Flucht Von Der Brückenwelt — Verena Themsen


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Verena Themsen


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Verena Themsen






Nr. 2618


Flucht von der Brckenwelt



Unter Glckswaisen und Plaudermeistern


die Allgegenwrtige Nachhut schlgt zurck




Verena Themsen

















In der Milchstrae schreibt man das Jahr
1469 Neuer Galaktischer Zeitrechnung (NGZ)


da
s entspricht dem Jahr 5056 christlicher
Zeitrechnung. Fr die Menschen auf der Erde
hat sich schlagartig das Leben verndert: Das
Solsystem wurde von unbekannten Krften in


Seltsame Auerirdische, die sogen
annten
Auguren, beeinflussen die Kinder und
Jugendlichen, um die Menschheit neu zu
formatieren. Tausende werden unter den
Augen von Regierung und ffentlichkeit von den
Sayporanern spurlos entfhrt.


Gleichzeitig wird offensichtlich die Sonne
manipulie
rt: Nagelraumschiffe der
geheimnisvollen Spenta sind in das Solsystem
eingedrungen. Sie selbst bezeichnen sich als
Sonnenhusler und betrachten Sol als
ungeheuren Frevel. Sie strt der Umstand, dass
in die Sonnenmaterie der Leichnam einer
Superintelligen
z eingebettet liegt. Um diesen
Krper von der Sonne zu trennen, lschen sie
den Stern.


Zur gleichen Zeit erkundet ein Stotrupp der
Menschheit ein beraus seltsames Sonnensystem
in der Nhe, das zwei durch eine Brcke
verbundene Planeten aufweist. Gro
ist die
berraschung, als die Menschen feststellen,
dass es sich dabei um das Grab einer
Superintelligenz handelt, deren Leiche
allerdings verschwunden ist. Nun bleibt ihnen
nur noch die


FLUCHT VON DER BRCKENWELT ...




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Verena Themsen


Die Hauptpersonen des Romans


Je
nke Schousboe



Die Expeditionsleiterin gert in Gefahr.

Facao



Der Oberste Marschgeber nimmt die Dinge selbst in die fnf Hnde.

Shipa Gajoship



Der Alte Ship lenkt seine Glckswaisen auf den Pfad der Befreiung.

Pia Aftanasia Pifa Clonfert



Die halbe
zu beschtzen.


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1.



Vergangenheit und Gegenwart, gefangen
in einem Augenblick ...


Noch immer kmpften Jenke Schousboes
Sinne und Hirn mit dem Anblick, der sich
ihr bot. Das Gespinst hauchfeiner Fden,

das fr den Krper einer toten
Superintelligenz stand, war nicht mehr als
ein Schattenwurf aus der Vergangenheit. In
der Gegenwart existierte dieser Krper
nicht mehr.


Was ist geschehen?


Wie ein Echo ihrer eigenen inneren
Stimme wisperte Pia Aftanas
ia Clonfert:
Wo ist er hin? Die Halbertruserin strich
ber ihr azurblaues Stoppelhaar, whrend
ihr Blick suchend durch die Gruft
wanderte. Wo ist ALLDARS Krper
hin?


Jenke schttelte den Kopf.


Vergangenheit und Gegenwart ... erst die
Bilder unser
er eigenen Vergangenheit in
die Vergangenheit eines Leichnams,
aufgeprgt auf die Gegenwart, in der er
nicht mehr da ist.


Ich wei es nicht, Pifa, sagte sie.
Vielleicht ist er tatschlich wieder
auferstanden.

Aber es kommt mir
unwahrscheinlich vor.


Alban Dodds machte eine
Handbewegung, die seine silberfarbenen
Fingerngel in Jenkes Blick aufblitzen lie.
Wenn es so wre, htte die
Allgegenwrtige Nachhut es lngst bekannt
gegeben und wrde nicht mit diese
m
Brimborium um einen angeblichen Avatar
aufwarten.


Wie unbeeindruckt er wirkt ... vielleicht
weil in seiner Heimat Kamash Mystik an
der Tagesordnung ist. Oder auch einfach,
weil er mehr Jahre auf dem Buckel hat als
wir anderen Terraner zusammen. In 17
5
Jahren kann man eine ganze Menge
erleben.


Und wie geht es weiter?


Jenke sah zu Dodds herunter und hob die
Schultern an. Wir sind hergekommen, um
fr die Glckswaisen herauszufinden, was
mit ALLDAR geschehen ist. Aber es
scheint, als knnten wir
ihnen nicht ganz
die Antwort geben, die sie erhofft haben.


Zusammenschluss Gleichgesinnter aus
Vlkern, die sich den Bemhungen der
die verstorben
e Superintelligenz ALLDAR
zurckzuholen. Aber wo
steckten

die
berreste von ALLDAR?


Trotzdem sollten wir festhalten, was wir
hier gefunden haben, kam aus dem
Hintergrund die Stimme von Brutus
Lanczkowski.


Jenke stellte das laternenartige
roe Gebilde ab, in dessen
Innerem an einem haarfeinen Faden der
kleine Kristall hing, der sie hereingebracht
hatte


das Intrantum. Aus einer Tasche
ihres SERUNS kramte sie Zachary Aidens
multifunktionelles Aufnahmegert hervor.
Der kleine Kasten analysie
rte neben dem
fr menschliche Sinne Sichtbaren und
Hrbaren viele weitere Dinge und schrieb
sie mit. Der Anblick des Gertes lie
unvermittelt die Erinnerung an den Tod
seines Besitzers wieder aufblitzen.
Zachary, mit dem sie am Strand gesessen
und fr kur
ze Zeit das Gefhl der
Gehirn sie auf Faland nach den Bruchen
hatten.


Ich mache das, sagte Pifa und griff
nach dem Gert, als Jenke es gerade dem
Major reichen wol
wie das Ding funktioniert.


Jenke berlie Pifa den Rekorder. Die
Ingenieurin wrde noch die besten
Chancen haben, alles aus dem Gert
herauszuholen.


an Major Lanczkowski vorbei zu Capta
in
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Verena Themsen


wachem Blick und der Hand auf der Waffe
im Auge. Wie oft mochten seine Gedanken
Terrania gereist sein? Er hatte kaum
Gelegenheit gehab
t, die Zwillinge
kennenzulernen, die seine Frau wenige
Tage vor dem Start zur Welt gebracht hatte.
Stattdessen waren sie alle auf einer Welt
zurckgeblieben, auf der die Dinge


Jenke wollte sich nicht vorstellen, was fr
G
efhle ihn plagten, wenn er ihre Holos


Hinter den beiden Soldaten ragten die
fadendrren Gestalten der beiden Favadarei
Shimco Patoshin und Kulslin Finukuls auf,
die gemeinsam mit dem auf der VAHANA
gebliebenen Clanltesten Blaspa Antublas
ihre Heimat Faland verlassen hatten, um sie
der toten Welt Shathfauth zu begleiten.


Jenke bezweifelte, dass sie jemals
ihnen sagenumwobene Shath, wie sie die
e nannten, einen solchen
Anblick zu erleben.


riss Jenke damit aus ihren berlegungen.


Sie wandte sich Pifa zu, die den
Aufzeichnungswrfel hob. Auf ein Nicken
hin begannen sie.


*



Ein Drhnen in der Ferne li
e Jenke
stocken. Sie hatte gerade in ihrer Funktion
als Expeditionsleiterin einige
Erluterungen zu ihrem Hiersein und ihren
Absichten abgeschlossen und wollte nun
das Vorgefundene schildern. Erschrocken
hielt sie inne und sah zum Major. Dieser
hatte bere
its mit einem Wink zu Captain
eilte dieser durch den Gang zurck,
unbeeindruckt von den hpfenden,
schleichenden, kriechenden und
taumelnden Spiegelungen seiner selbst, die


re Erluterungen fort,
damit alles erfasst war, bevor sie
womglich berstrzt fliehen mussten. Ihr
Blick blieb dabei an der Stelle haften, an
der der Soldat im Dunkel verschwunden
war. Eine Weile spter tauchte er wieder
ki leise
Bericht.


Jenke schloss ihre Zusammenfassung ab
beenden.


Lanz?


Wir sollten schnellstmglich hier weg,
sagte Major Lanczkowski. Jenke
bewunderte ihn fr die unerschtterliche
Ruhe, die er trotz de
r Dringlichkeit in
seiner Stimme ausstrahlte. Jemand
versucht anscheinend, gewaltsam in das
Innere vorzudringen. Hier sitzen wir in
einer Sackgasse.


Pifa gab Jenke das Aufzeichnungsgert
zurck. Warum nehmen sie nicht einfach
den Durchgang wie wir?


Wahrscheinlich gibt es nur ein
Glck.


Erneut hallte der Ton durch die Gruft.
Die Expeditionsleiterin nahm den
Schlsselkristall in seinem Gehuse wieder
auf und nickte Lanczkowski zu. Sie
mussten hier weg.


Sie folgten dem nur als eine Lcke im
Nebel definierten Gang zurck zum Tor
und traten wieder in das weit ausgedehnte
Gespinst, das den gesamten Raum um die
Gruft erfllte. Unzhlige Fden aus
unbekanntem Material verwoben
Knotenpunkte verschiedenster G
ren und
Formen miteinander.


Nach den Worten des Alten Ship ruhten
dort Erinnerungen und Wissen einer
Superintelligenz und ihrer Hilfsvlker.
Jenke wnschte sich, sie htten vorher
einen Weg gefunden, eine Verbindung zu
diesem Archiv herzustellen. Nun
lief ihnen
die Zeit davon.

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Deutlich hrten sie die Schlge, deren
Nachvibrieren in der Luft zwischen den
schimmernden Fden an den Hall eines
Gongs erinnerte. Dazu kamen Gerusche,
als wrde jemand unter ihren Fen
schleifen und bohren. Man versuchte
t
atschlich, von der Oberflche der


Sie mssen wissen, dass wir durch das
Siegel hier hereingekommen sind, sagte
Lanczkowski. Was wiederum heit, dass
sie uns da drauen unter dem Stahlschirm
erwarten drften, d
a es fr uns keinen
anderen Weg zurck gibt.


Wir knnten abwarten, bis sie mit ihrem
Durchbruch fertig sind, und versuchen, sie
dort zu berraschen, schlug Jenke vor.


Der Major wiegte den Kopf. Sein
schlohweies Haupthaar hatte nichts mit
seinem A
lter zu tun, auch wenn man
manchmal kaum glauben konnte, dass ein
40
-
Jhriger eine solche Gelassenheit an den
Tag legen konnte wie er. Wir wissen
nicht, wie der Durchgang beschaffen sein
wird. Auerdem werden sie dort sicher mit
Angriffen rechnen. Dritten
s verlieren wir
wertvolle Zeit, whrend wir warten.


Wir knnten in der Zeit versuchen, das
Archiv anzuzapfen, warf Pifa ein.


Jenke schttelte den Kopf. Die
ber das Archiv herauszufinden, sa ihr
noch unan
genehm in den Knochen. Ihr
habt gesagt, dass ich zehn Minuten reglos
war, als ich einen der Knotenpunkte
berhrt hatte. Wir knnen so etwas nicht
riskieren, wenn jederzeit jemand hier
hereinkommen kann.




Jenke f
hrte die kleine Expedition zurck
zu dem kreisrunden Stck Metallplastik,
durch das sie gekommen waren. Wie ein
Stck Himmel, das zu Boden gezogen
worden war, schimmerte es in hellem Blau.
Erneut hob sie das Intrantum, Schlssel
und Kompass zugleich, und d
Richtung der Ausschlge des Kristalls.
Dort drben mssen wir hin.


Jeder kennt noch seine Route zum
Treffpunkt?, fragte Lanz, whrend sie
dicht beisammen auf die Plattform traten.


Sogar die Favadarei, fr die dies eine
fremde Bewegung w
ar, nickten.


Gut. Mit knappen Worten legte der
Major fest, wie sie aus dem Stahlschirm
fliehen wrden.


Die asymmetrischen Ausschlge des
Kristallpendels wurden schlielich bei
jedem Schritt rasch krzer. Jenke blieb
stehen. Wir sind gleich da.



Waffen bereit und Deflektoren an.


Jenke zog ebenso wie die anderen ihren
Paralysator.


Auch die Favaradei hielten je eine der
Waffen in der Hand. Unter ihren
berwrfen wusste Jenke Gurte mit
Aggregaten, die Pia Clonfert aus SERUN
-
Ersatzteilen zusa
mmengestellt hatte. Sie
gewhrten nicht den gleichen Schutz wie
nichts fr Shimcos und Kulslins Gre
Passendes an Bord der VAHANA gehabt.
Immerhin war es besser als nichts.
Dennoch machte sich Jenke um sie noch
die me
isten Sorgen. Sie hatten keinerlei
militrische Ausbildung genossen. Aber es
unternehmen, also blieben nur Vertrauen in
die Technik und Hoffnung auf Glck.


Einer nach dem anderen aktivierte sein
Deflektorfeld. Die Funktion
der Aggregate
war unter dem Einfluss des Enklaven
-
Feldes eingeschrnkt und lie die
Mitglieder ihres Teams lediglich zu grauen
Schatten verschwimmen. Bei der Flucht
durch das Halbdunkel unter dem
Stahlschirm mochten sie trotzdem helfen.


Bereit?


Jen


Schlagartig hing das Pendel ruhig und
wies mit der Spitze senkrecht nach unten.
Der Raum um Jenke Schousboe klappte
um. Noch whrend der Boden seiner neuen
Ruheposition auf der andere
n Seite der
Brckenwandung entgegenschwang, lie
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sie sich fallen und schleuderte das
Intrantum in hohem Bogen in den Raum.


Fnf Strahlen trafen das fliegende
Gehuse und brachten die transparenten
Scheiben zum Bersten. Splitter und
verbogenes Metall reg
Raum, gefolgt von aufgeregten Schreien,
als die Schtzen erkannten, worauf sie
gerade geschossen hatten.


Als Schatten, nicht unsichtbar, aber auch
nicht ganz sichtbar, flogen, huschten,
sprangen und rannten sie in verschiedene
Richtungen

von der Flche. Noch vom
Ergebnis ihres Beschusses gelhmte
Soldaten wurden gegeneinandergestoen,
whrend sie versuchten, auf die
umherirrenden Schatten zu schieen, ohne
ihre eigenen Kameraden zu treffen. Hier
und da sank einer unter dem Beschuss
eines
Paralysators zusammen. Schlielich
begann ein Gewitter an Schssen aus allen
Sinneswaffen der Fagesy.


Doch ihre Ziele hatten den Raum bereits
verlassen.


*



Laut klang das Pochen ihres Herzens
Jenke in den Ohren, whrend sie sich in die
kleine Nische

zwischen zwei Gebuden
drckte.


Das Rauschen eines Rstgeleits drang
von der Querstrae herber. Mit
vollstndig verklungen war. Erst dann lie
sie die Luft aus den Lungen strmen.


Die Gasse, in die sie geflcht
wurde von hohen Gebuden begrenzt, die
wie planlos hingeworfene Baukltze
wirkten. Winkel, Bgen, Ecken und
Schchte wechselten sich ohne erkennbaren
Sinn in allen Dimensionen ab und schufen
ein Gesamtbild, das einem psychotischen
Traum entsprungen

zu sein schien.


Offensichtlich legte niemand Wert auf
ein einheitliches Stadtbild oder hnliche
Bauvorschriften. Jeder fgte sich so ein,
wie ihm Schnauze oder Schnabel
gewachsen waren, notfalls einer ber dem
anderen, wo eben Platz war.


Jenke nutzt
e einen Moment, in dem ein
Schweber mit aufdringlichem Summen an
der Mndung der Gasse vorbeiflog, um
zum nchsten Schatten zu huschen. Sie
folgte dem verwinkelten Weg, bis die
In der Deckung eines Containers, der

wirkte, als wre er dort abgestellt und
Multifunktionsarmband die Karte. Es
wurde Zeit, sich in die ungefhre Richtung
ihres Ziels zu orientieren.


Die Flucht aus dem Siegel kam ihr fast
wie ein irrwitziger Trau
m vor.
Ausnahmsweise hatten ihre Waffen den
gewnschten Effekt erzielt. Das Glck war
auf ihrer Seite gewesen, und schlielich
war jeder fr sich in das Gewirr der


Am Ende des Durchgangs angekommen,
musterte die Irmdomerin

das Treiben auf
der Strae. Das Licht der Sonne Fa erhellte
offene Fronten, hinter deren schillernden
Schutzfeldern holografische
Warendemonstrationen Kunden anlocken
sollten.


Passanten gingen, trippelten und robbten
daran vorbei, whrend in der Mitte
der
Strae bodennahe Schweber langsam
voranglitten. Dort waren keine Schatten,
mit denen man verschmelzen konnte.


Jenke entschied sich, ihre Tarnung
aufzugeben und stattdessen auf den Schutz
der Menge zu hoffen.


Eine ganze Weile lie sie sich mit dem

Strom treiben, immer darauf bedacht, jeden
Punkt zu vermeiden, der auf eine
schlenderte sie entspannt, neigte mal den
Kopf und drehte ihn dann wieder zur Seite,
um eine Auslage anzusehen. Im Inneren
dagegen wuchs die

Spannung nahezu ins
Unertrgliche. Stndig hatte sie das Gefhl
bohrender Blicke im Rcken und musste
gegen den Drang ankmpfen, sich
umzudrehen und zu schauen, wer sie
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die nchste Seitenstrae, in der
sie
verschwinden konnte. Nur ein bisschen
weiter ...


Ein Schatten fiel ber Jenke, eine scharf
gezogene Linie auf dem Boden, die
ebenso wie viele andere den Blick nach
oben.


Vor die Sonne hatte sich eine Sch
eibe
geschoben und blockierte den Blick zum
Himmel. Noch whrend Jenke versuchte,
Genaueres zu erkennen, lsten sich kleinere
Punkte davon und glitten schnell
auseinander und abwrts. Erneut erfllte
das typische Rauschen der Rstgeleite die
Luft.


Passa
Strae entlang aus, whrend die Punkte
schnell grer wurden, teilweise in
Seitenstraen und Gassen verschwanden,
einen Punkt nahe an der St
raenmndung
an, auf die Jenke zusteuerte.


Sie haben mich gesehen. Sie kesseln mich
ein ...


Wie in Zeitlupe sah sie die Rstgeleite
sinken, whrend sie jedes Detail der Strae
aufnahm und darauf prfte, ob es ihr
ntzlich sein konnte. Ihr Blick blieb

an
einem wie ein lang gezogener Tropfen
geformten Pflanztopf hngen, der ber der
Strae schwebte. Ein langer Teppich aus
Pflanzenranken mit leuchtend blauen
Blten hing daran herab. Sie suchte und
fand die Projektoren, die das Gef in
seiner Position hi
elten. Ohne zu zgern,
zog sie den Desintegrator und schoss auf
den nchsten.


Die Umstehenden waren zu sehr auf die
einfliegenden Fagesy konzentriert gewesen,
als dass sie Jenkes Tun wahrgenommen
htten. Nun wurden sie dazu von dem
Alarmsignal abgelenkt
, das vor dem
Versagen des Projektors warnte. Alle
Blicke wanderten von den Fagesy zu dem
schwankenden Pflanztopf, der jederzeit zu
kippen und auf die Fahrbahn zu strzen
drohte.


Schweber stoppten oder machten
Ausweichschleifen, die sie in die Bahn der
landenden Wchter der Nachhut geraten
lieen.


Jenke lste den zweiten Schuss aus.


Mit einem letzten Taumeln kippte der
Topf zur Seite und strzte herunter. Chaos
brach aus. Schreiend versuchte jeder, so
viel Abstand wie mglich zwischen sich
und den
Punkt des Aufpralls zu bringen.
Aus dem Augenwinkel sah die Irmdomerin
noch, dass eines der Rstgeleite zu spt
auswich und der Rand sich im
Pflanzenteppich verfing. Dann gab es ein
Scherben und Pflanzenteile wirbelten d
urch
die Luft.


Die Waffe lngst wieder sicher im
Holster geborgen, lie Jenke sich mit der
Menge in die nchste Seitenstrae treiben.
Gerade als sie einen weiteren Fagesy mit
kampfbereit umgeformtem Rstgeleit ein
Stck weiter die Strae herunter die Me
nge
Ein schmaler Schweber schob sich ohne
Rcksicht durch die Menge. Manchmal
heulte der Antrieb auf, als wolle der Pilot
Hindernisse ignorieren, falls sie nicht
auswichen. Das Heck zierte eine dekorative
Finne, di
e nach hinten wie eine
windgepeitschte Flamme auslief.


Mit einem kurzen Sprint brachte Jenke
sich an den Schweber und umfasste die
Finne, um sich hochzuziehen. Sie war
sicher, dass der Fahrer die
Gewichtsverlagerung bemerken wrde.
Doch entweder scherte

es ihn nicht, dass er
einen blinden Passagier bekommen hatte,
oder er war zu abgelenkt von den
Geschehnissen auf der Strae. Im
Sichtschatten der Finne lie Jenke sich bis
dicht an den Standplatz des Fagesy
bringen, um dann wieder herunterzugleiten.


W
hrend der Fagesy im Rstgeleit sich
dem Schweber in den Weg stellte, um
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Verena Themsen


dessen rcksichtsloses Vordrngen zu
stoppen, nutzte Jenke den Augenblick, um
entlang der nchsten Wand gemeinsam mit
einigen anderen Passanten die Stelle zu
passieren.


Einen kurzen

Blick warf sie noch zu den
Dchern hinauf, um zu sehen, ob von dort
Doch die Dachkanten waren leer.


Mit einem erleichterten Aufatmen tauchte
Jenke Schousboe in die nchste Gasse ein.
Erneut im Schutz des Deflektorfe
ldes, legte
sie mit einem langen Spurt so viel Abstand
zwischen sich und die Fagesy
-
Patrouille,
wie nur mglich war.


*



Der Lrm unzhliger Spielautomaten,
laute Musik und ein Gewirr von
knatternden, suselnden und pfeifenden
Stimmen schlugen der Exped
itionsleiterin
entgegen, als die breite rotgoldene Tr vom
Einen Moment lang zgerte sie, dann trat
sie in das rauchgeschwngerte Halbdunkel,
das gelegentlich von Flackern und grellen
Blitzen durchbrochen wurde.
Als der
Zustrom frischer Luft mit dem Zugleiten
der Tr versiegte, kam eine intensive
Geruchsmischung nach Essen, Trinken,
Rucherwerken jeder Art und zu vielen
Wesen auf einem Fleck dazu. Wesen, die
nun berall um sie herumdrngten und sie
in eine Strmun
g zogen, deren Richtung
nicht auszumachen war.


Jenke!


Die Irmdomerin zuckte zurck, als eine
Hand sich fest um ihren Arm schloss.
Blinzelnd starrte sie die massige Gestalt an,
die pltzlich neben ihr aufgetaucht war.
Endlich erkannte sie darin Pia
Aftanasia,
die Halbertruserin und ihres Zeichens
Ingenieurin.


Pifa machte eine Kopfbewegung in
Richtung des Inneren des Etablissements.
Bereitwillig lie Jenke sich von ihr durch
das Gedrnge in Richtung eines Rollbandes
lotsen, das in ein hheres Stock
werk fhrte.


Vergngungshlle unter ihnen von einem
sanften, gedmpften Goldton abgelst. In
dem Gang, dem sie folgten, schluckten
weiche Teppiche und Wandbehnge einen
Groteil des von unten heraufdrngenden
Lrms. Ein
paar offensichtlich in bester
Laune befindliche Zweier
-

und
Dreiergruppen begegneten ihnen,
schenkten ihnen aber keinerlei
Aufmerksamkeit, sondern verschwanden
hinter einer der Tren oder hinunter in den
unteren Stock.


Ein weiteres Rollband brachte die
beiden
in ein Stockwerk, in dem die Tren enger
beieinanderlagen. An einer blieb Pifa
stehen und trat zweimal mit dem Fu unten
dagegen. Ein Moment verging, dann
schwenkte die Tr auf, und Captain


Der Raum war klein, nur sp
rlich
von denen Jenke nur zur Hlfte verstand,
wozu sie dienten. Zwei davon, die Jenke
eher als Tische eingestuft htte, nutzten
Shimco Patoshin und Kulslin Finukuls als
Stellu
ng an der Tr, whrend Lanczkowski
an die mit Goldstoff tapezierte Wand neben
das Fenster gelehnt stand. Von dort sah er
an dem ebenfalls goldfarbenen,
samthnlichen Vorhang vorbei nach
ging.


Fehlt nur noch Alban,
stellte Pifa fest
hoffe, er hat sich nicht darauf verlassen,
dass sein Schmollgott ihm den Weg sagt.


gekommen, und er hatte einen der lnger
en
Fluchtwege. Noch gehe ich davon aus, dass
er es schafft. Jenke musterte die
Anwesenden. Alle wohlbehalten?


er und Kulslin haben sich selbst darum
gekmmert. Der Besitzer dieses noblen
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Verena Themsen


Etablissements, das alles

von Restaurant
ber Tempel bis zur Spiel
-

und
Drogenhlle in einem zu sein scheint, war
zwar nicht unbedingt begeistert, aber er hat
eine Medobox fr Fato'Fa rausgerckt.


Jenke sah zu Lanczkowski hinber. Wie
schtzt du unsere Lage ein, Lanz? Sind wi
r
hier sicher?


Schwer zu sagen. Der Mann, dem dieses
Haus gehört, nennt sich ›Bruder Zattlasyd‹
und wirkt eigentlich nicht wie jemand, der
gern viele Leute um sich hat. Er hat uns
ziemlich kurz abgefertigt und nicht viel
Notiz genommen. Vermutlich lie
gt ihm
mehr am Geld als am sozialen Umgang,
und das kann schlecht fr uns sein. Er hob
knnen. Ich glaube, da kommt Dodds.


Pifa stand auf und kehrte wenig spter
mit dem letzten Expeditionsmitglied
zurck; der Ka
mashite humpelte, winkte
jedoch ab, als Jenke nachfragte.


Beim Rennen gestolpert und den Fu
verstaucht, sagte er. Nichts, was mich
auf eine Krankenstation bringt. Ein wenig
Ruhe, dann geht es wieder. Er zog unter
seinem Anzug die kleine Holzstatue
seines
Erbgottes Aay hervor, die er am Band um
den Hals trug. Nachdenklich rieb er sie.


Hast du noch das Funkgert, das Shipa
dir gegeben hat?, erkundigte sich Jenke
bei Pia Aftanasia.


Natrlich. Diese zog den Kasten aus
der Tasche. Soll ich ver
suchen, die
Glckswaisen zu erreichen?


Ja. Sie knnen uns eher sagen, ob wir
hier sicher sind. Auerdem sollten wir
ihnen die Aufzeichnung bergeben.


Nur schade, dass wir nichts im
Gegenzug bekommen haben.


Sie konnten nicht wissen, dass wir
an
das Archiv nicht herankommen wrden.
Hoffen wir einfach, dass sie sich genug in
unserer Schuld sehen, um entweder eine
andere Wissensquelle fr uns zu finden
oder uns zu helfen, zurck zur BOMBAY
zu kommen.


2.



Mareetus fnf gleichfrmige Glieder
z
itterten nicht nur von der schnellen
Bewegung, mit der er und seine
Leibwachen sich aus dem Rstgeleitstand
hinunter zum Taktraum begaben. Wut lie
die langen Arme beben, whrend ihre
Wellenbewegung den Hohen Marschgeber
vorantrieb. Wut auf die Auenweltle
r, die
es gewagt hatten, ihm in die Quere zu
kommen. Und Wut darber, dass er sich in
der Hauptstadt Alldar
-
Shath sicher gewhnt
hatte und in diesem Glauben erschttert
worden war. Ausgerechnet im Herzen der
Macht der Allgegenwrtigen Nachhut. In
der Regio
n seiner Verantwortung.


Er wusste nicht genau, wie lange er in
dem Lagerraum gefangen gewesen war,
ehe endlich jemand aus seiner Abwesenheit
die richtigen Schlsse gezogen hatte. Auf
jeden Fall war es zu lange gewesen, denn
diese Wesen hatten seine
Zuga
und waren damit ins Innere des Shath
gekommen.


Von dort hatten sie freien Zugang zum
NIMMERDAR, der Grabsttte ALLDARS.
Einer
leeren

Grabsttte, wie bislang selbst
innerhalb der Allgegenwrtigen Nachhut
nur die hchste
n Anfhrer wussten.
Niemand durfte jemals davon erfahren,
oder alles wrde zusammenbrechen.


Und in diesem Moment hchster
Dringlichkeit zitierte ihn auch noch der
Oberste Marschgeber Facao zu sich.


als er durch di
e dreieckige Tr glitt. Es war
ein Zugestndnis an die anderen Vlker des
Shath, so hohe Trffnungen zu
verwenden. Jedem Fagesy htte ein
ausreichenden Breite gengt, um
hindurchzugleiten. Doch sowenig es einem
auch gefiel,
man musste auf die
widerlichen Lateralen Rcksicht nehmen


ob es nun die Fato'Fa waren oder die
Avoiden oder die noch abstoendere
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Verena Themsen


Wesen, denen die Auenweltler hnelten.


Solche Wesen wie das, das mitten im
Raum neben dem Obersten Marschgeber
stand.



Das innerliche Schtteln Mareetus
krmmte die Spitzen seiner Arme fr einen
Moment in einer Geste der Ablehnung, ehe
er sich wieder in der Gewalt hatte. Was fr
ein Affront! Nichts war von Facaos
Leibwache zu sehen, stattdessen erlaubte er
diesem ... Ding
, an ihrem Treffen
teilzuhaben, das auch schon bei der
Prsentation des Avatars anwesend
gewesen war.


Ein Zweibeiner, senkrecht und dadurch
nicht zu bersehen in seiner abstoenden
differenzierten Gliederung. Wo sie nicht
von
der langen weien Stoffrhre
berdeckt war, sandte die unwandelbar
weiche Haut des Humanoiden einen
irisierenden Schimmer aus, der es schwer
machte, scharfe Linien oder Konturen zu
erkennen.


Aber das genaue Aussehen des Lateralen
interessierte Mareetu n
ur ungefhr so viel
wie die innere Struktur eines
seiner Arme wieder auf den Obersten
Marschgeber. Mit hchstmglicher
Knappheit absolvierte er die Geste des
Respekts, den er in diesem Moment nicht
empfand.


Warum

hast du mich rufen lassen,
anstatt einfach ber Funk mit mir zu
reden?, fragte er, ohne die Erwiderung
seines Gegenbers abzuwarten. Ich habe
dringende Angelegenheiten zu erledigen!


