich statt an sie?“
warum denn? Chiarn zögerte,
als ob ihm der Gedanke nie zu
vor gekommen sei. Dann begann
nken: „Vielleicht, weil ich me
e! Hab Mitleid mit meiner Familie. Im
Namen aller Götter, nenne mir deinen Preis!“
Er wartete auf ihre Antwort, meinte in ih
rem Gesicht ein leichtes Lächeln zu sehen.
„Mich hat noch nie jemand umstimmen können. …“,
„Armer Junge, bei
mir hast du kein Glück! Du bi
st gekommen, mich um sein Le
längst klar war, wie meine Antwort ausfallen wü
dein Stolz ließ dich glauben, dass ich deinen Wo
rten nicht widerstehen und mich deiner Bitte
nicht verschließen könnte … Weiß
t du denn nicht, Junge, was für ein Mensch ich bin? Weißt
ine Gefühle, kein Herz habe?“
Hatte ihre Stimme ironisch gekl
ungen ? Aber Chiarn war so vom
nicht mehr zu sagen gewußt hätte.
„Dann sei verflucht, tausendmal verflucht!“ schr
ie er, wie um den dicken Kloß in seinem Hals
loszuwerden, wie um ja nicht in Tränen auszubrechen.
„O ja, du bist eine Bestie, eine Dämonin! Aber
ich fürchte deine Wut nicht, das laß dir gesagt
sein; ich werde dich nun mit eigener Hand töten,
damit du siehst, dass ich kein kleiner Junge
mehr bin, sondern ein Mann!“
„Ach so …“, erwiderte sie fast gelangweilt. „I
ch habe dich also beleidigt. Dann los, Mann,
töte mich doch … wenn du es kannst!“
Chiarn faßte jäh nach dem schmalen, funkel
nden Dolch unter seinem Gewand. Aber ehe er
quer durchs Zimmer zu ihm, umklammerte mit
ihren warmen Fingern sein Handgelenk und
eder los, als sein Wutschrei verklungen war.
am ganzen Körper zitternd, langsam auf die
Knie und schluchzte, wie von Krämpfen geschüttelt, und schrie: „Mein Bruder … Oh,
Remialt, mein lieber Bruder!“
sich herabgebeugt, strich ihm,
mit seltsam abwesender Miene, über sein weic
Ihre Stimme war ohne jede Bosheit, aber seel
umklammerte dann mit beiden Händen ihre Bein
e und preßte sein Gesicht und seine Haare an
„Frau …“, murmelte er, an seinen Worten fa
Da ist eine edle, schöne Frau, die noch diesen He
rbst die seinige werden will. Da ist so viel,
was er noch tun möchte, für seine Familie … fü
r mich. Wie früher, ich weiß es wie heute …
zur Erntezeit sind wir immer zusammen ausger
itten, und er schenkte mir knackige Äpfel, die
nach Herbstsonne schmeckten, und … oh, wie er mi
Buben waren … Und einmal, ja, ich erinnere mich
… er lächelt ja zumeist, aber … da habe
Unsere Mutter lag im Fieber. Sie ist beim
Ein Schluchzen nahm Chiarn den Atem, alles um
„Armer Junge“, sagte Faelittal
Chiarn fühlte neue Wut in sich aufsteigen.
Ungläubig, mit Augen wie Vulkanen, sah er auf
und starrte zu ihrem fernen, in Dunkel gehüllten Gesicht empor.
„Liebst du … denn überhaupt nichts? Liegt dir de
nn gar nichts am Herzen?“ flüsterte Chiarn,
der vor Empörung nicht mehr schluchzte.
Die Scharfrichterin erwiderte sanft und gelassen: „Ich liebe die Wahrheit.“
„Und die Königin? Sie ist ja de
ine Schwester, liebst du sie? Was würdest du tun, wenn man
sie zum Tode verurteilte?“
Für einen Augenblick meinte er, ihr Gesicht zu
ester enthaupten. Bei den Göttern!“
„Ja. Nur ich … aber du …“, sie hielt inne, als ob sie sich für irgend
widerte Chiarn. Er s
pürte eine Furcht in
sich aufsteigen.
…“, begann er auf gut Glück.
h. Wenn du mit dem Dolch schnell
„Die richtige Art? Es gibt also eine … ri
chtige Art zu töten?“ fragte er mit bitterem
Sarkasmus. Aber ihre Antwort ließ ih
m das Blut in den Adern gefrieren.
„Ja. Es gibt sie. Als Großexekutorin wurde
und der Art seines Verbrechens … oder noch
besser gesagt, wegen seiner persönlichen
einen Kloß im Hals fühlte.
nicht, Chiarn Kellen, du seist umsonst gekomme
n. Denn durch dich ist mir klargeworden, wie
dein Bruder sterben muss, um richtig zu sterben.“
Ihre für ihn unverständlichen Worte klangen in
ihm nach, während er nach Hause ging. Später
äch immer dunkel gewesen war und
Am Morgen des Hinrichtungstages stand Faelittal – wie immer vor ihrem Auftritt – auf der
hohen Palastmauer. Tief unter ihr, auf dem Plat
Jemand stieß Chiarn an und flüsterte ihm zu
: „Warum sie das wohl jedesmal macht?
ick noch immer über die Menge schwei
Lyksandias erinnerte sich nun, wie merkwürd
Hinrichtungen immer gefühlt hatte. Warum dach
te sie dann nie daran, ihnen fernzubleiben?
Was trieb sie denn, doch herzukommen? Die sonst so leise sprechende Fa
elittal rief nun mit
schallender Stimme: „Höre, Remialt, Erbe des
Hauses Kellen! Bist du bereit zu sterben?“
Der Verurteilte zuckte nicht mit der Wimper. „I
er laut, ja trotzig. Nur Chiarn sah die tiefe
Müdigkeit in seinem
Menge, ein paar Schritte von ihm entfernt, bega
nn ein Mann mit zitternder Stimme bitter zu
klagen. Als Chiarn darin die Stimme seines al
ten Vaters erkannte, wollte ihm das Herz im
r nicht mehr gedacht. Remialt, der droben auf
dem Schafott die Klage ebenfalls vernahm, zuckte zusammen.
hrheit gesprochen!“ Dann jedoch, von Wut und
Leidenschaft übermannt, rief er all den Umst
ehenden zu: „Ich wiederhole es: Lyksandias,
ihrem Treiben ein Ende zu …“ Da schlug ihm ei
ner der Wächter so derb ins Gesicht, dass er
verstummte. Aber Faelittal hob drohend die beha
von ihm ab.
illzustehen, nicht zu existieren. All seine
Verzweiflung, Wildheit, Rechtschaffenheit – ja,
seine ganze Seele schien in seinem ruhigen
„Komm, o Mann. Tritt je
ob es dann beidhändig zum Hieb.
Remialt war – mit leeren, empfänglichen Auge
Lautlos köpfte Faelittal ihn. Lautlos fiel sein
führte sie die Klinge, dass sein kopfloser Rump
in Klagen aus. Der Bann, unter dem diese
Menschen seit dem Morgengrauen gestanden ha
erlöst und frei und begannen daher – um sich zu
beweisen, dass sie wieder einen freien Willen
besaßen – Schreie, Ausrufe, Seufzer oder sons
Chiarn fühlte sich endlich von dem Beobachtung
dem Morgengrauen ja so gewünscht hatte).
Um nicht von der Verz
gann er nun, sich zu seinem alten Vater
durchzukämpfen, um den sich schon der Rest der Familie scharte.
rem Thron. Ein Gefühl, das sie
ss sie sich nach jeder Enthaupt
ihrem innersten Sein zerrissen. Und doch, dieser
würdig, wie sich die Aufmerks
amkeit aller nun jäh von ihr, dem
Leichnam und dem Schafott abwandte. So war es
immer nach Enthauptungen – es gab keine
Hochrufe und keine Forderungen nach weiterem Blutvergießen. Nie. Wenn es vorbei war,
hatten alle den Wunsch, die Hinr
Als Faelittal sicher war, dass niemand mehr
erin, tief Atem und fühlte, wie
alle Emotion und Empfindung auf den zarten, sterilen Schwingen der Wahrheit in ihr
Lungen kühlte und von ihrem Schwert noch immer fris
lte sie, mit Tränen in den Augen.
Einer der Wächter, die unter ihrem Kommando st
anden, bedeckte mit routinierten Griffen den
Toten. Aber Faelittals Tränen versiegten nich
t, als sie den nicht lä
hatte – sie hatte seinen
schon zuvor, mit dem Blick in seine Augen, sach
t durchtrennt. Sie hatte in ihrem Gespräch
mit Chiarn genug über den Verurteilten erfahren, um das auf die richtige Art vollbringen zu
e erfahren wird, wie sehr er mir geholfen
Ja, sie empfing immer die Verwandten eines Verurt
Dazu war das Publikum da, die Menge. Sie wu
rde mitexekutiert – die Königin ebenfalls …
Aber warum, könnte man fragen, nahm Faelittal
das alles auf sich? Wieso ertrug sie die
Launen, die Tyrannei der Königin. Es wäre so vi
el leichter, Lyksandias' finstere Herrschaft
entmachten, hinzurichten …
lbst das Amt einer Großexekutorin versah, lag
Dennoch weinte sie um Lyksandias. Denn di
Male, ihre Seele, die sie um einen so hohen
Seele, und damit auch
Manuskripte erfahrener Autoren, bei denen ich
im voraus weiß, dass sie die Mühe und Zeit
des Lesens lohnen.
Familie von Schriftstellern
Die Schwertsklavin
„So, das dürfte den Schmerz stillen …“
ihrem Arm mit kühler
rümpfte wegen des Pfefferminzgeruchs die Na
se. Die Lampe schwelte und zischte und warf
rawanenlagers zu ihr herein – das Wiehern
Taras hellblaue Kutte, die sie als Novizin des Mondmütter-Ordens auswies, ließ Shanna an
damals war sie mit Bercys Karawane unter
seltsamerweise, diese Reise zu Ende zu bringen.
verändert. Gelänge es ihr nicht, Janos zu
finden, wären fünf Jahre des Kämpfens und
Umherziehens umsonst gewesen. Schaffte si
Thron erwarten? Und wü
noch Heimat sein?
Als Tara das Salbentöpfchen mit einem Stöps
el wieder verschloß, stand Shanna auf.
„Es tut wirklich kaum noch weh. Man könnte mein
Zelttür. Als sie die Klappe beiseite fegte,
Dem riesigen Pelzumhang nach, der ihn größer wi
Klinge seine Haut ritzte, fluchte er mit
südländischem Akzent und stürzte erneut mit
geschwungenem Schwert auf sie los. Ein jäher
sah drei Schemen, die sich zwischen sie und
rlich. „Chai! Beim brennenden Wagen … Zu
mir!“ Sogleich schoß die Falkin auf lautlosen
festgestampfte Erde.
nahe bei Bindir, zu schaffen? Es kamen immer
mehr … Sie drängten Shanna zur Koppel ab.
Jemand hatte die Pferde losgeschnitten. Das
eie der Kämpfer. Da sah Shanna ihre Stute
Calur im Gewühl und pfiff ihr. Das treue Tier
hob den Kopf. Shanna blickte sich um und sah
Bercy und ihre Söhne Rücken an Rücken kämpfen. Als sie versuchte, sich zu ihnen
den Weg. „Bercy, nimm
Shanna holte behutsam Luft. Die Pritsche,
te sie ihren Körper wieder. Durch die Decke,
auf der sie ruhte, stachen ihr Strohhalme in
skalte Last. Als sie sich mühsam auf einem
Eine Woche lang aß sie, was man ihr gab,
behandelten ihre Ware pfleglich. Shanna wußte,
dass sie erst nach ih
rem Verkauf die Flucht
Man sagte ihr, ihr neuer Herr sei Lord Irenos
Aberaisi, ein Fürst von Mesith, dessen Familie
au, die hinter dem niedrigen Holztischchen
jenem Schirm Stoff rascheln hörte, und da wußt
rstummte aber, als hi
nter dem Wandschirm
gedämpftes Lachen erklang.
er nicht! Aber ich muss
mich, wenigstens eine
Zeitlang, gehorsam zeigen … Damit nahm sie das Gl
as und trank es aus. Sie fragte sich im
stillen, ob ihr Widerstand nicht schon eine I
llusion sei. Hatte dieser Wein nicht einen
merkwürdigen Nachgeschmack? Langsam dämmerte
„Ich heiße Ti …“, begann das Mädchen förmlic
sodann leiser fort: „Du darfst dir nicht anme
rken lassen, dass du mich kennst. Man mag hier
dahin. Shanna fing an zu be
Irenos' Jagdkatzen und scheinbar taub, wenn
die Leute hinter ihrem Rücken tuschelten.
Geflüster, Gewitzel und Gekicher entgehe ihr?
Lord Irenos hatte neben seiner Gemahlin noc
h drei rechtmäßige Konkubinen, die aus adligem
Hause stammten, und dazu ein Dutzend Lustskla
bekommen oder beim
als kaiserlicher Gesandter aus einer Laune
so muskulöser, stahlharter Leib wie der ihre
je ein Kind empfangen und austragen könne, oder
sie gar mit einem Begriff titulierten, der soviel wie Mann ohne männliche Geschlechtsteile
verflucht hatte, blieb sie ruhig. „Ich habe sie
gezähmt …“, pflegte die Lady zu sagen. Sieh doch
nur, wie sie da an der Tür steht, wie eine
ich, Sklavinnen mit fester Hand zu führen! Und
Eines Abends, als der erste Monat ihrer Gefangenschaft hinter ihr
lag, probte Shanna im
s Schwert glühte und funkelte im Licht der
Figur, eine Finte, bei der man die Klinge
rasch hinter dem Rücken herumführt und dem
hließlich den schrägen Aufwärtshieb, mit
dem man einem Mann das Bein hart an der Lende abschlagen kann. Nur das leise Zischen des
blitzenden Schwertes und ihr leichter Tritt wa
kommene Harmonie von Körper und Klinge ließ
Ein schärferer Sinn als das Gehör alarmierte
agerte, senkte sich die rasiermesserscharfe
führte die Bewegung zu Ende, ließ sich noch
einmal von ihrem Schwung um sich selbst
rnd, dem Kleinen in die weit aufgerissenen
ene Olanthblüte auf und hielt sie ihr mit
den Worten hin: „Köpfst schöne Blumen!“
Er war pummelig und blond und noch zu jung, um
mehr als ein goldenes Kettchen mit Medaillon zu tragen.
Shanna erbebte: Sie sah förmlich seinen Kopf üb
er die verstreuten Blüten
Kind auch war, sie hätte es bemerken
müssen. Wie hatte sie bloß ihre Umgebung so
ausblenden können? „Weil“, sagte eine innere
daraus zu fliehen.“ Aber sie hätte um ein H
hsam lächelnd griff sie
Frau, die um den Olanthbusch
bog. Sie verstummte, als sie
dem Kind und packte es an der Hand. Ihrem Gewand und ihren
silbernen Armreifen nach war sie wohl keine zu
önchen. Vielleicht der Erbe … Wenn ich ihn
Die Frau preßte Tinus Hand so fest, dass er zu
das hatte ihr schon ihr Kindermädchen gesagt. Ein dünner Aufguß wirkt einschläfernd, ein
starker kann zu Lähmungen und zum Tod führen.
traumlosen Schlaf. Wie von selbst zuckte da
Träume von Dunkelheit … Alpträume … Shanna sa
floh vor dem Gestank des Saibelwurms, wande
rte durch die Wildnis oder zerrte an ihren
Harte Hände faßten ihre Arme
monen. Sie schlug nach
ihnen. Ein flammender
sich, blutrot. Die Tempelvorhänge stürzten
herab, und deren Stickereien – eine Wieder
sich in den Flammen. Wie durch ein Prisma sa
h Shanna einen Siegelring mit diesem Symbol,
Schlucken, „Shanna … bitte, du musst es versuchen!“ Die Dämonen schnüffelten an ihren
es sie, dass ihr fast die Sinne schwanden. Aber
allerdings jeder Muskel weh. „Shanna … trink
„Weil die Göttin noch Arbeit für dich hat“, er
widerte Tara mit strenger Stimme. Shanna war
zu schwach, um zu widersprechen, und schloß die
mit Sternen gekröntem Haar. Dann schwand auch diese
Wahrnehmung. Der Schlaf, in den sie fiel, war so
tief und traumlos wie jener, den sie mit dem
Beim nächsten Erwachen glaubte Shanna, wieder
im Sklavenkarren zu sein – bis sie spürte,
„Du bist also noch lebendig“, meinte die Fr
au mit fast boshaft zufriedenem Lächeln.
hmerzen mehr, aber auch keinen Funken Kraft
im Leib. Lebendig? Vermutlich ja. Aber so leer, so ausgehöhlt.
„Wo ist … das blonde Mädchen?“ Shanna biß sich
Namen der Kleinen ausgeplappert!
Die Frau lächelte von neuem.
„Du meinst die Hexe, die dir
Gift verabreichte? Ihre Zaube
, mich gezähmt zu haben, überlegte sie. Ich
e Fürstin, und ihre Seidengewänder raschelten, als sie sich auf
ihre Kissen niederließ. „Ich sinne auf Rache“,
end an. Shanna erwiderte den Blick, ohne mit
der Wimper zu zucken. Ihr war klar, welches
übrig? Tara wurde so streng bewacht, dass sie
nicht mehr davon lösen konnte. „Ich bin frühe
sagte sie mit einer Stimme, die in ihr die Er
innerung an ihren Schwur vor dem Altar von
Yraine weckte. „Überlaß diese Hexe nur mir,
auf dass ihr Wille geschehe.“ „Kann ich dir
auch vertrauen?„
Shanna legte die Rechte auf den Knauf ihres Schwerts. „Möge diese Klinge mich im Stich
lassen, wenn ich gelogen habe.“ „Deine Stimme
sagt mir, dass du die Wahrheit sprichst,“
„Es muss bei Nacht geschehen“, sagte Shanna
und dachte fieberhaft nach. „Und im Freien,
wo ich die Klinge schwingen kann. Laßt das
Mädchen sich zum Opfe
„Das ist auch nicht nötig. Es
kommt nur darauf an, dass ich
meinen Schwur erfülle.“ Lady
Shanna und legte die Hände zusammen, wie sie
es bei den Priesterinnen beim Ritual der Dunkl
wie der Nachtwind in den Bäumen. Aber sie
stand so unbeweglich wie der Altar, den sie im
Shanna runzelte die Stirn. Ihr mißfiel das
– aber wenigstens war nicht das ganze Haus
war froh, dass sie es nur mit dieser kleinen
Plötzlich schimmerte rotes Licht durchs nasse
„Im Dunkeln sät man den Keim des Lebens!
Ins Dunkel schickt man des Lebens Funken!“
Shanna gebot den Wächtern mit einem Wink, die
sie einst im Saibeltempel gehört hatte. Als die
Wandelt der Geist auf den Wegen der Toten …“
e? Die Gläubigen wiegten si
im Schoß der Großen Mutter …“ Das ist nicht
einmal gelogen, dachte Shanna,
rgessen, dass die Göttin auch
Herrin des Lebens ist. Der Wind frischte
Wird wiedergeboren zu seiner Zeit, Und das Gericht der Großen Herrin
Kommt so sicher wie das Morgenrot.“
„Mondmutter!“ flüsterte Tara. „Laß mich noch
einmal dein Antlitz schauen, offenbare mir
deinen Willen!“ Niemand rührte sich mehr.
Dann hob jäh der Wind an zu sprechen. Shanna f
ühlte eine seltsame Wärme, ein Kribbeln in
ihren Gliedmaßen, als die Wolken aufrissen und
und wütend, und sofort stürmten zwei Männer vor.
n Blut sie zu trinken bekommt …“
und schleuderte einen Altarstein ins Dunkel. Eine Frau schrie
jämmerlich. „Verräterin! Saibel wird di
ch vernichten!“ zi
„Das hat sie schon einmal versucht …“, antw
Da tauchte vor ihrem Schwert Tinus verze
„Schnell, bevor andere kommen“, mahnte die
gelassen. Und ich bringe dich zum
Hospiz der Mondmütter, ehe …“
Die Göttin hat offensichtlich für uns beide Arbe
it, meine Liebe! Shanna verzog nur den Mund
s im Licht der Sternenherrin funkelte.
eibt Diann Partridge, und zwar alle bei Marion.
Woraus Sie zu Recht folgern können, dass ihre T
wohl darin, sich, wie meine Romanfigur Aratak,
der Vielfalt der Schöpfung zu erfreuen. – MZB