Die nicht so dringend wren, wrst du
nicht in deinen Aufgaben nac
hlssig
gewesen, fuhr ihm Facao dazwischen.


seines Krperdurchmessers ausmachende
Zentralscheibe ein Stck auf den Armen
hoch. Ich tue alles, um einer Situation
Herr zu werden, die so niemals jemand
htte vorhersehe
n knnen! Wir mssen der
Verbrecher habhaft werden, mssen sie
daran hindern, unser Allerheiligstes zu
schnden und ...


Dafr ist es wohl bereits zu spt, nach
allen Berichten, die mich und den
Prokuristen Gaztraid erreicht haben.


Wir werden sie
dort herausholen, so
schnell es geht.


Facao vollfhrte eine Geste des Zweifels.
Und wie gedenkt ihr das zu tun, nachdem
dank deiner Nachlssigkeit das Intrantum
in die Hnde der Fremden gefallen ist?


Wir dringen auf anderem Wege ins
Innere vor. W
hrend wir hier stehen, wird
mit Hochdruck an einem Durchbruch
folgen und sie dingfest machen knnen.


Und du bist nicht der Meinung, dass
eine Manahme dieser Tragweite, ein
neuer, ungeschtzter Durchbruch ins H
erz
des Shath, der Zustimmung des Hohen
Marschgebers bedurft htte?


Mareetu zog die Arme ein Stck an. Es
war notwendig, eine schnelle Entscheidung
zu treffen.


Die durch einen kurzen Funkspruch so
sehr verzgert worden wre? Eine seltsame
Einsch
tzung im Vergleich dazu, wie lange
es dauern wrde, sich durch die Wand des
Shath zu arbeiten. Wenn man zudem
bedenkt, dass all das wohl kaum stattfinden
kann, ohne dass man im Inneren darauf
aufmerksam wird ... und wenn man die
seltsame Nachlssigkeit hin
zunimmt, die
das Eindringen berhaupt ermglicht hat,
kann man da nicht auf beunruhigende
Gedanken kommen?


Mareetus Hautmuskelschluche zuckten.
Es stimmte, er hatte unbedacht seiner Wut
darber nachgegeben, dass er dermaen
bertlpelt und erniedrigt
worden war.
Auerdem war er darauf erpicht gewesen,
mglichst schnell mit einem Erfolg die
riskiert, dass der Oberste Marschgeber
seinen Plan selbst durchfhrte, wren an
Mareetu nur die Scham und der Spott
hngen gebli
eben. Doch was der Oberste
12

Verena Themsen


als Verrat.


Wir werden Erfolg haben!, sagte er.
Wir werden diese Auenweltler ergreifen
und dann den Schacht wieder schlieen. Es
wird keine Bedeutung haben.


Wo man einmal durc
hgedrungen ist,
kann man es auch wieder tun. Du warst
drauf und dran, eine gefhrliche
Schwachstelle zu schaffen, nur weil du
nicht in der Lage warst, den Schlssel zu
bewahren


oder wolltest du es berhaupt
nicht? Ist das alles nur ein geschicktes
Manve
Inneren zu warnen und zugleich deinen
Auftraggebern hier drauen fr die Zukunft
einen freien Zugang zu schaffen? Mareetu,
ich bin mir nicht mehr sicher, auf wessen
Seite du stehst. Habe ich womglich einen
Glckswaisen in meine
Arme
geschlossen?


Nein! Vor Emprung zitterte der Hohe
Marschgeber am ganzen Leib. Wie kannst
selbst bist es, der an unserer Macht rttelt!
Du gibst dich mit diesen
Lateralen ab, als
wren sie dein fnfter Arm anstatt wir!
Und nun willst du diese Gelegenheit
nutzen, um mich aus dem Amt zu drngen
einen Lateralophilen! Du hast das alles
vermutlich berhaupt erst eingefdelt!


Mit Befriedigung nahm Mareetu wahr,
dass seine Leibwachen ihre Rstgeleite auf
Angriffs
-
Status gebracht hatten. Facao und
sein Lateraler wrden keine Chance haben,
wenn er seinen Leibwachen den Befehl
zum Angriff erteilte. Und womglich
konnte er es so
gar so hinstellen, dass der
Fremde der Ausgangspunkt des Kampfes
gewesen war ...


Ehe Mareetu sich zu dem schicksalhaften
Befehl durchringen konnte, erklang eine
seltsame Tonfolge, die direkt auf seine
Nerven bersprang und ein unkontrolliertes
Zucken he
rvorrief.


berrascht drehte der Hohe Marschgeber
die Sinnesorgane zu dem Humanoiden, der
Halbkugel aus seinem Gewand gezogen
hatte, auf der Leuchtpunkte flackerten.


Whrend die Finger des Prokuristen ber
diese L
euchtflecken tanzten, schwangen
durch den Raum und erfllten ihn bis in
Mareetu mit ansehen, wie seine Begleiter
die Kontrolle ber ihre Rstgeleite
verloren, sich in Nest
-
Sta
tus begaben oder
gar ganz aus ihnen herauskrochen, um sich
am Boden unter der Musik in einem
Zustand zwischen Verwirrung und
Schmerz zu krmmen.


Ein Rauschen in der Luft gab
Vorwarnung, als fnf Fagesy in
Rstgeleiten von den oberen Galerien
heruntergli
Hilflos musste Mareetu zusehen, wie mit
wenigen Griffen seine Leibwchter fixiert
und abtransportiert wurden. Auch seine
Arme wurden von Stahlspangen am Boden
gehalten, ehe der Humanoide


Gaztraid



Hohen
Marschgeber wieder freigab.


Mareetu


ich wei nicht, wie lange du
vorhattest, dieses Spiel weiterzutreiben,
sagte Facao. Die Fremden sind lngst aus
dem Inneren entkommen, whrend deine
Leute noch versuchten, unser
Allerheiligstes aufzubreche
n. Deine
Wachen am Siegel htten beinahe das
Intrantum zerstrt und lieen derweil die
Eindringlinge entkommen. Ein trauriges
Beispiel vlliger Fehlplanung und


oder aber ein stmperhaft
durchgefhrter Verrat. In jedem Fall genug
Handhabe, um
eine Entmachtung zu
rechtfertigen. Und nicht nur das


ich
werde vorher sichergehen, ob es nicht doch
die eine oder andere Frage ber die
Glckswaisen gibt, die du mir beantworten
kannst. Plaudermeister Ghoolon wird
deinem Gedchtnis sicher gerne auf die
S
prnge helfen.


Dieses Mal war es nicht nur Wut, die
Mareetus Glieder unter den Spangen
13

Verena Themsen


zucken lie. Ghoolon ... Du willst mich in
die Plauderkammer schicken? Das wagst
du nicht!


Was sollte mich davon abhalten? Ich bin
der Oberste Marschgeber und
du nichts als
ein Verrter an der Allgegenwrtigen
Nachhut, in der Zeit ihres grten
Triumphes. Ein Verrter, der helfen wollte,
ALLDARS Wiederauferstehung zu
verhindern.


Bringt ihn zu Ghoolon. Ich
will Antworten.


Nein! Mareetus Stimme steigerte s
ich
zu einem Heulen, whrend die Wachen ihn
hinausschleiften, doch seine Wrde scherte
Glieder und lie die Knochenstacheln sich
aufrichten. Nein ... Facao, ich bin kein
Verrter! Entmachte mich, aber nicht das
..
.


Der Oberste Marschgeber machte eine
Geste des Bedauerns. Es geht nicht
anders, Mareetu. Ich kann nicht riskieren,
in diesen Dingen solche Fehler zu machen
wie du.


Mareetu heulte noch immer, als die Tr
hinter ihm zischend aus dem Boden
hochschos
s.


*



Das wrdelose Gejammer des Hohen
Marschgebers klang weiter in Facaos fnf
Hrmembranen nach, als er gemeinsam mit
Stimme des Humanoiden verdrngte es
vllig.


Ich denke, wir sollten uns m
it hchster
Prioritt um die Ergreifung der
Auenweltler kmmern, sagte er. Sein
weicher Tonfall besnftigte die
aufgewhlten Nerven des Obersten
Marschgebers.


Natrlich. Der Fagesy schob die
Armspitzen in die taktilen
Kommandoschnittstellen und las
die
neuesten Statusmeldungen aus. Wir
grenzen die Suche gerade auf bestimmte
Stadtteile ein. Es gibt kaum eine Gegend,
die nicht berwacht ist. Sie knnen uns
nicht lange entkommen.


Dennoch wird es Zeit, die Utrofarischen
Ovoide und ihre Kriegs
-
Ovula

einsatzbereit
zu machen.


Facao unterbrach sein Tun und wandte
dem Prokuristen wieder seine
Aufmerksamkeit zu.


Ist es wirklich so ernst?


Das ist es, besttigte der Laterale mit
einem Neigen seines Kopfes. Was uns
bevorsteht, knnte zum grt
en Feldzug
seit onen werden. Es ist von uerster
Wichtigkeit, dass alles zur rechten Zeit
bereit ist. Wir drfen nicht lnger warten.
Die Allgegenwrtige Nachhut muss in
vollem Umfang mobilisiert werden.


Also gut. Ich werde die entsprechenden
Befehl
e geben.


Wollt Ihr spter bei
Mareetus Entmachtung dabei sein?


Das ist nicht ntig. Ich habe
vollkommenes Vertrauen in Euch, Facao.
notwendig ist. Ich werde die Vorbereitung
der Kriegs
-
Ovula berwachen.


Fac
ao machte eine Geste der
den Befehl vor, den schon seit Langem
kein Marschgeber mehr erteilt hatte, und
schickte ihn auf den Weg zu den Hangars
der Ovoiden.


3.





Noch nicht ... M
oment ... da!


Pifa hielt das selbst verschlsselnde
Funkgert hoch, das der Alte Ship ihnen
vor dem Einsatz gegeben hatte. Jenke nahm
es und hielt es vors Gesicht.


Jenke ruft die Glckswaisen.
Glckswaisen, hrt ihr mich?


Shipa hrt dich, Frem
dweltlerin. Die
Stimme des Fato'Fa war unterlegt mit
lautem Knistern und Knacken. Ist es
gelungen? Gab es Verluste?


Wir haben Aufzeichnungen, die fr
euch interessant sein knnten. Alle sind
14

Verena Themsen


wohlauf, aber wir haben das fr uns
interessante Wissen ni
cht gewinnen
knnen.


Wir werden uns nach anderen
Wissensquellen umtun. Wo seid ihr?


»In diesem ... ›Haus der Entsühnten‹, was
auch immer das hier eigentlich ist.


Gut. Wir sind in Krze da und holen
euch. Ihr seid dort nicht sicher.


Dann
frage ich mich, warum sie es uns
als einen mglichen Rckzugspunkt
empfohlen haben, murmelte Pifa, als
Jenke ihr das Funkgert zurckgab. Mit
einem Seufzer lie die Halbertruserin sich
Wieder einmal warten.


Bewu
sst kmpfte Jenke gegen den Drang
an, im Raum auf und ab zu laufen, um ihrer
Unruhe Luft zu machen. Aber wenn die
auf die anderen abfrben und niemandem
helfen. Allen war bewusst, in was fr einer
prekren Lage si
e sich befanden: mitten in
einer fremden Riesenstadt, von der sie
bislang nicht einmal einen Bruchteil
gesehen hatten, verfolgt von den Wachen
der Allgegenwrtigen Nachhut. Es hatte
eine gute Portion Glck dazu gehrt, dass
sie so ungeschoren davongekommen

waren, obwohl sie im Gegensatz zu den
Fagesy und ihren Hilfstruppen nicht auf
den vollen Umfang ihrer Technik
zurckgreifen konnten.


Ich wnschte, wir htten ein paar der
Kristalle mitgenommen, die beim Umbau
der VAHANA zum FATROCHUN brig
geblieben s
ind. Womglich htte ich
austfteln knnen, wie wir sie nutzen
knnen, damit unsere SERUNS auch
wieder besser funktionieren. Pifas Worte
kamen Jenke wie ein Echo der eigenen
Gedanken vor.


Die VAHANA ist auch mit diesen
Kristallen hier noch beeintrcht
igt. Ob sie
bei den SERUNS viel htten ausrichten
knnen, ist daher fraglich, sagte Jenke.


Ich wnschte nur, ich wsste, wie die
Dinge in dem SKARABUS stehen. Ein
kurzer Funkspruch, und ich wre
wenigstens diese Sorge los. Aber es wre
zu gefhrlich,
die Funkstille zu
unterbrechen. Wir drfen auf keinen Fall
riskieren, dass die VAHANA in ihrem
Versteck entdeckt wird.


Etwas bewegt sich dort drauen, riss
Lanczkowskis Stimme sie aus ihren
Gedanken. Ich habe gerade eine Einheit
Fagesy mit Rstgeleit
en ber das Dach des
Nebenhauses fliegen sehen. Sie waren sehr
tief, als beabsichtigten sie, in der Gegend
zu landen.


Beobachte weiter, Lanz. Pifa, stell mir
noch einmal die Verbindung her.


Die Ingenieurin hatte in wenigen
Sekunden die notwendigen

Griffe
durchgefhrt.


Ship? Hier Jenke. Wir vermuten
Gefahr.


Hier Shipa. Wir sind unterwegs.
Verlasst euer Zimmer und geht nach hinten
in den Tempel. Zwischen den Statuen des
Fnfgestirns und der Heiligen Wirrknollen
gibt es eine kleine Falltr im

Boden. Sie
bringt euch in den Keller. Versteckt euch
dort.


Verstanden. Wir werden dort sein.


Dieses Mal steckte Jenke das Gert ein,
ohne es abzuschalten.


eine Gruppe Vogelartiger laut schnatternd
an ihr
em Zimmer vorbeilief. Kaum waren
sie um die Ecke, ffnete er die Tr.


Lanz verlie den Raum als Erster, direkt
gefolgt von Jenke. Hinter ihnen huschten
nacheinander die restlichen Terraner und
die Favadarei auf den Gang und folgten
ihnen auf dem Weg zur



Erneut hllte die Wolke aus Lrm und
Gerchen sie ein, als sie die Stufen
hinunter in das blitzlichtdurchzuckte
halber Hhe der Treppe ber die wogenden
e und die
Spielmaschinen hinweg zu einem mit
einem Vorhang verschlossenen Durchgang
15

Verena Themsen


weit hinten im Raum.


Jenke nickte. Wenn sie erst einmal den
Boden erreicht hatten, musste jeder seinen
eigenen Weg zu dieser Tr suchen. Als
Gruppe wrden sie kaum eine
Chance auf
Durchkommen haben.


Einen Moment erfasste Jenke ein Anfall
von Klaustrophobie, als sich die Menge am
Fu der Treppe um sie schloss und
weiterschob. Seit Jahren hatte sie die
meiste Zeit auf Raumschiffen verbracht,
wo es zwar eng sein mochte, a
ber man
gerade deshalb Rcksicht darauf nahm, die
anderen nicht zu bedrngen. Die Nhe zu
vielen Krpern ohne jegliche Kontrolle,
wer einen wie und wo berhrte, hatte sie


Sie zwang sich, die mit Gerchen
berfrachtete Luft tief einzuatm
en, hielt sie
einen Moment in der Lunge und stie sie
wieder aus, um sich bewusst zu
entspannen. Als das Gefhl der Beengung
verstrichen war, sah sie nach dem
Durchgang und schob sich durch die
Menge darauf zu.


Im hinteren Bereich des Raumes fiel ihr
ei
n erhhter Tresen auf, der sich an der
ganzen, gebogen verlaufenden Wand
entlangzog und in verschiedene Bereiche
unterteilt war. Einer diente als Bar, der
nchste als Mnzausgabe, ein dritter als
Rezeption, und am vierten wurden
Devotionalien und andere Di
nge verkauft,
ber deren Zweck Jenke nicht nher
nachdenken wollte.


die zum Tempelbereich fhrte. Dahinter
stand ein hagerer, haarloser Humanoide in
einem im herrschenden Licht schmutzig
grau wirkenden Gewand, d
as an eine alte
Mnchskutte erinnerte. Mit
zusammengezogenen Augenbrauen
musterte er Jenke, als sie vorbeiging. Die
Winkel seines schmalen Mundes zuckten
nach unten.


Ein Strahl Tageslicht geisterte ber die
und
eine grere Gruppe einlie.


Jenke sprte, wie die Menge auf einmal
zurckdrngte. Sie ahnte, dass da keine
normalen Besucher hereingekommen
Im nchsten Moment durchbrachen grelle
Deckenstrahler das Halbdunke
schloss Jenke die Augen.


Da! Da sind sie, krhte eine Stimme
nicht weit weg von ihr. Da sind die Leute,
die ihr sucht!


Ein kurzer Blick zeigte Jenke, dass der
Humanoide hinter dem Tresen so schrie
en
konnte, verdrehte der Mann allerdings
bereits die Augen und sackte zusammen.
Sie nahm die Hand wieder vom
Paralysator.


Alles auseinander!, brllte jemand
nahe dem Eingang. Im Namen der
Allgegenwrtigen Nachhut! Wir sind auf
der Jagd nach Verrtern

an ALLDAR, und
wer uns dabei behindert, wird selbst als
Verrter eingestuft.


Eine Kakofonie an Stimmen erhob sich,
als die Gste des Hauses gleichzeitig
versuchten, in verschiedene Richtungen
auszuweichen oder zu entkommen. Jenke
nutzte die Verwirrung
, um sich weiter auf
den Vorhang zuzuschieben, und hielt nach
den anderen Ausschau. Sie konnte gerade
noch sehen, wie Alban Dodds schrg vor
ihr zur Seite gedrngt wurde und das
Gleichgewicht verlor. Im nchsten Moment
packte Shimco den Kamashiten am Krage
n
und zerrte ihn wieder hoch. Die beiden
Favadarei ragten hingegen aus der Menge
wie Felsen in der Brandung, ungerhrt von
dem Gedrnge, aber auch weithin sichtbar.


Shimco, Kulslin


nutzt den Sichtschutz
der Treppe!, rief Jenke in den SERUN
-
Funk. Sie

konnte nur hoffen, dass ihre
Stimme das Getse ringsum bertnen
wrde. Zumindest Shimco steuerte im
nchsten Augenblick den Schatten der
Treppe an, und auch Kulslin drngte wenig
spter in diese Richtung.


Pltzlich war ber all dem Tumult ein
durchdri
ngendes Summen zu hren, dessen
16

Verena Themsen


Intensitt immer weiter anschwoll.
Geistesgegenwrtig aktivierte Jenke den
Falthelm ihres SERUNS, whrend ringsum
vielfltiges Gezeter und Gejammer ertnte.
Leute taumelten und hielten sich ihre
Hrorgane zu, einige sackten
mit
verdrehten Augen zusammen.


Schallwaffen. Und sie haben keine
Hemmung, sie gegen die Menge
auszusortieren.


Der Helm dmpfte den Schall etwas,
doch ein schmerzhaftes Kreischen drang
ie sie dank
der erhhten Schwerkraft ihrer Heimat in
die Wiege gelegt bekommen hatte, um sich
weiter auf den Durchgang zuzukmpfen,
der schon zum Greifen nahe war. Nur
wenige Schritte ...


Sie schob den Vorhang beiseite. Neben
ihr strzte Shimco mit hekt
isch flatterndem
Sprechsegel in den Raum, Alban Dodds
noch immer im Schlepptau. Die goldbraune
Haut des Kamashiten wies eine
ungewhnliche Blsse auf, und seine
Augen waren blutunterlaufen.


Lanczkowski zog Jenke zur Seite, in die
Deckung der Wand. Sofor
t lie das
schlielich zu einem leisen Sirren herab,
als auch der Vorhang wieder zufiel.


Hierher, schnell!


Rauch und eine Mischung schwerer
Dfte erfllten die Luft der runden Halle,
in die sie der Durchgang
gefhrt hatte.
berall standen Abbilder von Wesen, die
teilweise an einzelne auf dem Shath
heimische Rassen erinnerten, teilweise
jedoch keinerlei Bezugnahme zu
Verwirrende Holobilder mischten sich
dazwischen, und berall s
ah sie Schalen,
Urnen und Tischchen mit Devotionalien,
Blumen und Frchte darauf aufgehuft,
Verdampfer, Rucherschalen oder
Rucherstbe jeder Gre. Teilweise waren
die Statuen selbst kaum mehr zu erkennen
unter all den Dingen, die ihnen von den
Glubige
n verehrt worden waren.


Vielleicht in der Hoffnung, gttliche
Untersttzung beim Glcksspiel zu finden
...


Erneut erklang die Stimme von schrg
gegenber, gerade laut genug, um ber dem
gedmpften Lrm von nebenan gehrt zu
werden.


Los, kommt! Hi
er geht es runter!


Ein Fato'Fa stand dort, ein Angehriger
des den Favadarei verwandten Volkes, das
Namensgeber der Widerstandsorganisation
gegen die Allgegenwrtige Nachhut war.
Ein
Glckswaise.

Hektisch winkte er mit
seinen blassen Armen, die zwar f
r die
Terraner ebenfalls drr wirkten, doch nicht
ganz so fadenartig und in die Lnge
gezogen wie bei den Favadarei. Seine
Sinneskrone glhte in hektischem Hellgelb.


Jenke eilte durch den Raum, gefolgt von
den anderen. Es blieb keine Zeit, zu
berprfen
, ob sie vollzhlig waren. Jeden
Moment wrde die Einheit der
Allgegenwrtigen Nachhut den Tempel
erreichen, und bis dahin mussten sie weg
sein.


Falltr im Boden. Springt einfach rein und
rennt weiter. Der Alte Ship
wird euch
entgegenkommen und fhren. Ich schiebe
eine der Statuen auf die Falltr, wenn ihr
durch seid.


Und du?


Ich komme schon weg, keine Sorge.


Einen Moment berlegte Jenke, ob es
eine Falle war. Doch warum htten sich
ihre Gegner diese Mh
e machen sollen?
Wenn sie die Falltr nicht nahmen, saen
sie in einer Sackgasse. Zudem hatte der
Fremde den Namen ihres Kontaktes bei der
Widerstandsbewegung genannt.


Dunkelheit.


*



Es war zu befrc
hten gewesen, dass
Zattlasyd euch verraten wrde, erklrte
17

Verena Themsen


der Alte Ship, whrend sie nebeneinander
durch einen langen, steril wirkenden Gang
eilten. Mehrere Kellerrume hatten sie
bereits durchquert, nur auf schnelles und
mglichst lautloses Vorankommen
bedacht,
waren dann weiter hinunter in eine
verwahrlost wirkende Kanalisation
gestiegen und schlielich durch ein
Gangsystem gekrochen. Erst nachdem auch
dort noch kein Anzeichen von Verfolgung
zu erkennen gewesen war, wag
ten sie zu
reden.


Seine Geldgier ist leider der einzige
Grund, aus dem er sich mit vielen Leuten
umgibt


umso mehr Mglichkeiten hat er,
Aber das Viertel um sein Haus zhlt zu den
ber
wachungsdichte, und im Inneren kann
man leicht untertauchen. Es tut mir leid,
dass es so knapp geworden ist.


Wenigstens haben wir es rechtzeitig
geschafft, stellte Jenke fest. Sie warf einen
kurzen Blick ber die Schulter. Sie hatte es
kaum zu hoffen

gewagt, aber irgendwie
war es tatschlich allen gelungen,
rechtzeitig vor der Allgegenwrtigen
Nachhut den Tempelraum zu erreichen und
in den Gang zu springen. Ein alter
Schmugglergang, wie Shipa Gajoship
erklrte. Einer der Wege, die Zattlasyd zur
Bescha
ffung von Waren nutzte, die sich am
Rande der Legalitt bewegten


oder auch
jenseits davon.


Ich hoffe nur, euer Helfer ist wirklich
davongekommen.


Keine Sorge, sagte Goccpru leise von
der anderen Seite. Er hatte bereits auf der
anderen Seite des

Mauerlochs auf sie
Angestellter im ›Haus der Entsühnten‹ und
hat die Zeit nicht nur genutzt, um fr uns
Informationen zu sammeln und diesen
Zugang fr uns nutzbar zu machen,
sondern auch, um sich und uns gegen
N
otflle abzusichern. Es geht ihm gut.


Wie whrend der Befreiung der Terraner
aus dem Gefngnis von Alldar
-
Shath
wurde der Buochopone in seinem reich
verzierten Lebensfundustopf in einer Art
Snfte getragen, deren Halterungen auf den
Schultern zweier be
eindruckend massiver
Geschpfe auflagen. Htten nicht schon die
wuchtigen Krper und die an Sulen
erinnernden Gliedmaen klargemacht, dass
man sich mit diesen Wesen besser nicht
krperlich anlegte, wre das sptestens
durch das Horn geschehen. Spitz ragte

es
im unteren Drittel ihrer Gesichter auf,
knapp ber dem schmallippigen Mund und
unterhalb der kleinen, unter Hautfalten fast
verborgenen Augen. Noch immer konnte
Jenke nicht den Finger darauf legen,
warum ihr diese Geschpfe bekannt
vorkamen oder woran
sie sie erinnerten.


Assoziation zu einem Pilz unweigerlich
bereits bei der ersten Begegnung mit
Angehrigen dieser Spezies gekommen.
Tatschlich hatte Jenke die hfthohen
Wesen im ersten Moment fr
ungewhnliche Zierpflan
zen gehalten, bis
sie ihnen als Wahrheitssprer vorgestellt
worden waren. Auch Goccpru hatte
zweifelsohne diese Fhigkeit, Lge und
Wahrheit voneinander zu trennen, was
Jenke in seiner Gegenwart zu Vorsicht
veranlasste. Trotzdem konnte sie sich einer
gewis
sen Sympathie fr das Wesen nicht
erwehren.




In das fiskalische Casino
›Gewinnbringendes Bhoucdan‹. Ich zähle
dort zu den Wahrhaftigkeitsprfern und
wohne auch dort, was uns gewisse
e
an einer Stelle lngs auf und rollte sich von
dem Riss aus ein. Damit wurde der Blick
frei, dessen sanftes Pulsieren etwas
Hypnotisches hatte.


Fiskalisches Casino? Wa
s ist das?


Die Brger knnen dort um ihre
Steuerlast spielen. Gewinnt man, kann
18

Verena Themsen


sogar ein Guthaben dabei herausspringen,
doch verliert man, zahlt man fr einen
anderen mit.


Bevor Jenke weiter nachfragen konnte,
erreichten sie eine halbrunde Tr.



Es ist besser, wenn die meisten von
euch hier unten warten, sagte Shipa. Wir
auf die andere Seite. Er berhrte die Tr,
die sich daraufhin in Segmente teilte,
fcherartig zu einer Seite zusammenklappte
und im B
oden versank. Der Raum dahinter
Regale.


Nehmt die Kleidungsstcke von meiner
Snfte, sagte Goccpru. Eines davon ist
ein weit geschnittenes Gewand, wie die
Fato'Fa der Nordseite sie tragen. Wenn
einer der Favadare
i mit gebeugten Knien
laufen kann, knnte es durchgehen. Dann
ein Kleid und knstliche Haare, um eine
Elidarierin darzustellen, und ein
Geschftsanzug. Eure Anzge drften
inzwischen in allen Speichern des
wrden zu e
iner sofortigen Identifizierung
fhren, wenn ihr nur in den Bereich einer
einzigen berwachungsoptik kommt.


Shimco, denkst du, du knntest dich
klein genug machen?


Der Favadarei lie die Kopfknolle
kreisen. Ich kann es versuchen, aber ich
werde w
ohl immer noch wie ein sehr
groer und dnner Fato'Fa wirken.


Besser als nichts. Lanz, gehst du mit?


Der Major nickte.


*



Einige Zeit spter traten die drei aus dem
Lagerraum in die Station einer
blick
die Sinneszacken des Favadarei vor
Aufregung in dunkles Gelb tauchte.


Lebhaft erinnerte Jenke sich noch an die
Fahrt mit der Rhrenbahn auf Faland. Der
Erfinder dieser Druckluftbahn war dadurch
zum berhmtesten Helden der Favadarei
geworden. Die M
jungen Erfinder wie eine Steigerung dieser
Heldentat vorkommen, ebenso wie all die
anderen Technologien dieser Stadt etwas
Wunderbares hatten.


Doch der Alte Ship scheuchte sie
unerbittlich weiter, durch einen
Hebeschacht mit schwebe
nden Plattformen
nach oben zur Strae. Als sie ins Tageslicht
traten, staunte Jenke nicht schlecht.


Das Gebude, auf das sie zugingen,
zhlte selbst innerhalb der Megalopolis
Alldar
-
Shath zu den ungewhnlicheren.
Ein wenig erinnerte es Jenke an die Htt
en,
die sie manchmal im Winter aus hartem Eis
zu errichten versucht hatten


Iglus. Nur
war dieser Iglu rabenschwarz, und feiner
Dampf hob sich in einem unablssigen
Strom von den Oberflchen der Blcke. In
die Halbkugel passte nach Jenkes
Schtzung bequem

eine Groarena.


Breite fnfeckige Tren gewhrten in
regelmigen Abstnden Einlass in das
halbdunkle Innere. Zu einer von diesen
lotste Shipa Gajoship sie. Beim Passieren
der Wnde bemerkte Jenke einen weiteren
Unterschied zum Eis ihrer heimischen
Igl
us: Die schwarzen Blcke strahlten eine
nicht unerhebliche Hitze ab, als wrde das
Licht Fas von ihnen nicht nur absorbiert,
sondern dadurch zustzliche Hitze
erzeugende Prozesse im Inneren ausgelst.


zu den Temperatu
ren tropisch an. Dampf
drang aus vielen feinen Poren in den
Wnden und schwngerte die Luft
dermaen mit Feuchtigkeit, dass das Atmen
schwerfiel. Auch das Licht erinnerte an den
Boden eines tropischen Regenwalds, den
kein direkter Sonnenstrahl je erreichte
.
Stattdessen erhellte unregelmiges
Streulicht die Gnge und Winkel, Rampen,
Galerien und Hallen, die ohne erkennbares


Zielsicher fhrte der Fato'Fa sie durch
das verwirrende Labyrinth in

einen Raum,
der aus lauter Nischen und Ecken zu
19

Verena Themsen


bestehen schien, wie ein unregelmig
gezacktes Zahnrad. Die Decke war in
mehrere Teile unterschiedlicher Neigung
allzu lange anzusehen. Wenigstens war das
Licht


Jenke lie sich in einer wie ein
Pflanzenkelch geformten Sitzgelegenheit
nieder. Shimco Patoshin kam zu ihr und


Ich mache mir ein wenig Sorgen um
Kulslin, sagte er.


Kulslin? Was is
t mit ihm?


Der Favadarei bog die Kopfknolle zur
Seite. Er ist nicht so alt wie Blaspa, aber
auch nicht so jung wie ich, und er hat sein
Leben lang alle Gefahr und Aufregung
vermieden. Ich frchte, das alles wird
irgendwann zu viel fr ihn.


Ich ve
rstehe. Allerdings gibt es nicht
viel, was wir deshalb im Moment
unternehmen knnten. Er kann nicht allein
zur VAHANA zurck.


Das ist mir klar. Ich dachte nur,
vielleicht knnte man ihn aus weiteren
Unternehmungen heraushalten. Du sagtest,
du hoffst,
dass wir anderswo noch
Informationen finden knnen. Er knnte
hierbleiben, bis wir wieder zum
FATROCHUN zurckkehren.


Jenke nickte. Wenn das sein Wunsch ist
und die Fato'Fa zustimmen, sicher. Sie
musterte Shimco. Und du? Willst du auch
lieber hierbl
eiben?


Nein. Die Antwort kam ohne Zgern.
Wir haben erfahren, dass wir Verwandte
der Fato'Fa sind. Unsere Vorfahren haben
das Leben auf Faland vielleicht nur
gewhlt, um den Konflikten mit den
Fagesy aus dem Weg zu gehen. Dass sie
dafr einen Teil i
hrer Erinnerungen opfern
mussten, empfinde ich als Verbrechen. Wir
knnten so vieles haben, so vieles wissen ...
stattdessen haben sie uns so viel entrissen,
dass wir erst vor wenigen Geburtszyklen
wieder gelernt haben, Elektrizitt zu
benutzen. Ich sehe n
icht, was es notwendig
gemacht haben kann, unsere Vorfahren so
sehr zu beschneiden. Und darum denke ich
sogar darber nach, ganz hierzubleiben.


Hier? In Alldar
-
Shath? Aber du bist auf
Maschinenerbauer auf Faland zu werden!

Hier dagegen ...


wrde, wre schal, nachdem ich das hier
wre Nachahmung, nicht mehr. Aber hier
kann ich versuchen, mehr zu lernen und
vielleicht auf der Grundlage davon doch
wi
eder Neues zu erfinden. Wirklich Neues.


Oder zumindest kann ich den Fato'Fa
helfen zu versuchen, die Unterdrckung
durch die Allgegenwrtige Nachhut
dass es keine Grundlage fr deren Handeln
gibt, vielleicht schon

lange nicht mehr. Wer
wei, seit wie vielen Jahren sie ihr
Versagen schon vertuschen? Das muss ein
Ende haben.


Unsere Aufzeichnungen knnten dabei
helfen.


Das hoffe ich. Und wenn das nicht
ausreicht, werde ich eben tun, was ich
kann, um weitere
Hebel zu bauen, mit
denen man diese Herrschaft aus den
Angeln heben kann.


Jenke musste unwillkrlich ber das Bild
lcheln, das der junge Favadarei gewhlt
hatte. Er konnte eben nicht aus seiner Haut


nicht einmal, wenn er sich einem
politischen Kampf

verschrieb.


Was wird Blaspa dazu sagen?


Er wird es verstehen. Und vielleicht
kann ich ja irgendwann nach Faland
zurckkehren, ohne dabei meine
Erinnerung am Tor abgeben zu mssen,
und auch meinem eigenen Volk wirklich
helfen.


Sie nickte. Ich

kann dich gut verstehen.
Wir Terraner mgen es auch nicht, wenn
man unsere Erinnerungen einschrnkt oder
uns mit Halbwahrheiten abspeist.


Was nur leider das bliche Vorgehen von
Superintelligenzen zu sein scheint.
Womglich haben die Fagesy nur einfac
h
20

Verena Themsen


gut von ihrer Herrin gelernt. Und wir? Wie
weit haben wir schon die Eigenarten
unseres schtzenden Qulgeistes ES
angenommen? Wie oft weihen wir unsere
Plne ein


nur zu ihrem Besten natrlich?
Ich mag gar nicht dar
ber nachdenken.


Jenke schttelte den Kopf. Reden wir
spter darber, wenn klarer ist, wie es
Fato'Fa die Wahrheit unterbreiten. Sehen
wir, wie sie es aufnehmen.


4.



Einer Entmachtung beizuwo
hnen zhlte
nicht unbedingt zu den Pflichten, die Facao
besonders schtzte. Aber er war der
Oberste Marschgeber, und er selbst hatte
dieses Urteil verhngt. Es fhrte kein Weg
daran vorbei.


Vorher musste jedoch erst einmal etwas
anderes geklrt werden.


Der Oberste Marschgeber ruhte in seinem
erhhten Kelchsessel, die Arme so ber die
geneigten knstlichen Bltenbltter
Raum voll erfassen konnte. Die Mitte
wurde von der Entmachtungsanlage erfllt,
an deren Kon
trollen an der Seite des Saales
ein weiterer Fagesy ruhte, bereit, die
notwendigen Schritte zu initiieren, sobald
der Delinquent auf der dafr vorgesehenen
Flche fixiert war.


Soeben wurde Mareetu von zwei Wachen
in den Raum gebracht. Sie zogen ihn mehr
,
als sie ihn fhrten. Die Arme des Hohen
Marschgebers zuckten nur schwach und
htten ihm kaum erlaubt, sich schneller als
im Kriechtempo vorwrts zu bewegen.
Seine Haut zeigte ein mdes Grau, die
Sinneszellen waren matt, als wrde der
Krper sie nicht meh
r abrufen. Die
herausfordernd aufgestellt, waren weich
und neigten sich zu allen Seiten.


Als die Wachen Mareetu schlielich bis
zu der Markierung in der Mitte gebracht
hatten und loslieen, sackte er zusammen
wie ein Ga
llertstern. Nichts in ihm zeigte
irgendwelchen Halt. Lediglich die
Armspitzen zuckten ab und zu, als wollten
sie eine nur fr ihn sichtbare Gefahr
abwehren. Obwohl krperlich unversehrt,
war der Hohe Marschgeber sichtbar
gebrochen.


Whrend die Wachen Ma
reetus Glieder
streckten und vier davon mit Fesselfeldern
in den vorgesehenen Positionen fixierten,
glitt ein weiterer Fagesy an den Wachen
und dem Gefangenen vorbei nach vorn.


Plaudermeister Ghoolon, grte ihn
der Oberste Marschgeber. Was hast du
h
erausgefunden? Gibt es eine Spur zu
unseren Feinden hier auf dem Shath oder
zu den Auenweltlern?


Leider nicht, Oberster Marschgeber,
gebhrenden Gesten des Respektes. Ich
konnte selbst mit mehreren Befragungen

keinerlei Anstze erkennen, die einen
Hinweis auf Verrat geben.


Facao spreizte die Arme. Einerseits
beruhigend, andererseits aber auch
enttuschend. Wre er ein Mitglied des
Untergrundes gewesen, htten wir aus der
gewinnen knnen. So ist es einfach nur
eine beispiellos verpfuschte Sache.


Nachdenklich musterte er den
ausgestreckt daliegenden Mareetu. Die
eigentliche Basis seines Urteils, der Verrat,
war hinfllig geworden. Sollte er deshalb
die Entmachtung zurck
ziehen?


Nein. Er hat sie mehr als verdient fr
erwiesene Unfhigkeit.


Mit einem Armwinken aktivierte Facao
eine Holodrohne und steuerte sie ber
Mareetu.


Vor deiner Entmachtung, solange du es
noch einigermaen aufnehmen und
verstehen kannst, mch
te ich dir die Folgen
deiner malosen Pflichtvernachlssigung
vorfhren, sagte er. Sieh, was sie in
diesen Stunden in allen Kanlen
verbreiten.

21

Verena Themsen



Ein Holo erwachte flackernd zum Leben
und zeigte eine Laterale, die in einem
weien Schutzanzug vor einem
leeren, nur
von gelegentlichem Funkeln erfllten
Raum stand. In knappen Worten erluterte
sie, wo sie war und was das, was man sah,
Aufnahmeoptik zeigte die vllige Leere,
die das Grab ALLDARS ausfllte, seit der
Leichnam der Sch
utzmacht verschwunden
war.


Es folgte eine schnelle Bilderfolge, die
knapp kommentiert Szenen aus Alldar
-
Shath und dem Umland zeigte. Fato'Fa
allem, was sie gerade zur Hand hatten,
gegen Fagesy in Rstgeleiten vor. A
voide
kmpften mit Humanoiden. Fagesy
einem Podest aus auf eine bunt gemischte
Menge ein. Sogar Fagesy waren darunter
und machten erboste Gesten


nicht gegen
den Redner, sondern gegen ihre eigene
Fhrung, die sie

im Unklaren gelassen
hatte.


Das Bild wechselte zu drei Personen aus
verschiedenen Vlkern, die im Dreieck
saen und heftig zu debattieren begannen,
was die Bilder fr das Shath und seine
ab.


as zu sagen, womit du
hast, Mareetu?


Der Hohe Marschgeber lag so still, dass
Facao bereits das Zeichen geben wollte,
mit der Prozedur zu beginnen. Da zuckte
der freie Arm noch einmal hoch.


Ja?


Der Arm
schwebte einen Moment reglos.
Dann durchlief ihn ein Schauder, und er
sank zurck. Ein leises Wimmern erklang.


Der Oberste Marschgeber lie seine
Arme schnalzen. Ein Fesselfeld umgab
auch die fnfte Gliedmae des Hohen
Marschgebers, und der Entmachter s
ank
herab, um seine Arbeit am Gehirn des
Fagesy zu verrichten. Die Prozedur, die
Mareetu alles nehmen wrde, was ihn in
seine Position gebracht und was er als
Bewahrer des Intrantums erfahren hatte,
begann.


*



Auf halbem Weg zum Raum der
Ve
weiteren Fagesy, der sich nach einer
stummen Begrungsgeste der Gruppe aus
dem Hohen Marschgeber, zwei Wachen
und Mareetu anschloss. Gemeinsam
zweite Fagesy traten vor die
Aufnahm
eoptiken. Auf ein Zeichen des
Obersten Marschgebers hin flammte das
Holosymbol der Allgegenwrtigen Nachhut
hinter den beiden Fagesy auf. Ein Licht
zeigte an, dass die Aufnahme begann.


Bewohner des Shath, begann Facao.
Beunruhigende Nachrichten wurde
n in
Grundfesten unserer Existenz und unseres
Gesellschaftssystems rtteln. Ihr alle habt
sie vermutlich inzwischen gesehen. Wir,
die Allgegenwrtige Nachhut, wurden
darin beschuldigt, in unseren Pflichten
versagt un
d dies seit geraumer Zeit
vertuscht zu haben.


Ohne Ton wurden im Hintergrund die
Holobilder eingespielt, die vor ein paar
Stunden zum ersten Mal durch das


Unser erster Impuls war, diese
unglaubliche Beschuldigung ohn
e
Umschweife zu bestreiten. Der Avatar, den
wir gestern begren durften, ist immerhin
Beweis genug, wie lcherlich das Ganze
ist. Stattdessen habe ich zunchst eine
berprfung der Angelegenheit
NIMMERDAR ist tatschli
ch leer.


Eine neue Einspielung zeigte die leere
Grabkammer, dieses Mal von einem
Fagesy aufgenommen.


Aber, meine Mitbrger, dieses Grab ist
mitnichten bereits seit Langem leer, wie die
22

Verena Themsen


umstrzlerischen Krfte behaupten. Es ist
leer, seit die Fremde
n sich auf
haben! Sie haben ALLDARS Krper
gestohlen!


Whrend Facao eindringlich in die
Aufnahmeoptiken sah und eine Pause
einlegte, um die Worte wirken zu lassen,
wurden hinter ihm Szenen eingespielt, die
aus den

berwachungsspeichern des
Siegels stammten


das Eindringen und die
Flucht der Fremden, ergnzt durch einige
kunstvoll eingebrachte Effekte, die einen
harten Kampf und mehrere Tote aufseiten
der Fagesy suggerierten.


Wie konnte ihnen das gelingen? Zum
einen wohl, weil manche von uns sich zu
sicher fhlten. Zwar wussten wir von den
Strmungen, die die seit Jahrhunderten
bewhrte Fhrung der Allgegenwrtigen
Nachhut durch ihre eigene Diktatur
damit, dass sie so we
it gehen wrden,
Fremde in unsere Welt einzuschleusen, um
ihnen zu helfen, ihre destruktiven Ziele zu
verfolgen.


Er hielt kurz inne, bevor er weitersprach.
Die Verantwortung dafr, dass es diesen
Fremden gelungen ist, bis ins Herz unserer
Welt vorzudr
ingen und sogar in den Besitz
des Intrantums zu gelangen, hat der Hohe
Marschgeber Mareetu voll auf sich
werden einen fhigen Nachfolger fr ihn


Die Optiken schwenkten kurz zu
Mareetu, zeigten seine gra
ue, apathische
Gestalt im Griff seiner Wrter.


Mareetu war durchaus bewusst, was mit
ihm geschehen war. Doch mit der
Entfernung der Hirnteile, die Erinnerungen
an sein als Hoher Marschgeber
gewonnenes Wissen enthielten, waren ihm
auch der Wille und die
notwendige
Konzentrationsfhigkeit genommen
worden, sich dagegen aufzulehnen. Er
wrde zurckkehren in die Reihen der
einfachen Brger und sein Leben als einer
der Niedrigsten unter ihnen fristen.


Erneut wechselte die Aufmerksamkeit zu
Facao.


Doch e
s war nicht nur die
Nachlssigkeit Mareetus, die den Fremden
half. Und auch die Krfte im Hintergrund,
die mit beeindruckenden Bildern die
Massen gegen uns manipulieren wollen,
sind nicht ihre einzigen Untersttzer. Es
waren andere, die ihnen das Tor zu un
serer
wurde.


Ein Flackern sagte Facao, dass das
Wolkenschlieren.


Lange gewhrten wir den F
avadarei auf
Faland ein friedliches Leben, nachdem ihre
Vorfahren beschlossen hatten, nicht weiter
Teil unserer Gesellschaft sein zu wollen.
Nun aber haben sie sich gegen uns gewandt
und mit dem Wissen, das ihnen gelassen
wurde, den Fremden das Tor zum Sha
th
unseres Heiligtums mglich.


Daher habe ich eine Strafexpedition
Bewohner Falands sich wieder daran
erinnern, wessen Wohlwollen sie ihr Leben
verdanken. Als Hohen Ma
rschgeber habe
die Arme so, dass all seine Sinnesorgane
den neben ihm stehenden Fagesy erfassten.
Die Optiken folgten dieser Bewegung.


Ich danke dem Obersten Marschgeber
fr die Ehre dieser Aufgabe, lie Phocall
u
sich vernehmen. Ich werde ihr mit allen
mir zur Verfgung stehenden Mitteln
nachkommen. In diesen Momenten sind
bereits Einsatzkrfte in Richtung aller
wichtigen Knotenpunkte auf Faland in
hren und dafr
sorgen, dass den Favadarei klar wird,
welche Fehler sie begangen haben und wo
ihr Platz ist. Sollten die Fremden
versuchen, auf diesem Weg
23

Verena Themsen


zurckzukehren, werden sie keine
Untersttzung mehr finden.


Phocallu reckte die Arme. Zudem
werd
en wir als eine gerechte Strafe auf
wurde: Wir werden ihr grtes Heiligtum
zerstren.


Facao machte eine zustimmende Geste
und zog damit die Aufmerksamkeit der
Optiken wieder auf sich.


Auch hier auf dem Shath we
rden wir
natrlich nicht unttig bleiben. Nachdem
ihnen nun der Rckweg abgeschnitten ist,
erffnen wir die Jagd auf die Fremden, um
ihnen ihre Beute wieder abzunehmen und
ALLDAR zurckzuholen. Wer immer
ihnen hilft, sie aktiv untersttzt oder auch
nur ein

dass wir bei seiner Bestrafung fr dieses
Verbrechen gegen unser Volk nicht
weniger Hrte walten lassen werden als
gegenber den Fagesy. Diejenigen
hingegen, die uns dabei untersttzen, die
Verbrecher dingfest zu machen
und
ALLDAR zu befreien, werden reichen
Lohn und Anerkennung erfahren.


Er hob die vorderen beiden Arme und
fixierte erneut eindringlich die nchste
Aufnahmeoptik. Die Zeiten der Unruhe
sind vorbei. Alle Verrter, ob in der
Nachbarschaft oder unter uns,

haben
ausgespielt.


5.



Ich verstehe nicht, was hier geschieht,
sagte Jenke Schousboe mit gedmpfter
Stimme.


Eine unruhige Nacht lag hinter ihr, in der
die Expeditionsleiterin immer wieder damit

Flucht geweckt zu werden. Es hatte sich ein
Morgen nervser Unttigkeit
angeschlossen, unterbrochen nur durch das
gelegentliche Verfolgen der
Nachrichtenbilder aus dem Opto
-
Projektor,
dessen Bedienung ihnen der Alte Ship
e meisten
Terraner um das Gert, whrend die
Favadarei sich der Gruppe von
Glckswaisen angeschlossen hatten, die
zurzeit eine Debatte im hinteren Teil des
Raumes fhrten.


Hier scheint mir einiges mehr
aufzubrechen als nur Unzufriedenheit mit
der Allge
genwrtigen Nachhut, sagte
Alban Dodds. Da werden ja nicht nur
Fagesy angegriffen


irgendwie jeder gegen jeden, je nachdem,
wo man gerade hinschaut!


Jenke sah Bilder der Verhaftung einer
Gruppe grnfelliger Humanoiden.
Eingekesselt vo
n mehreren Fagesy in
Rstgeleiten, wanden sie sich unter dem
Beschuss aus deren Sinneswaffen und
brachen zusammen. Im nchsten Moment
Menge sprengte den Kordon,
Handgemenge begannen, Waffen wurden
im chaotischen Tumult

gegen ihre eigenen
gerade in die Schusslinie geriet.


Mit einer Geste drehte die
Expeditionsleiterin die Tonprojektion in
ihrer bertragung herunter.


Htte ich geahnt, dass die Ereignisse
dermaen ausufern wrd
en, htte ich mir
dreimal berlegt, ob wir die Informationen
weitergeben, stellte sie fest. Ein
Brgerkrieg war nicht unbedingt das, was
ich den Leuten hier gewnscht habe.


Dodds hob die Schultern. Wer wei
schon, was die Nachhut im Lauf der
Jahrhun
derte so angestellt hat. Und die
Vlkermischung auf dem Shath hat wohl
auch nicht gerade geholfen. So viele
verschiedene Vlker und Kulturen auf
engem Raum wie hier in Alldar
-
Shath habe
ich nicht einmal in Terrania gesehen.
Lauter Wesen mit unterschiedlich
en
Ansichten und Lebensweisen, die
womglich nur die Dominanz der Nachhut
zusammengehalten hat.


Und die Nachhut scheint ziemlich an
Boden zu verlieren, warf Pifa ein. Ich
habe gerade auf einem Sender gehrt, dass
24

Verena Themsen


fast ein Drittel der Regionen sich b
ereits
oder verjagt hat.


Schtze, das ist mehr Wunschdenken,
sagte Dodds. Schau dir die Nachrichten
von ›Stimme der Nachhut‹ an, dann
erfhrst du, dass es nur kleinere Unruhen
gibt, die eingedmmt und bald u
nter
Kontrolle sind. Die Wahrheit liegt
irgendwo dazwischen. Wo genau, werden
wir wohl so schnell nicht herausfinden.


Jenke fuhr mit einem Finger die roten
Linien ihrer Adern auf der anderen Hand
vorgehen. Ver
suchen wir erneut,
Informationen zu gewinnen? Der
herrschende Tumult knnte dabei von
Vorteil sein, stellt aber auch eine Gefahr
dar. Auerdem brauchten wir dafr Hilfe
von den Glckswaisen ...


... die zurzeit andere Probleme haben,
stellte Pifa fest
.


Lanczkowski verschrnkte die Arme.
Egal was wir danach machen, ich denke,
wir sollten zuerst zur VAHANA zurck
und sicherstellen, dass sie nicht in Gefahr
ist. Die zurckgebliebene Besatzung wei
nicht unbedingt, was gerade geschieht.
Ohne den SKARAB
US sind wir hier


Die Irmdomerin nickte. Ich denke
Umstnde eher zurckziehen und abwarten
sollten.


Wir knnten ...


Pifa wurde von Alban Dodds
unterbrochen. Gleich fngt die offizielle
St
ellungnahme der Allgegenwrtigen
Nachhut an. Vielleicht sollten wir danach
weiterdiskutieren.


Auf Jenkes Wink hin schaltete Dodds
seinen Sender auf den Holoprojektor. Auch
die Glckswaisen und die Favadarei kamen
herber, als das Symbol der Nachhut im
Raum schwebte. Die Stellungnahme war
Mal angekndigt worden.


Schlielich glitt das Symbol in den
Hintergrund, und ein Fagesy erschien
davor.


Bewohner des Shath, tnte es durch
den Raum. Beunruhigende Nachrich
ten
an den Grundfesten unserer Existenz und
unseres Gesellschaftssystems rtteln ...


*



Stille hing wie eine dunkle Wolke im
Raum, seit das Symbol der
Allgegenwrtigen Nachhut wieder ber
dem Proj
ektor schwebte. Als das normale


Mit einem tiefen Atemzug versuchte
Jenke Schousboe, den Druck zu heben, der
sich schwer wie das feuchtschwle Klima
der Casino
-
Rume auf ihre Br
ust gesenkt
hatte. Sie wandte sich den beiden Favadarei
zu, deren Sinneskronen alle Farbe bis auf
ein blasses Gelb verloren hatten.


Es tut mir leid, sagte sie. Wir konnten
nicht ahnen ...


Es ist so ungerecht!, brach es aus
Shimco Patoshin hervo
r. Der Translator
verlieh seiner Stimme eine Festigkeit, die
nicht zu den flatternden Bewegungen
seiner Hnde passte. Warum wenden sie
sich gegen uns? Was haben wir ihnen
ihrer Aufgabe nicht richtig nachgekommen
s
ind? Ihre Waffen ... wie sollen unsere
Leute sich gegen sie wehren?


Der Favadarei sank in die nchststehende
Sitzblte und krmmte sich zusammen.


Sie suchen einen Sndenbock;
jemanden, auf den sie die Schuld schieben
und gleichzeitig Hrte beweisen

knnen,
mit Gerechtigkeit zu tun. Sie wollen
einfach ein schwaches Opfer, um die
Starken zu demoralisieren.


Helft unseren Leuten!, forderte Kulslin
Finukuls mit lautem Knattern. Sagt eurem
groen Schiff i
m All Bescheid! Es mssen
weitere eurer Schiffe auf Faland landen und
25

Verena Themsen


diese Leute stoppen!


Du weit selbst, dass unsere
Technologien bei euch nicht funktionieren.
Unsere Waffen wrden euch nicht helfen,
weil wir nicht wissen, wodurch sie vor den
dysfu
nktionalen Gezeiten geschtzt werden
knnen. Wir haben das FATROCHUN
nach den Anweisungen des Totenhirns
gebaut, aber wir haben nicht analysieren
knnen, warum es funktioniert. Wir knnen
das nicht auf andere Schiffe bertragen.
Auerdem haben wir keinen K
ontakt zur
BOMBAY.


Schlagartig sa Shimco wieder
kerzengerade.


Das Totenhirn, wisperte er. Sie
werden das Totenhirn angreifen. Es ist
unser Heiligstes ... Sie werden uns die
Erinnerungen unserer Toten nehmen.


Ein Knoten entstand in Jenkes Bau
ch.
Das Totenhirn. Zachary.


Wir werden tun, was wir knnen, sagte
sie. Dafr mssen wir aber zuerst zur
VAHANA zurck. Vielleicht knnen wir
mit ihr Kontakt zur BOMBAY aufnehmen.
Shipa


siehst du irgendwelche Chancen,
dass wir Zugriff auf das Strfe
ld erhalten?
Solange es steht, sind wir nahezu
machtlos.


Der Fato'Fa hob die Hnde. Die
dysfunktionale Enklave ist eines der
wichtigsten Schutzinstrumente der
Allgegenwrtigen Nachhut. Entsprechend
nie sonde
rlich darum gekmmert


was im
Bereich der Enklave nicht funktioniert,
wird auch nicht gebaut, weshalb uns ein
Abschalten keine Vorteile bringt.


Gibt es nicht wenigstens ein paar Dinge,
die allgemein bekannt sind oder die ihr



Nicht viel. Shipa senkte die Hnde
wieder auf seinen Bauch. Meines Wissens
ist das Feld nicht auf einen Schlag
abschaltbar, weil es mehrere Enklaver gibt
oder der Enklaver in mehrere
Einzelprojektoren unterteilt ist. Auerdem
sollen mehrere Schaltstell
en existieren,
damit Ausfall oder Manipulation einer
einzelnen das Feld nicht dauerhaft
lahmlegen kann. Das System knnte ber
die ganze Brcke verteilt sein oder in der
Tiefe des Inneren versenkt.


Bitte versucht, mehr darber
herauszufinden. Tragt al
les zusammen, was
die einzelnen Leute bei euch wissen. Selbst
wenn es uns nicht gelingen sollte, Hilfe
nach Faland zu bringen, knnen wir
zumindest einen anderen Ansatz verfolgen.
Sie sprachen davon, dass sie Faland
abzuschneid
en. Wenn uns mit der
VAHANA die direkte Flucht in den
Weltraum gelingen wrde, wre dieser
Zweck hinfllig, und es gbe die Hoffnung,
dass sie ihren Angriff einstellen.


Ich werde mich umhren. Aber es wird
eine Weile dauern.


So lange werden wir d
ann eben warten
mssen. Whrenddessen knnen wir immer
noch darber nachdenken, ob uns andere
Lsungen einfallen.


Jenkes Blick wanderte zu den beiden
Favadarei. Die Farben ihrer Sinneskronen
hatten sich verndert. Whrend Shimcos
Zacken jedoch zu einem

tiefen Rot
gewandelt waren, das Jenke als Trauer zu
Kulslin Finukuls ein krftiges Grn. Sie
hatte diese Farbe noch nie so klar an einem
Favadarei gesehen und kannte ihre
Bedeutung nur aus Blaspa Antublas'
Erl
uterungen.


Sie stand fr Wut.


6.



Mit den langen Fingern der natrlichen
ihn in die Analyseeinheit ein. Ein
gleichmiges Blinken markierte den
Beginn der An
alyse. Kurz koppelte er das
Gert mit den Sensoren der
biomechanischen Prothese an seinem
linken Unterarm, um auch die beim
26

Verena Themsen


Pflcken der Probe aufgenommenen Daten
hinzuzufgen. Anschlieend lie der
Kosmobiologe das Gert zurck in die
Tasche des SERUNS gl
eiten und sah auf.


Dreiig Meter schroff aufsteigende
Felsen markierten ihm gegenber den
Nordrand des Tales, in dem die VAHANA
vor einer Woche Zuflucht gefunden hatte.
Nichts wuchs an dieser Abbruchkante, die
entstanden sein musste, als ber eine Lnge

eingebrochen war. Auf Apatous Seite stieg
der Hang in gleichmigen Wellen an, die


Auch der Grund des Tals hielt mehr als
genug Studienobjekte fr den
Ganymedaner bereit. Mchtige Baumrie
sen
wurzelten im teilweise sumpfigen Boden.
Unter ihren ausladenden Kronen hatte sich
urwaldartig eine bunte, eng verflochtene
Dmmerstunden lautstarken Tierwelt war.


In der seit ihrer Landung verstrichenen
Woc
he hatte Apatou regelmig
Erkundungsausflge gemacht, erst nur in
unmittelbarer Umgebung des unter dem
Bltterdach verborgenen SKARABUS,
bis zum Wasserfall auf der einen Seite und
einer ausgedehnten Lichtung auf der
anderen. Schlielich hatte er sich jed
och
bis hin zum Rand des Tales gewagt, um
von oberhalb des Bltterdaches einen
berblick zu bekommen. Die Gre seines
fr terranische Verhltnisse berschlanken
Krpers kam ihm dabei zugute, denn er
konnte problemlos ber die Bsche
hinwegsehen, die hier
den meisten
Terranern die Sicht versperrt htten.


Ein Stck weiter unten am Abhang
standen Marcia Widengren und Jonas
Zosimo. Die Soldatin hatte von Anfang an
darauf bestanden, Bousset bei seinen
Ausflgen als Wache zu begleiten. Sie
hatten niemals den
leisesten Hinweis auf
die Anwesenheit anderer Intelligenzen in
diesem abgelegenen und auch auerhalb
des Tales von ausgedehnten Wldern
dominierten Landstrich entdeckt. Dennoch
gab es die Mglichkeit, aggressiven Tieren
zu begegnen. Bislang waren sie jedoc
h
auch von solchen Attacken verschont
geblieben.


Gelegentlich hatte sich auch Zosimo
angeschlossen, angeblich weil er der
einfarbigen Plastikonit
-
Wnde des Schiffes
berdrssig war. Wenn er die beiden
konnte sich
Apatou des Gefhls nicht
erwehren, dass mehr als die Langeweile der
vergangenen Tage dahintersteckte, wenn
die beiden jungen Leute die Gelegenheit
fr ein paar einsame Momente miteinander
nutzten.


Ein Piepen erklang vom Arm des
Kosmobiologen. Mit einem
Seufzen
quittierte er die Benachrichtigung. In Krze
musste er Cyrus Smith bei der
berwachung der Gerte ablsen. Eine
weitere Schicht tatenlosen Starrens, ohne
den geringsten Hinweis darauf, wie es den
anderen erging. Weitere Stunden, die an
den Nerven z
errten und die Stimmung an
Bord dem Punkt zutaumeln lieen, an dem
irgendjemand einen Streit vom Zaun brach.


Er rief seine Begleiter.


*



Autsch! Verf...


Leise fluchend rieb Apatou das Knie, das
er beim zu schnellen Aufsitzen
angesch
lagen hatte. Alles terranische
Mae, fr Ganymedaner ungeeignet. Mit
der anderen Hand aktivierte er die Ausgabe
des Funkempfngers. Rauschen schlug ihm
entgegen, nur gelegentlich durchbrochen
von Signalen, die eindeutig nicht zufllig
waren.


Jonas!



Der Pilot war bereits auf dem Weg zur
Funkkonsole. Bereitwillig rumte der
Ganymedaner ihm den Platz.


Eine kodierte Meldung, stellte Jonas
Zosimo fest. Von der BOMBAY. Aber
der Empfang ist nicht besonders gut.


Apatou nickte. Eher rauschend als
27

Verena Themsen


berauschend. Soll ich Cyrus holen?
Signalqualitt machen?