„Hier riecht es nach Hexerei“, warnte der Magi
er Eldrin mit einem Blick auf das Ladenschild,
die beiden jungen Damen an seiner Seite liebenswürdig an
und bat sie mit einer höf
Für die vier war es in dem kleinen, mit Kr
imskrams vollgestopften Laden schon recht eng.
e Hazan gereizt. „Vor dir steh
t Prinzessin Tandra. Sie wird
Mein Herr …!“ fiel Eldrin ihm ins Wort und hüs
„Nicht doch, Lord Hazen! Du erschreckst die alte
Dame ja“, sagte sie, blickte das Weib dann
aus großen blauen Augen an und fragte mit gewinnendem Lächeln: „Bitte, liebe Frau, willst
Herzchen. Ich musste nur noch einen tieferen Blic
k in deine Zukunft tun.“ Alles atmete auf.
„Ja und, was hast du gesehen?“ fragte Tandra barsc
uhr eine kurze Linie rings um den Daumen
entlang, „das ist deine Liebeslinie. Siehst du, wi
une wieder. Nach einigen we
iteren günstigen Voraussagen
Diese junge Frau will sich wohl gar nicht die
Zukunft weissagen lassen, dachte die Alte bei
jungen Dame aus? Wir haben nicht den ganzen
Tag Zeit, schlaf also nicht ein!“ Die Wahrsagerin beugte sich tiefer über Sarsais Hand.
„Hm, ich sehe da ein langes Leben. Aber es
re meergrünen Augen funkelten. Der Perlvorhang
klirrte, als ob ein Windstoß durch den Raum
ihre Hand, murmelte noch einige düstere
Prophezeiungen und lehnte sich dann abwartend zurück.
Die Prinzessin hüpfte beinahe mit Sarsal fröhl
und trat mit ihr in diesen und jenen Laden ein.
zufrieden in einem Spiegelscherben und drehte
sich dann stolz im Kreis, um sich von allen
bewundern zu lassen. Sarsal lächelte mit
hoben. Nun las sie die Silberlinge vom Tisch
und schlurfte zum Hinterzimmer.
Als sie durch den Vorhang, dessen Perlen sonn
n Raum trat, der weit
ihr graumeliertes Haar zeigte, ihre Lebensmitte
schon lange hinter sich hatte, aber noch immer
stark und geschmeidig war. Sie hielt einen Mo
ment inne und musterte
jüngeren Alters, die an einem Tisch
saßen und dem Würfelspiel frönten.
Würfel wieder einsammelte, fragte hastig: „Ist sie es, Zarka?“
„Wirklich und wahrhaftig, Reif, ja, ich würde sa
Kopf ein paarmal kreisen, um ihre Nack
enmuskeln zu entspannen. „Sie … hat das
lthrinz versucht ja immer noch, sich eine von
uns zu krallen.“ „Bei den Göttern im Himmel, de
„Es wird aber nicht leicht sein, sie wegz
ubringen. Hazen hat zwei Wächter bei sich, und
gen gehört, Canmal treffe in
nicht viel Zeit.“ Zarka schüttelte Reifs Hä
gleich holen und mit heimnehmen konnten!
elt sie ihm drohend die
„Warum hat man mir diese Heimholaktion aufg
„Weil, mein Herzchen“, erwiderte er im Tonfa
rechen. Seine Stimme
arsal ist die einzig Wahre, die si
„Apropos zu Werke, ich muss mal die hübsche Kl
besuchen. Ihr Mann ist dreimal so alt wie sie
und geht immer früh schlafen“, murmelte Reif
„Dann gehst du wohl auch aus?“ fragte sie
Krogha. Seine Bitterkeit machte Verlegenheit
Zarka warf Reif die Würfel zu
rück und mahnte: „Seid aber vo
r dem Abendläuten wieder da.
Ich möchte Sarsal heute nacht suchen. Dazu
brauche ich euch, und zwar einigermaßen
Die beiden zogen schnell ab, um weiteren beiß
enden Bemerkungen zu entgehen. Aber Zarka
nd jemand vielleicht mal euren
Nachwuchs heimholen muss!“
Es war spät, schon lange nach dem Abendläute
n. Zarka ging unruhig im Hinterzimmer auf
müßten schon längst zurück sein. Wo stecken
die bloß? Sie blickte aus dem Fenster. Der er
ste Mond war aufgegangen. Mit ihrem geistigen
noch lebten. Die Macht jener Berge war auch di
im Tal das nannten. Aber die Macht hatte ihren
Preis. Sie gab ihnen ei
sie aber mit Kinderlosigkeit. Wenn die Männe
r lange genug im Tal waren, vermochten sie
mitunter Kinder zu zeugen. Aber von denen schl
ug kaum je eines nach ihrem Volke aus.
Wenn sie jemanden wie Sarsal ersp
ürten, schickten sie Leute aus, sie zu finden. So lange wie
diese Frau war kaum jemand unentdeckt gebliebe
suchen müssen. Diese beiden Blödiane waren
hatten nur eines im Sinn und mussten immer wied
er an ihre eigentliche Aufgabe erinnert
te mit den Zähnen vor Wut. Sie war als Kind,
ehe man sie heimgeholt hatte, zu Lord Nelthrinz
ihr selbst heute noch Alpträume. Aber sie wü
zog sich vorsichtig zum offenen Fenster
empor. Als sie den Arm über den Sims hakte, sc
er da sich im Hause nichts
Eine schmale Treppe am Ende des Gangs z
og sie magisch an. Währ
wie Reif von draußen dort hoch gekommen sein mochte, huschte sie schon die Stiegen empor.
Als sie die Tür der vom Mond erhellten Dachka
„He, du solltest doch vor dem Abendläuten zurü
bewußtlos schlagen, Zarka. Reiße vom Laken
einen Streifen ab und feßle ihr damit die Hände, tust du das für mich?“
„Ich würde euch am liebsten beiden eins überz
iehen“, zischte sie, machte sich aber übers
Laken her. Reif umschlang die Krämersfrau, un
hart am Knöchel traf. Als noch mehr davon ri
ngs um sie niederginge
r Nachtwächter schlug Alarm!
„Es tut mir leid“, flüsterte Reif und half Zark
in. „Ich habe es verschlafen. Denkst du, du
kannst gehen?“ Zarka hätte liebend gern auf sein
„Damit kann ich nicht rennen, soviel ist sicher
nur ein einziges Mal mit dem Kopf statt m
ren Arm über seine Schulter
legte, damit sie sich auf ihn stützen konnte.
rn der Obergeschosse flammte Licht auf.
Zarka nickte mit zusammengebissenen Zähnen.
mmer mehr Lichter an.
Als der Nachtwächter mit seiner Laterne in ih
gebrochen. Ihre Knie waren zerschrammt. Den
Knöchel hatte es am schlimmsten erwischt: zw
gezerrt. Aber die magische Medi
zin war nicht eben ihre Stärke
, vor allem wenn sie weder die
Zeit noch die Energie dazu hatte. „Wir werden
ihn bandagieren müssen“, flüsterte sie Reif zu.
hinein. Beim Schein de
s schwachen Lichts, das
sie herzauberte, trennte er mit seinem sc
harfen Messer den Saum ihres Umhangs ab und
verband ihr damit den Knöchel.
Ihren Stiefel wieder anzuziehen, wurde für Zarka zur reinsten
Als sie endlich eine schwache Emanation empf
„Er muss bei einem Dienstmädchen sein“, wisperte
er, als Zarka in den Hof trat. Sie horchte
angestrengt und zeigte dann nach links, zum Ne
benflügel, in dem das Gesinde untergebracht
Im flackernden Licht einer bis auf einen St
Länge nach auf dem Rücken. Er hatte se
ine nackten, behaarten Arme unterm Kopf
Zorn stieg in Zarka auf und ließ sie ihre Schmer
Reif amüsiert grinsend an ihr vorbei und zu
Ihre Gegenwart frischte sein Gedächtnis umge
Energie darauf verschwenden musste, der
anderen Frau den Schlaf zu verlängern. Wenn ich
verlange ich, dass man alle Männer für alle Ze
weniger als nichts! Immer noch wütend, trat sie in den Hof. Ihr Zorn verrauchte erst, als
Trotz Reifs Hilfe kam sie nur
langsam und unter Schmerzen
Belastung ein bißchen mehr anschwoll. Als sie
endlich auf dem Dach waren, zeigte Reif auf ei
Zarka tief Luft und witterte. Diesmal war das
Glück mit ihnen: Sarsal schlief in jenem
Zimmer. Reif sprang, bekam den Sims zu fasse
Wahl hatte, als ihm zu folgen. Sie sprang
doch mit der verstauchten Hand ab. An einer
„Wenn ihr noch einen Schritt näher kommt, rufe
ich die Wachen“, sprach eine ruhige Stimme
hinter ihm. „Was wollt ihr hier?“
„Wir wollen dir nichts antun“, flüsterte Za
„Du bist die Alte aus dem Laden, nicht?“ er
kundigte sich Sarsal. „Glaube mir, wenn ich
en. Sie trat zu ihr ans Bett und
erklärte ihr mit wenigen Wort
en den Grund ihres Kommens.
„Ich würde gerne mit euch gehen“, erwiderte Sa
rsal leise. „Aber wie wollt ihr meine Fessel
lösen?“
s Arm ins Mondlicht und stocherte mit seinem
Schloß der Handschelle herum, bis sie mit einem Klicken
e Schelle und ließ sie wieder
Als sie sich von ihrem Lager erhoben hatte, zog
nhalten“, flüsterte sie. „Mache
Als sie still durchs Dunkel zum rückwärtigen To
Hund hinter sich. Diesmal entdeck
auf, krachte gegen eine Wand, und eine Stimme
sich höchst ungemütlich. Zarka schob Sarsal zu
Da nahm er Sarsal bei der Hand und rannte mit ih
r los. Reif faßte Zarka wieder unter, damit
sie nicht fiel. Ihr Bein war schon bis zum
Als Sarsal die beiden Soldaten durch die Hint
Fuß besorgt den Kopf, nahm sein Messer heraus
und schnitt ihr behutsam
begann Zarka, um sich von dem pochenden Schmerz abzulenken, der jungen Frau zu
meinem neunten Lebensjahr“, sagte sie dann, „d
ass ich die Leute auf diese Weise zum Narren
einmal demonstriert. Sie hat es ihrem Vater
erzählt, ja, und irgendwie bekam Lord Nelthri
nz davon Wind. Sie präsentierten mich dann in
einer Nebenveranstaltung des Fests wie eine
Mißgeburt, und ich musste meine kleinen Tricks
vor aller Augen vorführen … Wenn Eldrin mein
e Trugbilder nicht mit seinem Seherstein
langem fortgelaufen. Dann beschlossen sie,
mich Lord Nelthrinz zur Frau zu geben. Hazen
läßt mich nun, seit wir hier sind, für die Nacht
Sarsais Stimme klang so bitter, dass Zarka ihr
sofort durch den Perlenvorhang zur Tür, um nachzusehen, was
kleine Freundin wird vermißt … Ihr Mann der Krämer liegt Lord Hazels Wächtern in den
„Dann muss ich wohl wieder
als altes Weib hinaus“,
um die Kraft, dich hierher zu
gen wir alle auf. Er würde dich im
Handumdrehen entlarven. Nein, sie muss das mach
„Wir haben keine andere Wahl“, fuhr er fort,
„zumindest diesmal nicht. Sarsal hat gesagt, sie
könne sich verwandeln. Wir werden die Stadt
erst nach der Hochzeit verlassen können. Wenn
niemand aufmacht, werden sie die Tür aufbrechen und diesen ganzen Laden durchsuchen.
Zarka, du hast den Raum verzaubert, um de
geklappt, nicht wahr?“
„Warte“, rief da Zarka. „Vergiß nicht,
lich sein musst. Du musst ihre Art, zu gehen und zu reden,
en machen. Du darfst
an dich selbst denken. Das ist der ganze Tric
ist es mit deiner wie mit unserer Freiheit zu Ende.“
eckte, um den Perlvorhang zu
die durch das winzige Türfenster spähten, sa
hen eine alte Frau in zerlumptem Gewand
näherhumpeln. Sie schob den Riegel zurück und wu
rde, als sie hereinstürmten, fast von ihnen
“ krächzte sie laut. „Warum so stürmisch,
kunft vorhersagen zu lassen, nicht? Da seid
ihr bei mir goldrichtig, Leute. Niemand in dieser
Stadtfest um mehr als zwei Wochen. Aber
das mit der jungen Lady Sarsal, der Kusine
Geschichte. Es ist immer traurig, wenn ein so junger Mensch sterben muss. Aber solche
Dinge passieren nun mal. Was war schuld
daran gewesen? Falsche Ernährung oder
verseuchtes Trinkwasser? Keiner
gehört hatte; aber da war der Leichnam schon
längst eingeäschert. Der Prinz von Canmal fuhr
mit seiner schönen Gemahlin glücklich und
Mercedes Lackey hat seit Beginn unserer Zusammenarbeit jedes Jahr eine Geschichte zu

Sie hörte neben sich den Sattel ihrer Gefähr
"Du frierst immer …", brummelte Kethry, ga
ne Wolke war. "Außer wenn
ich vor Hitze sterbe. Wo sind wir? Ist das, wa
es sich um ein Hirngespinst?" "Mir fällt dazu
ein böses Wortspiel ein, aber ich behalte es
wohl lieber für mich", erwiderte Tarma, nahm
ihre Wegekarte aus
"Kein Gasthof?" fragte die Zauberin enttäuscht.
Tarma zuckte die Achsel. "Das ist wohl
Schicksal. Wir müssen eben sehen, dass wir
immer sein. Wenn das in Mournedealth nicht
t einmal die paar Münzen."
"Sicher … wobei ich mir aber leichtere We
"Hmmm", brummte Tarma ausweichend und sc
it mit meinem ExMann war doch um einiges
anstrengender, als mir lieb war."
Da Tarma darauf so schrill und laut lachte, da
ss es von den Hügeln widerhallte, entspannte
"Ich werde mich bemühen, dich das nächste
Mal zu schonen", sagte die Schwertschwester
und gab ihrer Kessira die Fersen, damit die si
te Tarma, "und in Bereichen, wo Ihre Ehre
"Außer wenn du der Stadtwache deine Vorstellung von «vernünftig» erklären musst!" sagte
"Ein Punkt für dich!" erwiderte die Shin'a'in gutmütig.
r jene eine Stunde, die ihnen die Karte in
Aussicht gestellt hatte –, um den kleinen Weile
r zu erreichen. Schuld daran war der Zustand
ht war wie der Hang, hatte Tarma, aus Angst,
dass die Tiere straucheln und sich die Be
ine brechen könnten, eine langsame Gangart
nem Ort namens "Töpfer" enervierend langsam
Die Zauberin war mit ihrem Schwert eng verbun
den, so eng wie mit ihrer Partnerin, und jene
Bindung hatte gar den Segen der Göttin, der Tarma diente. Das Schwert entlohnte ihre Treue,
indem es ihr alle Wunden, außer tödlichen, in
eine meisterliche Fähigkeit, es zu führen, ve
rlieh – was ihr hin und wieder erlaubte, Tarmas
Der "Ruf" Grams glich im Normalfall jenem hartnäckigen Druck, der Kopfschmerzen
denen es wirklich um Leben und
stark, dass er dem Schmerz zum Verwechseln
ähnelte. Tarma hatte di
Monaten ihres Zusammenseins offenbar zu lesen
genau in dem Augenblick zu ihrer Freundin
um, als die den Ruf Grams wahrnahm, und sah
"O bitte, sage, dass deine Miene dich Lügen st
raft", flehte die falkengesichtige Shin'a'in.
Tarma schüttelte resigniert den Kopf und richte
Tat! Noch als Tarma sprach, hatte sich von
dem Brunnenhaus eine di
ck vermummte Gestalt
gelöst, die zwar eher einem Bären als einem Mens
vom Alter gebeugter Mann erwies, der so knor
rig und verwittert war wie ein Gebirgsbaum
mütze barg, die so hellrot
"Guten Abend", grüßte er mit angemessen
friedfertiger Stimme, als die zwei in
Gesprächsweite zu ihm und den Bewohnern di
eses halben Dutzends von Häusern waren.
"Guten Abend", erwiderte Tarma seinen Gruß. Sie kreuzte dabei die Handgelenke über dem
vorn – stieg aber nicht vom Pferd. "Sag, Gevatter, welche
Art von Gastlichkeit könnten hier wohl müde
Reisende für ein, zwei Groschen erwarten?"
Tarma lachte, und unter dem Strohdach eines de
sich ihrer Haut wehren könnte
n, müßten Närrinnen sein."
erte der alte Mann und rückte näher. "Weißt du
Tarma überlegte einen Augenblick und
Tarma nickte, schien des Handels zufriede
"Aus einem leeren Wald kann ic
h kein Wild zaubern", gab Ta
rma zu bedenken, als der Alte
sie in einen geräumigen Schuppen führte, der bere
"Es gibt Wild, es gibt dort schon Wild … Ich würde euch doch kein Narrenwerk antragen. Es
rsicherte er und half ihnen, der Stute und dem
Tieren die Farnspreu, die schon den Boden bedeckte, genügen müssen.
Abendessen."
"Gleich nach dem Essen bekommen wir Besuch
Schlafdecken auf dem tonfleckigen, rohen
"… wir hier draußen am Ende der Welt leben?"
fiel Egon ihr ins Wort. "Der Ton, Frau. Einen
und den ganzen Winter zum Töpfern und den
brauchen wir mehr?"
Tarma lachte. "Nichts, verdammt noch mal!" Als er die Brauen hob und mit halb zahnlosem
Mund verschmitzt grinste, lachte
"An dir ist wohl mehr, als man di
r ansieht. Aber das hast du mi
r ja schon gesagt, nicht wahr?"
r Art stummem Gedankenaustausch
Sie drängten sich um die beiden Neuankö
mmlinge, waren freundlich und zurückhaltend,
stellten Fragen, waren aber auch gerne bereit,
Siedlung hier?"
sser. "Eine?" hakte sie nach. Er sah sie
mißtrauisch an. "Nun, sie gehört ni
cht zur Zunft. Eine Fremde, di
e sich vor drei, vier Wintern
hier niederließ. Sie hat mit uns nicht viel zu
schaffen, und wir auch mit ihr nicht. Eine der
unheimlichen Art." Nun blinzelte er bedächtig u
nd fuhr fort: "Sie macht manchmal Geschäfte
mit uns. Ich glaube, sie buddelt da draußen
in den Ruinen herum und verkauft uns dann
zerfressen, aber für unsere
Glasuren gut zu gebrauchen."
t an und kicherte. "Großer Kernos
Die Tür flog auf, und eine vermummte Frau st
olperte, wie vom Wind
Lichtkreis, sah sich blinzelnd um, rieb sich
die bleichen, feisten Wangen und zog mit ihren
schwammigen Armen ihren Pelzumhang fester um sich.
eser seltsamen Gestalt
Die Frau fuhr herum, starrte zwischen den Köpfen der Umstehende
r alte Egon, um seine Befangenheit loszuwerden, und murmelte:
"Es ist schon ein wenig spät, und wir müssen wied
…" Seine Verwandten und Zunftgenossen vers
tanden den Wink sogleic
waren Egon und die beiden Frauen allein mit ihrem Schweigen.
Dieses Schweigen zu durchbrechen, schien unmöglich. Nach ein paar halbherzigen
Ich habe mich immer gefragt, wohin sie nach ihrem Verschwinden aus Weiße Winde
gegangen ist. Arme Mara. Sie war so überzeugt
und sich dann aus dem Staub gemacht. Nie würd
Frage der Disziplin ist …
h immer nicht zu einem Schluß gekommen.
s Tarma sich für ihren frühmorgendlichen
Tarma schnürte weiter ihre Stiefel zu
"Da ist ein Bär in der Gegend."
opf und starrte den Töpfer an. "Ein was?
Bist du dir da sicher? Da
vös von einem Fuß auf den anderen. "Aber wir
haben ihn hier in der Nähe gesehen, vor nicht mehr als ein, zwei Tagen."
Tarma nahm sich die Zeit, ihre Schnürsenkel zu knoten, und erhob sich sodann mit todernster
eder hat er sich nicht genug Speck angefressen,
um den Winter durchschlafen zu können, oder es
ihn. Hirsch, Eber, sogar ein paar Kaninchen
Tarma prüfte jeden Pfeil in ihrem Köcher, bevo
r sie ihn an ihrem Gürtel befestigte, sah dann
m Tier damit keinen Gefallen, alter Mann."
hwierigkeiten macht, sind wir schon weit weg",
schloß sie und wandte sich halb zu ihrer Part
nerin um. "Ich werde wohl bis zum Nachmittag
hier, und dann brechen wir morgen
dir recht ist."
"Weidmannsdank, Grünauge!" Die Shin'a'in glit
i …" Da sahen sie einander an und lachten
gar nicht hinauswerfen, aber …
"Es ist wegen der Mara, Frau. Wie gesagt, sie
wühlt ja immer bei den Ruinen da. Und hat
scheint's was gefunden. Diese Ruinen, man erzä
und schluckte. "Wir … wir denken, dass Mara
i der Bär." Da nickte
er erleichtert. "Ja, genau. Wir glauben, da
"Du möchtest wissen, ob sie gefährlich ist?"
man ihr in der Magierschule gesagt hat. We
ißt du, weshalb die meisten Zauberer nicht mit
mit Illusionen arbeiten?"
Der Alte schüttelte stumm den Kopf. Sein faltiges Gesicht drückte tiefe Besorgnis aus.
büßt man nicht viel von seiner Menschenna
s nicht, und man verliert um
so mehr von seinem Ich, je stärker die
"Wir glauben, dass Mara schon ganze Tage als Bä
rin zugebracht hat. Sie macht nicht auf,
wenn jemand an ihre Tür klopft … nicht vor Sonnenuntergang", flüsterte der alte Töpfer mit
rauher Stimme.
Schon allein, weil Gram sich dazu nicht gebrauch
en ließe. "Ich will mit ihr sprechen", fuhr
zu dem Haus am Ende der Siedlung – das
hier, nur zum Wohnen
Die Fährtenmenge ließ vermuten, dass Mara in
ein Verhaltensmuster gefallen war. Und das
Ob man mit ihr vernünftig reden kann? überlegte
bereits auf den Zenit zu
n Tag dorthin. Aber wieso? Und
warum in Bärengestalt? Auf die Frage sollte
sie keine Antwort bekommen. Denn als sie um
die freiliegenden, verschneiten Wurzeln eines
umgestürzten Baumes bog, trat ihr aus dem
ne vermummte Gestalt entgegen
und verstellte ihr den Weg.
Es war Mara!
"Du!" schäumte die Kleine. "Du bist ge
kommen, es mir zu stehlen, nicht wahr?"
"Mara, Egon ist Handwerksmeister … Erbrauch
dämlichen Anhänger, um mich zu verwandel
"Oh, ja, ich erinnere mich an dich! Die liebe,
Alten dich … sie kommen zu mir, sobald ich
mich verwandle, und lieben mich und flüstern
mir ihre Geheimnisse …"
fürchterliche Wahrheit. Mara hatte sich wohl
stmals verwandelt und
n sie nicht verarbeiten
konnte, den Rest gegeben.
it sich überschlagender Stimme. "Er ist mein,
mein, mei …"
Der Wortschwall wurde zum Röcheln, die Stimme
tief, das unförmige Pelzding nahm eine
Gestalt an. Die Worte gingen in das Wutgebrüll
einer Bärin über, die sich menschenähnlich
Der Talisman war gar nicht zauberkräftig! Di
Die Bärin scherte sich nicht um den Zauber und
lich ist sie es auch.
hulter und bohrte sich der Bärin in die Kehle.
mit der Tatze nach dem Schaft. Schon gesellte
"Deinen nächsten Waldspaziergang", knurrte Ta
Die Shin'a'in nickte. "Ja, das dachte ich mir. Vo
r allem, als du ihr dein
scharfes Weisschwert
Gram nicht zu spüren gabst. Ich bin schon la
nge genug mit einer Zauberin unterwegs, um mir
ab und an selbst einen Reim auf so etwas zu
machen." Damit stupste sie den erstarrenden
Kadaver mit einem Ende ihres Bogens. "Wird
sie sich zurückverwandeln? Ich werde nicht
Als ich es zu ihm brachte, sah ich, dass du
e", erwiderte Tarma und blickte mit
zusammengekniffenen Augen zur Sonne empor.
Abschied nehmen und uns dann so schnell wie
möglich aus dem Staub machen?" "Hältst du
Mara ihre Hilfe angebot
ausgeschlagen. Hier zu bleiben, um des Mord
es – oder eines noch schlimmeren Verbrechens
eder lebendig machen. Es war ein Gebot der
Ablehnungsbescheiden bis zum Erbrechen
Die einzige Ausnahme ist die kurze Kurzgeschicht
Story, zudem eine faszinierende Figur aufweist. – MZB
sie immer nur "die Witwe". Sie und ihre
Tochter Maura lebten ruhig in einem Häuschen am Rande des Dorfes und zogen Kräuter und
Gemüse, die sie auf dem Markt verkauften.
brachten die Dörfler ihnen Wolle und Flachs,
herstellten. Die beiden führten ein zurückg
voller Musik. Wenn sie sangen, kamen die klei
nen Winde, um ihnen zu lauschen, und
brachten ihnen exotische Samen mit. Die Erde
lauschte ihrem Gesang und nahm die Samen
auf und nährte sie mit Freuden. Die Obstbäum
e, Kräuter und Rebstöcke lauschten ihrem
Gesang und durchliefen binnen eines Tages, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, einen
ingt herbei und erzeugten mit frischem,
klarem Quellwasser die schönsten Farben für ihre Stoffe.
Wer in bezug auf die Witwe und ihre bleiche,
zarte Tochter allzu große Neugier an den Tag
en, die unter den Schwachen
ht, der tot zu meinen
Füßen liegt – tja, nur ein Schurke macht sich
über ein allem Anschein so junges und hilfloses
Ding her. Er wird mich nähren, und ich werde blühen und gedeihen und meine Tochter
ernähren – so wie einst meine Mutter mich.
Ich gehe in dieses fremde Dorf, ein Haus n
ach meinem Geschmack zu suchen. "Ich heiße
will für mich und meine Tochte
werde ich mein schwarzes Kleid enger um mich
ziehen und zu ihnen sagen: "Ich bin Witwe."
r Regel ab, und das ist wohl einer der Gründe,
en für einen schlechten Witz sind.

nd sich von der Glotze unterhalten lassen.

von einem Drachen heimgesucht wurde. Der Bürg
ermeister der Stadt sandte also Boten aus,
damit sie eine hohe Belohnung für den auslobte
n auf dem Marktplatz. Als der Bürgermeister sie
einen Plan aus, wie er sie mit einer List
Drachen zu kämpfen.
"Ich bin gekommen, den Drachen zu töte
erwiderte sie.
Gut, dachte der Bürgermeister, ich werde sie da
zu töten, nur um ihr
"Wirklich?" fragte der Bürgermeister. "Wir in dieser Stadt tragen einer Frau aber keine
Männerarbeit auf!"
Schlachtroß. "Wenn das so ist, reite ich eb
Sprach's und ritt von dannen.
Am folgenden Tag fiel der Drache über die Stad
t her, verschlang den Bürgermeister und starb
an dem Magengrimmen, das dieser ihm verursachte.
Eines der wiederkehrenden Themen -ein neu
nd Varianten, die ich dazu Jahr um Jahr erhalte. Satt bis
obenhin habe ich all diese klischeehaften Ausf
ührungen, die unterstellen, guter Wille genüge,
um alles zu heilen, und die Liebe überwinde alle
s – obwohl die Umstände des Falles vielleicht
doch eher nahelegen, dass es nicht für a
lles und jedes eine leichte Antwort gibt.