Ich glaube nicht. Und er wre
vermutlich nicht besonders begeistert,
wenn du ihn aus seinem Schlaf reit. Da,
sie wiederholen die Meldung. Die
Positronik wird au
s den Fragmenten ein
dekodieren. Kann aber unter diesen
Umstnden ein wenig dauern.


Und ich dachte, das Warten htte
endlich ein Ende.


Lcheln den Kopf. Du hast wenigste
ns
nicht. Ich wei nicht, wie oft ich
inzwischen die Systeme durchgecheckt und
den Sitz der FATROCHUN
-
Umbauten
berprft habe.


gesehen hab
e?


Er sichert die Kristalle, um das Risiko
zu verringern, dass die Abschirmung
wieder schadhaft wird. Es ist allerdings
nicht so einfach. Metallplaste interferieren
offensichtlich mit dem Effekt des Feldes.
Wir haben auf Cyborplast zurckgegriffen,
da
als Biomolplast zulsst, aber ebenfalls nicht
leitend ist.


Ah ja ... Apatous Blick sprang wieder
zu den Anzeigen der Funkanlage. Noch
immer wurde angezeigt, dass die
hereinkommende Nachricht unter
Bearbeitung wa
r. Er sah auf die
Zeitanzeige.


26. September 1469 NGZ, 16:08.


Was denkst du, wie lange das noch
dauert?


Das kommt darauf an, wie oft die
BOMBAY die Sendung wiederholt.
Bleiben Lcken, dauert die Dekodierung
lnger. Die Aufnahme jeder Schleife k
ostet
aber auch Zeit. Allerdings scheint es eine
relativ kurze Nachricht zu sein. Der Pilot
selektierte eine Sequenz, die als bereits
dekodiert angezeigt wurde, und schob sie
zum Abspielgert. Eine Stimme erklang,
leicht verzerrt durch die
bertragungsfeh
ler, aber durchaus
erkennbar.


Das ist Aiden Cranstoun, stellte
Apatou fest. Aber was spricht er da?


Jedenfalls kein Interkosmo. Die
Positronik sagt, es ist Vulgrgatasisch ...
auch fr Nicht
-
Blues konzipiert. Htte
nicht gedacht, dass unser
Kosm
opsychologe so weit
herumgekommen ist.


Apatou warf die langen Arme hoch.
Also noch lnger warten, bis die
anderen Bescheid, soweit sie wach sind.
Ich schtze, es interessiert uns alle, was die
BOMBAY uns mitzu
teilen hat.


*



Es dauerte eine Viertelstunde, ehe die
Positronik mit der Bereinigung der Signale
so weit vorangekommen war, dass eine
hatte die Unruhe sogar Cyrus Smith
vorzeitig aus seinem Schlaf ge
rissen. Nun
blickte Apatou von seinem Stehplatz aus
ber den wirren Schopf des
Versorgungsoffiziers hinweg zu den
Anzeigen. Smith, der die
Hauptverantwortung fr den Funk
-

und
Ortungsleitstand der VAHANA trug, hatte
sich neben Zosimo am Kontrollpult
nieder
Funksprche bereit zu sein.


Blaspa Antublas, der den Krper so stark
gleichen Hhe wie der des Ganymedaners
war. Lediglich Marcia Widengren wa
r im
Hintergrund geblieben und behielt
stattdessen die Anzeigen der Auenoptiken
im Auge.


Zosimo den Funkspruch.


EX
-
33 BOMBAY ruft die VAHANA.
28

Verena Themsen


Wichtige Meldungen. Truppen der
Allgegenwrtigen Nachhut sind nach
Faland

vorgestoen. Sie greifen die Stdte
an und tten jeden, der sich ihnen in den
Weg stellt. Sie belagern Amgheuc und
schlachten die Gheucen ab.


Ein scharfes Knattern drang aus Blaspas
unwillkrlich als ein Aufsthne
n.


Ich muss nach Faland zurck, wisperte
der Clanlteste. Ich muss ... ich muss zu
meinen Kindern.


Er wandte sich ab, als wolle er sich
umgehend auf den Weg machen. Apatou
seinen Arm. Nur am Rande bemerkte er
,
dass Zosimo die Nachricht gestoppt hatte.


Du kannst nichts tun, Blaspa, sagte er.
Bis wir mit einem der Karren, die wir
gesehen haben, Faland erreichen, ist bereits
alles vorbei. Und was soll ein Einzelner
dort auch ausrichten? Aber hier brauchen
w
ir dich.


Wofr? Ich bin ein alter Mann, und ich
wei nichts vom Leben auf der Brcke.
Selbst das kleinste Dorf hier hat
weiterentwickeltere Technik als wir
Favadarei. Dort unten wre mein Platz
die aus sein
er Verzweiflung geboren war,
versuchte Blaspa, sich von Apatou
loszureien. Apatou bekam Angst, den


Blaspa! Hr auf!


Ein leises Zischen erklang. Marcia
Widengren trat zur Sei
te, die Druckspritze
noch in der Hand, die sie am Krper des


Nur ein Beruhigungsmittel, murmelte
Ruhe ber alles nachdenken, sobald wir
den Rest der Nachricht gehrt haben.


Whrend
Marcia und Apatou den
Favadarei zu einem der Sessel im hinteren
Teil der Zentrale fhrten, erklang wieder
die Stimme des Cranstoun
-
Zwillings.


Ihr msst euch von der Brcke
zurckziehen, sagte der
Kosmopsychologe. Wir warten auf
Informationen darber,

wie das
kann. Sobald wir sie haben, leiten wir sie
eine mglicherweise gut bewachte
Schaltzentrale in den Randbezirken der
Ringstadt zu erstrmen.


Ende der Nachricht.
Die unpersnliche
Stimme der Positronik wirkte wie ein kalter
Wasserschwall.


Der massige Leib von Cyrus Smith kam
in Bewegung. Er drehte den Sessel, sodass
er alle anderen ansehen konnte. Seine Stirn
lag in Falten. Habe ich das richtig
verstanden, dass

sie nicht uns auffordern,
Informationen ber das Feld zu sammeln,
sondern sie irgendwo anders herbekommen
wollen?


So habe ich es ebenfalls verstanden,
haben sie ein Raumschiff gefunden oder
eine versteckte Station
?


Und woher wissen sie von diesem
Angriff? Auch von da? Oder haben sie
Faland so genau ber Normaloptik im
Auge behalten? Aber woher dann diese
Einzelheiten?


Apatou dachte noch einmal ber die
Worte Aidens nach. Ich denke, sie wissen
es aus direk
ter Quelle, sagte er
schlielich. Der Angriff drfte das
Totenhirn genug aufgeschreckt haben, um
Zacharys Bewusstsein darin erneut zu
aktivieren und ihn zu veranlassen, Aiden zu
kontaktieren. Darum kam der Funkspruch
auch von ihm.


Blaspas Sprachsegel

knatterte leise. Die
gemeinsamen Vorfahren der Favadarei und
der Fato'Fa haben diese Brcke
wahrscheinlich erbaut, schlielich haben
er. Die Gehirne derer, die damals nach
Faland gingen, sind der Grundstock unser
es
Totenhirns. Sie sind die Quelle der
Informationen. Sie wissen alles ber den
Bau der Brcke.

29

Verena Themsen



Aber ich dachte, man hat ihnen die
Erinnerungen genommen?


Vielleicht nicht allen. Vielleicht auch
nur nicht grndlich genug. Vielleicht ist
genug bei
jedem Einzelnen
zurckgeblieben, dass sie es gemeinsam
wieder zusammenfgen knnen. Nur
deshalb brauchen sie wahrscheinlich so viel
Zeit und knnen uns die Lsungen nicht
direkt sagen. Sie mssen erst das Wissen
zusammensuchen.


Apatou nickte. Wie ein
Puzzle, zu dem
man nicht die Vorlage hat. Hoffen wir nur,
dass es ihnen dennoch gelingt.


Die Hnde von Cyrus Smith wanderten
zur Konsole. Soll ich Lanz und Jenke
rufen?


Nein. Der Ganymedaner schttelte den
Kopf. Wenn wir die Funkstille brechen,

bringen wir sie womglich in Gefahr.
Warten wir noch, bis wir Genaueres
wissen. Womglich sind sie da, wo sie im
Moment sind, ohnehin in der besseren
Ausgangsposition.


Die anderen nickten, und auch Blaspa
Antublas machte eine schwache Geste der
Zustim
mung.


Wieder begann das Warten.


7.



Ein Geschwader von Fagesy in
Rstgeleiten rast auf die befestigte Stadt zu.
Wie Kleintiere wirken die Favadarei, die
Holztrmen unter die Abwehrschilde
rennen.



Etwas bewegt sich, ein Knall ertnt.
Punkte jagen durch die Luft auf die
gleitenden Soldaten zu, wachsen zu einer
Wolke aus dahinjagenden Pfeilen an. Die
meisten prallen wirkungslos ab, doch
einige treffen, und hier und da geraten
Rstgeleite ins Taumeln
.


Wo die Formation zu dicht ist, reien
abstrzende Fagesy noch ihre
Flgelmnner mit. Ein weiterer Knall. Hier
und da schieen Flammen hoch oder
entstehen Explosionen, als neue Pfeile
auftreffen, die gefhrliche Chemikalien in
zerbrechlichen Spitzen tr
drehen weitere Flieger ab ...


Eine Gruppe von Favadarei eilt einen
Felspfad entlang. Das Feuer, das sie hinter
sich gelegt haben, um die Verfolger
aufzuhalten, strt die Panzer nicht weiter.


Unter dem Einfluss der Schallwerfer
sinken
einige besinnungslos auf den Boden,
andere verlieren die Orientierung und
strzen ber die Felskante oder geraten
unter die Rder der sie verfolgenden
Kriegsfahrzeuge.


Als die Schallwerferpanzer weiter
Krachen. Die

Felswand neben den
Tiefe, reit dabei einen Teil des Weges und
drei der Panzer mit ...


Eine weitere Stadt. Die Mauern sind
durchbrochen, Feuer wten berall
zwischen den Gebuden.


Eine Einheit humanoider Hilf
ssoldaten
rckt vor, vorbei an unzhligen Favadarei
-
Leichen in verkrmmten Positionen, die sie
im von den Sinneswaffen erzeugten Wahn
eingenommen haben, ehe ihr Blutkreislauf
gestoppt hat.


Pltzlich tritt einer in ein verborgenes
Loch. Er lst einen Mec
hanismus aus, der
Millionen kleiner schwarzer Punkte durch
ein nahes Fenster auf die Soldaten
zuschieen lsst. Sie werfen sich in
Deckung, doch der schwarze Regen hat die
meisten bereits erwischt. Fluchend und
schreiend springen sie herum oder rollen
sich

am Boden, wie irrsinnig jede Stelle


Projektor ab.


Es dauerte entschieden zu lang. Er hatte
auf eine glorreiche Blitzschlacht gehofft,
die seine zu Ende gehende Laufbahn
krne
n wrde, ehe das Alter ihn in den
Ruhestand zwang. Stattdessen war es, als
berall wehrten sich die primitiven
30

Verena Themsen


Lateralen mit sinnloser Entschlossenheit
und zogen seinen Sieg unertrglich hinaus.
Der dritte Tag der Inva
sion ... In seinen
Plnen hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits
alle Hauptstdte der nrdlichen Kontinente
im Handstreich genommen und brannte das
Totenhirn aus.


Stattdessen hatte es sie einen ganzen Tag
kommen.

Obwohl niemand sie gewarnt
haben konnte, hatten die Favadarei schnell
begriffen, worauf sein Vorsto abzielte,
und ihm alles entgegengeworfen, was ihnen
auf diesem Kontinent zur Verfgung stand.


Sie verteidigten die Stadt mit mehr
Ressourcen, als sie e
s bei der
war am vorherigen Abend gefallen, der
ganze Kontinent Jint Gojint somit in der
Hand der Nachhut


bis auf Amgheuc.


Phocallu warf sich eine Glckskugel in
den
Mund, zerdrckte sie und spuckte die
Hlle aus. Ein warmes, prickelndes Gefhl
legte sich ber seine Nerven und half ihm,
Strke flutete durch seinen Krper und
seinen Geist, wie er sie frher jederzeit
empfunden

hatte. Seit einiger Zeit
bentigte er dafr die Kugeln. Doch was er
gewann, war die Abhngigkeit von ihnen
wert.


Flchtig studierte er die Verhrprotokolle
der ltesten, die in Jintbas in ihre Hnde
mehr zu w
issen als das, was die Fagesy
bereits am ersten Tag aus Prgebndern
erfahren hatten, die ihnen in Karteka in die
Hnde gefallen waren. Aber er wrde die
Antworten, die er wollte, schon aus ihnen
herauskitzeln. Aus ihnen oder
irgendjemandem sonst.


Er wa
r der Hohe Marschgeber Phocallu.
Niemand hatte sich ihm jemals erfolgreich


Er wrde auch die Favadarei brechen.



*



Als Phocallu aus seinem Befehlsfahrzeug
trat, empfingen den Fagesy Rauch und
Gestank. Ein weiterer Angriff mit

den
Feuerwerfern hatte begonnen.


Amgheucs Gebude stanken bestialisch,
wenn sie brannten. Von seiner Position auf
halber Hhe des Hgels konnte er die
aufsteigenden Schwaden sehen.


Verteidigungstrme standen da und dort,
und i
Panzerschild rumpelnd zum Stillstand, als
die Insassen in das Feld einer Schallkanone
doch er konnte sie sich vorstellen.


Ein Fagesy

eilte auf Phocallu zu. Er trug
das Takter
-
Abzeichen an seiner
Zentralscheibe, das ihn als Mitglied des
Inneren Stabes auswies.


Hoher Marschgeber! Ich habe eine
wichtige Nachricht!


Takter Naeca. Sind wir endlich zum
Totenhirn vorgestoen?


Der
Takter sank ein wenig tiefer auf
seinen Armen. Leider noch nicht, Hoher
Marschgeber. Alle Straen, in denen wir
den Widerstand der Favadarei gebrochen
haben, werden stattdessen von den
Wrmern blockiert. Sie kommen in solchen
Massen aus den Husern und au
s dem
Stadtzentrum, dass wir sie nicht so schnell
beseitigen knnen, wie sie sich uns
entgegenwerfen.


Phocallu unterdrckte ein unwilliges
Zischen. Er durfte keinen Kontrollverlust
zeigen.


Also?


Wir haben einen Gefangenen gemacht.
Er ist in de
r Nacht aus der Stadt
geschlichen und wollte die Feuerwerfer
beschdigen.


Was soll an diesem besonders sein?


Er sagt von sich, er sei ein Gheucen
-
Hter. Lonmu Qavalon ist sein Name.


Ein Gheucen
-
Hter. Was soll das sein?

31

Verena Themsen



Sie nennen diese

Würmer ›Gheucen‹.
Und da ihnen diese Wrmer sehr wichtig
sind, mssen auch die Leute, die ber sie
und das Totenhirn wachen, wichtige Leute
sein. Das zumindest waren meine
Gedanken dazu.


Die Worte elektrisierten den Hohen
Marschgeber. Du hast sehr kl
ar gedacht,
Takter Naeca. Deine Vermutungen decken
sich mit meinen. Wenn dieser Gheucen
-
Hter ein wichtiger Mann ist, kann er uns
vielleicht mehr ber die Fremden sagen
und wo wir sie finden knnen. Und vor
allem auch, woher sie wissen konnten, wie
man das

Tor zum Shath passieren kann.


Wir haben bereits eine Befragung
begonnen, aber bislang schweigt er. Diese
Favadarei knnen sehr zh sein.


Dann sollten wir wohl alle
Mglichkeiten nutzen, die uns zur
Verfgung stehen. Hol Veeghum und seine
Plauder
kammer her. Er mag nicht so gut
sein wie Ghoolon, doch bei einem
einfachen Favadarei sollte er wohl mit


*



Wasser. berall nur Wasser. Rings um
ihn herum. Wasser.


Wasser, das ihn abschnitt.


Wasser, das ihn

einsam machte.


Wasser, das ihn davon abhielt, das zu tun,
was er tun musste.


Er hrte den Ruf. Er musste ihm folgen.
Er musste ein Gheucen
-
Hter werden.


Aber wie? Wie sollte er dem qulenden
Ziehen, dem lockenden Gesang
nachgeben? Es gab keinen W
eg ber das
Wasser ...


Er sah sich um. Ein einzelner Baum stand
auf seiner Insel, der einzige Gefhrte in der
Einsamkeit.


Er musste sich ein Flo bauen, ja. Aber
wie? Verzweifelt wanderte sein Blick ber
den kahlen Boden.


Eine Axt lag pltzlich in

seiner Hand.
Mit einem Freudenschrei rannte er auf den
Baum zu und holte aus, um einen Ast
abzuschlagen. Der Kopf lste sich und flog
hinaus ins Wasser.


das rostige Metall sich im harten Holz fest.
Er zerrte dar
an, bis die Haut seiner Hnde
Risse bekam. Die salzige Luft lie die
Wunden brennen.


Er fand einen Hammer. Schlug den Ast
damit ab. Das Holz zerbrach. Doch
zumindest war die Sge wieder frei.


stumpf, stumpf, stum
pf wie sein Geist, der
nie fhig gewesen war, ein Werkzeug zu
erfassen. Er war eine Schande seiner Art,
eine Abnormitt, ein Unding.


Weinend kauerte er sich am Fu des
Baumes zusammen.


Das alles hast du nur den Fremden zu
verdanken,

wisperte es in se
inem Kopf.
Den Fremden


erinnerst du dich noch an
sie? Hast du ihr Bild vor dir?


Mit den Fingern malte der Favadarei das
Gefhrt in den Sand. Zwei Kreise, der eine
oben und unten abgeflacht, der andere
kleiner, wie ein Insektenkopf vorne daran
befestig
t ... und darber das Netz, das Netz
der Kristalle, das sie gezogen hatten.


Wer nur hat es ihnen gezeigt? Wer?


Das Totenhirn, murmelte der
Favadarei. Das Totenhirn ...


Pltzlich kehrte die Erinnerung zurck.


Er war Lonmu Qavalon. Lonmu Qava
lon,
der Gheucen
-
Hter. Er war dem Ruf lngst
gefolgt und hatte seine Berufung gefunden.
Er war keine Schande, er war ...


Schlagartig wurde es dunkel um ihn.
Panik berkam den Favadarei fr einen
Moment, als er sprte, wie alle Berhrung
schwand. Er sch
webte in vlliger
Dunkelheit, unfhig, sich vom Fleck zu
bewegen. Im nchsten Moment erinnerte er
sich: das Gert, zu dem sie ihn geschleppt
hatten


ein von einer mattblauen
Halbkugel gekrnter bauchiger Zylinder,
grau wie ein Regentag und fast doppelt so

hoch wie er selbst. Dort, wo das Gebilde
am strksten ausgebeult gewesen war, htte
32

Verena Themsen


er sogar quer hineingepasst. Aber er war
fast sicher, dass er senkrecht schwebte.


Diente die Halbkugel dazu, diese Bilder
in seinem Kopf zu erzeugen?


Ein sanftes Su
seln drang in seinen Geist.


Schon wieder herausgeglitten. Warum
bist du nur so stark ... Es knnte alles viel
schneller gehen, wenn du dich einfach
ffnen und alles sagen wrdest, was du
weit. Sag es mir. Ich bin Veeghum, dein
Freund. Der einzige Freun
d, den du noch
hast. Vertrau mir. Ich will dir helfen.




Ich bin Lonmu Qavalon, Gheucen
-
Hter
von Amgheuc. Das ist alle Wahrheit, die es
gibt, und alles, was zhlt. Ich kann dir nicht
mehr sag
en.


Bedauerlich ... Aber denk daran, ich hre
dich zu jeder Zeit. Ich kann dein Freund
sein und dich befreien, wenn du es nur
willst. Du musst es nur sagen.


Schlagartig stand Lonmu Qavalon wieder
auf der Insel. Hei brannte die Sonne auf
ihn herab,
und es gab keinen Baum mehr,
Trmmer eines Stammes und berall
verstreute Splitter zeugten davon, dass es
ihn jemals gegeben hatte. Es gab keinen
Schutz, keinen Halt.


Wasser berhrte Lonmus Fuspitzen,
kroch an den Vi
erfen aufwrts zu den
Knien. Er sprte den Sog, sprte die
Strmung, die ihn wegzerren wrde in die
Unendlichkeit, in das Nichts, das Nicht
-
Sein, das Nie
-
Gewesen
-
Sein ...


Das Wasser stieg.


Lonmu schluchzte und schrie.


*



Die Fremde
n nennen sich Terraner,
auch wenn sie aus verschiedenen Vlkern
stammen. Sie sind tatschlich mit einem
greren Raumschiff gekommen, das
auerhalb der dysfunktionalen Enklave
vorgedrungen ist, ist nur ein kleines
Beibo
ot. Das Wissen, wie man mit den
Heimat
-
Kristallen eine Abschirmung
aufbauen kann, hat einer der Terraner
gehabt. Vermutlich haben sie es schon
frher mit hnlichen Verhltnissen und
vergleichbaren Materialien zu tun gehabt
s
zusammenstellen. Ich wrde empfehlen,
alle Vorrte der Kristalle auf Faland zu
zerstren, um weiteren Vorfllen dieser Art
vorzubeugen.


Facao machte eine Geste der
Zustimmung. Hast du erfahren, wo ihr
Schiff ist?


Nein. Niemand auf Faland hat di
e
geringste Ahnung davon, was auf dem
Shath geschehen ist, oder auch nur, wie es
dort aussieht. Plaudermeister Veeghum hat
sichergestellt, dass niemand uns Wissen
vorenthalten hat. Er mag nicht so schnell
zum Ziel kommen wie dein Plaudermeister
Ghoolon, do
ch am Ende erfhrt er ebenfalls
alles. Was wir allerdings haben, sind
genaue Bilder des Schiffes und seiner
Besatzung. Drei Favadarei haben sich wohl
der Expedition angeschlossen. Ich schicke
dir alles Bildmaterial und die
Verhrprotokolle mit einem Datenp


Gut. Das sollte ausreichen, um sie mit
sie noch hier auf dem Shath sind.


Die Toraufzeichnungen haben ihr
Passieren zur Brcke hin registriert, aber
keine Rckkehr.


fen,
und es kann nur eine Frage von Stunden
Hoher Marschgeber Phocallu.


Phocallu machte eine Respektsgeste, bis
die Anzeige verblasste. Sofort danach
zuckte ein Arm zur Schale mit den
Glckskugeln.


Er hatt
Position, die sie erreichen konnten. Von
dort aus sollte es nun mglich sein, mit
dem Destrukturierer das Gebude des
Totenhirns zu zerstren und den Schacht
33

Verena Themsen


zum Einstrzen zu
bringen. Es wrde lange
dauern, ehe die Favadarei wieder zu ihrem
Allerheiligsten wrden vordringen knnen.
Und womglich war bis dahin dank der
deutlichen Dezimierung der Gheucen
-
Population nur noch verrottendes Fleisch
von dem Ding brig.


Phocallu spu
ckte die Schale aus.


Zeit, die Dinge zum Ende zu bringen.


8.



Nach vier Tagen angespannten Wartens
empfand Jenke Schousboe den
frhmorgendlichen Alarm fast als
sich auf ihrer Matratze auf, griff
nach dem
SERUN und schlpfte hinein. Mechanisch
berprfte sie den Inhalt der Taschen und
Halfter. Ein Systemcheck ergab das
bliche


alle hherdimensionalen
Funktionen waren gestrt oder ganz
ausgefallen.


Ein Trupp der Allgegenwrtigen
Nachhut hat Ei
nlass in das Casino
diese Uhrzeit kann es nur darum gehen,
nach uns oder den Glckswaisen zu
suchen.


Hier entlang! Ein Fato'Fa rief von der
Wand her.


Jenke konnte im schwachen Notlicht
nicht erkennen, ob es d
er Alte Ship oder
ein anderer war. Jedenfalls war er dabei,
einen Teil der Wandverkleidung
abzunehmen. Dahinter lag ein schmaler
Gang. Im Lauf der Tage hatten die Terraner
die Anlage des Casinos grndlich studiert,
um im Notfall zu wissen, wo die mglichen

Fluchtwege verliefen und wie man sie
erreichen konnte.


Jenke sah sich um. Alle Matratzen waren
den Favadarei beim Anlegen ihrer Gurte.
Zwei Glckswaisen rafften die
Schlafsachen zusammen, um sie ber einen
Mllsc
hacht verschwinden zu lassen.


Der Fato'Fa gestikulierte in Richtung der
ffnung. Schnell! Sie sind schon auf der
Rampe!


Lanczkowski gab mit ruhiger Stimme die
Reihenfolge vor. Captain, du zuerst.
Danach Clonfert, Patoshin, Dodds, Jenke,
Finukuls.
Ich mache den Abschluss.


Wnde geschlpft war, und folgte ihm
dichtauf. Wenige Augenblicke spter
erhellten nur noch ihre Helmscheinwerfer
den Gang, als die Wand hinter
Lanczkowski wieder geschlossen wurde.


Schn
ell schoben sie sich in dem schmalen
Zwischenraum vorwrts. Jedes Kratzen
oder Klappern, wenn jemand gegen die
Wnde stie, klang in Jenkes Ohren wie
lauter Donner. Kurz kam die Fortbewegung
ins Stocken, als sie den Schacht nach unten
erreichten. Eine Ewig
keit schien zu
vergehen, in der die Wnde immer enger
wurden, ehe Jenke endlich an der Reihe
war, sich auf die Leiter zu schwingen.


Finukuls folgte ihr nach kurzem Zgern
Sprossen abwrts. Wieder einmal machte
es sich bemerkbar, dass die Favadarei keine
militrische Ausbildung hatten.


Vielleicht htte ich sie alle in der
VAHANA zurcklassen sollen, nicht nur
Blaspa Antublas. Aber dann htte ich sie
der Mglichkeit beraubt, mehr ber die
Vergangenheit ihres Vo
lkes und ihre
Verwandten auf dem Shath zu erfahren.


Ein lauter Knall erklang, als Finukuls
gerade mit dem Kopf unter der Kante des
Schachtes angekommen war. Im
schwachen Licht sah Jenke, wie Lanz sich
ebenfalls auf die Leiter schwang und eine
Waffe zog.

Eng an die Wand gedrckt,
feuerte er und folgte dann dem Favadarei
unter die Schachtlinie.


Waffe gezogen und in den Raum hinein
Gerade spr
ang Pifa ebenfalls zum Boden
hinunter, trat zur Seite und zog ebenfalls
34

Verena Themsen


Unwillkrlich sah Jenke ebenfalls wieder
nach oben.


Ein Schatten erschien am Schachtrand.
Im nchsten Moment blitzte es dort auf, als
Pi
fa schoss. Ein leiser Fluch drang zu Jenke
hoch, und sie sah erneut nach unten. Die
Halbertruserin hantierte an ihrer Waffe und
legte sie erneut an. Doch was auch immer
gerade ber die Kante geschaut hatte, war
bereits wieder verschwunden.


Jenke berspr
Leiter und zog Finukuls zur Seite, sobald er
bereits die Tr des mit Regalen und
Schrnken zugestellten Wartungsraumes
Waffe im Anschlag unter Kon
trolle,
whrend die Gruppe sich hinter ihm
sammelte.


mit Finukuls im Schlepptau ebenfalls zu
hinaus auf den Gang.


Pia Aftanasia
Clonfert, wie Pifa laut ihres
Ausweises mit vollem Namen hie, hatte
bereits die Fhrung bernommen und die
nchste Gangbiegung gesichert.


die innere Trkontrolle, ehe sie sie von
auen schlossen und einen Schuss au
f das
Paneel abgaben. Einen kurzen Sprint spter
erreichten sie den nchsten Wartungsraum,
in dem sie durch einen Schrank mit
abnehmbarer Rckwand erneut Zugang zu
einem der Gnge erhielten, die in keinem
Gebudeplan enthalten waren. Die
Glckswaisen hatte
n sich den Umstand der
zunutze gemacht und im Laufe der Zeit ein
regelrechtes Parallelgebude im Haus
erschaffen.


wand sich in einer weiten Spirale von
wechselnder Steigung aufwrt
s. Bald
umfing sie wieder die typische
feuchtschwle Luft, die im Groteil des
Casinos herrschte, und machte das Atmen
schwerer.


weiteren abnehmbaren Wandverkleidung.
zehn M
groen Spielhallen schwebte.


An der Plattform hing ber mehrere
Meter Breite eine Montageplatte mit
unzhligen Projektoren, die whrend der
ffnungszeiten dazu dienten, die Luft mit
bunt blinkenden Hologrammen zu erfllen,
die auf die verschiedenen Attraktionen und
Spieltische hinwiesen. Die Plattform war
an einem unter der gesamten Decke des
Gittergestngen verankert, an dem weitere
Projektoren und ein Groteil der
Beleuchtung montie
rt waren.


Im von einigen Fluoreszenzbndern
war Bewegung zu erkennen. Unter der
Fhrung eines Fagesy in eng angeklapptem
Rstgeleit bewegte sich eine gemischte
Truppe der Allgegenwrtigen Nachhut weit
ausgefchert d
urch den Raum, sicherte jede
Nische und jeden Durchgang und leuchtete
sogar unter die Tische.


Lanczkowskis Stimme kam gedmpft
ber den Anzugfunk. Etwa zwanzig Mann
kann ich sehen. Weitere sind bestimmt im
ganzen Gebude verteilt. Wir teilen uns
auf. S
o haben wir mehr Chancen, an den
kritischen Stellen Lcken zu nutzen.


Keine Einwnde kamen auf, whrend der
militrische Einsatzleiter sie nacheinander
ansah.


Jenke, du gehst mit Finukuls, sagte er
schlielich. Dodds und Clonfert bleiben
azzoni zusammen, und ich nehme
Patoshin mit. Deflektoren an. Jeder sucht
sich seinen Weg rber und raus. Ich habe
den Sammelpunkt in eure
Anzugpositroniken berspielt. Finukuls,
Patoshin, falls ihr uns verliert, versucht,
euch zur VAHANA durchzuschlagen.


Stahltrger hinauf, gefolgt von Dodds und
der Halbertruserin. Sie aktivierten ihre
35

Verena Themsen


Deflektoren und verschmolzen mit der
Dunkelheit.


Jenke entschied sich fr einen breiten
Wartungssteg, der dicht an der Wand
e
ntlang zur nchsten Plattform verlief.
Deflektor aktivierte und ber das Tor im
Schatten im Dunkel.


Sie bewegten sich vorsichtig ber den
Steg, darauf bedacht, keine verrte
rischen
Gerusche zu verursachen. Auch der
Zugang zur zweiten Plattform wurde von
einer Gittertr versperrt. Jenke berwand
sie und musterte die Stahltrger ber ihnen.


In diesem Moment erklang hinter ihr ein
Scheppern. Sie fuhr herum.


Finukuls lag a
uf dem Boden der
benommen mit den Armen um sich. Ein
Bein eines seiner Vierfe hing noch
immer an einer Strebe der Gittertr.


Ein Lichtstrahl flammte auf, dann ein
zweiter. Beide trafen sich auf dem Krper
des Fava
darei.


Jenke sprang vor und aktivierte seinen
Deflektor wieder, doch es war bereits zu
spt. Scharfe Rufe ertnten von dem
Fagesy, und die Gerusche von unten
den Weg zu ihnen herauf machte. Sie riss
den Sha
thologen hoch und sah zu den
Streben hinauf, dann wieder hinunter in
Tragflchen seines Rstgeleits.


Jenke zog Finukuls mit sich von der
Plattform in den Gang dahinter. Sie
erinnerte sich, dass auch dort ganz in der
N
he einer der Geheimgnge der
Holo der nheren Umgebung auf und
orientierte sich.


Schnelle Schritte wurden hrbar.


Sie griff nach Finukuls und zog ihn mit
sich den Flur entlang.


Urpltzlich flammte Licht au
f. Damit
waren die Deflektoren fast nutzlos, da sie
nur bedingt ihre Leistung erbrachten.


Jenke bog in einen Seitengang ein und
zgerte an einer Treppe nach unten, lief
jedoch weiter, als auch von dort Gerusche
z
u ihnen heraufdrangen. Am Ende des
Ganges stie sie eine Flgelklappe in einen
Raum auf, der nur so breit wie der Flur
war.


Die Rckseite der Abstellkammer wurde
wusste, dass es dort einen Ausstieg gab. Sie
nhrte die
Hoffnung, ber das Dach in
einen anderen Teil des Gebudes gelangen
und dort erneut in die Gnge der Fato'Fa
eintauchen zu knnen.


Finukuls musste sich bcken, um durch
die ffnung zu gelangen. Kaum war er
hindurch, schob Jenke einen Schrank
davor. Schw
ei lief ihr von der Flucht in
schwler Atmosphre ber die Haut. Sie
wnschte, der Favadarei wrde ihr helfen,
anstatt nur im Raum zu stehen.


Als sie sich zu ihm umdrehte, erstarrte
sie.


Aus den Ersatzteilbestnden der
VAHANA hatten sie die Favadare
i nicht
nur mit Funkgerten und
auch mit Paralysatoren. Und in die
Mndung eines solchen sah sie nun.


Ihr seid schuld, sagte der Favadarei.
Ihr habt mein Volk ins Unglck gestrzt.
Erst habt ihr alles bedeutu
ngslos werden
lassen, was wir erreicht haben, und nun ...


Jenke hob langsam die Hnde und
schttelte den Kopf. Die Allgegenwrtige
das Totenhirn verlangt hat. Sie schtzte
den Abstand zwischen sich und dem
Sha
thologen ab. Er hatte sich bis zur
Rckwand zurckgezogen. Wenn sie
versuchte, sich auf ihn zu strzen, wrde er
vermutlich schieen, ehe sie ihn erreichte.


Ihr habt gesagt, dass die Anweisungen
vom Totenhirn kommen, aber vielleicht
habt ihr uns nur ge
tuscht! Vielleicht habt
ihr ihm das Wissen entrissen?


Aber es ist
auch egal. Sie haben gesagt, der Angriff
36

Verena Themsen


hrt auf, wenn sie euch haben. Und darum
werde ich dafr sorgen, dass sie euch
bekommen.


Jenke warf sich zur Seite, als ihr klar
wurde, dass d
er Favadarei abdrckte.
Dennoch streifte das Feld sie. Ein Prickeln
ging durch ihren linken Arm und die Seite,
dann verlor sie das Gefhl fr diesen Teil
ihres Krpers. Hart schlug sie auf dem
Boden auf. Als wre sie tatschlich
vollstndig gelhmt, blieb
sie reglos liegen.


Unter halb geschlossenen Lidern
einen Moment einfach dort stehen, von wo
er auf sie geschossen hatte. Mglicherweise
lauschte er auf Gerusche von auen, oder
aber er musste selbst erst verarbei
ten, was


Schlielich kam Bewegung in den langen
Krper. Er steckte den Paralysator weg,
kam herber, schob den Schrank ein Stck
beiseite und griff nach Jenkes Anzug, um
sie beiseitezuziehen. In diesem Moment
zog die Irmdomerin ihren Nad
ler und
schoss.


Das Sprechsegel des Favadarei knatterte,
und sein Krper bumte sich unter dem
pltzlichen Schmerz auf. Das Lhmgift in
den Nadeln lie ihn nun seinerseits taumeln
und in einer Ecke des Raumes
zusammenbrechen. Ein leises Pfeifen
entwich
seiner Mundffnung.


Jenke versuchte sich aufzurichten. Der
Paralysator hatte ihre ganze linke Seite und
Gerusche drangen von auen herein,
Schritte und scharfe Kommando
s. Sie
aktivierte den Anzugfunk in der Hoffnung,
dass noch irgendjemand innerhalb der
reduzierten und durch das Gebude weiter
eingeschrnkten Reichweite war.


Schousboe an alle. Kode Rot. Finukuls
hat uns verraten. Vorsicht am
Sammelpunkt. Frequenzen u
nd Verstecke


Ohne auf eine Antwort zu warten,
desaktivierte sie das Gert, lste es vom
Anzug und legte es auf den Boden, um es
mit einem gezielten Strahlerschuss zu
zerstren. Ans
chlieend lschte sie den
Inhalt ihrer Anzugpositronik.


Whrend sie mhsam zu Finukuls'
Krper robbte, hrte sie, wie die
Flgelklappe gehoben wurde. Hastig riss
sie den Gurt mit dem Funkgert so herum,
dass sie das Gert ohne Gefahr fr den
Favadarei z
erstren konnte, und schoss.


Hinter ihr strzte der Schrank um.


*



Absolute Stille herrschte in der Zelle, die
Jenke noch von ihrer Gefangenschaft vor
einer Woche her vertraut war.
Dmmerlichterfllte Unendlichkeit in alle
Richtungen, un
d doch konnte sie an jeder
Seite nicht mehr als zwanzig Schritte
gehen, ehe sie an eine unsichtbare Barriere
stie.


In Wahrheit war der Raum hinter den
Mauern nichts als eine Projektion, das
wusste sie seit ihrer damaligen Befreiung
durch die Glckswais
en. Doch das nderte
nichts daran, dass es ein bedrckender
Ausblick war.


Jenke sa mit angezogenen Beinen in der
Mitte der Zelle, die verschrnkten Arme
sie war die Einsamkeit ein gutes Zeichen.


Ich bin die
Einzige. Sie haben keinen der
anderen gefasst.


Jenkes Multifunktionsarmband war ihr
ebenso wie alle Waffen bei der
Gefangennahme abgenommen worden.
Daher wusste sie nicht, wie viel Zeit
verstrichen war, als das gleichfrmige Bild
um sie pltzlich einen
Fehler bekam, sich
an einem Punkt verzerrte und schlielich
auseinanderriss.


Ein leicht ovaler Gang wurde sichtbar,
war. Vier Fagesy standen dort,
hochgedrckt auf die Spitzen ihrer Arme
und mit den Rstgeleite
n zu dem Zustand
37

Verena Themsen




Jenkes Mundwinkel zuckte. Eine
vierfache Ehrengarde. Zu viel der Ehre,
murmelte sie und stand auf.


Der Oberste Marschgeber will dich
sehen, schnarrte einer der Fagesy. Du
wirst uns folgen.


D
ie vorderen beiden traten zur Seite und
winkten sie in die Mitte des Viererblocks.
Jenke befolgte die Aufforderung.


Die Fagesy brachten die Irmdomerin
mehrere Stockwerke nach oben, ohne auch
nur einmal in ihrer Aufmerksamkeit
nachzulassen. Weitere Fages
y, aber auch
auf dem Weg, ohne jedoch die geringste
Neugier zu zeigen.


Raum, dessen Wnde die Bauart des
Stahlschirms im Kleinen nachahmten: Es
wirkte, als wren einfach einige
S
tahlplatten gegeneinander gelehnt und
miteinander verschweit worden. Ringsum
standen eine Reihe der kelchartigen
Sitzgelegenheiten, die der Terranerin
waren allerdings alle leer bis auf die eine,
die dem Eingang direk
t gegenberstand


Ein Fagesy mit aufflliger
Krperzeichnung ruhte darin, die
Zentralscheibe ein wenig hochgedrckt und
die Oberflchen der Arme ihr zugedreht.
Spiralen umwoben die Stacheln der A
rme
und liefen im Zentrum zusammen.


Hinter ihm stand im Halbschatten eine
weitere Gestalt, in der Jenke beim zweiten
Hinsehen den Perlmuttmann
wiedererkannte, den sie bereits beim


Unwillkrlich war Jenke in der T
r
ihr einen leichten Sto, um sie zum
Weitergehen zu veranlassen. In der Mitte
des Raumes wurde ihr bedeutet, stehen zu
bleiben, whrend zwei der Fagesy bis zu
dem thronartig anmutenden Sitz vortraten.


Du bist Je
nke Schousboe, die Frau aus
der Aufzeichnung. Die Feststellung kam
von dem thronenden Fagesy. Ich bin
Facao, der Oberste Marschgeber. Wo sind
die anderen aus deiner Gruppe?


Ich wei es nicht. Sie waren in einem
anderen Versteck.


Du lgst. Vergi
ss nicht, dass der
Favadarei mit uns gesprochen hat.


Finukuls? Wo ist er? Was wird mit ihm
geschehen?


Der Fagesy schob seine Zentralscheibe
da er euch an uns ausgeliefert hat?


ber, ob ihr eure


Erneut nderte der Oberste Marschgeber
seine Haltung. Noch haben wir nicht alles,
was er uns versprochen hat. Erst dann wird
sich entscheiden, was mit ihm geschieht.


Und der Angriff auf Faland?


Auch das e
wir euer Schiff haben. Wo ist es?


Jenke biss sich auf die Unterlippe.


Du willst es nicht sagen, obwohl
mglicherweise das Schicksal eines Volkes
davon abhngt?


Woher soll ich wissen, dass es
e?


Auerdem
wird dir das, was ich wei, nichts ntzen.
Unser Schiff liegt inzwischen nicht mehr
dort, wo wir es verlassen haben, und ich
kenne die neue Position nicht.


Bedauerlich ... sofern es stimmt. Wir
werden es herausfinden. Wie seid ihr
hierhe
rgekommen? Habt ihr eine Basis im
System?


Wir sind mit dem Schiff gekommen, mit


Auch das ist eine Lge. Den Favadarei
habt ihr erzhlt, dass ihr mit einem groen
Schiff gekommen seid.


Jenke versuchte, sich zu erinn
ern, was
genau sie bei dem Interview gesagt hatte.


Wir sind gemeinsam mit diesem Schiff
gekommen, sagte sie dann. Es hatte noch
drei weitere Beiboote wie unseres, aber
zwei davon wurden zerstrt, und das dritte
38

Verena Themsen


ist beschdigt. Wir sind die Besatzung
des
vierten Bootes und sind mit diesem
gekommen.


Von wo? Wo liegt eure Heimat?


Jenke zuckte die Achseln. Das ist
schwer zu sagen. Der Flug durch den Raum
war ein Albtraum. Wir haben die
Orientierung verloren. Darum hofften wir
auch, hier Hilfe zu

finden.


Wie lang war die Reise hierher?


Mehrere Tage.


Genauer.


Ich wei es nicht mehr. Ich msste in
meinem Logbuch nachschauen, das in
unserem Schiff ist.


Wie gro ist euer Hauptschiff? Wie
viele Leute Besatzung hat es?


Whre
nd die vorherigen Aussagen noch
zumindest Teilwahrheiten gewesen waren,
griff Jenke nun zur blanken Lge.


Es ist etwa zehnmal so gro wie unsere
Beiboote. Da es technisch hochstehender
ist, braucht es aber auch nicht viel mehr
Besatzung. Seit wir die z
wei anderen
Beiboote verloren haben, sind wir noch
Wahrheit. Doch solange sie nicht wusste,
welche Mglichkeiten die Fagesy hatten,
gegen die BOMBAY vorzugehen, zog sie
es vor, dass d
as Schiff unterschtzt wurde.


Und vermutlich hat auch euer
Basisschiff auf dem Weg durch den Raum
Beschdigungen erlitten?


Jenke wurde vorsichtig. Sie durfte die
Dinge nicht zu weit herunterspielen, sonst
wurde es unwahrscheinlich. Alle Schden
am

Basisschiff wurden behoben. Allerdings
leiden wir immer noch unter den
Erscheinungen des anarchischen Raumes


Schwerkraftausflle, Gravoblcke und
Materieauflsungen. Sie scheinen hier aber
seltener zu sein.


Also wisst ihr nicht, wie ihr euch
dagege
n schtzen knnt?


Erneut musste Jenke schnell berlegen.
Wir hatten nicht die erforderlichen
Materialien. Die haben wir erst auf Faland
gefunden.


Die Heimat
-
Kristalle. Jemand bei den
ihrem Totenhirn erfahre
n, wie man sie


Jenke schttelte langsam den Kopf.
Aidens Verbindung zu Zachary und
darber zum Totenhirn war ihr wichtigster
Trumpf, den sie auf keinen Fall preisgeben
durfte. Eine religise Verbrmung, die wir
nutzten, damit die Favadarei n
icht beleidigt
waren, dass uns gelang, woran sie schon so
Hilfe und wollten sie nicht vor den Kopf
stoen.


Das klingt sinnvoll. Sinnvoller
jedenfalls als das, was die Favadarei dazu
zu sagen hatten. Leider mu
ss ich aber
dennoch feststellen, dass du mir nicht die
volle Wahrheit sagst. Wir haben euer
Raumschiff gesehen und vermessen. Es ist
deutlich grer, als du behauptest. Auch
glaube ich dir nicht, dass du nicht weit,
wo eure Heimat liegt. Wenn es so wre,
Ob du wirklich nicht weit, wo euer
Beiboot liegt


nun ja, wir werden sehen.


Ein hinter dem Obersten Marschgeber
befindlicher Eingang glitt auf, und ein
Armhaut glnzte
an der Oberflche
feuchtschwarz, was einen deutlichen
Gegensatz zum blichen Trkisgrn der
Fagesy oder der Zeichnung Facaos
darstellte.


Jenke Schousboe, ich mchte dir
Plaudermeister Ghoolon vorstellen, sagte
Facao. Er wird unser Gesprch nun
weiter
fhren, um zu sehen, ob du nicht in
der einen oder anderen Hinsicht deine
Meinung nderst. Allerdings wird das nicht
in dieser entspannten Umgebung
geschehen. Ich wrde dir diese
Unannehmlichkeiten gerne ersparen, aber
du hast dich als nicht glaubwrdig
er
wiesen. Oder gibt es vielleicht etwas, das
du deinen Aussagen hinzufgen
mchtest?

39

Verena Themsen



Jenke presste die Lippen zusammen.
Facaos Worte waren deutlich genug, um
Angst zu erzeugen, die ihr das Atmen
erschwerte und einen Knoten in ihrem
Bauch entstehen lie.
Dennoch schttelte
sie den Kopf und verschrnkte die Arme.
Nein.


Bedauerlich. Du musst wissen, niemand
Absolut niemand. Und wir haben hier
schon alle Arten Wesen gehabt ...


Der Plaudermeister ging auf die Tr zu,

durch die er gekommen war. Ein Sto in
den Rcken zwang Jenke zum Folgen. Der
Oberste Marschgeber schob seinen Krper
hher, als sie vorbeiging. Seine leise
wiederholten Worte verfolgten die
Irmdomerin ebenso wie der Blick des
Perlmuttmannes.


Bedauerl
ich, bedauerlich ...


9.



wie Jonas Zosimo die VAHANA tiefer
unter das Bltterdach manvrierte. Die
berstrzte Flucht hatte ihnen nicht einmal
genug Zeit gelassen, nach einem wirklich
guten neuen Schlup
fwinkel zu suchen.
Aber Lanczkowskis Bruch der Funkstille
war allein bereits ein Warnsignal gewesen,
und der Inhalt hatte hchsten Alarm
ausgelst.


Jenke Schousboe gefangen. Position der
VAHANA vermutlich kompromittiert.
Sofortige Standortnderung notw
endig.


Noch immer konnte Apatou nicht
begreifen, dass ausgerechnet die
Kommandantin gefasst worden war. Noch
weniger wollte er darber nachdenken, wie
es ihr gehen mochte. Wenn man bedachte,
mit welcher rcksichtslosen Klte die
Allgegenwrtige Nachhut

gegen die
Favadarei vorgegangen war ...


Apatou schttelte den Kopf und stand
auf.


Gehen wir raus und schauen wir, was
wir tun knnen, damit es nicht allzu
offensichtlich ist, dass hier ein ber vierzig
Meter langer und dreiig Meter breiter
Stahlk
Anzeigen im Auge und benachrichtige uns


Der Ortungsoffizier wirkte nicht
unglcklich darber, dass ihm der Ausflug
erspart blieb.


Ich werde drauen nach dem
FATROCHUN
-
Blaspa. Die ste knnten es beschdigt
haben.


Apatou nickte. Tu das.


Marcia Widengren ging voran, als sie den
SKARABUS verlieen. Die Waffe im
Anschlag, musterte sie die Umgebung
sorgfltig, ehe sie den anderen zunickte.
Gemei
nsam traten sie in die Schneise, die
die VAHANA geschlagen hatte.


Ich frchte, hier werden wir mit dem
Traktorstrahl arbeiten mssen, wenn wir
Zosimo. Vielleicht, indem wir die ste
dort drben hier rberziehen und

mit
Stahlseilen sichern ...


Eine halbe Stunde verstrich, whrend sie
besprachen, wie sie ihre Deckung
verbessern wollten, und Blaspa sorgfltig
die VAHANA auf Schden in dem
untersuchte. Schlielich machte Zosimo

sich auf den Weg zurck ins Innere der
VAHANA, um zu sehen, ob er den
Traktorstrahl mit gengend Genauigkeit in
und Marcia Widengren folgten ihm
langsamer.


Ein Schatten huschte durch die
Baumwipfel, gefolgt vom Ger
usch
brechenden Holzes. Jemand schrie auf.


Zosimo!


Apatou rannte los. Neben ihm hatte die
Offizierin wieder ihre Waffe in der Hand
und schoss, als erneut etwas zwischen den
Bumen hindurchrauschte.


Rstgeleite! Sie haben uns gefunden!


Zosimo h
ockte benommen neben der
Rampe im Gras. Kurz blieb Widengren bei
40

Verena Themsen


ihm stehen und wechselte ein paar Worte
mit dem Piloten, rannte dann jedoch weiter
ins Innere des Schiffes.


Blaspa!, rief Apatou in den Funk.
berfall! Zurck ins Schiff!


Einer ist

reingekommen, klang Marcia
Widengrens Stimme auf. Mach die
Zentrale zu, Cyrus.


Erneut rauschte es, und ein Schatten jagte
heran. Eines der Schiffsgeschtze
schwenkte herum. Noch bevor Apatou den
heranschwebenden Gegner richtig ins
Visier nehmen konn
te, wurde sein
Rstgeleit von einem Thermoschuss
Weitere Schsse folgten, aufs Geratewohl


Zosimo kmpfte sich eben wieder auf die
Beine. Hinter ihm sah Apatou Blaspa


Pltzlic
h verstummte das
Schiffsgeschtz.


Verdammt, keuchte Zosimo.
Hoffentlich hat Smith auf Marcia gehrt!


Schleusendeck der Kommandokugel. Wie
zuvor Smith feuerte Apatou Schsse
ungezielt in den Wald, um weitere
Angrei
fer abzuschrecken oder bereits im
Flug zu erwischen. Irgendwo hatte ein
Baum Feuer gefangen, und dicker Rauch
stieg ber dem Wald auf. Das Prasseln
machte es unmglich, das Rstgeleit zu
hren, das pltzlich von der Seite
heranrauschte.


Apatou warf sich

in den Innenraum und
schlug auf die Schliekontrolle. Zosimo
hatte ebenfalls einen Strahler in der Hand
und schoss ber die sich schlieende
Rampe hinweg auf den Fagesy. Ein Stich
ging durch Apatous Schdel, als ein hoher
Ton in seinem Gehr explodierte.
Er
presste die Hnde auf die Ohren und
krmmte sich zusammen, um der
fremdartigen Waffe zu entgehen.


Pltzlich war es wieder vorbei. Die
Schleuse schloss und verriegelte sich.


Etwas schepperte ber ihnen ber das
Deck. Kampfgerusche waren zu hren.


Ohne abzuwarten, was die anderen taten,
rannte Apatou auf die Treppe zum
Wohndeck zu. Mit seinen langen Beinen
nahm der Ganymedaner drei Stufen auf
einmal. Schlielich stand er im
Aufenthaltsraum zwischen den
Wohnrumen.


Mbel waren umgerissen. Aus e
inem
Pflanztopf hatte sich ein Granulatregen
ber den Boden ergossen. Dazwischen
tnzelte der Fagesy wie in einem bizarren
Rstgeleites hatten sich neu um seinen
Halbkugel an, zwischen
deren Teilen die
Luft leicht waberte und aufblitzte, als ein
Schuss einschlug.


Marcia Widengren hatte sich hinter
einem Regal in Deckung gebracht und hielt
den Fagesy unter Beschuss. Nahe der
Wand dahinter lag ein verkrmmter Krper
am Boden.


Cyrus S
mith.


Sessel und legte die Waffe an, um Marcia
zu untersttzen. Unvermittelt machte der
Fagesy einen Satz zur Seite. Bewegung
kam in das Rstgeleit, Teile klappten
sich wi
eder auf andere Weise, bis eine
Reihe aufgestellter Platten in Marcias
Richtung wies.


Die Offizierin warf sich zu Boden und
schoss um die Ecke des Regals herum.
Apatou drckte ebenfalls ab.


Ein Zittern durchlief den Krper des
Angreifers. Er sprang z
ur Seite, doch einer
der Arme knickte ein. Erneut gruppierte
das Rstgeleit sich zum Schutzschild um.
Eine Lcke blieb, wo das Material beim
vorherigen Treffer zerstrt worden war und
lose herunterhing.


Erneut schoss Marcia und traf mit der
Zielsicherhe
it der Scharfschtzin.


Der Fagesy warf sich herum und taumelte
auf den Gang zum Notausstiegsschacht zu.
Die intakte Seite seiner Rstung ihnen
41

Verena Themsen


zugewandt, zog er sich in den Korridor
zurck. Marcia sprang auf und war mit
wenigen Stzen an der Wand neben
dem
Korridoreingang.


Apatou folgte ebenfalls.


Abwechselnd gaben sie Schsse in den
Gang hinein ab. Keiner konnte den Schirm
durchdringen.


Ein Ruck ging durch das Schiff. Es
angekommen sein.


Zeit, das hier

zu beenden.


Apatou strzte vor und rannte im
Zickzack den Gang hinunter. Sein Manver
erzielte den beabsichtigten Effekt: Erneut
gruppierten sich die Rstgeleitplatten des
Fagesy in den Angriffsmodus um.


Der Kosmobiologe warf sich zu Boden,
um Marci
a freies Schussfeld zu geben,
whrend er selbst seine Waffe blind in
Richtung des Gegners auslste.


Im nchsten Moment zerstob seine Welt
in einer Explosion aus Farben und schrillen
Tnen.


Es war nur ein kurzer Moment, doch er
reichte, um alle andere
n Gedanken als den
an Schmerz aus seinem Gehirn zu fegen.
Als er wieder klar sehen konnte, beugte
Marcia Widengren sich gerade ber ihn.


Alles in Ordnung?


Apatou nickte benommen. Cyrus?




Kmmere dich um ihn.


Marci
a nickte und kehrte in den
Aufenthaltsraum zurck.


Ende des Gangs. Der Fagesy war unter
Marcias und seinen Schssen an der Stelle
zusammengesackt, an der er gestanden
hatte. Seine Rstgeleitplatten standen in
verschi
edene Richtungen und waren
teilweise um seine Arme gewickelt, als
wre das Konstrukt mitten in seiner Arbeit
unterbrochen worden.


Da und dort zuckten die Glieder noch,
hoben und senkten sich in unkontrollierter
Weise. Schwarze Flssigkeit rann zwischen
Film auf dem Boden. Noch whrend
Apatou hinsah, wurde der Film dnner.
Irgendwo musste das Blut einen Spalt
gefunden haben, durch den es wegsickerte.


Apatou, ich brauche Hilfe!


Mit einem Stirnrunzeln wand
te der
Ganymedaner sich von dem toten Fagesy
ab. Er wrde spter einen
Reinigungsroboter beauftragen mssen, das
Blut zu suchen und zu beseitigen.


*



Tief in der Schlucht glitt die VAHANA
durch die Dunkelheit der Nacht. Endlich
erreichten s
ie den berhang, den Zosimo
auf den Erkundungskarten gefunden hatte,
die von der BOMBAY auf Basis
normaloptischer Beobachtungen erstellt
worden waren. ber eine lngere Strecke
hatte sich hier Wasser in einer Kehre tief
unter den Fels gegraben und ihn
ausg
ehhlt.


Zosimo setzte die VAHANA in das
Wasser hinein, so dicht an der Felswand
wie mglich.


Eine Nachricht blinkte auf Apatous
Konsole auf. Er rief sie ab.




Was ist?
, fragte Marcia Widengren.


Apatou schttelte den Kopf. Nur ein
Reinigungsroboter beauftragt, das Blut zu
beseitigen, das der Fagesy verloren hat. Es
ist irgendwo weggesickert. Aber er hat
nichts gefunden.


D
iese primitiven Dinger kommen
wahrscheinlich nicht sehr weit, wenn man
nicht daneben stehen bleibt und ihnen ganz
genau sagt, was sie zu tun haben.


Der Ganymedaner winkte ab. Nicht
wichtig. Darum kann man sich spter
kmmern. Sptestens wenn die schwa
rze
Plrre zu stinken anfngt, werden wir sie
finden.


und die Aggregate auf Bereitschaft
42

Verena Themsen


heruntergefahren. Ich hoffe, hier knnen
wir eine Weile bleiben. Zumindest werden
sie uns nicht so leicht berraschen knnen
wie in dem Wald.


Hoffen wir, dass keine Wanderer sich
hierher verirren. Such auf jeden Fall bei
nchster Gelegenheit noch ein paar weitere
mgliche Verstecke auf den Karten, damit
wir keine Zeit verlieren, falls wir erneut
fliehen mssen.


Zosimo n
ickte. Und was machen wir so
lange?


Apatou hob die Hnde. Viel knnen wir
nicht tun. Aber wir mssen bereit sein,
Lanczkowskis Trupp aufzunehmen, sobald
sie sich melden. Von hier knnen wir
nichts fr die Befreiung der Kommandantin
tun, und wir haben

immer noch nichts
Neues von der BOMBAY gehrt. Ich habe
weitergegeben, was Aiden gesagt hat. Er
wird sich wieder melden.


Also Jenke Schousboe befreien, unseren
Feldsektor abschalten, zur BOMBAY
zurck und dann ab

ins heimatliche
Sonnensystem. Zosimo seufzte. Ich
wnschte nur, wir wren schon da.


Schweigend starrten sie auf die
Auenanzeigen, jeder mit seinen eigenen
Gedanken beschftigt.


10.



Guten Abend, Oberster Marschgeber
Facao.


Proku
rist. Wie stehen die Dinge?


Die flieende Bewegung, mit der der
Humanoide seine Hnde hob, lie einen
Schimmer ber seine Perlmutthaut gleiten.


Die Utrofarischen Ovoide sind bereit.
Die Steuerleute wurden geweckt und
sehnen sich danach, in den Eins
atz zu
beziehen bereits ihre Quartiere.


Der Gedanke an die Utrofarischen
Steuerleute erzeugte einen sauren
Geschmack in Facaos Mund. Er mochte sie
nicht, man konnte es drehen und wenden,
wie man wollte. Lateral
e,


die Welt wre
angenehmer ohne sie.


Gegenber. Fr einen Moment fragte er
sich, warum er diesen Lateralen eigentlich
tolerieren konnte. Waren es diese glatten
Bewegungen? Die eindringliche, mal vol
le,
dann wieder weiche Stimme? Oder die
Klnge, die er gelegentlich einem seiner
Instrumente entlockte?


Facao rief sich zur Ordnung. Es gab
wichtigere Dinge, ber die er sich
Gedanken machen musste.


Die Kriegs
-
Ovula?, fragte er.


Sein Gegenber h
atte die Hnde wieder
gesenkt und ineinander gelegt. Smtliche
Ovoidraumer sind mit ihrem vollen
Kontingent Ovula bestckt. Die
Zustandsberprfung luft noch, doch es
sieht so aus, als wren nur wenige darunter,
die nicht mehr voll einsatzfhig sind. Bei

diesen wurde der Regenerationszyklus


Gut. Facao drckte sich in seinem Sitz
hoch, bereit, herauszugleiten. Beim
Zischen der Tr verharrte er jedoch und
wandte seine Sehsinne dem Eingang zu.
Erfreut begrte er den Neuankmmling.


Gho
olon! Wie angenehm, dich zu sehen.
Heit dein Kommen, dass dein Auftrag von
Erfolg gekrnt war?


So ist es, Oberster Marschgeber,
respektvoller Begrung, bei der er den
Prokuristen ignorierte. Das Subjekt war
zwar
ungewhnlich zh, doch ich habe wie
immer meinen Auftrag erfllt. Er hob
Facao eine Speicherplatte entgegen.


Ihr msst wissen, Gaztraid, Ghoolon hat
noch niemals versagt, bemerkte der
Oberste Marschgeber, whrend er die Platte
entgegennahm und in ein
en Abspielschlitz
an seinem Sitz einschob. Schriftzeichen
und Bilder flackerten in der Luft auf. Egal
wie zh und widerstandsfhig ein Opfer
auch sein mag


Ghoolon hat immer
Erfolg.

43

Verena Themsen



*



Brutus Lanczkowski hasste es, sich zu
verkleiden. Do
ch es gab Dinge, die waren
es wert, solche Regungen zu unterdrcken.


Eines davon war die Befreiung seiner
Kommandantin.


Jemand riskiert sehr viel mit dem
Dienst, den er uns erweist, wiederholte
der Alte Ship. Mareetus Freigabe wird nur
heute Nacht

noch einmal wiederhergestellt
werden. Nutzt eure Chance gut.