alte Klischees. Kühler Realismus kann wie ei
ne frische Brise sei
an nichts mehr). Vielleicht gab ihm das ein Gesp
ür für das Fremde oder die Fähigkeit, leichte

ch. Konnten die das nicht begreifen? Lucinda
llt; die würden sie nicht wieder aufnehmen,
Der Wald trug seinen Namen zu Recht. Schwarze Schatten bedeckten den Boden. Nur hier
fast zuviel. Völlige Dunkelheit wäre ihr lieb
er gewesen, dann hätte sie wenigstens all das
Gehusche ringsum nicht wahrgenommen. Sie hi
elt den Atem an und spitzte die Ohren.
Knackte da nicht ein Zweig unter einem schwer
en Tritt? Waren sie ihr doch in den Wald
gefolgt? Nein, auch mit ihrem Vater an der Spitze würden sie es nicht wagen, in den
Wieder knackte es. Und da, ein Rascheln, wie
von trockenem Laub! Lucinda wirbelte herum.
Sie wäre am liebsten auf und davon und nach Haus
Plötzlich trat jemand zwischen den Bäumen
hervor auf den Pfad. "Du müßtest doch schon
Der Stimme nach musste er ein alter Mann se
"Wer bist du?" fragte Lucinda.
"Das gefällt mir schon besser! Komm näher, Mädc
isch aussah. Dafür wirkte er auch nicht mehr
halb so unheimlich wie zuvor. Aber er war von
rings um ihn knisterte vor Spannung, und Lucinda
ihr und diesem alten Mann eine Verbindung, ein
Lucinda schüttelte energisch den Kopf, um di
ese Stimme des Windes nicht mehr zu hören.
Aber die Stimme war in ihrem Geist. "Hexer
", sprach sie. "Was willst du von mir?" Er
"Ich weiß, dass du mich hörst."
"Wirst du schreien?" frag
cher … Aber das wiederum
beunruhigte sie. Sie musste wachsam bleiben,
vor möglichen Täuschungen auf der Hut sein.
Der Alte nahm die Finger aus den Ohren, grinst
e und trat nun ins Licht, damit sie ihn besser
lt, das bin ich bestimmt, aber weise? Da
kenne ich viele, die mir das absprechen würd
en. Ich bin hier, um dir ein Heim und eine
sehr glücklich zu sein."
"Wir alle müssen uns Bedürfnissen unterordnen,
"Sehr schön. Dann zu mir nach Hause? Du kanns
t bei mir so lange bleiben, wie du willst,
wohler. "Ich habe Hunger", erwiderte sie.
Das Heim des Alten war ein typisches He
xerhaus – außen klein und heruntergekommen,
innen riesig und mit vielen Rä
umen. Als er ihr sagte, sein
Dimensionalschleiern, nickte sie wissend, obw
– Sesseln, Tischen, einem Schreibtisch und Bü
cherregalen. Und überall, wo man hinsah,
eckchen, Bilder, Bücher, Fläschchen und Glasbecher mit
Der Fußboden war mit Haufen schmutziger Wäsche übersät, die von Stapeln aus
Papyrusrollen und Krimskrams umstellt waren.
"Ist es vielleicht das, was du mich lehr
en willst … eine gute Kiena zu sein?"
"Ich werde dich iehren, mit deiner Zauberkunst zu
einmal brauchen wir mehr Platz, dam
dir ins Gesicht", sagte der Alte.
Lucinda sah ihn an, als ob sie an seinem Ve
"Wieso schlägst du dir nicht selbst ins Gesicht?"
"Weil ich, genau wie du, die erste Lektion gelern
t habe: Tu nicht alles, was man dir sagt."
Den Namen des Alten, Almegnon, erfuhr Lucinda
eine Berühmtheit sei, die man kennen müsse. Aber
da ihr der Name nichts sagte, sah sie ihn
ttäuschung mit einem Achelzucken ab.
Bald änderte Almegnon seine Takti
sich den linken Daumen der Länge nach auf,
streckte ihr dann den Daumen hin und sagt
in großes Unheil anrichten."
"Was weißt du davon?"
"Ich weiß, was Shen geschah", sagte er.
Er hielt ihr den blutigen Daumen hin und f
uhr mit dem Zeigefinger der anderen Hand die
Wunde entlang und schloß sie damit nahtlos.
Dann drehte er die Linke hin und her, damit sie
selber sähe, dass er wieder völlig heil war.
hast du das gemacht?"
er beschaffen sein sollte; er vermag sich
Mein Beitrag bestand le
"Kannst du mir das beibringen?"
megnon schmunzelte und meinte: "Dazu bin ich
noch einmal", sagte Lucinda.
megnon eines Tages, "dass du fast
jede Wunde heilen kannst,
übersteigen. Wenn jemand zu viel Blut verloren
Angst vor dir haben, wenn sie die Wahrheit
ihre größten Ängste und schlimmsten Gefühlsregungen zutage."
"Auch ihre besten." Almegnon nickte. "Aber seltener."
"Die Menschen mögen Zauberer."
Illusion. Es gibt keine echte Zauberei. Du bist
Heilerin und gehörst damit, wenn du so willst, zur Klasse der Meister. Deshalb musst du dich
bemühen, es geheimzuhalten."
?" "Du hast schon viel gelernt. Aber du
nötige Energie und Technik."
"Ja, aber du hast noch ein Problem mit deinen Gefühlen."
"Damit kann ich umgehen."
"Ich bin dagegen, aber die Ältesten meinte
n, wir sollten es auf einen Versuch ankommen
lassen … Du willst also Menschen helfen, die in Not sind?"
"Gut dann." Almegnon beschrieb mit den Händen
einen Kreis, und die Hütte rings um sie
Sie standen auf einem Gebirgsausläufer über
einem grünen Tal. Der Hang war mit Toten und
die Sieger zogen weiter. Aber es war immer noc
h ein Schlachtfeld – eines, auf dem Menschen
um ihr Leben kämpften … Diesen Kampf fochten sie nicht mit ihren Waffen aus, sondern mit
ihrer Willenskraft. Dem Willen, ihre
Verbrennungen und Pfeil- und Schwertwunden,
en erfaßt, der sie taumeln ließ. Almegnon
nachempfinden. Nun merkte sie
war, da sie keinerlei Schutzmechanismen besaß …
ihre Welt in Stücke fallen. Almegnon erhob se
ine Stimme und rief den Opfern des
Todesmeeres zu: "Ich bringe euch Luci
nicht! Bitte! Ich kann nicht …"
ise stöhnend auf sie zu und mu
rmelte: "Heile mich …"
Durch seine Nähe erschreckt, fuhr Lucinda heru
m. "Geh weg!" rief sie klagend und brach in
Tränen aus. Als sie zurückwich, folgte er
ihr, mühsam kriechend und eine Hand bittend
itlich von ihm weg und
stammelte: "Ich weiß nicht, wie ich es
"Hilf mir."
Lucinda begriff, dass sie keine Wahl hatte. Sie
war eine Heilerin, sie musste es wagen. So
ßte mit zitternden Händen nach ihm. Als sie
viel zuviel Blut verloren. Die Anspannung, die
es brauchte, seine Nähe zu ertragen, raubte ihr fast die Sinne. "Es tut mir leid", flüsterte sie.
"Es tut mir leid. Ich schaffe es einfach nicht."
Sie kämpfte sich hoch und lief fort, ohne dara
einen Wunsch: dass Almegnon zurückkäme un
"Bitte, laßt mich in Ruhe!" rief sie.
Aber die Männer flehten sie um Beistand an.
r. Hatte der nicht auch um
Almegnon fand sie, bleich und wie tot daliegend, zwischen einem halben Dutzend
verstümmelter Leichen. Sie sprachen nie über
Lucinda mehr als alles, was der
offen. Sie konnte sich entweder von ihrem Vers
agen zum seelischen Krüppel machen lassen,
hatte: Als Lektion, die ihr die Stärke gäbe, zu
wachsen und zu lernen, es besser zu machen.
Sie wurde aufmerksamer, still und ruhig und läch
Ihr allergrößter Wunsch war, ihrem Bruder zu
helfen. Wenn sie ihn heilen könnte, würde ihre
Familie sie bestimmt wieder aufnehmen, würd
e alles wieder ins Lot kommen und werden wie
"Du hast mich alles gelehrt, wa
Jahren, in denen sie unter Almegnons Anleitung studi
Der Alte stand am Fenster und starrte in den
dunklen Wald hinaus. "Offenbar hast du noch
nichts begriffen. Du bist noch immer nicht er
ch liebe dich wie mein Leben, Lucinda. Dich leiden zu sehen
ist mir ein großes Leid."
"Für dich war ich immer nur eine Last! Ei
n Kind, das du ausbilden musstest, weil der
Hexerrat es verlangte."
"Nein, du warst eine Plage für mich! Aber da
glaubten nach deinem Kollaps, du würdest es
nicht mehr schaffen, und wollten daher, dass ich
mich nicht weiter bemühe. Du klammerst dich noch immer an Kindheitsträume. Träumst von
jener Zeit, da du keine Verantwortung hattest
. Du kannst aber nicht mehr nach Hause
zurückkehren, Lucinda, niemals. Du
hast es nicht akzeptiert …"
"Du kennst mich nicht!" schrie
sie. "Du weißt nichts über mein
wirklich nicht nach Hause zurück, aber
ich muss es wenigstens versuchen!"
Almegnon seufzte und beugte den Kopf. "Dann gehe."
Cardin hatte sich in der Zwischenzeit nicht verändert. Lucinda schon. Sie sah Menschen, mit
denen sie aufgewachsen war, Kinder, mit denen sie gespielt, Jungen, für die sie heimlich
geschwärmt, und Erwachsene, die sie gefürcht
ihr hatte und glaubte, sie wolle ihn töten oder ihm noch
Schlimmeres antun, vielleicht aber auch, weil er
ter war mit einer Decke verhängt, die das
Sonnenlicht aussperrte. Shen sah einem Leichna
"Ich bin gekommen, um dich zu heilen", bega
nachgekommen war, konzentrierte sich aber, weil
hreiben, wie leid es mir tut", fuhr sie bebend
das Herz, mir zu vergeben."
schloß die Augen und ließ die Bilder kommen,
rkrüppelten Gliedmaßen sich st
Aber ihre Gedanken schweiften zu glückliche
ran, wie sie zusammen
er immer im Wege schien, a
mitmachen lassen. Diese glücklichen Zeiten
schwarzen Schleier ihrer Scham und seiner
Schließlich war ihr Werk vollbracht. Sie brau
nuten, um sich zu
entspannen und zu erholen, trat dann vom Be
verfolgt. Nun holte er tief Luft und zwang sic
"Shen! Was machst du? Ich helfe dir doch!" pr
weg. Als sie sich das Blut vom
rem Vater aufblickte, sah sie
rückkommen sollen", schimpfte
ch hatte gedacht, du könntest mir vergeben."
"Du hast ja keine Ahnung, wie das für mich war.
Du hast mir drei Jahre meines Lebens
gestohlen … mich zu einem hilflosen Krüppe
l gemacht, und erwart
est Vergebung? Was du
mir genommen hast, kann mir niemand zurück
geben. Verschwinde aus meinem Leben. Ich
will dich nie, nie wiedersehen!"
Lucinda schluckte ihren Schmerz
rem Vater vorbei und ging zur
saß. Aber die Mutter sah nicht auf.
Da schied sie traurig. Ich kann nichts mehr fü
r sie tun, dachte sie und machte sich auf den
Weg, zum Schattenwald zurück. Warum musste es
nur so schrecklich weh tun, seine Familie
le gesagt habe, immer
wieder zu tun bekomme: Sankt Georg der Drache
ntöter. Aber da es so oft wiederkehrt, muss
– wie es wirklich war

Der Drache zog tief über dem Dorf seine Kreise
"Holt den heiligen Georg", rief sie und duckte sich hinter einen Grabstein.
nkt Georg habe ich zum Frühstück
"O verdammt!" fluchte Maura, "nun muss ich
mich wohl selbst meiner Haut wehren …"
Damit ließ sie sich zu Boden fallen und trat de
m arglosen Drachen mit aller Kraft in den
Unterleib. Nun muss man wissen, dass bei de
n Drachenmännchen, wie übrigens bei den
meisten männlichen Lebewesen, die Hoden sehr
druckempfindlich sind. Aber die meisten
wissen nicht einmal, dass die Drachenmännche
n überhaupt Hoden haben. Das liegt daran,
dass die meisten Drachengeschichten von vikt
orianischen Autoren stammen, die derlei
mmte sich der Drache nach diesem Tritt vor
Schmerz und bot Maura damit unfreiwillig seinen
: "Bei mir zu Hause haben derzeit zwei zahme
Ratten das Sagen." Sie fügt hinzu, ihre Hobbys seien unter anderem Kampfkunst, Geschichte,
erfunden, um den Menschen die Freude zu machen, den Tiger kosen zu können. Ich habe das
den Menschen die Freude zu machen, mit
ut der Briefe über mich ergehen lasse, die
Über Geschmäcker in Bezug auf Haustiere läßt sich wirklich nicht stre
Die Frau kam bei Wandlermond allein nach Hazo
r. Der Markt war in dieser Sommernacht,
Sie trug eine blutrote Uniformbluse, die ei
n Relikt des Dienstes bei einem inzwischen
untergegangenen mächtigen Haus sein mochte
. Weibliche Söldner liefen Kalek nicht eben
alle Tage über den Weg; aber er kannte eini
ge hohe Herren, die schworen, sie taugten mehr
als männliche – vor allem in den Folterkam
mern. Da sie nicht auf Kraft bauen konnten,
kämpften sie klug, schnell und präzise. Weil si
sah er die Frau näherkommen: rot und grau
Die Frau blickte ruhig zu ihm auf und
musterte die Pelzjacke, die er trug.
Er nahm das für eine Frage. "Mein Name is
heiße ich «Kalek der Kopfgeldjäger»", meinte
Talente des Jägers aus gutem
Grund schätzte. "Niemand sonst hätte mir dies
en Einzelgänger vom Hals schaffen können."
"Den roten Wolf?" Kalek grinste wider Willen.
"Er war angesichts kalter Stahlzähne eben
nicht schlau genug." Kalek nahm Platz, ohne
Wochen", erklärte er. "Wohnst du außerhalb der
Stadt?"
"Ja. Ziemlich weit weg."
"Ich hielt dich für eine Söldnerin", fuhr Kale
k fort und wies mit dem Kopf auf ihre Klinge.
t so lange in ein und derselben Stadt."
"Ja, ich habe für Sold gekämpft", bestätigte
Ihre Stimme bezauberte ihn. Sie sprach tief und kl
"Was ist das für ein Pelz?"
"Wolf", erwiderte er lächelnd.
den ich für Janor fing. Hat ihm
den besten Schafbock und nicht wenige se
"Vielleicht wußte der Wolf nicht, was
leer. "Ich vermute, dass die Wölfe gar nicht
Da streckte sie ihre schmale Hand aus und berü
hrte mit kindlicher Geste den Ärmel seiner
Jacke. Kalek fiel ein, wie sie mit naivem St
sich, ob sie wohl kindisch sei. Nein, verm
utlich nicht. "Hast du schon einen Menschen
n stadtfern wohnendes Bauernmädc
hen – ja, vor allem so ein
Mädchen – musste über die Werwölfe Bescheid
wissen. Die meisten dieser Wesen gaben
bisher noch nie bei Wandlermond
Nun endlich sah sie ihm in die Augen und begann
um fassen. Sie blieben sitzen, bis Vorn zum
zweitenmal an die Polizeistunde erinnerte, und verließen dann mit de
klar, und der Herbstmond stand orangerot
leuchtend am Himmel. Kalek sog die
frische Luft in vollen Zügen ein.
g wohnst?" fragte Kalek erstaunt. "Das ist
natürlich kein Problem … Ich …"
Sie lächelte und klopfte seinem
grauen Wallach den Hals. "Nic
machte. Kalek bemerkte nebenbei, dass der Mond bald untergehen würde. Ja, Vorn war
heimreiten müssen, wenn er sie nicht dazu bringe
"Hier", sagte sie und drehte sich zu ihm um. Kalek zuckte mit den Schultern, da er nirgendwo
ein Haus sah. "Ist dein Vater denn Holzfäller?
gewandt aus dem Sattel und wandte si
ch wieder zu dem Reiter. Ih
"Nenne mich nicht so! Ich heiße Kalek … es wäre mir lieb, wenn du mich so nennen würdest.
Sagst du mir auch deinen Namen? Du … du bi
st sehr schön, Frau." Nun beugte er sich von
seinem geduldig wartenden Wallach zu ihr hina
Waldelfe. Willst du mir nicht sagen, wie du heißt?"
Da faßte sie nach seiner
roten Pelz seiner Jacke.
"Gib mir die … zum Andenken, dann sage ich di
Kalek seufzte und wollte sich aufrichten. Es war ja schon recht spät, und vielleicht könnte er
ihn nicht los. "Laß mich gehen", bat er
sanft. "Wenn du mir deinen Namen nicht sagen
willst, muss ich taurig von dir scheiden."
Als er sie anblickte, fiel es ihm wie Schuppe
seiner Vernarrtheit bli
nd gewesen war. "Du bist eine We
rwölfin! Aber der Wandlermond …"
Ihre Augen glühten gelb im Mondlicht – im
zerrte sie ihn vom Pferd, das sogleich zur Seit
e wich, um nur nicht au
"Nein!" schrie Kalek. "Ich habe den roten Wo
lf tot vor mir liegen gesehen. Er war kein
Verwandelter."
Ihr fahles Haar fiel ihr nach vorn und schien si
ch an ihr spitzes Gesicht, ihren schlanken Hals
zu schmiegen, und ihre gelben Augen starrten
auf ihn hinab. Er spürte, wie ihm der harte
e sie rauh. "Nach meinem Namen frage Silvia,
Wandlermond, mit einem Wolf des Rudels lief.
Und ich … ich kämpfe für das Volk der Wölf
finden, der meinen
Ihre Stimme wurde zum wilden Knurren, das
aus der Wolke von Nebel und Fleisch, die eine
e einer weißen Wölfin.
Schmerzes und schließlich nichts mehr.
später mit wundem und blutverklebtem Hals.
Als er im kalten Frühlicht um sich blickte,
sah er unweit sein totes, von wilden Tieren
zerfleischtes Pferd liegen. Wieder in Hazor, ve
rlor er zum Erstaunen aller kein Wort über das
schreckliche Geschehen bei seiner Rückkehr
verstehen, warum er die Jagd aufgab; aber das
Spells of Wonder
veröffentlicht und auch in
Memories and Visions: Women's Fantasy and Science Fiction.
Papagei, eine Gelbkopfamazone mit einem Vokabular von mehreren hundert Wörtern. Mein
eßen sie –, das ich zusammen mit zwei
Kanarienvögeln in einem Raum unseres alten Haus
es hielt. Da Sittiche ja alles nachmachen
n Blizzard und blies ein Fenster des Zimmers
nicht nur deshalb – es wäre auch grausam, Kä
bezweifle, diese stolzen Tiere denn überhaupt be
sitzen kann.) Laurell sagt, sie sei "glücklich