Der Major nickte knapp. Noch einmal
prfte er sein Aussehen in einem
Spiegelholo. Falten berzogen seine
Wangen, und sein Gesicht wurde von
dichten grauen Locken umrahmt. Hohe
Sohlen und auf
auf seinen Fingern sorgten dafr, dass sein
Krper auf den ersten Blick gestreckter
wirkte, als er es wirklich war. Lediglich
wenn er sich zu stark bewegte, mochte
unter der weiten Folienkleidung auffallen,
dass seine Proportionen

nicht stimmten.


Am fremdartigsten an seiner neuen
Gestalt waren jedoch die Augen. Whrend
seine eigenen wie gewohnt neben den
Nasenwurzeln lagen, trug er nun noch ein
zweites, identisch aussehendes Paar
darunter, wo eigentlich die
Wangenknochen lagen.
Sie waren nur
aufgemalt, doch das mit solcher
Realittstreue, dass es ihm selbst ein wenig
schwindelig wurde, wenn er das


Also gut, sagte er. Es geht los.


Mit einem Ruck wandte er sich ab und
musterte die anderen Mitgliede
r seiner
einem anderen humanoiden Volk
modelliert worden. Eine knubbelige Glatze
glnzte dort, wo er normalerweise dunkles
Haar trug, und auch das Gesicht war voller
Auswchse, die wie Geschwre wirkten.
Sein SERUN w
ar mit einem schwarzen
Flexlack berzogen und mit verschiedenen
Mustern bemalt worden. Laut den
Glckswaisen hnelte er nun der Uniform
einer der Nachhut nahestehenden
paramilitrischen Organisation.


Shimco, den man um diese Zeit bereits
wieder bei sein
em Nachnamen Patoshin
nennen musste, trug seine Verkleidung in
einer langen, mehr als armdicken Rhre bei
sich. Sie wrde auf dem Weg zu ihrem Ziel
zu viel Aufmerksamkeit erregen.


Pia Aftanasia Clonferts Aufgabe
erforderte eigentlich keine Verkleidung.
Dennoch trug sie im Moment ein
zeltartiges Stoffkonstrukt um ihren Krper


der neueste Schrei in einer der oberen
Siedlungen, wie man ihr versichert hatte.
Sie hatte es mit einem Knurren akzeptiert,
aber nur, da sie sie ohnehin bald wieder
ablegen wrde.




Die Halbertruserin nickte knapp.
Kodiert und gerafft. Leider nicht
gerichtet, da wir inzwischen ja selbst nicht
mehr wissen, wo die VAHANA steckt.


Brutus sah zu Alban Dodds, der bei den
Glckswaisen bleiben
wrde. Behalt das
Funkgert im Auge. Sollte es vonseiten der
VAHANA Probleme geben, gib eine
knappe Meldung durch. Abraham wird dich
hren knnen.


Der Kamashite legte die Hand um die
Figur seines Erbgottes. Ich passe auf und
werde schnell reagieren.


Schmollgott es ihm sagt, murmelte Pifa
gerade laut genug, damit er es hren
musste. Die despektierliche Bemerkung
trug ihr einen funkelnden Blick ein.


Der Treffpunkt ist bekannt, sagte
Lanczkowski. Der Ei
nsatz beginnt um 22
Uhr. Macht euch auf den Weg.


Er wandte sich ab und schritt auf den
Durchgang zu, der hinaus zu einem
stillgelegten Tiefbahntunnel gehrte. Von
dort stieg er ber einen Schacht hinauf,
verlie den Untergrund in einem
Nebenraum einer
Ladenpassage und
tauchte in der Menge unter.


44

Verena Themsen


*



Caroa hasste die Nachtschicht.


Wie viel lieber htte er in diesen Stunden
Fantra nachgegeben und war bereit fr ihn,
und nun das.
Nachtschicht.

Fr Tage

womglich noch, weil die Hlfte seiner
Einheit ausgerckt war, um die Rebellen zu
bekmpfen.


Vor einigen Tagen war es Rebellen
gelungen, einige Gefangene zu befreien.
Das war nicht zuletzt der Nachlssigkeit
des Bewahrers des Intrantums zu
verdanken ge
wesen. Wie an vielen Stellen
hatte er auch dabei die Gefahr unterschtzt
und viel zu schwache Bewachung
zugelassen. Sogar Laterale waren zum
Einsatz gekommen, weil der Dienst in den
Kammern hchst unbeliebt war und gerne
an die minderen Vlker abgeschoben
wurde. Doch das war nun vorbei.


Jeder Nicht
-
Fagesy war ein mglicher
Verrter. Selbst Fagesy wurden
genauestens auf ihre berzeugungen und
Caroa war in jeder Hinsicht als tadellos
eingestuft worden.


Sein Lohn dafr

war, dass er nun hier
unten sa, statt wie seine Kameraden die
Rebellen in ihre Grenzen zurckzuweisen
oder zu Hause die Umarmung zu genieen.


Schritte hallten durch den Gang. Caroa
trat an das Fenster der Wachkammer und
sah hinaus.


Eine seltsame Gr
uppe kam den Gang
herunter. Voran schritt ein Voltruni aus
einer der Hilfstruppen. Er fhrte eine
stmmige Humanoide in Energiefesseln,
die sich anscheinend nur durch den
Schaller in seiner Hand unter Kontrolle
halten lie. Hinter den beiden folgten ein
Ma
latrok in schbiger Kleidung und ein
humpelnder Fagesy in einem auf Neststatus
um ihn eingerollten Rstgeleit.


Vor seinem Wachfenster blieben sie
stehen.


Gefangenentransport, sagte der
Voltruni. Eine der gesuchten Fremdlinge.
Sie wurde in der Stad
t aufgegriffen und soll
zu der anderen dazugesperrt werden.


Und wer bist du? Und was hat dieser
andere damit zu tun? Das hier ist
hier nicht jeden reinlassen.


arschfolger. Wir haben
Marschierer Fatolai bei der Festnahme der
darum bin ich mitgekommen, um sie sicher
abzuliefern. Der andere ist der Brger,
dessen Hinweis die Festnahme mglich
machte. Er wollte uns nicht von d
er Seite
weichen, bis er seine Belohnung
bekommen hat. Die Mundwinkel des
Voltruni zogen sich abfllig abwrts.


Ist der Dienst fr die Sicherheit und die
Nachhut ihm nicht genug? Caroa hob
einen Arm, um den Malatrok zu mustern.


Dieser lchelte und

hob die Hnde. Sie
hat die halbe Einrichtung meines Ladens
zerstrt. Ich muss verhungern, wenn ich


Caroa empfand den mglichen Tod des
Lateralen als einen verschmerzbaren
Verlust. Zudem war er eher
unwahrscheinlich. Niemand

verhungerte in
Alldar
-
Shath unter der Frsorge der
Nachhut.


Du wirst hier drauen warten. Nur die
Mit einer Bewegung lie er das erste
Schutzfeld der Schleuse erlschen. Der
Voltruni stie die Gefangene voran un
d
folgte mit dem Schaller an ihrem Nacken.


Schlurfend folgte der Fagesy. Sein
Rstgeleit war sehr unordentlich in den
Neststatus gelegt und wies hier und da
Risse auf. Es musste ein harter Kampf
gewesen sein.


winkt
e die Leute weiter.


In welcher Kammer ist die
Gefangene?, fragte der Voltruni, als sie
die Linie berschritten hatten.


Kammer 13, am Ende des rechten
45

Verena Themsen


Authentifizierung

gegeben ... Er sah
hinunter auf seine Anzeigen und suchte
nach dem Authentifizierungs
-
Kode, der
den Einlass in die Tiefen der Stahlkammer
ermglicht hatte. Unglubig starrte er auf
den Namen dahinter.


Moment ... da muss ein Fehler ...


Schwrze se
nkte sich wie ein Schwarm
schwarzer Schmetterlinge auf seinen Geist,
als der Voltruni die Waffe hob und
abdrckte.


*



Das Feld vor Brutus Lanczkowski
erlosch. Mit langen Schritten durchquerte


Pato
shin kmpfte sich gerade unter
hrbarem Sprachsegelflattern zur Hlfte
aus seiner Verkleidung, damit sie an die
darin verborgenen Ausrstungsgegenstnde
und Waffen herankamen.




Ich arbeite daran. Die Ingenieurin
hatte
und seinen Platz an den Kontrollen
eingenommen. Platz fr fnf Arme, aber
nicht fr eine arme Ertruserin!


Denkt daran, fr die anderen
Gefangenen sind wir von den
Glckswaisen und wollen alle politischen

Gefangenen befreien.


Captain,
mitkommen!


in den Freirumen unter Patoshins Armen
und vor allem im fnften, lahmen Arm
geborgen gewesen waren. Lanczkowski
empfand hohen Respekt vor dem
Erfindergeist Patoshi
ns, der es mglich
gemacht hatte, mithilfe der Glckswaisen
eine solche Attrappe aus einigen
geborgenen Rstgeleittrmmern und
mehreren Stangen und gummiartigen
Matten herzustellen. Seine Arme und Beine
hatte der Favadarei ber gebogene Stelzen
verlngert,

die ihm erlaubten, vier der
Fagesy
-
Arme direkt zu steuern, whrend er
den fnften nur ber den Mund mit einigen
Hebeln dirigiert hatte. Verborgen
angebrachte Spiegel unter der
Zentralscheibe erlaubten einen begrenzten
Rundumblick.


Die beiden Soldaten t
raten wieder hinaus
auf den Gang und passierten die ersten
Kammern auf dem Weg zu einer Kreuzung.
Auf einen Wink Lanczkowskis hin blieb
dem rechten Gang.


Sensoren erlaubten es, die Eingnge der
Kammern einseitig
transparent zu machen,
um das Innere der Zelle zu berschauen,
ohne von dort gesehen zu werden.
Sensoren. Er fand Wesen aller Vlker des
Shath in den Zellen, meistens zu mehreren.
Lediglich der einzige Fagesy, den
er auf
dem Weg zu Kammer 13 sah, hatte eine
Einzelzelle.


Lanczkowski erreichte die Kammer, in
der angeblich Jenke Schousboe
Sensor.


Soweit er erkennen konnte, war es
tatschlich die Kommandantin, die dort in
der M
itte der Zelle sa. Sie trug noch
immer ihren SERUN, auch wenn ihr
anscheinend zumindest alle Waffen und
das Multifunktionsarmband abgenommen
worden waren. Die restlichen Aggregate
stellten unter den herrschenden Umstnden
ohnehin keine groe Hilfe dar, we
nn sie
denn berhaupt noch funktionstchtig
waren.


Schousboe sa in der Mitte des Raumes,
die Arme eng um die aufgestellten Beine
geschlungen. Ihr Kopf ruhte auf den Knien.
Keinerlei Bewegung war an ihr
auszumachen, nicht einmal das kleinste
Zucken eine
s Fingers. Sie htte schlafen
knnen oder tot sein.


Ein Signalton erklang. Die Tore der
der Kopf der Kommandantin hoch. Der
46

Verena Themsen


Blick, mit dem sie den Kommandanten
ansah, ging ihm du
rch Mark und Bein.
Abgrundtiefe Angst stand darin, gefolgt
von vlliger Verwirrung. Sie drckte sich
hoch, unsicher und die Arme etwas


Wer bist du?, fragte sie, whrend sie
langsam zurckwich. Was willst du von
mir?


Gefangenen aus den Kammern und
ermahnte sie zur Eile. Jenke Schousboe
reagierte nicht auf die Rufe, starrte nur mit
weiten, unfokussiert wirkenden Augen
Lanczkowski an. Der Major nahm die
Percke ab.


Major
Lanczkowski, Kommandantin.
Wir sind gekommen, um dich hier
herauszuholen.


Lanz? Sie blieb stehen. Ist das nur
eine weitere Tuschung? Bestimmt ist es
das ... Hoffnung erzeugen und dann
zerstren. Nur ein weiterer Trick ... Sie
sah sich um, als erwa
rte sie, einen
unsichtbaren Zuschauer zu ersphen.


Er ging weiter auf die Kommandantin zu.
Das ist kein Trick. Ich bin es, Major
VAHANA, Beiboot der EX
-
33
BOMBAY.


Als er sie am Arm fasste, starrte sie ihn
wieder
an. Sie knnen das alles wissen,
murmelte sie. Alles ... Es ist kein Beweis
... Unvermittelt straffte sie ihre Gestalt,
und ihr Blick wurde schrfer. Aber es ist
das Risiko wert. Was habe ich zu verlieren?
Nichts. Also gehen wir.


Sie machte einen
Schritt in Richtung des
Ganges, taumelte jedoch bereits im
nchsten Augenblick. Lanczkowski griff
ihr unter den Schultern hindurch und hielt
sie.


Ich helfe dir. Geht es so?


Ja ... ja. Es muss. Es muss.


Obwohl die Zeit mit der ffnung der
Zelle
n zu einem kostbaren Faktor
geworden war, blieb der Major ruhig und
half der Kommandantin Schritt fr Schritt
voran. Aus den anderen Zellen traten
ebenfalls Gefangene, manche zielstrebig,
andere mit Anzeichen von Verwirrung.
hm
vorbeikam, eine der Waffen, mit denen die
Glckswaisen sie ausgestattet hatten.


Als Lanczkowski ihn erreichte, legte er
die restlichen Waffen auf den Boden und
griff der Kommandantin von der anderen
Seite unter die Achseln. Gemeinsam zogen
sie Jenke
Schousboe mehr zum Wachraum,
als sie sie fhrten.


Bei den Sternengeistern, hrte Brutus
Pifa murmeln, als sie sie sah. Auf eine
Kopfbewegung von ihm nahm sie den
beiden Soldaten die Last ab. Alle Straffheit
war aus Schousboes Krper gewichen, und
sie
lie sich willenlos von der
Halbertruserin hochheben und ber die
Schulter legen.


Die ersten Gefangenen sind oben
angekommen, und es ist ein Generalalarm


Dann drfen wir keine Zeit verlieren.
Deine Fagesy
-
Mas
ke hat ausgedient, sie
wrde uns nur noch Zeit kosten. Wir
mssen den Zeitraum grter Verwirrung
nutzen, solange der Nachschub noch nicht
angekommen ist. Mareetus Marke msste
uns und den Gefangenen einige Tren
ffnen. Wir haben noch maximal eine
knappe
Stunde, ehe unser Helfer sie wieder
sperrt


wenn es vorher nicht schon ein
anderer tut. Also keine Zeit verlieren.


der Captain bernahm mit gezogener
Waffe die Fhrung.


*



Die Flucht aus den Kammer
n verlief so
glatt, wie es unter den gegebenen
Umstnden nur mglich war. Chaos
herrschte berall. Whrend die meisten
Gefangenen lediglich versuchten, das
Gebude so schnell wie mglich zu
verlassen, hatte bei anderen die Wut
Vorrang. Sie zerstrten alles
, was ihnen in
47

Verena Themsen


den Weg kam, und lieferten sich erbitterte
Gefechte mit den Wachen.


Die Terraner verstrkten die Unruhe,
indem sie die Zugnge zu inneren
Bereichen des Stahlschirms ffneten. Sie
selbst nutzten alle Lcken und Nebenwege,
die sie aus den G
ebudeplnen extrahiert
hatten, um die Kmpfe zu umgehen und
mglichst unbemerkt zu bleiben. Der
einzige Zwischenfall, der sie aufhielt,
geschah bereits relativ frh und wurde
durch Jenke Schousboe verursacht, als
unvermittelt ein schwarzer Fagesy vor
ihne
n auftauchte.


Clonfert wurde von der Kraft berrascht,
mit der die Kommandantin sich pltzlich
von ihr losmachte und ihr dabei den
Strahler aus dem Holster riss. Mit einem
Blick, der wirkte, als wolle sie damit Stahl
e die
auf maximale Intensitt eingestellte Waffe
auf den Fagesy, der wie erstarrt vor ihnen
stand.


Ghoolon!, zischte sie und drckte ab.


Nur Clonferts schnelle Reaktion, mit der
sie Jenkes Arm nach oben schlug, lie den
Schuss Metall zerschmelzen a
nstatt den
Krper ihres Gegenbers. Zugleich gab
Lanczkowski einen Schuss aus seinem
Paralysator auf den Fagesy ab, der
augenblicklich zusammensackte.


Der Anblick des schlaffen Krpers schien
auch der Kommandantin die pltzlich
gewonnene Energie wieder
zu entziehen.
Widerstandslos lie sie sich die Waffe aus
der Hand nehmen, und Clonfert nahm sie
erneut hoch. Ohne weitere Zeit zu


Als sie den Stahlschirm verlieen,
stellten sie fest, dass das Chaos sich auf
den
alle Winkel, und Schwrme von Fagesy in
Rstgeleiten glitten vom Stahlschirm und
den umgebenden Gebuden her hinunter
auf den Platz und in die Huserschluchten.


nahezu unu
nterbrochen ein, whrend sie
ber den freien Platz und eine breite Strae
zum Gassengewirr hin eilten, in dem sie
leichter wrden untertauchen knnen. Es
musste eine Mischung aus Glck und der
Ablenkung durch die anderen Flchtlinge
sein, die dafr sorgte,

dass sie die Deckung


Erneut nutzten sie das Hinterzimmer, um
sich von den Verkleidungen zu befreien.
Von dort ging es weiter durch die
verlassene Tiefbahnrhre, ein Stck des
Warentr
ansportschacht, durch den Jenke
Schousboe selbst kriechen musste. Als sie
schlielich in einem Technikraum im
untersten Kellergeschoss eines Hochhauses
ankamen, wirkte der Blick der
Kommandantin zwar noch immer
erschpft, aber klarer. Sie legten eine Pause

ein. Ein Konzentratriegel und einige
Schluck Wasser halfen ihr weiter, in die
Realitt zurckzufinden.


Schlielich traf auch Alban Dodds ein,
und die Expeditionstruppe stieg mit aller
gebotenen Vorsicht hinauf zum Dach des
Gebudes. Im Schatten einer B
rstung
kauerten sie sich nieder und schufen mit
einem Seil eine feste Verbindung zwischen
den Gruppenmitgliedern.


Irgendwo heulten Sirenen. Eine
Gleitereinheit jagte durch die Nacht,
Dunkelheit. Die Gleiter kamen

nher,
jagten immer einmal wieder hierhin und
dorthin, als wollten sie das Ausbrechen
eines gejagten Wildes verhindern, knnten
die Zange jedoch nicht schlieen.


An weiteren Stellen der Stadt zeigten
Gleitergruppen an.
Stumm wechselten die
auf dem Dach kauernden Terraner
angespannte Blicke. Lanczkowski studierte
immer wieder die Zeitanzeige seines
Multifunktionsarmbandes. Schlielich gab
er das Zeichen.


Gemeinsam traten sie auf das offene
Dach, whrend von immer mehr
Seiten
Gleiter heranjagten. Smtliche Gravo
-
Paks,
ber die sie noch verfgten, wurden
48

Verena Themsen


gleichzeitig aktiviert. Langsam, als erhbe
sie sich aus zhem Schleim, trieb die zum
Pulk verbundene Gruppe aufwrts, in den
dunklen Nachthimmel hinein.


Ein Gleitersc
heinwerfer erfasste sie und
blieb auf der Gruppe fixiert, als wolle man
sie damit festhalten. Ehe jedoch irgendeine
weitere Reaktion aus dem Fluggert
kommen konnte, schoss aus der Dunkelheit
ein Schatten ber die Terraner weg, und die
Sogkraft eines Trakt
orstrahls riss sie mit
sich und ins Innere des Gebildes hinein, wo
Wrme und Licht sie empfingen.


Willkommen an Bord der VAHANA,
begrte ber Interkom die Stimme von
Jonas Zosimo die vom pltzlichen
Umherwirbeln noch benommenen
Expeditionsmitglieder.

Bitte sucht euch
Zungen zwischen den Zhnen heraus


es
wird gleich ungemtlich.


Mit hchster Beschleunigung jagte die
VAHANA ber die Dcher Alldar
-
Shaths
hinweg in Richtung der tieferen Dunkelheit
des Umlandes.


11.



Ich fhle mich wiederhergestellt und in
der Lage, meine Aufgaben zu erfllen.


Jenke sprte die zweifelnden Blicke der
anderen auf sich. Sie konnte es ihnen nicht
verbeln. Noch immer gab es Momente, in
denen sie aus den Augenwinkeln
Dinge
sah, die nicht da sein konnten. Dinge aus
einer anderen Zeit und einer anderen Welt,
die direkten Zugriff auf ihre Gefhle
nehmen wollten, um sie in deren Intensitt
zu ertrnken. Immer wieder hatten diese
Wahnbilder sie in den ersten Stunden nach
ih
rer Befreiung in unkontrollierte
zwischen lhmender Panik und
unkontrollierbarem Gelchter.


In der Zwischenzeit hatte sie jedoch eine
Kontrolle aufgebaut, die es ihr erlaubte zu
ignorieren, was diese Geisterbilder ta
ten.
Sie hatte eine Grenze gezogen, eine Mauer.
Nichts auer der Realitt zhlte. Und
solange sie sich auf diese Realitt
konzentrierte, blieb sie sicher darin
verblassten.


Sie funktionierte.


Kopf und sah zu
Lanczkowski.


Wir sind in einer schwierigen
Situation, sagte er. Normalerweise wrde
ich diese Aussage akzeptieren. Im Moment
kann aber in entscheidenden Situationen
jeder Augenblick zhlen. Knnen wir es
uns erlauben, ein solches Risi
ko
einzugehen?


Lanczkowski wiegte den Kopf. Die
Frage ist, inwieweit du selbst im Moment
in der Lage bist, deine Einsatzfhigkeit zu
klar, und eine nderung dieses Zustandes
erscheint dir undenkbar, weil er

schon
vergleichsweise lang anhlt. Aber nach
dem, was dir zugestoen ist, kann das von
einem Augenblick zum anderen
umschlagen. Ein Psychologe knnte das
vielleicht beurteilen, aber wir haben keinen
hier. Daher muss ich nach den mglichen
Risiken und dere
n Auswirkungen urteilen,
nicht nach dem, was wir hoffen oder
annehmen.


Die Erwhnung eines Psychologen lie
Jenke an Aiden Cranstoun denken und in
direkter Assoziation an dessen
Zwillingsbruder, den Mann, dessen Tod ihr
erst gezeigt hatte, wie nah sie
daran
gewesen war, eine Bindung aufzubauen.
Sie wusste, dass diese Tatsache bislang bei
jeder Erwhnung zu einem leichten Ziehen
in ihrer Magengegend gefhrt hatte. In
diesem Moment aber lie es sie vllig
unberhrt.


Sie neigte den Kopf. Ihr habt recht
. Ich
knnte mich irren, und das Risiko ist zu
hoch.


Also gebe ich hiermit fr das Logbuch
zu Protokoll, dass Jenke Schousboe bis zur
eindeutigen Klrung ihres
Gesundheitszustands an Bord der
49

Verena Themsen


BOMBAY ihres Kommandos ber die
VAHANA enthoben ist, stell
te
Lanczkowski fest. In der Folge geht das
Kommando an Apatou Bousset ber, den


Jenke sprte die Fingerspitzen der
natrlichen Hand des Ganymedaners an
ihrer Schulter und sah auf.


Geh in deine Kabine un
d erhol dich,
sagte er. Du hast viel durchgemacht ...


Die Andeutung eines Lachens drang aus
Jenkes Mund. Irritiert stellte sie fest, dass
es zynisch klang.


Und du glaubst, es geht mir besser,
wenn ich mit mir allein in einem
geschlossenen, kahlen

Raum sitze? Nein,
Kommandant. Ich will hierbleiben und
beitragen, was immer ich beitragen kann.
Wenn du willst, dass ich in meine Kabine
gehe, musst du es mir befehlen.


Der Blick des Ganymedaners war
erschrocken, und seine Finger glitten von
ihrer Sch
ulter. Natrlich kannst du
bleiben. Es war nur ein Angebot, kein
Befehl.


Gut.


Also, wo stehen wir? Was sind
unsere Mglichkeiten, um vom Shath zu
erklrtes Ziel, soweit ich mich erinnere. Ist
es das noch?


I
hr fragender Blick wurde von
Lanczkowski mit einem Nicken quittiert.
Das ist es, und wir haben einige
Fortschritte zu verbuchen. In der Zeit seit
deiner Gefangennahme haben wir aus
mehreren Quellen zustzliche
Informationen gewonnen. Apatou?


egte die Hnde auf den
Konferenztisch, um den sie standen. Wir
hatten Kontakt vonseiten der BOMBAY,
sagte er. Zweimal. Das erste Mal schon,
als wir noch im alten Versteck waren.
Nachricht vom berfall auf Faland und
d
em Hinweis, dass es im Totenhirn
Erinnerungen an die Projektoren des Feldes
gibt, das die dysfunktionalen Gezeiten
erzeugt.


Die Enklaver. Jenke nickte. Und
weiter?


fortfuhr: Nach der Flucht aus dem zweite
n
Versteck hat Aiden uns die Position einer
provisorischen Zentrale aus der Zeit des
Aufbaus des Feldes bermittelt. Zachary
hat beim Durchforsten der mnemonischen
Bereiche des Totenhirns herausgefunden,
dass es mehrere solche vorlufigen
Zentralen gab, si
e spter aber alle durch
eine in der Tiefe gelegene zentrale
entschloss sich allerdings damals, die
ursprnglichen Kontrolleinrichtungen nicht
abzubauen, sondern lediglich stillzulegen,
damit sie in Notfllen als
Ausweichzentralen dienen knnen.
Mglicherweise kann man ber sie immer
noch Zugriff auf einige Feldbereiche
erhalten. Zachary hat uns einige Hinweise
gegeben.


Zachary ... Jenke strich sich mit der
Rechten ber den linken Arm. Er ist
ziemlich aktiv
dafr, dass wir ihn begraben
haben.


Glck, ja. So seltsam es auch klingt, aber
es scheint, als habe er sich im Totenhirn
gut eingelebt.


Jenkes Mundwinkel zuckten, und fr
einen Moment empfand sie tatschlich
Gut fr ihn und im Moment auch fr uns.


Aber so weit haben wir nur eine
stillgelegte Zentrale. Wie geht es weiter?


An diesem Punkt kommen die
Glckswaisen ins Spiel, sagte
Lanczkowski. Sie haben in der Zeit,

in der
zum einen, dass es Gerchte ber die von
Zachary erwhnten Zentralen gibt.
Allerdings war das Genaueste, was sie ber
die Lag
e sagen konnten, ›irgendwo in den
-
Shath‹. Bei der
Ausdehnung der Ringstadt handelt es sich
50

Verena Themsen


um eine uerst vage Angabe, auf die wir
aber zum Glck nicht mehr angewiesen
sind. Das Wichtigere ist, dass sie uns einen
Kodealgorithmus f
r den Zugriff auf die
Enklaver beschaffen konnten, der die
nchsten vier Tage abdeckt. Ein
Zeitfenster, das ohne Zacharys Angaben
uerst knapp geworden wre.


Wir haben also eine Zentrale, die wir
mglicherweise aktivieren knnen und von
der aus wir d
as Feld abschalten knnen, das
uns hier festhlt, fasste Jenke zusammen.
Wir mssen nur reinkommen.


Nicht nur. Uns fehlt noch das Wissen,
abdeckt. Das werden wir vor Ort
herausfinden mssen. Sobald wir anfangen
,
das Feld zu manipulieren, wird man
bemerken, dass wir die Auenzentrale in
uns tun. Wir mssen beim ersten Versuch
den richtigen Sektor abschalten, sonst wird
die Flucht knapp.


Kein Freiraum, um herumzuprobier
en,
bis wir das richtige Feld erwischt haben,
stellte Jenke fest. Das gleiche Problem
haben wir aber, wenn unser Eindringen
Zentrale dann isolieren.


Wir sind nicht sicher, ob der Nachhut
berhaupt noch bewusst i
st, welchem
Zweck das Gebude einmal gedient hat. Es
ist dieser Tage ein Archiv. Das Gebude ist
nur geringfgig bewacht. Trotzdem haben
wir auch das in unserer Planung
bercksichtigt.


Ein Holo des Gebudes und seiner
auf.
Die eigentliche Einsatzbesprechung
begann.


*



Sind in Position, wisperte Pia
Aftanasia Clonfert in das Funkgert, das sie
vom Alten Ship bekommen hatte. Sofort
ab.


Eine Weile beherrschte we
iterhin nur die
Ruhe der Nacht das Dach, auf dem die
Halbertruserin neben Lanczkowski,
Widengren, Smith, Schousboe, Patoshin
und Antublas kauerte. Der Clanlteste hatte
dieses Mal darauf bestanden,
mitzukommen. Es werde Zeit, dass er
eitrage, die Dinge
wieder geradezurcken.


Schlagartig durchzuckte ein Blitz die
Nacht, gefolgt von Explosionsdonner, der
die Huserfronten einer nahe liegenden
Strae erbeben und manche Scheibe
zerspringen lie.


Kommunikationszentrum auer

stellte Pifa fest.


Gut. Wir gehen rein. In die Geschirre.


Die Halbertruserin lie es sich kein
zweites Mal sagen. Sie schnallte sich an
ihrem Gestell fest und griff in die
Schlaufen. Die anderen taten dasselbe.


Die Fagesy hatten es ihnen unzhl
ige
Beispiel. An Gleitsegeln lieen Pifa und
Patoshin sich lautlos und ohne
verrterische Energieausstrahlung von
ihrem Dach hinber zu dem des
Stadtteilarchivs der Nachhut tragen. Pifa
genoss das Gefhl, fr einige

Momente nur
bedauerte, dass der Flug nur so kurz war.


Auf der anderen Seite angekommen, lste
Pifa sich mit schnellen Griffen von ihrem
Gestell und eilte direkt zur Tr. Sie war
fast enttuscht, als sie lediglich ein
me
chanisches Schloss mit elektronischer
Kodierung vorfand. Mit einem schnellen
sich aus und begann mit der Arbeit.


Drei Minuten spter war das Schloss
geknackt. In dieser Zeit waren ihnen die
anderen Mitglieder de
r Gruppe an den
Seilen eingeklinkt nachgeglitten. Soeben
lste Patoshin ein Ende des Seils, um es
einzuholen und diese Spur ihres
Eindringens zu beseitigen.


Widengren gab Pifa ein Zeichen
zurckzuweichen. Sie raffte ihr Werkzeug
51

Verena Themsen


wieder zusammen und mach
te Platz fr
Lanczkowski, der sich auf der anderen
Seite des Eingangs postierte. Die Soldatin


Sofort flammte im Innenraum Licht auf.
Pifa und Lanczkowski sahen in den Raum,
jeder se
ine Seite mit schussbereiter Waffe
sichernd. Schlielich kam Widengren
wieder heraus und winkte den anderen.


Lanczkowski bereits am Kopf der
dass ein primitiver Aufzug mit
Gegengewichten in diesem Gebude
die dysfunktionale Enklave bremsten den
Einsatz von Antigravitation offensichtlich
erheblich. Pifa drckte einige
Sprenghaftknpfe an strategische Stelle
n
der Maschinerie. Mit einem kurzen
Kodesignal konnten sie nun jederzeit das


Es ging weiter. Widengren blieb auf dem
Dach zurck, um ihnen den Rcken zu
decken. Voran schlichen Lanczkowski und
Smith, der die krperli
stoischer Ruhe und mehr Geschicklichkeit
ertrug, als man seinem flligen Krper
Schousboe und dann Pifa und hinter ihnen
die Favadarei.


Sie erreichten einen Treppenabsatz, an
dessen Seite eine br
eite Iristr ins
Gebudeinnere fhrte. Lanczkowski
spritzte Kohsionskleber in die Ritzen der
Trmechaniken. Niemand wrde ihnen
ohne laute Voranmeldung in den Rcken
fallen knnen.


Halbertruserin den Rcken ihrer
Komm
andantin


Exkommandantin



mit
einem unguten Gefhl im Magen. Es wre
ihr lieber gewesen, wenn die Irmdomerin
an Bord der VAHANA geblieben wre.
Der Vorfall whrend der Flucht, als Jenke
Schousboe ihre Waffe genommen hatte,
sa ihr noch in den Knochen. Si
e fragte
sich, was noch alles unter der viel zu
gefassten Oberflche kochen mochte.


Sie stiegen zum nchsten Absatz
hinunter, wo Lanczkowski sein Vorgehen
wiederholte. Mittendrin glitt unter ihnen
die Tr zum Erdgeschoss auf. Alle
erstarrten. Stimmen kl
angen auf.


... unglaubliche Frechheit, wie diese
Aufrhrer vorgehen. Es wird wirklich Zeit,
dass gegen sie hart durchgegriffen wird.
Sie legen noch die halbe Stadt lahm!


Der Oberste Marschgeber hat ja
angekndigt, dass andere Saiten
aufgezogen wer
den. Aber ich wrde lieber
diese Fremden in die Hnde bekommen,
die ALLDAR entfhrt haben.


Ich frage mich nur, warum wir nicht
einfach warten knnen, bis sie sich selbst
befreit. Ich meine


wer kann ein Wesen
solcher Allmacht festhalten?


Eine wei
tere Tr zischte.


Dafr muss sie aber erst einmal wieder
ganz erwacht sein. Und genau das wollen
die Fremden ja verhindern, damit wir als
ihre Diener nicht wieder die alte
Vormachtstellung bernehmen.


Ich wnschte nur, wir wrden hier nicht
mit di
esem elenden Wachdienst festsitzen.
Da drauen gbe ...


Die Tr glitt wieder zu.


Lanczkowski sein Werk, und sie gingen
weiter die Treppe hinunter.


Auf der untersten Ebene gab

es drei
Tren. Die eine war in der gleichen
Position wie die vorherige und fhrte ins
Innere des Gebudes. Eine zweite lag
dieser gegenber und war mit einem
Kodeschloss gesichert. Sie fhrte auf den
Hof des Gebudes. Die dritte versperrte
den weiteren Ab
stieg in die Tiefe. Auch
hier war ein Schloss installiert.


Die beiden, die rausgegangen sind, sind
ein Problem, stellte Lanczkowski fest.
Wenn wir sie aussperren und sie
zurckwollen, werden sie misstrauisch
52

Verena Themsen


werden und knnten von einem der Gleiter
a
us Meldung machen. Ich kmmere mich
um sie. Ihr anderen geht weiter nach Plan
vor. Schousboe, du begleitest Smith.


Patoshin klebte den Beleuchtungsstreifen
in der Decke mit einem schwarzen
Haftstreifen ab, damit sie die Tr ffnen
konnten, ohne dass Li
cht hinausfiel. Die
beiden Mnner und die suspendierte
Kommandantin aktivierten ihre
Deflektoren und verschwanden nach
drauen.


Kaum waren die anderen drauen,
entfernte Patoshin den Klebstreifen von der
Leuchte. Erneut rollte Pifa ihr Werkzeug
aus, um
das nchste Kodeschloss zu
den Zugang in die Tiefe zu ffnen, in der
irgendwo verborgen hinter einigen
technischen Archivierungseinrichtungen


Pltzlich glitt die Tr
nach auen auf.


Ein Fagesy stand dort auf aufgestellten
Armen, das Rstgeleit eng am Krper und
zum Angriffsmodus aufgestellt. Die
Mndungen seiner Waffen zeigten auf alle
Teile des Treppenhauses.


Eindringlinge!, schnarrte er. Dachte
ich doch, das
s keiner von uns das Licht
aktiviert haben konnte. Wie seid ihr hier
hereingekommen?


Wir sind von der technischen Wartung,
sagte Antublas, ehe Pifa eine Antwort parat
hatte. Der Ausfall des
Kommunikationszentrums durch den
gemeinen Anschlag der Aufr
hrer hat
einige Energieumleitungen notwendig
gemacht. Wir mssen an einen
Versorgungsschacht heran, der laut unseren
Plnen vom Keller dieses Gebudes aus zu
erreichen ist. Wir haben uns vorne


Pifa bewegte eine Hand langsam in
Richtung ihr
es Paralysators, whrend der
Favadarei die Aufmerksamkeit des Fagesy
auf sich zog. Innerlich fluchte sie, dass sie
die Waffe nicht parat gelegt hatte.


Und Naari hat euch nach hinten
geschickt, ohne euch zu begleiten? Das
glaube ich nicht. Auerdem, was

tut diese
Laterale da? Ich denke, ihr seid nicht ...


Ein leises Gurgeln drang aus dem
Sprachorgan des Fagesy. Im nchsten
Moment sackte er auf der Stelle zusammen.


Lanczkowski trat durch die Tr und
verschloss sie hinter sich. Ich musste erst
sich
ergehen, dass der andere wirklich das
Gelnde verlassen hat. Vermutlich war
seine Schicht zu Ende. Das hat mich ein
wenig aufgehalten. Pifa?


Gleich so weit. Sie nickte Antublas zu,
dankbar fr seine schnelle Reaktion zuvor,
und wandte sich dann wiede
r ihrer Arbeit
zu. Einige Minuten spter war die Kellertr
geknackt.


Lanczkowski hatte in der Zwischenzeit
auch die Hintertr versiegelt.


durch die Innentr zu ihnen stie. Die
Irmdomerin nickte Lanczkowski mit
regloser Miene zu. Zwei Wachen auer
Aufzug hochgeschickt, bevor wir ihn
Vordertr versiegelt und dort Stellung
bezogen, um den Eingang und die Strae
im Auge zu behalten. Niemand ka
nn uns
mehr unbemerkt in die Quere kommen.


Gut. Ich bleibe hier und behalte den Hof
im Auge. Geht runter und seht, was ihr
erreichen knnt.


Pifa ging voran, den Paralysator
schussbereit in der Hand. Wieder flammte
Licht auf, sobald sie die Treppe
Meter hohen Gewlbekeller hin, dessen
Ausdehnung im Dunkel lag. Ab und zu
Lichtmarkierungen, um die Ttigkeit von
Systemen anzuzeigen. Erst als

sie den Fu
der Treppe erreichten, flammten
Leuchtkugeln im ganzen Raum auf und
offenbarten seine Dimensionen.


Anscheinend hatte man bei der Erstellung
des Kellerraums auf smtliche Wnde
53

Verena Themsen


verzichtet. Das Gewlbe war so gro wie
das gesamte Gebude, vie
lleicht sogar noch
ausgedehnter. Unterteilungen schufen
lediglich die vielen Aggregate, die
herumstanden.


Pifa identifizierte Kleinreaktoren, die
eine unabhngige Energieversorgung
sicherstellten, einige Kontrollen, die sie der
berwachung der Gesamtanl
age zuschrieb,
ein Kommunikationspult und dahinter
Reihen um Reihen von Steckbnken fr die
hier blichen Datenplatten.


unglaublich. Ich wei, wie viele Daten
allein auf einer dieser Platten sein knnen.
Gajoship

hat zwar gesagt, dass sie hier die
Daten des ganzen Stadtsektors archivieren


aber ich htte niemals gedacht, dass es
solche Mengen sein knnten.


Es scheint, als habe die Allgegenwrtige
Nachhut einen recht umfangreichen
berwachungsapparat eingeric
ihrem Namen gerecht zu werden, sagte
Pifa, whrend sie zwischen den Bnken
hindurch nach hinten gingen. Dazu haben
sie die fr solche Regime charakteristische
Neigung, solche Aufzeichnungen recht
lange aufzubewahren, um im Zweifelsfall
jeden Leb
enslauf minutis nachverfolgen
und kontrollieren zu knnen. Ich vermute,
dass hier die Geschichten mehrerer
Generationen lagern, jederzeit abrufbereit.
Und seht ihr die verriegelten Stahlbehlter
da an den Wnden? Darin lagern
vermutlich noch einmal Kopien
, fr den
Notfall gegen alles gesichert. Wer wei,
vielleicht gehen die Aufzeichnungen sogar
bis zur Grndung der Stadt zurck.


Sollten wir dann nicht versuchen,
Platten aus dieser Zeit zu bergen, um mehr
ber das herauszufinden, was damals
passiert i
st?


Pifa schttelte den Kopf. Dazu haben
wir keine Zeit. Auerdem wre es doch nur
ein winziger Ausschnitt der Geschichte.


Da vorn scheint etwas zu sein.


Kontrollen sich von dem unterschieden,
was sie vorne ges
ehen hatten, schon
dadurch, dass hier kein einziges
Leuchtzeichen Aktivitt anzeigte. Feiner
Staub hatte sich auf den Oberflchen
abgelagert, und selbst die Bauweise der
Gerte wirkte klobiger, altertmlicher.


Ich glaube, hier sind wir richtig, stellt
e
die Halbertruserin fest. Schauen wir, wie
wir die Systeme hochfahren knnen.


Wenig spter erfllte Leben die Gerte,
und Pifa machte sich mithilfe der beiden
Favadarei daran, das richtige
herauszufinden. Ebenso wie die Sprache
hatte auch die Schrift

der Bewohner
Falands sich nur wenig gegenber der auf
dem Shath gebruchlichen gendert.


Zgig konnten sie anhand der Meldungen
identifizieren, welches System einmal
welchen Zweck gehabt hatte. Einige
bezogen sich auf Gerte, die bei der
Erstellung ode
r im Rahmen von Umbauten
des Shath zum Einsatz gekommen sein
mussten.


Pifa konnte sich vorstellen, wie gern
Alban Dodds diese nher in Augenschein
genommen htte. Doch der Spezialist fr
-

und
Ortungskontrollen auf ihre
Erfolgsmeldung.


Hier. Patoshin hatte eine weitere
Konsole hochgefahren. Enklaversektion
4
-
2 Aufbaukontrolle. Das sollte es sein.


Ohne die anderen Maschinen eines
weiteren Blickes zu wrdigen, eilte Pifa zu
dem Favad
arei. Wunderbar, sagte sie
und rieb sich die Hnde. Los geht es.


Wieder musste sie die Hauptarbeit den
Favadarei berlassen, da die Anzeigen fast
durchgehend schriftlich blieben. Doch
ebenso wie Patoshin einen sicheren Instinkt
fr das Verstndnis d
er Technik der
Terraner bewiesen hatte, war Antublas
schnell mit den Funktionsweisen von
Kontrollsystemen vertraut geworden. Er
hatte die Wartezeit auf der VAHANA dafr
genutzt, Wissen und Erfahrung dazu zu
sammeln, um im Notfall auch einmal eine
54

Verena Themsen


der Stati
onen in der Zentrale bernehmen
zu knnen. Innerhalb krzester Zeit hatte er
herausgefunden, wie das System sich mit
der irgendwo in den Tiefen der
verbinden lie.


Autorisierungssequenz erforderlich,
schallte e
s aus dem Gert.


Pifa hielt den Atem an, whrend Antublas
die Sequenz eingab, die ihnen vom
Totenhirn bermittelt worden war.


von diesem Terminal nicht mehr in der
Datenbank. Bitte Profil aktualisieren.


Pfe
ifend lie Pifa den Atem wieder
entweichen, als eine neue Oberflche sich
eine holografische Darstellung eines Teils
unregelmige Segmente unterteilt. Da.
Wir mssen herausf
inden, welches dieser
Segmente ber uns ist. Dann kann ich den
Kode herausfinden.


Pifa. Die Halbertruserin zuckte
zusammen, als Jenke Schousboe sie
unvermittelt ansprach. Sie hatte deren
Anwesenheit fast vergessen. Ich habe
Meldung von Lanz. Eine Pa
trouille ist am
Haus vorbeigekommen, vermutlich wegen
des Anschlags in der Nhe. Wir wissen
wir knnen es nicht ausschlieen. Smith
und Lanz sind bei Widengren auf dem
Dach, um von dort notfalls das Gebude zu
ve
rteidigen, bis wir hochkommen. Aber wir
sollten uns beeilen.


Whrend sie sprachen, zoomte Antublas
in ein Segment nach dem anderen hinein,
um die auftauchenden
Oberflchenstrukturen mit den Karten zu
vergleichen.


Ich glaube, ich habe es, sagte er.

Hier
... Trantis
-
2
-
5. Nein, 2
-
6.


Sicher?


Antublas sah noch einmal genau hin und
nickte. Trantis
-
2
-
6. Das ist das Segment
direkt ber uns.


Gut, sagte Jenke, whrend Pifa die
Bezeichnung und die aktuelle Zeit in die
Positronik ihres Multifu
nktionsarmbandes
eingab, um den Freigabekode zu erhalten.
Ich gebe der VAHANA Bescheid, dass
wir das Feld abschalten. Anschlieend
ziehen wir uns ebenfalls auf das Dach
zurck.


Nein, widersprach Antublas. Ich habe
einen anderen Vorschlag. Sobald wi
r das
Feld umschalten, wird es Alarm geben. Es
darf also nur so wenig wie mglich Zeit
zwischen dem Abschalten und eurem
Durchflug liegen, damit sie keine
Gelegenheit haben, die Schaltung
rckgngig zu machen. Darum werde ich
hier unten bleiben, bis die VA
HANA euch
aufgenommen hat, erst dann die Schneise
schalten und darauf achten, dass sie
erhalten bleibt, bis ihr drauen seid oder
mir hier die Kontrolle entzogen wird.


Aber dann sitzt du hier fest.


Wir haben immer noch die Gleiter,
sagte Patoshi
n. Wir sind gebt im
Umgang mit solchen Schwebegerten. Wir
kommen damit weg und rufen Gajoship,
wenn ihr uns das Funkgert gebt.


Pifa sah Patoshin an. Du willst auch
bleiben?


Der Favadarei neigte die Kopfknolle.
Wir haben darber gesprochen. Au
f
Faland knnen wir nichts bewirken, dort ist
die Allgegenwrtige Nachhut in der
bermacht. Aber hier knnen wir den
Fato'Fa helfen, das bel an der Wurzel zu
packen. Gajoship hat bereits zugesagt, dass
ich mich ihnen anschlieen kann, und ich
denke, er wi
rd auch Antublas willkommen
heien.


Er gewinnt mit euch sicher eine Menge
Einfallsreichtum und Einsatzwillen, stellte
Jenke fest. Eure Entscheidung ist logisch
und gut. Und mit unserer Flucht werden
wir hoffentlich die Nachhut lange genug
beschftig
wegkommt.


In Pifas Hals entstand ein Klo, als sie
die beiden Favadarei ansah. Sie waren
nicht lange zusammen gewesen, doch
55

Verena Themsen


intensive Erlebnisse verbanden sie.


Das hier ist der Freigabekode, sagte sie
und hielt Antubl
as ihr Armband hin, damit
er die Kombination abschreiben konnte.
Achte auf die korrekte Sequenzierung.
Als Antublas fertig war, reichte sie ihm das
Funkgert, mit dem sie Verbindung zu den
Fato'Fa gehalten hatten. Passt auf euch
auf.


Werden wir. Eu
ch viel Glck auf eurer
Heimreise. Mgen die Sterne euch
gewogen sein.


Stumm wechselten sie Hndedrucke.
Schlielich eilten die beiden Terranerinnen
zurck zur Treppe und hinauf. Oben
whrend Pifa in den Nachth
immel starrte.


Jeden Moment musste die VAHANA
auftauchen, und auch dieses Mal wrde das
Eindringen des SKARABUS nicht
unbemerkt bleiben. Das Kleinraumschiff
stand ganz oben auf der Fahndungsliste der
Nachhut, und sobald es im Anflug auf
Alldar
-
Shath ge
erneut Scharen von Gleitern an es heften.
Die bernahme durfte nicht zu lange
dauern.


Kaum hatte Pifa zu Ende gedacht,
stachen die ersten Schweinwerfer in die
Nacht. Augenblicke spter strichen einige
heftige Windben durch ihr
kurz
geschorenes Haar.


Die VAHANA sank fast auf das Dach
des Kontrollraumes


der einzige Punkt
zwischen all den Gebuden, an dem sie so
weit herunterkommen konnte.


Los, los!


Es brauchte nicht Lanczkowskis
Aufforderung, damit sie alle mit so vie
l
Untersttzung, wie ihre Gravo
-
Paks ihnen
geben konnten, auf das Dach kraxelten und
die Rampe hinauf ins Innere des
die ffnung sofort wieder ein, und Pifa war
nicht die Einzige, die in die Knie ging, als
Zosimo
in einem Alarmstart die VAHANA
senkrecht nach oben schieen lie.


Antublas, Abschaltung, hrte sie
Lanczkowski sagen.


Hastig griff sie nach dem nchsten Halt,
der sich bot. Die Achterbahnfahrt hatte erst
begonnen.


12.



Kommandant, da

Shath.


Nuruzzaman trat hinter Marcon Peloni an
die Ortungsleitstelle. Der Chef
-
Orter
bekomme pltzlich klare Ortungsdaten von
dort. Als wre das Strfeld lokal


Mit ein
em Stirnrunzeln strich der
dunkelhutige Kommandant der BOMBAY
sich ber den gescheckten Bart. Fr einen
kurzen Moment erwog er, die Gelegenheit
zu nutzen, um mit der BOMBAY zu
landen. Doch das Risiko, dort ebenso zu
stranden wie die VAHANA, war zu gro,
u
nd die Folgen wren unabsehbar gewesen.


Sein Blick glitt zur Zeitanzeige. Es war
0.51 Uhr am 30. September 1469 NGZ.
Ebenso wie bei ihnen standen auch dort,
wo das Feld eine Lcke hatte, die Uhren
auf nchtlicher Zeit. Womglich war dies
ein Anzeichen d
afr, dass die VAHANA
Aidens Funksprche empfangen und sie
hatte nutzen knnen. Allerdings htte der


Neue Ortung. Etwas bewegt sich vom
Shath her auf uns zu.


Die VAHANA?


Die Daten passen ... Moment.

Wir
bekommen weitere Ortungen herein. Von


Shathfauth? Ich dachte, der sei
unbewohnt.


Atmosphre aufgestiegen. Genau kann ich
lange u
nd 400 Meter durchmessende
Objekte ... Mit einigen Bewegungen holte


Definitiv Raumschiffe, sagte
Nuruzzaman. Wenn auch eine Art, die ich
56

Verena Themsen


noch nie gesehen habe. Wie Hummeln
ohne Flgel. Was ist das da oben? Er
deu
Bereich.


Peloni schttelte den Kopf. Keine
Ahnung. Erinnert mich an die
Heckaufbauten einer alten Galeone.


Ich
habe mich mal eine Weile mit historischer
Seeschifffahrt beschftigt. Das war ein
schweres Kriegsschiff
in Europa vor
einigen Tausend Jahren. Sah
beeindruckend aus.


Schimmern, das aus dem Inneren des
tropfenfrmigen Aufbaus am Heck drang.
Von dort lie er den Blick wieder nach
vorne wandern. Was ist das da unten am
Bug?


Erneut vergrerte der Chef
-
Orter die
Ansicht. Whrend der Groteil der
Oberflche des Schiffes von glatten grauen
eindeutig funktionellen Einheiten
durchbrochen wurden, war der untere Teil
der Vorderspitze sta
rk ungleichmig.
Beim Nherkommen erkannte der Oberst
die Form.


Das sieht fast aus wie ein Oberkrper,
stellte er fest. Ein humanoider Oberkrper
mit vier Armen und einem deutlichen
Gesicht.


auch noch eine G
alionsfigur.


Nuruzzaman nickte. Also eine
Sternengaleone mit unbekannter
Bewaffnungs
-

und Mannschaftsstrke.
Welchen Kurs haben sie?


Sie kommen auf uns zu. Es sind
inzwischen acht Stck.


Der Oberst musterte die so menschlich
wirkende Bugfigur

unter den Platten des
Bugschildes. Fr einen Moment glaubte er,
als Willkommensgru htte deuten knnen,
htte es einen entsprechende
n
Gesichtsausdruck gegeben. Die Hnde, in
die sie ausliefen, hatten keine klar


Was ist mit dem aufsteigenden Objekt?
Ist es die VAHANA?


Eindeutige Zuordnung, Es ist die
VAHANA. Sie haben den Bereich des
dysfunktionalen Feldes ve
rlassen und
schwenken ebenfalls in unsere Richtung.
Sie sind zwischen uns und den
anfliegenden Raumern.


entgegenfhrt. Wir sollten ...


Im Raum blitzte es auf, und der kleine
Punkt, der in der bersicht die VAHANA
reprse
ntierte, blinkte in grellem Rot.


*



Wir werden beschossen! Schirm ist


Jenke Schousboe nahm Lanczkowskis
Meldung nur am Rande wahr. Sie war des
Kommandos enthoben. Solange sie keine

sie
als Ersatz fr Zosimo im Hintergrund der
Zentrale und konnte nichts tun, als
abzuwarten.


auf eine Ansicht der Raumschiffe um, die
angezeigten Beschleunigungswerte waren
fr terranische Verhltnisse eher mig,
und doch mochte es reichen, um die
VAHANA einzuholen, ehe sie die
BOMBAY erreicht hatte.


Jonas, Ausweichkurs zur Erschwerung
der Zielerfassung, aber Kurs auf die
BOMBAY beibehalten. Lanz, alle Energie
auf den Sc
hutzschirm. Cyrus, Notruf an die
BOMBAY.


Mit einer losgelsten Faszination
Waffentrme des am dichtesten hinter
ihnen fliegenden Schiffes darum kmpften,
sich erneut auf sie auszurichten. Nochmals
blitzte es auf. Der SKA
RABUS wurde
heftig durchgeschttelt. Ein Alarm klang
auf.

57

Verena Themsen



Beschuss erfolgt aus Desintegrator
-

und
Kurzzeitiger Schirmeinbruch.


Hllenschaden an Backbord, ergnzte
Pia Clonfert die Meldung.
Beschdigungen

und Teilabschaltung im
Reaktorsektor. Sphrotraf
-
Speicher halten
Energieversorgung vorerst aufrecht.
Schotten sind dicht, automatische


Jenkes Blick glitt in der Zentrale umher.
eine Sta
tion, auer ihr und Marcia
Widengren. Die Offizierin sa ebenso wie
Jenke in einem der Sessel im hinteren Teil
der Zentrale.


Sie hat wenigstens noch die medizinische
Versorgung als Verantwortung. Ich ...


Aus dem Augenwinkel sah sie eine
Bewegung. Sie

wandte den Kopf, doch da
war nichts.


brauchen. Ich dachte, es wre vorbei ...


und sah wieder zur Holoanzeige.


Wieder das Zucken.


Dieses Mal war sie sicher,
dass es nicht
nur eine Tuschung gewesen war. Etwas
hatte sich bewegt, wo nichts Bewegliches
sein sollte.


Ein erneutes Rumpeln ging durch das
Schiff. Cyrus Smith, noch nicht ganz erholt
von seinem Kampf mit dem Fagesy,
sthnte auf und griff sich an die
Seite.


Marcia orderte einen Medobot und
schickte ihn zu dem Versorgungsoffizier.


Jenke Schousboe lste ihre Gurte und
stand auf. Niemand schenkte ihr
Beachtung, als sie vorsichtig, immer auf
die nchste Erschtterung gefasst, durch
die Zentrale auf e
ine Ausweichkonsole
zuging. Dort hatte sie die Bewegung
gesehen.


Sie fiel fast in den Sessel vor der
Konsole, als Zosimo ein schnelles
Ausweichmanver flog. Zugleich sah sie
hatte.


In einer Vertiefung der Konsole

lag ein
Jenke griff danach. Das Gewicht
berraschte sie. Die Dichte des
Gegenstands musste an die von Gold
herankommen.


Die Oberflche des Eis war seidig weich
und angenehm zu spren. Allerdings war
die Wrme, die d
avon ausging, fast schon
unangenehm.


Was ist das?, fragte sie laut, fr den
Moment vllig gefangen genommen von
dem Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit.


Ohne dass Jenke sich bewegt hatte, rollte
das Ei pltzlich von ihrer Hand und fiel zu
Boden. Anstat
t wie ein bleischweres Ei zu
strzen, schwebte es, als bte die Luft ihm
mehr Widerstand, als die glatte Oberflche
erlaubt htte. Jenke fhlte sich in eine


Das Ei traf s
anft am Boden auf, rollte zur
Seite weg und gegen die Konsole. Dann
platzte es auf und verlief zu einer
schwarzen Lache.


Das ist doch das Fagesy
-
Blut, rief
her. Vllig entgeistert starrte er auf die
schwarze Lache
, die irgendwohin zu
versickern begann. Wie kommt das
hierher?


Fagesy
-
Blut?


Ein Fagesy, der in die VAHANA
Die Lache war verschwunden.


Jenkes Gedanken kre
isten um Boussets
Worte. Unvermittelt durchfuhr es sie wie
ein Blitz.


Apatou


die VAHANA ist
kontaminiert! Gib Alarm und lass stoppen!
Die BOMBAY muss uns die Feinde vom
Hals halten, aber sie darf uns auf keinen
Fall,
auf gar keinen Fall,

an Bord
nehm
en!


Jonas


voller Stopp! Cyrus ...


Ich kann keine Verbindung ffnen. Ich
bekomme nur noch Rauschen. Mit
58

Verena Themsen


aschfahlem Gesicht sah der Ortungsoffizier
kam.


Die Steuerung reagiert nicht. Ich kann
die VAHA
NA nicht stoppen. Versuche
einen Neustart des Systems ... bekomme
keinen Zugriff. Ich bin von den Kontrollen
abgeschnitten.


Hilflos starrten sie auf die viel zu schnell
zu unbersehbarer Gre heranwachsende
Kugel ihres Mutterschiffes.


*



Wie weit sind die Jagdkreuzer?


Ausschleusung begonnen werden kann.


So viel Zeit haben wir nicht. Andere
Vorschlge?


Nuruzzaman starrte auf die Holoanzeige,
die den SKARABUS zeigte. Seit dem
ffer war die Funkverbindung
abgebrochen. Doch der Oberst brauchte
keinen Funk, um zu sehen, dass es um die
VAHANA schlecht bestellt war. Vierzig
Raum vor ihnen, und sie schwrmten aus
konnten
sie trotz der vergleichsweise schwachen
Bewaffnung auch der BOMBAY langsam
gefhrlich werden.


bringen und die VAHANA einfangen,
anstatt einen regulren
Einschleusungsvorgang durchzufhren,
van Taarnhoi von der
Pilotenkonsole her. Das knnte uns viel
Zeit sparen, wre aber auch riskant.


Solange das Risiko geringer ist als die
Gewissheit, dass die VAHANA in den
nchsten Minuten in Stcke geschossen
wird, ist es akzeptabel. Wir machen es
so.


Ein Blick auf das Holo hatte Nuruzzaman
gezeigt, dass die Zeit tatschlich uerst
knapp war fr die VAHANA. Die Schirme
des SKARABUS flackerten und
erloschen immer wieder unter dem
Beschuss der fremden Schiffe. Mehrere
Lecks wurden angezeigt, all
e zwar im
hinteren Bereich, aber dennoch bedrohlich
fr die Stabilitt der VAHANA. Ihre
Manvrierfhigkeit schien sie ebenfalls
verloren zu haben. Seit einer Weile hatte
Zosimo kein einziges der vorher genutzten
Ausweichmanver mehr geflogen. Der
SKARABUS

hielt stur auf die BOMBAY
zu, und die BOMBAY strzte ihm
entgegen.


SKARABUS
-
Hangar zwei gerumt


Fesselfelder und Traktorstrahlen


Einsatz, sobald in Reichweite.


An
Zentralebesatzung der BOMBAY, wie
Achil van Taarnhoi das Schiff
beschleunigte und drehte, bis der Hangar
auf den SKARABUS wies. Mit hoher
Geschwindigkeit rasten sie auf das
Kleinraumschiff zu. Oberst Nuruzzaman
berschlug im Kopf,

was geschehen wrde,
sollte die VAHANA bei dieser
Geschwindigkeit in das Innere der
BOMBAY einschlagen. Auch wenn es nur
ein kleines Raumschiff war, konnten die
Schden ein ernstes Ausma erreichen.


Doch wenn jemand dieses Manver
erfolgreich absolvier
en konnte, war es
Achil. Seine Fertigkeiten im Umgang mit
der BOMBAY lieen manchmal das
Gefhl aufkommen, dass er sie nicht wie
eine Erweiterung seines eigenen Krpers.


Kurz vor der VAHANA bremste Achil
die BOMBAY

unvermittelt ab. Die hohen
Beschleunigungen machten Oberst
Nuruzzaman Sorge. Ein Ausfall der
Andruckabsorber in solch einem Moment
wre katastrophal gewesen. Sie konnten
nur hoffen, dass sie vorerst weiter von den
Effekten der Anomalie verschont blieben.


Beschuss durch mehrere Feindschiffe,
kam die Meldung vom Feuerleitstand.
Schirme sind belastet, aber halten.


Nuruzzaman nickte. Je mehr Feuer sie
auf sich zogen, umso weniger musste die
59

Verena Themsen


VAHANA aushalten.


Die BOMBAY kam zum Stillstand, und
es w
ar nur noch die Eigengeschwindigkeit
des kleinen Landebootes, die das Schiff auf
den Hangar zurasen lie.


Gefhlvoll beschleunigte der Pilot in die
Gegenrichtung, passte die Geschwindigkeit
der BOMBAY weiter an die der VAHANA
an, whrend sie durch Struk
turlcken ins
Innere der schtzenden Felder der
BOMBAY glitt. Mit einem Mal ging der
volle Beschuss auf das Explorer
-
Schiff
ber. Weitere Feindschiffe schlossen auf.