Jessamine Schwertzauberin stand in den Ruin
mit höchstens zwanzig Häusern gewesen
– aber für sie war es die Heimat.
pflanzt hatte, war völlig verwildert. Er hatte
den geborstenen Kamin überwuchert und reckte
zartrosa Blüten der Sonne entgegen. Die Luft
war schwer von ihrem süßlichen Duft. Der
Kirschbaum mit seinem schwarzen Stamm und
seinen schwarzen Ästen lehnte noch immer an
Jessamine fühlte in all diesem Wildwuchs di
e Magie ihrer Mutter pulsi
eren. Der Geist einer
Erdzauberin bleibt dem Land verh
dagegen gehabt, dass der orangenblütige Trompe
tenbaum ihren Garten strangulierte oder dass
ogen hatte, nun Wildgras wucherte.
rer Mutter noch irgendwo unter dem grünen
Dickicht liegen könnten, traf Jessamine wie ei
n Keulenschlag. Sie hielt ihren Atem an und
spähte unter die wilden Stachelbeersträucher,
ascht hoch. Als sie sich umdreh
Gestrüpp gelehnt, das sich über dem Rest ihrer einstigen Küchenwand wölbte.
Da runzelte er die Brauen und verschränkte die
Jessamine lächelte und trat neben ihn an den
überwucherten Mauerrest. Sie strich ihm mit
ihren kleinen, starken Händen übers Haar. Ihre
waren arm, aber mir als Kind war das nicht
bewußt. Wir hatten zu essen, ein Dach über de
m Kopf, Spielzeug und Liebe. Wir waren wohl
nicht wirklich arm, aber sicher auch nich
t reich. Meine Mutter wa
emals gebraucht, um sich zu
n. Aber auch dann hatte sie Skrupel, jemanden
zu töten. Dass ich Menschen in gewachsenen
Sie lächelte ihm zu und sprach: "J
"Warum?"
"Ich habe Angst, Gregor." Der Sommerwind wüh
versprochen, meine Macht nie zu Bösem zu gebrauchen. Aber
"Du fürchtest, dass ihr erzürnter Geist dich heimsuchen könnte?"
"Jessa", murmelte er beschwichtigend und zog si
e an sich. "Bitte, sage mir, was sich hier
"Eines Tages kamen ein alter Hexer und sein
Sohn zu uns und baten um Nachtquartier. Ich
Dorfmädchen aus den Augenwinkeln verschämt, ab
er hingerissen musterten. Aber dieser Alte
rnd Atem, ehe sie weitersprach: "M
eine Mutter, als die Erdzauberin
freigesprochen hatten … starb meine Mutter
von der Hand eines Meuchelmörders." Sie sah ih
"Jessa", murmelte er bedrückt.
Da legte sie ihm ihre Fingerspitzen auf die Li
ppen und sprach: "Das ist schon sehr lange her,
Gregor, sehr lange." Er ergriff ihre Hand und hi
elt sie fest. "Was ist aus dem Hexer geworden,
der dein Dorf auf dem Gewissen hat?" "Er ist to
ssamine gesehen: ein langsames, knappes
Lippendehnen, bei dem ihre Augen düster aufglo
mmen. Er nannte es ihr Todeslächeln. "Der
darauf, Hexer zu ermorden?"
"Deshalb tue ich das. Warum du es tust, weiß ic
s sie. "Ich mache es, weil du
es machst."
den zwölf Jahren niemandem sonst geschenkt
hatte – ein Lächeln voller Liebe.
"Du hast also den Auftrag angenommen, weil er
dir erlaubte, nach Hause zurückzukehren?"
"Ich habe diesen Auftrag angenommen, weil de
Mutter zurückließ. Eine Hexe, di
e derweil verrückt geworden zu
sein scheint. Die ganze
"Wir sind demnach ausgezogen, Cytherea
Als der Abend dämmerte, erreichten sie die erste Stadt an ihrem Weg. Vor dem Tor war ein
Jessamine brachte nur ein Nicken zuwege. De
m Mann und den beiden Frauen, die da hingen,
war mittels Magie der schwärzesten Art das Lebe
n wahrhaft ausgesaugt worden. Ihr Fleisch
"Komm, Gregor, auf in die Stadt!"
Er starrte noch immer auf die Toten. "Ist das Cythereas Werk?"
abe zugedacht, sie zu töten?"
griff ihren Arm. "Jessa, ich bin kein Feigling,
aber das … Cytherea hat ihnen das Leben ausges
"Aber keine von denen vermochte, was die vermag." Jessamine nickte.
Ihr Gefährte hielt den Atem an. "Ich bin nur
ein Kräuterzauberer und weiß nicht um derlei
Dinge. Hat sie ihnen die Seele geraubt?"
Jessa erschauerte. Denn sie fühlte die Antwort, obwohl ihre Magie sie schirmte und schützte.
O ja, nun verstand sie auch, warum sie geglaubt
hatte, die Toten schrien noch stumm. "Nein,
ihre Seelen sind noch da, in ihrem toten Fl
Verm diese bleiche
Als sie zum Tor kamen, rief eine Wächterin aus einer Turmluke sie an: "Was wollt ihr hier,
Soldaten?"
"Wißt ihr denn nicht, dass auf dieser Stadt,
in die ihr einreiten wollt, ein Fluch liegt?"
merken. "Ein Fluch ? Was soll das heißen ?"
Da lachte die Wächterin bitter und rief: "H
daran hängt?" "Ich sah dort drei Leichen baumeln."
Jessa fuhr sich mit der Zunge über die Lippen
ieh dich um. Schau dir die Pflanzen an!"
Die Blätter der Bäume hingen, obwohl es Ho
chsommer war, welk und schwarz von den
Zweigen. Das Gras am Wegrand war so abge
storben, braun und brüchig wie im tiefsten
"Wo sind die vielen kleinen Vögel geblieben,
die Spatzen? Diese frechen Gesellen sind doch
ssa. Fast hätte sie ihn gefrag
t, wie er das hatte übersehen
können. Aber sie wußte die Antwor
t ja! Gregor war ein Kräuter
zauberer, ein Tränkleinbrauer,
eas Wüten bestimmt nicht auf weitere Hexer
erpicht."
"Sicher! Ich möchte nicht als Erdzauberin ausp
tt er zum Tor hinüber
ist denn mit eurem Land geschehen?"
e Stille tief in ihrem Leib vor, wo alles
schwankte sie unter dem Ansturm des Bösen
und vermochte den Schrei, der in ihrer Kehle au
musste ihr Pferd wenden, um die Stadt ins Auge fassen zu können und sich ganz auf sie zu
konzentrieren, damit sie herausfinden konnte, ob
laste. Als sie ihren Blick zum Galgen schweife
n ließ, erglomm in jeder der drei Mumien hell
n flackerten und kämpften verzweifelt. Da
wandte sie sich ab und starrte auf die maueru
Die Wächterin beugte sich vor und rief Gregor
zu: "Was hat deine schöne Freundin denn so
"Ja, das bin ich. Wollt ihr zur Nacht essen?"
"Ja … aber mehr als am Essen liegt uns an ei
sie mit dunklen, vor Zorn und Haß glühenden Auge
mit heiserer Stimme.
Gergor berührte ihre Hand, um sie davor zu
n Wischlappen, der ihm
vom Gürtel hing, und
flüsterte rauh: "Raus mit euch!"
"Verzeihung, Wirt, ich wollte dich nicht krän
In seinen Augen lag Tod, ein
aus Gram geborener Tod. Jessa wußte um
solchen Gram und dass er einen von innen her
verzehren kann, bis nichts mehr von einem
übrig ist und man stirbt … wenn man nicht
"Wo ist deine Frau, Wirt?" fragte sie mit tiefe
r, klarer Stimme. Darauf warf der Mann den
Jessa steckte gehorsam ihr Messer in die Sc
heide. Dass ihr jemand einen Zwingzauber
auferlegte, kam nicht alle Tage vor! Die Alte
cht zu erkennen geben!"
"Nun habe ich es, Mädchen. Was willst du? Ic
Schmerz nicht rechtfertigt, wirst
du für deine Grobheit büßen müssen."
Jessamine verneigte sich, ließ aber die alte Frau
Hand schimmern. Der Gehorsamszauber hatte
also nur bei dem Wirt und bei ihr selbst gewirk
n! "Ich bin gekommen,
Cytherea die Wahnsinnige zu töte
Das Weib starrte Jessa einen Herzschlag
geschätzt, gemessen wurde. Dann lachte die A
alte Frau – und sagte:
"Eine Mörderin, zwei Mörder."
ch nur verraten? "Wir
Wort: "Lügt mich nicht an, wer immer ihr auch seid! Denn ich
ob sie nun magischer oder profaner Natur ware
n. "Wir haben uns nicht durch Lug und Trug
stimmt. Wir brauchen noch ein paar Informa
tionen, um unsere Aufgabe erfüllen zu können."
"Könntest du sie denn töten?" fragte Esteban. Je
wie Wunden voller Gram waren.
"Ja", erwiderte sie ruhig. "Man nennt mich He
r wie ihr Schatten folgst, wer bist du?"
gor der Stahlsänger, au
ch als der Todbringer
bekannt."
"Was für vielversprechende Namen, ihr jungen Le
"Ich werde euch sagen, was ich weiß, Jessamine
das Recht, mit uns an diesem Tisch zu
Schneesturm, der aus klarem Sommerhimmel
über uns herbrauste und von einem Eisgeist so ka
lt wie die Hölle gelenkt wurde. Aus diesem
Sturm trat Cytherea, mit einem Dämon aus Ei
lte Teodora und hielt dann inne, um einen
trat Cytherea am Stadttor entgegen und forderte sie zum Kampf, um
meine Stadt zu schützen." Sie lächelte und sah
zum Tor hinaus und wurde als eine Frau von
Jessa und Gregor wechselten Blicke miteinander.
"Was für eine Art Ring kann denn eine Frau
dermaßen altern lassen?" fragte Gregor.
"Cytherea hat mich eigentlich
nicht gealtert, sondern mit eine
m Altersfluch belegt. Was sie
ein Ring ist verdammt teuer." "Hat
sie damit auch …", hob Jessa an.
Aber Teodora unterbrach sie mit der Bemerkung:
"Esteban, könntest du mir bitte mein Glas
nachfüllen?" Der Wirt blickte di
e Hellseherin mißtrauisch an, er
hob sich aber, um ihrer Bitte
zu entsprechen.
Als er weg war, flüsterte sie den beiden zu:
"Ihr wolltet wissen, ob Cytherea mit dem Ring die
Seelen in die Leichen eingeschlossen hat?"
e Tochter immer noch leid
für gut, das vor ihm zu sagen."
"Hat sie es damit gem
acht?" fragte Gregor.
Esteban stellte der Alten das frisch gefü
llte Glas hin, und sie bedankte sich dafür.
"Wie konnte sie auch den Erdzauberinnen und de
m Land die magische Kraft rauben?" fragte
Händen umklammerte. "Mit dem
rechteckigen, in Gold gefaßten Smaragd, den si
e an ihrem Halsband trägt. Dieser Edelstein
r, der auf Erdmagie eingestel
r gespeichert, den Cytherea stahl?" Die Alte nickte.
"Du bist Hellseherin. Sag, ist es möglich, all di
ese Magie daraus zu lösen oder Cythereas böse
Zauber zu brechen?"
Wenn man ihn nicht auflädt, bevor sein Vorrat
gänzlich erschöpft ist, erlöschen sämtliche
"Dann würdest du also wieder jung werden?"
dem Tellergericht zu lösen, das Esteban ihr geholt hatte. "Mit dem Anhäng
er verhält es sich
anders. Er kann möglicherweise unbegrenzt Macht aufsaugen … Die von ihm gefangene
en, indem man ihn zerstört."
or. "Ihr müßt ihn der Erde, aus der er
"Dem Fleckchen Erde, aus dem er einst kam", fr
agte Jessa, "oder der Erde ganz allgemein?"
"Der Erde allgemein." Da lächelte die Schwertzauberin.
t!" sagte Gregor. "Einen möglichen Weg."
"Wie können wir dir behilflic
Stadt über einen Fluchmacher verfügt?"
mächtig genug, um Cytherea verwünschen zu können." "Er soll ja auch nicht sie, sondern uns
ei, jeder mit einem Fläschlein
des neuen Tranks am Gurt und
durch einen bestimmten Fluch geschlagen, zum
Tor hinaus. Gregor rutschte ächzend im Sattel
Schultern zu kratzen. "Wenn du ständig daran
herummachst, wird es nur noch schlimmer", rügt
e ihn die Schwertzauberin nach einer Weile.
"Du wolltest, dass dieser Alte mich impotent mache … Nein danke", sagte Gregor und kratzte
bis mein Fluch wieder von mir genommen wir
Jessamine lächelte, spürte aber eine Schwere im Magen, eine
chlimmert, wirst du kaum zu gebrauchen sein,
Mit einem leichten Schenkeldruck drängte er se
in Pferd neben das ihre. "Entschuldige, Jessa.
Das war mir nicht klar. Wenn ich das gewußt hätt
e, hätte ich mich vielleicht sogar entmannen
er trotz des warmen Sonnenlic
hts fror und erschauerte. "Am
Ende lenkt mich der höllische Juckreiz noch so
vom Kampf ab, dass ic
h dir nicht beistehen
kann. Es wäre mir gar nicht recht, wenn dich
kratzte sich so wütend an den Armen, dass sie
bald über und über mit roten Striemen bedeckt
n diesen Juckreiz?"
"Doch, aber ich wollte sie bis kurz vor unserem
"Die haben wir … Ich brauche auch ei
ne Pause, für einen kleinen Zauber."
Er nickte und stieg ab. Das Gras reichte ihm
zum Bauch. Die Luft war vom zarten Duft w
ilder Glockenblumen erfüllt, und ein Schwarm
streitender Spatzen wirbelte über sie hinwe
oll mit dem reifenden Gras, dem schnellen Flug der Sperlinge
und all den winzigen verborgenen Kreaturen. Für
eine Erdhexe war das alles frei verfügbare
por; sein Gesicht war dick mit einer öligen
Lotion bedeckt. "Du sprühst ja förmlich Feuer."
das nicht wörtlich nehmen. Und
e und faßte ihn an der Schulter.
e ist über meinen Arm
lädt dich doch mit Magie auf?"
ist nicht zu vergleichen. Ich
"Im Frühling und im Sommer ist das immer
so, aber im Winter. …", sagte sie und
erschauerte. "Der Winter ist eine
"Was wirst du unternehmen, we
nn wir erst einmal hinter
samem Gebrauch ein paar Zauber vollbringen
"Danach werde ich mich nicht mehr als Hexe ausgeben können. Dann wird Cytherea wissen,
dann nur noch die Hoffnung, dass unser Plan
"Du siehst schon viel besser aus. Wie fühlst du
n war, zogen sie weiter und gelangten auch bald in einen
und ließen Schauer von Kiefernnadeln auf sie ni
einer fremden Macht. Da senkte sie ihren Schutzschild um sich. Er schloß sie zwar gegen das
Auf einem Bergkamm hielten sie.
mit den Hufen. Nebel senkte
sich herab und sickerte durch die Wipfel.
ließ die Reihe von eisbedeckten Bäumen vor ihnen erfunkeln. Das Sommerlaub war dürr,
sschicht überzogen. Am Fuß des Berghangs
Jessa blickte zu dem wogenden
Schlangenlinien hinab, die den Waldboden bedeck
Naturgeistern und Dämonen."
"Glaubst du, dass wir uns mit dem Dämon einigen können?"
"Was, wenn er nicht einwilligt?"
rin lächelnd, "werden wir sehen, ob Gott Magnus
wirklich Blutstränen weint."
ld seine Bekanntschaft zu machen."
"Ich auch nicht. Komm, legen wir die Winter
ausrüstung an." Der Schweiß rann Jessamine am
rer Fellkapuze. Ihrem Gefährten, der geduldig
Kühler Nebel wogte den Pferden um die Beine, aber die Sommersonne brannte auf die beiden
Reiter herab. Der Winter war eine Schneise au
s gleißendem Diamanteis. Wadentiefer Schnee
nken im knirschenden Schnee. Der Eishauch des
Winters kühlte sogleich den Schweiß auf ihrem Ge
sicht. Ihr Atem wölkte und schlug sich am
Kapuzensaum als Reif nieder. Etwas Großes be
wegte sich zwischen den Bäumen. Jessa gab
zwei spitze Hörner. Wie er so dastand, seine
Fledermausohren spielen ließ und mit seinem
langen Schwanz den Schnee peitschte, erinnerte er Jessa an eine sprungbereite Raubkatze.
rlinie", begann der Dämon. "Wenn ihr auch nur einen Schritt
"Wann wird das sein?"
Er zwinkerte mit seinen großen, purpurroten
Augen. "Wenn Cytherea, die Wahnsinnige, es
will, und nicht früher." Nun fuhr er sich m
it der gespaltenen Zunge über die Lippen und
"Wir danken dir dafür. Was geschieht uns, wenn wir weiterreiten?"
Der Dämon zuckte ein Schulternpaar und sp
läufig. Ihr müßt euch in der
"Wie lange wird das dauern?"
Der Dämon sah zu den vereisten Bäumen auf und
lächelte, dass seine Fangzähne aufblitzten.
"Dann werden wir die Linie überqueren", sagt
e Jessa, "und warten, wenn es denn sein muss."
"Kommt also!" rief der Geist. Dann verbeugt
e er sich schwungvoll und winkte einladend mit
seinen vier Armen. Sie passier
Pferde an, um aus seiner
war, dass die Distanz allein sie nicht vor
seinen möglichen Schandtaten schützen würde.
"Kräuterzauberer!" schrie der Dämon plötzlic
h. Jessa wandte sich um und sah, dass Gregor
die Augen gesenkt hielt und krampfhaft zu Boden blickte.
"Schau mich an, Kräuterzauberer, schau mich an!" zischte der böse Geist.
uberin. "Er hat nicht die magische
"Und du?" fragte der Dämon. Er sah sie mit
Nun sah sie ihn an, vermied aber seinen Blick. "Willst du uns ans Leder?"
Plötzlich stand er unmittelbar vor ihnen. Jessas Pferd wieherte panisch, bäumte sich auf und
schlug wild mit den Vorderhufen aus.
"Willst du denn wie ein abgerich
an den Baumstämmen ringsum, dass die Holz-
ihr in die Wange gebohrt hatte, und sah, dass
er als sie ihn wegwerfen wollte,
bemerkte sie, dass der Dämon
sondern Cytherea. Sie hat dich zum Sklaven gemacht. Aber wir könnten dich vielleicht
befreien", rief Jessa dem Dämon zu.
Er musterte sie erstaunt.
"Wie?"
"Wenn sie tot ist, bist du der Knechtschaft ledig."
"Ihr könnt sie mit Magie ni
"Wir wollen sie auch nicht mit einem Zauber töten."
"Warum erzählt ihr mir das? Ich
"Du willst deine Freiheit, wir wollen ihren Tod."
"Was verlangst du von mir, Zauberin?"
ustehen." Der Dämon bleckte die Zähne.
"Aber sicher, ich verspreche, euch nicht zu schaden, keinem von euch."
"Das reicht nicht, Dämon. Schwör
e auf Verm und Loth!" Da rollte
"Ein Eid auf die Schwarzen Götter entzieht mi
ch der Macht Cythereas und erlaubt es mir,
mich aus allem herauszuhalten." Lächelnd f
ügte er hinzu: "Es ist eine der wenigen
nicht nur eine Zauberin, oder?"
"Und was schwört ihr mir dafür, Sterbliche?"
"Wir schwören, dich zu befreien."
"Ich sehe also einfach zu, während ihr Cyther
shalb kann ich ihn nicht annehmen."
e Erdzauberin gebot ihm Schweigen. "Ich verstehe, du musst bei
dem Handel besser wegkommen als wir."
nicht zum erstenmal mit einem Dämon!"
rsah Gregors bestürzten Blick.
Jessa blickte ihren Schwertgefährten stirnrunz
elnd an. "Soll denn ich allein mein Blut
"Wenn ich keinem von euch ans Leder soll", sagte der Dämon, "muss mir jeder von euch
"Schau dir doch sein Gesicht an!"
Der Dämon war hohlwangig, schien gar dünner
"Diesem Ding", sagte Gregor,
"Nur zu, Zauberer, greife an. Ich
bekomme dein Blut so oder so."
ch werde das Verlangte geben."
Jessa streckte dem Geist das blutbefleckte Eis hin. Als er danach griff, bedeckte sie es aber
mit einer Hand und sprach: "Schwöre, Dämon, schwöre bei Verm und Loth." "Erst soll sich
Dolch heraus, ritzte sich damit einen Finger
und ließ drei Blutstropfen in den Schnee falle
n. "Da hast du, was du willst", sagte er dann,
eine Wunde mit leichtem Fingerdruck.
bot Jessa. "Sprich mir nach: «Ich schwöre bei Loths Vögeln
und bei Verms Hunden, euch nicht durc
Der Dämon zog eine Grimasse und fuchte
lte mit den Händen, dass die Krallen wie
die Eidesformel aber Wort für
Wort nach. Nun reichte Jessa
ihm den Splitter mit ihrem kalten Blut. Er nahm ihn behutsam in seine Klauen, leckte das Eis
so zierlich ab, wie die Katze Sahne nascht, leck
schmolz, und zermalmte es schließlich mit seinen mächtigen Zähnen.
"Dass wir das in unseren Alpträumen wi
edererleben werden, aber mit gewissen
"Wir haben mit einem Dämon einen Handel abge
schlossen. Dachtest du, derlei ginge ohne
Schrammen ab?"
e behandschuhten Hände.
holte erschauernd Atem und sah sie dann an. "Laß
uns diese Hündin töten gehen und dann verschwinden."
Jessa lächelte. Ihre Augen waren von einem se
ltsamen Dunkellicht erfüllt. "Laß uns auf die
Das Dorf Bardou lag in einer
"Warten wir, bis sie mitten im Zauberritual ist", sagte Gregor, "da
an meiner Stelle gestorben. Ich kann nicht
"Ich weiß, aber du hast die Wahl, Jessa.
Ich werde mich deiner Entscheidung fügen."
im Galopp los, und Gregor folgte ihr. Als Je
ssa spürte, wie der me
Frau im roten Umhang ihr Bewußtsein streifte
und es befleckte, rief sie mit Donnerstimme:
es Gesicht. Beim Näherreiten
guter Stahl, Augen, die sie aus einem
wehten um den Fuchspelzbesatz ihrer Kapuze,
lls ließ das Gesicht
"Erinnerst du dich an Threllkill?"
Cytherea runzelte die Brauen. "Die Leute dor
Hexer und Hexen leben nicht ewig, Cytherea."
gab ihnen die Farbe von Gewitterwolken.
"Geh mir aus dem Weg, kleine Hexe", schäum
Erdkreaturen, die meinen Sohn um
der taub macht und den Atem raubt.
Ein glitzerndes Eiswesen – nicht mehr als ein vager Mund mit einem Paar Augen darüber –
erschien neben Cytherea. Der Eisgeist flüs
terte der Hexe zu: "Der Fremde hat einen
zu konzentrieren, und rief: "Jecktor, wo bist
du?"
Der Dämon nahm Gestalt an und verbeugte sich vor
mir aus den Augen!"
e ich", erwiderte der Dämon.
"Was?" schrie sie und drehte sich zu ihm um
Jessa faßte nach der immer noch warmen Za
ubersudlache im Schnee und berührte sie mit
ihrem Erdzauber. Sofort erfüllte der star
Cytherea wandte sich von dem buckelnden Dämo
Da explodierte der Boden unter Krachen, und ein Regen von Steinen
und Erde ging ringsum
nieder. Aus dem Krater wuchs
gespenstisch heulend über den riesenhaften
Erdgeist her.
öffnen. Schon wandte Cytherea sich Gregor zu
und rief donnernd: "Stirb, Elender!" Aber er
stand unerschüttert, und sie konnte ihm kein
Haar krümmen. "Was geht hier
"Wir sind beide schon mit einem Fluch belegt",
verwünschen!" Die Hexe schäumte vor Wut,
Jessa fühlte die Macht der Hexe wachsen und spürte den gewaltigen Sog ihres bösen Fluchs.
Ein Wurfmesser bohrte sich Cytherea in
langsam in die Knie, in den Schnee. "Jessa!" klagte Gregor.
walt. Sie fuchtelte und schleuderte mit ihren
gor ein. Ein Knistern und Donnern erfüllte die
Luft. Der Erdgeist sprengte seinen Panzer
erbebte unter seinen schweren
Schritten. Also wandte Cytherea ihre ganze Aufmerksamkeit
ihm zu.
Gregor fiel mit dem Gesicht voran in
Blaue Glut und blaues Eis umschlossen den Erdg
seinem Schrei beben. Das blanke Schwert durch
den Schnee schleifend, kroch sie zu Gregor
dir, Herrin!" Aber seine Warnung kam zu spät.
Der gleißende Stahl fuhr der Hexe in den Rück
en, und ihr blaues Feuer zerstob, erstarb. Jessa
stieß die Klinge höher hinan und suchte Cyther
eas Herz. Die Hexe sc
hrie und schrie, starb
jedoch nicht, sondern legte wieder die Hand auf
"Stirb, du Verdammte, stirb endlich!" donnerte die Erdzauberin.
ist mein. Du kannst es nicht haben!" rief Cy
sich nieder. Gregor st
ten, um die sich ein Ring aus schwarzer,
"Nun hast du endlich Frieden, Mutter
… endlich Frieden", murmelte sie.
"Du hast es geschafft", meinte Gregor, de
"Wir haben es geschafft, Gregor."
Er grinste und zerrte unter wilden Grimassen an
seinem Gewand, da es ihn wieder woanders
auch hier in Bardou einen Fluchmacher."
Gregor sah sie an. In seinen Augen glomm Hoff
"Komm, die Dörfler dürften uns zum Dank liebe
nd gern von ein paar Flüchen befreien",
Jessa barg den Ring in einer Tasche an ihrem Gü
rtel. "Es lohnt sich aber, nicht wahr?" "Ich
auf ihn und kroch ihm über die Haut. Er keucht
"Sehr ungewöhnlich!" flüsterte er.
Sie halfen einander auf und machten
sich humpelnd auf den Weg zum Dorf.
den Atem nahm. Jessa wandte sich um und blickte zurück.
Aus der frisch aufgebrochenen Erde war ein Rosenbusch gewachsen, der seine Blüten der
"Mutter!" murmelte Jessa. Ein sanfter Wind
Erdfeuer begann im Boden zu versinken. Jessa
spürte, wie ihr mit einmal Tränen übers
dem blühenden Busch hin. Die Rosen rührten
sich an ihrer Hand. "Was hat das zu bedeuten?"
"Vergebung wofür?"
nicht in Worte fassen. Manches sollte man für
Schreibweise des Vornamens ein Mann. Er war mit einer
dass ich bei einer frühen Anthologie einen "Ter
ry" für eine Frau hielt und sämtliche Autoren
einer Darkover-Anthologie fälschli
meinen ("Marion") für einen männlichen Vornam
). Dabei hat "Marion" in meiner Familie,
vielmehr: in der (schottischen) Familie meiner
Mutter, eine lange Tradition; mein Vater und
sein ältester Bruder (und dessen ältester Sohn) hießen hingegen "Leslie". Ich habe vor kurzem
können). Was mich an die denkwürdige Filmsze
hschule zeigt: Er spricht de
mittendrin, dass Julia die Frau ist … Name ist Schall und Rauch, nicht wahr?

mmlungshalle und sah sich wortlos um; rings um
sie nahmen unter aufgeregtem Geflüster die übr
igen Gardistinnen der Garnison ihre Plätze
schon vor dem Morgengrauen geweckt und
zusammengeholt worden waren; sie wußte nur
, dass irgendein Notfall vorliegen musste.
en und die Halle erhellten, nahmen der
frühmorgendlichen Kühle nichts von ihrer Schä
rfe. Die Feldwebelin hatte beim Wecken so
fährtinnen – nur ihren Uniformrock übergezogen
hatte und barfuß und ungekämmt erschienen war.
Nun trat sie aber aus dem Glied und kämpfte si
e leichte Hand der Kommandeurin
t. "Kommandeurin, ich bitte …"
Die Ältere Schwester fiel ihr kopfschüttelnd in
s Wort. "Ich weiß, was du willst, Freya, kann
aber keine Ausnahme machen … Mir ist klar, da
Burgmauer genau ins Auge. Ganz konzentriert
und all ihre Enttäus
chung und Wut zum Wurf
m Kopf herum … Sie
schneller kreisen, bis die ledernen Riemen
vor Spannung und Tempo zu vibrieren und zu
nach einem neuen Stein.
Zwei Tage waren seit dem Aufbruch ihrer Ge
Zorn lohten noch immer. Dass es vom Alter ih
res Kindes abhing, ob eine Frau in den Kampf
ziehen durfte oder daheim bleiben musste, mach
Tochter bewiesen, dass sie eine große Kämpfe
Unerschrockenheit berühmt geworden. Und sie ha
tte, nachdem sie mit ihrem Kind im Arm in
die Garnison gekommen war, ihrem Ruf als außergewöhnliche Kriegerin weiterhin alle Ehre
Die Kommandeurin hatte Freyas Enttäu
hinwegzuhelfen, indem sie ihr das Kommando über die Garnison übertru
nur noch mehr erbost. Sie war nun, zusammen mit einer anderen abkommandierten Mutter,
alte, senile Priesterin). Sie war keine Krie
gerin mehr, sondern ein Kindermädchen! Wieder
einmal mit anderen Waffen üben
mit dem Schwert auf den Übungspfahl einzuhauen.
Aber da ihre Kameradinnen bis auf einige
Speere, Bogen und Pfeile alles mitgenommen un
Übungsrunden die Kinder im Umgang mit der simp
n, dass sie gar nicht mehr aufhören wollte.
jemand sie rücklings so stürmisch an, dass sie
das Gleichgewicht verlor. "Ich habe dich",
krächzte der Störenfried, der niemand anderes al
s ihre Tochter Noela war, und klammerte sich
So mitten im Schwung erwischt, ließ Freya, um
nicht aus Versehen ihr Kind zu treffen, die
Schleuder samt Stein fahren und rollte sich
im Schnee ab. Als sie sich umwandte und ihrer
sie hinter ihr all die übrigen Kinder, die sie
"Du sollst dich nicht an mich
Dann sprang sie auf und faßte nach ihrer Hand.
"Gib, ich habe dich umgeworfen, also helfe ich dir auch auf."
te dabei wieder einmal erst
in tiefstem Blau; sie selbst aber hatte schwar
stark und ungewöhnlich intelligent und den meiste
n ihrer Altersgenossen weit voraus. Ja, man
als ihr diese Gedanken durch den Kopf gingen, bemerkte sie
das merkwürdige Halsband, das ihrer Toch
ter aus dem Hemdkragen baumelte: ein
schmutziger, abgenutzter Stoffs
treifen mit einem Steinsplitte
r als Anhänger. "Woher hast du
denn dieses Halsband, Neola?" fragte sie stirnrunzelnd. "Von Amada. Sie hat gesagt, das da
ist ein Stück vom Himmel, das
Freya erhob sich ernst und nahm ihre Tochte
solche Geschenke machen. Die alte Priester
in muss doch wissen, dass diese Himmelssteine
hatte, marschierte sie mit Neola schnurstracks
zum Quartier zurück – wobei das Kind fast
rennen musste, um Schritt halten zu können. Sie
ner kleinen Dachkammer hoch:
e Priesterin die Vorgänge am nächtlichen
Himmel beobachten und aufzeichnen – eine Be
Indiz ihrer Senilität war.
e Tür der Alten. Es hieß, sie
sei einmal ein große Zauberin
gewesen, bis dann ihre magischen Kräfte gesc
hwunden und sie senil geworden sei. Als die
tternackt, mit nicht mehr als einem Handtuch
"Was willst du ?" fragte Amada. "Ich lasse mich nicht gern stören, vor allem beim Waschen
nicht!" Als aber ihr Blick auf Neola fiel, leucht
Amada musterte sie kurz und ve
Da nahm Amada, ohne ein Wort zu erwidern,
Kämmerchen, hob sie mit einer für ihr Alter er
Holztisch neben ihrem Waschbecken und zog sich ein Gewand aus grobem weißem Tuch
über. "Nein", sprach sie sodann mit sanfter S
glaube auch nicht, dass sie eine wird. Sie
nicht die Kraft, die sie ausstrahlt?"
Nun sah sie Freya forschend ins Gesicht, schütte
t schon mehr magische
rte Freya zweifelnd.
Amada nickte nur und hielt ihr die Hand hin. "Gib
mir aus deinem Beutel zwei Steine gleicher
Größe und Gestalt." Freya kramte zwei glatte
Kiesel hervor und gab sie der Alten. Die
voneinander entfernt, auf dem Ti
auf die Schulter und fragte: "Weißt du noch, was
wir neulich mit den Steinen gemacht haben?
Wie gleich und gleich sich anzi
"Dann strenge deinen Geist an und mache,
Die Kleine verzog in offenbar höchster Konzentration ihr Gesicht. Sie sah so komisch aus,
st einmal geschah ga
r nichts. Freya wollte
Kommt mit auf den Wachturm", rief sie atemlos,
"Sonita sagt, es sind Truppen im Anzug. Es
Eine leichte Brise spielte mit den losen Haar
strähnen Freyas. Sie starrte stumm auf die
näherkommende Heerschar hinab. Die Garnison
lag auf der Spitze eines steilen Hügels,
strategisch gut plaziert zum Schutz des Tempel
im Tal. Von ihrem Standpunkt hoch oben im
re freigestellte Gardistin; ihr
Sohn strampelte im Schultertuch und zauste ih
r Haar. "Das sah mir wie eine Schar von
"Aber sie rücken kühn und offen an, als ob sie glaubten, dass sie nichts zu befürchten hätten."
. "Derzeit", meinte Freya, "haben sie auch
Freya spürte ein Kribbeln im Rücken, als sie fe
sten Tritts zu dem Mann hinabschritt, der dort
Freya hatte den Umstand, dass der Feind beschäf
tigt war, genutzt, um Sonita loszuschicken,
an einem Seil die rückwärtige Burgmauer
Zehn Schritte vor dem Fremdling blieb Freya st
Leder, aber seine Arme und Beine waren bloß.
Dafür war er reich geschmückt: mit einer
"Sei mir gegrüßt, Gardistin", begann er läch
erraten haben dürftest, mit Fleisch. Nicht mit je
der Art Fleisch, wohlgemerkt, nur mit jungem.
Mit Fleisch, das einem nicht einf
ach unterwegs krepiert, mit Flei
überlassen. Du musst schon um sie kämpfen, und
Kommandeurin jenen Hilferuf gesandt. Ich ha
die Kinder müssen in der Burg bleiben!"
Freya beugte sich über ihre Tochter, die zu
sammengekuschelt unter den Felldecken schlief.
Die ganze Nacht war die Kriegerin auf den Bu
rgmauern ihre Runden gegangen, hatte nach
pf zerbrochen, um einen Ausweg aus ihrer
verzweifelten Lage zu finden. Aber alles Nachdenken und Grübeln war vergeblich gewesen.
er ihr Kind beugte: um das zu tun, was ihr
Sonne den Horizont erhellte und aus dem fei
ndlichen Lager Geräusche regen morgendlichen
lch aus dem Gürtel. Ihre Tochter würde die
erste sein, für den Fall, dass sie mit den andere
einen anderen Weg. Wir können sie
schlagen!"
Sinnen, Alte? Da draußen stehen mehr als
genug Männer, um uns zu vernichten … zehn fü
r jeden, den ich töten könnte!" Amada blickte
der Gardistin fest in die Augen. "Auch wenn du mi
ich doch genau, was ich will! Es gibt eine
Hoffnung, und deine Tochter ist der Schlüssel
Freya die Alte an. Amada zuck
te mit keiner Wimper. "Wenn
f dem Wehrgang. Die meisten schwiegen wie
r die ältesten unter ihnen ahnten, welches
Amada hieß die Kinder, sich rasch in einem
"Neola, hast du noch den Himmelsstein?" fragte
Neola nahm folgsam ihr Halsband ab und reichte
es der Priesterin, und die riß mit einem Ruck
nsplitter. "Schleudere ihn mitten in die
Sturmkolonne." "Das hat doch keinen Zweck!"
mache erst einmal einen Probewurf."
Freya griff in den Beutel an ihrem Gurt, holte
Nun stellte sich Amada inmitten der Kindersch
elte in einem Tempo, das ihr die Kriegerin
rriemen waren zum Zerreißen gespannt. Die
ndern standen die Haare zu Berge, Irrlichter
tanzten zwischen ihnen, und die Burgmauer er
Priesterin taumelte und sich nur mit Mühe auf de
Freya nahm die wimmernde Neola aus Amadas
Armen und drückte sie an sich, versammelte
Seite an Seite stehend, blickten Amada und Freya
die Sturmkolonne gewesen war. Nur ein tiefer
Die alte Frau lächelte stolzgeschwellt. "Ich habe dir ja gesagt, dass sie die Kraft besitzt.
tlich beiseite legen, ehe sie die Botschaft
Autor ihnen vermitteln wollen. Versuchen Sie einmal zum Spaß,
worauf der jeweilige Autor hinaus will und wieso
er sich eigentlich die Mühe gemacht hat,
diese Story über diese ganz bestimmten Pers
Und wenn die Leute Ihre Absicht schon vor dem Ende Ihrer Story mitbekommen, sollten Sie
vielleicht Volksredner werden.
hre alt und wohnt in Alabama. – MZB


Sharik schluckte nervös, als sie zum Falkinne
nberg emporstarrte. Er war in der nur vom
Sommersternhimmel aufragte. Au
f dem Gipfel stand der zerfa
llene Tempel der Heilerin …
aus dem sich, wenn man dem alten Afri Gl
auben schenken wollte, in manchen Nächten
Geister erhoben, um gegeneinander zu kämpfe
Geschichtenerzähler einem zu sagen, da
kommt auf jeden Baum ein Geist!
"Auf dem Falkinnenberg gibt es keine Geister"
Sharik blickte über ihre Schulter zurück auf ih
ren zehnjährigen Bruder So
lvi, der so ängstlich
den Weg hinaufstarrte, als ob er
t also da oben, Däumling, um de
zog er Solvi auf. "Wenn die Geister sie erst
gefressen haben, verspeisen sie dich zum
Nachtisch." Solvi sah Gedr mit weit aufgeri
umling wurde immer so, wenn Gedr
Lord Osric war ein mächtiger Mann,
zum Schweigen. Dieser Vers verf
Tagen, da Lord Osric, Gedrs
dass der Tempel der Heilerin ge
ttlied allen Kindern von Rivermouth bei.
Gedr lief rot an und ging auf Däumling los. Nun
Sharik faßte nach dem Messer, das in ihrem Gü
rtel stak. Ihr Vater hatte es einem Hausierer
abgekauft, der just an ihrem Geburtstag in de
Aber zehn Taler waren soviel Geld, wie die Elte
rn in einer Woche in der Schenke einnahmen,
"Ich hatte wwwas laufen gehört", flüsterte ihr Bruder, "das war vviel … llleicht ein
Falkinnengeist."
arrte, die Hand am Dolchgriff, in den Hain
am Hang. Solvi ließ den Strahl der Laterne hi
außer einigen Bäumen
chts auszumachen. "Das muss ein Kaninchen
"Wir sind noch nicht oben." Sie wischte ihre
schweißnassen Hände an ihrer Hemdbluse ab und
fügte laut hinzu: "Außerdem, es gibt auf
dem Falkinnenberg überh
voller Rüstung und mit einem großen Schwert. U
ss dort einmal ein
Landstreicher nächtigen wollte, weil man ihn im
Tempel in der Stadt abgewiesen hat, und den
haben die Geister gefressen." "Wo hast du denn
das aufgeschnappt?" "Finn hat es mir heute
erzählt."
bergan, dass Solvi sich sputen musste, um
mithalten zu können. "Dieser alte Afri, der sieht doch die Hand nicht mehr vor den Augen",
belehrte sie ihn, "und Finn wollte dir bloß Angs
t einjagen. Du weißt doch, dass er nur Gedrs
Echo ist! Im Tempel weist man keinen ab, de
ischen schon dreimal erzählt, wie er da droben die
n und der Piraten gegeneinander kämpfen
gesehen habe. Und bei jedem Mal waren die Gesp
selber noch kühner! "Er hat doch nur
angegeben, Däumling. So wie immer."
Solvi stapfte eine Weile schweigend neben ih
sie morgen früh kommen, verstecke ich mich,
Sharik schnaubte von neuem. "Sicher, Däumling!"
Warum zitterst du dann so? war Sharaik drauf und dran zu sagen. Aber da fiel ihr ein, wie er
tan, nicht einmal, wenn sie in
es zu einer Schlägerei gekommen wäre …
"Das weiß ich, Däumling", erwiderte sie also, "a
ber du weißt ja, was Mutter gesagt hat! Wenn
"Es geht um Leben und Tod", schloß Solvi mißmutig.
es keine Geister."
Von dem Tor zum Tempelhof war nur das Mauerw
Heilerin. Auf diesem verwitterten Steinbild jedoc
h schien sie so hungrig zu grinsen wie ein
s Mädchen zum Fraß erhofft.
Das liegt an dem Licht, beruhi
rem Bruder die Laterne geben und
trat mit einem "Dann bis morgen!" an
Kranken und Gläubigen herbeigeströmt – die
einen, um Heilung zu finden … die anderen, um
mit eigenen Augen das wundersame Wirken
der Reliquie zu sehen, und bald war auf dem
adron Falkinnen zum
Schutz des Heiligtums und des kostbar
en Stabes stationiert worden.
sich nach dem Vogel benannt hatten, der ihr heilig war. Sie schützten Tempel und bekämpften
der Seite und den Schild mit
ihr Tempo zu mäßigen. Aber nach Rivermouth kamen eben keine Falkinnen mehr.
Hofes lag. Dieser Tempel war das einzige Gebä
ude, das noch stand. Die anderen, das Hospiz,
lz gewesen und so ein Raub der Flammen
s Alarmläuten an der Küste waren für die
Leute von Rivermouth die ersten Hinweise auf
m Tempel geschickt, sondern umgehend
scharfen Wortwechsel zwischen dem He
rrn von Rivermouth und der Anführerin der
r hatte keine mehr einen Fuß
hen Brot und auch eine aus dem Keller ihrer
Schenke stibitzte Flasche Wein mitgebracht hätt
e, um beides da niederzulegen, wo der Altar
gestanden hatte. Ob die Göttin Opfergaben,
die man ihr in einem zerstörten Tempel
darbrachte, gnädig annähme oder eh
er verschmähte? Hatte sich di
lassen? Oder sie zur Strafe
für die Schändung des Tempels als
Gespenster umgehen lassen? Auf
ine Geister …, erinnerte sich
Sharik selbst, machte sich aber dennoch
Sharik schrak aus dem Schlaf hoch, sah
Tempelhalle um und dachte dabei: O Herr, o Herr
lich eingenickt? Dann
fragte sie sich erstaunt: Aber was hat mich
eigentlich geweckt? Da, was war das? Ein
merkwürdiges Geräusch, wie ein Hämmern,
das von irgendwo dort draußen kam. Sharik
Plötzlich musste Sharik lächeln. Das war Ged
r! Zehn Taler waren selbst für Lord Kivans
Sohn viel Geld. Also war er mit Finn und ei
n paar von den anderen Jungen zurückgekommen,
um ihr so einen Schrecken einzujagen, dass sie
zuckende Licht zu. Laß mich nur auf Wurf
e Beine unter die Arme nimmt … Aber statt
en Stein fallen, nahm die Late
Weshalb war er verschlossen gewesen? Und, o Herr, o Herrin, wer mochte da mitten in der
den Schacht freizulegen, zu öffnen? Aber
Sharik legte keinen Wert darauf, das zu wi
überlegte sie, und verstecke mich da bis zum Mo
den Schachtrand und drehte sich um …
Und sah sich mit einmal einem Riesen mit
Vollbart und gelblichem Gesicht gegenüber, der
sie mit leeren Augenhöhlen anstarrte, die Zä
hne zu einem Totenschädelgrinsen bleckte und
seltsam vor sich hin jammerte.
"Das ist es! Dieses Zeichen ist der Beweis!"
Die mit polternder Stimme gesprochenen Worte waren das erste, was Sharik hörte, als sie
wieder zu sich kam. Der Kiefer tat ihr we
h, und im Mund hatte sie den süßlichen Geschmack
zten Lippe sickerte. Als sie si
ch an den schmerzenden Schädel
fassen wollte, merkte sie, dass ihre Hände auf
waren in Banden. Als sie behutsam die Augen öffn
auen Hexen", sagte einer der beiden – mit der
tiefen Stimme, die sie schon vernommen hatte.
Riese von einem Mann – so groß, dass sein K
umdrehte, sah sie, dass sein Bart und sein
schimmerten und sein Antlitz vom Alter gefurcht war. Es war das Gesicht ihres Geistes! Sein
Der Mann namens Ugi lächelte. Aber dann
schwand sein Lächeln, und Sharik sah ihn
näherkommen. Hatte er bemerkt, dass sie sich
bewegt hatte? Da er
Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Aber er
kam nicht zu ihr, sondern blieb vor dem auf
dem Boden liegenden Bündel stehen und stie
ß nun mit der Stiefelspitze dagegen.
"Ich kenne keine andere", sagte der Mann namens
Jeral und trat zu ihm. "Es gibt sie sicher,
dann auch die falschen Leute es erfahren." Dabe
"Wir können uns bei ihr nicht sicher sein, nich
t bei ihrem Alter. Diese Landgören entledigen
sich ihrer doch baldmöglichst, und die Vorschriften für den Zauber si
nd ja eindeutig. Warum
h die Hand auf den Griff des großen Dolches,
ahe mein ganzes Leben lang", sagte Ugi leise
und wies mit dem Kopf auf Sharik. "Ich war kaum
"Wenn es dir mißlingt, müssen wir sie zum Schw
eigen bringen. Wenn nicht, brauchen wir uns
um sie nicht zu kümmern … Dann haben
Jeral nickte und kramte in einem der Torniste
Eine riesige Falkin mit gespreizten Schwingen!
Eine dunkle Rauchwolke wallte daraus auf, kroc
h aber, anstatt zur Decke aufzusteigen, über
den Boden zur Wand mit dem Ebenbild der Falkin
Ein Krachen wie von einem Felsst
erhob sich, spähte in das D
und sprach: "Bring die Klei
ne und eine Laterne."
Aber Ugi kam nicht zu ihr. Er hob das Bündel
auf, wickelte es aus der Decke und ließ di
e dann achtlos fallen. Sharik riß vor Überraschung
und Schreck die Augen auf und holte tief Luft.
Für einen Moment glaubte sie, das kleine Kind, da
tot, gewahrte aber dann, dass es sich bewegte.
rmutlich ein Schlafmittel
wo hatten sie das Kind nur her?
Ugi nahm eine Laterne von der Wand und tr
at zu dem Zauberer, der schon vor der
"Bei Ult, da ist sie", rief er
!" Sharik reckte den Hals, um
"Schau doch! Bjan hat ja immer geschworen,
er hätte ihr mit einem Keulenhieb den Arm
at noch einen Schritt vor. "Ich
sehe nicht …" Jeral faßte ihn
am Arm und zischte: "Vorsichtig, du Narr!"
Aus dem Dunkel erscholl ein Donnern gleich
dem Flügelschlag eines riesigen Vogels. Ugi ta
umelte bleichen Gesichts zurück, und seine
"Das ist Ults Donner", flüsterte er, mit weit
nd. "Was hat sie … hast du es gesehen?"
Sharik hörte wieder mächtige Schwingen schlag
en und vermeinte, am Saum des Dunkels eine
Bewegung wahrzunehmen. Ugi wich
auch sicher, dass sie uns nicht an
s Leder kann?" Da lachte der
wie im Käfig gefangen. Sie vermag nicht über
das Salz zu kommen … und selbst wenn, könnte si
e uns nicht viel anhaben. Man hat sie mit
dem Stab an den Ort gebannt.
m Kadaver hat sie nicht mehr
brich mich auf gar keinen Fall, wenn ich das
Wieder erklang hektisches Flügelschlagen. Ugi
verzog sein Gesicht zu einem bösen Grinsen.
"Nach all der Zeit, nach aller Mühe … ist sie nu
und brüllte dann triumphierend: "D
Sharik sich in die Hocke. Die Männer hatten
sie offenbar vergessen. Ich könnte mich mit Leic
ich erst aus dem Schacht bin, nach Hause lauf
wird schon seine Leute herschicken, damit
sie sich der beiden hier annehmen …
ten! Gleichgültig, wie schnell sie nach Hause
nte, warf sich auf den Zauberer und stieß ihm
ihre schmale Klinge in den Rücken. Er schrie
auf – mehr aus Überraschung als vor Schmerz –
Kohlebecken um. Jerals langer Dolch klirrte
dicht neben dem Kopf des Säuglings auf
den Boden. Der Hexer taumelte nach vorn.
Vom Licht des Falkinnenstabes gesäumt, stand er für einen Moment völlig starr und wandte
"Verdammtes Biest", knurrte er
sie zu. "Verdammtes Biest,
verdammtes …"
Ugi stürmte los. Die Klinge führte er tief, und
in seinem Gesicht malte sich ebensoviel Angst
wie Wut. Da warf Sharik ihren kleinen Dolch,
Es war bald nach dem Morgengrauen, als Shar
ik ihren Namen rufen hörte. Sich müde die
des alten Heiligtums und warf einen Blick hinaus. Unter dem
Torbogen des Tempelhofs standen Solvi, Gedr
erwartungsvoll entgegen. Für einen flüchtigen Mome
der dieser überwucherte, vernachlässigte Hof
einmal gewesen war; aber dann war die Vision
kam auf sie zugelaufen. Gedr jedoch blieb,
wo er war, und machte ein Gesicht wie eine Fra
u, die in ihrem Butterfaß
hat. Sharik griente ihn heiter an und winkte ihm.
Solvi so stolz wie erleichtert.
"Bist du noch heil? Und hast du
einen Geist gesehen?" Als er ihre aufgepla
tzte Lippe und den blauen Fleck an ihrem
f. "Oh, was ist mit deinem Gesicht passiert?"
Da umarmte Sharik ihn lachend. "Ich bin im
immer."
"Beeile dich!" rief Gedr vom Tor her. "Wir mü
ssen zurück." Damit wandte er sich auch schon
zum Gehen. "He, Gedr!"
cht", rief Sharik, "dass du mir noch zehn Taler
terne und komme dann nach."
"Gedr sagt, du hast gemogelt", vertraute er ihr
an. "Als du nicht nach Hause kamst, hat er
herumerzählt, du hättest dich die Nacht über am
vor Tag zum Tempel hochgestiegen."
Sharik verharrte, um darüber nachzudenken.
vergangenen Nacht hätte so eine Anschuldigung sie noch fuchsteufelswild gemacht, aber nun
Sharik blickte ihm nach, bis er hinter eine
r Wegbiegung verschwand, ging dann wieder in den
Tempel und hob die Kleine vom Boden auf.
Was immer man dem Kind nachts zuvor gegebe
n hatte … die Wirkung schien jedenfalls
Hungergeschrei übergehen. Wir werden dich glei
ch in der Schenke füttern, gelobte Sharik
wie ich zu dir kam, machen wir uns auf die
Suche nach deinen Eltern. Bei dem Gedanken an
all die Fragen, die sie zu beantworten hätte,
rzog Sharik das Gesicht. Lord Kivan würde
jemanden schicken müssen, die Leichen fortzusc
jemanden aus Adienne holen müssen, der den Stab bergen und seine Hüte
Als sie an die Hüterin des Stabes dachte, kame
geweilt, an Gesichter von Freunden, die sie nie
gekannt hatte, an die Schwere eines Schwertes
in der Hand eines anderen Wesens … Erinner
Aber das schmerzte sie nicht. Sie würde sich
wärmt hatte wie heißer Apfelwein in einer
Winternacht. Diese Erinnerungen genügten ihr.
Sharik nahm lächelnd die Kleine auf ihre Hü
fte und schritt gemach den Pfad hinunter. Von
irgendwo hoch am Himmel grüßte eine Falkin mit heiserem Schrei den neuen Tag.
Mary Frey
meinem Tisch ständig
wiederkehrt, ist das der Zauberin, die eine
Abschlußprüfung in ihrer Kunst abzulegen hat.
Wenn eine Story es aber auf eine beeindruckend
andere Art behandelt, ne
hme ich sie in meine
Anthologie auf. So auch diese.

Mary war bereits in einer meiner Darkover-Ant
selbstverständlichen Sprachgefühl) oft nur
ehrerin und "arbeite, natürlich,
noch an meinem Roman und versuche dabei, mein
en Haushalt wenigstens halbwegs in Schuß
zu halten und daran zu denken, meine Katzen einigermaßen regelmäßig zu füttern".

s wirklichen Lebens
(wovon ja auch diese Geschichte erzählt). – MZB
gebot, versagen. Sie hob ihre Hände, die mit de
hatten, umschloß mit ihren schlanken, ringgeschm
nickte ihm höflich zu. "Das Elixier ist fertig",
sagte er, ohne sie anzusehe
für den Destillierapparat. Er brauchte nicht zu fragen, ob sie ihr Werk ordnungsgemäß
Arbeit sehr bewußt. Sobald einer, mit welc
hem Rang auch immer, vom Kollegium abging und
nden mehr, der ständig überprüfte, ob er sein
Die Hände in den Kuttenärmeln verschränkt
Werkstatt hinaus und durch einen langen, düste
ren Gang. Keilin hielt die Augen gesenkt und
bt mich, dachte Keilin, als sie die dunkle
Fürsten oder bei einer wohlhabenden Zunft böten –
die in großen Abständen an der Wand zur Rechten angebracht waren. Zur Linken aber war
dem Sog unsichtbarer,
unbekannter Tiefen greifbare Luft. Giraud führ
te Keilin hinab in die zunehmende Stille,
immer weiter, bis zu einem Treppenabsatz, an
ne große, von einem intensiven azurblauen Licht
erhellte Höhle ein. Meeresrauschen drang mit ei
nmal in Keilins Ohr und
ließ ihr die Haut am
ganzen Leib prickeln. Als sie am Ende des
e daran leckte, erblickte, begann ihr Herz, wie wild gegen
Keilin ging langsam zum Strand hinab und fühlte, wie der Sand sie zwischen den Zehen
kitzelte. Als ihre Füße die Welle
Jeder Prüfling musste aber auch damit rec
hnen, dass das Element zu stark für seine
er im Zauber gefangen wurde und den Rest der
ihm zugemessenen Tage in irgendeiner Zauberges
talt zubringen musste. So beherbergte das
Kollegium mancherlei merkwürdige Vogelwesen
Sie hatte gegen die Erde gekämpft, hatte gef
ühlt, dass ihr Wurzeln wuchsen, die ihr Nahrung
aus dem Erdreich sogen, und war in einen Körper
zurückgekehrt, der nun wahrlich nicht mehr
alle anderen Wolken, vom Wind
treiben lassen und hatte nach ihrer Rückkunft bei
einem Blick in einen Spiegel entdeckt, dass
Augen dem Farbenspiel des Sonnenuntergangs
Flamme gebrannt und dann bei der Heimkehr
Wenn einer die Kraft und Weisheit besaß, ein El
ement zu meistern, kehrte er unverändert,
aber mit einem Talisman wieder, der von da
Giraud einen makellosen Edelstein, in dem das
Feuer der Macht lodert
aber meisterte mehr als ein Element. Das Wasser, sann Keilin, ist meine letzte Chance, mein
Der Gedanke bestärkte sie in ihrem Entschluß.
Sie warf ihr blaues Seidenkleid mit einer
ihre Gedanken vernommen hätte, ihr erstmals, seit sie im
seine Worte aber erst mit einer kleinen Verzöge
er gesagt, "bis zum
e den Kelch an ihre Lippen.
Mit kaum hörbarer Stimme sang sie das Lied. Da na
hm das farblose Elixie
r, das sie destilliert
Wie soll er denn tief in der Höhle wissen, frag
te sie sich dabei flüchtig, wann die Sonne
untergeht?
Die Felswände ringsum begannen sich zu dreh
plötzlich zu schwach zum Stehe
mehr halten und spürte nur noch, wie sich
über ihrem Gesicht das Meer schloß.
gefischt!" rief eine Männe
Keilin verschloß vor der Helligkeit des nicht mehr durchs Wasser gefilterten Sonnenlichts die
Augen und blieb unbeweglich liegen, damit das
n im Dienst des Herrschers von
Aber da befahl die Frau: "Schiebe ihr einf
ach das Messer zwischen die Hände, damit sie
auseinanderbleiben. Dann kann sie nicht mehr si
ngen." Keilin drehte mühsam den Kopf zu ihr
um und sah ein von straffen, rostroten Zöpfen
gerahmtes, schönes, aber von Eitelkeit
einmal wollte sie den Irrtum klären, aber di
sanges. "Fällt deinem törichten Herrn denn nichts Besseres
eine wie mich auszusenden? Du kannst mir
nun nichts mehr anhaben. Wenn du fein artig
Sonnenuntergang von diesem Messer."
Keilin schlug trotz großer Schmerzen wie wild
"Lady, ein Schiff nähert sich", me
Die Zauberin beugte sich über das Netz. "Du bist
in einem Ton, der Keilin kalte Schauer den Rücken
hinabrieseln ließ. "Er wird dich auch im
Falle seines Sieges nicht zurückbekommen!"
Da ließ ein Wirbel schwerer Schritte das
ußer dem Schwefeldunst auch beiß
dem Schiff musste ein Brand ausgebrochen se
mit einem Ruck das Messer aus
der Handfessel. "Ich schneide dich los, Wasserweise, wenn du das Ungeheuer dorthin
zurückjagst, wohin es gehört." Schon fiel das
Halsgrube. "Oder du stirbst auf
der Stelle, Wasserweise!"
Keilins Hirn formte zwar eine Antwort, aber
ihr Mund brachte nur seltsame Laute zustande.
Keilin aber spürte einen schmerzhaften Ruck in der Kopfhaut, als ob sie skalpiert würde. Ihr
Da ließ sie sich ins Wasser fallen und war s
Schwanz erneut seiner Bestimmung gemäß gebr
riesigen Leib des Kraken und strebte mit kräftigen Stößen davon. Erst als weit und breit keine
zuckenden Fangarme mehr zu sehen waren, tauc
ihr wogte die amorphe Masse des Monsters üb
panischen Schreien nach, die von dort zu vern
Inmitten des Schwindelgefühls, das sie erfaßt ha
tte, spürte sie undeutlich, dass zwei starke
Hände sie in eine warme, weiche Decke hül
die Zähne schoben. Eine Stimme befahl ihr,
Schließlich vermochte sie, ihre Augen zu ö
ffnen. Sie fühlte, dass sie noch im Sand lag und
wieder ihre Beine hatte. Allmählich wurde ih
Aber war denn deren kleinliche Sorge um
dersprach nun Meister Giraud. "Ich habe mir
fort, "konnte aber diesmal keine Veränderung
feststellen."
Keilin setzte sich auf und zog ihr blaues Seidengewand enger um sich. "Doch, ich habe mich
MZB's Fantasy Magazine
Die zweite Melodie
ranz und ich waren auf der Heimreise und ritte
n zusammen auf dem alten Schlachtroß, das
Wir waren damals noch so unbeschwert, dass wi
z herrschte, bestand aus nicht mehr als
gen Quadratmeilen Land ringsum. Ich war seine Wahrsagerin
und hatte genügend Kraft, mich mit meiner
Kunst zu vergnügen und daneben meine
weitgehend zeremoniellen Aufgaben zu erfülle
n. Wir waren zufrieden mit dem, was wir
drangen aus einem kleinen Bündel, das wir vor
den Sattel geschnallt hatten, leise Klänge. Der
scharfe Trab brachte die Harfe zum Erklingen
inierende Instrument,
uns die Harfe, die bestimmt vor uns noch
suchte mir nichts daraus zu machen – aber
es ärgerte mich schon, dass er dem Zauberding
mehr zu entlocken vermochte als ich, die
Zauberin. Ja, im Verlauf dieser Reise war mi
r bewußt geworden, wie unzulänglich meine
magischen Kräfte waren. Mir war zum erstenma
nur eine mittelmäßige Zauberin sei – nicht besse
r als eine jener Dorfhe
Vom Hügel oben konnten wir jenseits der weit
sehen. Nahe vor uns erhob sich aber noch ein Wachturm.
"Sie werden sich fragen, was zwei arme Haus
ierer wie wir wohl mit
Harfe anfangen, so wie jene Wächter, die dachte
wöhnliches Aussehen geben, damit sie keinen
Argwohn schöpfen?" Als ich bedauernd verneinte,
die Kerle sie ja nicht." Die Harfe sang in
Schmerz wieder in mir hochsteigen. Ich empfan
einen Teil von mir, den
Die Wächter schienen drauf und dran, uns passier
das Bündel mit der Harfe spitz musterte und rief
: "Das hat aber eine seltsame Form. Sehen
wir es uns doch mal genauer an!" Furcht durch
fuhr mich. Mir fiel kein Zauber ein, auch wenn
Franz mich noch so drängend ansah. Als die Hüll
"Wo habt ihr denn das her?" fragte uns der roth
aarige Hauptmann scharf, wischte aber unsere
uns in die Wachstube und fesselten uns. Der
"Woher habt ihr sie?" fragte er. "Macht euch
nicht die Mühe, mir einen Bären aufzubinden.
Denn wir können eure Angaben jederzeit überprüfen."
"Diese sicherlich nicht", erwiderte Fran
sich der Hauptmann an meinen Gefährten.
Ich lief dunkelrot an. "Faß mich nicht an!" Mein
Gehirn gefror, dafür taute aber meine Zunge
"Was hast du vor … mir die Augen auszukratzen ?"
"Bleib mir vom Leib, wenn dir dein armseliges Leben lieb ist." Der Ha
uptmann verfärbte sich
der Hand, lachte breit und strich gedankenvoll
. "Was ist mit dem Ding los ?" staunte er und
"Es gehört dir eben nicht", erwiderte Franz.
Der Hauptmann sah uns ei
Vielleicht seid ihr ja später
el, viel Zeit … Am besten, ich
mache mit deiner Schwester den Anfang."
Auf seinen Wink zerrten die Wächter mich hoch, stellten mich auf die Füße und schnitten
meine Fesseln durch. Die plötzliche Stille in
Keulenhieb und machte mich ganz benommen.
Durch die warme, erregte Stille drang die Stimme meines Gefährten zu mir. Sie munterte
"… aber erst", war der Hauptmann zu vernehmen, "wollen wir ein bißchen Musik hören. Spiel
uns eine Weise, meine Liebe. Das Ding da wird di
ist." Die Wächter lachten, dass
es von den Wänden widerhallte,
vor, da sie sich unter keinen Umständen entg
ehen lassen wollten, wie ich mich in meiner
ment fast schwach vor Erleichterung. Der
Hauptmann aber ließ mich nicht aus den A
ugen und krümmte mürrisch seine verbrannten
Finger. Ein Wärmeschauer durchrieselte mich
beim ersten Harfenklang, der von den inneren
Saiten in meine Hände stieg und wie ein flute
ndes Licht durch mich
hindurchging. Endlose
Räume gewahrte ich in mir, Orte, an denen
ich mich für immer bergen könnte; aber auch
"Du spielst eine süße Weise"
, sagte er. "Wenn du dieses
meisterst du alles und jedes." Seine Männer l
weiter. Zwei Zauber schwollen, schwanden in mir,
als ich meine Kraft erforschte, und einer,
der tief in ganz gewöhnlichem Zorn wurzelte,
beherrschte mich für eine Weile. Zorn hatte
Die fröhliche Weise löste sich von den Saiten,
erfüllte die Luft rings um die Harfe und
Zwischen den Füßen des Hauptmanns sprossen Zweige hervor, und ein Schleier grüner
Blätter umgab ihn so geschwind wie ein Tuch, da
s der Sturm um ihn geblasen hätte. Winzige
ter um ihn drängten und ihre
einem Windhauch schwankten.
r zum wogenden Meer von
geworden war, aus dem Rosen so bleich wie
standen, rührten sich nicht me
ob sie Steine eines alten Gemäuers wären.
Ich sprang mit der Harfe in den Händen vom
"Was war das dann eben?"
"Das war Magie."
sikerin." Wir bahnten uns einen Weg aus dem
Turm, schoben dazu Rosengehänge beiseite und
zu meistern. Offenbar denke ic
h eher in Textmengen von hunde
haben wir so eine gelungene
short short story,
die sowohl eine glaubw
ürdige Figur wie auch
eine überzeugende Handlung hat.