Erhalten Punktbeschuss auf die
Schirme. Belastung bei 80 Prozent.


Gem den neuen
Positionsdaten und
dem Einflugvektor der VAHANA
korrigierte der Pilot noch einmal die
Ausrichtung der BOMBAY. Nur geringste
Toleranzen waren erlaubt, sollten die
Traktorstrahlen den SKARABUS ohne
Kollision mit der BOMBAY ins Innere
ziehen knnen.


Achil

von Taarnhoi agierte mit absoluter
Przision.


Mehrere Mitglieder der
Zentralebesatzung hielten den Atem an, als
im Holo die Bilder der beiden Raumschiffe
miteinander verschmolzen.


Fesselfelder halten. Hangar geschlossen.
VAHANA ist sicher in Prallf
eldern
aufgefangen. Minimale Kollisionsschden
Chefingenieur Morn Delouwen. Ein
kleiner Brand im hinteren Bereich ist unter
Kontrolle. Die VAHANA ist erfolgreich
geborgen.


Die Erleichterung machte sich sofort in
lei
sem Murmeln Luft.


Nuruzzaman an. Ausweichkurse zur
Entlastung der Schirme. Auf
bergangsgeschwindigkeit bringen.


In einem wilden, unwirklichen Zickzack
jagte der Pilot die 1500 Meter
durchmessende Kugel der BOM
BAY durch
er die Sternengaleonen hinter sich gelassen
hatte. Er beschleunigte weiter, und endlich
glitten sie in den Linearraum ber.


Nuruzzamans Blick ruhte auf den
Werten, die aus der VAHANA empfangen
wurden.
Das Schiff war kaum mehr als ein
Wrack. Mehrere der Lebenszeichen darin
waren schwach, und es hatte sich nichts
gerhrt.


Funkkontakt zur VAHANA?


Negativ. Immer noch nichts zu hren.


Der Oberst strich durch sein schwarzes
Haar und stand auf. W
ir mssen von
auen rein. Ein Team soll den Hangar
sichern. Wir wissen nicht, was sie alles an
Bord haben. Medo
-
Station, ein Team zum
SKARABUS
-
Hangar zwei. Ich komme
ebenfalls. Achil!


Kommandant?


Einen Moment ruhte der Blick
Nuruzzamans auf dem H
olo des
gerade verlassen hatten. Von dort glitt er
weiter zur Zeitanzeige.


Es war der 30. September 1469 NGZ,
1.07 Uhr.


Bring uns nach Hause.


13.



Leise Klnge erfllten den Raum,
beruhigende
Klnge, die Hoffnung auf eine
bessere Zukunft machten. Gaztraids Finger
hrten nicht auf, ber das Instrument zu
gleiten, als er aufsah und dem Obersten
Marschgeber zunickte.


Facao. Welche Freude, dich zu sehen.
Was fhrt dich zu mir?


Facao braucht
e einen Moment, um sich
an den Zweck seines Besuches zu erinnern.


Die Kriegs
-
Ovula haben sich bereit


Eine kurze Tonfolge sprang aus dem
Gert, die den Fagesy an einen im
Sonnenlicht tanzenden
Sternfalter
erinnerte.


Das sind gute Nachrichten, sagte der
Prokurist mit einem weichen Lcheln.
60

Verena Themsen


Sehr gute Nachrichten. Alles luft nach
Plan.


Entspannt sank Facao auf einen der
Sitzkelche und lie sich mit der Musik des
Perlmuttfarbenen treiben.


ENDE










daran, die Frevler festzusetzen, die
ALLDARS Verschwinden enthllt haben.


Mit dem Roman der kommenden Woche
blenden wir um zu den entfhrten Kindern
n
alles daran, diese neu zu formatieren.
in Band 2619, der unter folgendem Titel
berall im Zeitschriftenhandel erhltlich
sein wird:







61

Verena Themsen






Sol (II)



Im
bergangsbereich von der
Strahlungs
-

zur
Konvektionszone

der Sonne erreichen
die
Konvektionszellen

riesiger heier
Blasen ionisierten Gases von
Megagranula

mehrere 100.000 Kilometer Durchmesser.
Weiter oben verbinden sich mit
grorumigen Supergranula,

die

eine
vertikale Ausdehnung von 15.000
Kilometern und eine horizontale von 20.000
bis 40.000 Kilometern aufweisen,
Lebenszeiten von einem bis eineinhalb
Tagen, in denen Materie mit Ge
-
schwindigkeiten von etwa 300 bis 400
Kilometern pro Sekunde vertikal nach
oben
strmt.


Granula

oder auch
Granuolen

sind die
obersten Teile in der Konvektionszone; in
ihnen gibt es Aufwrtsbewegungen von bis
zu 3600 Kilometern pro Stunde, whrend
vom Zentrum zum Rand gerichtete
Horizontalgeschwindigkeiten deutlich
geringer aus
fallen. Die Lebensdauer eines
Granulum liegt bei fnf bis zehn Minuten,
ehe es sich wieder auflst und durch neue
ersetzt wird. Die Gre der Konvektions
-
zellen nimmt nach auen stark ab


an der
Sonnenoberflche

ist das Brodeln als
Granulation

erkennbar, e
ine krnige
Struktur, bei der sich kleine helle Gebiete
vom etwas weniger hellen Hintergrund
abheben. Der Durchmesser betrgt im
Mittel rund 1500 Kilometer; es gibt stndig
etwa vier Millionen Granula auf der
Sonnenoberflche.


Wegen der geringen Dicht
e am oberen
Rand der Konvektionszone knnen die
Photonen nahezu ungehindert nach auen
entweichen. Die Gaskugel Sols erscheint
deshalb scharf im Sinne einer
Sonnen
-
oberflche

begrenzt, weil der grte Teil
der fr uns sichtbaren Sonnenstrahlung aus
der dnn
en Schicht der
Fotosphre

kommt


griechisch fr Kugelschale aus Licht.


Bedingt durch die unterschiedlichen
thermischen und Strahlungseigenschaften
gliedert sich die
Sonnenatmosphre

von
innen nach auen in die vier Teilbereiche
Fotosphre, Chromosph
re, bergangs
-
schicht, Korona.

Druck und Dichte nehmen
nach auen kontinuierlich ab. Fr die
Temperatur gilt dies nur in der Fotosphre
und der unteren und mittleren Chromo
-
s
phre, whrend sie in den darber
liegenden Schichten mit wachsendem
Zentrumsabstand

wieder steigt.


Die Untergrenze der nur etwa 300
Kilometer dicken Fotosphre, von der
gerade noch sichtbare Strahlung direkt
empfangen werden kann, weist eine
Temperatur von etwa 7000 Kelvin auf; an
der Obergrenze etwa 4500 Kelvin. Die
Gasdichte nimmt v
on etwa 3 mal 10
-
7
Gramm pro Kubikzentimeter auf rund 3 mal
10
-
8 Gramm pro Kubikzentimeter ab.


Im unteren Teil ist die sich anschlieende
Chromosphre

bis zu einer Hhe von 1500
Kilometern relativ homogen und mit
insgesamt 10.000 Kilometern Hhe deutlic
h
dicker als die Fotosphre. Ihre Aus
-
strahlung fllt wegen der geringeren Dichte
von typischerweise rund 10
-
12 Gramm pro
Kubikzentimeter bedeutend kleiner aus,
zumal sie nach auen bis auf 10
-
15 Gramm
pro Kubikzentimeter zurckgeht. hnliches
62

Verena Themsen


gilt fr die
Temperatur bis zu einer Hhe
von etwa 300 Kilometern ber der Foto
-
sphre, wo ein Temperaturminimum von
etwa 4200 Kelvin erreicht wird. Nach auen
steigt sie wieder an und erreicht in etwa
2000 Kilometern Hhe 9000 Kelvin.


Die Chromosphre geht in den Wa
ld von
einzelnen flammenhnlichen Lichtzungen
der
Spicula

ber, die sich unregelmig
hoch erheben. Sie schieen mit
Geschwindigkeiten von zehn bis dreiig
Kilometern pro Sekunde empor


verbunden mit Lebenszeiten von rund zehn
Minuten. Im Mittel haben sie

einen
Durchmesser von 1000 Kilometern,
erreichen Hhen von 10.000 Kilometern
und sind eng mit Magnetfeldern verknpft.
Weil der Gasdruck mit zunehmender Hhe
abnimmt, spielt der senkrecht zu den
Feldlinien wirkende magnetische Druck
eine immer strkere Ro
lle.


Wegen der niedrigeren Temperaturen und
der hheren Dichte in den Spicula im
Vergleich zur Materie in der sie um
-
gebenden
bergangsschicht

strahlen die
Spicula strker als die sie umgebende
Materie und werden sichtbar.
Riesenspicula

mit Temperaturen
von 10.000 bis 20.000
Kelvin haben eine Lebensdauer bis zu etwa
vierzig Minuten, steigen in Hhen von
mehreren 10.000 Kilometern und reichen
durch die bergangsschicht bis in die
untere Korona
.


Die
bergangsschicht

selbst hat eine
Dicke von wenigen Taus
end Kilometern
und ist im Wesentlichen durch den Anstieg
der Temperatur von etwa 25.000 Kelvin auf
rund eine Million Kelvin sowie einen steilen
Dichteabfall gekennzeichnet. Es handelt
sich um eine Grenzschicht der Helium
-
Ionisation sowie den bergang von d
er
gravitationsgebundenen und durch Gas
-
druck und Fluiddynamik bestimmten Form
zu von magnetischen dynamischen Krften
wie der Magnetohydrodynamik gebildeten
Formen.


Rainer Castor




63

Verena Themsen






Vorwort


Liebe Perry Rhodan
-
Freunde,



PERRY RHODAN gibt es auch als Comic. Regelmig erscheinen im Hamburger Verlag Alligatorfarm die
Abenteuer unserer Helden des Alls. Soeben ist die Nummer 140 erschienen.



Ein paar Daten dieser Woche: Am 26. Oktober 1980 erschien zum 1. We
ltCon in Mannheim das
Jubilumstaschenbuch Nummer 1. Aus selbem Anlass kam zwei Tage spter der PERRY RHODAN
-
Weltraumatlas auf den Markt.


Perry und ich


Jrgen Opper, nc
-
[email protected]


Gestern Abend haben meine Partnerin und ic
h uns
die Dokumentation Perry Rhodan


unser Mann im
All hier in Kln im Kino angesehen. Leider waren
wir die einzigen Besucher (Es lag wohl an dem
schnen Wetter; wohl der letzte Sommerabend dieses
Jahr). Es war eine gelungene und sehenswerte Doku.
Den
Begriff Handgranaten
-
Herbert habe ich jedoch
vermisst.


Als jung gebliebener Altleser, eingestiegen mit
PERRY RHODAN im Bild und den 300er
-
Bnden
der Hefte, konnte ich mit dieser Doku meiner
Partnerin endlich einmal nahebringen, was ich jedes
Wochene
nde in der Badewanne so treibe.


PR hat mich zum SF
-
Leser gemacht. Clarke,
Asimov, Vance, Gibson, Brin und Simmons htte ich
sonst wohl nie gelesen.


berhaupt habe ich mit PR wohl auch konzentriert
lesen gelernt. PR hat mein Interesse fr Physik,
(alt
ernative) Geschichte und Philosophie geweckt und
mir unendliche Weiten aufgestoen.


Weiter so!



Machen wir. Die Dokumentation im Film kann ich
jedem empfehlen


eine vllig neue Art und Weise, die
Serie zu betrachten, und gleichzeitig eine inform
ative
historische Annherung an 50 Jahre PERRY
RHODAN.



Dr. A. Korupp, [email protected]


Am 24. 9. dieses Jahres wurde ich 50 Jahre alt.
Eigentlich ist das nichts Besonderes, aber Perry
Rhodan feierte ja nun auch sein Jubilum. Deshalb
will

ich nach 42 Jahren Leserschaft ein paar Zeilen
loswerden.


Angefangen hat es mit einem Nachbarsjungen
namens Angelo, der mir gromtig die ersten Hefte
zum Lesen berlie. Es waren Bnde aus den Zyklen
Meister der Insel und M87. Leider hatte er die
unschne Angewohnheit, vor der bereignung der
Hefte die Titelbltter abzureien.


Ich las dann wie ein Wilder jeden Roman und
drckte mir am Bahnhofskiosk die Nase platt, um das
Titelbild verinnerlichen zu knnen.


Fast wre es zur Katastrophe gekomme
n. Der
Roman Das Ende der Dolans fehlte, und ich htte
meine Adidas
-
Schuhe hergegeben, um das Heft zu
bekommen; nach etlichen Diskussionen mit meinen
Eltern habe ich es dann per Nachnahme bestellt (So
was hatte ich noch nie gemacht!) und vier Wochen
sehn
schtig darauf gewartet; ihr knnt es euch
vorstellen, wie die Reaktionen meiner Eltern waren
(Haben wir es dir nicht gleich gesagt? Das
funktioniert nicht, und nun ist das Geld weg!).


Letztlich hat es sich herausgestellt, dass ich Depp
die Absenderan
gabe auf dem Bestellformular
vergessen hatte. Ich glaube, dieses Heft wurde in einer
Rekordzeit gelesen, die meinerseits nie wieder
unterboten wurde.

64

Verena Themsen



Mit der Zeit konnte ich mir dank Taschengeld die
dritte Auflage leisten, spter auch die erste, bis ich

dann mit Band 800 wegen zunehmender schulischer
und auerschulischer Herausforderungen mit dem
kontinuierlichen Lesen aufhrte. Spter im Studium
kaufte ich mir sporadisch die Silberbnde, ab und an
auch einen Heftroman und habe tapfer die
missbilligend
en Blicke meiner Kommilitonen
ertragen. Auch im Berufsleben versuchte ich
dranzubleiben.


Mein Bemhen, mit den Silberbnden und
sporadischem Lesen von Heftromanen auf dem
Laufenden zu bleiben, war letztlich nicht befriedigend,
und so bin ich letztes J
ahr wieder in die laufende Serie
eingestiegen.


Ich muss sagen, ich habe es nicht bereut. Die
Qualitt ist immens gestiegen, und ich freue mich auf
jeden Donnerstag.


So begleitet eure Serie mein Leben, seit ich denken
kann, und ich glaube, ihr knnt s
tolz sein auf das
Universum, das ihr geschaffen habt.


Nicht jeder Roman konnte Spitzenklasse sein. Es
waren aber auch viele Sternstunden der Science
Fiction dabei.


Macht weiter so, ich freue mich auf die nchsten 50
Jahre.



Glckwunsch zu dein
em runden Geburtstag. Die
damalige Zeit war in der Rckschau vielleicht
einfacher, weil es nicht so viele Mglichkeiten gab wie
heute. Der Zahlungsverkehr bei solchen Bestellungen
lief meist ber Zahlkarten von der Post. Diese
graublauen Zettel waren unbe
rsichtlich. Man musste
den Absender zweimal eintragen, und wenn man es
nur auf dem eigenen Belegabschnitt getan hat, war
der Wurm drin.


Danke auch fr das Lob. Ein Langzeitprojekt wie
unsere Serie kann und darf nicht statisch sein, sonst
wre sie schnel
l weg vom Fenster. Es gibt immer
wieder neue Entwicklungen wie etwa die neue Serie
PR
-
NEO, die vor drei Wochen gestartet ist und den
Aufbruch der Menschheit ins All durch viele neue
Aspekte bereichert.


Die ersten 12 Prozent


Juerg Schm
idt, [email protected]


Die ersten drei Viererblcke des neuen Zyklus sind
absolviert, die drei


zumindest bis Nummer 2649


relevanten Handlungsebenen etabliert (Chanda, Sol
und Umgebung, Saedelaere. Als vierte Ebene knnte
eventuell noch die de In
sel dazukommen).


Fr mich ist das Gelegenheit zu einem ersten Fazit.


Uwe Antons Jubilumsband wartete mit reichlich
Sense of Wonder auf: Ennerhahl, Delorian (der,
obwohl auerehelich geboren, dennoch Delorian
Rhodan heit


noch so ein kosmisches R
tsel), QIN
SHI, Anzug der Universum und Multiversum
-
Okular.


Letztere Entwicklung ist wohl nur auf der BASIS
mglich, weshalb ich meine Verwunderung ber die
Reaktivierung des alten Kastens abschtteln konnte.


Die folgenden Bnde von Leo Lukas und M.
M.
Thurner waren trotz Action, schrgen Typen, Humor
und Todringer
-
Mutanten doch eher etwas zum
Durchatmen. Die Handlung kulminierte in der
Transformation von Ramoz.


Wer ist Ramoz wirklich, wieso hat er zwei
verschiedene Gestalten, und weshalb bezeichne
t er
Chanda als sein Zuhause? Bald wird sich das Rtsel
klren, wie er nach Markanu kam. Dass er aus Chanda
stammt, ist nicht zwingend, wre aber denkbar. Auf
jeden Fall ist es logisch, dass seine Heimat in einer
frheren Polyport
-
Galaxis liegt.


Dann di
e Umblendung zum entfhrten Solsystem:
Wim Vandemaan wartete mit einer von vielen
soziokulturellen Details


Reinkinder,
Trauminduktoren, Vitaminkobolde, die Reeperbahn
anno 1469 NGZ


aufpolierten
Altherrenrhrgeschichte auf.


Danach durften wir eine ne
ue Autorin begren:
Verena Themsens Debt gefiel mir (trotz des 1327.
Technikausfalls


ghn). Der Roman erinnerte an
Kneifel zu seinen besten Zeiten. Ihr Physikerinnen
-
Hintergrund kommt ihr gewiss zugute.


Wichtiger waren aber die berzeugenden,
lakoni
schen und professionell agierenden Charaktere.
Die Mutantenbrder waren eigentlich zu interessant,
um sie gleich wieder zu entsorgen. An Hubert
Haensels solidem Unter dem Stahlschirm gefiel mir,
dem Erzhltheoretiker, die perspektivistische
Darstellung:
Der verkrzte Horizont auf der
Planetenbrcke oder das verwirrende zweite
Augenpaar des Aliens sind schne Beispiele fr
gelungene mimetische Projektion.


Wim Vandemaan fhrte die Ebene zum Hhepunkt.
Er entwickelte Bilder fr Shandas telepathischen
Kont
akt mit den Spenta und berzeugte mit dem
grandiosen Puc. Shanda ist in den sechs Jahren zur
selbstbewussten Frau gereift. Der Technobabbel
wird gut prsentiert. Trotz unrealistischer ausufernder
Journalisten
-
Befugnisse, Zahlendrehern,
Namensverwechslung
en (Fnfziger, Seite 12) und
Grammatikfehlern (DAS Schemen) gibt es von mir
die volle Punktzahl.


Dass in PR Anomalien zur Normalitt gehren,
zeigte Band 2608. Die putzigen Pelzkugel
-
Aliens (und
das hbsche Titelbild von Al Kelsner) gefielen mir.
Di
e Maskentrger am Schluss verliehen dem
unterhaltsamen Roman eine hbsche mystische Note.


Zeitweise spekulierte ich, ob Mehnerts CD
-
Novelle
aus dem PR
-
Extra 11 wichtig werden knnte. Aber
anderthalbse
itige Dialog zwischen Blitzer und
Vierauf?


Weiter ging es mit Montillons Doppelband, bei dem
das grte Problem Saedelaeres konspiratives
Treffen mit Pridon in seiner Kabine ist. Wenn ich
vermute, ich htte eine potenziell tdliche Infektions
-
krankheit
, greife ich doch zum Telefon und bestelle
nicht die rzte zu mir, ohne dass sie Vorsichts
-
65

Verena Themsen


manahmen treffen knnen.


Ansonsten gelang es dem Autor, die Handlung eines
Romans raffiniert auf zwei zu strecken.


Zuletzt verhinderte Marc A. Herren die
escal
ianische Eskalation, wobei die Horrorphantasien
der Escalianer berzeugten. Alaska kann also den
Weg ins Reich der Harmonie fortsetzen, auch wenn
die LEUCHTKRAFT unter mysterisen Umstnden
verschwunden ist


vielleicht ein
Sicherheitsmechanismus der Ano
malie
-
Erbauer?
Wenn die zum Nachsehen kommen, werden sie ber
die Nekrophore wohl nicht erfreut sein.


Und ist Sholoubwa wirklich raus? Die Herzogin
spielt ja wohl kaum mit offenen Karten.


Fazit: Vielversprechender Start des Neuroversum
-
Zyklus. Die
Autoren schrieben gute Romane, obgleich
nur zwei berragend waren (2600, 2607). Viele
Fragen stellen sich: Wo ist das Solsystem? Was
bezweckt Delorian? In wessen Auftrag handelt
Ennerhahl? Was planen die Sayporaner? In welchem
Zusammenhang stehen Transitpa
rkett und Polyport
-
Netz?


Wo ist ALLDARS Leiche? Was ist SAF? Wozu hat
Samburi die Nekrophore gebunkert? Soll etwa das
Reich der Harmonie aus irgendeinem Grund
vernichtet werden? Wozu dient das Multiversum
-
Okular, und wer hat es wann in die BASIS eingeba
ut?


All das lsst einen spannenden, komplexen und
kosmisch wertvollen Zyklus erwarten.



Zu den Sternen!



Euer Arndt Ellmer

















Pabel
-
Moewig Verlag GmbH


Postfach 2352


76413 Rastatt


[email protected]
-


Hinweis:


Alle abg
edruckten Leserzuschriften erscheinen ebenfalls in der E
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Book
-
Ausgabe des
Romans. Die Redaktion behlt sich das Recht vor, Zuschriften zu krzen oder nur
ausschnittweise zu bernehmen. E
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Mail
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und Post
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Adressen werden, wenn nicht
ausdrcklich vom Leser and
ers gewnscht, mit dem Brief verffentlicht.



Impressum


EPUB
-
Version: 2011 Pabel
-
Moewig Verlag GmbH, PERRY RHODAN digital, Rastatt.

Chefredaktion: Klaus N. Frick.

ISBN: 9
78
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3
-
8453
-
2616
-
0


Originalausgabe: Pabel
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Moewig Verlag GmbH, Rastatt.

www.perry
-

und E
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Mail:
[email protected]
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66

Verena Themsen





Fa
-
System


Die F3V
-
Sonne wird von den Terranern zunchst Next Stop genannt, nach dem Kontakt mit den Favadarei
jedoch Fa. Die Favaradei bezeichnen sie tagsber als Wennedent und nachts
als Atowen. Fa wird von insgesamt
elf Planeten umlaufen, wobei an dritter Stelle in einem Sonnenabstand von 225,68 Millionen Kilometern ein
Doppelplanet kreist. Der untere des Doppelplaneten


Faland


ist eine erdhnliche Sauerstoffwelt, die durch
eine
Planetenbrcke mit dem zweiten, oberen Planeten verbunden ist, der von den Favadarei Shathfauth
genannt wird und unter einer grau
-
gelblichen dichten Wolkendecke liegt. Angeblich weist er Temperaturen auf,
die fr Menschen vllig lebensfeindlich sind. D
a es keine Achsneigung gibt, steht diese Hantel senkrecht auf
der Ekliptik und rotiert um die Lngsachse.


Faland


Der mondlose Planet Faland ist exakt so gro wie Shathfauth, d.h. fast erdgro, quator
-

und Poldurchmesser
sind gleich mit 11.211

Kilometern, die Schwerkraft liegt bei 1,02 Gravos, ein Sonnenumlauf bentigt 591,67
planetare Tage zu 22,85 Stunden. Falands Temperaturen entsprechen jenen der Erde, auch die Sauerstoff
-
Stickstoff
-
Atmosphre ist erdhnlich. Von Faland aus gesehen hat die
Sonne mit 0,46 Grad fast die gleiche
scheinbare Gre wie Sol auf der Erde; Shathfauth dagegen erreicht eine ziemlich beachtliche scheinbare Gre
von ca. 2,8 Grad


das Sechsfache!


Faland hat zwei vereiste Polkontinente und elf Inselkontinente auf oder

nahe der quatorhhe. Der sdliche
Polkontinent heit Lyquolo. Vom Nordpolkontinent trennt ihn der quatoriale Ozean mit den elf Groinseln. Die
wichtigsten heien Kargvan (dort landen die Terraner), Holpogha (mit Stadt Amgheuc), Kret, Makteun und
Quatilu
r. Diese liegen durchweg recht quatornah, und auf ihnen leben zusammen 80 Prozent der Bevlkerung
der Favadarei. Die anderen 20 Prozent verteilen sich auf die sechs anderen Inselkontinente, die zum Teil
vergleichsweise klein sind, zum Teil aber auch auf u
nangenehm hohen Breitengraden liegen und fast nur an den
quatornahen Ksten bewohnt sind. Die wichtigsten Inseln sind per Rhrenbahn auf Druckluftbasis miteinander
verbunden, teilweise ber
-
, teilweise untermeerisch.


Der nrdliche Polkontinent (auch No
rdkontinent) heit Povgheuc; am Nordpol befindet sich die Basis von
Shath


der Beginn der Brcke. Niemand lebt freiwillig auf Povgheuc, denn dort versagen smtliche Maschinen;
die Favaradei umschreiben die Phnomene als dysfunktionale Gezeiten.




Die Planetenbrcke, von den Favaradei tagsber Shathrona und nachts Fermushath genannt, wird der
Einfachkeit halber meist als das Shath bezeichnet. Die Planeten sind durch einen zylindrischen Krper, eine reale,
stoffliche Brcke, mit
einander verbunden


eine 224.220 Kilometer lange, ziemlich genau 1000 Kilometer
durchmessende Rhre, auf deren Oberflche es Aufbauten gibt und die unerklrlicherweise eine atembare
Atmosphre aufweist, eine Lufthlle von vielleicht 15.000 Metern Hhe. Di
e Mantelflche der Brcke betrgt
etwas ber 700 Millionen Quadratkilometer. Genaueres lsst sich ber die Brcke nicht sagen: Die Ortung
verwischt, und zwar umso mehr, je prziser man die Daten haben will.


Sobald sich ein Raumschiff (wie die BOMBAY) de
r Brcke auf weniger als 11.422 Kilometer nhert, versagen
die Maschinen: Ortung, Antrieb, Schirmfeld
-

und Antigravgeneratoren, zuletzt das Lebenserhaltungssystem. Die
Maschinen versagen gestaffelt ihren Dienst: Je hherwertiger und moderner, hyperphysikal
ischer, desto eher und
radikaler. Am vergleichsweise fehlerlosesten arbeiten smtliche Maschinen in der Sdpolregion. Je nher man
dem Nordpol kommt, desto unzuverlssiger werden sie. Aber auch auf dem Sdkontinent gibt es dysfunktionale
Gezeiten.


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Verena Themsen


Kontinuierliches Sediment/Totenhirn


Das groe Geheimnis der Favadarei ist ihr Totenhirn: Wenn sie sterben, werden bestimmte Hirnsegmente
entnommen und dem Totenhirn beigefgt, einer mittlerweile riesenhaften Sammlung organischen Materials auf
der Gr
oinsel Holpogha in der Stadt Amgheuc, einer riesigen Nekropole etwas nrdlich der Sdkste des
Polkontinents. Mittelpunkt der Stadt ist das Totenhirn in einem Schacht von annhernd 70 Metern Durchmesser
und unbestimmbarer Tiefe. Die Hirnmasse wird das Ko
ntinuierliche Sediment genannt. Es versammelt
Hirnsubstanz unzhliger verstorbener Favadarei. Dort finden sie ihre spezifische Unsterblichkeit. Es ist etwas wie
ein geistiger Korallenstock der Favadarei, definitiv keine Superintelligenz. Die Substanz verw
chst allmhlich
miteinander, nicht alle Regionen sind bei Bewusstsein, manche Regionen liegen in einem tiefen, aber von
Trumen durchsetzten Schlaf. Am Leben erhalten wird das Kontinuierliche Sediment von einer schwach
intelligenten Wurmart, die es versor
gt, pflegt und sich von den unerwnschten Zellwucherungen der Hirnsubstanz
ernhrt, mithin in einer Symbiose mit dem Kontinuierlichen Sediment lebt: den Gheucen, die die Gebude von
Amgheuc bewohnen. Die Gheucen sind drei bis zehn Meter lange, armdicke Ri
esenregenwrmer.


68

Verena Themsen



PERRY RHODAN


die Serie


Was ist eigentlich PERRY RHODAN?


PERRY RHODAN ist die grte Science
-
Fiction
-
Serie der Welt: Seit 1961 erscheint jede Woche ein
Heftroman. All
e diese Romane schildern eine Fortsetzungsgeschichte, die bis in die ferne Zukunft reicht.


Daneben gibt es gebundene Ausgaben, Taschenbcher, Sonderhefte, Comics, Computerspiele, Hrbcher,
Hrspiele, E
-
Books und zahlreiche weitere Sammelartikel. Die We
lt von PERRY RHODAN ist gigantisch, und
in ihr finden sich zahlreiche Facetten.


Wer ist eigentlich Perry Rhodan?


Perry Rhodan war ein amerikanischer Astronaut. Mit seiner Rakete STARDUST startete er zum Mond; mit an
Bord war unter anderem sein b
ester Freund Reginald Bull. Die beiden trafen auf die Arkoniden Thora und Crest,
zwei menschenhnliche Auerirdische, deren Technik sie bernahmen. Rhodan grndete die Dritte Macht, einte
mit Hilfe der Alien
-
Technik die Erde


und in der Folge stieen die
Terraner gemeinsam ins Universum vor.


Wie funktioniert die PERRY RHODAN
-
Serie?


Seit 1961 wird PERRY RHODAN nach einer Methode geschrieben, die sich bewhrt hat: Die Romane werden
von einem zehnkpfigen Autorenteam verfasst, das unter der Leitung

eines Chefautors steht. In
Autorenkonferenzen wird die Handlung festgelegt.


Neben den Heftromanen gibt es die sogenannten Silberbnde, in denen die klassischen Heftromane zu
Hardcover
-
Bnden zusammengefasst werden. In den Taschenbuch
-
Reihen, die im Hey
ne
-
Verlag verffentlicht
werden, erscheinen neue Abenteuer mit Perry Rhodan und seinen Gefhrten.


brigens PERRY RHODAN gibt es auch in Form von Hrbchern:
www.einsamedien.de


Wo bekomme ich weitere Informationen?


Per Internet geht's am schne
llsten:
www.perry
-
rhodan.net

liefert alles Wissenswerte.


Und wer ein Infopaket per Post haben mchte, sende bitte 1,45 Euro an:


PERRY RHODAN
-
Redaktion, Postfach 23 52, 76431 Rastatt.


Das groe PERRY RHODAN
-
Lexikon online


die Perrypedia:
www.perr
ypedia.proc.org
.



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