Aber vermutlich machen sie das, was alle guten Sc
hriftsteller tun müssen: sich völlig in ihre
nke ich; sie ist sehr
der mitten auf meinem Weg la
mehr Wasser aus dem Eimer. "Warum musste er
die Hütte nur so weit weg vom Fluß bauen?"
schimpfte ich. "Er hätte sich ruhig ein weni
ze im Kopf gehabt hätte. Möchte wissen, wie
der seine Lehre zu
Ich war so mit Schimpfen beschäftigt, dass ic
h die Ranken, die in meinen Weg hineinragten,
Wobei aus meinem Eimer, als er ein paar Sc
Die Stacheln stachen höllisch, und das erst recht, wenn ich mich bewegte. So schloß ich die
Augen und ruhte mich ein bißchen aus. Warum
nur hatte ich bei einem Hexer in die Lehre
gehen wollen? So hatte ich mir die Lehrzeit
nicht vorgestellt. Unter die Haube zu kommen,
schien mir zu Zeiten wie diesen weit verloc
kender. Aber es gab Zeiten, da Arden mich
die waren es auch wert. Wenn
er nur endlich mit der Prüfung
für meine graue Robe begänne … damit ich an
Possen zu lernen. Vielleicht eines, um mir Wa
sser herbeizuzaubern, damit ich es nicht mehr
ständig vom Fluß heraufschleppen musste.
"Wo bleibt das Wasser zum Abendessen?"
Ja, richtig, auf dem Boden des Eimers lag
pste jämmerlich. Ich
"Du musst ja an der Luft ersticken!" murme
lte ich mitfühlend. Ich ra
nnte zum Fluß hinunter
und bemühte mich dabei, den Eimer ruhig zu
halten. Dann schöpfte ich Wasser in den Eimer
ln, als ich sie mit einem wütenden Fußtritt aufstieß. "Arden!"
h in sein Schlafzimmer stürmt
eben von einem Nickerchen. "Warum hast du mi
r denn nicht gesagt, dass die Wassergeister
ndung zum Fluß gebaut haben? Du
hast mich diese ganze Zeit
über Wasser heraufschleppen lassen!"
e hast du das herausgefunden?"
"Die Koboldin, die ich drunten am Fluß fand, hat es mir erzählt."
"Bravo, mehr wollte ich nicht hö
ren. Sieh mal auf den Stuhl."
"Was ist damit?" fragte ich und wirbelte schon he
rum. Da, auf dem Stuhl lag eine graue Robe.
"Aber ja. Du hast die erste Prüfung bestanden. Ein Luftgeist hat mir die Kunde überbracht,
damit ich das Gewand noch bis zu dein
"Ich brauchte also nur mit einem Geist zu sprech
"Moyra, du bist müde und aufgeregt. Warum ge
hst du nicht in mein Atelier und nimmst ein
schönes, heißes Bad? Dann kannst du
"Es gibt also auch heißes Wasser?"
azu überredest, es dir zu erhitzen."
Ich schnappte mir meine graue Robe und stürmt

Von Hügeln rings umhegt, vom Walde fern genug,
lag friedlich der Teich im Tal. An seinem
Ufer kauerte ein Mädchen mit
braunem Haar und tauchte behutsam den Finger ins Wasser. Es
kühner war als die anderen, schoß ganz nah heran und flitzte dann wieder davon. Nun
schwebte der ganze Schwarm herbei. Einer schwamm langsam her, um an der Fingerkuppe zu
knabbern, und schon folgte ihm blitzschnell de
r zweite. Wohl über die eigene Kühnheit
zwischen die übrigen, die gemächlich um den
Noch mehr riß sie die Augen auf, als sie die Ge
und sich nun langsam vorbeugte. Die dunklen Fa
il auszustrahlen. Fia stockte der Atem. Sie starrte auf die
arglos näherkommende Frau, au
mehr vorbeugte, auf die lange
ach aus. Aber statt kalten St
e sie am Ohr gepackt und zog sie daran hoch.
"Bist du denn verhext, dass du so dahockst und in den trüben Teich stierst? Du solltest doch
"Das tue ich doch!" maulte Fia und rieb sich das schmerzende Ohr.
"Soso!" schnaubte Cenna empört.
Fia blickte sich schuldbewußt um und sah je
tzt erst, dass nur noch drei Gänse am Teich
"O Feuer, steh mir bei!" murmelte sie
sie hinter der Herd
e den staubigen Weg
"Das stimmt nicht!"
"Was war dann das eben am Teich?"
obachtet", antwortete Fia.
"Und das mit hängendem Kiefer, wie eine Schw
auf Gänsejagd oder einer … von denen dort gewesen wäre?"
"Die kommen hier doch nie so nahe he
ran. Außerdem hätte ich die gehört!"
"Soso! Du hast mich ja nicht einmal gehört, al
s ich direkt neben dir deinen Namen rief. Ja, du
träumst den ganzen Tag mit offenen Augen. Paß nur
wiederkommt."
"Nein!" begehrte Fia auf und erblaßte. "Das is
t gemein von dir!" Cenna zuckte die Achsel,
und das mit der ganzen Überlegenheit der zwei Ja
hre Älteren. "Das ist nicht gemein, sondern
wahr. Sie holt immer die, die sonderbar sind."
"Die letzten beiden Male hat sie
überhaupt niemanden mitgenommen."
"Aber das Mal davor. Ich bin ja alt genug, um
mich noch daran zu erinnern. Sie hat Donal
geholt, den Jungen, der so herumlief und Wört
widerte Fia, bereits den Tränen nahe.
"Es zählt nicht, wie seltsam … sondern, dass du seltsam bist."
"Grim ist da!" flüsterten sie in einem Ton, de
kommen!" "Grim ist hier!"
Grim war wieder mal zur Kinderlese gekommen.
Grim, die Frau, die alle fünf, sechs oder
sieben Jahre erschien. Grim, die Frau, mit de
Wange. Die Kleinen, die Grim noch nicht ka
n, auch nun verschont zu bleiben. Grim nahm
Prophezeiung klang in ihr nach: "Grim wird dich
holen …" Die Hände zitterten ihr so sehr,
dass sie die Seilsicherung am Gatter nur m
it größter Mühe schließen konnte und von dem
Korn, das sie in den Holzeimer schöpfen
"Fia, mein Mädchen, wo bist du denn?" rief
die Mutter. "Hast du sie immer noch nicht
gefüttert?" fragte sie erstaunt, als sie Fia re
"Komm ins Haus", mahnte die Mutter. "Du
musst dir dein schönstes Kleid anziehen."
n zu müssen, war Fia zuwider. Aber das war
hier ja immer so! Die Erwachsenen zogen sich
gaben ein Festmahl, wenn Grim kam. Sie fragte
sie nur irgendeine der vorbeikommenden Fremde
n sei, von denen es ja, Feuer sei's geklagt,
ht sich glänzende Weid
ging dann dicht hinter den Eltern zum Versamml
ungsplatz, der tief im Dunkel der Bäume lag.
Ihre kleine Schwester Rune, die ihre Hand gefa
ßt hatte, plapperte den ganzen Weg über in
t vor Grim, da sie noch zu klein war, um das
um sich Sorgen machen zu müssen. Nur ich mu
ss Angst haben, dachte Fia. Cenna hält mich
für sonderbar, und was denken die anderen?
Es war heute nicht der erste Traum dieser Ar
blutung. Sie hatte niemandem von
ihren Träumen erzählt, weil
sie so … sonderbar waren. Das verhaßte Wort ließ
sie erneut erschauern! Aber sie hatte, im
von heimeligen Walddörfchen oder Menschen,
Die Versammlungshalle mit ihrem niedrigen Dach
hinüber zu einem der eilig zusammengezimmerte
treffen könne. Sie hatte mehr um ihre Freunde
schwätzten so strahlend mit ihr, als ob sie
Fia riß sich mit einem Ruck los und machte s
dem Geschrei der erstaunten Dörfler durch die Reihen. "He,
wo willst du hin?" schrie einer am
Hallenausgang und wollte sie festhalten.
Allmählich ging ihr Atem ruhiger, und sie bega
en und Wildhunden gab es nur …
die da. Ja, was sonst könnte sie tun? Für si
übergeben zu werden oder … von nun an allein zu leben. Aber das eine war so schlimm wie
Der Drittmond stieg über die Baumwipfel und taucht
e den Wald in sein dunkelrotes Licht. Da
bewegte Fia sich im Schlaf und stieß dabei ge
seine dürren Blätter raschelten. Langsam kam sie wieder zu sich. Sie sah geduckte Gestalten
den Hügel herabkommen. Ihr Gang war schwerfä
Mein, und das Gelb ihrer ledrigen Haut war
dunkler im launischen
Es war der Hügel über dem kleinen Teich, an de
nicht mehr sehen und nicht sehen, wie ihre schl
urfenden Füße den Boden entweihten, auf dem
n des Gora-Busches los und rannte wie von
"Sie kommen!" stieß Fria atemlos hervor.
"Wer?"
Die Zauberin sah sie fragend an. Also musste Fi
"Wohin?"
"Hierher!"
Grim starrte Fia zweifelnd an – für den Bruc
ihre Miene.
"Rufe die Leute zusammen!" befahl sie Sulir.
Kommando, kein lauter Schrei, sondern ein
warmes Gefühl, verbunden mit dem Bedürfnis,
den anderen nah zu sein. Von diesem Sehnen
Versammlungshalle, wo sie sich
schluchzte Fias Mutter und stürzte vor, um ihre Tochter zu umarmen.
Aber Grim hielt die Hand zwischen die beiden,
"Die O-Mein kommen", sprach
dass es kaum mehr als ein
"Sie ist kein Kind mehr", ve
Nachdem Kelor das geschluckt und verdaut
hatte, fragte er: "Wohin kommen sie?"
"Hierher in unser Dorf. Auf dem Gänsep
fad!" Ungläubiges Gemurmel erhob sich.
"Aber das ist doch unmöglich! Der Wald schützt
Schultern; das Ganze war ihr ebenso rätselhaft
wie ihm. "Ich habe sie mit eigenen Augen
gesehen", war alles, was sie sagen konnte.
"Wann werden sie kommen?" fragte die Zauberi
n ruhig. "Wenn Lural aufgeht." "Dann haben
Alle Männer und Frauen holten alsbald ihre Waff
en und schwärmten in den Wald aus, liefen
Gänsepfades, am Dorfeingang und sogar, für al
le Fälle, beiderseits des Weges hin, der zum
Als sein gelbes Licht die Wurzeln auf ihrem
Pfad beschien, hörten sie die schlurfenden
gefiederten Pfeile auf
die Sehnen. Sulir gab mit stummem Ruf ihren Befe
hl zum Angriff. Wie eine Woge brach er
über die fürchterlichen O-Mein herein. Gleich zwei von ihnen blieben im ersten Pfeilhagel
liegen. Wiederum stumm, führte Sulir die Dörfler aus dem Schutz der Bäume und zur offenen
mit spitzem Stock auf den Boden nagelte. Ein
zweiter Stab bohrte sich ihm in
"Dann sind wir also nicht mehr sicher", sagte
Fias Mutter. "Nicht einmal hier, in unserem
Wald!" Die Menge erschauerte. Fia kam herbei
"Dein Talent ist bei weitem noch nicht das,
Damit du deine Gabe ungehindert und zum Be
kleinen Dorfes, nutzen kannst. Denk an deine früh
eren Träume, an all diese anderen Male, da
du jemanden hättest warnen können!" erwiderte Grim.
Fia senkte den Kopf. Laß jemand anderen das übernehmen, wollte sie sagen, laß mich hier
"… all jene, die du mitgenommen hast. Wurden
sie wirklich alle geschult? Nicht …" Fia
verstummte, als ihr aufging, dass sie sich
noch nie gefragt hatte, was nach jenem
schrecklichen Verschwinden kam.
"Warum kann ich dann nie mehr nach Hause zurück? Meine Familie, meine Freunde sehen?"
"Aber das kannst du doch! Vielleicht schickt man
dich ja sogar hierher, wenn man dich hier
am meisten benötigt. Sieh dir Sulir an. Auch
Sulir? Die Ruferin des Dorfs? War sie also von Grim geholt worden und heimgekehrt?
"Warum sagen die Eltern das dann nicht,
Angst, dass ihnen das
bloße Aussprechen des
und die Talentierten, die ihn bekämpfen, beim
Namen nennen. Das ist nicht überall so. Nur …
in kleinen Orten wie diesem. Du wirst schon
So dachte Fia sich an einen Ort, wo man di
ese O-Mein nicht nur im Flüsterton "die dort"
zugunsten der einfachen Leute zu entscheiden. "Es ist kein Spaß, dies Talent zu haben", fuhr
in eigener Leib. Es ist eine
t nicht einfach in deinem Dorf so vor dich hin leben und nur
Fia wußte, dass die Zauberin im Recht war. Sie
dachte an all diese Male, da sie aufgeschrien
oder die Hand ausgestreckt hatte, um zu warnen oder das Töten zu enden … und damit doch
nur ihren Traum verloren hatte. Sie hatte sich st
Diane Burrell nennt sich eine "typische Militärgöre", meint aber, am interessantesten seien
vielleicht macht sich da bei mir eine Genera

Ich wurde mitten in einem eisigen Winter geboren, und das Heulen und Klagen der Winde,
die um die hohen Türme der väterlichen Burg
meiner Mutter. Dass ich bei jenem Wintersturm zur Welt kam, haben mir meine
Kindermädchen immer wieder erzählt. Mir ha
ungen – auch wenn mein
n runzelte und sagte, ich solle nichts darauf geben – mit all
geziemt, zahlreiche Hauslehrer und Kindermädche
dass die Winter hier
am Hyperberon-See vormals m
weiche Decke über die an seinem Südufer hoch
e Welt um mich bewußter wahrnahm, ging mir
auf, wie wütend die Winter über das Land herf
ielen und es mit bitterer Kälte heimsuchten,
unter Schneemassen erstickten, und es er
Frühlings aus ihrem eisigen Griff entließen.
Ich erinnere mich noch gut, dass ich mich
ulen, die wütend um die Türme und Zinnen
brausten und Wolken von Schneeflocken wild durch die Luft wirbelten. Ich habe mich oft
darüber gewundert, dass die Elemente des Winters so lange in unserem Königreich tobten;
aber damals, als Kind, glaubte ich ja … in di
esen Winden Stimmen zu
Winter … das hieß für mich praktisch monate
mir strikt verboten, während dieser Zeit dort
draußen herumzutoben. Der Grund dafür war mir
aber es kam mir so ungerecht
vor, dass ich nicht einmal an Tagen, an denen die Sonne durch die Wolken brach und den See
fte. Ich liebte meinen Vater,
in gewisser Weise – aber dass er mich im
Valhar, alles tat, damit sie und ich ja nicht a
llein zusammen waren. Ich wußte, dass sie mich
rs gegenüber meiner Mutter und mir vor allem
ihm sei einst geweissagt worden, seine Frau
werde ihm einen Sohn gebären, und er sei sehr
ungehalten gewesen, als sie mich, ein Mädche
n, zur Welt brachte. Me
sich vor Glück gewesen und hatte mich Kirin
genannt, und sie liebte mich innig – wegen der
Gleichgültigkeit meines Vaters
vielleicht um so mehr.
Über die Ereignisse vor meiner
von Dienern und Mägden, die sich von mir unbe
So wußte ich, dass die Fürsten der Nachbarlä
nder – obwohl doch unser Königreich so klein
Zauber war mir nichts bekannt … aber es gab
Zeiten in den Wintermonaten, wenn ich so in
der riesigen, dunklen Burg gefangen war, da mein
Gemäuer zu fühlen. Es schwand aber immer nach
einer Weile, und ich habe meinen Eltern nie
davon erzählt. Wichtig war ja, dass wir mit unser
dabei Magie mitspielte oder
nicht, kümmerte mich eigentlic
h nicht. Ich machte mir über
meine Eltern oft Gedanken, da ihr Verhältnis
Königin rief mich des Öfteren
zu sich, damit ich ihr aufwarte, und gab sich, obschon ja mein
mir ihre Liebe zu zeige
n. Ihre Umarmung wurde
mir sehr viel häufiger zuteil als die meines Va
oft aus mir unverständlichen Gründen –, nahm si
e mich vor den schlimmsten seiner Tiraden
in Schutz. Aber auch zu jenen Zeiten, es war meist im Hochwinter, wurde ich aus den
Gemächern meiner Eltern gewiesen und hörte dann im Fortgehen, wie sich ihre Stimmen in
erbittertem Streit erhoben … Worüber sie sich
meiner Mutter bald darauf die Stimme versag
en, sie verstummen würde. Oft hörte ich auch
ihr ersticktes Weinen. Mein Vater weinte ni
e. Mit dem Älterwerden beschäftigten mich
andere Dinge, bis ich mir schließlich, im Wint
er meines siebzehnten Geburtstags, so manches
zusammengereimt hatte. Meine Mutter wa
mit hellem Haar und Teint und großen,
schwarzen Augen, die im Dunkel schimmerten. Me
beanspruchte sie in einer mir unverständlichen We
zu sehen bekam. Mag sein, dass sein besit
zergreifendes Verhalten mir die Augen dafür
e. Als mir das zu dämmern begann, ging mir auch auf, dass
er in mir, die ich so groß und so hell von Haut und Haar und so schwarzäugig und so
zerbrechlich war wie sie, das Ebenbild mein
er Mutter sah und mich darum in der Burg
einschloß: als ein zu bewachendes und zu b
In jenem Winter fielen die Elemente mit solche
ließ in jenen Tagen und Nächten die Mauern
der Burg erbeben und deren Bewohner erschauern. Ich konnte die dumpfen Schläge noch
Zimmer ging, und sah zudem, dass die Köche
Bei Nacht tobten die Winde so gegen die Türme, dass der König all deren Bewohner in die
meine Anwesenheit bemerkten. Bei dem verleg
schossen mir viele noch unfertige Gedanken und Fr
hrtinnen nichts mehr zu hören bekäme, erhob
ich mich von meiner Schlafbank,
ließ die schützende Wärme de
r großen Halle hinter mir und
Fragen, die mich bewegten, mit einmal nich
t in Worte fassen konnte. Sie spürte meine
mer tat, und strich mir die ungebärdigen Strähnen, die meinen
Aber aus Angst, dass mein Vater gleich heim
kommen und unsere Zweisamkeit wieder einmal
stören könnte, und um dem ja zuvorzukomme
n, platzte ich nun doch damit heraus:
lächelte sie gelassen.
"Jede Burg hat ihre Geheimnisse, meine Kleine."
hwarzen Augen suchten die meinen.
"Und was genau willst du wissen, Kirin?"
dass ich erleichtert war, als sie meine Hand gehe
m. Ich schlug die Augen nieder,
ich das zarte Verhältnis zwischen mein
er Mutter und mir beschädigt hätte.
Ich weiß nicht, wann sie mir wieder ihren Blick
Hand aus und nahm erneut die meine. Als ich
schimmern. "Man muss eben manche Dinge im
Leben akzeptieren, Kirin. Man kämpft …
solange man kann … aber irgendwann kommt de
r Augenblick, da man nachgibt, es eben
akzeptiert." Ich konnte ihren Blick nicht mehr er
tragen, denn die Tränen flossen ihr über und
stand nicht in meiner Macht. Ic
h brauchte all meine Kraft, um
meinen … Zorn zu verwinden
schmal und weiß und sehr anmutig. Im Schein
des Feuers meinte ich aber zu erkennen, da
herrschenden Schweigens gewahr, mit dem Finger über die
merkwürdige Hautstelle.
Da schrak meine Mutter zusammen und versuchte,
mir ihre Hand zu entr
tte: "Es war vor langer Zeit …", sagte sie mit
r Stimme, "vor deiner Geburt. In ei
meine ursprüngliche Frage und starrte sie ungläub
ig an. Wer sollte es gewagt haben, Königin
"Mutter … wer? Warum?" Sie zögerte lange
mit einer Antwort. Nur das Prasseln de
r Flammen und das Knacken der Holzscheite
das tun, konnte mir das antun …" Dabei sah sie mi
r so in die Augen, dass ich mir sicher war,
sie wolle mir nun die ganze Wahrheit sagen – ab
auf, und mein Vater trat herein. Und ich spürte
sich verschloß – gegenüber mir wie gegenüber ih
m. Sie hob nur ihr ausdrucksloses Gesicht
und sah ihn an, als er nun mit raschen Schritten
auf uns zukam. Er hatte nicht einmal seinen
schweren Wintermantel abgelegt. Der Pelzbesatz
an Kapuze und Stiefeln war steif gefroren
Spuren aus tauendem Schnee. Sein Gesicht,
soweit es nicht von seinem dichten, eisgrauen Ba
ander auf dem Boden saßen, mit
Bewegung entging ihm nicht. Sein Blick zuckte zu ihren Händen hinab und wieder zu ihrem
Gesicht zurück. Dann wandte er sich langsam zu
mir. Er ist es gewesen, schoß es mir durch
Erklärung von mir warte;
seine Miene verdüsterte sich zusehends. We
il ich nicht wußte, was er von mir zu hören
"Leirinda … es ist der Wind", stieß Valhar bebend
hervor. Er erstickte fast an seinem Jähzorn.
s Sturms. Er tobte mit solcher Kraft, dass er bis ins tiefste
Innere der Burg drang und sogar in der Biblio
thek mit ihren dicken Mauern ein Luftzug zu
spüren war. Wie in meiner
"Ja, ich höre die Winde", sagte sie und läche
Tagwächter hat am Nordturm einen tiefen Ri
ß bemerkt, der von oben bis unten reicht. Der
"Du musst es verhindern!"
in ihren Zügen. Ich nahm besorgt ihre Hand in die meine.
tterten. Als mein Vater uns so sah, schäumte er vor Wut.
"Mutter, was meint er mit du mu …". Aber da
trat er schon mit zwei schnellen Schritten zu
mir und packte meinen Arm so fest wie ein Schraubstock, stieß mich vor sich her und in den
Flur hinaus, funkelte mich noch einmal drohe
vor meiner Nase die
Bibliothekstür zu. Ich trollte mi
mein Ohr fest an die Tür und
horchte auf ihre vom Holz des Türblatts gedämpften Stimmen.
as weiß sie?" brüllte er meine Mutter an.
"Ja! Für die Stürme, die Winde … ja, ich hatt
e Angst, dass du es brichst …" Nach einem
quälenden Schweigen fuhr er ruhiger fort: "Die
Winde werden von Jahr zu Jahr stärker."
"Nein …", ächzte sie. Und ich ballte die Fäuste
vor Wut darüber, dass
dich ja erkühnt, mir
statt eines Sohnes … eine Tochter zu gebären."
gegen mich benutzen, nicht wahr?"
dann ein leises Schluchzen ließen mich auffahre
n. Heißer Zorn wallte in mir, erfüllte mich,
der selbst das Tosen des Windes übertönte. Ich
Sturms verängstigt und geschunden, schrie ich
ihnen zu: "Mutter … Vater! Was geht hier
vor?" Mein Vater, er starrte mit einer Mien
Als ich mich von meiner Mutter löste, gewahrte
ich das blaue Mal auf ihrer Wange, das er ihr
geschlagen hatte. Tränen standen uns beiden
in den Augen, als sie mich mit fliegenden
Ich rannte, bis ich nicht mehr konnte, keuchend um
Atem rang. Das südlichste Verlies? dachte
Noch ehe mir klar war, dass ich den Entschluß ge
nab, die zum Kerker führte. Me
meiner Brust. Die Verliese waren unbewacht,
da sie nicht mehr benutzt wurden. Diese
Überbleibsel dunklerer Zeiten, diese Reihen
Ich schritt langsam den Hauptkorridor entlang, ba
hnte mir mit dem tröstlichen Strahl meiner
Laterne einen Weg durch das unheimliche Dunk
Zellentüren entsetzt in gähne
nde Nacht, musste aber auch
ein- oder zweimal mit bebenden
ner alten Türangel die Stille jählings
blickte mich suchend um … ohne zu wissen, wonach ich eigentlich suchen solle. Da war nur
Er ist mir von oben gefolgt, dachte ich, nun ha
lb von Sinnen vor Angst. Der Wind ist mir bis
"… gewissss …", flüsterte der Wind. Ein Geräusch
Strohhalme aus der weit offenen Tür. Str
ohhalme? Diese Zellen müssen doch schon vor
meine Neugier siegte über meine Furcht, und
den Ohren hämmerte, meine Laterne und trat
ahe bis an die Grundmauern – und, bis auf die
faulige Streu, völlig leer. Hier dürfte kein Stroh
mehr sein, dachte ich, diese Zellen wurden ja
vor meiner Geburt aufgelassen. Verstört hob ich di
e Laterne. Da fuhr der Wind in die kleine
Flamme, und ihr wild flackerndes Licht ließ
Mir wurde schwindlig, ich wollte nur noc
h kehrtmachen und aus der Zelle rennen,
davonlaufen, wie ich von meinen Eltern fortge
laufen war. Aber der Wind umkreiste mich von
neuem und strich mir übers Gesicht, und seine K
ühle erfrischte mich und gab mir neue Kraft.
"… sssieeehhhhhh …", flüsterte er. Da streckte ic
h, fast gegen meinen Willen, die Hand aus,
für ausnehmend schmale Handgelenke eingestellt.
Flure hallte, und der Wind fing die flüchtigen
Echos meines Schreis, trug sie zu mir zurück. "…
nein, nein, nein …" Aber mit einmal erstarb
der Wind.
Ich erinnere mich nicht mehr daran, dass ich
"… diiieee … Ladyyyy …" Das Bild meiner ge
spenstisch weißen, im feuchten Dunkel
zitternden Mutter trat vor mein inneres Auge. Di
e eisernen Handschellen hatten ihre schmalen
Eine Windfangtür schlug krachend zu. Erst je
tzt wurde mir bewußt, dass der Wintersturm mit
ungekannter Wut heulte und an den Türmen der Bu
rg zerrte. Die neu erwachte Brise strich
mir übers Gesicht, pfiff dann den Korridor
zum großen Hof entlang und ließ dabei die knapp
ren flattern. Da folgte ich
ihr und vernahm bald das Schreien und Lärmen
der Zimmerleute, die an den hohen Fenstern
zum See in aller Eile neue Läden anbrachten
Wind die aus dicken Eichenbohlen gezimmerten a
dort im Flur gehäuft hatte, schmolz bereits zu
ich scherte mich weder um den traurigen Zust
and der Teppiche noch um das Platschen meiner
Pantoffeln, da ich nur für meine kleine Brise,
die mich zur Tür führte, Sinn und Auge hatte.
Einer faßte mich an der Schulter, und andere
packten mich am Arm, aber ich schüttelte sie
leute hinter mir schrien und riefen einander
zu, mich doch zurückzuhalten. Da berührte ich
Schneegestöber fiel über mich her. Ich stand da
Wucht des Windes taumelnd, und starrte in den
Hof. Mein kleiner Wind umkreiste mich, wehr
mich einstürmenden
Schneewirbel und beschützte mich mit seinem ei
frigen Tanz. Ich glaubte, über dem Heulen
jener Sturmböen Stimmen zu hören – wütende
, gellende, klagende Stimmen – und, dagegen
ankämpfend, das leise Pfeifen meines Schutzwindes.
Ganz in meiner Nähe stand, mit dem Rücken
zu mir und das Gesicht zur Nordecke des Hofs
gewandt, mein Vater. Sein großer Pelzmantel war weiß mit Reif gesäumt, und er konnte sich
in diesem Sturm nur mit Mühe aufrecht halten.
Meine Mutter stand, mit gen Norden erhobene
Der König drehte sich um. Als er mich da erb
ragenden Türme.
"Nein, laßt ab … laßt sofort davon ab! Ihr bringt
uns alle ja mit eurer Wut in Gefahr!" Mit
weit draußen über dem gefrorenen
See ein Wirbelwind schwer
e Burg zuraste … Auch mein Vater, der
uhr herum und sah den Wirbelwind, und als sie
sich wieder umwandte, erblickte sie mich. Ih
re Augen waren schwarze Kleckse in diesem
weißen Toben, und sie schrie gellend den Winde
Kein Lüftchen regte sich mehr. Ringsum sanke
weil die Kälte von mir Besitz ergriff, da
auch meine kleine Brise mit den Stürmen
e. "Alles das hatte ich dir ersp
aren wollen!" Ich sah sie an.
"Bist du eine Zauberin, Mutter?"
"Nein!" kam ihr mein Vater zuvor. Als wir
ihn vor uns im Schnee
stehen – mit dampfendem Atem, das Gesicht noch rot von der Anstrengung, über die
keine Zauberin!" sagte er mit flacher, tonloser
Stimme. Nun würde meine Mutter zu zitt
ern beginnen und sich stumm seinem Wort
unterordnen … Aber diesmal tat sie es nicht!
"Nein, ich bin keine Zauberin. Ich bin Frau Winter."
"Leirinda!" zischte mein Vater.
ut, und wir fühlten, wie die Winde
Vater blickte zum Himmel auf. Da droben jagt
en die Wolken. "Leirinda … Kirin. Ihr beide
Wind herab, warf die große Tür krachend zu und
Ich starrte ihn an, und mir war, als ob ich je
e Umstände nicht …"
"Ich weiß genug! Wie kannst du die, die du
Meine Mutter zog mich an sich. "Nein …
Der Wind umschmeichelte mich, und ich vern
"Ich höre wieder die Stimmen im Wind."
nommen. Das war mein Geschenk an dich, als du
zur Welt kamst. Die Stimmen des Winters sind in
dir, so wie sie auch in mir sind." Nun sah
sie den König an und hob ihre Stimme: "Wir ha
beiden Versprechen, die du mir gabst, gebroche
n. So entbinde du mich nun von dem meinen."
Valhar sah sie starr und unergründlich an. Schließlich nickte er langsam, wandte sich von ihr
Da blickte Leirinda mir fest in die Augen und hob
im Norden lebte … kam eines Tages dein Vater zu mir. Feinde verheerten sein Reich, und er
brauchte viel mehr als Waffen, um sie zu
hatte mein Reich daher mit gefährlichen Kräften umgeben.
Ich fühlte den Boden unter meinen F
üßen schwanken. War ich das Kind einer
Vergewaltigung? fragte ich mich ersc
Leirinda schluckte und fuhr dann stockend fort
. "Er … nahm mich … und brachte mich in
"Ohne die Winde war ich ohnmächtig. Dann spürte
ich, dass ich ein Kind unter dem Herzen
trug. Nun musste ich mich beugen … und er li
eß mich geloben, meine Macht über die
Winterwinde nie gegen ihn zu nutzen und sein
Valhar drehte sich zu ihr um, und ich sah erschü
"Du hast zuviel von mir gewollt!" erwiderte si
"Dass er mich nicht bitten würde, das zu tun, wa
s ich nicht zu tun vermochte. Er konnte weder
"Ja. Rache am König. Und me
ine Macht über sie … und mich
selbst … schwand mit den
Jahren immer mehr. Erst als sie dich fanden,
wagte ich zu hoffen …" Da fiel mir ein, wie
mein Zorn aufgeloht war, als ich Valhar meine Mutter schlagen gehört hatte, wie die
Winterwinde auf der Suche nach mir durch di
Kraft? Und hatte meine Mutter mich umarmt, um
mich vor ihnen zu schützen – oder um ihnen
zu zeigen, dass ich ihr Kind sei und sie mir deshal
b genauso gehorchen müßten wie ihr selbst?
Mein kleiner Wind umtanzte mich und nahm an
Stärke zu, als sich die anderen, mächtigeren
Winde ihm zugesellten. Er war geblieben, um mi
r den Weg zu weisen … damit ich erfahre,
wer und was meine Mutter wirklich war!
Nun fiel mein Blick auf meinen Vater, der ab
seits von uns stand. "Was
…", begann ich. Die Stimme versagte mir. "Wie
konntest du das nur tun, Vater?" Die Winde
"… nnneiiinnn …", seufzten die Winde.
Und ich fühlte, wie sie mich in die Arme
nahmen, als die Welt um mich versank, und die
tanzenden Schneeflocken hoben uns, meine Mu
tter und mich, in den Himmel empor und
durch Wiederholung ja nicht weniger wahr –,
gehört es zu den größten Freuden meiner Her
ausgeberarbeit, Autoren, die den Lesern schon
einen merkwürdigen Effekt" gehabt.
Magazinen veröffentlicht und ist,
zu meinem großen Stolz,
"halb-regelmäßiger Mitarbeiter"
des sehr angesehenen Magazins
Analog
geworden.
Irgendwann möchte er gern einen Roman (oder me
Die Brücke über den Darikill Fel
trockene Kleider und Stiefel anzuziehen. Dann ha
er eintrat. "Sind die Leute da?"
en hat, dass er der Gemeinde der Eunuchen
de, Mylord", erwiderte er so leise wie ausweichend.
t. Denn er hatte sechs Tage lang, bis zu den
Hüften im Schlamm, die bislang vergebliche
Der König seufzte müde und fragte sich, welc
machen. "Also", versuchte er es erneut, "wenn
ich dich recht verstehe, dann ist jemand meinem
Aufruf gefolgt. Die
Nun beugte er sich vor und sagte mit leiser, dr
rspalt. "Was?" fragte König Keronian. Aber da
Bewerber zu, den sein Aufruf zur Bildung eine
r Söldnertruppe gezeitigt hatte. "Habe ich denn
richtig gehört? Du forderst für dich ganz al
reichlichen fürwahr, für eine ganze Armee?" Er
die vor ihm Stehende
besser in Augenschein nehmen zu können. "Da mö
bist, denn du scheinst ja mehr in der Hose zu haben als die meisten Männer in meinem
n sie gekämpft hatten,
"Clea, das Miststück" genannt oder mit noc
h unfreundlicheren Namen belegt, Clea, also,
lächelte nur mild zum König empor.
nes Hemdkleid gehüllte, zierlich
empört. Ihre weit auseina
verwechselst wohl mannesübliche Ausstattung m
it Mut, König. Erstere hat der feige wie der
heldenhafte Mann gleichermaßen und gleicherma
ßen auch den Willen, sie zu gebrauchen.
Aufgaben mit magischen Mitteln erledigen könnt
Armee hinter dir hast …"
, schloß er mit wegwerfender Handbewegung und bedauerndem
Clea wischte seine Einwände mit ebenso en
lächelnd: "Eine Messerkämpferin braucht nicht so muskulöse Arme wie eine
Schwertkämpferin. Was Magie anbelangt, nun, da
habe ich schon ein, zwei kleine Tricks
parat … Wenn ich dir sage, dass ich nicht nur fü
r diese Aufgabe tauge, sondern für weit mehr,
"Hör gut zu, Lord. Ich weiß um deine Notlage
. Du bist erst ein Jahr auf dem Thron, als
seltsam gewordenen Onkels.
Deine Gewölbe sind vor allem
"Aber", fuhr Clea fort, als ob nichts geschehen sei, "ich bin mir sicher, dass du derlei
Schwierigkeiten gewachsen bist. Was deinen H
ilferuf notwendig machte
, sind die Irsikilliki
dir schon immer eine Plage … wenn auch kaum
mehr als das … aber bisher hat der Darikill Fel,
die tiefe Schlucht zwischen deinem und ihrem
Land, ihnen jegliche Invasion in größerer Tr
uppenstärke unmöglich gemacht." Auf sein
zustimmendes Nicken spann sie ihren Faden
nn gefangengenommen, einen Baumeister und Architekten aus
einer der großen Städte im Lande Southron. Der
baut ihnen eine Brücke über den Darikill
"Dann könnten sie gleich einem Heuschreckensc
eses seltsame Wesen, das von so jugendlicher
ganze Armee? "Wo lagern sie?" fragte er und
beugte sich in jähem Eifer weit vor. "Sind sie
erstaunten Mannes mit einem düsteren Nicken.
Außer dem merkwürdigen Wermädchen nur noc
h eine weitere Frau? Wenn die auch keine
auf seinen Thron verzichten und Schiffbauer
Als er die Angekündigte am Krückstock hereinsc
hlurfen sah, machte er erst recht ein langes
"Den hat er, aber der ist zu jung für deine
junge Böcke gibt!" murrte die Alte. "Jung
und heißblütig." Sie kicherte von neuem und l
"Knackig und zart im Fleisch, nicht so wie di
n, dem nun endgültig der Geduldsfa
hundemüde und habe keine Lust, meine Zeit mit euren merkwürdigen Spielchen zu
e an, der hoffte, sich damit zumindest einen
Platz im Schatten der könglichen Gnade zu sichern.
Er trat auch sogleich vor, um die Alte am
Ellbogen zu packen und hinauszubefördern – und bl
überreife Frucht beiseite … Reege flog zappelnd und wild um sich schlagend durch den Saal
und hätte sich am Ende bestimmt noch den Ha
ls gebrochen, wenn nicht ein dicker Vorhang,
der den Durchgang zum Nebenzimmer verdeckte,
Als der Türwächter nun mit gefä
hte Clea, anscheinend aus dem
m Vorschein, wandte sich zu ihm um und
cht nachkam. Das Messer schoß
e das nächste Messer sc
hon in der Hand hielt.
Clea gestikulierte sanft zu dem Türwächter
Lanzenschaft und flog wie ein zahmer Vogel in
ihre Hand zurück. Kaum dort angekommen,
geschehen sei, dem König zu und nahm den
Faden der Verhandlungen wieder auf. "Außer uns beiden ist ja niemand deinem Aufruf
gefolgt. Meinst du nicht, dass wir unsere Energien besser gegen deine Feinde wenden sollten?
ich lasse ein angefangenes Werk nicht gern
Die beiden Frauen machten kehrt und gingen zu
wußten Schritts. Der Wächter li
dabei aber sehr acht, dass ihm die junge Kämp
ferin nicht zu nahe kam. Als sie verschwunden
die Seite des Königs. "Du wirst doch ihre
unverschämte Forderung nicht erfüllen wollen?"
die ihm auf die Zunge kam, le
s hat meine schlechte Laune kaum verbessern können. Ich
warne dich also: Wenn ich in meinem sauer verd
werde, nehme ich mir
für mein nächstes Nickerchen deinen Kopf
als Ruhekissen!" Damit er
und schritt von dannen, um sich in seine Priv
atgemächer zu begeben. Reege blickte ihm
Mensch sei, um eine so barb
arische Drohung auch auszuführen.
Nun musste er dringend diverse
einfach um sicherzugehen, am
en anstellte, stand Dessurne, ein hochgewachsener,
Er verfolgte mißmutig, wie diese nackten und ab
Aber er hatte weitergemacht – aus mehreren Gr
das sie einzufallen trac
umgekehrt festzumachen. Seufzend stieg er hi
nab, um den Unsinn abzustellen. Da hörte man
bei jedem Schritt, den er tat, seine grobschl
von ganzem Herzen, dass dort drüben eine groß
e Armeesie erwarte, dass aber ihn nicht
irgendein kurzsichtiger Soldat des Königs für ei
nen Irsikilliki-Wilden hielte.
Essen und Trinken in rauhen Mengen. Glitzer
Weiber!
nun in voller Kriegsbemalung über das riesige Bauwerk ausschwärmten, das ihm wie ihnen
leichten Zugang zu diesen und anderen Dingen mehr verschaffen sollte. Vorbei die Zeiten, da
sie herumgeschlichen waren, um, wie Mäuse, di
zu stibitzen. Vorbei
Urgsk aus seinem Gedächtnis
geschwemmt hatte: dass er doch den Schamane
n nach einem guten Grund hatte befragen
Aber wenn er sich Omatoos unstillbarer Gier ni
sein, um auch nur das geringste mit ihnen
anzufangen. Was dieser ganzen schönen Invasion
das allermeiste von ihrem Reiz nähme.
in Reeges Auftrag die kleine Irre und ihre
en und haben hundert Schwerter mit Glasklingen
und Holzgriffen abgeholt?" Erne
"Du bist dann gleich, nachdem sie wegfuhren, zu
Meister Petchris rein und
e junge Frau habe ihm genau zwei Tage zuvor
erteilt und sie im voraus bezahlt. Richtig?"
Diesmal kam statt eines Nickens ein Seufzer. Auch
Der König legte dem kleinen Spion die Hand auf
die Schulter. "Ja, ja, immer mit der Ruhe,
Bürschchen! Hat dich die Junge da, Clea heißt sie, gefangengenommen?"
schüttelte recht heftig den Kopf.
"Dann war es also die Alte? Nun, die ist ja
unheimlich stark. Das habe ich mit eigenen Augen
dir nichts Böses. Kannst du mir ni
cht erzählen, was dann geschah?"
der Spion in Tränen aus, krümmte sich
chen so aus dem Lot gebracht hatte. Er lehnte
sich zurück, um die Lage zu bedenken. Diese
Dessurne stand neben Irsikubo, um mit ihm zu
Es ging um die Irsik
r Häuptling gewesen war, hatte der Stamm
zug gehe es ihren Männern darum, Gold und
prächtige Gewänder, Edelsteine und andere Sc
Die Träger schafften weiter Ballastsand hera
n. Mit einmal ächzte es in dem gewaltigen
Tragarm wie der Kopf eines schlafenden Dr
Die Männer jubelten, lärmten und tranken noch
Auch Dessurne nahm einen tüchtigen Schluck
Hundert kriegsbemalte
kleinwüchsige Männer nahmen da hurtig ihre
Geschirr. Bald schon übertönte das Knirschen de
r gewaltigen Brücke, die sich langsam in
i den Rückzug offengehalten – und der Armee des Nachbarlandes die
sondern auch, um sich auf raffinierte und e
ndgültige Weise für seine lange Gefangenschaft
und die zahllosen Demütigungen, die sie ihm zugefügt
Brücke viel zu schlampig
gebaut war, um ein neuerliches Anheben und Wegdrehen
überstehen zu können. Bei einem derartigen Versuch würde sie in sich zusammenbrechen – so
Eine Heimkehr geradewegs in die wartenden
Arme ihrer Frauen, aus denen es dann kein
Entrinnen mehr gäbe. "Das läuft ja ganz nach
seinem Baumeister grinsend auf den Rücken. "In de
Die irsikillikinische Armee überquerte die neue Brücke. Weil die bemalten Kämpfer, knapp
hundert an der Zahl, nur mit Schleudern, Stei
nmessern, Steinspitzenspeeren und Holzkeulen
Als er sie jedoch bat, ihrem Helden doch endlic
h seine Fußfessel abzunehmen, lachten sie nur.
Die Invasoren hatten noch nicht einmal eine
Meile zurückgelegt, als sie vor sich und mitten
auf dem Weg vier riesige Holzfässer liegen sa
angezapft. Unter dem Zapfhahn stand ein randvoller Steinkrug, und auf jedem der Fässer war
groß mit Kreide das Wörtchen wein geschrieben.
nblick, dass die Männer erst einmal verblüfft vor sich hin
murmelten und stirnrunzelnd haltmachten. Sie
Dessurne jedoch, den ja niemand fragte, musterte
klar: Die waren dort deponiert worden, damit di
e Irsikilliki sie fänden.
Spekulierte da jemand
darauf, dass diese Wilden die Invasion abblasen
würden, wenn sie sich erst einmal genügend
berauscht hätten? Das schien ihm unwahrscheinl
ich – viel naheliegender war, dass der Wein
Was auch immer mit dieser unverhofften Gabe b
ezweckt sein mochte, für ihn selbst war es
von größtem Interesse, seine Unterdrücker zu
Fässern ist vermutlich Wein", sagte er zu
Irsikubo. Der Häuptling sa
h ihn mißtrauisch an.
"Mit dem größten Vergnügen", erwiderte er dahe
r. Als er nun mit kli
Als die irsikillikinischen I
nvasoren, kaum eine Meile hint
er dem Schauplatz der großen
Weinschlacht, um eine Wegbiegung torkelten, sa
hen sie sich plötzlich vor einem Haufen
funkelnder Schwerter, die wie gemacht für sie schienen.
Die meisten Krieger waren schon beim Aufb
Schwert zuzulegen. Das hätte bestimmt keiner
bemerkt. … Aber dann hatte er es doch für
en Klingen nicht in die Quere zu kommen.
Da musste irgendein subtiler Plan dahinterstecke
Bald schon waren die Krieger denn auch wieder
auf dem Marsch. Und sie beglückwünschten
sich doch aufs Invasieren und Beutemachen
Aber hinter ihnen auf dem Weg lagen da, wo
ohl als nächstes geschehen würde.
Ein einstimmiger Schrei des Entzückens stieg zu
m Himmel auf. Dort unten musste es Fleisch
stlichkeiten geben! Weinesmutig und wild die schönen neuen
Klingen schwingend, taumelten, torkelten und
kugelten sie also hügelab, um sich diese
Und langsameren Schritts, wie sich das für se
inen Rang geziemte, folgte Irsikubo ihnen. Er
musste schließlich die Kontrolle über sein
e Truppe behalten. Und Dessurne blieb
zwangsläufig an seiner Seite. Er musste schl
Ganze zwei Leutchen saßen am Feuer: ein klei
nwüchsiges, in Lumpen gehülltes altes Weib
und jemand im schwarzen Umhang, der sich di
dicht am Feuer hockte, als ob er sich wärm
tte seiner Krieger. Das alte Weib hinkte
dem Baumeister auf den Boden und umklammerte
"Oh, wehe!" klagte sie und sah mit weit aufger
war es die verhüllte Gestalt am Lagerfeuer
dort! "Ich bin nur ein armer Gefangener,
Mütterchen", erwiderte er ihr, aber mit so
lauter Stimme, dass auch die rätselhafte
Vermummte es hören musste. "Ein Gefangener,
verstehst du?" Mit einem Achselzucken
Häuptling schwankte wie ein Baum im Sturm, hie
Das Weib stürzte sich auf Irsikubos Knöc
hel und umklammerte sie mit ihren knochigen
Fingern. "Töte sie, o Herr! Der Zauber muss gebr
ochen werden. Ich flehe dich an, töte sie!"
"Wen töten?" fragte der Häuptling der Irsi
sich am Kopf.
"Die Tochter meiner Tochter!" klagte sie. "Die vergiftete Frucht der Frucht meines Leibes.
blickte sich ratlos um. "Welche Hexe?"
Dessurne war nicht so weinselig, dass ihm entgangen wäre, was ihre Drohung auch besagte.
ses Feuer da war, äh, jemand?"
ihm das Mark in den Knochen gefrieren.
"Allerdings, das war jemand. Mein lieber Opa
wollte mich irgend so einem tatterigen alten
Hexer geben, in der Hoffnung, dass ich fügsamer würde, wenn mich eine Macht größer als die
meine kontrollierte."
Sie lachte von neuem und wies
als die meine! Ah, aber er hat sich tapfer
gewehrt, das will ich ihm lassen … Ich musste ihn
Schicht um Schicht auseinandern
ehmen, wie eine zähe alte Zwiebe
. "Einen Fluch der schwärzesten
und schrecklichsten Art! Wird
denn niemand uns vor ihrer Niedertracht schüt
zen?" Sie kroch auf Händen und Füßen zu dem
ihr am nächsten stehenden Krieger, einem
Beine, dass ihm sein weinseliges Grinsen ra
sch verging. "Du, junges Herrchen! Willst du
Da schnurrte die Hexe mit beinahe liebevollem
Fluch. Der Alte verfluchte dieses Land, das mi
und dann die Männlichkeit
zuschanden wird!"
Diese Warnung war noch nicht in Irsikubos Be
Bedeutung, die der Fluch des Hexers für sie hatte
, aufging. "Was?" brüllte er und faßte sein
Schwert fester. "Wir nehmen all diese Gefahren auf uns, und dann kommst du und sagst, wir
könnten keine Weiber haben!" Ein nervöses Mu
rmeln lief durch die Reihen der Krieger, und
die aufgewecktesten unter ihnen blickten wüte
nd drein. Der Ring um die beiden schloß sich
Da warf die Hexe ihren Umhang hinter sich
lange schwarze Klinge aufblitzte, und bleckte die Zähne zu einem Raubtiergrinsen. "Ich
ich zersprang ihm die wundersc
höne Glasklinge wie von einem
n. Als er zum Stehen kam, starrte er mit
seiner stolzen Waffe. Und wurde totenblaß
chstes geschähe. Also machte er blitzschnell kehrt, um, so
schnell ihn seine kurzen Beine tragen wollte
n, den Hügel hinan und zurück zum Fel und über
ührer war, erwies sich auch in dieser Lage. Denn seine
kriegsbemalten Mannen zögerten keinen Augenb
lick. … seinem Beispiel zu folgen. Sie ließen
ihre Waffen fallen, als ob die sich in Schl
Zwölf seiner Leute kamen aber nicht weit. De
n Unglücklichen riß schon nach einem Dutzend
Beine unter dem Leib weg, worauf sie wie
Mehlsäcke zu Boden schlugen und, von ihrem
m eine leichte Hand auf die Schulter legte.
Als er hastig den Kopf zur Seite wandte,
grausigen Hexe gegenüber. Ihm schwanden die Sinne.
chlug, sah er sie mit besorgte
nftigend. "Bei dem Schrecken, de
dürften sie erst ruhen, wenn si
e diese Brücke, die du ihnen ge
baut hast, hinter sich und
eingeholt und in tausend
Stücke gehauen haben!"
Dessurne starrte sie ungläubig an. "Du?
Dann steckst du hinter all dem?"
wieder soweit beisammen hatte
n. Er fuhr herum. Aber der Anblick, der sich ihm bot, war so
seltsam, dass er erst mit einiger Verzöge
Er sah die Alte, die wie ein Aa
absuchte. In dem riesigen
e und wimmerte einer der zu Boden gegangenen
Krieger. Sie scherte sich nicht um seinen Ja
mmer, sondern humpelte, so schnell ihre dünnen
ugte sich über ihn und fuhr mit einem Messer
ohne dass sich ihre spärlichen Armmuskeln me
rklich geschwellt hätten – vom Boden auf und
stopfte ihn zu dem ersten … Vergnügt kich
ernd, humpelte sie dann,
schweren Sack wie ein Spielzeug hinter sich
herziehend, weiter, um gleich den nächsten
ihm die nach der Alten und ihrem sonderbaren
"Was hat diese Männer denn zu Fall gebracht? U
res Alters so kräftig
sein?"
Er schluckte mühsam. "Was hat si
e mit den … armen Kerlen vor?"
"Maggrix weiß um viele Dinge", erwiderte Clea
respektvoll. "Sieh, das hat sie umgerissen."
Sie kauerte vor ihm nieder und hatte mit einmal
Geheimnis seiner Herstellung und der Stärke de
die haben es zumeist von ihr. Und warum sie si
Nun, sie glaubt, dass
sie selbst wieder jung werde, wenn sie mit genug jungen Männern schlafe."
"Aber das ist doch lächerlich", murmelte er.
Als Clea ihre Arme br
derte sie. "Aber sie ha
t zumindest viel Spaß
dabei, und wer wollte ihr widersprechen?"
"Wir brauchen den Weg zur Burg ja nicht zu
Pferd und Wagen stehen", meinte Clea. Dann z
Dessurne klopfte ihr auf den Kopf wie
einem dummen Kind. "M
mit einer von ihnen verbracht hatte.
st mich aus langer Gefangenschaft erlöst.
"Damit könntest du recht haben, My
lord", erwiderte sie. Überzeugt wirkte sie jedoch nicht.
Aber Dessurne überraschte es nicht, dass ihr di
e Brillanz seiner Überlegung offenbar entging;
männliche Kunst politischer Strategie gefragt!
Er schenkte ihr sein gewinnendstes Lächeln – eine
Da sah sie zu ihm auf und bedachte ihn mit einem scheuen Lächeln, das ihm als der schönste
Beleg dafür erschien, dass sie wie Wachs in sein
derte er. "Das ist am besten
"Holz?" brüllte Omatoo, Irsikubos Gemahlin,
mit wutrotem Gesicht. "Ihr kommt mit
nichts als Holzgriffe mit, die angeblich
Irsikubo blieb stumm. Sein Weib bleckte ihre
ihr Gespons an dem von ihr bevorzugten Ohr,
dem Ohr nämlich, das sie im Lauf ihrer Ehe
eppen. Er war müde, der Kopf tat ihm weh, und
ihm war klar, was sie von ihm verlangen würde,
und er dankte den Göttern, dass er wenigstens da
um ihr das Verlangte zu geben. Sein Beut
Brücke über den Darikill Fel in Stücken und nur noch Brennholz war!
f Clea hinab. Seine Stimmung schwankte zwischen Hoffen und
, sagte er mit tonloser Stimme.
vertrieben. Daher muss ich leider, nun, die S
ache mit meiner Belohnung …" Sie verstummte,
verschränkte die Arme auf der Brust
khaltung keineswegs überrascht. Sie war schließlich nur eine
sie doch nur mit List und Tücke
Situation wie diese, wo es auf Mannesmut vor
Fürstenthronen ankam, wa
Zudem könnte er sich ihren Dank verdiene
chstwahrscheinlich würde ja,
also und reckte sich und blickte dem König
unerschrocken in die Augen. "Wer
bist denn du?" fragte Keroni
r, Chefarchitekt und Oberbaumeister des
Kaisers Mansu in der großen Stadt Sessaria." Er
blickte Clea von der Seite an, um zu sehen,
welchen Eindruck er mit der Nennung seines Titels und Amtes auf sie gemacht habe, und ihre
an wirkte sehr beeindruckt.
"Dann bist du also der", bemerk
nen ermöglicht hat, in mein
diese Kerle wohl auch nicht mehr als lästig
gewesen. Aber ich hatte ja nicht einen Mann
mehr, den ich ihnen hätte entgegenstellen können … Die andauernden Regenfälle, weißt du.
t unsere Dämme schneller mit sich, als wir sie
errichten können. Fast alle meine Untertanen
chwemmung, sagst du? Ein Jammer, dass die
Irsikilliki mich gefangennahmen, und nicht ih
r. Ich kann von mir behaupten, dass ich noch
immer mehr von Dämmen und Deichen verstehe
ich mehr davon vergaß, als der je davon gewußt
hat. Wußtest du, dass es einfache Maschinen
gibt, die derlei Fluten mit der Kraft des
fließenden Wassers in den Fluß zurückpumpen
können? Oder dass man Flüsse, die man nicht au
kann … wie eine durchgehende Viehherde?" fra
gte er und verdeutlichte mit abfälliger
Handbewegung, was für Bagatellen das für ihn se
ien. "Das Wasserwerk in Sessaria gilt als
Tat sind und dass ich sie dazu gemacht habe."
sich mit unergründlicher Miene übers Kinn.
"Das ist sicher nur Prahlerei", sagte er nach einer Weile.
Dessurne fuhr zu Clea herum und starrte sie en
ötzliche Wendung der
Dinge verschlug ihm die Sprache! "Was, wenn
mürrisch. "Was für Unheil droht mir dann?" Clea lachte fröhlich. "Willst du das wirklich
wissen?"
"Nein", seufzte er, als er es bedacht hatte.
"Lieber nicht." Dann wandte er sich seinem
Kammerherrn zu und starrte den böse an, als ob der
an allem schuld sei. "Reege! Hör auf, hier
rumzustehen und das Maul auzureißen, als ob
du Fliegen fangen wolltest! Geh schon und hol
endlich das Gold, das sie mir abpreßt …"
"Aber man kann mich doch nicht so einfach
verkaufen oder kaufen", flüsterte Dessurne.
Sein Protest fand jedoch nicht mehr Beachtung
als das Muhen einer Kuh auf der Auktionsrampe. Keronian blickte dem davonschlurfenden
Graubart mißmutig nach und wandte sich dann
erneut an Clea: "Schämst du dich denn gar
nicht, so meinen Staatsschatz zu plündern
?" "Bekommst du dafür nicht diesen Schatz von
einem Baumeister? Aber da du dich übervorteilt
fühlst, möchte ich dir gratis noch einen guten
Rat geben. Laß diesen Baumeister eine fest
e Brücke über den Darikill Fel, zum Land der
e hätte man mit Glitzerkram von nich
t mehr als fünf Talenten Wert
und einem halben Dutzend Huren leicht von
Ich fürchte, wenn du noch länger bliebest, würde ich am Ende noch meine Krone an dich
verlieren."
ber was ist nun mit mir?" rief er, trat auf
"Du selbst hast mich doch überzeugt, dass sie
Dann küßte sie ihn noch einmal und ging. Er
allmählich leiser werdendes Lachen. Endlich wa
ndte er sich zu dem König um und schüttelte
Keronian erhob sich. "Die kommen erst ab, we
che Gedanke, der ihm einfallen wollte.
die sich auch mit Schweineschmalz einzuschmi
Keronian seinen neuen Baumeister an, als ob
keinesfalls." Vielleicht bin ich
ja verrückt geworden, dachte Dessurne, da er spürte, wie sich
sein Gesicht zu einem resignierten Grinsen zog.
"Dank sei den Göttern für die kleinen Freude
n des Lebens", sagte er und folgte dem Mann,
Und was den Tag anging, an dem man ihn frei
ließe … Nein, keine Frau auf der Welt konnte
zweimal hintereinander einen Mann sein
er Bildung und Erfahrung austricksen …
Lynne Armstrong-Jones
dieser ersten und Grunderfahrung wohl jedes Autors, nicht umgehen kann, sollte sich besser
beirren. Denn der Lektor weiß oft gar nicht, was er will – bis er es bekommt. – MZB

Die große, kräftige Reiterin starrte zu dem Turm
hin, der sich da aus dem grünen Blätterdach
ne flauschige Wolke verbarg ihn für einen
Moment ihren Augen, teilte sich sodann in zw
ei krause Streifen und zog langsam weiter.
"Dort ist es also", murmelte die Reiterin
Wallach mit leichtem
Schenkeldruck auf ein nahegelegenes Wäldch
en zu. Ja, dort könnte sie haltmachen und sich
auf das Kommende, was immer es auch sein
mochte, vorbereiten. Sie hatte durchaus eine
Vorstellung von dem, was nun zu erwarten stand.
Denn sie hatte sich von dem Edelmann die
Zahl der Wächter sagen lassen und alles, was er
e Informationen sich
Die Vorstellung, am Ende für nichts Leib und
war alles andere als reizvoll.
n. Die Fältchen um ihre blauen Augen zeugten
von den dreißig und mehr Jahren ihres Lebens.
Auch die fast zwanzig Jahre, die sie mit
Söldnerdiensten und einer Fülle ähnlicher Beschäftigungen verbracht hatte, hatten hier und
e kleine Narbe am Kinn und de
r lange Schmiß quer über dem
Unterarm erinnerten sie an weit zurückliegende Kämpfe.
wäre undenkbar für sie gewesen. Nach einem
prüfenden Blick ringsum stieg sie nun ab
und begann, ihre Ausrüstung vorzubereiten. Als
Rubin zurückkam, saß sie recht zufrieden, an
den Stamm einer uralten Eiche gelehnt, beim
Imbiß. Ihr langes, dunkles Haar, das nicht mehr
aufwies, hatte sie gelöst, damit es frei walle:
e sich ihr vielleicht
nicht so bald wieder … Sie kaute ruhig und gl
eichmäßig. Der Käse, den sie zu ihrem Kanten
Brot aß, war hart, aber wohlschmeckend.
"Ich danke dir, mein lieber Rubin", flüsterte
Als die Abendsonne den Himmel orangerot färbte
, prüfte Gaalan den Sitz ihres Schwertes und
Also stieg sie auf ihren Wallach
g sie ab und band ihr Pferd an einen Baum.
ganz nahe bei einem Turmfenster auf einem
eder ihr wie ein Leuchtfeuer
zur Orientierung dienen würde, machte Gaalan
Als sie sich schlüssig war, nahm sie aus ihrem
kleinen Hüftbeutel den Wurfanker, ließ ihn am
den Burggraben. Gaalan zog ruckartig am
Endlich zwitscherte Rubin erneut – zweimal nun,
zum Zeichen, dass die Luft rein war. Da
mit der Linken den Anker. Als das geschafft
über die Mauer und verstaute den Wurfanker im
eisen, fand auch eine gute Nisc
Die Hände an den Fenstersims geklammert, z
Turmgemach hineinblicken konnte. Aber Rubin
ht einen goldenen Schimmer verlieh, war zu
sehen. Gaalan nahm einen kleinen Kiesel
Sie prallte zurück und hob schützend die Hände vors Gesicht, als die sengenden Flammen jäh
eine Erscheinung, eine
Illusion! Sie musste sich sputen. Der Zauberer
hatte ihre Anwesenheit sicher bemerkt … Da
zog sie ihr Schwert und schritt,
durch den Feuerwall …
Aber das war nicht die Zeit für Mutmaßungen
legte ihr sacht die Hand über den Mund, um jeden Aufschrei
e die Schwertkämpferin. "Ich bin Gaalan, die
Die arme Lady Anna blickte ziemlich verstört
Ich muss mich beeilen, dachte Gaalan, als
Rubin schon wieder seine Zauberwarnung gab und
im Flur der Lärm schwerer Schrit
die Gefangene um die Taille. Aber die junge
schrie, sie wolle nicht mehr nach Hause. Da
blieb der Kriegerin keine andere Wahl. Mit
einem Fausthieb, so genau bemessen, dass er
Aber schon flog die Zimmertür au
f, und drei junge Kerle stürmt
en, die Klingen kampfbereit,
herein … Gaalan ließ den Blick ihrer blauen
Augen von einem Gesicht zum anderen wandern
– ohne dabei aber je eines davon aus ihrem pe
ripheren Sehfeld zu lassen. Welcher zuerst?
ste, Überlegteste der drei wäre ihr am
gefährlichsten.
Sie fühlte … wie seine Augen jede ihre
r Bewegungen und Regungen maßen, ihre Kraft und
ihre Statur schätzten – und sah, wie sein
e Augen dem dritten Wächter seinen Befund
Schon hob sie ihr Schwert, um den Hieb zu pari
eren, und trat dem Ältest
im Augenwinkel behalten hatte,
nach dessen beredtem Stöhnen
herum, um sich ganz den anderen zwei zu widmen.
Sie saß wie in einer Zwickmühle – denn die beid
Aber als sie nach dem Seil
Feuer … schon wieder Feuer! Gaalan holte tief
Warnruf aus ihrem Bewußtsein. Mit dieser Last
Das Seil, o das Seil … begann, unmittelbar über ihr zu reißen. Aber sie war noch zu hoch, um
n Warnpfiff Rubins, und sie schüttelte den Kopf
Reißen des Seils war bestimmt nur Illusion, ei
sie sich, nicht mehr
wahrgenommen hätte.
Als sie den Fuß der Mauer erreicht hatte und eben den Wurfanker löste, sah sie die
Plötzlich verlor sie den Boden unter den F
hinab. Als sie, arg zerschrammt und recht be
nommen, auf ebenem Grund wieder zum Halten
sah sie, dass der Pfeil bei ihrem Sturz
vollends aus dem Muskel herausgedrückt worden
sie im Augenblick tun konnte. Noch ziemlich
Dass so schnell schon einer der Wächter vor ihr au
ftauchen würde, überraschte sie. Aber sie
hatte im Nu ihr Schwert wieder in der Ha
nd und bot dem grinsenden jungen Burschen die
Gegenteil der Fall sein würde. Sie setzte ei
und sah dem Wächter dabei fest in die sieg
esgewissen Augen. Er bemerkte in seiner
Selbstgefälligkeit gar nicht, dass sie ihre Waffe schon wieder in der Hand hatte – wenn auch
gut hinter ihrem Rücken verborgen … Mit ei
immer noch die verängstigte Frau,
und schlug ihm mit einem einzigen
m Arm. Aber sie brachte es rasch zu
Ende mit ihm und eilte nun ungesäumt weiter.
n Hain. Sie sah zu ihrem Wallach
hinüber, der sich am grünen
Klee gütlich tat. Die junge Frau war offenbar wi
seinem Rücken hin und her und zerrte an dem gu
vor Wundschmerz aufstöhnend, der Kleinen aus
ihrer mißlichen Lage. "So, Lady Anna", zischte
unterdrückter Wut,
"ich habe dich befreit … willst du mir noch ei
nmal sagen, für dich hätte ich Leib und Leben
nicht zu wagen brauchen?" Die Kleine sah er
staunt auf. Nun wurde ihr erstmals bewußt,
welch beeindruckende Erscheinung Gaalan wa
r … diese hochgewachsene, muskulöse Frau,
die zornbebend und mit in die Hüften gestemmten Fäusten vor ihr stand.
"Es … es tut mir leid. Wirklich … aber ich
will einfach nicht ins Haus meines Onkels
jungen Frau mit den grauen Augen und den
zig vor ihr stand, und spähte zum Wald hinüber
sie die seltsame
Kleine zu ihrem Wallach, half
So ritten sie eine Weile schweigend dahin, bi
"Gaalan? Wie ist das so, als große Kriegerin?" G
aalan musste lachen. Sie hatte sich noch nie
in irgendeiner Weise für "groß" gehalten. "Sag,
kannst du dir denn ein Leben ohne Samt und Seid
e vorstellen? Kannst du dir vorstellen, so
Nacht für Nacht im Heu, am Lagerfeuer und auf
einen Happen Essen auszukommen? Oder soviel Tod zu sehen, dass der Tod dir gleichgültig
n herbeigeschwirrt kam, sich
auf ihrer Schulter niederließ
h, mein kleiner Freund! Dann is
t also alles in Ordnung. Was
mit lenkte sie ihren braven
e Senke, half Anna absteigen und kraulte ihrem
"Aber da ist doch noch mehr dran als
"Unsinn! Ich mache das, weil ich zu sonst nich
ts tauge", murmelte Gaalan, während sie ihren
Die Schwertkämpferin hielt überrascht inne, wa
ndte sich dann um, um Anna anzusehen …
und rang mit einem Mal nach Atem. Dieses Gesich
Augen und runden Wangen, dasselbe hellblonde
Haar. Selbst der Schnitt ihrer Lippen
erinnerte sie an Melanie.
O liebe Melanie … meine beste, liebste Fre
undin. Fast sechs Jahre lang meine ständige
Gefährtin …
mit von der Klinge des Feindes durchbohrter Brust,
in ihren Armen starb … "Ich habe gefragt, ob
es dir nicht gutgehe, Gaalan!" "Was ? Oh, doch,
doch … mein Kind, mir geht es gut. Ich habe
"Gaalan", fuhr Anna fort. "Ich möchte eine Krie
Samt und Seide und schlafe auch gern in einem
"Zum Beispiel, mein Kind?"
"Zum Beispiel, die Bewährung in einem Kampf,
bei dem man ganz auf seine Kraft, seinen
Kopf und seine Klinge angewiesen ist! Und
die Vertrautheit mit jedem Winkel wilder
Wälder! Oder jenes Prickeln, wenn dir beim
scharfen Galopp auf dem schnellem Roß der
Wind ins Gesicht bläst! Oder das Glücksgefühl
, dem Schwächeren, Hilf
"Genug nun!" Wären diese Worte von jemand anderem gekommen, hätte Gaalan kaum
gezögert, diesem Jemand eine Ausbildung als Kriegerin wärmstens zu empfehlen … aber der
Tochter von Melanie?
Gaalan seufzte, ihres Eides gedenkend – eines
die Worte sprach: Laß
die kleine Annabel nicht einfach in die Fußstapf
Gaalan war so in den schmerzlichen Erinner
nach ihrem Schwert griff, fast übersehen hätt
Melanies Tochter, eisern am Handgelenk
fest und starrte ihr wütend in die Augen.
"Was hast du vor, Kind?"
"Ich will dir zeigen, was mich mein
zu, wie das Mädchen das im Sonnenlic
erin herum und stürzte sich mit gefährlich
Gaalan wich dem Hieb mit einem raschen Seitschritt aus und
zückte dann, froh, dass sie nicht am Waffenar
das, Annabel? Bitte, laß die
nd nun lässig da und hielt Gaalan das Schwert
spöttisch hin.
"Meine Entführer hielten mich des Lösegelds
wegen gefangen, waren aber nicht grausam zu
mir. Und es waren auch Kriegerinnen unter
Geschichten erzählten! Du gla
an bekam Bauchschmerzen bei dem Anblick.
alan sie sich gern zur Schwertgefährtin
hängen. "Du hast mich überzeugt, Annabe …
Reaktionsschnelligkeit einer Kämpferin … aber
die Klinge und spie ver
ächtlich vor ihr aus.
"Einen Eid, ja? Meinem Onkel
geschworen, dass du mich in sein und meiner Eltern Haus
zurückbringst, auf dass ich das öde Leben einer Lady fortführe? O ja! Kreuzstich und
Plattstich! Wie aufregend! Sage mir ehrlich, Ga
alan, würdest du gern zu einem solchen Leben
zurück?"
, berichtigte aber
nicht Annas Annahme, dass sie dem Onkel
as Leben fordert manchmal Dinge von uns, die
wir eigentlich nicht geben wollen. Glaube mir,
Anna, es ist die lautere Wahrheit, wenn ich dir
sage, dass ich dich liebend gern zu meiner Ge
fährtin nähme. Aber ich muss dich in dein
Adelsleben heimbringen. Solltest du aber im
mer noch den Wunsch hegen, Kriegerin zu
werden, wenn wir uns, sagen wir in einem Jahr
, wiederträfen, könnte ich dir vermutlich dabei
helfen, ohne meinen Eid zu brechen." Nun blickte Anna zu ihr auf und lächelte.
An dem kleinen Lagerfeuer in einer Waldlic
htung saß eine einsame Reiterin. Der graue
Die einsame Reiterin schlürfte das dampfende
Gebräu, das in ihrem Becher schwappte, und
"Oh, Melanie … o meine Melanie! Ich wünschte
, du hättest deine Tochter sehen können! Was
gehabt!" Nach einem neuerlichen Seufzer fuhr
sie fort: "Ich glaube nicht, meinen Schwur
m melancholischen Sinnen. Und als sie da aufblickte, sah sie
Fülle der in diesem Band vereinten Fantasy-
klein wenig über ihre Autorinnen und meine
über fossile Würmer promoviert; das ist, soweit ich weiß,
Jedenfalls alle meine Autorinnen.
Hier also, zum guten Schluß dieser Anthologie,
ein Text, der die mythische Qualität eines
e Story ist. Für mich ist es eine starke und ergreifende
über das Schreiben – und das Lesen – von Fantasy gesagt habe. – MZB

Die Winde heulten und klagten. Kalte Windfinger
und stahlen dem Kaminfeuer die wärmende Kraft. Draußen krachten die Bäume im
Wintersturm. Die alte Frau zog ihre Wolldeck
e enger um sich und rückte näher ans Feuer.
"Kannst du sie hören, Fremde?" flüsterte sie. Da
sich Aldith nannte, von dem Messer auf, das si
e mit einem Stein schärfte, und fragte: "Wen?"
"Die Stimmen im Wind!"
Die Alte sah sich ängstlich um. "Ich mag ja a
lt sein, aber ich spotte
Dinge, die ich nicht verstehe. Du musst doch
… diese Stimmen hören?"
Aber das war mehr
Bitte als Frage.
"Es gibt da draußen keine Stimmen zu hören",
Die alte Frau nickte. "Ich weiß", erwiderte si
e und fuhr dann mit eindr
inglicher Stimme fort:
Aldith sah sie mit einem merkwürdigen, fast be
hutsamen Blick an. "Das
nftigend. "Warum sollten die S
Da lachte die Alte bitter. Aber ihr Lachen kl
"Ich bin Waise!" fiel Aldith ihr trocken ins Wort.
"Entschuldige, ich wollte dir nicht weh tun",
sagte die alte Frau und starrte schwer atmend
wieder ins Feuer. "Hier bei uns im Wald we
"An ihren Müttern?"
"Natürlich. Wem sonst sollte ein Kind die Sc
huld geben? Bei jedem
Immer lauter heulten nun die Winde. Aldith hor
Stimmen zu hören. "Erzähle mir davon",
Die alte Frau zuckte hilflos die Achseln. "Da gibt es nicht viel zu erzählen. Es war wie bei
vielen anderen hier. Ein unehe
"Du hättest dein Kind nehmen und von hier, au
"Das war mir unmöglich", erwiderte die Alte mit schmerzverzerrtem Gesicht. "Ich war von
l diesen Jahren meine Schwäche wieder und
wieder verflucht und mir tausende
gehört. Meine tote Tochter. …" Sie blickte
Die alte Frau stand langsam
en von ihren runzligen Wangen.
"Ich habe niemanden mehr. Meine Familie ist fortgegangen. Niemand will mich mehr,
niemand außer meinem toten Töchterchen. Wenn
Als sie den Riegel lösen wollte, bekam Aldith si
e aber zu fassen. "Hör auf damit! Bist du
denn wahnsinnig?" rief sie und wollte die Al
te aufhalten, wurde aber von ihr mit so
taumelte, rücklings über einen Holzstuhl
iel. Und als sie wieder auf di
e Beine kam, stürmte die alte
Wind drang auf sie ein und trug
ihren Schrei davon. Mit einem Satz stand si
e auf der Schwelle und starrte in die vom
auf die Fußspur, die der wütende Sturm
wenigen Schritten sah sie in dem schwachen Lich
t, das aus der offenen Tür fiel, die Alte im
hemen tanzten. Schemen
obte sie, das Heulen des Windes übertönend. Sie
kämpfte sich bis zu der Liegenden vor, nahm si
e auf, ohne sich um all die Geister zu scheren,
und wandte sich um. Sie sah das Licht in der Hütte.
Haut. Sie hörte im Sturm die Sc
hreie der armen Seelen. Aber
Hütte, sagte sie sich, da sind wir in Sicherheit.
"Aber, hast du sie nicht gesehen?" fragte die al
Die Kriegerin fuhr sich mit der Hand über die Wange und zog sie blutbeschmiert zurück.
"Wie hast du es geschafft?" fragte die Alte
mit zittriger Stimme. "Ja, wieso konntest du mich
den armen Seelen entreißen? Ich hatt
e geglaubt, dass das niemand vermag."
sie. "Ich wurde gleich nach
Die alte Frau strich ihr übers Haar. "Bist du …?
"Jeder muss irgendwann einmal gehen. Deine
Tochter ist gegangen. Wenn du willst, nehme
en mischten sich mit Aldiths Blut, als sie
einander nun innig umarmten. Draußen ab

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